Jeszcze Polska nie zginęła!

weichsel
Die Weichsel an der Grenze zwischen Deutschland und Polen

Wenn der Europäische Gerichtshof (EuGH) Deutschland aufforderte, nach Polen einzumarschieren, um die Strafgelder einzutreiben, sollten wir das übrigens ablehnen, weil wir dieses Mal verlieren würden.

„Polens“ Sturheit ist nur Säbelrasseln aus innenpolitischen Gründen. Polen kann sich einen Austritt aus der EU gar nicht leisten. Das kann man beim Finanztransparenzsystem der EU nachsehen. Polen ist auch der größte Empfänger von EU-Geldern.

Unsere Qualitätspresse ist erstaunlich einhellig gegen Polen.

Das finde ich komisch, da auch in Deutschland die Justiz nicht wirklich unabhängig ist – es gibt ein politisches Weisungsrecht. Politiker können also in Deutschland der Justiz sagen, was sie tun soll. Keine Unabhängigkeit, nirgends.

Freiheit, wie sie die Welt anschaut

collectivismt
Medics from north China’s Tianjin Municipality wave goodbye before their departure in Wuhan, central China’s Hubei Province, March 17, 2020. (Xinhua/Xiong Qi)

„Don’t criticize what you can’t understand. Embrace those things that are uncomfortable, those things that don’t make sense, those things that are frustrating. Those are the things that will teach you the most.“ (Werauchimmerdasgesagthabenmag)

Cornelius Dieckmann erzählt im Tagesspiegel ein Märchen, man könnte auch sagen: Er verbreitet Fake News:
Wenn Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping nun behauptet, Taiwan gehöre seiner Regierung, ist das ebenso geschichtsvergessen, wie es umgekehrt größenwahnsinnig wäre, würde Tsai das Festland beanspruchen (was sie nicht tut).

Der Kollege Christian Y. Schmidt, antwortet auf Fratzenbuch bequem und angenehm, was erstens, zweitens, drittens kam: Unter anderem behaupte Diekmann, die ROC-Präsidentin Tsai-Ingwen beanspruche nicht das chinesische Festland für die Taipeh. Täte sie das nicht, würde sie aber gegen ihren Amtseid verstoßen. Denn der Anspruch auf ganz China wird in der Verfassung der ROC erhoben. Allein, dass in der Nationalversammlung der ROC Plätze für Abgeordnete aus Tibet und der Mongolei vorgesehen sind, ist dafür ein Beweis.

Apropos China: Im ehemaligen Nachrichtenmagazin ist ein sehr interessanter Artikel des Gastkommentators Kishore Mahbuban. Man fragt sich, ob der Zensor für die freiwilligen Selbstkontrolle gerade pinkeln war oder ob die anti-chinesische Propaganda der deutschen Mainstream-Medien so offensichtlich, dass man ein Feigenblättchen für eine andere Perspektive dazwischenschmuggeln wollte: „Daten lügen nicht. Warum China und andere Staaten Ostasiens des Virus erfolgreicher bekämpfen als der Westen“.

Der westlichen Welt fällt es schwer zu akzeptieren, dass das chinesische Volk bereit ist, seine „Freiheit“ aufzugeben und unter der KP zu leben. Dieses Unverständnis hat wohl damit zu tun, dass die unterschiedlichen historischen Erfahrungen der westlichen und der chinesischen Bevölkerung verschiedene Arten von „Freiheit“ produziert haben. Im Westen liegt der Schwerpunkt auf „Freiheit von“, zum Beispiel auf der „Freiheit von“ starker autoritärer Herrschaft. In China liegt die Betonung auf der „Freiheit für“. Aus der Sicht der Chinesen bedeutet „Freiheit“, ein glückliches Leben mit ihren Familien und Freunden zu führen, geschützt von einer starken Zentralregierung, die für Ordnung sorgt.

Als ich 1980 zum ersten Mal in die Volksrepublik reiste, durften die Chinesen nicht selbst entscheiden, was sie studieren, wo sie wohnen, wo sie arbeiten, und auch nicht, was sie anziehen. Heute dürfen sie das. 1980 konnten Chinesen nicht ihr Land verlassen, 2019 reisten 130 Millionen Menschen als Touristen ins Ausland und kehrten freiwillig zurück. Das chinesische Volk hat in den letzten 40 Jahren den größten Zuwachs an persönlicher Freiheit seiner 4000 Jahre alten Geschichte erlebt. Um ein brilliantes deutsches Wort zu verwenden: Das chinesische Volk hat seine eigene „Weltanschauung“. Und es ist glücklich mit dieser Weltanschauung.

Das ist zwar dick aufgetragen und die Frage umgangen, ob es im Sozialismus auch der chinesischen Couleur Klassenkampf gebe, was im Zweifel zu bejahen ist, aber natürlich hat der Mann recht. Der so genannte „Westen“ hat sich beim Kampf COVID-10 nicht nur blamiert, er ist auch kläglich gescheitert.

Traumhaus und Traumschiff am Amazonas

benjamin constant

Nachtrag zu Am Solimões (18.01.2011) – Tabatinga Benjamin Constant am Amazonas, der in Brasilien bis zur Mündung des Rio Negro Solimões genannt wird.

Von Benjamin Constant bis Manaus sind es mehr als tausend Kilometer. Wir waren eine Woche per Schiff unterwegs.

Ich schrieb am 14.12.2004: „Wenn man weiß, dass die Tide in Manaus mehr als zwölf Meter beträgt, kann man ahnen, welch unbändige Urgewalt hier am Werk ist. Der Amazonas fordert heraus, und niemand hat eine Chance gegen ihn. Und deshalb ist der Reisende auf einem Schiff nur auf ihm geduldet.“ In Tabatinga ist die Tide des Amazonas noch nicht so hoch.

