Der lange Marsch in den Kosmos

china's race tp space
Credits: China’s Race To Space Domination

Die Volksrepublik China hat das Basismodul der geplanten Weltraumstation ins All geschossen. Da ich gern recht habe und behalte, verweise ich auf einen Telepolis-Artikel, den ich vor 18 Jahren geschrieben habe: „Es dürfte keine falsche Vorhersage sein, wenn man behauptet, dass China in wenigen Jahren die Raumfahrernation Russland überholt haben wird. Und auch die USA werden Probleme haben, im Prestigeduell, wer wo im Kosmos territoriale Duftmarken setzt, immer die Nase vorn zu haben.“

china's race tp space
Credits: Wonderfully Kitschy Propaganda Posters Champion the Chinese Space Program (1962-2003)

Die USA hatten in ihrer grenzenlosen, aber unsubstantiierten Arroganz vor zehn Jahren beschlossen, keine Kosmonauten aus China auf die internationale Raumstation zu lassen. „Initially, China’s five-year-old space agency was viewed as too young and inexperienced to offer any useful contributions to the International Space Station. Soon after the Chinese developed their own space stations and sent astronauts to space to visit them, it became clear that this wasn’t the case.“ Wahrscheinlich haben die sich gesagt: Wir sollen zu unerfahren sein? Dann bauen wir den Scheiß eben selbst. Hold my Maotai!

china's race tp space
Credits: Our past, present and future

Popular Science schreibt: „And if it continues its pace, China will launch its experimental Tiangong-2 space lab later this year, followed by a crew that will dock there and test technologies critical for building a permanent manned outpost in orbit. The first module of that outpost—Tiangong-3—is China’s highest- profile project. It is expected to lift off in 2022, marking a new era of Chinese space research. Tiangong-3 will be able to support three taikonauts, in addition to a bevy of scientific research. Notably, CNSA has already rolled out the welcome mat to other countries, offering the opportunity to place experiments, and astronauts, aboard.“

Ich hoffe doch, dass ich noch erlebe, wie Chinesen auf dem Mond landen und eine Raumstation mit Taikonauten bemannen (sic!). Die „Grünen“ werden vermutlich behaupten, das sei dann gar keine Raumstation, sondern ein ausbruchssicheres Gefängnis für islamische Terroristen Uiguren.

Armin Markus T. Curtisius

versklavte Kriegsgefangene in Rom
Relief aus Smyrna (heute Izmir, Türkei): ein römischer Soldat führt versklavte Kriegsgefangene ab. (Source)

Im selben Sommer wurden die in Italien ausgestreuten Keime eines Sklavenaufstandes durch einen Zufall erstickt. Der Anstifter des Aufruhrs, T. Curtisius, früher Soldat in einer Prätorianerkohorte, rief zunächst bei geheimem Zusammenkünfte in Brundisium und den umliegenden Städten, denn in öffentlichen Anschlägen die in den entlegenen Waldgebirgen lebenden, kampfesmutigen Landsklaven zur Freiheit auf. Da landeten wie durch einen Fügung der Götter drei Zweiruderer, die dem Schutz des Handelsverkehrs in jenem Meer dienten. Auch befand sich in dieser Gegend der Quästor Cutius Lupus, dem als Verwaltungsbezirk nach altem Brauch die Gebirgstriften* zugefallen waren. Dieser bildete aus den Seesoldaten eine Truppe und zersprengte die Verschworenen, die gerade losbrechen wollten. Vom Kaiser wurde eiligst der Tribun Staius mit eine starken Mannschaft geschickt; er brachte den Anführer selbst und die nach ihm Verwegensten mit Gewalt mit Gewalt in die Stadt, die schon in Unruhe war wegen des Umfangs der Sklavenhaufen, der ins Ungeheure wuchs, während sich die frei geborene Bevölkerung täglich verminderte. (Publius Cornelius Tacitus: Annalen, Buch 4, 27-29, zwischen 110 und 120 n. Chr. [lateinische Version]

Die von Tacitus geschilderten Ereignisse fanden im 24. n. Chr. in Kalabrien statt, also vor rund 2.000 Jahren. Ich frage mich, ob zwei Jahrtausende nach unserer Zeit, also um 4021 n. Chr., sich noch jemand an die beiden Politiker Armin Laschet und Markus Söder erinnern wird, oder ob sie im kollektiven Gedächtnis so „präsent“ sind wie T. Curtisius oder Cutius Lupus. Das zum Thema: Es ist manchmal hilfreich, eine andere Perspektive einzunehmen und sich nicht vom medialen Rauschen irritieren zu lassen.

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* Der Imperator Augustus hatte einzelne provinciae quaestoria geschaffen; zu einer dieser Quästuren gehörte offenbar, die Saumpfade in den Bergen zu überwachen.

Das fängt ja gut an

burks

Duschen. Frühstück. Dann Science (Juri, der Held meiner Kindheit!), Science (hoffentlich lässt mich das Wetter bald Paddeln!), Straßenbau.

