Annalena Merz
Ich hoffe doch sehr, dass die CDU Friedrich Merz zum Vorsitzenden macht. Dann wird es eine Vizekanzlerin Annalena Baerbock unter Merz geben. Dem Dümmsten müsste dann endlich klar sein, dass die Grünen eine reaktionäre Partei sind, nur von einer anderen Sorte und Klassenbasis als die CDU, und ihre zentrale Themen Gedöns.
Claus Christian Malzahn schreibt in der Welt (Paywall): „Merkels Rückzug halten einer Infratest-Untersuchung zufolge 65 Prozent der Grünen-Anhänger und -Anhängerinnen für „weniger gut“ oder gar für „schlecht“. Das Bedauern über ihren Abschied von der politischen Bühne ist damit in der Anhängerschaft der Grünen sogar stärker ausgeprägt als in der Union – dort liegt der entsprechende Wert bei 63 Prozent (Linke: 59, SPD: 58, FDP: 33, AfD: zwölf).“
中国特色社会主义 oder: Systemvergleich

Interessanter Artikel in der FAZ, dem Organ der gefühlten Bourgeoisie: „China gewinnt im Systemvergleich“. (Dieser Artikel wurde Ihnen von einem Abonnenten geschenkt und kann daher kostenfrei von Ihnen gelesen werden.)
„In einem atemberaubenden Tempo hat das Reich der Mitte in fast allen Bereichen der gesellschaftlichen Entwicklung den Abstand zu den westlichen Gesellschaften verringert. Dies gilt für die Wohlstandsentwicklung und die Anzahl der Menschen, die jenseits der Armutsgrenze leben, ebenso wie für die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur und neuer Technologien, für die Wissenschaftsentwicklung, die Entwicklung des Bildungssektors und den Aufbau von Stadtkernen mit globaler Strahlkraft wie in Schanghai.“
„Zur Disposition steht letztlich die Legitimität unterschiedlicher Gesellschaftssysteme.“
Schon klar. Man darf natürlich von bürgerlichen Medien keine tief schürfende Analyse erwarten, welches System nun denn die chinesische Gesellschaft sei: Staatskapitalismus? Sozialismus? Marktsozialismus? Oder gar noch etwas anderes?
Dazu schon einmal vorab eine allerwärmste Buchempfehlung (Standardwerk, wird noch besprochen): Wu Yiching: Die andere Kulturrevolution: 1966–1969: Der Anfang vom Ende des chinesischen Sozialismus.
Wu Yichings mit Fakten und Quellen gespicktes Werk hat mich „umgehauen“ – ich musste alles, was ich meinte über China zu wissen, neu überdenken. (Der Übersetzer entblödet sich leider nicht, Gendersprache einzuschmuggeln.) Es gibt noch keine vernünftige Rezension. Das muss ich vermutlich wieder machen…
Der Autor lehrt mittlerweile in Kanada, ist aber Marxist geblieben und argumentiert auch so. Das ist höchst interessant, weil seine Thesen in China verpönt und verboten sind. Das erinnert mich irgendwie an die „Linksabweichler“ der KPD der Weimarer Zeit, die in der Sowjetunion und natürlich auch in der DDR verschwiegen wurden. Die Frage, die er stellt, sollte die Linke (nicht die Partei) beantworten: Gibt es im Sozialismus Klassenkampf? Wer kämpft gegen wen und wie? Und wo soll das alles enden? Und ist China Sozialismus oder tut die herrschende Klasse dort nur so? (Da ich diesen Terminus benutze, die Staatsdoktrin in der VR China aber selbstredend behauptet, von einer „herrschenden Klasse“ könne nicht die Rede sein, errät das hiesige Publikum vermutlich, wo meine Sympathien liegen.)
Der Artikel der FAZ ist weniger originell, als die Überschrift suggeriert. Er käut die altbekannte Propaganda-Textbausteine wieder, aber zwischendurch entfahren den Autoren Jürgen Gerhards und Michael Zürn zähneknirschend Sätze wie „Wer innerhalb von drei Jahrzehnten mehrere hundert Millionen Menschen aus der absoluten Armut befreit, kann auf einen historisch einmaligen Erfolg verweisen.“ Und: „Der Einwand, dass nur autoritäre Regime in der Lage sind, durch Überwachung der Bürger und Zwangsmaßnahmen die Pandemie effektiv zu begrenzen, greift zu kurz, da auch Länder wie Japan, Taiwan, Neuseeland oder Südkorea die Ausbreitung des Virus sehr gut im Griff haben.“
Die FAZ ist immerhin ideologisch flexibler als die „Linke“: „…kommt man nicht darum herum, Informationen über das Bewegungsverhalten der Bürger und ihre Kontakte zu erheben. Dies stellt einen zumindest temporären Eingriff in die Privatsphäre dar. Wie bei allen politischen Zielkonflikten wäre hier eine öffentlich diskutierte Güterabwägung zwischen den drei zentralen Zielen „Vermeidung hoher Infektionen und einer hohen Sterblichkeit“, „Vermeidung eines Lockdowns mit hohen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgeschäden“ und „Schutz der informationellen Privatsphäre“ nötig gewesen.“
Man merkt, dass die hiesige Bourgeoisie in Gestalt ihrer medialen Lautsprecher nicht umhin kann, die Regierung Chinas zu bewundern. Fazit: „Es bedarf einer scharfen Kontrolle der Unternehmen bei gleichzeitiger Handlungsermöglichung des Staates, insoweit er Gemeinwohlzwecke wie Gesundheit oder Verbrechensbekämpfung verfolgt.“
Scharfe Kontrolle der Unternehmen? Full ack. Mehr Staat wagen? Auch gut. Aber wieso fordert das die FAZ? War der Zensor pinkeln? „Dabei ist natürlich auch der Staat dem Recht unterworfen und muss einer scharfen Kontrolle unterliegen. Für jeden Euro, der für den Aufbau staatlicher Digitalkompetenz ausgegeben wird, muss ein Euro in die Missbrauchskontrolle fließen.“
Kommt gleich auf die To-Do-Liste nach der Machtübernahme der Arbeiterinnen- und Soldatinnenräte.
