Nix Capito

In der Lombardei stirbt laut aktuellen Zahlen jeder zehnte Covid-19-Erkrankte an den Folgen des Virus.
In der mir am nächsten gelegenen Apotheke habe ich heute die letzten zwei Fieberthermometer erstanden. Mehr hatten die nicht. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Leute hier noch nichts kapiert haben. Das wird heftig…
Praise the not longer
Verbot aller Gottesdienste! Dass ich das noch erleben darf!
Auf einem kleinen Hügel oder: Von Potosi nach Tarabuco

Potosi, Bolivien – man beachte den Fleischtransport per Schubkarre
Aus meinem Reisetagebuch, Mai 1984 – wir waren schon mehr als fünf Monate unterwegs, und in den Einträgen des Tagebuchs finden sich immer mehr spanische Wörter:
[Potosi] Der Abgang wird wieder südamerikanisch. Wir haben zwar boletos, aber im oficina erscheint einfach niemand. Nach einer netten Unterhaltung mit dem Chef einer anderen empresa können wir unsere Rucksäcke da abstellen. Der Chef scheint auch einen anderen Bus organisiert zu haben, der mit einiger Verspätung sogar kommt.
In Betanzos [3327 m, zwischen Potosi und Sucre], wo gerade sonnige, lärmende, staubige und besoffene Sonntagnachtmittagstimmung ist, legen sich die drei Fahrer unter den Bus und erklären eine Stunde später, dass er nicht mehr weiterfahre.
Zum Glück wird gerade ein anderer LKW arregliert, den wir und alle anderen besteigen. Der übliche Kampf um jeden Quadratzentimeter Sitzplatz beginnt. Mit den üblichen Reparaturen und atemberaubenden Serpentinen erreichen wir kurz vor Mitternacht Sucre. Alles dicht, kein Hotel macht auf oder no hay. Bei einer einsamen Oma auf der Plaza können wir noch zwei Sandwiches kaufen.
Aus Verzweiflung nehmen wir ein superteures Hotel für neun Mark pro Person. Am nächsten Tag erfahren wir, dass die Hotelpreise reglementiert sind und handeln deshalb den Besitzer des Avaroa [es gibt eine gleichnamige Straße in Sucre; das Hotel habe ich nicht mehr gefunden] auf 8000 Pesos für zwei runter [ungefähr die Hälfte des ursprünglichen Preises].
Sucre ist der Ort des guten Marktes, haben wir beschlossen: Es gibt abóndigas und eine reichhaltige Jugo-Auswahl. (…) Wir lustwandeln und futtern reihenweise Salteñas. Das Goethe-Institut ist überraschenderweise geschlossen.
Der Nachmittag ist ruhig; wir sitzen in einem Cafe auf der sehr schönen Plaza und unterhalten uns über den Bauernkrieg, Revolution und die Welt im allgemeinen. (…) … also werden wir uns – gebildet durch die ethnologischen Artikel in der Wochenendausgabe der Los Tiempos – in Riberalta einen angenehmen Urwaldaufenthalt gönnen.
Der Generalstreik scheint den Camionverkehr nach Tarabuco nicht unterbrochen zu haben. Wir werden uns die Maifeierlichkeiten hier ansehen und dann weiterschauen.




1. Mai 1984 in Sucre, der Hauptstadt Boliviens
[Cochabamba, 10 Mai] Zehn Tag im Nachhinein zu beschreiben ist wirklich zu viel. Zu Sucre fällt mir doch noch viel ein, obwohl wir wegen der feinen, reichen und dekadenten Atmosphäre nicht das allerbeste Gefühl haben.
Der 1. Mai wird doch recht farbenfroh und kämpferisch. Beim genauen Hinsehen wird aber klar, dass es damit nicht weit her ist. Gerade in Sucre ist es wohl eine Mischung aus Traditionsbewusstein und Neugier, die die Leute auf die Straße bringt. Die Opas stehen da mit ihren stolz erhobenen Gewerkschaftsfahnen und die Redner brüllen, am meisten die Lehrer und Studenten.
Wir gehen auf den Markt, der einzige Platz, wo „normale“ Leute sind. (…) Wir kriegen an der Plaza sogar Buttercremetorte. Von Sucre wird die Plaza mit ihren Cafés und Eisspezialitäten am meisten in Erinnerung bleiben, dazu das Kino. Andere Ausländer treffen wir wieder nicht.
Wir fahren nach Tarabuco [vgl. Nimm besser den Bus (07.07.2018, Behelmt (22.07.2012, Behelmt, revisited (02.05.2019, Burks unter Indianern (25.08.2012). Der Bus wartet einen halben Tag, bis er endlich brechend voll ist. Seltsamerweise ist die Eisenbahnstrecke stillgelegt.

