Geschlossen und offen

Camila Valejo
Symbolbild: Anführerin der deutschen Linken im Jahr 2030 (Wunschtraum, wird nie so sein)

Zum Parteitag der deutschen „Linken“ kann ich nicht viel sagen. [Bitte selbst ausfüllen] ruft zur Geschlossenheit auf.

Im Ernst: Da scheint es noch ein paar vernünftige Leute zu geben, die aber leider in der absoluten Minderheit sind: „…der in seiner Bewerbungsrede unter anderem kritisiert hatte, dass in den vorderen Reihen der Partei Die Linke kaum Arbeiter vertreten seien, obwohl sie doch den Anspruch habe, Arbeiterpartei zu sein.“

Hat sie den?

Der Imam ist es nie oder: Die Klassenfrage im „Tatort“

tatort

Beim Abendessen habe ich mir jeweils einen „Tatort“ per Laptop zu Gemüte geführt. Meine wenigen Vorlieben beschränken sich – inklusive Polizeiruf 110 – auf Dortmund (wegen Jörg Hartmann alias Peter Faber), Rostock (wegen Charly Hübner alias Alexander Bukow), Köln und Münster (eigene Kategorie).

Wenn man die Websites der Anstalten öffnet, schwappen einem, neben unsäglichem Quatsch in großer Anzahl, jede Menge Krimis entgegen. Man soll nachzählen, wieviele Tote es fiktiv täglich gibt – mehr als in der Realität auf jeden Fall. Offenbar will das Publikum so etwas.

Kriminalfilme sind pure Pädagogik, also gut gemeint. Das Böse darf nicht siegen. Zum Klassenkampf darf auch nicht aufgerufen werden, zu allem anderen schon. Der Krimi stellt auch nicht die Systemfrage, zumindest nicht im deutschen Fernsehen, weil man sich dann Gedanken machen müsste, was nach dem Kapitalismus kommen könnte. Der Rahmen des Plots ist also eng und vorgegeben.

Ich war bei den beiden obigen „Tatorten“ jedoch überrascht, dass die Klassenfrage, wenn auch nur indirekt, unübersehbar durchschimmerte. Bei Borowski und das Glück der Anderen geht es um einen Mord „von unten nach oben“. Die Mittelschicht bringt sich also, was die Regel ist, nicht gegenseitig um, sondern jemand, der „die da unten“ verachtet und das auch ausspricht, kriegt seine gerechte Strafe muss daran glauben. Ein Rezensent macht daraus „Vorstadtfrust“. Ich sehe da mehr. Was, wenn alle plötzlich meinten, sie müssten jetzt ein Stück vom Kuchen abkriegen und ganz richtig merken, dass das mit Fleiß und Arbeit nicht zu schaffen ist in diesem System?

Der Dortmunder „Tatort“ Heile Welt ist noch besser, allerdings kommt am Schluss die von den Anstalten gewünschte Weltsicht und Moral mit dem Holzhammer. Nicht der Plot ist außergewöhnlich, sondern die Rolle der Kommissarin Anna Schudt alias Martina Bönisch, die plötzlich und unfreiwillig zwischen allen Fronten steht. Die Bilder erinnerten mich an eine hier schon erwähnte Seminararbeit während meines Studiums:

revolution

Was ist, wenn Riots und Randale ausbrechen und man mittendrin ist? Kann man etwas Vernünftiges tun? Werden diejenigen obsiegen, die auch das Richtige denken? Nein, werden sie nicht. Die Revolutionäre werden am Ende von denjenigen weggefegt, die im Hintergrund gewartet haben, wer gewinnt und sich dann auf die richtige Seite geschlagen haben. Die Revolution frisst immer ihre Kinder.

Ich kann mich erinnern, dass „meine“ K-Gruppe sich immer minutiös, strategisch, taktisch, inhaltlich auf studentische Vollversammlungen (wir sagten: VauVaus) vorbereitete, und immer stand dann jemand auf, meistens eine charismatische Frau, die vorgab, zu keiner Gruppe zu gehören, und die dann unter dem Jubel der Massen eine meistens von uns unerwünschte Richtung vorgab.

Ich glaube, der alte Friedrich Engels hat komplett recht. Wogt die Masse erst hin und her, kann man das kaum steuern.

Man müsste sich trauen, ein anarchisches Drehbuch zu verfassen. Im deutschen Fernsehen sind die Rollen mehr oder minder vorgeben, wenn auch nur im Entferntesten Einwanderer oder der Islam im Hintergrund lauern. Ein Imam darf reaktionär, streng, bekloppt sein, aber nie der Täter. Wenn das doch so wäre, gäbe es Randale. Und ich ginge dann solange, je nach Jahreszeit, paddeln oder Käsekuchen backen, und guckte mir viel später und vergnügt das Ergebnis an.

tatort

Kubistische Nackte und die Künstlerlinke [Update]

Georgy Kurasov

Großartige Bilder von Georgy Kurasov! Die würde ich alle bei mir aufhängen. Aber wieso muss ich erst Tor bemühen, um auf die österreichische Seite klassikmagazine.com zu gelangen? Haben die deutschen Jugendschützer die wieder zensiert bzw. bei Google angeschwärzt, weil die Jugend beim Anblick kubistischer Titten sittlich gefährdet wird?

Nun zu einem immer wieder beliebten Thema.

– Der Humanistische Pressedienst schreibt über „Allah und die Linke“. – „Der fatale Umgang der Linken mit dem Islam – aus Furcht, damit Rechten Zündstoff zu liefern, schweigt sie. Galt nicht Religionskritik spätestens mit Voltaire einmal als Selbstverständlichkeit?“

Nein, die aufklärerische Vernunft ist dem Rückzug. Dummerweise sind die, die der Text betrifft, völlig beratungsresistent.

[Update] Ein Kopftuchverbot ist zulässig.

– Die Taz lässt den Philosophen Robert Pfaller über „Pseudolinke“ zu Wort kommen:
„Statt Kinderbetreuungseinrichtungen bekamen wir das Binnen-I, statt Chancengleichheit bot man uns »diversity«, und anstelle von progressiver Unternehmensbesteuerung erhielten wir erweiterte Antidiskriminierungsrichtlinien. Das entspricht dem Grundprinzip neoliberaler Propaganda: Alle Ungleichheit beruht demnach lediglich auf Diskriminierung. (…) Denn die sogenannte Kulturlinke ist ja der Profiteur dieser neoliberalen Ideologie.“

Auch das wird niemanden interessieren, und die taz wird von ihrer Sternchen- und Doppelpunktsprache nicht lassen. Das Zentralorgan der Pseudolinken wird sich nicht ändern – es spiegelt die Ideologie der Kundschaft und der Rezipienten wieder. Es geht um Esoterik, hört ihr? Mit Esoteriker_:*Innen kann man weder diskutieren noch argumentieren.

