Impfpflichtdurchsetzungsgesetz und Klarnamendurchsetzungsgesetz

Das hiesige Publikum riet mir, um den Abschaum im Internet anzutreffen, Twitter aufzusuchen. O mein höheres Wesen – da schwillt einem die Gülle gleich kubikhektorliterweise entgegen. Man muss nur nach #impfpflicht suchen. Das halte ich nicht aus, und schon gar nicht an einem freien Wochenende.
Ich habe da aber mal ein paar Fragen. Wie wollen „die“ eigentlich feststellen, wer geimpft ist, wenn das Impfpflichtdurchsetzungsgesetz in Kraft tritt? Es gibt keine Zentrale, sondern alles machen wieder die Länder. Die erhobenen Daten sind auch nicht personenbezogen. Das RKI bekommt die Daten aber nicht direkt, sondern über die Bundesdruckerei (WTF?) Außerdem ist unstrittig, dass die Daten nicht stimmen.

Die Unternehmen müssen sich also selbst kümmern. Nehmen wir das Sicherheitsgewerbe. Zufällig kenne ich mich ein bisschen in der Praxis aus. Es herrscht extreme Personalnot für Jobs, die mehr verlangen, als eine Mauer zu bewachen, und das schon seit Jahren. Auch die Löhne sind nicht mehr so extrem niedrig wie noch vor einem Jahrzehnt. Das Problem: Die Jobs müssen besetzt werden – wenn jemand ausfällt, muss jemand anderes einspringen. Die Impfquote ziemlich niedrig, weil der Anteil der Idioten hoch ist. Was soll ein Unternehmen also machen? Zwingen kann eine Firma niemanden, aber in manchen Objekten dürfen Ungeimpfte nicht mehr arbeiten. Und wer soll das alles kontrollieren – und wie? Wer sich schlecht behandelt fühlt, kann sich auch krankschreiben lassen. Wenn ein Angestellter ausfällt und eine Schicht nicht besetzt werden kann, müssen Sicherheitsfirmen dem Auftraggeber Strafe zahlen, und noch mehr: Eine Brandmelde- oder Alarmanlage kann man nicht einfach acht Stunden sich selbst überlassen. Ich gehe davon aus, dass mindestens drei Augen zugedrückt werden. Und wenn man sich erst die kleinen Sicherheitsklitschen ansieht, bei denen weder Dienstuniformen vorhanden sind noch Mitarbeiter, die einen korrekten deutschen Satz formulieren können, dann weiß man, was man bekommt.

And now to something similar. (Rainer Wendt – das ist übrigens der mit den virtuellen Streifenfahrten.) Unsere Qualitätsmedien schreiben oft: Klarnamenpflicht im „Netz“ sei gefordert worden. Das möchte ich im IRC oder Usenet mal sehen. Die, die so etwas herumtönen, haben keine Ahnung, und davon ganz viel. Wenn ich mir anschaue, mit wie vielen Fake-Profilen ich täglich in den sozialen Medien konfrontiert werden – von Porno-Spam bis zu „Klarnamen“, denen man auf den ersten Blick ansieht, dass sie frei erfunden sind…
Alles Bullshit-Bingo.
Burks.de kann man übrigens abschalten, wenn ich zu viele Hassreden schwinge.
Harmful Social Consequences

Spermaschmuggler in der Karibik (Symbolbild)
Zuerst wollte ich etwas über Spermaschmuggler schreiben, aber das funktionierte nicht, weil ich weinend auf meinem Schemel saß: Fast vierzig Personen hatten mich auf Fratzenbuch „entfreundet“. Ich hatte gepostet: „Annalena Baerbock wird vermutlich die schlechteste Außenministerin seit Joachim von Ribbentrop werden.“
„Entfreunden“ – das schmerzt unsäglich. Als ich mich wieder beruhigt hatte, las ich Henryk M. Broder (Paywall), dass das Amt an sich völlig überflüssig sei und ohnehin der Kanzler die Außenpolitik bestimme. Als Außenminister ist Baerbock eine Art Briefbote. Sie kann nicht viel Unheil anrichten. Stimmt: Diplomatische Verstimmungen könnte man auch faxen.
Der Guardian berichtet über regierungsamtliches „Entfreunden“ in SüdKorea: The government invests heavily to remove human contact from many aspects of life but fears of harmful social consequences persist. Mir wäre es auch lieber, wenn eine freundliche Roboterin den Kaffee brächte, falls dieser gut schmeckte, oder wenn diese silikonisch aussähe.
Indien hat COVID-19 fast besiegt: Studien zeigen, dass die Mehrheit der 1,4 Milliarden Menschen im Land bereits Antikörper gegen das Coronavirus entwickelt hat. Der Virologe Jacob John, emeritierter Professor am Christian Medical College im südindischen Vellore, ist überzeugt, dass Indien als erstes Land der Welt die Pandemie besiegt hat und in die „endemische Phase“ übergegangen ist. „Dieser Zustand ist erreicht, wenn sich die Neuinfektionen auf einem niedrigen Niveau stabilisieren“, sagt John. Und genau an diesem Punkt befindet sich Indien jetzt.
Die Gründe kann man sich denken: Demografie, vorhandene Infrastruktur, was Impfen angeht, eigener Impfstoff, der nicht unzählige bürokratische Hürden überspringen musste, um eingesetzt zu werden.
[Einschub: Ich habe es aufgegeben, die deutschen Qualitätsmedien zu mahnen, dass man Links ins Internet setzen könne. Es ist zwecklos, und ich bin nicht Don Quichotte. Dann geht doch sterben.]
By the way; Sieben junge Deutsche infizieren sich in Südafrika trotz Dritt-Impfung. Vierte Corona-Impfung rückt näher. Und: Es wird nicht besser werden, weil die Misere des Gesundheitswesens endemisch ist.
Das Ende ist nahe
Die AfD bekommt die Ausschüsse Inneres und Gesundheit im Bundestag, die Globuli- und Glottisschlag-Partei den Bildungsausschuss. Was sagen die Zeugen Jehovas dazu? Wieviele Tage noch bis Armageddon?
It’s never an accident but a Blow Up

