Linksnationalisten in den Arsch treten

„Wollten die katalanischen Nationalisten tatsächlich eine gesellschaftliche Veränderung in ganz Spanien, würden sie eine gesamtspanische emanzipatorische Bewegung fördern. Sie könnten auch eine gemeinsame Initiative aller 17 spanischen autonomen Regionen vorschlagen, um deren Rechte zu vergrößern. Neu, die Abspaltung Kataloniens ist ein zutiefst reaktionäres, nationalistisches Projekt, das die emanzipatorische Linke bekämpfen muss. Die katalanischen Linksnationalisten gehören in den Arsch getreten.“ (Leserbrief Peter Bierls in der aktuellen Konkret)

Bien dicho, companero. Das gilt natürlich auch für anderen völkischen Scheiß wie Schottland, Kurdistan etc.. Leider gibt es aber keine emanzipatorische Linke in Deutschland, die jemanden in den Allerwertesten treten könnte.

Der Deutsche Michel und Unbiased News Coverage

Sehr interessant: Das unabhängige Pew Reserach Center hat untersucht, wie Menschen in unterschiedlichen Ländern mit Medien umgehen und was sie von denen erwarten. „Publics Globally want unbiased news coverage [unvoreingenommene Berichterstattung], but are divided on whether their news media deliver“.

Die meisten Medien-Konsumenten möchten objektiv informiert werden, aber keine Parteinahme für eine politische Richtung: „News media rated highest for covering important issues, lowest for reporting on politics fairly“.

Die Deutschen sind weltweit mit am naivsten und glauben vieles von dem, was man ihnen über Politik serviert. Das überrascht mich nun gar nicht.

Freiheit zu belästigen

Tagesspiegel: In der Diskussion um sexuelle Übergriffe haben die französische Schauspielerin Catherine Deneuve und andere Prominente eine „Freiheit zu belästigen“ eingefordert. Die aktuelle „Denunziations-Kampagne“ gegen Männer spiele nur Moralaposteln und religiösen Extremisten in die Hände, heißt es in einem von rund 100 Frauen unterschriebenen offenen Brief, der in der Zeitung „Le Monde“ erscheint.

Die Unterzeichnerinnen warnen in der #MeToo-Debatte vor einem ‚Klima einer totalitären Gesellschaft‘. ‚Vergewaltigung ist ein Verbrechen. Aber hartnäckiges oder ungeschicktes Flirten ist kein Delikt, und eine Galanterie auch keine chauvinistische Aggression‘, schrieben sie. Die ‚Freiheit zu belästigen‘ sei ‚unerlässlich für die sexuelle Freiheit‘.

Das würde sich in Deutschland niemand trauen.

By the way, lieber Tagesspiegel, wisst ihr eigentlich, was ein „Link“ im Internet ist und dass man den setzen kann? Wäre ein netter Service.

The Decline of Anti-Trumpism

Die New York Times schreibt über „The Decline of Anti-Trumpism“.
„The modern lowbrow (…) ignores normal journalistic or intellectual standards. He creates a style of communication that doesn’t make you think more; it makes you think and notice less. He offers a steady diet of affirmation, focuses on simple topics that require little background information, and gets viewers addicted to daily doses of righteous contempt and delicious vindication.“

Well said, dude. Wird hierzulande aber niemand hinhören.

Slàinte Mhath oder: Ganz gute Getränke, gemeinhin genossen

wein und Whisky

Die Weltläufte geben gerade nichts von Belang her. Die Mainstream-Medienblase debattiert über das irrelevante Buch Fire and Fury, das, wenn ich einigen Rezensenten glauben will, nur bestätigt, was jeder sowieso weiß: Ob einzelne Vertreter der herrschenden Klasse dumm sind oder nicht, ist völlig schnuppe. Das System funktioniert ohne sie – das sieht man hierzulande ja auch.

Mich interessiert eher, wohin wir kommen und was es dort gibt.

