Alle Macht den Sowjets usw.

Lenin hält im Taurischen Palais in Petrograd die Rede vor dem Petersburger Sowjet, die später den Kern der Aprilthesen bilden wird.
Der Herr Ulianow Wladimir Lenin, Rechtsanwalt, dessen Aufenthalt bisher zu keinerlei Klagen Anlass bot, wird bald als Statue in Gelsenkirchen stehen. Das ist an sich eine lustige Idee und ein guter PR-Gag, schon allein deshalb, weil den üblichen Verdächtigen der Schaum vor dem Mund steht. Sogar die internationale Presse berichtet, weil die blöde Verwaltung den Streisand-Effekt wohl nicht kannte.
Lenin gibt es schon in Berlin in der Behrenstrasse Darüber regt sich niemand auf.
By the way: „It is a monstrous lie to suggest that Stalinism is the continuation of the democratic regime of Lenin, as the apologists of capitalism claim. In reality, a river of blood separates the two. Lenin was the initiator of the October Revolution; Stalin was its grave-digger. They had nothing in common.“ (Rob Sewell: In Defence of Lenin)
Aber was hätte der Genosse Lenin wohl zum sektiererischen Antisemiten-Pack von der MLPD gesagt? Vermutlich würden die jetzt alle in Sibirien Schnee schippen.

Zosse und drei Flaschen
Gestern habe ich mich mit Freunden ins Rixdorfer Nachtleben gestürzt. Daraus resultieren zwei Empfehlungen für gentrifizierende Hipster-Kneipen: Die Zosse (oben) hat leckere Biere und ein angenehmes Ambiente. Man kann dort auch allein hingehen. Hoffentlich spricht sich das nicht zu sehr herum, sonst kriegt man dort bald keinen Fuß mehr auf die Erde.
Zur vorgerückter Stunde wurde es ein wenig zu laut, und wir begaben uns frohgemut in die Drei Flaschen und tranken dort weiterhin keinen Wein, sondern Bier. Sehr gemütlich, angenehme und aufmerksame Leute, Hintergrundmusik erträglich und leise. Eine Website ist noch im Bau.
Interessant in „Drei Flaschen“: Die Betreiber beziehen einige Getränke aus Österreich, daher probierten wir Vogelbeerschnaps, der dort traditionell verbreitet ist. Auch lecker!
Eine Hipster-Kneipe ist einfach zu erkennen: Dort stehen nie Spielautomaten, was bei „normalen“ Kneipen in Neukölln immer der Fall ist (sonst rentieren die sich nur noch selten). Deswegen sind Hipster-Kneipen auch teurer.
Niemals Sizilianisch
Die Dresdnerin Filiz Osmanodja ist neue deutsche Schachgroßmeisterin. Großartig! So viele davon gibt es nicht. Nebenbei studiert sie auch noch Medizin in Berlin.
Ich habe mir eine Partie von ihr angeschaut (Entscheidung im 32. Zug), da ich mit Weiß auf e2-e4 d4 als Entgegegung von Schwarz verabscheue. Ich habe keine Zeit, um Eröffnungstheorie zu pauken, aber mit Sizilianisch, das Osmanodja offenbar gern spielt, kann man mich in allen Versionen ärgern.
Beim Schach gibt es auch jede Menge lächerlicher Vereinmeierei. Das liegt vermutlich an der Dominanz der Männer. „Mehr Frauen“ wäre auch hier gut für das Betriebsklima.
Ich habe einmal in meinem Leben gegen einen Großmeister gespielt (nachzulesen in meinem Buch Unter Männern (1988) – gegen Matthias Wahls – der Ausgang war vorhersagbar.
Hanover Street
New York, fotografiert 1979, Wall Street Ecke Hanover Street. Ich bin mir unsicher, ob es nicht auch 1981 gewesen sein könnte, aber ich war auf jeden Fall 1979 in der Wall Street (und suche gerade vergeblich nach dem Foto mit dem Straßenschild Wall Street, an das ich mich erinnern kann). Die Perspektive dieses Fotos war schwer zu finden; offenbar ist auch die Einbahnstraße jetzt andersherum. Im Hintergrund die Trinitychurch.
Huelga oder gendersozialökologischklimatisch?