Jemand schrieb auf Fratzenbuch über die Rituale des 1. Mai: „Alle Jahre wieder die „Revolutionäre 1.Mai Demonstration“ in Berlin – inzwischen mehr Ritual als Ausdruck realer politischer Intervention. Aber seit einigen Jahren auch Tummelplatz diverser antisemitischer und autoritärer roter Gruppen. Stalinismus statt Autonomie. (Die Jüdische Allgemeine über den Angriff roter Gruppen auf israelsolidarische Menschen)

Während in den letzten Jahren die Israelhasser den letzten Block bildeten, sollen sie dieses Jahr den Frontblock bilden: Gruppen wie „Palästina spricht“ , AGIF ( MLPD Umfeld) und „Young Struggle“ ( MLKP) sind schon bei den Hanau Gedenkdemonstrationen in Köln, Münster und Frankfurt durch aggressive Instrumentalisierung des Gedenkens durch Israelhass aufgefallen. Es ist zu erwarten, dass sich dies wiederholt. Auch in Berlin werden jüdische Gruppen wie die „Jewisch Antifa“ das Feigenblatt spielen, sind sie doch fest in der antisemitischen BDS Szene verankert.

Der autonome Traum von „Freiheit und Glück“ versinkt in stalinistischer Gewaltphantasie und antisemitischen Israelhass. Das war’s dann wohl!“

Leonardo! Trebuchet! Blide!

Ich habe ein kleines Video meiner fertiggestellten Blide hochgeladen. Ist auch auf Youtube zu sehen.

Fakten, Fakten, Fakten [Update]

covid-19

Karl Lauterbach auf Twitter: „Das ist die bisher beste Datenanalyse zu #LongCovid. In UK konnte gezeigt werden: Einer von sieben Covid Patienten bekommt LongCovid. Jeder 10te Covid Patient ist auch nach 4 Monaten noch krank. Berufstätige stärker betroffen als Rentner. Wichtig auch Prevalence of ongoing symptoms following coronavirus (COVID-19) infection in the UK.“

Betten auf Intensivstationen werden bald knapp werden. [Update] I told you so.

Praise science! [Update][2.Update][3.Update][4.Update]

covid-19 Impfungcovid-19 Impfungcovid-19 Impfung

[Update] Exakt 14 Stunden nach der Impfung keinerlei Nebenwirkungen.
[2.Update] Exakt 24 Stunden nach der Impfung keinerlei Nebenwirkungen.
[3.Update] Exakt 36 Stunden nach der Impfung keinerlei Nebenwirkungen.
[4.Update] Exakt 48 Stunden nach der Impfung keinerlei (In Worten: null, gar keine, überhaupt nicht) Nebenwirkungen.

Energie, Masse und Kraft

trebuchet

Es werden Maschinen gebaut werden, mit denen die größten Schiffe, von einem einzigen Menschen gesteuert, schneller fahren werden, als wenn die mit Ruderern vollgestopft wären; er werden Wagen gebaut werden, die sich ohne die Hilfe von Zugtieren mit unglaublicher Geschwindigkeit bewegen werden; Flugmaschinen werden gebaut werden, mit denen ein Mensch die Luft beherrschen wird wie in Vogel; Maschinen werden es erlauben, auf den Grund von Meeren und Flüssen zu gelangen.“ (Roger Bacon, Epistola de secretis operibus artis et naturae, um 1260)

Liebe Studenten! Wo sind wir gerade? Beim Einschub eines Einschubes. Die ursprünglichen Fragen wird jeder vergessen haben. Wer will, kann noch einmal nachsehen.

Ich schrieb: „Ich wollte Mitterauers „Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs“ weiterlesen, stockte aber, weil mir unangenehm auffiel, dass ich das Standardwerk Lynn Whites „Medieval Technology and Social Change“ über die Entwicklung der Produktivkräfte gar nicht kannte.“

Wir sind also beim zweiten Einschub in der Lektüre Mitterauers und immer noch bei den Vorarbeiten zum Einen und Einzigen Wahren und Autorativen, Historisch Genauen und Amtlich Anerkannten Bericht über den Feudalismus und wie er den Kapitalismus gebar und warum und warum anderswo nicht.

Und nun kommen wir zur Kurbel. Ich habe die Blide natürlich mit einem Hintergedanken zusammengebaut: Warum ist die den Römern nicht eingefallen? Welche Naturkräfte wirken, wie erkennt und begreift man die, und wann versteht man das und warum? Das Hebelgesetz kennen wir schon seit Archimedes. Der war so aus seiner Zeit gefallen bzw. ihr voraus wie Leonardo. Archimedes hat die Römer mit Maschinen erschreckt, die die einfachen Gesetze der Mechanik ausnutzen, aber außer ihm verstand niemand etwas davon. Eine einfache Schleuder, die das Hebelgesetz ausnutzt, kann nach ein wenig Ausprobieren vermutlich jedes Kind. Schwieriger wird es schon mit der Länge des Schleuderarms: Die Achse ist nicht in der Mitte, sondern verschoben. Der Teil mit den Gegengewichten ist kürzer. Versteht man das Prinzip „Kraft mal Kraftarm ist gleich Last mal Lastarm“ bei bloßem Hinschauen?

Bei der Blide Leonardos kommen noch zwei weitere Prinzipien dazu: Der zu schleudernde Arm mit der Last wird „künstlich verlängert“ dergestalt, dass die Seile, an der das, was weggeworfen werden soll, noch zusätzlich schwingen, was die Strecke des bewegten Objekts vergrößert. Nein, das ist den Römern nicht eingefallen – deren Belagerungsmaschinen waren viel einfacher und nutzen meistens nur die Spannung gedrehter bzw. gestraffter Seile aus. Das Thema also: Woher kriegt man die Energie, um eine Masse zu beschleunigen? Wie ersetzt man Menschenkraft durch Schwerkraft und/oder Energie aus irgendeiner Quelle? Wie kombiniert man mehrere physikalische Gesetze, um eine „Maschine“ zu bauen?