Zum Getorften. Am liebsten hätte ich natürlich im KaDeWe zum (gewohnt sachkundigen) Verkäufer gesagt: „Bitte einen israelischen Rotwein aus den so genannten „besetzten“ Gebieten, der mit Blick auf Syrien oder Gaza gekeltert worden ist.“

Ich bin ein trotziger Mensch und mache immer aus Prinzip genau das, wovon man mich abhalten will, ohne mich vorher zu fragen. Das liegt natürlich an kindlichen Traumata, die zu bearbeiten ich mir selbst überlassen war, immer eingedenk des Leitsatzes, das der Hass eines Konvertiten das Problem nicht wirklich löst, wie Lichtenberg schon richtig anmerkte: „Grade das Gegenteil tun heißt auch nachahmen, es heißt nämlich das Gegenteil nachahmen.“

Ich habe mich also selbst, da ich den Verkäufer nicht in Verlegenheit bringen wollte, mit einem Merlot Gamla von den Golan-Höhen eingedeckt, dazu einen Barkan von ebendort.

Langer Rede kurzer Sinn: Das KaDeWe hatte zu meiner Überraschung keinen Glentauchers, der mir bisher am besten schmeckte, ja, man kannte ihn garnicht. Das scheint ein echter Geheimtipp gewesen zu sein. Ich habe also wieder einen Whisky aus der Region Speyside genommen, der Ben Riach war zwar lecker, mir aber ein bisschen zu „hart“.

L’Chaim! Slàinte Mhath!

Kollektives Gedächnis

sachsen und bayern

Sollte Alexander Dobrindt Eribons Rückkehr nach Reims gelesen haben? Er wolle „die unterdrückte bürgerliche Mehrheit aus ihren Reihenhäusern in die Zukunft führen.“

„…in einem Land, in dem Rechtsradikale, die Anschläge verüben, gewohnheitsmäßig verharmlost werden und ihren eigenen politischen Arm im Parlament haben, einem Land, in dem unter den offenen Feinden der offenen Gesellschaft Richter, Polizisten, Militärs sind, denen aber aus ihrer Feindschaft kein beruflicher Nachteil erwächst, in so einem Land muss man endlich einmal mit offenem Visier sagen, wo der Feind steht, und dies tut Dobrindt, Alexander, in der Welt. Er haut mit der Faust auf den Tisch und ruft: Der Feind steht links.“

Daran ist doch gleich vieles falsch. Erstens: Die übergroße Mehrheit der hiesigen Journaille entstammt nicht der Arbeiterklasse, sondern dem neuen Kleinbürgertum, ist also nicht links, sondern höchstens gefühlt Lifestyle-links, also reaktionär bis auf die Knochen. Man kann sogar die Wissenschaft fragen: Uwe Krüger zum Beispiel behauptet in seinem Buch Meinungsmacht – Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten, dass die Mehrheit der Journalisten die Sicht der herrschenden Klasse übernehme. Ich gehe sogar weiter: Mehr als 95 Prozent aller deutscher Journalisten haben sich mit dem Kapitalismus nicht nur arrangiert, sondern halten ihn für das teleologische Ziel der Geschichte. Danach kommt nichts mehr, vielleicht nur noch das jüngste Gerücht Gericht.

Was also soll Dobrindts Schaumschlägerei und auch die seiner „liberalen“ Gegner? Die herrschende Klasse hat ein kollektives Gedächnis, das vermutlich bis weit hinter 1524 reicht. Es wirkt bis in die letzte Gehirnzelle eines Funktionärs der Jungen Union. Die fühlen automatisch, was für sie gefährlich werden könnte. Und wie die Nationalsozialisten werfen sie sich dann irgendlich links gestricktes Kleidungsstück um, um sich bei denen da unten anzubiedern.

Wenn Dobrindt klug wäre und kein Bayer, wäre er gefährlich. Die Linke spricht das Proletariat, dessen Elite eben auch in Reihenhäusern sitzt, nicht an. Sie spricht weder dessen Sprache noch trifft sie dessen Tonfall. Es kann durchaus sein, dass – wie in Frankreich – auch hier jemand hochkommt, der diese Lücke füllt, aber – wie Macron, der von den hiesigen Lohnschreibern des Kapitals zum „Reformer“ hochgejubelt wird -, die Herrschenden vertritt.

Ich werde es dem Stammpublikum rechtzeitig mitteilen. Har har.

NetzDG

Es kam, wie es kommen musste.

Bewegen und sammeln

Ein interessantes Interview mit Oskar Lafontaine hat die Osnabrücker Zeitung. (Wer denkt sich nur diese bescheuerten Überschriften aus? Die Riege der Querschreiber?)

Diejenigen, die über die Parteigrenzen hinaus wieder mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland wollen, müssten eine neue linke Sammlungsbewegung gründen. Diese Bewegung sollte nicht nur die klassischen Parteien, sondern auch Gewerkschafter, Sozialverbände, Wissenschaftler, Kulturschaffende und andere umfassen.