Aus meinem Reisetagebuch, 5.Januar 1982:
„Am nächsten Morgen schüttet es. Wir schaffen es gerade noch, zum DAS zu kommen. Ausreisestempel [aus Kolumbien] gibt es ohne größere Probleme, obwohl sich der Mensch natürlich erst einmal zwei Mal beim Datum vertut. Wir müssen ein Taxi für 1000 (!) nach Tabatinga nehmen. Dort bei der Policia Federal müssen wir beim dunkelhäutigen Einreisebeamten 600 US Dollar cada persona vorzeigen. Sie sind freundlich, aber kaum zu verstehen. Der erste Eindruck von Tabatinga ist natürlich sehr vom Regen verwischt. Die Fähre kostet 400.“

Jetzt muss ich mich korrigieren. Ich wunderte mich über meinen Tagebuch, weil dort nach Tabatinga Benjamin Constant, auch Brasilien, folgt. Umgekehrt würde auch gar keinen Sinn machen, weil Tabatinga die Grenzstadt zu Kolumbien ist und man einfach laufen kann. 2012 habe ich hier die „Skyline“ des brasilianischen Ortes gepostet, inklusive der markanten Catedral, und die gehört eindeutig nicht zu Tabatinga, sondern zu Benjamin Constant. Wir haben also in Tabatinga nicht übernachtet, sondern sind mit der Fähre nach Benjamin Constant gereist.

Weiter im Tagebuch:
„Benjamin Constant unterscheidet sich sehr von Leticia [Kolumbien]. Die Häuser sind den Umständen entsprechend gepflegt. Sogar gejätete Vorgärten gibt es. Nirgendwo fehlt die Mülltonne vor dem Haus. Straßenbeleuchtung, saubere Kneipen, manchmal mit Samba.

Das Hotel Pousada São Jorge [das gibt es tatsächlich noch!] ist total vollgehängt mit Wäsche, aber wir können kochen und haben Platz für die Hängematten, während zwei komische Schweden lieber das teuerste Hotel am Ort nehmen.

Drei Bayern mit dementsprechenden Hüten (und das am Amazonas!). Drei Schweizer, die sich gerade für 1200 $ ein Boot bauen lassen [Foto unten] und damit bis Belém fahren wollen. Sie laden uns ein mitzukommen. Wir sind erst angetan, aber der Fluss soll sehr gefährlich wegen der Strudel sein, die [vermutlich sollte das Boot einen Scheinwerfer bekommen] sind ausgeleuchtet, aber keiner von ihnen weiß wie, sie haben noch nicht einmal eine Karte. [Wir haben abgelehnt.]

Ein Engländer aus Leticia. Ein Costaricenser, der Schnickschnack verkauft. Ein Brasilianer mit deutschen Vorfahren und kolumbianischer Frau, die Kreolin ist (das gibt viersprachige Kinder!) – sie sind den Putumayo einen Monat lang runtergefahren [per Einbaum – die hatten ein Baby dabei, aber kaum Geld und sind so mitten durch den härtesten Dschungel Kolumbiens gereist. Ich sprach mit dem Mann Deutsch – er war in meinem Alter -, und seine bildschöne Frau verstand kein Wort und machte sich immer lustig über den Klang des Deutschen und imitierte ihn wie wie Adenoid Hynkel].

Es gibt eine Kirche, die jeden Morgen die Leute mit flotter Musik unterhält – unmöglich bei uns! An den Ufern und Nebenarmen des Rio Solimões sieht es aus wie in der Karibik.

Das Schiff, die Marcia Maria, ist ein wahrer „Luxus“dampfer, wenn man von den Platzproblemen absieht. Es gibt eine tadellos funktionierende Dusche, ein sauberes Klo usw. Die Brasilianer schrubben sowieso ihre Schiffe mehr als woanders [Bolivien, Kolumbien usw.]. Es gibt jede Menge Wasserfilter und sonstige Kleinigkeiten, die das Leben im Dschungel erleichtern. Nur der ganze Müll kommt natürlich in den Fluss, auch das Öl.

benjamin constant

Kommunistische Lektüre und anderes

burks die nachrichten lesend

Der Tagesspiegel informiert uns detailliert: „Die Polizei stellte allerdings auch zwei aktuelle, vertrauliche Dossiers des Bundesnachrichtendienstes zu Nordkorea sicher. Ein Papier war als geheim eingestuft. In den Wohnräumen des Hauptmanns fand sich zudem umfangreiche kommunistische Literatur, auch mit Bezug zu Nordkorea.“

Was könnte das nur sein? Kommunistische Literatur? Ich habe mich schnell in meiner Bibliothek umgesehen, ob man so etwas Gefährliches dort fände. O Graus! Man würde!

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Und now to something usl. Leseempfehlung (aber leider Paywall): Aline von Drateln über „Sex, Macht und „Bild“: Warum spielen die Frauen da mit?“

Kernsätze: „Dass Frauen mit ihren Vorgesetzten schlafen, um Karriere zu machen, passt ebenfalls. Und zwar zur gesamten Branche.“ – „Die interessante Frage aber ist doch: Warum machen die Frauen das mit? Wie naiv muss man sein, dass aus einer Anmache ein Missbrauch wird? Es scheint, als würden sich Frauen freiwillig ausnutzen lassen. Noch immer. Immer wieder. Es lohnt sich, genauer hinzusehen.“ –

„Es geht nicht zwangsläufig um die nächste Sprosse auf der Karriereleiter. Oder darum, dass Frauen sich lästigerweise zu oft verlieben. Sondern um ihre Macht über den Mann.

„So eindeutig das Machtgefälle bei körperlichen Übergriffen ist, so vielschichtig sind die Geschlechterrollen, wenn es um Verführung geht.“ – „Die Intimität eines Flirts findet scheinbar auf Augenhöhe statt. Unerwartet finden sich zwei Menschen aus verschiedenen Positionen in einem exklusiven Raum wieder. Ein Kompliment kann respektlos und herablassend sein. Es kann in ihren Augen aber gleichzeitig die Adressatin heben. Eine SMS vom Chef aus der Konferenz verstärkt die Abgrenzung zum Rest der Redaktion. Vor aller Augen und gleichzeitig hinter ihrem Rücken – Aufmerksamkeit ist für die Generation „social media“ die höchste Währung.“ –

„Und so benutzt man sich zunächst noch gegenseitig. Es geht ja oft von beiden Seiten gar nicht um die andere Person, sondern um sich selbst. Viele Frauen suchen überhaupt keinen Ehemann. Vielleicht nicht einmal einen Liebhaber. Sie suchen ihre eigene Rolle. Beruflich in der Hierarchie noch unterlegen. Sexuell aber überlegen.“ – „Während der Mann noch balzt und hofft die Frau überhaupt „rumzukriegen“, kann die Frau schon längst das halbe Sportressort zum Frühstück verschlungen haben.“

Selten so etwa Kluges zum Thema gelesen.