Es ist keinesfall so, dass das Wissen der Menschheit immer nur aufgestapelt wird und die nachgeborenen Generationen sich dessen bedienen könnten. Schon bei Büchern weiß man, das dem nicht so ist. Wissen kann seiner Zeit voraus sein und von niemandem verstanden werden (wie beim Hubschrauber) oder verloren gehen oder daran scheitern, dass es an den Materialien fehlt, um etwas zu bauen oder so unsäglich aufwändig, dass man es lässt – oder die Ökologie lässt es in bestimmten Regionen nicht zu (wie beim schweren Pflug).

Ochsenpflug Kuba
Granma, Kuba. Auch in Kuba ist das Pflügen mit Pferden offenbar nicht rentabel. Ochsen ziehen hier mit einem Joch, aber keinem Kummet. Das ist ungefähr der technische Stand der Spätantike.

Die Produktionsverhältnisse scheinen eine Schranke aufzustellen, bestimmte Prinzipien zu erkennen oder nicht. (Nein, es wird jetzt nicht philosophisch.) Es kann kein Zufall sein, dass im Frühfeudalismus eine Revolution in der Landwirtschaft stattfand, die wiederum nach sich zog, dass in der Renaissance zahlreiche Dinge erfunden oder auch nur theoretisch antizipiert wurden, an der die Antike gescheitert war.

Es dauert aber unendlich lange, bis Prinzipien, die heute einfach erscheinen, im Bewusstsein der Menschheit allgemein verfügbar waren. Warum? Das beste Beispiel ist die Kurbel, die auch bei der Blide zum Einsatz kommt. Eine Kurbel setzt eine Drehbewegung in eine Hin- und Her-Bewegung um. Der Heimwerker denkt an Bohren, Sägen und Drehbänke. Kurbeln gibt es schon sehr lange, aber dass man mit ihr eine ganz andere Bewegung umsetzen kann als das Drehen, ist nicht selbstverständlich. Die Griechen und Römer haben, soweit bekannt, Kurbeln nicht bildlich dargestellt, nur wenige sind überliefert worden. Das ist doch merkwürdig? Warum? (Die Nemi-Schiffe besaßen vermutlich auch Kurbeln, sogar mit Schwunggewichten. Leider sind sie zerstört worden.)

Das Prinzip kommt bei Handmühlen zum Einsatz. Lynn White schreibt: „Durch viele Generationen ist nicht beachtet worden, dass das Zermahlen des Korns in einer Handmühle weniger durch den Druck des Obersteins als durch seine Scherwirkung erfolgt ist und dass das Mehl sich nach außen drängte, bei einem muldenförmigen Unterstein genau wie bei einem ebenen. Infolgedessen sind die ältesten Handmühlen recht schwer gewesen, und der Handgriff oder die Handgriffe waren waagrecht seitlich in den Oberstein eingesetzt. An solchen Handmühlen müssen die Mahlenden den Oberstein in ständigem Wechsel der Drehrichtung bewegt haben.“

Da schauen also unzählige Leute hunderte von Jahren auf Mühlsteine, und niemand kapiert das Prinzip, dass man es ganz einfach viel besser machen und haben könnte. Das muss doch erklärt werden?!

Sogar in der Renaissance schien es den schlauesten Köpfen schwer zu fallen, das Prinzip der Kurbel, Bewegungsenergie umwandeln zu können, zu begreifen.

Kurbel
Mariano di Jacopo, genannt Taccola, um 1450. Das Prinzip der doppelt gekröpften Kurbelwelle hat er noch nicht verstanden.

White hat dazu eine interessante These: „Ein Mensch des 20. Jahrhunderts, der vor einer Handmühle mit einem einzigen senkrechten Handgriff säße, würde sie sich ständig gleichsinnig im Kreise drehen. Es ist keineswegs ebenso sicher, dass der Mensch der Verfallszeit des Römischen Reiches das gleiche getan hätte. Das Kurbeldrehen hat eine Umstellung des Bewegungssinnes dargestellt, die schwieriger war, als wir uns heute ohne weiteres vorstellen können. (…) Zu Beginn des 14. Jahrhunderts, also mindestens zwölf Jahrhunderte nach ihrem ersten Auftreten in China und sechs Jahrhunderte nach ihrem ersten Erscheinen in Europa, ist die Kurbel noch immer ein schlafender Keim der technischen Entwicklung gewesen. Sowie das Gebiet des Islam und Byzanz in Betracht kommen, finde ich keinen sicheren Beleg für die einfachste Anwendung vor 1206.“

Die Bohrleier (Handbohrmaschine) und die Pleuelstange kommen erst im 15. Jahrhundert in Gebrauch, obwohl aus der Antike einzelne Beispiele bekannt sind, wie etwa die Sägemühle von Hierapolis.