Nein, ich stimme mit Lafontaine nicht überein. Wenn die „Linke“ nicht in der Lage ist, eine Lobby der Arbeiterklasse zu sein, macht sie etwas falsch. Diese Selbstkritik liefert Lafontaine nicht.

Mein Ziel war es immer, den gemeinsam erarbeiteten Wohlstand gerecht zu verteilen.

So sind sie, die Sozis. Das System nicht in Frage stellen, nur anders verteilen. Ich habe mit der herrschenden Klasse nichts „gemeinsam erarbeitet“.

Sich selbst kultursensibel geißeln

Anna Muzychuk
Source: „Gott und die Welt“ (Felix Kruppa auf Facebook)

Ich muss wieder etwas zum obigen Foto-Ausriss zitieren:
„Im Gegensatz zur ‚ersten feministischen Regierung‘ Schwedens oder beispielsweise Claudia Roth hat die Ukrainerin Anna Muzychuk mit ihrer Entscheidung, an den diesjährigen Schachweltmeisterschaften in Saudi-Arabien nicht teilzunehmen, echte Courage bewiesen. In einem Statement begründet sie, dass sie sich in Riad als Mensch zweiter Klasse fühlen würde.

Zwar hätte sie sich während des Turniers nicht verhüllen müssen, außerhalb aber sollen die Teilnehmerinnen eine Abaya (ein islamisches Überkleid) tragen. Anna Muzychuk kann das nicht mit ihren Prinzipien vereinen, was als Frau die einzig logische Haltung mit Bezug sowohl auf die Frauenrechte in Saudi-Arabien als auch auf die islamische Verschleierung sein kann. Alles andere wäre Selbstgeißelung, die im Falle einiger PolitikerInnen oft als Zeichen der Toleranz oder Kultursensibilität verkauft wird.

Sich als emanzipierte Frau den islamischen Kleiderordnungen zu beugen, bedeutet allerdings auch, Repräsentantin ihrer Symbolik zu werden. Die Tatsache ignorierend, dass die absolute Mehrheit der muslimischen Frauen weltweit nicht in der Lage ist, freiwillig darüber zu entscheiden, ob sie sich verhüllt oder nicht, unterwerfen sich freie Frauen einem patriarchalischen Symbol, das sie zum Besitztum des Mannes degradiert.

Dass die Anbiederung an frauenfeindliche Symbole und Kulturpraktiken nichts mit Offenheit und Toleranz, sondern mit dem Verrat an der eigenen Freiheit und den eigenen Prinzipien einhergeht, hat die 27-jährige Anna Muzychuk hervorragend verstanden, regierende Politikerinnen hingegen nicht.“

Vermutlich ist dem Stammpublikum auch bekannt, dass mir Beifall von der falschen Seite an einem Körperteil vorbeigeht, das ich hier nicht näher bezeichnen will. Ich stimme dem oben Gesagten zu. Es ist mir aber schleierhaft (!), warum kluge und emanzipierte Frauen (Claudia Roth gehört nicht dazu) sich derart zur Äffin machen und vor dem puritanischen und reaktionärem Islam einknicken. Ich versteh’s einfach nicht.

And now for something completely different. Leider habe ich in diesem Jahr nicht viel von dem geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Die E-Book-Ausgabe der Konquistadoren steht immer noch auf meiner To-Do-Liste, dazu auch noch eine ebensolche Version meines Seminars über „Investigative Recherche im Internet“.

In diesem Jahr sind mir Themen über den Weg gelaufen bzw. auf die Füße gefallen, die keinen Aufschub duldeten. Vom Schockwellenreiter habe ich eine Liste bekommen, die ich abarbeiten muss und will: Es geht um Auszeichnungssprachen, die die Welt überdauern etwas dauerhafter sind als das jeweils aktuelle HTML oder WordPress und dergleichen. (Pandoc sieht interessant aus.)

Wenn ich meine Forschungen zu den Vorfahren – also auch zur polnischen und russischen Lokalgeschichte – abgeschlossen haben werde, muss ich die Ergebnisse in irgendein Format bringen, das auch noch in ferner Zukunft lesbar sein wird, sonst machte das keinen Sinn. Das muss ich im Jahr 2018 auf die Reihe kriegen, wie auch immer.

