Wartende Frauen, das Wetter und Giap
Frühstück auf Dachterrasse bei lauem Lüftchen ist genau mein Ding, trotz der Laustärke des Verkehrs tief unten. Ich habe mir die Häuser noch einmal mit Vergnügen angesehen, keines gleicht auch nur im Entferntesten dem anderen. Vermutlich kann man „Traufhöhe“ auch nichts in Vietnamesische übersetzen.
An der Bushaltstelle wurde ich in ein Gespräch mit einen Studenten verwickelt, der gerade sein Examen in Tourismus gemacht hatte und am Flughafen arbeitete. Ein intelligenter Kerl, mit dem gut hätte politisch diskutieren können. Von den Chinesen hielt es aus historischen Gründen nicht viel. Europa? Auf dem Abstieg, und Vietnam auf dem Aufstieg zum voll entwickelten „Schwellenland“. Die machen es wie China: Marktwirtschaft, aber der Staat hält den Daumen drauf.
Aus der Rubrik „nützliches Wissen“: Die Vietnamesische Volksarmee ist die einzige Armee, die sowohl Frankreich, die USA als auch China besiegt hat.
Wenn der Student nicht gewesen wäre, wäre ich zuerst viel zu weit zum internationalen Flughafen Hanois gefahren – für Inlandsflüge steigt man aber eine Station vorher aus. Zum Glück war ich drei Stunden vorher da – ich hätte gar nicht gedacht, dass auch alle Inlandsflüge proppevoll sind. Ich wusste auch nicht, dass es hier offenbar mehr extrem gut aussehende Frauen gibt als in Israel.
Mit einer Stunde Verspätung ging es los. Das untere Foto habe ich von der AI etwas aufhübschen lassen, um die Scheibe des Flugzeugs unsichtbar zu machen. Die Landschaft sieht sehr interessant aus, überall kleine Siedlungen und zahllose Terrassen.
Welche Wolken sind das?
– Cumulus congestus (Türmchenwolken): Die hoch aufquellenden, blumenkohlartigen Wolken, besonders links im Bild. Sie entstehen durch starke aufsteigende Warmluft.
– Cumulonimbus (Gewitterwolken): Der mächtige Wolkenturm rechts könnte bereits eine junge Gewitterwolke sein. Ein typischer Amboss ist allerdings nicht erkennbar, daher ist die Unterscheidung vom Cumulus congestus nicht sicher.
– Cumulus mediocris und congestus: Die zahlreichen kleineren Quellwolken im mittleren Bildbereich.
– Zusammenhängende Wolkenschichten: Im unteren Bildbereich liegt eine ausgedehnte Wolkendecke, möglicherweise aus Stratocumulus, zwischen der weitere Quellwolken aufsteigen.
Meine Antwort war „ja“.
Dann ist die Aufnahme meteorologisch besonders interessant. Auf der Flugstrecke Hanoi–Điện Biên Phủ überquert man das Gebirge Nordwestvietnams, unter anderem die Ausläufer der Hoàng-Liên-Sơn-Bergkette.
Die Wolkenbildung lässt sich durch zwei Prozesse erklären:
1. Orographischer Aufstieg: Feuchte Luft wird an den Berghängen zum Aufsteigen gezwungen. Dabei kühlt sie ab, und Wasserdampf kondensiert zu Wolken.
2. Thermische Konvektion: Die Sonne erwärmt die Berghänge und Täler unterschiedlich stark. Warme Luft steigt auf und bildet die mächtigen Quellwolken, die auf deinem Foto zu sehen sind.
Besonders der große Wolkenturm rechts sieht nach einem Cumulus congestus aus, möglicherweise im Übergang zum Cumulonimbus. Seine scharf ausgeprägten, blumenkohlartigen Konturen deuten auf kräftige Aufwinde hin.
Eine Besonderheit der Region: Điện Biên Phủ liegt in einem von Bergen umgebenen Becken. Dort kann sich nachts und morgens feuchte, kühlere Luft sammeln, sodass Nebel oder tiefe Wolken entstehen. Die hohen Quellwolken auf deinem Foto sind dagegen eher ein Zeichen aufsteigender Luft.