Vielleicht habe das damit zu tun, so mutmaßt Lynn White, dass ständige Drehbewegungen nur in der anorganischen Welt möglich sind, während bei den Lebewesen das Hin und Her die einzige Form der Bewegung ist. Die Kurbel verbindet beide Grundarten sich oder etwas zu bewegen. „Der große Physiker und Philosoph Ernst Mach hat auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die Kinder beim Erlernen der Kurbelbewegung zu überwinden haben.“

Man könnte vermuten, dass sich Technik unter anderem erst dann entwickelt, wenn eine große Anzahl von Menschen durch ihre Arbeit dazu gezwungen werden, sich Gedanken zu machen, wie man das effektiver anstellen könnte. Die Sklavenhaltergesellschaft war nicht der richtige Nährboden dafür. Aber das vermute ich nur. Wir haben immerhin ein paar gute Fragen gestellt. Dann kommen irgendwann auch Antworten.
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Bisher zum Thema Feudalismus erschienen:
– Reaktionäre Schichttorte (31.01.2015) – über die scheinbare Natur und die Klasse
– Feudal oder nicht feudal? tl;dr, (05.05.2019) – über den Begriff Feudalismus (Fotos: Quedlinburg)
– Helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun (08.05.2019) – über die Funktion der verdinglichten Herrschaft in oralen Gesellschaften (Quedlinburger Domschatz I)
– Tria eburnea scrinia com reiquis sanctorum (09.05.2019) – über Gewalt und Konsum der herrschenden Feudalklasse als erkenntnistheoretische Schranke (Quedlinburger Domschatz II)
– Die wâren steine tiure lâgen drûf tunkel unde lieht (10.05.2019) – über die Entwicklung des Feudalismus in Deutschland und Polen (Quedlinburger Domschatz III)
– Authentische Heinrichsfeiern (13.05.2019) – über die nationalsozialistische Märchenstunde zum Feudalismus (in Quedlinburg)
– Der Zwang zum Hauen und Stechen oder: Seigneural Privileges (15.06.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [I] (24.07.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020)
– Agrarisch und revolutionär (I) (21.02.2021)
– Trierer Apokalypse und der blassrose Satan (17.03.2021)
– Energie, Masse und Kraft (04.04.2021)
– Agrarisch und revolutionär II 15.05.2021)
– Gladius cum quo fuerunt decollati patroni nostri (Essener Domschatz I) (28.10.2021)
– Magische koloniebildende Nesseltiere mit kappadokischem Arm und Hand (Essener Domschatz II) (14.11.2021)
– Ida, Otto, Mathilde und Theophanu, kreuzweise (Essener Domschatz III) (27.11.2021)
– Hypapante, Pelikane und Siebenschläfer (Essener Domschatz IV) (17.12.2021)
– Pantokrator in der Mandorla, Frauen, die ihm huldigen und die Villikation (Essener Domschatz V) (23.12.21)
– Jenseits des Oxus (09.01.2022)
– Blut, Nägel und geküsste Tafeln, schmuckschließend (Essener Domschatz VI) (18.04.2022)
– Missing Link oder: Franziska und kleine Könige (28.05.2022)
– Die Riesen von Gobero (Die Kinder des Prometheus Teil I) (18.07.2022)
– Die Liebhaber von Sumpa, Ackergäule und Verhüttung (Die Kinder des Prometheus Teil II) (25.07.2022)
– Mongolen, Ming und Moguln (Die Kinder des Prometheus Teil III) (09.03.2025)
– Abstrahierte ökonomische Universale, revisited (08.05.2025)
– Unter Drahtziehern (29.06.2025)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I (02.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I, Addendum (16.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika II (18.01.2026)

Zum Thema Sklavenhaltergesellschaft:
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil I]) (05.11.2020)

Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil II]) (27.12.2020)

Trebuchet, reloaded

trebuchettrebuchet

Und Burks sprach: Es werde eine Feste zwischen den ungeklebten Hölzern, die da scheide zwischen den geklebten Hölzern und den frei rotierenden Hölzern. Da klebte Burks die Feste und schied die Hölzer unter der Feste von dem Hölzern über der Feste. Und es geschah so. Und Burks nannte die Feste „Rahmen der Blide“. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.

Trebuchet

trebuchet

Am Anfang schuf Leonardo die Idee.

Und der Tisch war wüst und gar nicht leer, sondern allerlei hölzernes Zeug, dessen Zweck unklar blieb, füllte die Leere, und es war finster auf der Tiefe des Raumes, und der Geist Burks irrte über den Dielen umher.

Und Burks sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Burks sah, dass das Licht gut war. Da schied Burks ein Hölzchen vom anderen, nannte dieses „sling ramp“ und jedes „counterweight“ box und noch vieles mehr. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

AstraZeneca ist sicher! Wirklich?

Wie sicher ist AstraZeneca wirklich?

Das Video wird von YouTube eingebettet und erst beim Klick auf den Play-Button geladen. Es gelten die Datenschutzerklärungen von Google.

„Was ist eigentlich genau mit dem AstraZeneca-Impfstoff los? Was genau hat die Europäische Zulassungsbehörde über die potentiellen Nebenwirkungen und die seltenen Thrombose-Fälle herausgefunden? Und können sich immer noch alle bedenkenlos mit AstraZeneca impfen lassen? „(via Schockwellenreiter)

Nimm dies, Leonardo!

blide

Da habe ich mir ja was eingebrockt.