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By the way: Was macht eigentlich das Kapital? Es hat Lieferprobleme (Paywall). „Weltweit sind neun Prozent der Transportkapazität auf dem Seeweg durch Containerstaus gebunden.“ Und: „Die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie droht zu erlahmen. Ein Grund dafür sind fehlende Arbeitskräfte. Zehntausende Pflegekräfte, Bauelektriker oder Lkw-Fahrer fehlen. Experten fordern eine längere Lebensarbeitszeit. Und mehr Zuwanderung.“

Wieso Zuwanderung? Wir haben doch gerade sehr viele hochqualifizierte Araber und Nordafrikaner bekommen? Brauchen wir noch mehr? Oder nicht? „Daneben sieht das IW in weiteren Berufen, die für unsere tagtägliche Versorgung entscheidend sind, besorgniserregende Engpässe: etwa bei Bauelektrikern, die neue Häuser mit Strom versorgen (15.500), bei Lkw-Fahrern, die Waren an Supermärkte und Co. liefern (6700), sowie bei Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikern, die für Wärme in kalten Wohnungen sorgen (13.200). Über alle Branchen hinweg lag der Mangel bei Fachkräften mit Ausbildung im September schon wieder bei 98 Prozent des Vor-Corona-Niveaus – Tendenz stark steigend.“

Ich sage nur: Araber zu LKW-Fahrern! Ein Führerschein dauert nicht so lange. Warum hört niemand auf mich?

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Nur im ältesten Gewerbe der Welt gibt es keinen Personalmangel.

Unter Disgustlern

disgust

Manche Themen sind einfach so schmierig, das sich mich damit nicht befassen möchte. Man nicht über Davidsterne reden, die vielleicht gar nicht getragen wurden, aber dennoch ein großes Getöse bei den üblichen Verdächtigen verursachen, die weder den korrekten Genitiv noch die Maxime, man möge auch die andere Seite hören, beherrschen und beherzigen.

Sex am Arbeitsplatz finde ich nicht eklig, aber das hat immer so ein Geschmäckle, vor allem, wenn die Hierarchie nicht stimmt. Man könnte auch hier als Advocatus diaboli meinen, entweder hätten die Damen die Beine breit gemacht – oder welcher sexuellen Praxis man heutzutage frönen mag – in gegenseitigem Einvernehmen oder, wenn nicht, dann sei es schlicht eine strafbare Vergewaltigung, die aber bisher nicht in Form eine Anzeige vorgekommen ist. Was macht Frau nicht alles, um den Arbeitsplatz nicht zu verlieren? Wirklich? Das soll ich glauben?

Ich kann mir dieses eklige Milieu mit den Macho-Sprüchen und dem dazu passenden pseudo-leutseligem Gehabe sehr gut vorstellen, vor allem nach sechs Jahren Arbeit in einem Krankenhaus, wo die Chefs noch cheffiger tun als anderswo. Aber weniger, dass das unwidersprochen hingenommen wird, auch wenn es keine Zeugen gibt. Einfach in die Eier treten oder beißen geht nicht? Oder in das Glied?

Es mussten, wie mittlerweile überall bekannt, erst die ausländischen Medien einen Stein ins Wasser werfen, der dann ins Rollen kam.
Ich weiß auch nicht, vom wem oder was ich mich mehr angewidert abwenden soll: Von dem Verleger, der nach Gutsherrenart verhindert, dass etwas in seine Medien kommt oder von der Journaille, die darob entrüstet aufheult, als sei das nicht das normale Verhalten eines Kapitalisten, der „unabhängige“ Zeitungen besitzt und natürlich den Leuten ab und zu zeigen darf, wo Gott und die Bilanzen wohnen. Schön, dass wir darüber geredet haben.

Vorbildlich

vorbildlich
Credits: Jan Myrdal: China: Die Revolution geht weiter – Bericht über den Fortschritt in Liu Ling, Fotos: Gun Kessle, erschienen 1971

Vor langer Zeit, als das Wünschen und Sektierern noch half, las ich lustige Bücher wie auch das obige. Die Zeit vergeht und man sieht klarer. Heute empfehle ich etwas anderes. Die Junge Welt hat ein vorbildlich interessantes Gespräch mit Frank Sieren, der seit 1994 in Peking lebt, über die aktuelle Lage der Wirtschaft in der Volksrepublik. Da der sich auskennt, wird man man manchmal überrascht, die im Mainstream der anti-chinesischen Propaganda hierzulande solide Fakten über das, was in China geschieht, nur selten auftauchen. Lesenswert!

„Der Machtkampf dreht sich nun nicht mehr so sehr um die militärische Vorherrschaft, sondern um die Vorherrschaft im Technologiesektor. Hier sind die Chinesen in einigen entscheidenden Bereichen weiter als die USA.“

„Weil die Regierung keine Lust hat auf Zustände wie 2008 nach dem Crash der Finanzmärkte in den USA, greift sie jetzt ein. Hinzu kommt, dass Geschäftsmodelle gestutzt werden, die auf der Ausbeutung ihrer Mitarbeiter basieren, wie zum Beispiel bei den Essenslieferdiensten. Hier werden nun Mindestlöhne gezahlt. Das ist längst überfällig. Beijing will also insgesamt klare Spielregeln, die sicherstellen, dass die Vielfalt der Unternehmen wächst, die sich gegenseitig in Schach halten. Keine der Firmen soll in der Lage sein, das ganze Land oder gar die Welt in eine Krise zu stürzen. Das Vorgehen dient auch dem Machterhalt der Partei, ist zuweilen auch ruppig, weil es die Regeln während des Spiels ändert. In der Sache ist es aber dennoch sinnvoll.“

„Eigentlich setzt Beijing das um, was die USA nicht hinkriegen, nämlich sinnvolle Spielregeln für diese großen Unternehmen einzuführen.“

„Arbeiter sind knapp in China, das heißt, die Fabriken müssen sich sehr um die Beschäftigten bemühen und inzwischen sogar Prämien zahlen, wenn sie länger als drei Monate bleiben.“

Immobilienmief und Gendermief

unna

Soeben aus der kleinstädtischen Pampa zurückgekehrt, wirkt eben dieselbe dergestalt, dass der Medienblasenhype um dieses oder jenes wirkungslos an mir vorüberzieht, derweilen ich gewohnt eklektizistisch hier und dort die vermeintlichen Neuigkeiten konsumiere.