La Paz, Bolivien, während des Generalstreiks 1984. Hier der Blick von unserem Balkon des Hotel Torino auf die Socabaya ganz nah am Palacio Quemada. Der war damals Sitz des Präsidenten Hernán Siles Zuazo. Tag und Nacht demonstrierten damals die Bergarbeiter und Gewerkschaften.
Apropos Streik.
Zwischen Mittwoch, 4. März, und Sonntag, 8. März, wird die DB Regio Bus Nord GmbH durch die Gewerkschaft Ver.di bestreikt. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten des Post-Tochterunternehmens Deutsche Post Customer Service (DP CSC) zum ganztägigen Streik aufgerufen. Betroffen war der Standort Fürth. Usw.
Telepolis beschreibt Mobilizing und Organizing: „Den Gewerkschaften kommen die Mitglieder abhanden. Die Alten gehen in Rente oder sterben und bei den jungen Arbeitnehmern kommen nicht viele Mitglieder nach. Klassische Industriebetriebe haben ihre Produktion oft verlagert und geblieben sind die Angestellten, auf die die Industrie-Gewerkschaften bislang nicht oder weniger setzten“.
Das Konzept ist banal, aber offenbar für die Funktionäre der Gewerkschaften nicht selbstverständlich – man will die Mitglieder fragen, was ihre Probleme sind. Ach?!
In der aktuellen Konkret schreibt Stefan Dietl über Nazis am Werk – Im Umgang mit der AfD wirken die Gewerkschaften oft hilflos.
In der aktuellen Z – Zeitschrift für Marxistische Erneuerung ist ein Attikel über die aktuelle Situation in Italien. Darin der bemerkenswerte Satz: „So ist es der Lega trotz ihrer früheren Beteiligung an der von Berlusconi betriebenen Privatisierungs- und Arbeitsmarktpolitik und mithilfe einer geschickten Nutzung der Social Media gelungen, sogar Sympathisanten der Linken sowie kommunistischer Organisationen zu gewinnen, die von der Verteidigung der weißen Arbeiterklasse gegen Globalisierung und die vermeintliche Konkurrenz durch ein migrantisches Subproletariat fasziniert sind.“
Offenbar haben die Gewerkschaften keinen Plan, wie man das Proletariat, das nicht so wählt, wie es sich gehört, wie die Linke es sich so denkt, zurückholt. Die Zahl rechter Betriebsräte habe sich verfünffacht. Man beschimpft sie bequemerweise als Nazis. Das führt bekanntlich nicht allzuweit – vgl. Italien. „Aufklärung“ nützt auch nichts -das ist wieder die Attitude, dass die Funktionäre viel schlauer seien als die „verirrten“ Mitglieder.
Mein Vorschlag: Die Linke muss sich auf den Markenkern besinnen und Lifestyle-Fragen wie „Klima“, „Diversity“ (was immer das heißen mag) uns. den Grünen überlassen. Markenkern heißt a) Lobby für die Arbeiterklasse und b) Klassenkampf, der auch so benannt werden muss.
Bernd Riexinger hat in dem unsäglich langweiligen Video auch zu Recht darauf hingewiesen, dass „Klima“ letzlich auf die Klassenfrage hinführt. Es gibt offenbar, wenn man sich die Diskutierenden anseht, viel zu viele Leute, die sich mit ihren privaten Hobbys beschäftigen und die politisch interessierte kleine Öffentlichkeit damit belästigen. Man müsste denen einfach mal rhetorisch über’s Maul fahren (aber ich würde vermutlich, wenn ich die die Partei „Die Linke“ einträte, sehr schnell wieder hinausgeworfen wegen politisch unkorrekter und nicht erwünschter Statements).
Und dann dieses bürokratische Neusprech-Gestammel: „sozioökologischer Umbruch“ – welcher normale Mensch redet denn so? Die merken das gar nicht mehr. „Sozial-ökologisch“ – das ist doch der letzte Quatsch. Dann schon gleich „gendersozialökologischklimatisch“.
Hermanas
Bauernmädchen auf der Insel Amantani, Titicacasee, Peru.
Vgl. Amantani 29.08.2013, Amantani revisited (05.03.2019, Insel der Sterne (11.12.2019), Colorido 02.11.2019), K’Uyuy (30.07.2018), Vorsicht Kamera! (04.03.2019), Grumpy Girl (22.11.2013).
Nicht ansteckend!