Ankunft in Dien Bien Phu. Der Flughafenboden ist so blitzblank, dass man von ihm hätte essen können. Nirgendwo auch nur ein Fitzelchen Müll. Was würden Vietnamesen sagen, wenn sie Berlin erleben müssten?
Nach ca. einer halben Stunde Fußmarsch kam ich im Frontier Hostel an. Die hervorragenden Bewertungen überall kann ich nur bestätigen. Die sind ultrafreundlich und helfen bei allem. WIFI in jedem Stockwerk.
Ich habe ein Zimmer mit acht Betten und ein großes Bad mit Dusche für mich allein. Ich bin der einzige Ausländer. Und auch auf den Straßen rufen viele Leute „hello“. Der Tourismus ist hier offenbar noch nicht wirklich angekommen.
Anhand des Screenshots wird das Publikum erraten, was ich morgen mache. Dien Bien Phu ist der Alptraum den französischen Imperialismus, und der Straßenname tritt noch einmal nach. Also so etwas wie Stalingrad mit anderen Beteiligten.
Ich bin in der Abenddämmerung noch etwas herumgewandert, über den Nam Rom.
Die Muong-Thanh-Brücke und die Schlacht von Điện Biên Phủ 1954
Die Franzosen bezeichneten sie als „Bailey-Brücke“. Sie war die einzige Eisenbrücke, die 1953 nach der erneuten Besetzung von Điện Biên Phủ durch die Franzosen errichtet wurde.
Die Brücke war eine lebenswichtige Verkehrsverbindung zwischen den westlich des Nam-Rom-Flusses gelegenen Stützpunkten und den befestigten Höhenstellungen östlich des französischen Festungskomplexes. Über sie wurden Lebensmittel, Waffen, Munition und andere Materialien transportiert, die für den Ausbau der Verteidigungsstellungen im östlichen Bereich benötigt wurden.
Am Morgen des 7. Mai 1954 gelang es den Soldaten der Vietnamesischen Volksarmee, die befestigten Stellungen A1 und C2 einzunehmen. Damit öffneten sie den letzten Zugang von Osten, um zum Zentrum vorzustoßen und die Verteidigungsstellungen zu zerstören, die den Kommandoposten von General de Castries schützten.
Der Nam-Rom-Fluss wurde an diesem Tag zum Schauplatz erbitterter Kämpfe. Hervorragende Söhne der vietnamesischen Nation lieferten sich an seinen Ufern heldenhafte Nahkämpfe mit französischen Soldaten, die sich in Richtung des Zentrums von Muong Thanh zurückzogen.
Am Nachmittag des 7. Mai 1954 wurde der Fluss zum Zeugen des Vormarsches der tapferen und unbeugsamen Kämpfer von Điện Biên Phủ. Trotz französischer Bombardierungen und Artilleriebeschusses überwanden sie alle Hindernisse und drangen bis zum französischen Kommandoposten vor. Dort nahmen sie General de Castries und den gesamten Generalstab des französischen Expeditionskorps in Điện Biên Phủ gefangen.
Damit endete die Schlacht von Điện Biên Phủ nach „56 Tagen und Nächten des Feuersturms“. Zugleich fand die Winter-Frühjahrs-Offensive 1953/1954 ihren Abschluss. Der Sieg beendete neun Jahre erbitterten Widerstandskampfes der vietnamesischen Armee und Bevölkerung gegen die französische Kolonialherrschaft.
Essen im Yen Ninh vegetarian restaurant, eine Google-Empfehlung. Kann ich alles bestätigen. Eine Suppe mit Kartoffeln und Pilzen, Tee mit Honig und Wasser: knapp drei Euro. Irgendwie sind die Preise hier surreal.
By the way: Vietnamesische Kinder essen ungesunde Würsten und schauen dabei US-amerikanischen Zeichentrick-Serien.
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