Imaginäre Visualisierung

schreiben auf papier

Ligna in silvam oder: Vandalisierung des Internets

project gutenberg

Die Leserschaft möge mir verzeihen, dass ich offene Türen einrenne, mit dem eigenen Samowar nach Tula fahre, Eulen nach Athen trage und etwas aufwärme, das schon einige Jahre alt ist, aber offenbar noch immer aktuell – den Rechtsstreit des US-amerikanischen Project Gutenberg Literary Archive Foundation mit dem deutschen S. Fischer Verlag. Heise schrieb 2018:
Dem beigelegten Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main (AZ: 2-03 O 494/14) zufolge hat das Portal die Rechte des S. Fischer Verlags verletzt, als digitalisierte Werke Heinrich Manns, Thomas Manns und Alfred Döblin online gestellt wurden. Als Konsequenz hat Gutenberg.org nicht etwa die beanstandeten Werke offline genommen, sondern ausnahmslos alle Seiten und Unterseiten für Nutzer mit einer deutschen IP gesperrt.

Der Verlag hatte offenbar neuländisch argumentiert, mittels Geoblocking sei es den Machern möglich, deutsche Nutzer daran zu hindern, hierzulande urheberrechtlich geschützte Werke herunterzuladen.

Ach ja? Ist es das? Die damaligen Kommentare bei Heise sprechen für sich. Das mag das Publikum daran erinnern, dass das deutsche Urheberrecht – und nicht nur das – kapitalistischen Ursprungs ist und in dieser Form abgeschafft gehört. Urheberrechte künstlerischer Art sollten nicht vererbt oder verkauft werden können. Fordert das eine Partei in Deutschland? (Nein, die Piraten sind nicht wählbar aus vielen Gründen, unter anderem wegen ihrer Positionen zu „Migration“, was für die offenbar wichtiger ist als Ökonomie. Wer „Ausdehnung der Eierkennzeichnung auch auf verarbeitete Eiprodukte“ in einem Parteiprogramm (!) hat und über „Arbeitnehmer“ und „Staatstrojaner“ faselt, hat einen an der Waffel. Just saying.)

Ich project gutenbergfrischte gerade meine (nur rudimentär vorhandenen) Kenntnisse über die Vandalen auf, die – das war der Anlass – die römische Stadt Timgad (Thamugadi) im heutigen Algerien im 5. nachchristlichen Jahrhundert zerstört hatten. Eine wichtige Quelle zu diesem Ereignis ist Prokopius von Caesarea. Seine „Geheimgeschichte“ (Historia Arcana) und andere Texte wie den über die Vandalenkriege gibt es digital beim Project Gutenberg.

Ich weiß nicht, ob die Anwälte des Verlags Tor kennen oder VPN. Vermutlich nicht. Aber das würde nichts ändern. Was den Juristenhirnen nicht passt, wird passend gemacht. Vielleicht würden sie versuchen, das Lesen bestimmter Werke für strafbar erklären zu lassen.

Der S. Fischer Verlag schreibt auf seiner Website „Autor*innen“. Man sollte ihn boykottieren. Ich würde, selbst wenn ich die Chance hätte, dort nichts veröffentlichen.

project gutenberg

Igel, Katzen und Mangen

wolfram von Eschenbach

…ez waere tal ode berc,
alumbe an allen sîten
er wolt die stat erstrîten.
drîboc und mangen,
ebenhoeh ûf siulen langen,
igel, katzen, pfetraere,
swie vil ieslîches waere
ûf Gyburge schaden geworht,
daz het si doch ze mâze ervorht.

(Wolfram von Eschenbach: Willehalm, vor 1226, erste Erwähnung des Belagerungsgerätes Tribok/Blide (drîboc) (die Passage vorgelesen.)

Nominiere die wichtigsten drei Dichter in deutscher Sprache: Wolfram von Eschenbach, Thomas Mann und Bertolt Brecht.

Poliorketik und Haptik

trébuchet

Ich erforsche, wie dem Publikum bekannt, gerade u.a. die Geschichte der Kurbel im Frühfeudalismus. Mit Kurbeln ist es wie mit Frauen: In der Theorie ist alles blass, was zählt, ist das Haptische. Ich werde also ein Modell der Blide (frz. Trébuchet) Leonardo da Vincis kurz zusammenbauen, um die Physik zu kapieren.

Das ist wie ein Selbstversuch: Welche intellektuellen Fähigkeiten benötigt man, um das Prinzip nachzuvollziehen bzw. – was viel interessanter zu beantworten ist – was fehlt einem, wenn man das nicht versteht? Auf welchen kulturellen Vorleistungen basiert das eigene technische Wissen, vor allem beim Gegengewicht, und wie werden bzw. wurden die tradiert? Ceterum censeo: Warum ist das den alten Römern nicht eingefallen?

Trierer Apokalypse und der blassrosa Satan

Trierer Apokalypse
Trierer Apokalypse – erste Darstellung eines Kummets

In godes minna ind in thes christânes folches ind unsêr bêdhero gehaltnissî, fon thesemo dage frammordes, sô fram sô mir got geuuizci indi mahd furgibit, sô haldih thesan mînan bruodher, sôso man mit rehtu sînan bruodher scal, in thiu thaz er mig sô sama duo, indi mit Ludheren in nohheiniu thing ne gegango, the mînan uuillon imo ce scadhen uuerdhên. (Altfränkisch bzw. Althochdeutsch, Straßburger Eide, 14. Februar 842, also ein oder zwei Jahrzehnte nach der Trierer Apokalypse)

Ich muss noch etwas zwischenschieben – „Agrarisch und revolutionär (II)“ folgt alsbald.