Für alle die, die jetzt häuslich isoliert sind: In Second Life gibt es viele virtuelle Personen, und es ist nicht ansteckend! Die Karte zeigt einen winzigen Ausschnitt (Mainland), die grünen Punkte sind Avatare, die gerade dort sind. Man kann es virtuell kalt oder heiß haben, Nacht oder Tag, je nach Wunsch.
Vorsicht! Seuche! [Update]

Symbolfoto für Vorhersagen, die Zukunft betreffend
Kurzer Zwischenruf: „In dieser Saison starben offiziellen Angaben zufolge bereits mehr als 200 Menschen in Deutschland am Influenzavirus. Die meisten waren älter als 60 Jahre.“
Hätte uns nur jemand gewarnt! Ich habe mir vorgenommen, obwohl ich zur Risiko-Gruppe gehöre, alle real existierenden Seuchen zu überleben.
Update] Das beste Gesundheitssystem, das man im Kapitalismus kriegen kann, beschreibt Michael Kegler auf Twitter.
Unter politischen Kleinanalysten
New York, John-Watts-Statue auf dem Trinity Church Cemetery außerhalb der Trinity Church in Manhattan (im Hintergrund). (Ich weiß nicht, warum die Leute bei Google Maps keine Beine haben.) Ganz im Hintergrund die Türme des ehemaligen World Trade Centers. Das Foto habe ich 1981 gemacht.
Ihr könnt mich gern einen politischen Kleinanalisten nennen. (Von der Taz und dem Spiegel lernte ich, dass es im Deutschen offenbar das Wort Großanalysten gibt, was mir bisher entgangen war.)
Ich sag(t)e die Wiederwahl Donald Trumps voraus. Ich prophezeie jetzt, dass Bernie Sanders raus ist und es zu einem Zweikampf zwishen Joe Biden und Trump kommen wird, den Trump nur gewinnen kann.
Warum? Biden ist der Vertreter der Parteifunktionäre des „demokratischen“ Establishments, das auch die Superdelegierten dominiert. Die Superdelegierten werden ohnehin Biden nominieren, wenn keiner der beiden Kandidaten die Mehrheit bekommt.
Die enttäuschten Fans von Sanders werden nicht automatisch Biden wählen, sondern gar nicht oder sogar Trump. Es kommt darauf an, welches Thema für sie wichtiger ist: Biden ist ein Kriegshetzer und Bellizist, der nicht nur dazu riet, den Balkan zu bombardieren, sondern auch mehr Truppen in Afghanistan wollte und in Syrien einmarschiert wäre.
Sanders ist gegen eine Verschärfung des Waffenrechts, er steht damit Trump näher als Biden.
Wenn ich recht behalte, müssen die politisch interessierten Leserinnen und die gebildeten Leser mich ab dann einen Großanalysten nennen.
Altes Glas, YlnMn und die revolutionäre Justiz

Credits: Mahito Kaai|Asahi Shimbun
Was haben wir heute? Die Asahi Shimbun wartet mit einer ganz außerordentlichen Nachricht auf: „A fragment of a glass bowl unearthed on Okinoshima island, a UNESCO World Heritage site here, came from ancient Persia during the Sassanian dynasty (226-651), researchers announced March 1.“.
Moment!? Das sind mehr als 7.000 Kilometer Luftlinie! Heiliger Bimbam – wie ist das Glas da hingekommen? Der Einfluss der Sassaniden reichte bis zum Himalaya. von dort ist es nicht mehr so „weit“ nach China. Aber hier geht es um Japan. Unglaublich. Ob man in Japan damals eine Vorstellung hatte, woher das Glas kam?
By the way: Lernt ein Gymnasiast in Deutschland etwas über Chosrau I. Anuschirvan? Den oströmischen Kaiser Justinian kennt man, weil unter seiner Herrschaft die Goten in Italien geschlagen wurde. Ich sage nur: Teja!

Credits: Oregon State University|My Modern Met
More science, please. Es gibt ein neues Blau. Es heiß YlnMn blue – „he first new blue in over 200 years“- Ich wusste gar nicht, dass man Farben „entdecken“ kann?!