Peinlich
Man macht sich so seine Gedanken, ob man manipuliert werde oder nicht, und wenn ja, wie. Ein schönes Beispiel ist heute Spiegel online mit einem wie gewohnt reißerischen Teaser, der aber vom Inhalt des betreffenden Artikels noch übertroffen wird. Mäkeln wir ein wenig herum, obwohl das natürlich völlig sinnlos ist:
„Jens Spahn verteidigt vor dem Bundestag seine Impfstrategie“ suggeriert, dass er eine habe. Das kann man anzweifeln. Mein Vorschlag: „Peinlich: Jens Spahn behauptet vor dem Bundestag, er habe eine Impfstrategie.“
„Das zweite Impeachment von Donald Trump nimmt Fahrt auf.“ Auch das suggeriert etwas Falsches: Das Impeachment ist bloße heiße Luft, weil es im US-Senat eine Zweidrittel-Mehrheit geben müsste, um Trumps Schuld festzustellen. Das wird vermutlich nicht erreicht werden. Auch wird niemand juristisch beweisen können, dass der Präsident ursächlich für die Aktionen des Mobs im Kapitol verantwortlich gewesen ist. Mein Vorschlag: „Die Gegner Donalds Trumps manövrieren sich mit großen Radau und mit Karacho in eine Sackgasse.“
„Die peinliche Schwäche der EU gegen China“ – was soll denn das heißen? Staaten zeigen Stärke? Rückkehr zur Kanonenbootpolitik? Kiautschou soll Deutsch bleiben? Und wem ist etwas peinlich? Dem deutschen Volk? Der Bevölkerung? Dem Kapital? Oder nur dem Autor, der sich hier blamiert und alle journalistischen Grundsätze vernachlässigt?
Wenn Journalisten zu viel meinen: Im Artikel wird für Sanktionen gegen die VR China gehetzt – wegen der Uiguren. Das ist gar kein Journalismus mehr, sondern reine und nackte Propaganda. Ich wäre ganz schön bescheuert, wenn ich für so etwas noch Geld bezahlen würde.
Audiatur et altera pars: „Study shows that in the process of eradicating extremism, the minds of Uygur women in Xinjiang were emancipated and gender equality and reproductive health were promoted, making them no longer baby-making machines. They are more confident and independent.“ Das twitterte die chinesische Botschaft. Der Tweet wurde von Twitter zensiert.
Wenn es der „Wahrheitsfindung“ dient, sind alle Mittel offenbar recht.
Cancel Culture, 1.0
Links: Ernst Thälmann und Willy Leow in Berin-Treptow 1926. Leow war Gründungsmitglied der KPD und 2. Vorsitzender des RFB. Nach der Machtergreifung der Nazis floh er in die Sowjetunion. Er wurde während des stalinistischen Terrors wegen angeblicher „Organisation einer trotzkistisch-terroristischen Gruppe“ verhaftet und 1937 erschossen. In der DDR wurde er wegretouchiert. (Bildquelle: Welt)
Ein mir nicht bekannter Musiker wird aus einer mir bisher nicht bekannten Show eines privaten Fernsehsenders hinausgeschnitten. So etwas würden deutsche und auch internationale Qualitätsmedien natürlich nie tun, oder?
Ach so? Das ist seit dem 19. Jahrhundert in allen Medien gang und gäbe? Der Kollege Sven Felix Kellerhoff, obzwar kenntnisreich, aber bekannt als Totalitarismus-Theoretiker und immer gut für antikommunistische Hetze, hat sich vor längerer Zeit in der Welt zum Thema ausgelassen.
Besser ist eine schweizer Link-Kollektion zum Thema „Bildmanipulation“, die zeigt, dass es bis heute üblich ist, wenn es denn der eigenen Propaganda Agenda dient, Fotos zu fälschen: Die Rezipienten sollen bekanntlich zum Guten, Wahren und Schönen erzogen werden. (Dazu dient auch Schleichwerbung in Mainstream-„Nachrichtenmagazinen“.)