Der Hinterhof unserer Pension in Tarabuco – ich wasche Wäsche. Warum da so viele Knochen waren und was man mit denen machen kann, weiß ich nicht.
In Tarabuco finden wir ein schönes und billiges Alojamiento mit einer knittrigen Oma, die sich wohl darüber ärgert, dass wir nicht ihre Suppe, sondern auf der Straße essen. Ihr comida ist ein wenig poor, außer der Suppe gibt es nur Nudeln, morgens keine Eier. Alles wartet auf den Sonntag, wenn die campesinos kommen.
An einem der Tage latschen wir in Richtung Sucre, aber B. kann wegen ihrer Füße nicht weiter. Zufällig kommen der Padre und seine Schwester mit einem Auto vorbei, und wir fahren nochmal zum Pass zurück, um die Aussicht zu genießen. Der Padre rät uns ab, von Presto aus zu versuchen weiterzukommen. Er habe zwölf Jahre da gewohnt, der camino casi no hay.
Man kann sich den ganzen Tag auf der Plaza aufhalten. Es herrscht ziemlich reger LKW-Verkehr, zum Beispiel nach Zudáñez und [unleserlich], sogar zwei riesige Trucks zur argentinischen Grenze tauchen auf. Ich lasse mir für 8000 Pesos von einem Dorfschuster Sandalen „spezial“ (gemacht aus Autoreifen) anfertigen.
Die Gegend strotzt vor Landwirtschaft, sanfte Hügel und viel Getreide. Abends kommen die campesinos von den Feldern und treiben Kühe, Schweine und Schafe durch das Dorf. Die Leute und vor allem die Kinder sind nicht scheu und trotz der Gringos, die an den Sonntagen zum Markt kommen, sehr neugierig. Am Samstag abends sitzen schon recht viele auf dem Bürgersteig, in zwei Reihen, und gucken sich gegenseitig an. Ein paar Mädchen verkaufen, mit viel Lärm und Propaganda, Kartoffelklößchen und heißen Wasser mit Crema (Eischnee).
Sonntag morgens ist schon alles voll. Es gibt jede Menge landwirtschaftlicher Produkte, comida und überhaupt alles. Der Markt ist überfüllt mit behelmten Männern, Frauen mit Kappen und Nackenschutz und einem Stoff“pickel“. Andere tragen eine Art dreieckigen Hut. Rot dominiert, auch auch Schwarz. Einige tragen Blau. Die Männer haben zum großen Teil einen Zopf…(…)
Es herrscht eine fröhliche Atmosphäre, gelassen, auch gegenüber den wenigen [damals!] fotografierenden Touristen. Wir kaufen, was das Zeug hält – eine tolle manta für 26.000 Pesos – der Verkäufer fängt bei 35.000 an und rennt uns das ganze Dorf nach, ein Hutband, eine Tasche….
Ein sehr alter Mann tatscht B. in ihrem schwarzen Hemd und ihren kurzen Haaren [vgl. Foto ganz unten, mit Hut] vorsichtig ab, er will wohl wissen, ob sie Männlein oder Weiblein ist. Die Marktfrauen, die ihn vermutlich beauftragt haben, das festzustellen, lachen sich halb tot.
Ich sitze auf einem kleinen Hügel am Rand des Dorfes, schaue auf die Felder, die von der untergehenden Sonne bestrahl werden und kann mir vorstellen, hier ein Haus zu bauen. Man könnte ein alojamiento aufmachen, und Sucre ist nicht weit. (…)
Wir finden keinen LKW und entscheiden uns spontan, mit „unserem“ bekannten Busfahrer wieder zurück nach Sucre zu fahren und dann weiter…
Keine Nudeln in Zeiten der Cholera

Mir fiel gerade, als ich über einen aussagekräftigen Titel sinnierte, unangenehm auf, dass ich hier mehrere Bücher von Gabriel García Márquez habe, eines sogar auf Spanisch, das ich in Kolumbien las, um meine Sprachkenntnisse aufzubessern, aber nicht Die Liebe in Zeiten der Cholera, was jetzt als Lektüre passen würde, da ich eine Woche nicht in einem meiner Berufe arbeiten muss, ich also, eingedenk der Tatsache, dass Missstände abgestellt werden müssen, dergestalt, dass ich daher den festen Vorsatz fasste, das Werk gleich morgen im
bei Amazon im Buchhandel meines Vertrauens zu bestellen. (Könnte ihr solche Sätze vertragen oder ist das schlecht für den Blutdruck?)