„YlnMn blue was accidentally uncovered when Subramanian and a student combined and heated manganese oxide, yttrium, and indium.“

Jean-Louis Prieur: Tod von de Flesselles, Bürgermeister von Paris
Die „Linke“ hatte ausnahmsweise mal eine gute Idee (ca. Min. 45) : Die Kapitalisten sollten nach der Revolution nicht erschossen, sondern für nützliche Arbeit eingesetzt werden. Der Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten, obwohl Riexinger das scherzhaft gesagt hatte und auch Applaus dafür bekam. Das ist doch ein Fortschritt etwa gegenüber der Französischen Revolution, bei der die gefühlten Gegner der Revolution an Laternen gehängt oder guillotiniert wurden. Ich schrob auf Fratzenbuch: Hartz IV praktiziert das doch schon für Arme. Das sollte auch für Reiche gelten. Ist nur fair. Und wieso denke ich jetzt an Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) samt ihrem famosen Gatten?
Jefferson Memorial
Das Thomas Jefferson Memorial in Washington D.C., fotografiert am 22.09.1979 auf der Durchfahrt. (Es folgte eine 33-stündige Busfahrt nach New Orleans.)
Das ist wieder ein hübsches geografisches Rätsel. Offensichtlich habe ich das von Osten aufgenommen; im Vordergrund sieht man das Headquarters National Park Service. Mein Standpunkt war aber höher – wenn man heute etwa die Francis Case Memorial Brücke auswählt, kann man das Denkmal nicht sehen. Von der Main Avenue SW kann man das kleine Gebäude am anderen Ufer gerade noch ausmachen, aber die Perspektive ist zu tief. Ich saß im Bus, also muss es eine Strasse sein. Oder es ist so viel gebaut worden, dass man den Punkt, wo ich damals geknipst habe, nicht mehr finden kann.
Tödlich oder nicht tödlich, das ist die Frage
Frage: Wie hoch ist beim Coronavirus die Infektionsrate einer Bevölkerung, im Vergleich zu anderen Pandemien? Ich habe recherchiert, fand aber nichts, weil das Zahlenmaterial nicht ausreichend ist. Sicher ist eine Todesrate von ca. zwei Prozent bei 100 Infizierten. Sicher ist auch, wie man am besten vorbeugen kann: Wash your hands. Wash your hands. Wash your hands.
Der Staatskapitalismus in China ist offenbar besser in der Lage, mit Pandemien umzugehen als rein privatwirtschaftlich organisierte Länder wie Deutschland mit seinem kaputtgesparten Gesundheitssystem, dessen Niveau sich den Ländern der so genannten „Dritten Welt“ annähert. Vermutlich ist es schon in Kuba besser. Hier suchen die Ärzte sogar schon in Baumärkten nach Schutzmasken. „Der Markt“ regelt eben nichts vernünftig.
„China hat anderen Ländern durch rigorose Quarantäne, Social Distancing, Aufspüren von Fällen bei Kontaktpersonen und dem Isolieren von Infizierten Zeit verschafft, sich vorzubereiten, sagte Bruce Aylward, der Leiter der unabhängigen joint mission auf einer Pressekonferenz der WHO.“
Das Science Media Center schätzt die Lage vermutlich realistisch ein und fragt: „Wie tödlich wird das Coronavirus?“ Bevor die gesunden Leser und die gegen Seuchen immunen Leserinnen auf die Medien zurückgreifen, um sich zu informieren: Besser sind die Quellen, die direkt mit dem Thema zu tun haben. Die WHO ist eine seriöse Quelle; in Deutschland das Robert-Koch-Institut.
Siempre a sus órdenes.
Putt Putt Putty
Ich habe zwei Fragen an die des Linuxens kundige Leserschaft:
– Ich gehe via Putty und SSH von einem Rechner (Ubuntu und XFCE) auf den anderen. So weit, so gut.
Vielleicht habe ich aber um die Ecke gedacht. Bisher ist mein Problem ungelöst, wie ich am bequemsten zwei Rechner synchroniesieren bzw. Daten hin- und herschieben kann. Ich arbeite manchmal mit luckyBackup, weil das von früher gewohnte Déjà Dup nie funktioniert.
Irgendwie vermasselt mir aber die Rechte-Verwaltung alles. Frage also: Kann ich denn nicht via SSH Dateien von einem Rechner auf den anderen kopieren – also per Kommandozeile? (Alle Rechner sind per Fritzbox verbunden, hängen also im „Intranet“.) Wenn ich mit Nautilus kopieren will, habe ich nicht die Rechte dazu, obwohl ich die jeweiligen Ordner IMHO freigegeben habe.