Cyberdurchsuchung, die 894ste
Manchmal habe ich bei den offenbar hingeschlampten Meldungen von Heise, insbesondere von Stefan Krempl, den Eindruck, hier werde haarscharf an einer Verschwörungstheorie vorbeigeschrieben.
Es ist eindeutig eine urbane Legende, wenn man suggeriert, irgendein Cyberpolizist säße irgendwo vor dem Monitor und „hackte“ sich irgendwo in einen privaten Rechner. So etwas zu können behauptet noch nicht einmal FinSpy.
Auch Wikipedia faselt sinnfrei herum: „handelt es sich um einen Trojaner, da die Spionagefunktionen in einer harmlos aussehenden Hülle eingeschmuggelt werden.“ (Die Diskussionsseite ist gesperrt – vermutlich nicht zufällig.)
„Harmlos aussehende Hülle“? Geht es ein bisschen konkreter? Nein, weil das Blödsinn ist! Man kann trojanische Pferde (so heißt das und nicht „Trojaner“) nur auf einem „fremden“ Rechner implementieren, wenn man entweder den physischen Zugriff hat und der Rechner ungesichert ist oder wenn man per USB-Stick Software installieren kann, und das alles nur unter ganz bestimmten Bedingungen. Alles andere ist Voodoo und ein Hoax der allerfeinsten Sorte.
Wenn man sich die Passagen bei Wikipedia zur Quellen-Telekommunikationsüberwachung (was für ein Wort!) genauer anschaut, wird auch sofort klar, dass es sich weitgehend um heiße Luft handelt.
„Die Malware bestand aus einer Windows-DLL ohne exportierte Routinen“, schreibt der CCC in seiner Analyse. „Wir haben keine Erkenntnisse über das Verfahren, wie die Schadsoftware auf dem Zielrechner installiert wurde.“ Quod erat demonstrandum. Nur wie ich oben schrieb.
In einem Internet-Cafe ginge das natürlich, falls ein Richter das anordnete. Übrigens habe ich Linux. Und man müsste schon an meinem Stangenschloss hinter der Wohnungstür vorbei und einbrechen, um an meine Rechner zu kommen. Per USB geht bei mir auch nichts, meine BIOSSE (heißt das so?) verbieten das. Keylogger funktionieren bei Ubuntu oder XFCE auch nicht oder ich würde es merken.
Aber noch mal für Krempl zum Mitschreiben: Gefährder sitzen ausschließlich und immer an demselben Platz in immer demselben Internetcafe und nutzen ausschließlich Windows.
Durchregieren für Couponschneider
Ist jemand hier Couponschneider? Das Kapital in den USA setzt jetzt bekanntlich auf Klimaschutz, Vielfalt und Diversity! USA – jetzt investieren!
„Durchregieren“, was auch immer das heißt, ist aktuell das Lieblingswort deutscher Medien. Knallhart durchgreifen oder so.
Nachlese: Secret Drama und dein Versprechen an die Bienen
Ich muss wieder alles, was nicht zusammengehört, in einen Beitrag pressen. Die Mäuse sind für mich eines der besten Fotos, die ich jemals gesehen habe, sogar mit philosophischem Tiefgang: Wenn man das Drama auf Erden auf Mäusegröße schrumpfte, wäre es dann noch ein Drama? Oder flame wars in „sozialen“ Medien?
Oder gar die Riots in Washington, auf einer Modelleisenbahn nachgestellt? (Ich erinnere mich daran, dass ich vor mehr als einem halben Jahrhundert auf meiner ein brennendes Finanzamt hatte, das vor allem im Dunkeln – von innen beleuchtet – sehr hübsch aussah.)
Die öffentlich-rechtlichen Anstalten Chinas CGTN meint: „The Capitol riot is a collective American failure“. Höre ich da ein wenig Schadenfreude heraus?
„Did Trump light the fuse? You bet. Did the Republicans fan that flame for their own political advancement? Of course. Did the establishment fail to see the fissures in American society and give ultra-nationalism a chance to thrive? Definitely. Did the bureaucracy become so entrenched that roads are potholed, bridges are crumbling and water become poisonous? Undeniable. Did social media wrap people in their own cocoons of comfortable opinions and become irascible to challenges? Can’t be more truthful.“ Full ack, dude.
Der Tagesspiegel gibt mir ein Rätsel auf: „Familien schickten 500 Kinder nach Berlin – sogar Babys und Säuglinge“. Wait a minute. Säuglinge?
„Die vom Landesjugendamt in diesem Jahr erfassten jungen Menschen waren vorrangig Staatsangehörige aus Afghanistan (28 Prozent),.. (…) Sogar Säuglinge und Babys ohne Eltern wurden vom Landesjugendamt in Obhut genommen: Drei Prozent der Kinder waren unter drei Jahre alt, zwei Prozent zwischen vier und fünf Jahren,…“ Wie sind die denn hierhin gekommen?
„Manche wollen unbedingt wieder zu den Eltern zurück, einige haben die ihnen auferlegte Aufgabe des Familiennachzugs erfolgreich erledigt. Manche werden angesichts von seelischen Traumata kriminell und depressiv, andere machen Abitur oder eine Ausbildung im neuen, glücklichen Leben.“
Jawohl! Definiere „glücklich“! Das ist deutscher Haltungsjournalismus vom Feinsten. Manche werden depressiv, manche nicht. Was will uns der Künstler die Autorin damit sagen? Es ist löblich, wenn man etwas bewegen will, aber bei diesem Thema was und wohin?