Regal für Nudeln in einem Supermarkt in Neukölln
Einer der besten Interviews zum allgegenwärtigen Thema ist aus der FAZ mit dem Virologen Hendrik Streeck.
Der typische Covid-19-Patient zeigt nur milde Symptome. Zu dem Ergebnis kommt auch eine chinesische Studie aus der Metropole Shenzhen, die herausgefunden hat, dass 91 Prozent der Infizierten nur milde bis moderate Symptome zeigen, mit einem trockenen Reizhusten, dazu eventuell Fieber. Bei uns kam noch der Geruchs- und Geschmacksverlust hinzu. In 30 Prozent der Fälle trat bei unseren Infizierten auch Durchfall auf, das ist häufiger, als bisher angenommen wurde.
Mir wurde aus berufener Quelle aber gesagt, dass es keine Methode gebe herauszufinden, ob man die Seuche schon hatte. Der Virus kann auch mutieren, und dann gibt es wieder neue Kranke.
Meine These: Wenn ca. 80 Prozent der Bevölkerung durchseucht sind, kann man sich ein wenig entspannen. Das müsste mathematisch zu klären sein, aber exponentielle Kurven habe ich im Mathe-Unterricht nicht gehabt.

Regal für Toilettenpapier in einem Supermarkt in Neukölln
An die Kollegen und Kolleginnen, die „was mit Medien“ oder mit Kunst machen:
Die Spargelernte steht irgendwann an, und Polen sind gerade verhindert. Vielleicht sollten die Damen und Herren Künstler, die von Einbußen bedroht sind, kurzfristig umdisponieren?
Wenn ich kein Geld mehr habe, suche ich mir Arbeit. Ich habe auch drei Berufe, weil ich vom Journalismus allein nicht so leben kann, wie ich will. Wo ist das Problem?
Die Arroganz der marginalisierten Mittelschichten und die Abneigung gegen körperliche Arbeit, weil die vom Mainstream geringer geschätzt wird? Weil die Linken die Arbeiter verachten?
Meine Großväter, beide ihr ganzes Leben lang Bergmänner, sagte sinngemäß und abschätzig über derartige Jammergestalten: Denen sieht man an, dass die noch nie eine Schüppe in der Hand gehabt haben. #bewährunginderproduktion #kulturrevolution
In Erwartung des sich jetzt schon abzeichnenden Shitstorms
Euer Burks
Am Gesäß

Credits: Bomelino
Was gibt es heute? Das Gesundheitssystem ist am Gesäß: „Nur ein Labortest bietet Sicherheit – doch obwohl Krankenkassen die Finanzierung zugesagt haben, sind sie bislang vielerorts kaum verfügbar. In Berlin führen etwa die an einigen Kliniken eingerichteten Testzentren jeden Tag nur einige dutzend bis wenige hundert Tests durch. Und das auch nicht bei allen Patienten. Teils werden Erkrankte nicht getestet, wenn sie nicht in Risikogebieten und nicht in Kontakt mit einem sicher infizierten Menschen waren.“
Bitte hört auf, mir Zahlen zu nennen, wieviel Menschen infiziert seien.
Zum Thema gibt es einen Aufruf der Pflegekräfte:
„Pflege(-fach)kräfte sind ein wertvolles Gut, dass es nun zu schützen und zu schätzen gilt!
Schade, dass diese Wahrheit noch nicht bei allen durchgedrungen ist, ist (man hatte sich wohl an die devote Haltung der Pflege gewöhnt).
Nur in diesem Kontext ist eine offensichtlich mit dem Sozialministerium Baden-Württemberg abgestimmte Mitteilung der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft e.V. zu verstehen, die gestern Abend an die Pflegeeinrichtungen in diesem Land ging:
Man bemühe sich Schutzmaterial zu besorgen, aber die Verteilung müsste organisiert werden und man wisse auch nicht, wann es überhaupt vorhanden ist, und falls keines mehr organisierbar ist, sollen wir einfach ohne Schutz weiterarbeiten.
Sie werden jetzt vielleicht verwundert sein, aber genau so geht es nicht!“
Ich bin nicht verwundert. Mal sehen, ob die jemals ein bisschen militanter werden und merken, dass das System kein Bug ist, sondern ein Feature.
And now for something completely different.