– „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus‘. Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus'“. (Ignacio Silone, antistalinistischer Kommunist, 1900-1978)

Er tritt nicht wieder an

Erklärung von Fabio De Masi:
„Die Kunst der Politik besteht darin, auch an die Lebensrealität und die Sprache jener Menschen anzuknüpfen, die um die Kontrolle über ihr Leben fürchten. Die politische Linke darf das menschliche Grundbedürfnis nach Sicherheit – in einem umfassenden Sinne – nicht vernachlässigen. Dabei sollte man weder Ressentiments schüren noch so sprechen, dass normale Menschen einen Duden brauchen. (…)
Die Debatten der Meinungsführer in den akademischen Milieus, die Codes der digitalen Empörung und Hashtags, die häufig nur wenige Stunden überdauern und nichts kosten, sind dafür kein Ersatz. (…)
Identität ist wichtig im Leben. Sie darf aber nicht dazu führen, dass nur noch Unterschiede statt Gemeinsamkeiten zwischen Menschen betont werden und sich nur noch „woke“ Akademiker in Innenstädten angesprochen fühlen.“

Die Robinhoodisierung der Linken

kommunistisches Manifest
Manuskriptseite des Manifests der Kommunistischen Partei

Interessanter Text von Thomas Kuczynski: „Widersprüche weiterdenken – Zum 170. Jahrestag des Kommunistischen Manifests„.

„Im Schlussteil des Manifests stellen die Verfasser fest: In allen revolutionären Bewegungen heben die Kommunisten „die Eigentumsfrage, welche mehr oder minder entwickelte Form sie auch angenommen haben möge, als die Grundfrage der Bewegung hervor.“

Das Gros der Vordenker der Partei Die Linke stellt die Wahrheit dieses Satzes seit Jahren in Abrede und meint, es genüge, die „Verfügung“ über das Eigentum „sozialen Kriterien“ zu unterwerfen.“

Macht es Sinn, die Linken in der „Linken“ aufzurufen, gegen die kleinbürgerliche Parteiführung zu putschen? Oder soll man einfach dabei zusehen, wie der ganze Laden unter die 5-Prozent-Hürde schlittert, mitsamt der Gendersternchen?

Stachelbeertorte

StachelbeertorteStachelbeertorte

Ich hatte mir vor einigen Wochen vorgenommen, die Kunst des Kuchenbackens zu erlernen. Das hätte ich schon vor vor 50 Jahren tun können, aber damals war ich zu blöde dazu oder hatte anderes im Sinn. Mittlerweile kann ich schon improvisieren. Im Supermarkt meines Vertrauens war ich auf der Suche nach Obst, das sich zu dem geplanten Zweck eignete. Da sah ich Gläser mit Stachelbeeren aus Brandenburg und griff zu.

Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal Stachelbeertorte gegessen habe. Vielleicht bei meiner Oma, die selbige aus ihrem Garten bezog (wurde leider schon vor vielen Jahrzehnten eingeebnet, war aber ein wichtiger Punkt der positiven Erinnerungen meiner Kindheit).

Man macht also zunächst einen Tortenboden. Ich habe erst jetzt herausgefunden (ganz ohne Youtube-Videos), dass eine Springform nicht immer die beste Wahl ist, weil der Teig gern eine Form annimmt, die er will und nicht soll. Eine Obstkuchenform ist besser. Dafür gibt es zahllose Rezepte.

Die Tortenglasur mache ich auch nach Rezept. Hier aber habe ich mehr von dem Stachelbeersaft genommen, weil die Springform größer war, und habe in die kurz aufgekochte Masse noch ein Päckchen aufgelöstes Vanillepuddingpulver gequirlt. Schmeckt alles vorzüglich, beim nächsten Mal muss aber die Tortenbodenform besser werden, ungefähr so wie bei meiner Oma vor mehr als 60 Jahren…

VKPD

paul levi
Paul Levi (1882-1930), Mitbegründer der KPD, Vorsitzender 1919-1921

Die Sektierer in der Partei Die Linke wollen deren mit riesigem Abstand populärste Politikerin (wer ist das noch mal?) nicht nach Sachsen-Anhalt einladen. Auch in Köln ist es ähnlich – Sektiererei ist beileibe kein Problem des Beitrittsgebiets. Ich schlage vor, diese Mischpoke den „Thälmann-Flügel der Linken“ zu nennen.

Das erinnert an die Geschichte der KPD und an die vermutlich unstrittige These, dass die deutsche Linke dieses finstere Kapitel nicht aufarbeitet und auch nicht willens dazu ist. Erst seit der Wiedervereinigung ist das möglich: In der DDR wurde jede Kritik an der „offiziellen“ Geschichtsschreibung niedergebügelt. Ich schrieb im Juni 2020: „Ernst Thälmann und seine Abhängigkeit von den Direktiven Stalins und der Kommunistischen Internationale waren eine Katastrophe für die KPD. Genau so muss man es sehen. Vermutlich wäre Paul Levi erfolgreicher gewesen.“

VKPD

Eine „Bildungswebsite“ auf Fratzenbuch, die vermutlich der geschätzte Kollege Daniel Kulla betreibt (vgl. auch Classless Kulla), berichtete jüngst über die Wahlerfolge der Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands (VKPD) (von mir in verständliches Deutsch übersetzt):
Am 20. Februar 1921 votieren 29,8 Prozent der Wahlberechtigten (197 113 Stimmen) im Wahlkreis Merseburg für die Vereinigte Kommunistische Partei (VKPD). Der Wahlkreis umfasst in etwa das Mitteldeutsche Industrie- und Bergbaugebiet Halle-Leuna-Mansfeld. Die VKPD wird damit stärkste Partei des Wahlkreises. Sie entsendet 5 Abgeordnete in den Preußischen Landtag.

Die KPD hieß VKPD seit dem Zusammenschluss mit dem größeren Teil der USPD im Dezember 1920. Die VKPD hat mehr als 400.000 Mitglieder und wird damit zur nicht nur zur größen Partei Mitteldeutschlands, sondern auch im Ruhrgebiet und in anderen Industrieregionen. Damit ist sie eine der ersten kommunistischen Massenparteien außerhalb Sowjetrusslands. Die VKP ist zwar Teil der Komintern, verfolgt aber eine Einheitsfront-Politik. Das unterscheidet sie von der „Avantgarde“-Linie der Bolschewiki. Die deutschen Kommunisten wollen Bündnisse und gemeinsame Aktionen mit Gewerkschaften und den anderen Arbeiterparteien, vor allem deren Basis. Die Mehrheit der Arbeiterklasse soll für eine Sozialistische Rätedemokratie gewonnen werden.

Nach dem Tod Lenins und der konterrevolutionären Machtübernahme Stalins wurde Levi auf Betreiben der Mehrheit der Komintern-Führung um Grigori Sinowjew aus der KPD bzw. VKPD ausgeschlossen, da er seine Kritik an der Leitung der (V)KPD und der Komintern nicht revidieren wollte. Levi kehrte 1922 zur SPD zurück. In der stalinistischen Parteigeschichtsschreibung wurde sein Name entweder verschwiegen oder gegen ihn auf niedrigstem Niveau gehetzt. Die SPD vereinnahmt ihn bis heute für ihre antikommunistische Propaganda.

Bezeichnend: Nach Paul Levis Tod wurde im Reichstag seiner mit einer Gedenkminute gedacht, Die Abgeordneten erhoben sich. Die Mitglieder der KPD- und der NSDAP-Fraktion verließen dabei demonstrativ den Saal.

Jetzt kennt ihr meine Version.