Und nun zu uns, Anthroposophen und Demeter! Die haben da etwas in ihrer Hauszeitschrift über eine bessere Welt. Ludger Weiss von den Salonkolumnisten schreibt:
„Aber was ist der Boden, auf dem diese Träume wachsen? Ein befremdlicher. Er besteht in der Ablehnung jeglicher moderner Technologie. Kurznachrichten sind ein „scheußlicher Weg der Kommunikation“, „Teufelszeug“. Das Internet, zumal G5 und das damit mögliche „Internet der Dinge“ gilt als Alptraumvision und erledigt sich zum Glück durch „Peak Everything„. Auch die Bekämpfungsmaßnahmen in der Corona-Pandemie werden abgelehnt.“
Ich kann den esoterischen Quatsch nicht lesen, das tue ich mir nicht an. Ich kriege davon die Krätze. „Dein Versprechen an die Bienen“, oder: „Den Willen finden und spüren.“ Das erinnert mich immer an den Titel eines Buches, das ich schreiben wollte, um schnell reich zu werden: „Frauen atmen selber“.
Geschwätz von gestern
Der Berliner Senat verfährt nach dem schönen Motto: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?
Sturm auf [bitte selbst ausfüllen][Update]

Sturm auf Parlament in Skopje. Sturm auf Parlament in Kirgisistan. Sturm auf Parlament in Tschetschenien. Sturm auf Parlament in Hongkong. Sturm im Wasserglas in Deutschland. Sturm auf Parlament in Bagdad. Sturm auf Parlament in Belgrad. Sturm auf Parlament in Venezuela. Sturm auf Parlament in Sofia. Sturm auf Parlament in Bangkok. Sturm auf Parlament in Tiflis. Sturm auf Parlament in Luzern. Sturm auf das Parlament in Washington.
Der Schockwellenreiter hat alles schon formuliert, was nötig ist: „Lediglich die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte ihr Vertrauen in die Stärke der US-Institutionen und des US-Kapitals der US-Demokratie.
Wie Recht sie hatte: Inzwischen ist das Kapitol wieder gesichert und der DAX geht von den amerikanischen Ereignissen unbeeindruckt weiter auf Rekordjagd. Der Börse ist es nämlich scheißegal, wer in Washington den Steigbügelhalter des Kapitals (nicht des Kapitols, das darf man nicht verwechseln) macht. Und schade, daß es dieses Mal keine ominösen russischen Hacker gibt, denen man das alles in die Schuhe schieben kann.“
[Update] Fast die Hälfte der Republikaner macht Biden für den Sturm auf das Kapitol verantwortlich.
Wokeness and Diversity
„Der neoliberale Traum ist, dass das in punkto Reichtum obere Prozent der Bevölkerung genauso divers ist wie die restlichen 99 Prozent, damit niemand seine ökonomische Situation mehr auf Diskriminierung schieben kann. Dann können die Reichen nämlich behaupten, dass jeder seinen Platz in der Gesellschaft verdient habe. Bei Diversity-Bestrebungen geht es nicht in erster Linie darum, Ungleichheiten zu minimieren, sondern sie zu rechtfertigen.“ (Walter Benn Michaels 2019, via Fefe)
Total number of vaccination doses
Warum gehen unsere Medien mit Totalversagern wie Spahn so zartfühlend um? Liegt das an der freiwilligen staatstragenden Attitude, die typisch ist für die Mittelklasse, aus der fast alle Journalisten stammen?
Einmal mit Profis arbeiten
Dr. Carola Holzner aka Doc Caro:
„Sehr geehrter Herr Armin Laschet , sehr geehrter Karl-Josef Laumann !
Mein Name ist Dr. Carola Holzner- vielleicht kennen Sie mich bereits durch meine Blogaktivitäten als Doc Caro. Wenn nicht, dann erreiche ich Sie hoffentlich mit diesem Post. Ich bin leitende Oberärztin im Universitätsklinikum Essen in der Notaufnahme.
Wir sind der größte Covid19 Versorger in der Region Rhein/Ruhr. Mittlerweile haben wir die VIERTE (!) Intensivstation für Covid19 erkrankte Patienten eröffnen müssen, versorgen tagtäglich die meisten Patienten in der Umgebung und darüber hinaus.
Meine Kollegen und ich setzen sich täglich dem Infektionsrisiko aus. Das tun wir gerne. Aber auch wir sind nicht davor geschützt, uns zu infizieren und vielleicht zu erkranken.
Wir wurden zurecht an die Spitze der Liste bei der Verteilung der Impfungen gesetzt.. Notaufnahmen, Intensivstationen, Personal von Covid Stationen..
Ja, wir stehen als Risikogruppe 1 ganz oben auf der Liste…
Warum schreibe ich das?