En noir et blanc … une photo de Leonard Misonne, dans la gare de Namur, en Belgique, en 1938 … Atmosphère, atmosphère … Credits: Lumière de l’Atelier
Auf Fratzenbuch gibt es mehr – eine ganz wunderbare Kollektion: „En noir et blanc…“
Fighting over a yoghurt pot and a lot of browsing the internet
Das Video wird von YouTube eingebettet und erst beim Klick auf den Play-Button geladen. Es gelten die Datenschutzerklärungen von Google.
Welch schöne Metapher! Affen verhalten sich irgendwie wie Menschen in Stressituationen. The Guardian: „A video filmed this week in Lopburi, north-east of Bangkok, showed large crowds of monkeys brawling in the streets, apparently fighting over a yoghurt pot. Residents in the city, which is famed for its monkey population, say the fall in tourist numbers means there are far fewer people offering food.“
Es gibt auch andere Filme zum Thema.
And now for something completely different. Der Tagesspiegel schreibt, was der Kapitalismus-affine Journalist in seiner grenzenlosen Naivität so denkt: „…Freiberufler fallen zu lassen, das kann nicht der Anspruch einer sozialen Marktwirtschaft sein.“
Ach?! Kann es nicht? Der Kapitalismus kichert sich einen. By the way: Gibt es auch eine asoziale Marktwirtschaft? Nein, gibt es nicht. Soziale Marktwirtschaft ist Neusprech.
And now for something completely different. Ich versteht nicht, falls Quarantäne angesagt wäre, wie man sich auch nur eine Sekunde langweilen kann. Ich habe hier noch zwei Dutzend Bücher herumliegen, die ich alle noch lesen will – und komme leider nur selten dazu. Und es gibt immer genug zu entdecken, wenn man des Lesens temporär überdrüssig sein sollte. Emfpehlenswert auf Netflix: The Walhalla Murders sowie Jan de Lichte und seine Bande (den sollte man auf Flämisch (!) ansehen und mit deutschen Untertiteln – manchmal sprechen die auch im Original Deutsch).
And now for something completely different. IFLScience: „The long-lost capital of an ancient Maya kingdom has been discovered in the backyard of a cattle rancher in southeastern Mexico. Now dubbed Lacanja Tzeltal, named for the nearby modern community, the ancient city is thought to be the capital of the Sak Tz’I’ – “white dog” – kingdom, located in Chiapas, Mexico“.
Auch bildend und unterhaltend ist der Vorschlag: „Going into a self-quarantine can have many complex issues and complications beyond having enough food and supplies for two weeks. In terms of entertainment, it also probably means you’re in for a lot of boredom, a lot of Netflix, and a lot of browsing the internet.
But there is a way to get a little culture and education while you’re confined to your home. According to Fast Company, Google Arts & Culture teamed up with over 500 museums and galleries around the world to bring anyone and everyone virtual tours and online exhibits of some of the most famous museums around the world.“
Schade, dass es den Dresdner Zwinger nicht mehr online gibt, den würde ich mir mein Avatar sich in der freien Zeit gern noch einmal anschauen. Dann also wieder Gor (vgl. oben).
Alles dicht
Werden Bordelle jetzt auch geschlossen? Frage für einen Freund.
In Italien gibt es Alternativen.
Betr.: Apokalypse und ein Buch mit sieben Siegeln
„Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, solange er nicht weiß, welcher Art der andere ist.“ Sagte Plautus, und die Hobbesche Version hat man missinterpretiert. Sozialdarwinistisch meinte der das nicht. In Science-Fiction-Romanen und -filmen wird bekanntlich häufig das Szenario durchgespielt, wie Menschen angesichts einer beliebigen Apokalyse reagieren – meistens vorhersehbar.

Ich werde weiter arbeiten, zur Zeit habe ich mit Publikum nicht viel zu tun, und mit meinen Kollegen kann ich über Funk kommunizieren. Was passiert aber, wenn die Polizei, die Feuerwehr und ein großer Teil des medinizischen Personals ausfallen?
Die biblische Apokalypse, die man zu diesem Anlass lesen könnte, ist übrigens ein ganz großartiges Stück Literatur, das auch Luther verwirrt zurückließ. In modernen Versionen ist leider der Text der so genannten Offenbarung des Johannes so eingeebnet und verhunzt, dass der ursprüngliche kryptische und fast unheimliche Text kaum noch zu erkennen ist. Heute würde man annehmen, dass der Autor auf einem psychodelischen Trip war. Das „Buch mit sieben Siegeln“ und die Apokalpytischen Reiter sind in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen.
Ich übrigens gehe davon, dass der Text ein astronomisches Traktat ist. Auch Ranke-Graves argumentiert ähnlich.