Niedrige Motive

helfen wohltätigkeit

Ich muss leider hier noch einmal Eiswasser über die Köpfe schütten. Karl Marx 1845 ganz aktuell über die Motive des „Helfens“ (inklusive „Flüchtlingshilfe“ und „Willkommenskultur„) beim liberalen (Klein)Bürgertum:
Das Elend wird mit Bewußtsein ausgebeutet, um dem Wohltäter (…) Genuß der eignen Vortrefflichkeit (…) zu verschaffen. (…)… daß das menschliche Elend selbst, daß die unendliche Verworfenheit, welche das Almosen empfangen muß, der Aristokratie des Geldes und der Bildung zum Spiel, zur Befriedigung ihrer Selbstliebe, zum Kitzel ihres Übermuts, zum Amüsement dienen muß. Die vielen Wohltätigkeitsvereine in Deutschland, die vielen wohltätigen Gesellschaften in Frankreich, die zahlreichen wohltätigen Donquichotterien in England, die Konzerte, Bälle, Schauspiele, Essen für Arme, selbst die öffentlichen Subskriptionen für Verunglückte haben keinen andern Sinn.

Reaktionäres Pack oder: Volksgemeinschaft heisst jetzt gesellschaftlicher Zusammenhalt

volksgemeinschaft

Ich muss mir das von der Seele schreiben, weil ich das nur hier kann. In (oder sagt man auf?) sozialen Medien würde ich sofort wegen „Hassrede“ zensiert und gesperrt. Also laut und deutlich zum Mitschreiben: Die „Grünen“ sind ein reaktionäres Pack! Ich wiederhole: Reaktionäres Pack!

Die Partei der liberalen Bourgeoisie möchte jetzt ein Ministerium für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ich fass es nicht… In Neusprech heisst das „Gesellschaft der Vielen“.

Ob es jemandem auffällt, dass die „Grünen“ das Thema 1:1 von der CDU geklaut haben? Arsch und Eimer, sage ich nur.

Dann muss ich eben wieder zitieren:
Diese wenigen Andeutungen werden genügen, um zu zeigen, daß die ganze Entwicklung der modernen Industrie die Waagschale immer mehr zugunsten des Kapitalisten und gegen den Arbeiter neigen muß und daß es folglich die allgemeine Tendenz der kapitalistischen Produktion ist, den durchschnittlichen Lohnstandard nicht zu heben, sondern zu senken oder den Wert der Arbeit mehr oder weniger bis zu seiner Minimalgrenze zu drücken. (…)
Gleichzeitig, und ganz unabhängig von der allgemeinen Fron, die das Lohnsystem einschließt, sollte die Arbeiterklasse die endgültige Wirksamkeit dieser tagtäglichen Kämpfe nicht überschätzen. Sie sollte nicht vergessen, daß sie gegen Wirkungen kämpft, nicht aber gegen die Ursachen dieser Wirkungen; daß sie zwar die Abwärtsbewegung verlangsamt, nicht aber ihre Richtung ändert; daß sie Palliativmittel anwendet, die das Übel nicht kurieren. Sie sollte daher nicht ausschließlich in diesem unvermeidlichen Kleinkrieg aufgehen, der aus den nie enden wollenden Gewalttaten des Kapitals oder aus den Marktschwankungen unaufhörlich hervorgeht. Sie sollte begreifen, daß das gegenwärtige System bei all dem Elend, das es über sie verhängt, zugleich schwanger geht mit den materiellen Bedingungen und den gesellschaftlichen Formen, die für eine ökonomische Umgestaltung der Gesellschaft notwendig sind. Statt des konservativen Mottos: »Ein gerechter Tagelohn für ein gerechtes Tagewerk!«, sollte sie auf ihr Banner die revolutionäre Losung schreiben: »Nieder mit dem Lohnsystem!«

Cumulative COVID-19 vaccination doses [Update]

Cumulative COVID-19 vaccination doses

Just saying. Das Totalversagen der Regierung wird aber keinerlei politische Folgen haben. Nicht bei deutschen Untertanen.

[Update] Der französische Pharmakonzern Sanofi wird 2021 keinen Impfstoff liefern können. Die Bundesregierung hatte mit mindestens 27,5 Millionen Impfdosen gerechnet.

Strand, Lisitsa und Polygone

büsum strandpromenade

Meine Cousine und ich im Watt an der Strandpromenade von Büsum, fotografiert 1957. Heute heißt das Areal Hauptstrand. (Vorsicht! Die Webcam verlangt, jeden Mist zu erlauben!)

Da wir beim Thema Chillen sind: Ich höre gerade beim Bearbeiten alter Fotos und beim Bloggen Valentina Lisitza / Michael Nyman: The Diary Of Anne Frank – Why? Lisitsa ist auch ein Opfer politischer Cancel Culture – sie hat sich kritisch gegenüber der pro-westlichen ukrainischen Regierung der Ukraine ausgesprochen und ihre Sympathie für die pro-russischen Separatisten bekundet, auch reiste sie illegal auf die Krim und gab dort Konzerte.

Das Toronto Symphony Orchestra cancelte Lisitsas Auftritt wegen ihrer politischen Meinung. Die USA hat sie mittlerweile verlassen, dort bekam sie keine Auftritte mehr. Ich gehe jede Wette ein, dass sich auch in Deutschland niemand mehr traut, sie einzuladen.

Ihr Youtube-Kanal hat mehr als 600.000 Abonnenten (darunter auch mich). Für mich ist sie eine der besten Pianistinnen der Gegenwart. Ihre Rachmaninoff-Interpretationen sind allesamt ganz wunderbar.

Apropos alte Bilder: Gimp beherrsche ich ohne Manual, weil ich über Jahre in Second Life gebaut und Objekte hergestellt habe. Dazu musste ich unzählige Texturen (Grafikdateien) herstellen und hochladen und dann verarbeiten. Ich vermisse Second Life, aber im Moment habe ich wirklich überhaupt keine Zeit dafür (erst, wenn ich das nächste Buch fertig habe).

Cyberpunk, Robocop und reliable Netze

cyberpunk

Die Gegenwart ist oft schneller als die Zukunft. Wer hätte gedacht, dass die fiktiven Dystopien à la Robocop und Cyberpunk so schnell real umgesetzt werden? In Nevada kann man als Kapitalist mit genug Geld eine eigene Stadt gründen (via Fefe und Heise): Man macht seine eigenen Gesetze und zahlt keine normalen Steuern mehr. Vermutlich gehören eine eigene Söldnertruppe und die eigenen Gerichte auch dazu.

Ich finde das nicht so fürchterlich überraschend. Man muss auch das Zitat aus dem Kommunistischen Manifest nicht modifizieren:
Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuss, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Kapitalistenklasse verwaltet.
Der Ausschuss kann natürlich einzelne seiner Aufgaben outsourcen, wenn es den Interessen der Herrschenden dient. Eine demokratische Form mit Gewaltenteilung usw. muss nicht sein – warum auch? Es ist nur bequemer, wenn die Untertanen Illusionen haben, weil man sie temporär und limitiert „mitspielen“ lässt.

gutachten

Dann haben wir noch Wissenschaftler, die embedded herumgutachten. Auch das ist weder neu noch supergeheim, obwohl die erst einen juristischen Tritt brauchten, um das herauszurücken.