Sehr geehrter Herr Laschet, sehr geehrter Karl-Josef Laumann ,
gerne würden meine Kollegen und ich uns schützen! Gerne würden wir uns impfen (vielleicht nicht alle- aber die meisten!). Wir erhofften die Impfung- wie viele andere auch. Jetzt ist sie da!
Aber überraschend wurden wir nicht berücksichtigt? Vergessen? Sind der Priorisierung zum Opfer gefallen?
Ja, Risikogruppen gilt es zu schützen, die Altenheime werden zuerst geimpft. Aber wer versorgt die Patienten, die in die Krankenhäuser kommen? Wenn wir doch gemeinsam ganz oben auf der Liste stehen, wieso wird nicht mindestens aufgeteilt?
Wie kann es sein, dass Pflegekräfte, Ärzte, Personal in Risikobereichen keinen Impfstoff bekommen- sind wir doch bitte die, die nicht ausfallen dürfen, die die Risikogruppen behandeln und dazu tatsächlich und zu Recht(!) gemeinsam mit den Risikogruppen oben auf der Liste stehen?
Ich möchte ausdrücklich im Namen meiner Kollegen und mir, stellvertretend für das Krankenhauspersonal dringend appellieren – vergessen Sie uns nicht! Wir wollen die Impfung und zwar schnell! Vergessen Sie uns nicht bei der Verteilung des Impfstoffs und auch danach nicht! Wir halten hier den „Laden am Laufen“! Ja, wir sind relevant. Wir wollen es weiter sein.
Wir möchten gesund ins neue Jahr starten und es bleiben. Das haben wir verdient! (…)“
Beate Otto schreibt auf Fratzenbuch: Biontech als deutsches Unternehmen erhält dieses Jahr eine Förderung von 375 Mio. aus Steuergeldern und Deutschland verzichtet auf eine bevorzugte Lieferung von Impfdosen, um „ein Zeichen für die Solidarität in der EU zu setzen“! Die EU wiederum verzichtet auf erhebliche Mengen des angebotenen Impfstoffs von Biontech (immerhin wurde auf 200 Mio. zusätzliche Dosen verzichtet), um sich dafür den französischen Impfstoff von Sanofi zu sichern – der wird aber voraussichtlich erst Ende 2021 zugelassen werden. (…)
Spiegel online: „Während Staaten wie die USA und Israel ihre Impfstoffe allein einkaufen, bestellt die Bundesrepublik sie gemeinsam mit den anderen Staaten der Europäischen Union (EU). Als im Herbst bekannt wurde, dass der Biontech-Impfstoff sehr wirksam ist, reagierte die israelische Regierung schneller und bestellte pro Kopf mehr Dosen bei Pfizer als die EU-Staaten.“
Schnelle Herde
Schnell oder nicht schnell
Christian Y. Schmidt schreibt auf Fratzenbuch: „Vor einer Stunde Nachrichten von einem Freund, der in einem Dorf nördlich von Peking wohnt. Nachdem vor vier Tagen in Gaoliying- einer kleinen Stadt nördlich der sechsten Ringstrasse im Shunyi District – ein Corona-Infizierter identifiziert wurde, wurde heute jemand in einem der Dörfer in der näheren Umgebung des Dorfes, in dem der Freund wohnt, positiv getestet.
Daraufhin wurden sofort die Bewohner aller Dörfer der Umgebung zusammengetrommelt, und zwar mitten in der Nacht (um 22:30 Uhr), damit sie sich im Gemeinschaftszentrum des Dorfes testen lassen. Natürlich sind die PCR-Tests kostenlos. Falls einer fragt, wieso in China seit Mitte Mai keiner mehr an Corona gestorben ist: Auch wegen solcher schneller Reaktionen.“
Cyberangriff hält an, Cyberlage gehackt dynamisch
Den Prolog schreibt Nutzer Hal auf Heise.de: Die Entscheidung, auf ein Backup-System zu verzichten, fiel aus ökonomischen Gründen. Die Wahrscheinlichkeit eines völligen Datenverlustes wurde von führenden Experten (= der BWL-studierte GF) als vernachlässigbar gering erachtet.
Bonus von Nutzer Ranaka: Bonuspunkte, wenn der Trojaner per Werbung über den Browser kam. Das wäre der absolut perfekte Weg: zielgerichtete Werbung mit Edge-Browserexploit-Payload, die dann einen Ransomware-Trojaner nachlädt, der Paywalls deaktiviert und auf den betroffenen Rechnern uBlock Origin installiert… Mehr fnord geht nicht.
Ich habe mir das Gehackte mal genauer angesehen. Es geht offenbar um ein Trojanisches Pferd der Doppelpaymer-Familie. Im September hatte es die Uniklinik Düsseldorf getroffen (Echo in deutschen Medien: Die Russen! Die Russen!).
Diese Ransomware fügt die Erweiterung „.locked“ an einen Dateinamen jeder verschlüsselten Datei an, z.B. ändert sie „1.jpg“ in „1.jpg.locked“, und so weiter. Jede verschlüsselte Datei erhält eine eigene Lösegeldnotiz (.txt-Datei). Zum Beispiel ist eine Notiz für „1.jpg.locked“ „1.jpg.readme2unlock.txt“, und so weiter. [Vorsicht – der Rest der zitierten Seite ist Bullshit-Bingo und Werbung für eine Software.]