Sogar Friedrich Engels war fasziniert und hat darüber ein längeres Traktat geschrieben, was immer noch den heutigen Forschungsstand wiederspiegelt. „Das Christentum ergriff die Massen genauso, wie es der moderne Sozialismus tut, in Gestalt mannigfaltiger Sekten und noch mehr durch widersprechende individuelle Meinungen – manche klarer, manche verwirrter, wobei die letzteren die große Mehrheit bildeten -, aber alle sind dem herrschenden System, „den bestehenden Mächten“, feindlich gesinnt.“
Die Verwirrten bilden die Mehrheit – auch diese Sentenz ist aktuell und universell gültig.
Jetzt aber zu aktuellen Apokalypse.
Der Tagesspiegel:
Sieben Millionen Tote binnen drei Jahren, Engpässe bei Lebensmitteln und ein Gesundheitssystem, das so überlastet ist, dass Menschen nicht versorgt werden können und sterben.
So steht es in einer „Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz“ der Bundesregierung aus dem Jahr 2012, dem Bundestag vorgelegt Anfang 2013. Es geht darin auch um eine Pandemie, ausgelöst durch einen fiktiven Virus. (…)
Nach Abklingen der ersten Welle gibt es demnach zwei weitere, schwächere Wellen, bis drei Jahre nach dem Auftreten der ersten Erkrankungen ein Impfstoff verfügbar ist. Grund für die weiteren Welle: Auch Personen, die die Krankheit „durchlebt“ haben, werden zunächst immun, dann aber wieder anfällig: Weil das Virus mutiert.
Die Pandemie würde also über einen sehr langen Zeitraum anhalten (….) Die Bundesregierung rechnet mit mindestens 7,5 Millionen Toten.
Eine Maske brauche ich aber noch nicht.

Offiziell und nicht offiziell rechts
Kurze Zwischenfrage: Wen interessiert und warum, was der Verfassungsschutz „erklärt„? „Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat den AfD-„Flügel“ für rechtsextrem erklärt.“
Seit wann ist der Verfassungsschutz eine seriöse Quelle? Und seit wann definiert ein Inlands-Geheimdienst, was „rechts“ und noch weiter rechts ist?
Ob Severin Weiland das bei der taz gelernt hat? Ich habe diese unsäglichen lächerlichen und sinnfreien Textbausteine seit 30 Jahren immer und immer wieder gehört und bin es leid.
Fliegende Penisse
Atlas Obscura (2016): „Romans Used to Ward Off Sickness With Flying Penis Amulets. Maybe it worked?“ Das ist ja noch besser als Döner.
Im Ernst: Man bekommt keine wirklich überzeugenden Informationen über das Corona-Virus. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung schreibt: „Der Hauptübertragungsweg scheint die Tröpfcheninfektion zu sein. Diese Übertragung kann direkt von Mensch zu Mensch erfolgen, wenn Virus-haltige Tröpfchen an die Schleimhäute der Atemwege gelangen. Auch eine Übertragung durch Schmierinfektion über die Hände, die mit der Mund- oder Nasenschleimhaut sowie mit der Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden, ist prinzipiell nicht ausgeschlossen, spielt aber vermutlich nur eine untergeordnete Rolle.“
Alles andere ist eben nicht klar.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung: „Es gibt derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen auf anderem Weg, etwa über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch importiertes Spielzeug, mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Auch für andere Coronaviren sind keine Berichte über Infektionen durch Lebensmittel oder den Kontakt mit trockenen Oberflächen bekannt. Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, sind allerdings durch Schmierinfektionen denkbar. Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich.“ Das sieht man in China anders.
Es gibt historische Vorbilder für Pandemien (sehr interessant!). „Bei einer Pandemie hingegen verbreiten sich die Viren rasch und mit Infektionsraten von bis zu 50 % über den gesamten Globus.“ Mir wurde privat die Zahl „80 Prozent Durchdringung“ gesagt. Man müsse auch mehr über Immunisierung erfahren. Impfungen sind nichts anderes. Wer nicht glaubt, dass Impfungen signifikant helfen, ist einfach nur dämlich und/oder verehrt höhere (Götter) oder niedere (Esoterik) Wesen.
Noch meine ich, trotz meines Alters nichts besonders gefährdet zu sein – keine der bekannten Risiken trifft auch mich zu. Ich lasse mich überraschen.
Unter Moralapostelinnen
Cicero: „Rowohlt-Autoren wie Margarete Stokowski fordern ihren Verlag auf, Woody Allens Autobiografie Ganz nebenbei nicht zu veröffentlichen. Dabei sind die Missbrauchsvorwürfe gegen ihn nie bewiesen worden. Für den Traditionsverlag wäre ein Einknicken vor den Moralaposteln ein Armutszeugnis. (…)
Dabei habe Mia, die selbst aus eine dysfunktionalen Familie stamme, ihre Adoptivkinder ständig angeschrien, geschlagen, eingesperrt, oder Gehirnwäschen unterzogen, damit sie kleine Vergehen gestehen (…)
Und dass ausgerechnet Stokowski fordert, Allen seines Privatlebens wegen zu zensieren, ist beinahe komisch. Die Spiegel-Kolumnistin ist Trägerin des Kurt-Tucholsky-Preises, immerhin ein Autor, der einerseits radikal gegen jegliche Zensur eintrat, auch wenn sie unter dem Deckmantel der Moral und des Jugendschutzes daherkam und dessen erste Frau andererseits die Scheidung einreichte, weil sie (wie sie sagte), über seine Geliebten hinwegsteigen musste, um in ihr Ehebett zu kommen. Vielleicht sollte Stokowski wenigstens das Preisgeld an ein Frauenhaus stiften.“
Alles einfach nur ekelhaft.
German Deli
Aufgenommen Anfang September 1981 in Washington D.C., USA. Meine damalige Freundin hatte „deutsches“ Brot gekauft, das man aber biegen konnte wie ein Radiergummi.
Unter Sachzwangsneurotikern
Telepolis: „Seit Anfang der 1990er Jahre wurde gemeinsam vom damaligen „Gesundheitsminister“ Horst Seehofer und der Bundestags-SPD eine forcierte Privatisierung der Krankenhausversorgung eingeleitet. Die Mittel zu diesem Zweck waren die Installierung einer Krankenhausfinanzierung über so genannte Fallpauschalen, die Herbeiführung von Konkurrenz zwischen den Krankenhäusern und eines Sachzwangs zur Gewinnerzielung der Hospitäler.“
Das beste Gesundheitssystem, das man im Kapitalismus kriegen kann! Irgendwelche Konsequenzen? Natürlich nicht.
Nahe an Armageddon