Die Wissenschaftler verschlüsseln ihre E-Mails nicht. Als „sicher“ gilt die „private“ E-Mail-Adresse, am besten vermutlich von Gmail. Reliable ist übrigens Denglisch vom Feinsten. Sie hätten dann gleich „reliable Netzwerke“ schreiben soll, weil network schlicht und nur das englische Wort für das deutsche Netz ist. Erwarteten die einen Stromausfall wegen der Pandemie? Oder als Folge der geplanten „Maßnahmen präventiver und repressiver Natur“?

By the way: Hat jemand von euch sich schon ein Pokerface zugelegt? Falls ihr eine Online-Prüfung plant, ist das sinnvoll (gilt nur für Windows und Mac, Linux haben Studenten bekanntlich nicht).

Guanxi und Corona, die 573ste

covid-19

Wer gegen COVID-19 geimpft worden ist, kann sich wieder anstecken, der Verlauf der Krankheit ist aber dann leicht oder asymptomatisch. Das Sterberisiko ist übrigens drei Mal höher als bei einer Grippe, wenn man nicht geimpft worden ist.

Man sollte vielleicht ein paar unübliche Fragen stellen. Warum sollte sich ein Ausschuss, der die Geschäfte der herrschenden Klasse führt, überhaupt um eine Pandemie kümmern?
Für diese Fürsorge die rechten Mittel und Wege zu finden, ist eine schwierige, aber auch eine der höchsten Aufgaben jedes Gemeinwesens, welches auf den sittlichen Fundamenten des christlichen Volkslebens steht. Sagte Kaiser Wilhelm I..

Der tragende Grundsatz des Gesundheitssystems in Deutschland ist, dass die Herrschenden sich darum kümmern, dass die arbeitenden Klassen, die ihnen ihren Profit sichern, nicht durch Krankheiten allzu sehr dezimiert werden. Oder nicht? Faselt jemand etwa von „sittlichen Fundamenten“? Seriously?

Man könnte das natürlich auch anders sehen. Der Staat mischt sich gar nicht oder nur kaum ein. Alles bleibt den Märkten privaten Initiativen überlassen. Warum eigentlich nicht? Warum keine große Freiheit, für sein individuelles Schicksal ganz allein verantwortlich zu sein?

Hat das etwas mit dem Gesellschaftssystem zu tun? Angeblich steht es in Japan der der Gesundheit am besten – und Japan ist bekanntlich ein kapitalistischer Staat. In solchen Statistiken taucht Kuba meistens nicht auf. Es könnte die Bevölkerung verunsichern, wenn bekannt würde, dass das dortige System, gemessen an den Mitteln, die man hat, vermutlich das beste weltweit ist. Nur herrscht dort dieser „Sozialismus“, ganz gleich, was man davon hält, wie die Idee umgesetzt wird. Auch Kerala wird kaum jemand kennen – das beste Gesundheitssystem Indiens, weil kommunistisch regiert.

These: Je mehr sich die jeweils Herrschenden gegenüber der Bevölkerung legitimieren wollen und müssen, um so besser ist die Gesundheitsfürsorge. Gesellschaftliche Werte sind wichtig, weil sie sich langsamer ändern als die Ökonomie, aber letztlich relativ. Das Sein bestimmt auch hier das Bewusstsein.

Staatsknete für Medien

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Gern widerspreche ich Kollegen, vor allem dann, wenn sie falsch liegen oder dummes Zeug von sich geben und noch lieber, wenn sie ein wichtiges Ehrenamt ausüben oder alles zusammen.

And now for something totally different. Es begab sich aber zu der Zeit, als die Pandemie die Medien schwer beutelte, zum Teil aber auch wegen ihres Totalversagens, das Internet und das Digitale betreffend, in der Vergangenheit, dass der Kollege Steffen Grimberg, vormals taz und vermutlich deshalb gendersternchengeschädigt, jetzt freischaffend und dem- und naturgemäßig nach Ämtern strebend, die dem Journalistenleben einen Sinn geben könnten und – nicht ursächlich zusammenhängend mit Letzterem – seitdem sich einige geheime Seilschaften ergaben, großer Vorsitzer des hochwöhllöblichen DJV Berlin/JVBB, in dem sich bekanntlich die Massen aller Journalisten sammeln, anhub zu schreiben, zu diesem oder jenen, hier insbesondere, was wie zu regulieren sei (um den vom ihm gewählten Nominalstil zu umgehen).

Der erste Satz des Neuigkeitenbriefes Newsletters überansprucht ein wenig die Logik einfach gestrickter Menschen wie mich, da das Unwesentliche voranhoppelt (wann: „am Montag dieser Woche“), danach noch mehr Unwesentliches hinterdreingaloppiert (wo: „im Netz“), dann wichtige Motivlagen erwähnt werden wollen (warum: „auf Einladung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion“), das Publikum aber derweilen schon beginnt, mit den Füßen zu scharren, da nach 17 Wörtern (!) das erste Verb folgt, was den ehernen Gesetzen der Verständlichkeit eines Satzes nach Wolf Schneider und anderen Stilkundigen grob widerspricht, und – auch Mark Twain hätte sich schon beschwert! – immer noch nicht klar ist, worum es eigentlich geht, dann – oh! Überraschung! – ein weiteres Tuwort: Jemand sagte etwas, nein halt, sogar etwas „bemerkenswertes“, wobei man nicht weiß, vom wem bemerkt oder auch nicht. Der Vertreter der Lautsprecher der herrschenden Klasse, der etwas sagte, wird danach lang und breit zitiert: „Es kommt auf die Journalisten und die Verleger an“ – wer hätte das gedacht? Und warum wird hier eine Volksgemeinschaft zwischen Kapital und Arbeit suggeriert, die es noch nie gegeben hat?

Damit meinte er ausdrücklich nicht die direkte Presseförderung des Bundes, bei der nach wie vor völlig unklar ist, wie und wann sie kommt.

Wait a minute. Staatsknete für Medien? Wer will das denn? Ist es denn nicht auch „unklar“, ob sie kommt und, was viel wichtiger ist, ob sie gewünscht wird, vom Volk, von den Herrschenden und auch den marginalisierten Lohnschreibern und den am Rande der Existenz dahinkrebsenden Freiberuflern? Und was meinen die Insassen der öffentlich-rechtlichen Anstalten, die gut abgesichert auf ihren Breitärschen der Rente entgegengremienvorbehalten? Wollen die noch mehr von meinen Zwangsgebühren für sich abzweigen?

Ach? Der Staat fördert schon längst? Die Tageszeitung schrieb im August 2020:
Noch im November vergangenen Jahres hatte der Bundestag beschlossen, die deutschen Verlage bei der immer teurer werdenden Zustellung gedruckter Zeitungen zu unterstützen. 40 Millionen Euro hätte es dafür in diesem Jahr geben sollen. Seitdem hatte die Branche vor allem versucht, das zuständige Bundesarbeitsministerium in ihrem Sinne zu bearbeiten – auf weitere Details wartete man aber vergebens. Dann kam aber die Coronakrise – und nun ist das alles überraschend vom Tisch. Auf Antrag der Regierungskoalition hat der Haushaltsausschuss in einer nichtöffentlichen Sitzung entschieden, dass in den kommenden Jahren insgesamt bis zu 220 Millionen Euro zur Unterstützung des kriselnden Journalismus fließen sollen. Von „Zustellförderung“ ist nun keine Rede mehr, es soll plötzlich um die „digitale Transformation“ gehen.