Das kam so: Ich wollte Mitterauers „Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs“ weiterlesen, stockte aber, weil mir unangenehm auffiel, dass ich das Standardwerk Lynn Whites „Medieval Technology and Social Change“ über die Entwicklung der Produktivkräfte gar nicht kannte. [Triggerwarnung: Der folgende Satz hat sehr viele Wörter!] Seine zentrale These gilt zwar als widerlegt, aber seine Quellensammlung zur Geschichte der Technik sind immer noch die Basis, um die Frage zu beantworten, was eigentlich zwischen dem Untergang des Römischen Reiches und dem Hochfeudalismus geschah, ob man überhaupt von einem „Untergang“ reden sollte, und ob der Feudalismus – also das, was wir hinreichend definieren und einschätzen wollen, wie und warum ein revolutionärer (?!) Fortschritt war und ob die mitteleuropäische Geschichte, die am schnellsten zur Industriellen Revolution und zum Kapitalismus führte, eben, wie Mitterauer fragt, ein „Sonderfall“, also eine Ausnahme ist, oder ob es weltweit ähnlich abläuft, nur mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Ich hatte schon leise vor mich hinmurmelnd vermutet, dass, da es in China immerhin bis zum Staatskapitalismus und einer sich „kommunistisch“ nennenden Partei langte, in Europa nichts dergleichen zu beobachten ist, die asiatische Produktionsweise der asiatische Weg eher derjenige sein könnte, der der in die ferne Zukunft weisende kommunistischen Utopie immerhin näher kommt als alles andere.

Bei der Lektüre von Medieval Technology and Social Change (in deutsch) musste ich dann aus purer Neugier einige der extrem exotischen Quellen nachprüfen. Daher jetzt also die karolingische Trierer Apokalypse aus dem ersten Viertel des 9. Jahrhunderts, die überraschenderweise einige Fragen zur Kontinuität zwischen der Antike und dem frühen Feudalismus ein wenig beantwortet.

Trierer Apokalypse
Trierer Apokalypse – Darstellung fränkischer Krieger mit den typischen Wadenbinden

Auch der Stil der Bilder des Kodex weist in die Zeit [nach 804]. Die Zeichnung der jugendlich runden, unbärtigen Gesichter, die noch relativ differenzierte Gewanddrapierung, das Bemühen um getreue Wiedergabe kontrapostischer Stellungen und Bewegungen, die Andeutung von Schmerz und Leid im Gesichtsausdruck, all dies kommt der mutmaßlichen spätantiken Vorlage so unvermittelt nahe, wie es vor allem in der frühkarolingischen Buchmalerei anzutreffen ist. (Kommentar von Peter K. Klein in der Faksimile-Ausgabe)

Die Trierer Apokalypse ist neben der Valenciennes Apokalypse der älteste Zyklus zum Thema überhaupt. Sie fußt auf einer wesentlich älteren Vorlage. Die Wissenschaft kann anhand vieler Details aber feststellen, was das Original imitiert und was von den karolingischen Mönchen zugefügt wurde und was definitiv nicht spätantik ist. (Ich finde das spannend, aber im Buch nimmt das mehrere Seiten in Anspruch.) Zum Beispiel halten die Personen (Schrift)Rollen in den Händen und keine Bücher. Die Heiligen sind bartlos. Gott auf dem Thron sitzt auf einem Globus ohne Clipeus, war seit dem 4. Jahrhundert in der Kunst bekannt ist. Die Pferde sind ohne Steigbügel, obwohl die zur Zeit Karl des Großen allmählich bekannt und übernommen wurden. Die Frisuren der Frauen sind noch antik.

So weisen der Satan und böse Dämonen eine blaßrosa oder blaugraue Färbung auf, so wie man sie sich in der Spätantike vorstellte. Der Drache (…) erscheint als antike Flügelschlange, besitzt also noch nicht die Reptiliengestalt der früh- und hochmittelalterlichen Darstellungen. (SCNR)

Der Hetoimasia, der Thron Christi, stammt aus dem „heidnisch-antiken Hofzeremoniell“ und wurde seit dem Ende des 4. Jahrhunderts durch apokalyptische Motive (vier Wesen, Siegel-rolle, Lamm) eschatologisch umgedeutet.

Merke: Man nimmt etwas, was ursprünglich etwas ganz anderes bedeutet, und interpretiert das einfach um. Robert Ranke-Graves argumentiert in „Die Weiße Göttin“, dass das Christentum nur ein Abklatsch oder eine umgestaltete Version des römischen Mithras-Kultes gewesen sei.

Wir wissen jetzt so viel, dass wir wissen, dass wir gar nichts wissen. Natürlich ist das Pferdegeschirr am interessantesten. Wieder die Frage: Warum ist das den Römern nicht eingefallen? Lynn White schreibt, es stehe fest, dass das „Altertum die Pferde in einzigartig ungeschickter Form angeschirrt hat.“ Man nahm das Jochgeschirr der Ochsen und legte dem Pferd zwei Stränge um Brust und Hals. „Sobald das Pferd anzog, drückten die Stränge auf Schlagader und Luftröhre, so daß die Atmung und die Blutzufuhr zum Kopfe gedrosselt wurde.“

Das in der Trierer Apokalypse abgebildete Kummet beweist an diesem Beispiel, dass der Frühfeudalismus gegenüber den antiken Techniken revolutionär war: Die Arbeitsleistung eines Pferdes ist, trotz gleicher Zugkraft wie die des Ochsen, um 50 Prozent größer. Vom englischen König Alfred dem Großen, der dem Publikum vermutlich aus dem Ragnar-Lothbrok-Zyklus bekannt ist, wird berichtet, er sei erstaunt gewesen, dass (Ende des 9. Jahrhunderts) in Norwegen Pferde zum Pflügen benutzt wurden.