– Spannend ist natürlich der chinesische Immobilienmarkt, dessen Rumpeln und Pumpeln uns naturgemäß zu der Frage leitet, ob der Staatskapitalismus besser mit dem tendenziellen Fall der Profitrate klarkäme oder ob niemand weiß, ob auch dort die Blasen platzen.

– Die Berliner Initiative, bestimmte Wohnungskonzerne zu enteignen, was bekanntlich löblich und nützlich und im Sinne des Grundgesetzes und auch des höheren Ganzen ist, gerät immer mehr ins Sektenmilieu. Zitate aus dem Tagesspiegel dazu (Paywall):
Ein Mitstreiter beklagt in einer internen E-Mail, die dem Tagesspiegel vorliegt, „dass die Kampagne ein Problem mit einer autoritär agierenden Polit-Sekte hat“, deren Anhänger nicht zu geplanten Gesprächen mit dem Senat gehen sollten: Zementiere die IL ihren Einfluss in „Deutsche Wohnen & Co. enteignen„, schreibt der Aktivist, würde dies „nicht nur die demokratische Kultur nach innen weiter beschädigen, sondern auch die Kampagne nach außen delegitimieren“. (…)

Die erwähnte Ex-Aktivistin, die sich selbst als Marxistin bezeichnet, sagte dem Tagesspiegel: Die IL sei keine linksradikale, schon gar keine sozialistische Organisation. Sie rekrutiere sich aus Wohngemeinschaften in der Innenstadt und werde von „Genderfanatikern und Völkerkundlern“ dominiert. Auch die Debatten in der Kampagne drehten sich oft um sexuelle Orientierung und Hautfarbe, weniger um Mieten und Lohnarbeit. (…)

Die IL-Vertreter versuchten „Sprachgebote“ durchzusetzen, schreibt der eingangs erwähnte Aktivist. Weil er vorgeschlagen habe, in Gesprächen mit potenziellen Unterstützern der Kampagne „etwas softer zu gendern“, also alltagstauglicher zu sprechen, sei er isoliert worden.

Dazu muss man nichts mehr sagen. Wenn es nicht gelingt, das pseudolinke identitäre kleinbürgerliche Pack zu isolieren, ist die ganze Sache dem Untergang geweiht. Schade. Merke: Wo gegendert wird, ist die esoterische Politsektiererei nicht weit.

– Was ist, wenn die Franzosen sich per Abstimmung dafür aussprächen, die Immigration zu zügeln bzw. andere Regeln zu erlassen als die Deutschen (falls man hierzulande von Regeln reden kann)?

– Telepolis schreibt über die eigene Zukunft, den „Zwang zur Konformität“ und die Regeln, wer schreiben darf und wer nicht. Lesenswert.

– Zum Erholen vom Mief hier unten gibt es dort auch noch einen Ausblick auf das ambitionierte chinesische Raumfahrtprogramm.

unna

Deutsch und einig

deutsche Einheit
Credits: Tagesspiegel

Das ganze Dilemma der „Linken“ kann in diesem Schaubild zusammengefasst werden: Diejenigen, für die die „Linke“ die Lobby sein sollte, wählen sie nicht. Doppelt so viele arme Wähler wie die der Linken haben die AfD vorgezogen.

Die Mehrheit des linksidentitären Milieus (Diversity, Genderitis) wird die angeblichen „Rechten“ verachten und froh sein, dass sie sich mit denen nicht mehr befassen müssen, inklusive der gesamten Partei-Schickerei (was meint: die sich in einer moralisch höherwertigen Position wähnen).

Mein Vorschlag, mit dem Holzhammer vorgetragen: Allen Mitgliedern der „Linken“ wird für ein Jahr verboten, Gendersprache oder folgende Wörter zu benutzen:
– Klima
– Flüchtlinge
– divers
– nachhaltig
– „gute Arbeit“
– „gerechte Löhne“
– fair (in Kombination mit einem anderen Wort)
– „Spaltung überwinden“
– „gut aufgestellt“
– einkommensschwach
– Arbeitnehmer
– Energiewende.

Was? Dann bleibt nichts mehr übrig? Muss erst Paul Levi wieder zum Leben erweckt werden, um zu erfahren, was „links“ bedeuten könnte?

Ferner: Die „Linke“ informiert sich beim Marxisten Pedro Castillo, wie man Wahlen gewinnt und übernimmt dessen Positionen zum Thema „Einwanderung“.

Wollte ihr alles nicht? Was zu beweisen war. Wir treffen uns das nächste Mal unter der Fünf-Prozent-Hürde. I told you so.

Islamischer, rechter und linker Querfront-Antisemitismus

Sehr informativer, aber auch sehr langer Artikel Michael Blumes auf SciLogs über Antisemitismus mit Fakten, die ich bisher auch nicht kannte. Lesenswert!

Die simple Wahrheit ist, dass sich der Islam ebenso wie das (…) Christentum sowohl judenfreundlich wie judenfeindlich, sowohl semitisch wie antisemitisch auslegen lassen. (…) das Fazit, dass sich Antisemitismus nur dann glaubwürdig bekämpfen lässt, wenn dabei „jeder“ Antisemitismus entschieden angegangen wird. Wer bei Einheimischen oder Zugewanderten, bei Rechts- oder Linksextremen, bei Nichtreligiösen oder Religiösen, bei Christen oder Muslimen, bei einseitigen „Israelkritikern“, islamfeindlichen Ethnonationalisten oder jungen Klimaschützer gar nicht so genau hinschauen will, handelt sowohl gegenüber jüdischen Menschen wie auch gegenüber den Verschwörungsgläubigen und schließlich gegenüber sich selbst schwach und niederträchtig.

Failed State

Das ist schon peinlich – Deutschland sinkt, wenn es irgendwie digital werden soll, auf das Niveau der so genannten „Dritten Welt“ hinab. Charlottenburg-Wilmersdorf veröffentlicht Schätzungen statt Wahlergebnisse. Warum? „Wie wirklich gewählt wurde, sei noch nicht bekannt“. Wie lange ist die Wahl jetzt her? Das kann ja sogar Putin besser.