Dann steht im DJV-Newsletter also gar nichts Neues? Nein, aber man muss am Ball bleiben, zumal aus gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, dass das Kapital die Verleger Dutzende von Leuten dafür bezahlen, dass diese die Websites von Journalistenverbänden ganztägig beobachten, um ja nicht zu verpassen, was dort Relevantes zu lesen ist.

And now for something completely different: Was effektive Maßnahmen gegen die „Supermonopolisten“ angeht, lohnt ein Blick auf Australien. Dort hat die Regierung Google den Kampf angesagt und einerseits klare rechtliche Beschränkungen zur Verwendung persönlicher Daten durch die Internet-Giganten eingeführt.

Wait a minute again. Da ist noch nichts in trockenen Tüchern, berichtet die Tagesschau. Man lässt nur die virtuellen Muskeln spielen, es steigt Rauch auf aus den Mündern, und wie immer wird Google gewinnen. So what? Man beschwert sich über eine erschröckliche „Marktmacht“. O heilige Einfalt! Je ein Kapitalist schlägt eine andere Suchmaschine tot, bis nur noch eine übrig ist – steht das nicht so irgendwo? Sie hätten sich eben vorher was überlegen müssen. Warum hat Australien nicht Amazon, Ebay und Google erfunden? Oder die Deutschen?

Ich begrüße lebhaft, wenn die Kleinbourgeoisie in jeder Branche zu Tode geprügelt wird. Dann ist es viel einfacher, nach der Revolution den Kommunismus einzuführen alles zu verstaatlichen oder den Anteil der Staatsunternehmen so groß zu halten, dass es immer genügend Impfstoff gibt dass man mit China Schritt halten kann, wenn es darum geht, die Produktivkräfte zu entwickeln. Weniger Formulare und weniger Klagen und so.

Ich frage mich die ganze Zeit: Was will mir der DJV-Newsletter eigentlich verkünden?

Einfach mal die Presse halten und Góiennaches

presse

In den sozialen Medien hatte ich angemerkt, dass es in der Berliner Verwaltung jetzt doch nicht mehr eines Arier- oder Migrantennachweises bedarf. Das rief allerlei Sektierer der buntscheckigsten Art und Geschlechter auf den Plan. Aus anthropologischer Sicht ist das langweilig, da diese Mischpoke mit einer intellektuellen Software ausgestattet ist, die höchstens einen Einzeller zum Laufen bringen könnte, und auch nur mit Mühe.

Ich warne aber dafür, sich durch eine Diskussion mit SektenmitgliederI:_&%innen etwas zu erhoffen. Es handelt sich um Menschen, die glücklich sind. Die anderen, die ihrer Erleuchtung noch nicht teilhaben und nicht mit dem esoterischen Wissen ausgestattet sind, werden nur mitleidig betrachtet. Sektierer bedauern Nicht-Sektierer. Alles, was man sagt und zu ihren Ungunsten vorbringt, bestätigt sie. Man kann denen nicht helfen. Das müssen sie selbst tun. Ich weiß, wovon ich rede… Also einfach die Presse halten.

mug

Ich spiele immer noch mit Alexa herum. Ja, ich überprüfe auch den Datenschutz: Man kann dem Teilchen auch fasst alles, was problematisch ist, verbieten, zum Beispiele das Mikrofon ausstellen oder alle Aufzeichnungen löschen. Das ist genauso „mühsam“, als erzeugte man einen neuen PGP-Schlüssel. Man muss es nur tun, wenn Bedarf dafür ist. Und vorher das fucking manual lesen.

Es war gar nicht so einfach, die Geräte, die über Smart Home der Fritzbox angeschlossen sind, kompatibel mit Alexa zu machen. Die Anleitung des PC-Magazins ist die einzige, die funktioniert und auch alle Eventualitäten erwähnt. Man muss ein bisschen fummeln, weil das Feature nicht offiziell ist.

Um mich herum dröhnt der Warp-Kern. Sehr beruhigendes Geräusch! Ich kann auch die Warp-Geschwindigkeit erhöhen. Jetzt muss ich noch herausfinden, ob Alexa auch die Stimme von Olga Kurylenko annehmen kann.

küche

Nein, mein heutiges Chili con carne ist mit Schweinefleisch. Deswegen sage ich trotzdem L’Chaim. Ich gebe dann eben den Shabbes-Goi.

küche

Schade, dass Alexa und die anderen Geräte, mit denen ich mich selbst überwache, nur auf Befehl handeln und nicht selbständig. Wie das Publikum unschwer erkennen kann, hängt da eine große Küchenuhr. Die ist neu. Warum? Das kam so: Man stelle sich jemanden vor, der in jeder Hand einen Topf mit frisch zubereiteten Speisen balanciert, sich langsam vom Ofen weg bewegt, links unten, fast in Nähe des Fußbodens, eine flatternde Bewegung erspäht, die sich in Richtung der halbhoch gekachelten Wand unterhalb der Küchenuhr orientiert, und siehe: Es war eine Küchenmotte, ein Insekt aus der Familie der Zünsler (Pyralidae), dessen Existenz in meinen Gemächern genausowenig erlaubt ist wie ein Gendersternchen und as soon as possible zu vernichten wäre dergestalt, da die Hände temporär anderweitige Aufgabe erfüllten, dass der rechte Fuß gezielt und erfolgreich nach ihr trat mit dem Ergebnis, dass das Flattertier platt wie eine Briefmarke an die Kacheln befördert wurde und in die ewigen Jagdgründe, nur mit der überraschenden Konsequenz, dass die alte Küchenuhr, die über dem Geschehen die Zeit überwachen sollte, sich ohne Vorwarnung vom Schraubhaken löste und, getreu den Gesetzen der Gravitation, nach unten krachte und in tausend Scherben. Sonst fiel nichts runter, obwohl ich das erwartete.

torte

Meine Mandarinen-Sahnetorte schmeckt hervorragend. Nur an dem Äußeren muss ich noch arbeiten. Beim zweiten Mal wird sie gediegener aussehen.

Markttaugliche indische Bauern

klassenkampf bauern indien

Ich darf das Publikum auf den Klassenkampf der indischen Bauern aufmerksam machen. Die Deutsche Welle zum Beispiel berichtete am 28.11.20 („Indiens Bauern gehen wieder auf die Straße“), am 08.12.20 („Die Wut der indischen Bauern“), am 26.01.21 („Massiver Bauernprotest an Indiens Festtag“) und am 01.02.21 („Die ökologischen Hintergründe der Agrarkrise in Indien“).

Die Aufgabe bürgerlicher Medien ist natürlich, den Begriff „Klassenkampf“ zu vermeiden und auch den Kapitalismus mit seiner inneren Dynamik nicht zu erwähnen, sondern „Klima“, „nachhaltig“ und „Ökologie“ herumzuraunen, um das Thema zu entpolitisieren, oder von „Deregulierung der Landwirtschaft“ zu faseln (damit niemand mehr weiß, worum es eigentlich geht, wenn dieses Wort benutzt wird).