Heise schreibt: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass die entsprechende Sicherheitslücke in Software von Citrix bereits seit dem Jahreswechsel bekannt war. Dabei handelte es sich um eine Lücke in der Citrix-VPN-Software, die unter dem Namen „Shitrix“ bekannt wurde (CVE-2019-19781).
Es geht um einen VPN-Server, mit dem sich Mitarbeiter von außen in das System einloggen können. Die ursprüngliche Warnung vor der Sicherheitslücke stammt vom Dezember 2019.
Das BSI warnte im Januar diesen Jahres:
Das BSI ruft Anwender erneut dringend auf, die vom Hersteller Citrix bereitgestellten Workaround-Maßnahmen umgehend auszuführen und nicht auf die Sicherheitsupdates zu warten. Anwender, die die Workaround-Maßnahmen bislang nicht umgesetzt haben, sollten zudem ihre direkt mit dem Internet verbundenen Citrix-Systeme auf eine wahrscheinliche Kompromittierung prüfen. Angaben des Herstellers zufolge sollen Sicherheitsupdates je nach Versionszweig der betroffenen Produkte erst Ende Januar 2020 verfügbar sein. Diese sollten dann schnellstmöglich eingespielt werden.
Jetzt haben wir Dezember 2020. Noch Fragen?
Fake news vom ZDF
Die Israel-Berichte im ZDF sind mittlerweile so wahr wie die nordkoreanischen Nachrichten.
Die Millionen Palästinenser, die unter israelischer Kontrolle leben, werden viel länger warten müssen. Israel sieht sich nicht zu ihrer Versorgung mit Vakzinen verpflichtet und so sind sie auf die Palästinensische Autonomiebehörde angewiesen – der es an Geld fehlt.
Fake news! Die Jerusalem Post schrieb vorgestern:
The Palestinians have not approached Israel for help in obtaining COVID-19 vaccines and are planning to purchase them on their own with the help of the international community, Palestinian and Israeli officials said on Sunday.
A senior official with the Palestinian Authority Ministry of Health said that the Palestinians do not expect Israel to sell them, or purchase on their behalf, the vaccine from any country.
The official told The Jerusalem Post that the Palestinians will soon receive nearly four million Russian-made vaccines against COVID-19.
Vielleicht zweigt ja die Hamas etwas Geld vom Tunnel- und Bombenbau ab?
Gernderinfiziert, revisited
Sehr schöner Text von Michael Westerhoff auf ruhrbarone.de: „Warum ich nicht mit Gender* spreche“.
Wir sprechen heute eine akademische Gender-Sprache und nicht mehr so wie auf der Straße. Und uns ist egal, worüber Deutschland spricht. Wir haben uns inhaltlich und sprachlich meilenweit von vielen Menschen abgekoppelt. Das gilt für private elektronische Medien genauso wie für öffentlich-rechtliche. Wir wundern uns also, dass die Menschen ihre „Informationen“ lieber von YouTubern, aus windigen Telegram-Gruppen oder bei rechten Bloggern beziehen? Ich wundere mich darüber nicht.
Für mich gilt das ohnehin nicht, aber ich stimme zu. Insbesondere die „Linke“ sollte sich das zu Herzen nehmen. Das wird aber nicht passieren, weil Sprachesoterik eine quasi-religiöse Konsistenz hat und – vergleichbar mit einer Subkultur – ein soziales Milieu nach „unten“ abgrenzen soll. Gendersprache ist nichts anderes als systemaffiner Klassismus.
Pepe tritt ab

Pepe Mujica, Protoplasma K, CC BY-SA 2.0
José „El Pepe“ Mujica (*1935) hat seinen Rückzug aus der Politik erkärt.
Für mich ist er ein Held und Vorbild. „Elf Jahre seines Lebens verbrachte Mujica in einer 3,5 Quadratmeter engen Einzelzelle, oft in Handschellen, den eigenen Urin trinkend, unter Dauerbeleuchtung gesetzt, die den Unterschied von Tag und Nacht aus der Wahrnehmung löschte.“
Dieses Virus ist das globalisierteste Wesen aller Zeiten. Ob reiche oder arme Länder, es lässt keinen Kopf auf den Vogelscheuchen sitzen. Zum anderen erleben wir die Folgen der langjährigen Kritik am Staat, weil es einerseits eine sowjetische Staatsformel gab, die glaubte, alles mit dem Staat gelöst zu haben. Doch dann tauchten die Ultraliberalen auf, die im Grunde überhaupt nicht liberal sind, weil sie jede Form von Diktatur befürworten und glauben, dass der Staat auf ein Minimum reduziert werden muss. Doch jetzt, wo die Kartoffeln anbrennen, rufen alle nach dem Staat: „Gib mir dieses, fordere Disziplin, lass dieses und mach das andere“, und so weiter. Unser eigentlicher Kampf sollte sein, dass wir das Beste im Staat erkennen und von ihm fordern, denn in Wirklichkeit ist der Staat ein kollektiver Wert, den wir besitzen und brauchen. Und warum ist er es? Weil der Markt dies nicht leisten kann … Die Welt wird (Anm.: nach dem Virus) nicht dieselbe sein. Wir müssen lernen, das Leben anders anzupacken. Die Frage ist, wieviel wird es uns kosten und welchen Preis werden wir zahlen, bis zu dem Tag, an dem die Wissenschaft uns eine Reihe von Antworten gibt, die heute noch lange nicht verfügbar sind. Es kann dem Homo sapiens auch helfen, etwas bescheidener aufzutreten und zu lernen, dass die Natur befolgt und respektiert werden muss.