Rio Hondo, revisited

rio Hondo

Den Ort hatte ich vor drei Jahren schon beschrieben: Grenze zwischen Mexiko und Belize am Rio Hondo, nordöstlich der Höfe der mennonitischen Bauern in Tres Leguas, bei denen ich 1979 ein paar Tage gewohnt habe. Auf der anderen Seite ist Mexiko. Und einer der kleinen Kerle tauchte vor neun Jahren hier schon einmal auf.

Die Geschichte hinter dem Foto ist kompliziert. Am 28.09.1979 standen wir in Cuauhtémoc im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua auf dem Bahnhof, der eigentlich keiner war, sondern nur aus ein paar Geleisen bestand. So etwas kannte ich noch nicht. Wir wollten mit der Ferrocarril Chihuahua al Pacífico an die Pazifikküste. Ein älterer Mennonite sprach uns an; er hatte offenbar gehört, dass wir uns auf Deutsch unterhielten. Er lud uns ein. Von ihm bekamen wir die Adresse seine Sohnes in Belize. Der Mann hieß Aaron Redekop. Seine Vorfahren stammten aus Russland, vermutlich war David Redekop sein Vater. (1982 war ich noch einmal bei ihm und seiner Frau.)

Am 21.10.1979 überquerten wir die Grenze zwischen Mexiko und Belize. Aus meinem Reisetagebuch:
„Mit ordinario zur Grenze. Kein Trouble, auch nicht mit den Grenzern in Belize. Chetumal [Mexiko] ist ein verschlafenes Nest, fast nur Schwarze. Trampen nach Corozal [Belize]. Tauschen Geld. An der Wand einer Kneipe das Schild: „Beautify America – eat a Redneck„. Trampen von Corozal nach Orange Walk. Leute sehr freundlich, sprechen fast alle nur Spanisch.

Von Orange Walk nach Yo Creek, nur ein paar Hütten. Ein Mennonite nimmt uns mit dem Pickup mit nach Blue Creek und setzt und vor dem Haus von Redekops ab.“

Jetzt muss ich vorgreifen. Blue Creek gibt es nicht mehr, auf der Karte sieht man noch, dass die Gegend besiedelt war. Damals waren dort einzelne Gehöfte, keine geschlossene Siedlung, alle in Sichtweite eines anderen. 1982 erfuhr ich, dass der Hof des jungen Redekop von Mexikanern angesteckt und seine Familie vertrieben worden war – die Redekops kehrten wieder nach Mexiko zurück. Der Grund: Die Mennoniten zerstörten die Felder der Mexikaner (aus Belize), die an der Grenze Marihuana anbauten. Es gab wohl einen Kleinkrieg, den die Mennoniten verloren. Fast alle weigern sich ohnehin, Militärdienst zu leisten. Sie sind eigentlich friedliche und fromme Leute.

War standen vor dem Hof, der nur aus einem Haus und einigen Nebengebäuden bestand und hatte nur den Zettel mit dem Namen. Ein ziemlich attraktive blonde Frau (die oben auf dem Foto) kam mit einem Gewehr heraus und zielte auf uns und fragte, was wir wollten. Als wir auf Deutsch antworteten, ließ sie das Gewehr sinken und bat uns herein. Ihr Mann (oben) kam später von der Feldarbeit und staunte über den Besuch, war aber sehr neugierig, was wir zu erzählen hatten.

Viel interessanter war das, was wir über das Leben dort erfuhren.

Mann und Frau hatten klar zugewiesene Rollen. Wenn er am Tisch saß, rief er seine Frau aus dem Garten, um ihm Kaffee einzuschütten. Alles im Haus kommandierte sie. Alles draußen regelte er. Die Mennoniten war nicht viele und eine verschworene Gemeinschaft mit harten und klaren Regeln. Ich kann mich heute noch an die Geschichten erinnern, die wir abends, wenn wir draußen unter dem Sternenhimmel zusammensaßen, zu hören bekamen. Die Mennoniten sprachen Plautdietsch, was nicht immer einfach zu verstehen war, gemischt mit „modernen“ deutschen Wörtern.

„Wenn der Jakob seine Frau prügelt, dann wissen das ein paar Tage später alle. Und wenn der Jakob dann unterwegs ist, dann lauern ihm der Aaron und der Josef und der Matthias mit dem Ochsenziemer und zeigen ihm, wie sich ein Mann zu benehmen hat. Der Jakob schlägt seine Frau nie mehr.“

Einer hatte es gewagt, eine Mexikanerin zu heiraten – eine Katholikin! Er durfte sich bei den Mennoniten nicht mehr blicken lassen. Die Alten sind alle Pazifisten. Manche fahren noch mit Pferd und Wagen und halten Traktoren für Teufelszeug. Der junge Redekop ist aus der Art geschlagen, war sogar bei der US-Armee, und hat deswegen vermutlich Stress mit seinem Vater.

Was müssen diese Leute wissen, um in der Wildnis zu überleben? In der Schule lernt man das nicht. Redekop war von einer Schlange gebissen worden – auf dem Foto sieht man noch den Verband. Sein Rezept: Man muss die Schlange zuerst töten. Dann nimmt man ein Messer und schneidet den Biss kreuzförmig auf (das hatte er selbst gemacht). Dann bestreicht man die Wunde mit roter Wagenschmiere. Dann spricht man ein Gebet und denkt nicht mehr an die Wunde. Es schien zu funktionieren.

Dieser Menschenschlag würde hier nicht immer auf Sympathie stoßen. Mennoniten sind eine Art erzkonservativer Calvinisten. Sie arbeiten eigentlich immer, wenn sie nicht schlafen. Der Mexikaner an sich ist genau das Gegenteil. Und das sagen die Mennoniten auch unverblümt. Redekop hatte ein paar Knechte, die aus Mexiko stammten. Wenn die Sonne unterging, spendete ein Generator noch Strom. Am ersten Abend war er kaputt, und die Mexikaner fummelten lange erfolglos daran herum. Sie kriegten auch die Kurbel nicht richtig in Schwung. Der junge Redekop sah sich das nicht lange an, scheuchte sie zur Seite und bekam das Gerät mit nur seinem gesunden Arm zum Laufen. Es war sonnenklar, wer die dicksten Cojones hatte der Boss war.

Am Sonntag zieht man keine Jogging-Hose an, sondern das beste Zeug, was man hat. Am Sonntag wird auch nicht gearbeitet. Einmal im Monat treffen sich alle Mennoniten zu einem Fest – da wird ausgeguckt, welcher Hans welche Grete kriegen soll. Wir machten eine Fahrt mit dem Pickup zum Rio Hondo – dort ist das Foto am 21.10.1979 entstanden.