An manchen Orten in Berlin, wenn man zu Fuß unterwegs ist, fühlt man sich nahe an Armageddon. Wieso muss ich an die visionäre Band Kraftwerk denken?
Really Simple SSL
Ich habe gestern hier das WordPress-Plugin Really Simple SSL installiert, das alle Anfragen automatisch von HTTP nach HTTPS umleitet. Bitte aktualisiert die Links auf burks.de bzw. burksblog.de.
Für ca. eine Stunde funktionierte die Weiterleitung von burks.de auf burksblog.de nicht, weil ich vergessen hatte, die index.html auch zu ändern.
Aragón, Carrera 3, Calle 12c
Gestern fiel mir auf, dass es interessant sein könnte, das Hotel Aragón in Bogota, Kolumbien, wiederzufinden, in dem ich 1982 eine Woche lang war und später nach der Rückkehr von den Llanos im Osten noch einmal. Tatsächlich – es ist an der Straßenecke
Carrera 3 #12C-13. Sogar die Häuser stehen da noch, sind nur renoviert worden.
[Uodate: Das Hotel Aragón hat mir soeben geschrieben: „Muy buena fotografía, muchas gracias por compartirla“.]
Zu der Zeit gab es keine Reiseführer, die diesen Namen verdienten (und natürlich auch kein Internet), mit einer Ausnahme, die aber um so besser und Pflichtlektüre war – das legendäre South America Handbook (vgl. oben, Ausriss mit dem Eintrag über das Aragón in Bogota), ein mehr als 1000-seitiger Wälzer auf extrem dünnem Papier und sehr klein beschrieben. Ich habe hier noch zwei völlig abgegriffene Exemplare stehen. Mitte der achtziger Jahre war ich sehr stolz, dass ein Eintrag von mir aufgenommen worden war, wenn ich mich recht erinnere, über die Gegend um Chipaya in Bolivien: Das bedeutete, dass niemand vorher schon mal da gewesen war, der darüber berichtet hatte.
Aus meinem Reisetagebuch, 08.01.1982:
Was es alles so gibt… Wir sind auf dem Monserrate gewesen [Foto oben, über 3000m hoch, der „Hausberg“ Bogotas], obwohl der Australier in unserem Hotel am Fuß des Berges von vier Männer ausgeraubt worden ist. Überraschenderweise war Feiertag und tausende von Leuten unterwegs. Die Zahnradbahn ist langweilig, nur der Blick auf Bogota interessant, um einen Eindruck zu bekommen, wie groß die Stadt ist. (…)
Auf der Calle 19 zwischen Carrera 7 und Caracas sind viele Trödel-Buchläden, einer verkauft nagelneue deutsche und französische Zeitungen (den „Spiegel“, vier Tage alt, für 100 Pesos) (…)
Ein alter Engländer, der seit neun Jahren in Kolumbien lebt, erzählt und Stories über Stories. Er rät uns dringend, unsere Wertsachen im Hotel zu lassen. da der Besitzer [des Aragón] der „einzig ehrenwerte Mann“ in Kolumbien sei und die Räuber wüssten, dass die Gringos immer alles mitführten. Einige Touristen seien von Ausflügen „ohne alles“ zurückgekommen. Die Oberschicht sei völlig von allen anderen isoliert. Trotz allgemeiner Schulpflicht ginge die Auslese schon bei der Jobsuche los – wer nicht aus der „richtigen“ Familie komme, habe keine Chance. Man sagt, die M-19 sei eine Vereinigung arbeitsloser Akademiker. Die Frau des Hotelbesitzers sei in der Carrera 3a überfallen worden.
Ajiaco ist ein tpypisches und leckeres Gericht aus Bogota, falls es nicht kalt serviert wird, wie uns passiert. Überhaupt sind die Suppen empfehlenswert, auch Kumis-Joghurt, wie alle Milchprodukte…
[Vgl. hier Kolumbien: Bogotá, Kolumbien 1982 27.12.2010, Lieber Bürgerkrieg als Verhandlungen oder: Die größten Kritiker der Elche sind oft selber welche (27.05.2014, Gringa linda (28.12.2013, Querbeet 08.03.2020.]
Querbeet