Zaghaft schimmert es dann doch durch: „…Widerstand gegen eine von Modi geplante Agrarreform, die aus Sicht der Kritiker eine zunehmende Dominanz von Großunternehmen in der Landwirtschaft zur Folge hätte.“

Die taz findet zunächst die Kopfbedeckungen der Demonstranten wichtig und interessant (oder es ist ein verunglückter „szenischer Einstieg“) und zitiert dann: „Es lebe die Einheit der Bauern und Arbeiter“, tönt es aus dem Traktorkorso immer wieder und „Inquilab Zindabad“ („Lang lebe die Revolution“), eine noch aus der indischen Unabhängigkeitsbewegung stammende Parole. Um welche Gesetze es genau geht, verrät uns die taz leider nicht, nur dass diese – Überraschung! – „umstritten“ sei. (So geht bürgerlicher Journalismus.)

Die Deutsche Welle: Die Regierung von Premierminister Narendra Modi hält daran fest, dass die Gesetzgebung, die weniger Regulierungen vorsieht und zu privaten Investitionen in den Landwirtschaftssektor einlädt, dazu dient, das Wirtschaftswachstum zu fördern und die Einkommen der Landwirte zu erhöhen. Die Landwirte hingegen befürchten, dass sie durch die marktfreundlichen Reformen der Ausbeutung großer Unternehmen ausgeliefert werden und sehen ihre Lebensgrundlage gefährdet.

Audiatur et altera pars! Jetzt kann das Publikum entscheiden: Sind wir marktfreundlich oder gefährden wir lieber die Existenz der Bauern? Oder ziehen wir den Publikums-Joker?

Ich habe versucht herauszufinden, was genau diese Gesetze regeln (habe aber die Original-Texte nicht gefunden): Bisher wurde Getreide auf staatlich organisierten Großmärkten zu garantierten Mindestpreisen gehandelt. Nach der Reform sollen die Bauern ihre Ware ohne Zwischenhändler auch direkt an Privatfirmen verkaufen können. Die Regierung argumentiert, die Erzeuger könnten so höhere Gewinne erzielen. Landwirte fürchten dagegen einen Preisverfall, da sie bei Verhandlungen mit Agrarkonzernen in einer schwächeren Position wären. Der „freie“ Markt wird es also richten?

Indien hat 1,3 Milliarden Einwohner, davon sind 500 Millionen erwerbstätig, davon sind rund 300 Millionen Bauern. Das ist schon eine Menge, mit der man etwas erreichen kann.

Die „Linke“ und die „Grünen“ hierzulande würde natürlich den Protest nicht vorbehaltlos unterstützen, sondern zunächst fragen, ob da keine „Rechten“ mitmachten und ob die Landwirt*_I.&%innen sich auch genderpolitisch korrekt ausdrückten.

(In einem Bericht der Deutschen Welle vom Mai wird der aktuelle Klassenkampf gar nicht erwähnt, sondern nach Art einer Homestory erzählt, dass sich im Zuge der Pandemie die Bauern direkt an die Kunden wenden wollen – das wäre, wenn ich das richtig verstehe, genau das, was die Herrschenden in Indien mit dem neuen Gesetz erreichen wollen.)

Im Dezember hieß es: [Die Bauern] …verlangen die Rücknahme von drei Gesetzen der Regierung, mit denen der Sektor für Privatinvestoren geöffnet werden soll. Bisher können Landwirte ihre Erzeugnisse an staatliche Kooperativen verkaufen, die ihnen Mindestpreise garantieren. Künftig sollen sie ihre Produkte auf dem freien Markt verkaufen – auch an Supermarktketten.

Das hört sich schon viel härter an. Jeder, der einen IQ oberhalb der Zimmertemperatur hat, weiß seit den Gracchen, wie das ausgehen wird: Die kleinen Bauern werden ruiniert und Proletarier (die nichts zu verkaufen haben als ihre Arbeitskraft – falls jemand nicht weiß, was das ist). Großbauern und Konzerne gewinnen, ob „nachhaltig“ oder nicht. Quod erat demonstrandum.

Am 12.01.21 stoppte das höchste Gericht Indiens die drei Gesetze. (Die letzte Pressemeldung des Gerichts ist vom Juli 2018.) Das Problem wird damit nur aufgeschoben, nicht aber gelöst.

Noch eine Notgemeinschaft

rostlaube
Eine Postkarte aus den 80-er Jahren: Der Eingang der so genannten „Rostlaube“ der Freien Universität Berlin, damals das Gebäude für die Historiker und Germanisten. Genau dort habe ich studiert.

Rund 70 Wissenschaftler haben ein „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“ gegründet.

Wir beobachten, dass die verfassungsrechtlich verbürgte Freiheit von Forschung und Lehre zunehmend unter moralischen und politischen Vorbehalt gestellt werden soll. Wir müssen vermehrt Versuche zur Kenntnis nehmen, der Freiheit von Forschung und Lehre wissenschaftsfremde Grenzen schon im Vorfeld der Schranken des geltenden Rechts zu setzen. Einzelne beanspruchen vor dem Hintergrund ihrer Weltanschauung und ihrer politischen Ziele, festlegen zu können, welche Fragestellungen, Themen und Argumente verwerflich sind. Damit wird der Versuch unternommen, Forschung und Lehre weltanschaulich zu normieren und politisch zu instrumentalisieren. Wer nicht mitspielt, muss damit rechnen, diskreditiert zu werden. Auf diese Weise wird ein Konformitätsdruck erzeugt, der immer häufiger dazu führt, wissenschaftliche Debatten im Keim zu ersticken.

Obwohl es schon zahlreiche Medienberichte gibt, sieht man davon noch kein Echo auf der Website (des Vereins?) (Stand 19.00 Uhr, 04.02.).

Ich sehe das mit Skepsis, nicht der berechtigten Inhalte wegen, sondern weil ich annehme, dass die meisten Wissenschaftler Opportunisten sind, die abwarten, woher der Wind weht. Viele krebsen auch nur als prekäre Existenz mit kurzen Verträgen herum und können es sich nicht leisten, gegen den gefühlten Mainstream zu argumentieren. Zudem werden die Purifikations-Rituale in den (sozialen) Medien dafür sorgen, dass die Gruppe in den Geruch des „Rechten“ gerät. (Kahane, übernehmen Sie!)

Wenn man sich die soziale Herkunft der Studenten heute ansieht, wird man auch von dort keine Rebellion erwarten oder gar, dass diese sich mit Wissenschaftlern verbinden, die sich etwa der gegenderten Sprache verweigern oder die zu oft alte weiße Männer wie Tacitus zitieren.

Zu meiner Zeit gab es so etwas übrigens auch, nur unter anderen Vorzeichen – die Notgemeinschaft für eine freie Universität. Ich hielt die damals für eine Kampfgruppe von Ultrareaktionären, ein Urteil, was definitiv falsch war – aber ich hatte schlicht das Verdikt meiner Peer Group übernommen.