Aus meinem Reisetagebuch:
Essen echt deutsch, viel Fleisch. Toronjas. Zitronen fürchterlich sauer, Pampelmusen sehr süß. Wagenschmiere und Alkohol helfen auch gegen Mücken, warme Milch gegen Vergiftungen. Spazierfahrt zum Blue Creek [gemeint ist der Rio Hondo].

Mittags zeigt uns Redekop sein neues Haus, etwas windschief. Er hat jede Menge Maya-Scherben gefunden. Fast direkt unter dem Hause ist eine ziemlich größe Höhlung, die er irgendwann ausgraben will. Abends Schnack über Gott und die Welt. Redekop begreift nicht, dass in Deutschland nicht alle Farmer werden wollen. Seine Kinder würden gegen Russland [gemeint war die Sowjetunion] in den Krieg ziehen. Er sei früher Scharfschütze mit einer 44er Magnum gewesen. Er sagt, was die Frau tun soll.“

Das ist eine unauffällige Äußerung

wählerwanderung

Die „Linke“ hat rund 100.000 Wähler an die AfD verloren. Was lehrt uns das jetzt? Sind die froh, dass die diese Leute los sind? Das würde ich der Partei, die nicht recht hat, zutrauen: Freiwillig auf relevante Wählerschichten zu verzichten. Das war 2017 nicht anders. Man hat rund eine Million nach rechts verloren. Was kann man da tun? Noch mehr Identitätscheißpolik! Noch mehr Gendersprache! Noch mehr das Thema „Grenzen auf für alle“ wie eine Monstranz vor sich her tragen! (Vorsicht! Ironie!)

Ich hoffe nichts. Wenn es eine parteiinterne Revolution gäbe, müsste man die Leute, die bisher nur die Grünen imitieren wollten (Echo: Klima! Klima!), rauswerfen oder ihnen das Maul verbieten. Eine wahrhafte Linke kann nur die gesellschaftlichen Strömungen widerspiegeln, die es real gibt – wie etwa in Peru. In Deutschland existieren soziale Bewegungen, die diesen Namen verdienen, nicht, nur Kinderkacke mit reaktionären Mädchen aus reichen Elternhäusern, die sich „fortschrittlich“ fühlen, die aber dann doch die Liberalen wählen, weil ihr Klasseninstinkt funktioniert.

wählerwanderung

„Die Linkspartei verbucht ausschließlich Verluste. Sie gibt Wähler an alle anderen Parteien ab, besonders viele an die SPD, die Grünen und die kleineren Parteien. Ehemalige Linken-Wähler sahen außerdem besonders häufig keine Alternative mehr für sich im Spektrum und wurden zu Nichtwählern.“

Ich fühle mich angesprochen. Übrigens – ruft da jemand im Hintergrund Wagenknecht (Link geht zu Facebook)? Dann rufe ich zurück: Erst mal ein sehr langes Praktikum im Kibbuz machen und den Antisemitismus exorzieren!

Übrigens: Wann treten Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow zurück? Frage für einen Freund.

Harambee oder: Tu felix Austria

KPÖ

Die Stärkste der Parteien ist in Teilen Österreichs eine andere als in Deutschland.

Wenn die Wagenknecht jetzt nicht den Laden übernimmt, ist „die Linke“ erledigt. Für die alten und neuen bürgerlichen Parteien gilt jetzt das bekannte Motto: Harambee! Der Scholz wird sich vielleicht unerwartet in der Opposition wiederfinden. Das müsste er von Schmidt und Brandt kennen.

Nach der Wahl ist vor der Wahl [Update]

RichardplatzRichardplatzRichardplatzRichardplatzBalkonien

Alles ganz entspannt hier nach dem Wählen. Ich bin mir nicht sicher, aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich schon einmal Security vor Wahllokalen gesehen habe. Seit mehr als zehn Jahren war ich immer Leiter eines Wahllokals, aber in diesem Jahr hatte ich keine Lust…

[Update] „Laschet nicht zufrieden, will aber Regierung bilden“. I told you so.

Hoch gerechnet

hochrechnung

Gut, es ging schon rund, dass die ARD schon eine Hochrechnung für 17.45 Uhr kurz durchjagte. So etwas wäre bei Putin nicht passiert. Ach ja, alles war nur ein Test. Natürlich.

Das Ergebnis sieht aber so aus, als hätte ich persönlich eine Prognose abgegeben: CDU und SPD gleichauf, weil im letzten Moment noch viele von der FDP wieder zurückkommen, die Liberalen also kleiner geschrumpelt, die Salonfaschisten dümpeln vor sich hin, die „Linke“ kratzt an der Fünf-Prozent-Hürde und die Grünen sind bei ungefähr 15 Prozent. Alles andere würde mich doch sehr überraschen.

Unter Heuchlerinnen

machine gun

Wir Die Grüninnen wissen, dass Maschinenpistolen gefährlich sind. Wir wissen auch, dass Frauen mit Knarren – werbetechnisch gesehen – besser wirken als Männer (hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier [adult check!]).

Vermutlich war das einer der Gründe, warum die obigen Grünin aus München so posiert. Bei denen ist es bekanntlich so, dass nicht die Qualifikation bei Kandidaten entscheidet, sondern identitäre Merkmale, wie etwa hier der ausländisch klingende Name. Wer Rashid oder Mohamed Ali heißt, siegt immer über Mandy oder Gisela. Das nennt man dann Vielfalt, und das ist – ganz richtig gesagt – ein Generalangriff auf die Linke (der natürlich von den Grüninnen und anderen Kapitalismus-Repariererglottisschlaginnen unterstützt wird).