Gerade gekauft: Mossad T-Shirt – falls ich mal nach Persien reisen muss.
Manche Geschichten sind so irre, dass sie in einem Filmplot albern wirken würden. Der Mossad hat den Iranern wieder mal die Atomanlagen weggesprengt. „Up to 10 scientists were approached by Israeli agents and agreed to destroy the underground A1000 centrifuge hall at Natanz in April, though they believed that they were working for international dissident groups.“ OK, der Mossad at its best. Aber das ist noch nicht alles:
„Der Komplex ist mit über einem Dutzend Metern Stahlbeton geschützt und deshalb aus der Luft nur schwer zu zerstören. Dem Bericht des »Jewish Chronicle« zufolge umgingen die Agenten die Sicherheitsvorkehrungen, indem sie bereits bei der Errichtung der Anlage als Baumaterial getarnte Sprengvorrichtungen in die Zentrifugenhalle schmuggelten. Die Spione hatten sich offenbar als Baustoffhändler getarnt“, schreibt die Jüdische Allgemeine.
Kann man machen, kann aber nicht jeder. „Andere Spione schmuggeln Explosivstoffe auf einem Catering-Lastwagen in das Gebäude. Ein drittes Team schmuggelt eine zerlegte Drohne in das Land und schießt mit ihr eine Rakete ab.“
Wir haben ja jetzt eine grüne Außenministerin. Und wie allgemein bekannt, tragen Grüninnen gerne Hijab. Die Baerbock könnte doch in den Iran reisen und den Ajatollahs Wind- und Sonnenenergie anpreisen?! So was sprengt der Mossad bestimmt nicht. Aber wer weiß.
Triggern und die Totengräber der Kunst

Olympia von Édouard Manet, 1863
Dazu die NZZ: „In vorauseilender Korrektheit säubern manche Verlage und Autoren ihre Werke von allem potenziell Anstössigen“.
Das Schlimmste verhindern
Nimm dies, Baerbock: „Ein Regierungssprecher bestätigte der WirtschaftsWoche, dass Scholz nach der Bundestagswahl mit Merkel ein Gespräch zu China geführt hat. Einem Insider zufolge soll sie darin Sorge um die künftige Chinapolitik zum Ausdruck gebracht haben. Scholz habe daraufhin Außenminister Heiko Maas in die Koalitionsgespräche geschickt, mit dem Auftrag „das Schlimmste zu verhindern“, heißt es übereinstimmend aus Koalitionskreisen.“
Der lange weltpolitische Atem