– Frage: Was ist das für eine komische Fehlermeldung, wenn ich Nautilus mit root-Rechten aufrufe? Offenbar ist das gar nicht vorgesehen oder sogar ein Bug?
sudo nautilus
[sudo] Passwort für burks:
Nautilus-Share-Message: 15:20:00.279: Called „net usershare info“ but it failed: »net usershare« gab den Fehler 255 zurück: info_fn: file /var/lib/samba/usershares/xxx is not a well formed usershare file.
info_fn: Error was Path is not a directory.
Ich finde nichts, was mir das verständlich (!) erklärt.
La Paz, Panoramic View
Die Skyline von La Paz, Bolivien, fotografiert 1984. Ich habe versucht, die Perspektive wiederzufinden – das war gar nicht so einfach. Bei Getty Images gibt es ein Foto, auf dem dieselben markanten Hochhäuser zu sehen sind, es sind einige dazugekommen. Ein ähnliches Foto fand ich auf 123RF. Immerhin habe ich die Garantie, dass es nicht seitenverkehrt ist – das ist beim Einscannen der uralten Dias nicht immer sofort zu erkennen.
Ich vermute, dass ich nördlich der Avenida Litoral gestanden habe und nach Süden fotografierte.
„Ein korrupter Sandinismus, der nicht mehr revolutionär ist“
Der Genosse Ernesto Cardenal ist tot.
Im März 1983 wurde Cardenal von Papst Johannes Paul II. in Managua in aller Öffentlichkeit bloßgestellt. Beim Papstbesuch in Nicaragua hatten zuvor Sandinisten den Papst bei seiner Predigt lautstark niedergeschrien. Anfang 1985 wurde er von Johannes Paul II. wegen seiner politischen Tätigkeit in der FSLN von seinem Amt als katholischer Priester suspendiert. Cardenal bemühte sich nie um eine Rückgängigmachung dieser kirchlichen Sanktionen.
Bis 1987 hatte Ernesto Cardenal das Amt des Kulturministers inne. Dann wurde das Ministerium – angeblich aus Kostengründen – aufgelöst. (…) 1994 verließ Ernesto Cardenal die FSLN, aus Protest gegen den seiner Ansicht nach autoritären Führungsstil von Daniel Ortega. Er stellte aber gleichzeitig klar, dass er sich weiterhin als „Sandinist, Marxist und Christ“ verstehe.
Ich empfehle zu Nicaragua Matthias Schindler: Vom Triumpf der Sandinisten zum demokratischen Aufstand: Nicaragua 1979-2019.
Ich halte es für ein Standardwerk (vgl. die Rezensionen.)
Nicaragua ist heute ein kapitalistisches Land, dessen Wirtschaftspolitik sich an den neoliberalen Vorgaben des IWF orientiert und das (parallel zur privaten Bereicherung der korrupten Oberschicht) auf das neo-extraktivistische Gesellschaftsmodell setzt, nach dem die natürlichen Reichtümer des Landes exportiert werden, um damit Infrastrukturmaßnahmen und soziale Projekte zu finanzieren.
Die deutsche Solidaritätsbewegung für Nicaragua ist Ortega-hörig und unkritisch. Man kann die zum Teil gar nicht mehr ernst nehmen. Dementsprechend eindimensional sind die Artikel über die aktuelle Opposition in Nicaragua.
Aufschlussreich ist auch ein Interview in der taz (16.10.2018) mit Mónica Baltodano, „Comandante guerrillera de la Revolución Sandinista“ (auf Spanisch hören sich solche Titel viel besser an).
Ein Aufstand, in dem ein Volk sagt, dass es von einem Präsidenten die Nase voll hat, ist vollkommen legitim. (…) Es nimmt mich ganz schön mit, was da passiert ist. (…) Wir müssen kritisch und selbstkritisch analysieren, wie das geschehen konnte. Ich glaube schon, dass die politische Geschichte Nicaraguas insgesamt eine wichtige Rolle spielt. Seit der Unabhängigkeit 1821 ist das eine Geschichte von Caudillos, von Kriegen, von nordamerikanischer Intervention und von Herrschern, die sich, wenn sie einmal an der Macht sind, wie von Gott berufen fühlen.(…) Das hat sein Fundament in der politischen Kultur Nicaraguas, und die Leute haben das tief verinnerlicht. Sie wollen Caudillos! Deshalb fragen sie derzeit auch andauernd, wer der Anführer der Opposition ist. Und wir sagen dann: Es darf nie wieder solche Führungstypen geben! (…) Doch, auch. Die politische Kultur der Linken ist sehr autoritär und vertikal und gibt wenig darauf, ob etwas moralisch in Ordnung ist oder nicht.