Hier kommt hinzu, dass, wo Nationalismus im Spiel ist, immer auch Bullshit-Bingo vom Allerfeinsten naht. Das merkwürdige Faible aller Pseudolinken der buntscheckigsten Art – von Schottland, Lateinamerika bis „Kurdistan“ – besteht darin, das Völkische über die Klassenfrage zu stellen. Das geht seit der Gesellschaft für bedrohte Völker fast immer schief, auch wenn man es genau so oft gut meint. Im Hintergrund lauert ein reaktionärer Rousseauscher Romantizismus (ich konnte dem Stabreim einfach nicht widerstehen), der das vermeintliche „Natürliche“ schützen will, aka kleinbürgerliche Kapitalismuskritik. Die Yanomami sind genausowenig „natürlich“ wie die mit Waffen posierenden weiblichen Peschmerga die Speerspitze der Weltrevolution sind. (Wären wir jetzt hier auf Fratzenbuch, würden mich wieder viele „entfreunden“. Das passiert immer, wenn ich Robbenbabys töte, die heiligen Sprechblasen des linksgefühlten Milieus durchsteche. Irgendwie schweife ich gerade ab – das ist immer so, wenn ich mich aufrege und/oder nicht „am Stück“ posten schreiben kann.)

Was also will mir die Künstlerin mit dem Foto sagen? Freude, am Drücker zu sein, kann es nicht sein, das hätte sie privat machen können. Pazifismus ist schlecht? Dann sollte sie die Arbeiterklasse der Rüstungsindustrie unterstützen und nicht fordern, diese abzuschaffen. Sie unterstützt die Nationalstaaterei dort, wo sich die Warlords untereinander bekriegen? Oder ist die einfach nur – was immer am wahrcheinlichsten ist – dämlich? Das leitet über zu einem ähnlichen Thema:

nablus

Die erzkonservative Jüdische Rundschau schreibt auf Fratzenbuch: „Falls die Großmutter der anti-israelischen Journalistin Nemi El-Hassan tatsächlich aus Nablus vertrieben wurde, so geschah dies sicherlich nicht durch Israel. Haben etwa die arabischen Jordanier die ebenfalls arabischen „Palästinenser“ vertrieben? Fragen über Fragen – 4.231 Menschen, darunter der ebenfalls anti-israelische Journalist Malcolm Ohanwe, haben sich entschlossen, diese Fragen nicht zu stellen.“

Arye Sharuz Shalicar meint ebenfalls auf Fratzenbuch: „Nemi el-Hassan ist im Endeffekt auch nur ein Opfer. Warum? Weil sie von ihren Eltern, Grosseltern und radikal-antisemitischen Teilen ihrer Community vollgepumpt wurde mit Lügen und Hass über die Juden und Israel. Die perfekte Veranschaulichung hat Nemi uns mit diesem im Mai von ihr veröffentlichtem insta-post geliefert. Sie erzählt davon, wie ihre palästinensische Grossmutter angeblich (von den Juden) aus Nablus vertrieben wurde. Doch Nablus wurde im Unabhängigkeitskrieg 1948 nicht von den Juden, sondern den arabisch-muslimischen Jordaniern eingenommen [das fehlt natürlich im deutschen Wikipedia].

Das traurige an der ganzen Geschichte ist, dass nicht nur Nemi ihr ganzes Leben auf Lügen und Hass aufgebaut zu haben scheint, sondern Tausende Menschen, die ihren insta-post geliked haben, ihrer verfälschten Darstellung der Geschichte Glauben geschenkt haben [auch deutsche Medien – das überrascht nicht] und wieder einmal antisemitischer Propaganda auf den Leim gegangen sind.“

Alles richtig, aber ich glaube nicht daran, dass sie „Opfer“ ist. Wer nicht oder falsch informiert wird, kann sich selbst sachkundig machen. Man muss auch nicht den Quatsch, den man von der eigenen Familie hört, nachplappern. Wäre das so, verehrte ich immer noch auf eine exzentrische Art höhere Wesen.

Aber ich fange schon wieder an mich aufzuregen….

Soziale Blabla

soziale Gerechtigkeit

Manchmal kann man Textbausteine des politischen Bullshits schon weit weitem riechen erkennen. Ein Indikator: zwei Wörter, die sich ursprünglich fremd waren, sind so verklebt, dass die Kombination beider von allen immer öfter dahergefaselt wird, bis eines ohne das andere gar nicht mehr lebensfähig zu sein scheint. Beispiel: Farbe bekennen oder Gesicht zeigen.

Soziale Gerechtigkeit. Jetzt holen wir tief Luft und lassen das auf uns wirken. Wörter, die auf -keit enden, sind, spräche und schriebe man gutes Deutsch, generell des Blähens und sinnentleerten Furzens verdächtig. Oft hilft auch die Probe auf’s Gegenteil: Asoziale Ungerechtigkeit? Oder soziale Ungerechtigkeit? Oder asoziale Ungerechtigkeit? Irgendwas ist doch hier faul.

Ich diskutierte gestern beim von mir selbst zubereiteten Schweinefleisch süß-sauer (welchselbiges stilvoll und mit Stäbchen zu verzehren ist), mit einem Freund aus der Branche meines Erstberufes, was eventuell zu wählen sei. Er meinte, die „Linke“ stünde für „soziale Gerechtigkeit“, was, so meinte ich den Unterton richtig zu deuten, doch positiv sei.

Ich weiß gar nicht, auch nur annähernd, was das sein könnte. Was ist im Kapitalismus „gerecht“? Das hört sich nach Moral an, für die die Pfaffen zuständig sind, die aber in der Ökonomie gar nichts zu suchen hat. Darf ich jemand gerecht ausbeuten, Mehrwert, Profit, gar Surplusprofit erwirtschaften?

Der Lohn ist auch nicht gerecht, das geht gar nicht, da er das Ergebnis des Klassenkampfes zwischen Arbeit und Kapital ist.

Und „sozial“? Da musste ich investigativ recherchieren: „die Gesellschaft und besonders ihre ökonomische und politische Struktur betreffend“. Ach?! die Gesellschaft und besonders ihre ökonomische und politische Struktur betreffende Gerechtigkeit? Wir versprechen allen das Blaue vom Himmel, zum Beispiel gleiche Chancen, einen Arbeitsplatz zu bekommen, jeder darf sich bilden und irrig hoffen, damit seit der Aufstieg garantiert? Das ist doch alles Quatsch mit Soße.

Ich verdächtige die Pseudolinken, die etwas „sozial gerecht“ machen wollen, des totalen Unwissens über Ökonomie und deren Gesetze. Die lesen vermutlich Marx auch nicht mehr. Wo kämen wir denn da hin? Dann müsste man irgendwann das K-Wort wieder in den Mund nehmen. Das geht bekanntlich gar nicht. Was würde dann die bürgerliche Presse gegen die Linken hetzen würden dann die Medien schreiben?