Ja, ich habe auch noch zwei Buchprojekte im Sinn, aber Details verrate ich (noch) nicht.

Ich wollte im nächsten Jahr nach Israel reisen und zudem mein Paddelboot in Klein-Venedig ausprobieren. Auf meiner Wunschliste stehen jetzt auch Montevideo und das Land der Guaraní. Warum hat mir die Vorsehung oder wer auch immer nicht drei Leben geschenkt?

Ich verbringe heute, Silvester und Neujahr wie gewohnt im Krankenhaus (nein, ich bin nicht krank). Mir schwant nichts Gutes.

Guten Rutsch!

Dilettantische Entschärfungsexperten aller Fachrichtungen

Hier ein Beitrag David Schneiders aus der Facebook-Gruppe „Deutsch mich nicht voll“:

„Nachdem nun klar ist, dass der junge Mann, der im pfälzischen Kandel eine 15-Jährige erstochen hat, die ein paar Tage zuvor die Beziehung mit ihm beendet hatte, aus Afghanistan kommt, rücken – wie immer nach solchen Fällen – die Entschärfungsexperten aller Fachrichtungen an, um Ehrenrettung in Sachen Islam zu betreiben. Dem ‚Focus‘ etwa gibt der in der Flüchtlingshilfe tätige Sozialpädagoge Andreas Dexheimer Einblick in Psyche des Täters. Die Frage ‚Könnte das Frauenbild, das er aus seiner Heimat mitgebracht hat, eine Rolle spielen?‘ beantwortet der routinierte pädagogische Profiler wie folgt: ‚Ich denke nicht, dass es irgendeine Rolle gespielt hat. Denn grundsätzlich ist das Frauenbild von jungen Afghanen von Wertschätzung geprägt. Die Mutter hat in der Familie die Hosen an. Diese Wertschätzung gilt ebenfalls jüngeren Frauen oder Gleichaltrigen.‘

Dass die Mutter die Hose in der Familie nur dann anhaben darf, wenn sie draußen das Kopftuch trägt, verschweigt der Mann vom Fach. Die dürftigen Rechte der Frauen im Islam, die den ums Wohl seiner männlichen Schützlinge besorgten Pädagogen nicht sehr zu interessieren scheinen, hängen nämlich davon ab, ob sie ihren ehelichen Pflichten nachkommen und die armselige Familienehre zu wahren verstehen. Um das zu erfüllen, hat sich das Verhalten der islamischen Frau und Mutter über jeden Verdacht der Untreue und Illoyalität erhaben zu zeigen. Ihre wichtigste Aufgabe besteht darin, der kaputten Gemeinschaft Nachkommen zu gebären und die Verhätschelung ihres Ehemanns zu besorgen, das heißt als ‚Gebär- und Entgeilungsmaschine‘ (Gruppe Morgenthau) zu dienen. Die an der Mutter orientierte Wertschätzung, von der Dexheimer spricht, stellt nichts anderes dar, als eine ideologische Überkompensation der perennierenden Feindseligkeit innerhalb einer familiären Ordnung, die allen Insassen das bisschen Glück versagt, das sie anderswo finden könnten. Der rührselige Mutterkult befördert nicht die Wertschätzung von Frauen, sondern den Hass auf alle, die durchs Widersprechen oder Nichtmitmachen die Unterwerfung verweigern. Die narzisstische Wut, die einen jungen Mann dazu treibt, eine Frau abzustechen, ist das Resultat einer gesellschaftlichen Verrohung, die der politisch auftrumpfende Islam in Ländern wie Afghanistan anrichtet. Dieses Problem nicht nur nicht zu sehen, sondern das brutale Elend schönzureden, ist die Aufgabe von dilettantischen Experten wie Dexheimer, die so ihren Beitrag dazu leisten, dass ‚unsere neuen Jungs‘ aus schweren Verhältnissen auch weiterhin zuschlagen oder zustechen werden, wenn Frauen nicht so parieren wie die Mutter aus Afghanistan.“

Wenn Prinzipienlosigkeit zum Prinzip wird

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Springers Matthias Döpfner voll und ganz zustimmen würde.

Gefühlte Wahrheiten

Lesenswert: Stakkato der Infamie – über einen Rufmord im „Islam-Experten“-Milieu. Das Original ist bei den Ruhrbaronen: „Lamya Kaddor stalkt Necla Kelek: Das Prinzip der gefühlten Wahrheit“.