23 hilarious test answers that are too brilliant to be wrong.
Ich wette, die meisten Leser assoziieren bei dem Titel, falls sie nur flüchtig hinsahen, etwas mit dem neusprachigen queer. Man hätte auch das deutsche „quer“ nehmen können, weil es sich ohnehin in das schreckliche und abgedroschene Wort „Querdenker“ hineingemogelt hat mit dem Hintersinn, das bezeichne etwas, was sich dem gefühlten Mainstream verweigert. Das ist auch im Englischen der ursprüngliche Sinn des queer, das später neu bewertet wurde, ähnlich wie Kanake (in Kreuzberg gab es früher eine Kneipe „Zum Kanaken“, die von türkischen Einwanderern gegründet worden war).
Ich gebrauche das Wort queer genausowenig wie Gendersprache, weil es auf dem US-amerikanischen Konzept der diversity fußt, das ich für letztlich reaktionären unpolitischen Scheiß halte, obwohl die Theorie hinter queer natürlich richtig ist: Sexuelle Identität wird gemacht und kulturell geformt und ist keineswegs eine anthropologische Konstante. „Entspanntes Miteinander von Menschen mit unterschiedlichem politischen, ethnischen, soziodemografischen und weltanschaulichem Hintergrund“ (Wikipedia) sagt ja schon alles – die Klassenfrage wird wegeskamotiert – typisch kleinbürgerlich eben.