Inhalte überwinden!

umfragen
Ich wollte das Publikum nur verwirren und die Saat des Misstrauens in eure Seelen säen.

Ich habe in den letzten Tagen mit Freunden natürlich auch über die anstehenden Wahlen debattiert. Ich bleibe bei meiner Prognose, dass vermutlich Laschet Kanzler werden wird, ob in diesem Jahr oder im nächsten Frühjahr, kann offen bleiben.

Ich stelle mir das Szenario vor, dass die SPD knapp vorn liegt. Was dann? An Stelle Laschets würde ich der SPD dann mitteilen, dass Scholz sich abschminken könne, Kanzler zu werden, weil die CDU den Grünen und der FDP eine Koalition anböte. In dieser Konstellation wäre die CDU stärkste Partei und würde den Regierungsschef stellen. Sowohl die Grünen als auch die FDP sind geil darauf, ihre Klientel mit Ministerposten auszustatten, und würden sich nur wenig zieren. Es geht doch nie um Inhalte. Wer das glaubt, ist naiv.

Scholz hat die Option nicht: Für die die FDP ist die Alternative, zusammen mit der CDU zu regieren, wesentlich attraktiver, da ein angeschlagener Laschet wesentlich nachgiebiger gegenüber dem wäre, was Lindner in Koalitionsverhandlungen fordern wird. Der wäre ja mit dem Klammerbeutel gepudert, würde er mit der SPD und den Grünen zusammengehen. Seiner politiischen Peer Group könnte er das auch schwer verkaufen.

Rot-Rot-Grün wird rechnerisch nicht möglich sein, darauf wette ich auch. Ich bin aber leider kein waschechter Prophet, sonst würde ich Lotto spielen. Aber immerhin habe ich auch beim Duell zwischen Clinton und Trump recht behalten.

Deutlich vorn geschrumpft

qualitätsmedien

Diejenigen, die im ersten Wahlgang nicht für den alten und neuen CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt gestimmt hatten, werden in den Qualitätsmedien als „Abweichler“ tituliert. Das lässt ja tief blicken. Von welcher Linie wichen die denn ab? Nur mal so zwischendurch: Abgeordnete unterliegen in Deutschland keinem Fraktionszwang, sondern sind gemäß Art. 38 Grundgesetz „an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen“.

Was haben wir noch – neben den Nebentätigkeiten der geldgeilen Parlamentarier? (Was für ein Wort: „Nebentätigkeit“! Da müsste ich mal drüber nachdenken.)

Aus der Rubrik „nützliches Wissen“: Masturbation ist bei Männern eine gute Vorsorge gegen Prostatakrebs. According to science: „Über die genaue Ursache der schützenden Wirkung von Selbstbefriedigung können Giles und seine Kollegen jedoch nur Vermutungen anstellen. So wäre möglich, dass mit dem Ejakulat auch krebserregende Verbindungen den Körper verlassen.“ Ouch. Das spräche wieder gegen Fellatio aka Blowjob.

Dann haben wir noch die Scripted Reality der Anstalten. Dazu wollte ich eigentlich Brüste posten, weil „Aktivistinnen“ bei solchen Anlässen gern dieselben herzeigen. Aber nicht Lifestyle-Linke in Deutschland. Leider.

fellatio

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Die Wüste lebt nicht, und die Religiotinnen mal wieder [Update]

Tahari by night
Tahari in der Abenddämmerung, Second Life, Symbolbild für alles

Nein, damit das klar ist: Nemi El-Hassan in Deutsche. Und alles entgleist angeblich schon wieder. Ach herrje. Die üblichen Verdächtigen kommen aus den Löchern und suchen nach „Islamophobie“, damit sie nicht diskutieren müssen.

„Sie entschied sich im Alter von 17 Jahren aktiv dazu, in ihrem Alltag einen Hidschab, eine Form des muslimischen Kopftuchs, bei dem nur das Gesicht zu sehen und auch der Hals bedeckt ist, zu tragen“, liest man auf Wikipedia. Danach würde ich mich für die Dame schon gar nicht mehr interessieren. Aber Religioten toppen sich immer selbst. Sie „hatte 2014 an der israelfeindlichen Al-Kuds-Demonstration und weiteren Demonstrationen teilgenommen“. „Israelfeindlich“ – ja, das auch, antisemitisch in das richtige Wort. Wer da mitläuft, will Israel auslöschen, so hatte der Iran in Gestalt des Oberpfaffen Ajatollah Ruhollah Chomeini proklamiert. Ich weiß nicht, was es da beim WDR zu diskutieren gibt.

„Patrick Bahners von der FAZ schrieb auf Twitter, meine Kritik an Nemi El-Hassan sei ein Beweis für meine Islamfeindlichkeit“, schreibt Ahmad Mansour in der Zeit.

Mich nervt das „Sich-distanzieren-Getue“, das so sicher kommt wie das Amen in der Kirche. Ich habe bekanntlich in dem Alter ziemlich viel Unsinn geredet, und auch noch mit Ende zwanzig. Ich würde mich aber nie von irgendetwas „distanzieren“, etwa dem Maoismus, wie man das nennt. Man sollte, falls man die Irrtümer anderer Zeiten erkennt, sich selbst erklären, warum man so war, tat und dachte. Und mit wem man sich umgab.

Nemi El-Hassan

Keine weiteren Fragen, euer Ehren.

Ich lese jetzt doch lieber etwas über Debattenkultur:
Besonders irritiert zeigen sich die Autoren über den mangelnden Respekt für elementare Grundrechte, den manche Studenten während der Befragung offenbarten. So erklärten Vertreter der Union Syndicale, die Unschuldsvermutung sei ein Werkzeug der Klassenjustiz. Nur die Stimme der Opfer dürfe zählen, und wer Opfer angreife, müsse sofort bestraft werden.

Dieses Dogma erklärt auch, weshalb es zwischen linksidentitären Ideologen und Islamisten eine geistige Komplizenschaft gibt, die man in Frankreich «islamogauchisme» nennt.

Was bin ich froh, dass ich mich mit so einem Pack nicht herumschlagen muss.

[Update] Nicht die allerbeste Quelle, aber Cicero hat etwas dazu: „Rassismus auf Kosten der Gebührenzahler“. „Divers“ und „Vielfalt“ über alles – dafür nimmt man beim WDR offenbar Antisemitismus und Judenhass in Kauf.

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