Wenn die Revolution kommt, dann aus Lateinamerika. Menschen wie „El Pepe“ oder Camila Vallejo oder Francisca Alvarado Mamani werden sie anführen.
In Montevideo hat auch wieder ein Linksbündnis gewonnen. Ab nächsten Herbst denke ich darüber nach; die Flüge sind mittlerweile bezahlbar.
Carlo & Malik & Alba
Glotzempfehlung auf Netflix: Carlo & Malik (OmU!). Ich halte den Titel für irreführend, weil Alba, die Tochter des Kommissars, die dritte Hauptdarstellerin ist.
Ich hätte dem italienischen Fernsehen so eine intelligente und unterhaltsame Krimi-Serie gar nicht zugetraut (nein, die Mafia kommt erstaunlicherweise nicht vor). Bei italienischem TV denke ich zuerst an Berlusconi und dass viele Italiener diesen Bunga-Bunga-Zombie wählten, und damit war das Thema bisher gegessen.
Ich habe nicht viele ernst zu nehmende Rezensionen in deutscher Sprache gefunden, ich teile die Kritik nicht. „Ein bisschen altmodisch ist Carlo & Malik in seiner Formelhaftigkeit, etwas für die Fans Krimis alter Schule.“ Jaja, bei Krimis ist old school nie falsch, weil fast alle herausragenden Serien wie etwa Bosch einen Kommissar als Helden haben, der ebenfalls old school ist und auch so handelt.
Witzigerweise ist der „dunkelhäutige“ zweite Hautdarsteller Malik in der Realität gar kein Afrikaner, sondern Lateinamerikaner. Der Film haut einem das Thema „Rassismus“ zwar ständig um die Ohren, aber nicht auf eine aufdringliche Art. Nette Szene: Carlo und Malik müssen zu einer Villa reicher Leute: Hohe Mauer, Gegensprechanlage. Malik klingelt und eine Stimme kreischt ihn an, ob „sie“ jetzt schon am hellichten Tage kämen. Gemeint sind natürlich legale und illegale Einwanderer aus Afrika. Das klingt übertrieben, ich halte es aber auch für Deutschland für durchaus realistisch.
„Carlo & Malik“ hätte in Deutschland so nicht produziert werden können oder nur als totaler Kitsch. Bei US-amerikanischen Serien kann man es übertrieben finden, dass wegen der zwanghaften Political correctness immer ein Afroamerikaner in der Nähe sein muss, wenn ein Weißer die Hauptrolle spielt. In Deutschland wirkt es verkrampft und zwanghaft pädagogisch. (Wenn das Feuilleton der taz etwas bejubelt, hat man gleich einen zuverlässigen Hinweis darauf, dass es jetzt mit dem moralischen Holzhammer weitergeht.)
Man kann mit Filmen nicht die Realität verändern, sie aber gut gemeint verfälschen. Die Hautfarbe solle gar keine Rolle spielen. Nicht vergessen: Mit dem US-amerikanischen Diversity-Konzept kommt die Rassenlehre („back to blood“) durch die Hintertür in den Mainstream zurück. (Ja, ich bin für eine afrodeutsche Tagesschau-Sprecherin oder eine Latina, die „Afro“ aussieht, um die einschlägig Verdächtigen zu ärgern, aber nie und nimmer für eine Religiotin, womöglich gar mit Hijab.)
Ich habe noch nicht alle Folgen geschaut, auch dazu habe ich keine Zeit. Ich konnte mich auf den Plot anfangs gar nicht richtig konzentrieren, weil bis auf ganz wenige Ausnahmen alle Frauen überirdisch schön sind. Die Hauptdarstellerin Rosa Diletta Rossi kannte ich nicht, auf Bildern sieht man ihre üblichen Model-Qualitäten, aber im Film kommt noch die Ausstrahlung dazu – das Lächeln! Ich war hin und weg. Sind eigentlich alle italienischen Frauen so attraktiv? Ist das irgendwie repräsentativ? Ein blödes, aber offenbar wieder zutreffendes Vorurteil. Auch die Männer sind gutaussehend und immer geschmackvoll gekleidet, was man von deutschen Kommissaren nicht sagen kann.
Das erinnert mich an einen Insider-Second-Life-Gamedesigner-Roleplay-Joke: Italienische Avatare sehen am besten aus, italienische Sims sind immer die schönsten, aber organisiert kriegen sie nix, und die Sache wird schnell wieder aufgegeben. Stimmte immer.