Kulturelle Komponenten der Verarmungspolitik

Christian Baron rezensiert Alexander Andreas Reckwitz: Die Gesellschaft der Singularitäten: Zum Strukturwandel der Moderne im Neuen Deutschland:

Die Spätmoderne, zeigt Reckwitz, kreist nicht mehr um Verteilungsfragen, sondern nur noch um die Kultur. Die neue Mittelklasse hat einen Zwang zur Einzigartigkeit etabliert und Besonderheiten der Arbeiterklasse kolonisiert. So wie man sich Yoga aus Indien oder Tai-Chi aus China aneignet, so definiert man auch die Kultur der hierzulande Marginalisierten um. Die neue Mitte darf ihr Craft Beer mit Freunden aus aller Welt in der Eckkneipe trinken, derweil die niemals jenseits der eigenen Landesgrenzen gelangten Unterklassemänner mit »Sternburg« in der Hand am Tresen der Kaschemme als »asozial« gelten. Cafébesitzer mit veganem Rührei im Angebot lassen sich für ihre Tattoos bewundern, während der Kioskbesitzer mit Schlangenbildern auf dem Bizeps ein »Proll« sein soll. So hat die neue Mitte der neoliberalen Verarmungspolitik eine kulturelle Komponente der Verachtung geschenkt.

Schon gekauft. By the way: Welche Partei repräsentiert die neuen reaktionären Mittelklassen? Fällt mir bestimmt bald wieder ein…

Mein höheres Wesen, Hassan!

Harald Martenstein über „Falsche Toleranz gegenüber radikalen Muslimen“. (Zur Toleranz fällt mir natürlich auch Gerhard Polt ein: „Man muss auch mal einen Standpunkt haben“.)

Hassan Akkouch schreibt auf Facebook: „Leute, mein Gott. Antisemitismus, Israelhasser, das sind doch zwei verschiedene paar Schuhe!“

Ach ja? Man darf den Staat Israel (!) „hassen“ (wie entstehen Gefühle?), aber man ist kein Antisemit? Das ist der Mainstream. Deutsch bleibt eben deutsch, da helfen keine Pillen, auch wenn man Hassan heißt.

Differenzierte Fakten

Ich lese gerade Israels Existenzkampf: Eine moralische Verteidigung seiner Kriege. Der Titel ist ein wenig missverständlich, weil der Autor natürlich nicht alle Kriege legitimiert; den Libanonkrieg hält er zum Beispiel für eine Katastrophe, eine moralische ohnehin.

Das Buch ist aber äußerst nützlich, weil dort Fakten vorgestellt wurde, die jeder wissen müsste, der hier etwas über die Geschichte Israels meint verlautbaren zu müssen. Wann zum Beispiel wurde das Westjordanland von Jordanien (!) annektiert? Warum sind die Drusen im Libanon nicht vor den IDF geflüchtet? Wie viele Juden lebten 1949 in Israel, und was sagte das osmanische Recht über den Kauf von Land?

Ich stimme mit dem Autor in vielen Punkten überein, zumal ich in „linken“ Foren mit Shitstorms überhäuft werden, wenn ich den Staat Israel verteidige (nicht die Politik der Regierung), und dementsprechend gelaunt bin. Ich nenne aber im Gegensatz zum Autor die „Palästinenser“ nicht ein „Volk“. Überraschung: Die Mehrheit der Deutschen denkt natürlich nicht so wie ich.

Hilfreich sind übrigens die Besprechungen bei Amazon. Das Buch sei „allerdings differenzierter als der Titel androht.“ – „Er scheut nicht davor zurück, Fehler der Juden bzw. Israelis zu benennen, die Details sorgfältig analysierend. Andererseits fordert er auch Fairness vom Rest der Welt und stellt klar, dass bestimmte Geschehnisse, die für einen Beobachter von aussen vielleicht gleichartig erscheinen, im einen Fall Unrecht sind und im anderen Fall durchaus berechtigt, wenn man den Kontext genau betrachtet.“

Die Macht des Faktischen

palästinenser

Was vernünftig ist, das ist wirklich, und was wirklich ist, das ist vernünftig. (Georg Friedrich Wilhelm Hegel)