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!

förmchenweitwerfen

Bei bestimmten Zeichenketten schlägt gleich mein Bullshitometer stark aus: „Engagiert sich“, „Aktivist“ (außer in historischen sowjetischen Filmen), „Welle der Empörung“, „sensibles Thema“. Ich habe mit der Medienblase nicht mehr viel zu tun, außer als teils amüsierter, teils gelangweilter, teils als kopfschüttelnder Beobachter aus anthropologischer Sicht. Ich bitte daher die Leserschaft, zum Beispiel die Perspektive einer Krankenschwester, eines Fabrikarbeiters, einer Putzfrau Reinigungsfachkraft oder einer Kassiererin im Supermarkt einzunehmen, also aus der Sicht der Leute zu urteilen, die tagaus, tagein hart arbeiten und vielleicht noch eine Familie ernähren müsse, und die mitnichten Zeit und Lust haben, gegen das gefühlt Böse im Internet anzuschreiben oder sich im Sandkasten gegenseitig Torten Förmchen an den Kopf zu werfen. Anders ist das, was folgt, gar nicht zu ertragen.

Ein Journalist schrieb recht langatmig auf Der Achse des Guten (Broder & Co.) darüber, dass er nicht mehr für die Zeitschrift „natur“ (natur.de/wissenschaft.de) schreiben darf. (Ich halte die „Achse“ für genauso „rechts“ wie die F.D.P., Teile der SPD und der CDU sowieso, von den Salonfaschisten ganz abgesehen – also kein Grund zur Schnappatmung oder zu Purifikations-Ritualen).
Ein Kollege sei, zufällig, auf Artikel von mir gestoßen, die auf der Achse des Guten publiziert worden seien. Man wundere sich über meinen „lustvoll prolligen, leicht nationalistisch gewürzten“ Achse-Beitrag über die Anti-Feuerwerks-Kampagne der Deutschen Umwelthilfe, die dem mailenden Kollegen wie eine „bier-/wutschäumende Stammtischrede beim AfD-Kreisparteitag“ vorkam. Ob ich das wirklich geschrieben habe?

„Lustvoll prollig“ ist niedlich: Da schwingt die Verachtung für die Proleten gleich mit. Die benehmen sich bekanntlich nicht „korrekt“, und ein Journalist aus der Mittelklasse muss natürlich die Nase rümpfen.

Ab jetzt geht es natürlich nicht mehr um Inhalte, sondern, wie in der Medienempörungsblase üblich, nur darum, wer wo etwas gesagt hat, wer etwas „sagen darf“ und ob das für den jeweils selbst definierten Mainstream anrüchig (offensive) sei. Ich habe den inkriminierten Artikel „Warum ich Donald Trump die Daumen drücke“ ganz gelesen. Wer die Ironie nicht mitkriegt, ist von allen guten Geistern verlassen und/oder dumm wie Brot. Ich hätte den auch so schreiben können, allein um die zu ärgern, die meinen, es gäbe irgendeinen Konsens, dass Trump als Vertreter der herrschenden Klasse der USA schlimmer sei als Biden, der bekanntlich jetzt dem Ausschuss eben derselben Klasse vorsitzt, um deren Geschäfte zu führen. Trump hatte natürlich auch keine Strategie, um die aktuelle Pandemie zu bekämpfen und gab eine Lüge nach der andern von sich. Mich aber regt das nicht auf: Nichts anderes erwarte ich von einer solchen Charaktermaske.

Ich hatte nur den Link zum Artikel auf Fratzenbuch gepostet und wurde schon beschimpft und als „Idiot“ geschmäht. Mich lässt das kalt, aber es ist schon erstaunlich, wie manche Leute, die sich „links“ fühlen, aber es nicht sind, auf Brocken, die man ihnen hinwirft, reflexartig reagieren wie ein Pawlowscher Hund. Man weiß vorher schon, was kommt, inklusive der Gendersternchen.

Noch ärger finde ich die weinerliche Art, mit der unsere Anstalten sich entschuldigen, sobald sich irgendwo in den so genannten sozialen Medien ein Shitstörmchen zusammenbraut oder jemand sich beschwert, den man nicht kritisieren darf und kann, weil er (noch schlimmer: sie) unerbittlich gut und „farbig“ ist, wie etwa die „Aktivistin“ Jasmina Kuhnke aka quattromilf (die sich auch auf den Couponschneider Don Alphonso eingeschossen hat).

Die Ölspur, die der WDR hinterlässt, ist so breit, dass sogar ein Merkava darauf ausrutschen würde. Ein Herr Micky Beisenherz, von dessen Existenz ich bisher nicht wusste, jammert: „Wenn ich Leute enttäuscht habe, dann tut mir das aufrichtig leid, denn das möchte ich nicht.“

Ach ja? Ich gehe nie ins Bett, ohne mich zu fragen, ob ich auch nicht vergessen habe, täglich jemanden enttäuscht, ans Bein gepinkelt oder in den Allerwertesten getreten zu haben. So eine Elendsgestalt nennt sich vermutlich auch noch „Journalist“, ohne rot zu werden vor Scham.

Noch schlimmer eine andere Dame, von der ich auch noch nie etwas gehört oder gesehen hatte: Gerade ich als Mutter von drei Kindern, sollte aufgeklärter sein, wenn es um unser vorurteilsbehaftetes Sprachsystem geht, für dessen Mitgestaltung wir alle verantwortlich sind. Ich werde zukünftig meine Wortwahl überdenken, denn es war falsch, dass ich mir angemasst habe, als privilegierte weiße Frau über ein Thema zu sprechen…“ Blabla. Ein unfassbares Gesülze.

Da rollen sich bei mir die Fußnägel hoch. Man meint, einer Masochistin beim Gang nach Canossa zuzusehen. Der „Tagesspiegel“ hat an ganz anderer Stelle und zu einem (nicht) ganz anderen Thema den treffenden Ausdruck „die Raserei der Tugendhaften“ geprägt. So muss man sich das vorstellen: An den Pranger mit ihnen, unter dem virtuellen Gejohle der Twitter-Menge mit faulen verbalen Eiern bewerfen, und die, die „bei diesem sensiblen Thema“ etwas Falsches von sich gegeben haben, rufen laut und weinend: Ich habe gesündigt! Ich beichte und bereue zutiefst!

Ich habe jetzt gar nicht mitbekommen, um was es eigentlich ging. Um etwas, was die arbeitende Bevölkerung in irgendeiner Weise interessiert? Was in ihrem Leben eine Rolle spielt? Christian Baron beschreibt in seinem Buch Ein Mann seiner Klasse, dass in einer Kneipe in Kaiserslautern, in der sein Vater verkehrte, jemand, der ins Sonnenstudio ging, „Elektroneger“ genannt wurde. Ich möchte den sehen, der sich im TV traute, dieses Wort zu benutzen.

Nur, um das klarzustellen: Ich mag nicht urteilen, ob zum Beispiel Frau Kuhnke recht hat oder nicht. Das sieht jeder anders, und bei rassistischen Vorurteilen gäbe ich ihr vermutlich oft recht. Es geht um die Art und Weise, wie man sich mit dem Thema auseinandersetzt. Als öffentliches Ritual der Schuld und Sühne? Als moraltheologisches Spektakel? Oder darf es vielleicht auch mal politisch sein – Rassismus als Feature des Kapitalismus, das Sinn ergibt und eine Funktion hat, insbesondere für die Herrschenden, und nicht als Fehler? Kann man mit den „Aktivisten“ auch über den tendenziellen Fall der Profitrate reden? Den kennen die gar nicht? Dann geht doch rüber zur systemaffinen Greta und rettet das Klima oder so.