Im Tastatur- und Keulenbusiness
Ich habe gerade so viel zu tun, dass ich nur kurz zwischendurch zur Feder greifen in die Tasten hämmern (oder sagt man „auf“?) kann. Apropos Tastatur: Ins Bett um 6.30 Uhr, nach der Nachtschicht, um 11.30 Uhr klingelt das Handy direkt neben meinem Ohr: „Ich bringe Ihr Klavier und stehe unten vor der Tür!“ – „Ich bin in fünf Minuten unten, gähn, seufz…“.
Das Paket hätte ich allein nie nach oben bekommen, aber ich sagte dem netten Anlieferer, dass ich zufällig noch einen größeren Schein übrig hätte habe, und ob er sich vorstellen könne, obwohl er nicht müsse usw.. Er konnte und wuchtete den Brocken fast allein die Stufen hoch. Jetzt hat er den halben Tagesverdienst eines Amazon-Lagerarbeiters zusätzlich in der Tasche, und das ist auch gut so (der Kapitalist Jeff Bezos, dem Amazon gehört, verdient 4,4 Millionen Dollar pro Stunde). Vielleicht waren nicht alle seine Kunden, denen er mit dem riesigen LKW der Spedition etwas lieferte, höflich und dankbar; er schien höchst entzückt und bestand darauf, die rund 40 Kilo auch noch in meine Wohnung zu schleppen.
Vor Sonntag komme ich, wenn überhaupt, nicht dazu, das Teil zusammenzusetzen. Auch der Klavierhocker muss noch zurechtgedröselt werden. Ein kurzer Blick auf die beiden fucking manuals reichte, um bei mir den Eindruck zu hinterlassen: Das machst du erst, wenn du guter Laune bist, mental ganz entspannt und ein paar Stunden in Reserve hast.
Was hatten wir noch? Ich empfehle einen höchst lesenswerten Artikel von Eva Menasse auf Zeit online „Blondes Gift?“ Natürlich geht es wieder um Lisa Eckart, zu der bekanntlich schon alles gesagt wurde, hier aber um ihre Kritiker und um die Frage „Was ist eigentlich Kabarett, wie funktioniert es, und warum findet sich diese Kunstform eher selten auf ökumenischen Kirchentagen?“ Jeder Absatz ist auch ein sprachliches Kunstwerk und amüsant. Meine Lieblingsstelle:
Lisa Eckhart mit ihren kriegerischen Fingernägeln und Absätzen zieht den Hass, wie früher Biller, mit voller Absicht auf sich. Humortechnisch funktioniert das ähnlich wie damals, als Christoph Schlingensief gleich neben der Wiener Staatsoper die Fernsehshow Big Brother mit Asylbewerbern nachstellen ließ, die man per Abstimmung abschieben lassen konnte – Übertreibung bis weit über alle Schmerzgrenzen hinaus. Sehr viele fanden das gar nicht lustig, vielleicht war es das auch nicht. Vielleicht ruft bald Schlingensief aus dem Jenseits bei Maxim Biller an und erklärt es noch mal.
Mit ihrer blasierten Brillanz und der Eiseskälte ihrer Kunstfigur, deren Schutz sie öffentlich nie verlässt, ist Lisa Eckhart wahrlich die Göttinseibeiuns all der altbekannten Toreros, die ihr eigenes Denken öffentlich als „wild und klar“ rühmen müssen.
Man kann sich vorstellen, was passierte, wenn Gerhard Polt Mai Ling im Jahr 2020 veröffentlicht hätte. Er würde vermutlich öffentlich geächtet und geshitstormt, und in den Anstalten traute man sich schon gar nicht, das dem Volk zuzumuten. Wie auch bei Eckart: Man knirscht manchmal mit den Zähnen und weiß nicht, ob man jetzt lachen sollte oder nicht. Es muss richtig weh tun, sonst ist es keine gute Satire. Fast alle deutschen Komödianten bedienen nur den Humor der eigenen Zielgruppe (das gilt sowohl für Pispers als auch den unsäglichen Nuhr), aber Eckart teilt gezielt nach allen Seiten aus. I love it.
Noch mehr gute Nachrichten, leider nur für Franzosen: „Die Franzosen dürfen den Jahreswechsel nicht im Freien feiern: Die Regierung verhängte für die Silvesternacht eine Ausgangssperre zwischen 20 Uhr und 7 Uhr morgens.“ Großartig und richtig! Hier wird alles vermasselt werden, auch das.
Übrigens: Der Tagesspiegel berichtet über eine Razzia. Interessant ist dabei: „Die Zahlen des aktuellen BKA-Lagebildes „Organisierte Kriminalität“ zeigen, dass deutsch-arabische Großfamilien 2019 gerade 7,8 Prozent der OK-Ermittlungsverfahren ausmachten. In Berlin jedoch, das teilten die hiesigen Behörden 2018 mit, betrafen mehr als 20 Prozent, nämlich 14 von 68 OK-Verfahren, deutsch-arabische Familien.“
Das müsste mal wissenschaftlich interpretiert werden – aber nicht von grünen Religioten, Diversity-Theologinnen oder den Freunden der Hijabisierung im gefühlslinken Milieu.
PS Ich habe Korrektur gelesen.