Wenn an also vom „Untergang“ des römischen Reiches spricht, bezieht man sich auf die politisch und ökonomische Sphäre. Ob das so negativ war, ist strittig. Der Feudalismus war so fortschrittlich, dass er nach der Jahrtausendwende eine Bevölkerungsexplosion nach sich zog, aber nördlich der Alpen. Der Süden wurde abgehängt, würde man heute in den Medien sagen.

Trierer Apokalypse
Trierer Apokalypse: In der ersten Zeile eine lateinische Geheimschrift – die Vokale werden durch die ihnen im Alphabet folgenden Konsonanten ersetzt. Danach ein Zusatz aus dem 15. Jahrhundert „apocaylsis cum pictoris“. Darunter 19 Zeilen Minuskel aus dem frühen 12. Jahrhundert – (Erläuterung Richard Laufners in der Faksimile-Ausgabe)

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Bisher zum Thema Feudalismus erschienen:
– Reaktionäre Schichttorte (31.01.2015) – über die scheinbare Natur und die Klasse
– Feudal oder nicht feudal? tl;dr, (05.05.2019) – über den Begriff Feudalismus (Fotos: Quedlinburg)
– Helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun (08.05.2019) – über die Funktion der verdinglichten Herrschaft in oralen Gesellschaften (Quedlinburger Domschatz I)
– Tria eburnea scrinia com reiquis sanctorum (09.05.2019) – über Gewalt und Konsum der herrschenden Feudalklasse als erkenntnistheoretische Schranke (Quedlinburger Domschatz II)
– Die wâren steine tiure lâgen drûf tunkel unde lieht (10.05.2019) – über die Entwicklung des Feudalismus in Deutschland und Polen (Quedlinburger Domschatz III)
– Authentische Heinrichsfeiern (13.05.2019) – über die nationalsozialistische Märchenstunde zum Feudalismus (in Quedlinburg)
– Der Zwang zum Hauen und Stechen oder: Seigneural Privileges (15.06.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [I] (24.07.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020)
– Agrarisch und revolutionär (I) (21.02.2021)
– Trierer Apokalypse und der blassrose Satan (17.03.2021)
– Energie, Masse und Kraft (04.04.2021)
– Agrarisch und revolutionär II 15.05.2021)
– Gladius cum quo fuerunt decollati patroni nostri (Essener Domschatz I) (28.10.2021)
– Magische koloniebildende Nesseltiere mit kappadokischem Arm und Hand (Essener Domschatz II) (14.11.2021)
– Ida, Otto, Mathilde und Theophanu, kreuzweise (Essener Domschatz III) (27.11.2021)
– Hypapante, Pelikane und Siebenschläfer (Essener Domschatz IV) (17.12.2021)
– Pantokrator in der Mandorla, Frauen, die ihm huldigen und die Villikation (Essener Domschatz V) (23.12.21)
– Jenseits des Oxus (09.01.2022)
– Blut, Nägel und geküsste Tafeln, schmuckschließend (Essener Domschatz VI) (18.04.2022)
– Missing Link oder: Franziska und kleine Könige (28.05.2022)
– Die Riesen von Gobero (Die Kinder des Prometheus Teil I) (18.07.2022)
– Die Liebhaber von Sumpa, Ackergäule und Verhüttung (Die Kinder des Prometheus Teil II) (25.07.2022)
– Mongolen, Ming und Moguln (Die Kinder des Prometheus Teil III) (09.03.2025)
– Abstrahierte ökonomische Universale, revisited (08.05.2025)
– Unter Drahtziehern (29.06.2025)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I (02.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I, Addendum (16.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika II (18.01.2026)

Zum Thema Sklavenhaltergesellschaft:
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil I]) (05.11.2020)

Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil II]) (27.12.2020)

On the bright side of the moon

moon
Credits: art station|Kushagra tiwari, Montage: Burks

Russia And China Sign Deal To Build A Research Base On The Moon. (Russische Quelle, chinesische Quelle)

Großartig. Man müsste jetzt noch Stanislaw Lems „Die Jagd“ lesen, um sich mental darauf vorzubereiten.

Trierer Apokalypse

trierer apokalypse

Ich freue mich schon auf die Lektüre der Trierer Apokalypse.

In der karolingischen Handschrift ist eine Illustration, die bis jetzt nicht im Internet verfügbar ist, die ein „modernes“ Pferdegeschirr zeigt – die älteste Darstellung des Kummets bei Pferden in Europa.

Das Bild ist einer der Beweise für die landwirtschaftliche Revolution (vgl. auch Dreifelderwirtschaft) im Frühfeudalismus. Das Pferd war gegenüber dem noch in der Antike genutzten Ochsen bei der Feldbestellung haushoch überlegen. Die alten Römer kannten zwar die Fußbodenheizung und den Beton, aber das Kummet und der schwere Pflug waren ihnen ein Rätsel. Nicht Könige und Kaiser machen die Geschichte, sondern Werkzeuge (Produktivkräfte, würde Marx sagen).