Zum Erinnern: Die richtige Perspektive einnehmen und nicht in diesem weltanschaullichen Morast versinken!

So muss man auch über das ehemalige Nachrichtenmagazin und dessen daily soap, wer wen welchen Posten abkriegt, lesen. Oder die lächerlichen Sätze von meedia.de, die vermutlich dem Anus einer Werbeagentur entsprungen sind: Zwei Zeitungen in Brandenburg „rücken näher zusammen„. Eine „tief schürfende“ Analyse, die sich gewaschen hat. Meine Prognose: Der Mantel wird bald derselbe sein, Redakteure werden hinausgeworfen, alles soll digitaler werden oder auch: vor dem Sterben noch mal ein bisschen zucken.

Jetzt hätte ich mich beinahe aufgeregt. Aber zum Glück habe ich es nicht getan. Und ich werde meine Wortwahl nie, nie, nie überdenken.

Nachtgedanken

Denk ich an Deutschland in der Nacht, / Dann bin ich um den Schlaf gebracht.
Am besten nicht lesen, wenn man schon Schweres im Magen hat: Der Spiegel berichtet über das dutzendfache Totalversagen aller möglicher Behörden im Fall des Attentäters von Hanau. Ich fasse es nicht. Ist das überall so?

In Shitstormgewitterchen

twitter

Wenn Männer sich mit #feminist und #vegan taggen, muss ich immer lachen. Das Klischee scheint ausnahmslos zu stimmen. Fehlt nur noch der Herren-Dutt für Hipster, die prekäre pseudo-intellektuelle Randexistenz und die völlige protestantische Humorlosigkeit.

Auf Fratzenbuch sinnierte ich vor mich hin, ob es nicht sinnvoll sei, auch öfter bei Twitter vorbeizuschauen, weil in der Kürze bekanntlich auch die Würze liegt. Oder: Wer nicht mit 120 Zeichen Propaganda auskommt, sollte es ganz lassen. (Oder sind es jetzt sogar mehr?) Ich bin mir aber nicht sicher, ob das nicht komplette Zeitverschwendung ist. Andererseits liebe ich es, mit dem Holzhammer zu argumentieren, weil das mehr Leben in die Bude bringt. Wer nicht eine Million Instagram-Follower erwartet, sollte gar keine Fotos posten. (Johann Wolfgang von Goethe)

twitter
„Sei stolz, Kamerad, du bist ein Arbeiter!“ (Sowjetisches Poster 1982, credits: Soviet Visuals)

Nimm dies zunächst, Twitter-Blase!
§ 241a – Politische Verdächtigung: Wer einen anderen durch eine Anzeige oder eine Verdächtigung der Gefahr aussetzt, aus politischen Gründen verfolgt zu werden und hierbei im Widerspruch zu rechtsstaatlichen Grundsätzen durch Gewalt- oder Willkürmaßnahmen Schaden an Leib oder Leben zu erleiden, der Freiheit beraubt oder in seiner beruflichen oder wirtschaftlichen Stellung empfindlich beeinträchtigt zu werden, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Ich hatte hier schon auf einen Artikel von Fatina Keilani im „Tagesspiegel“ hingewiesen. Die erlebte einen flame war Shitstorm der üblichen Verdächtigen in den üblichen Social-Media-Blasen. Letztere halte ich nicht für so relevant wie sie selbst, sondern für eine Art moralisierende und selbstreferenzielle Lichterkette, die sich – wie diese – nur an die eigene Peer Group richtet, also irrelevant ist.

twitter

Zum Thema las ich, um mich zu amüsieren, Don Alphonso, der Politik, obzwar stilvoll und elegant, aber dennoch nur aus der Klassenperspektive des Couponschneiders beschreibt (was die Kommentare beweisen), eine Meinungsschießscharte unter vielen, die ich gegenüber den Positionen bevorzuge zu konsumieren, die mich unnötigerweise nur bestätigen. Ich meine zu allem etwas, und zwar stark, und brauche niemanden, der mir sagt, dass ich recht habe – das weiß ich selbst. Also schaue ich beim Klassenfeind nach dort nach, wo vielleicht eine winzige und interessante Korrektur meines gefestigten Weltbilds zu erwarten wäre.

Der Don bemerkt über einen Kollegen, der auch für die Jungle World schreibt (die im übrigen genausowenig antideutsch“ ist wie Don Alphonso großbourgeois): Wer ist dieser Krsto Lazarevic, woher hat er all die Zeit, einer Autorin hinterherzuforschen, solche Bezüge zu konstruieren, sie bei Twitter zu verbreiten und sich am Rufmord zu beteiligen? Darüber sagt sein Profil bei Twitter wenig aus, dort steht nur, er würde im Europaparlament arbeiten: „Working @Europarl_EN„. Das ist natürlich eine Spitzenreferenz, die er da für sich in Anspruch nimmt, aber die Realität von Krsto Lazarevic sieht anders aus. Er arbeitet nicht etwa direkt für das Europaparlament, sondern, wie eine kurze Recherche ergibt, als Mitarbeiter eines Abgeordneten. Konkret ist Lazarevic der Pressesprecher des grünen Europaparlamentsabgeordneten Erik Marquardt – nur agiert er im Netz ohne diese Information, die man eigentlich bei mit Steuergeldern finanzierten Pressemitarbeitern von Parlamentariern erwarten müsste. Denn sein Chef Erik Marquardt wiederum ist innerhalb der Grünen Experte für Migration, und hat als Aktivist das Projekt Civilfleet verantwortet. Das Projekt begann 2018 mit großer Medienaufmerksamkeit und scheiterte dann spektakulär: Gelder waren weg, das Schiff konnte nicht zu Rettungseinsätzen starten. Als der Skandal im September 2019 ruchbar wurde, war der Aktivist Marquardt für die Grünen auf einer Welle der Popularität schon ins Parlament eingezogen.

twitter

Die riechen schon, was kommt und rufen prophylaktisch „Hurra“. Ich bin dankbar, beweist dieser Politschleim doch meine These, dass zusammenwächst, was zusammengehört. Die oberen Schichten des angestellten und verbeamteten Bürgertums und deren Milieu fraternisieren mit der Großbourgeoisie. Das nennt man in revolutionären Zeiten „Stockholm-Syndrom“, in nicht-revolutionären Zeiten „gesunder Klasseninstinkt“.

Es ist wie überall. Man muss sehen, wo man bleibt und wo die finanzielle Alterssicherheit herkommt. Meinungen stören da nur. Positionen, die nicht stromlinienförmig sind, machen das digitale Leben zu unbequem. Die Attitude der Blockwartin ist die den Deutschen gemäße. Melden, durchführen, verbieten und sich dabei moralisch höherwertig fühlen – ich sagte es hier schon.

Ich halte den Opportunismus der übergroßen Mehrheit übrigens für einen Vorteil: Diese Mischpoke passte sich auch schnell an und hielte die richtigen Winkelemente hoch, wenn ein kommunistischer Arbeiter-und Soldatenrat plötzlich von einem höheren Wesen (anders ist es nicht vorstellbar) an die Macht geputscht worden wäre.

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