Jede Wette, dass der Tagesspiegel die Leser nicht gefragt hat, ob sie Gendersternchen wollen. Sie werden einfach aufoktroyiert. Dahinter steht die Attitude: Wir wissen, was für die Leser gut ist, besser als die selbst.
Dann haben wir noch verbale und körperliche Gewalt im Fussball. Der Tagesspiegel verschweigt hier das Wesentliche, und ich unterschiebe ihm Feigheit eine unjournalistische, weil moraltheologische Absicht. Man muss gar nicht ein Boulevard-Blatt zitieren: „Zwei Drittel aller verhandelten Spielabbrüche werden von nicht-deutschen Spielern (überwiegend türkischen und kurdischen) verursacht.“
Wir haben mittlerweile wissenschaftliche Untersuchungen, die genau das bestätigen. Sogar die Taz kann nicht umhin, das Problem zu benennen: „Was ungern laut gesagt wird, findet durch Untersuchungen und Studien eine traurige Bestätigung. Wenn es im Kreis der rund 6,5 Millionen Aktiven, die unter der Obhut des Deutschen Fußball-Bundes kicken, handfesten Streit gibt, zählen Spieler mit Migrationshintergrund überproportional oft zu den Tätern.“
Argumente von Thaya Vester, von der eine dieser Studien stammt: „Spieler mit Migrationshintergrund sind überproportional oft die Täter. Sie stellen zwar nur etwa ein Drittel aller Kicker, sind aber an jedem zweiten besonders schweren Fall beteiligt. (…) Die Gewalt ist ein typisches Spätherbst-Phänomen. (…) Bei der Auswertung von Sportgerichtsurteilen fällt zumindest auf, dass Spieler mit Migrationshintergrund überproportional häufig als Täter auftauchen. Das Gleiche gilt aber auch für die Opferseite.“
Was sagt uns das jetzt? Mir sagt es vor allem, dass Journalisten und Politiker sich feige dem Thema verweigern. Es muss doch Gründe geben. Man sollte Anthropologen fragen.
Kriminelle Clans spielen offenbar keinen Fußball. Man muss sich einige Sätze des Interviews mit dem Berliner Oberstaatsanwalt Ralph Knispel auf der Zunge zergehen lassen – man fasst es einfach nicht:
Und auch gesellschaftspolitisch war der Kampf erkennbar nicht von allen gewollt. Aus unserer Sicht war das ein teilweise falsch verstandenes Integrationsbemühen. Aber das sind Personenkreise, die sich nicht integrieren lassen und auch nicht lassen wollen. Es gibt bestimmte Communities in Berlin, wo Sie nicht einmal über Deutschkenntnisse verfügen müssen. Sie bewegen sich tatsächlich nur innerhalb ihrer Kreise. Und die leben abgeschottet und entziehen sich dem Zugriff deutscher Alltäglichkeiten. Es gibt schulferne und schulfremde Personen, die unserem Bildungssystem kritisch gegenüberstehen. Und das hat man viele Jahre unter dem vermeintlichen Blickwinkel der Toleranz geduldet.
Aber wir können uns nicht der Illusion hingeben, dass wir nur aus dem Pool der Besten schöpfen können. Denn bei der Besoldung zählen wir in Berlin zu den deutschen Schlusslichtern. In der freien Wirtschaft kann man deutlich mehr, manchmal sogar ein Vielfaches verdienen. Und auch Brandenburg zahlt besser. Das Arbeitsklima ist bei uns im Personal untereinander zwar uneingeschränkt gut. Anders aber, wenn man auf die Ausstattung schaut: Derzeit gibt es beispielsweise nicht einmal genügend Aktendeckel. Kugelschreiber bekommen Sie von der Materialverwaltung auch nicht mehr, nur noch Minen.
Noch Fragen? Wer verantwortet das? Namen?

Nein, keine arabischen Clan-Mitglieder und auch keine Einwanderer, die auf Gewalt sinnen, sondern junge Männer in Bogota, Kolumbien, fotografiert 1982
And now for something completley different: Der Guardian schreibt über linksradikale und marxistische deutsche Kängurus [sic!]: „The German left is still nervous about using populist rhetoric,” said Jürgen Lang, a political scientist and journalist who specialises in the history of Die Linke. “There’s a fear that once you go down the road of talking about ‘the people’, you are in an arena where the far right will beat you at that game.“
Das Problem ist damit sehr gut beschrieben. Wie oben. Auf mich trifft das aber nicht zu. Ich traue mir zu, jeden far right unter den Tisch zu argumentieren. Und die völkischen Linken auch. By the way: Kurdistan hat nur in Karl-May-Büchern etwas zu suchen.

Mein Avatar in Schendi
And now for something completley different: Die Todesrate des Corona-Vorus ist in Italien höher, weil die Italiener durchschnittlich älter sind. Gut zu wissen.
Rararumi, revisited
Eine Frau der Raramuri, auch bekannt als Tarahumara, in Cuauhtémoc (Chihuahua), Mexiko, fotografiert 1981.
In Quarantäne
Hat hier jemand Klopapier und Nudeln gehörtet? Ich wüsste da was. Die Tage in Quarantäne können lang werden.
Abgeschoben
Neue Zürcher Zeitung (und anderen Medien): „Migranten, die illegal die Grenze übertreten, dürfen laut Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte abgeschoben werden. Das schafft eine neue Rechtslage.“
Interessant. War das vorher nicht so? Leider finde ich das Urteil nicht im Original, und unsere Qualitätsonlinemedien geruhten auch nicht, mir einen Link mitzuteilen.







