Krieg gegen die Vernunft

Graffiti

Heute haben wir viel zum Fremdschämen.

– Die FAZ: „2 + 2 ≠ 4 – In den Vereinigten Staaten soll Mathematik nicht mehr rein objektiv, sondern ein Zeichen „weißer Vorherrschaft“ sein.“

Auch Objektivität, heißt es in dem Begleitbuch zur neuen Lehrmethode unter dem Titel „Abbau von Rassismus“, sei ein charakteristisches Zeichen für „weiße Vorherrschaft“. (…) Der britische Publizist Douglas Murray schreibt den sogenannten Krieg gegen die Mathematik gesellschaftspolitischen Strömungen zu. Als der Schulbezirk Seattle im Bundesstaat Washington vor zwei Jahren ansetzte, den Unterricht zu „entkolonialisieren“ und Mathematik durch Programme wie Unterwasserrobotik, Streetart und Genderstudien zu ergänzen, warf er den amerikanischen Pädagogen vor, sich der Woke-Kultur zu beugen. Der Trend, Probleme grundsätzlich unter dem Vorzeichen von Rassismus zu interpretieren, habe in den Vereinigten Staaten längst das Ausmaß einer betäubenden Orthodoxie erreicht.

Die sind doch total irre. Es ist aber folgerichtig und wird hier auch so kommen. Die Grünen scharren schon mit den „Antirassismus“-Hufen. Wer sich aber mathematischer Logik verweigert, wird bei der Unterwasserrobotik nicht weit kommen.

– Ist jemand gerade an einer Grenze zwischen Deutschland und einem Nachbarland? Wer nach Deutschland einreist, bekommt eine fragwürdige Warn-SMS aus dem Hause Spahn.

Wer auf den Link in der SMS klickt, landet auf einer zunächst immer deutschsprachigen Seite des Bundesgesundheitsministeriums, die zudem je nach Browser noch einen ebenfalls deutschsprachigen Datenschutz-Dialog anzeigt. Diese Anzeige ist bildschirmfüllend, selbst auf einem 6-Zoll-Riesensmartphone mit hoher Bildschirmauflösung.

Stimmt der Nutzer zu, dann werden auf sein Gerät 19 Cookies geladen, unter anderen von Google und Youtube – auch welche, die Marketingzwecken dienen. Warum das auf einer Informationsseite der Bundesregierung notwendig sein soll, ist aus Experten-Sicht völlig unverständlich.

Warum? Dieses Chaos ist das Ergebnis eines wochenlangen Abstimmungsprozesses zwischen Bundesgesundheitsministerium, Bundeswirtschaftsministerium, Bundesdatenschutzbeauftragten und Bundesinnenministerium. Ach so. Das erklärt es natürlich.

– Die Ruhrbarone weisen zu recht darauf hin, dass sich die Landesmedienanstalten zu Zensurbehörden aufschwingen – dank des Paragrafen 19 des neuen Medienstaatsvertrages.

Die Telemedien, gemeint sind zum Beispiel Online-Magazin [sic], Blogs und Youtube-Channels, werden wie die TV- und Radiosender von den Landesmedienanstalten (LMA) beaufsichtigt.

Auf der Website der Anstalten fand ich den wunderschönen Satz: „… einer von den Medienanstalten anerkannten Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle“. Man müsste Max Weber fragen, ob es auch eine unfreiwillige Selbstkontrolle gebe. Oder ist das eher das Metier von Siegmund Freud?

Another Eagle has landed

mars landing

Erinnert sich noch jemand an Juri Gagarin?

Für mich waren die Russen immer die Guten, weil die russischen Kriegsgefangenen in Bönen nach der Befreiung meine Großeltern und vor allem meine Mutter beschützt haben: Mein Großvater hatte ihnen in der Nazi-Zeit Lebensmittel heimlich zukommen lassen und wäre beinahe deswegen von der Gestapo erschossen worden. Nach dem Einmarsch der US-Amerikaner hielten sich „die Russen“ immer im Haus meiner Großeltern auf, bis sie Deutschland verlassen mussten und unter dem Regime Stalins einem ungewissen Schicksal entgegensahen. Meine Mutter kann sich heute noch daran erinnern, dass sie keine Angst vor „den Russen hatte“, im Gegensatz zu den meisten anderen Frauen. Immer ließen sie Brot und Fleisch zurück, wenn sie wieder gingen.

Als Kind war Gagarin mein Held. Kosmonaut! Das klang nach Abenteuer und nach Zukunft. Ich sage immer noch „Kosmonaut“ und nicht „Astronaut“ (ich sage auch „Studenten“ und nicht etwas anderes. Gut, Skaphander muss nicht sein, trotz der Romane Lems, klingt aber großartig).

Wenn die NASA heute auf dem Mars landet, ist das gar nicht mehr aufregend. Ich finde es faszinierend.

Auf meinem schwachbrüstigen kleinen PC, den ich nur zu Demonstrationszwecken und zum Anfertigen von Tutorials angeschafft habe und auf dem Windows läuft, habe ich mir gleich den passenden Hintergrund zum Thema eingerichtet.

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