Littly Italy
Little Italy, New York, fotografiert im September 1981.
Der Bäcker buk
Mein Bäcker hier in Rixdorf buk allerlei und siehe, es schmeckt wie immer köstlich. (Vgl. Lehrling gesucht! sowie Echtes Brot aus der køniglichen Backstube)
Am Fluss des Heiligen Geistes oder: El Rio de Espiritu Santo
Gerade habe ich beim digitalen Aufräumen noch ein schlechtes Foto (Dia) entdeckt, dass ich laut Reisetagebuch am 25.09.1979 aufgenommen habe, durch das getönte Fenster eines Greyhound-Busses, auf der Fahrt von Fort Stockton nach Sante Fe in Texas. Ich finde es komisch, dass ich nach vier Jahrzehnten noch wusste, wo das war, obwohl das Bild wirklich nicht emotional „aufgeladen“ ist. Es zeigt Memphis/Tennessee und den Mississippi (mir fällt beim Schreiben ein, dass der sagenumwobene Fluss der Grund war, warum ich unbedingt fotografieren musste – wir habe uns in Memphis nicht aufgehalten).
Nach einigem Ausprobieren habe ich auch den genauen Standort herausgefunden – es war auf der Interstate 40 und der Hernando-de-Soto-Bridge.
Der spanische Konquistador, der hier weitgehend unbekannt ist, war vermutlich der erste Europäer, der den Mississippi gesehen hat.
Cusco, revisitado
Cusco, Peru, am Mercado Central de San Pedro, auf den Treppen vor dem Bahnhof fotografiert, Juli 1984.
Scharfe Böhnchen, anarchisch befreit
„Dabei gehe es nicht um Perfektion. Am Herd zu stehen sei ein anarchischer Akt der Befreiung: »Selbst kochen heißt, die Verantwortung über das eigene Leben in die Hand zu nehmen.«
Dazu gehört für ihn auch, Hypes wie dem aktuellen Trend um die südamerikanische Kultpflanze Quinoa oder Chia-Samen nicht blind zu folgen. »Warum fressen Wir den Bolivianern ihr Quinoa weg, wo es bei uns zu Hause Graupen gibt, die nicht 10 000 Kilometer weit herangekarrt werden müssen?«, fragt Keller und schmeißt einen Beutel der heimischen Körner in einen Topf mit Wasser. Heute kocht er Graupenrisotto mit einem kleinen Stück Rippchen in Honigkruste, dazu gebackene Grünkohlchips.“ (Aus dem aktuellen Spiegel über den Koch und Bauer Franz Keller)
Ich kochte gestern „Scharfe Bohnenförmchen“:
Paprikaschoten (ich nahm vier) halbieren, säubern, die Kerne und Trennhäute entfernen. Eine (oder mehr) grüne Peperoni aufschlitzen, entkernen und in schmale Streifen schneiden. Eine Dicke Zwiebel klein hacken.
Die Zwiebeln mit einer zerdrückten Knoblauchzehe in Öl anbraten. 250 gr. Hackfleisch (halb und halb) dazugeben und anbraten. Dann eine Dose abgetropfte Kidneybohnen (ca. 250g) dazugeben.
Mit Salz, handgemahlenem Pfeffer und möglichst frischem Oregano abschmecken.
Backofen auf 225 Grad vorheizen. Die Pampe in der Pfanne in die Paprika-Hälften füllen. Die Paprika samt Füllung muss in einer feuerfesten Form stehen, dass sie nicht umkippen kann.
Zwei Eier und 100g Schmand (fette saure Sahne) verquirlen und über die Hackfleischfüllung träufeln.
Geriebenen Käse darüberstreuen und alles ca. eine knappe halbe Stunde backen.









