Metz war eine echt deutsche Stadt, denn als Lothar der Jüngere seine Länder theilte, kam es (…) in den Besitz Ludwigs des Deutschen, also an das deutsche Reich. Nur fortgesetzten französischen Umtrieben und Hinterlistigkeiten gelang es, die Schutzherrschaft über Metz zu erlangen, (Karl May, Die Liebe des Ulanen)

Ich muss hier etwas klarstellen. Das Stammpublikum schien verwirrt ob einiger meiner Thesen. Natürlich habe ich mit völkischen Quatsch nichts zu tun. Ich habe auch eindeutig argumentiert, dass fromme Märchen und Mythen, die durch Fakten und die Archäologie nicht gestützt werden, ungeeignet sind, die Existenz von Staaten zu legitimieren. Was früher mal war, muss nicht unbedingt wieder sein. Das wissen Deutsche am besten.

Die „Palästinenser“ sind ein erfundenes Volk. „Volk“ ist immer ein kulturelles Projekt und kann nie auf anthropologischen oder gar biologischen Konstanten fußen. Die Juden sind ein historischer Sonderfall insofern, als dass die Religion auch eine Nation schuf. Aber auch das ist vage, da es vor der Shoah auch viele „assimilierte“ Juden gab, zum Beispiel in Deutschland, für die das Judentum so wichtig bzw. unwichtig war wie für heutige Katholiken. Sie waren deutsche Juden, aber gehörten sie zu einer jüdischen „Nation“? Oder gehörten sie damals als deutsche Staatsbürger zum jüdischen Volk? Oder beides? Das entscheidet jeder selbst, auch auf welche kulturellen Konventionen er sich dabei jeweils beruft. Es gibt keine „objektiven“ Kriterien, zu welchem „Volk“ jemand gehört. And period, wie man im Englischen zu sagen pflegt.

„Palästinenser“ sind genausowenig ein Volk wie es ein sudetendeutsches oder ostpreußisches Volk gibt. Sie sind schlicht Araber, mit oder ohne Staatsangehörigkeit. Kein Araber, der nach dem Krieg 1948 aus Israel flüchtete, hat automatisch das Recht, wieder zurückzukehren. Außerdem gingen viele freiwillig oder wurden von den arabischen Regierungen, die Israel vernichten wollten, dazu aufgefordert.

Das gilt natürlich auch für alle anderen Kriege Israels. Wenn man die Juden ins Meer werfen und sie töten will, sollte man nicht herumjammern, wenn das nicht funktioniert. Zu Risiken und Nebenwirkungen von Kriegen gegen Israel fragen Sie Ägypten, Syrien, Jordanien, den Irak usw.

Die Araber, die sich heute Palästinenser nennen, haben genauso wenig „Rechte“ wie Deutsche, die meinen, Elsass-Lothringen gehöre wieder heim ins Reich. Solange das Existenzrecht Israals angezweifelt wird, ist jede Diskussion über die „Palästinenser“ völlig überflüssig.

Beispiele?

Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen! (Abdallah Jarbu, stellvertretender Minister für religiöse Stiftungen der Hamas, 2010)

Es geht nicht darum, ob wir Israel anerkennen oder nicht, sondern um die Frage, wann wir es auslöschen und seine Existenz beenden. (Jahia al-Sinwar, Chef der Hamas in Gaza, 2017)

Artikel 7: Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten.
Artikel 13: Ansätze zum Frieden, die sogenannten friedlichen Lösungen und die internationalen Konferenzen zur Lösung der Palästinafrage stehen sämtlichst im Widerspruch zu den Auffassungen der Islamischen Widerstandsbewegung.
(Gründungscharta der Hamas)

In einer endgültigen Lösung können wir nicht mal die Existenz eines einzelnen Israelis in unserem Land sehen, seien es nun Zivilisten oder Soldaten. (Mahmoud Abbas, Präsident der „Palästinenser“, 2013)

Abbas ist übrigens ein Freund Siegmar Gabriels (vgl.Screenshot unten). Was sagt uns das über den Mainstream in Deutschland?

palästinenser

Das islamische Kopftuch ist ein Symbol des Patriarchats und nicht der Selbstbestimmung

Die NZZ sagt, wie es leider ist: „Die Linke gibt vor, für Minderheiten zu kämpfen. Eine Minderheit erhält aber nur dann ihre Aufmerksamkeit, wenn sie den «richtigen Unterdrücker» hat: Rechte und Reiche, Imperialisten und Kapitalisten. Da bleibt kein Platz für muslimische Islamkritiker.“

Mexiko-Stadt

mexico

Das Foto habe ich 1979 gemacht, wo genau, weiß ich nicht mehr.

Übrigens, liebe mitlesenden Journalisten: Die Hauptstadt von Mexiko heisst entweder Mexiko-Stadt (deutsch) oder Ciudad de México (spanisch, auch México Ciudad), sie heißt aber in einem deutschen Artikel keinesfalls „Mexiko-City„. Das ist Denglisch und gleich doppelt falsch. Wenn schon anglifiziert, dann auch „Mexico-City. Ich schrob sagte es hier schon, aber genützt hat es natürlich nicht.

Trump und Jerusalem [Update]

Man muss sich schon wundern, welchen Unsinn die Medien und noch viel mehr die Politiker verbreiten, wenn es um Israel geht. Die Sprechblasen sind weitgehend fakten- und kenntnisfrei. Trump hat also wieder mal ein Wahlversprechen erfüllt. Wo kämen wir denn da hin, wenn das jeder machen würde, der gewählt wird?

Bevor jetzt jemand Schaum vor dem Mund kriegt: Kennt das Stammpublikum den Jerusalem Embassy Act von 1995?

The Congress makes the following findings:
(1) Each sovereign nation, under international law and custom, may designate its own capital.
(2) Since 1950, the city of Jerusalem has been the capital of the State of Israel.
(3) The city of Jerusalem is the seat of Israel’s President, Parliament, and Supreme Court, and the site of numerous government ministries and social and cultural institutions.
(4) The city of Jerusalem is the spiritual center of Judaism, and is also considered a holy city by the members of other religious faiths.
(5) From 1948-1967, Jerusalem was a divided city and Israeli citizens of all faiths as well as Jewish citizens of all states were denied access to holy sites in the area controlled by Jordan.
(6) In 1967, the city of Jerusalem was reunited during the conflict known as the Six Day War. (…)
14) In June of 1993, 257 members of the United States House of Representatives signed a letter to the Secretary of State Warren Christopher stating that the relocation of the United States Embassy to Jerusalem `should take place no later than 1999′.

So. Puls und Atmung noch normal? Warum hat bisher kein Präsident der USA das umgesetzt?

Wie man Trump kennt, verkündet er viel, wenn der Tag lang ist. Der Tagesspiegel meint, dass alles ein Trick sei und sich in nächster Zeit ohnehin nichts ändere. Der Autor meint, Trump erfülle ein Wahlkampfversprechen an christliche Fundamentalisten und pro-israelische Geldgeber.“ („Reiche Juden“ wollte er wohl doch nicht schreiben, immerhin.)

Ich glaube auch nicht, dass es einen Staat Palästina geben sollte. Die Araber, die Israel 1948 und danach noch oft den Krieg erklärten und es auslöschen wollten und das immer noch wollen, müssen eben mit den Konsequenzen ihrer Ideen leben. Der „Flüchtling“status scheint sich bei ihnen so zu vererben wie den Sudetendeutschen. Solange nicht alle arabischen Regierungen und Terrororganisationen das Existenzrecht Israels eindeutig anerkennen, sollte man einfach mit einem Merkava drüberfahren…

Übrigens: Die Römer haben Judäa in „Palästina“ umbenannt. Jerusalem war schon jüdisch, als es noch gar keine Araber gab. Wer das anders sieht, kann ja mal versuchen, Westpreußen wieder heim ins Reich zu holen. Das wäre genau so „logisch“.

[Update] Die Russen haben schon im April Jerusalem als Hauptstadt Isreals anerkennt. Nur haben damals die „Palästinenser“ vergessen, „Tage des Zorns“ auszurufen.

Caye Caulker, revisited

Kokosnuss

Caye Caulker, eine Insel vor der Küste von Belize (1979).

„Die Insel ist ca. 8 Kilometer lang und 2 Kilometer breit und liegt etwa 35 Kilometer nordöstlich von Belize City im Karibischen Meer.“ Caye Caulker war damals noch ein fast touristenfreies spottbilliges Fischernest mit einem riesigen Korallenriff ein paar Kilometer vor dem Strand, an dem man wunderbar schnorcheln konnte. Eine Fährverbindung nach Belize City gab es auch nicht; man musste sich in den wenigen Hafenkneipen von Belize City durchfragen, wer ein Boot mit Außenborder zu vermieten hatte.

image_pdfimage_print

← Next entries — Older entries