So ein Teaser (Paywall) machte mich extrem neugierig: Kishore Mahbubani gilt als einer der klügsten geostrategischen Denker Asiens. Der aus Singapur stammende Ex-Botschafter wirft dem Westen im Gespräch mit Stefan Aust vor, China aus Arroganz falsch eingeschätzt zu haben. Die vergangenen 200 Jahre hält er für einen Unfall der Geschichte.
Beide Herren wollen natürlich auch ihre neuen Bücher bewerben. Kishore Mahbubani veröffentlichte Hat China schon gewonnen?: Chinas Aufstieg zur neuen Supermacht; Stefan Aust schrieb Xi Jinping – der mächtigste Mann der Welt. Es habe bisher keine Biografie XI Jinpings gegeben, was – da muss ich zustimmen – einigermaßen erstaunt.
Kishore Mahbubani: Der Westen nimmt an, das 19. und 20. Jahrhundert sei der Normalzustand gewesen und die 1800 Jahre davor nicht normal. Ich sehe es genau umgekehrt: Die vorherigen 1800 Jahre waren der Normalzustand, mit China und Indien als den beiden führenden Volkswirtschaften der Welt. Die letzten 200 Jahre waren eine Abweichung.
Das trifft sich mit der hier schon – aber noch nicht abschließend – diskutierten Frage, ob nicht der chinesische Weg über den Kapitalismus hinaus derjenige sei, der das Land an die Spitze der „Entwicklung“ stellt und nicht etwas der europäische und russische Weg, der in der orthodoxen marxistischen Diskussion bis zum Zusammenbruch des so genannten „Sozialismus“ dort als solcher angesehen wurde. Im Wettrennen, wer es zuerst bis zum Kapitalismus schaffen würde, geriet China ins Hintertreffen, aber wer zuletzt lacht, bei dem kommt der Kommunismus zuerst. Ich hatte schon Mitterauers „Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs“ erwähnt, der genau diese Frage auch stellt und, wie der Titel suggeriert, ähnlich beanwortet wie Kishore Mahbubani.
Kishore Mahbubani: Die Chinesen haben ihre eigene politische Geschichte, ihre eigenen politischen Traditionen und ihre eigene politische Kultur. Sie wissen, was in China funktioniert und was nicht. Ein gespaltenes Zwei-Parteien-System wie in den USA funktioniert aus ihrer Sicht nicht für China. Ich sage nicht, dass das meine Sicht ist. Aber aus ihrer Sicht beweist die chinesische Geschichte, dass es der Bevölkerung unter einer starken Führung am besten geht, und dass vor allem die sozial gesehen unteren fünfzig Prozent der Bevölkerung leiden, wenn die Führung gespalten ist. Laut einer Studie der Harvard Kennedy School ist die Zustimmung zur Kommunistischen Partei Chinas von 86 Prozent im Jahr 2003 auf 93 Prozent 2016 gestiegen. Warum? Weil sie in den letzten 40 Jahren die beste sozialökonomische Entwicklung ihrer Geschichte hatten. (…)
Die westlichen Länder haben keine formale Zensur, aber eine informelle Zensur. Ich bin gerade aus den USA zurückgekehrt und habe von Studenten dort immer wieder gehört, wie die politische Korrektheit die Meinungsfreiheit einengt. Oder denken Sie an den Fall der britischen Professorin Kathleen Stock, die gerade von ihrem Lehrstuhl zurücktreten musste, weil Transgender-Aktivisten ihre Forschungsergebnisse nicht mochten. Was ist das, wenn nicht Zensur?
Wenn das die Baerbock läse! Aber das tut sie nicht, und sie ist als Grüne sowieso beratungsresistent.
Kishore Mahbubani: China ist in vielerlei Hinsicht der rationalste Akteur auf der internationalen Bühne heute. Es kalkuliert sein nationales Interesse sehr vorsichtig. Doch beim Thema Taiwan ist China kein rationaler Akteur, sondern ein emotionaler. Es ist bereit, einen massiven ökonomischen und militärischen Preis zu zahlen, um Taiwan zu sichern. Auch wenn das zehn Jahre Konjunkturrückgang für China bedeutet, wird China das hinnehmen, wenn seine rote Linie überschritten wird: Taiwan erklärt sich für unabhängig. (…) Darum kann China eine Unabhängigkeit Taiwans nicht akzeptieren – ich garantiere Ihnen zu hundert Prozent, dass China in einem solchen Fall Taiwan den Krieg erklären wird. Sollten die USA dann zugunsten Taiwans eingreifen, könnte das zum Atomkrieg führen. (…)
Doch die Chinesen glauben, der beste Weg, um einen Krieg zu gewinnen, ist ohne Kampf. Als schlaue Kenner der Geopolitik werden sie vorsichtig kalkulieren und wissen: Wenn sie um das Jahr 2030 herum die Wirtschaftsmacht Nummer eins sind, werden sich die anderen Länder ihnen gegenüber fügsamer verhalten. Dann pflücken sie die Frucht Taiwan, wenn sie reif ist. Warum sollten sie sich also beeilen?
Das beantwortet natürlich nicht die für mich spannendste Frage, es ob es im Staatskapitalismus so genannten Sozialismus chinesischer Prägung Klassenkampf gebe und wer da gegen wen kämpft. In der Kulturrevolution wurde diese Frage schon einmal gestellt, mit dem bekannten chaotischen Ausgang. Und wenn man das heute in China fragt, wird man verhaftet.
Es gibt immer die gleichen Indizien: Wenn sich ein Machthaber unsicher fühlt, stellt er sich ikonografisch in die Tradition seiner Vorgänger, die jenseits von Gut und Böse sind. Xi wird zusammen mit Mao verehrt (vgl. Foto oben), für unsere Verhältnisse ziemlich kitschig und lächerlich. Aber unser Geschmack nicht der Maßstab, und die Chinesen sehen das vermutlich nicht so. Als Marxist fragt man sich aber: Warum hat er das nötig? Wem gegenüber möchte er sich rechtfertigen? Ich habe da einen Verdacht – und Bertold Brecht hatte schon eine Lösung.
Beim Schreiben hörte ich übrigens Henri 1 und Henri 2.
Die Lage am Freitag

– Das pseudojournalistische Geschwurbel des Tages kommt vom Tagesspiegel: „Geschlechtergerechte Kriterien sichern Frieden und Nachhaltigkeit.“ Hieß das nicht früher „Krieg ist Frieden“?
– Der designierte Kanzler sagt (via Fefe): „Jetzt geht es um eine klare entschiedene Politik, die dafür sorgt, dass wir tagtäglich die Lage beobachten….“ Mein Vorschlag: „Jetzt geht es um eine klare entschiedene Politik, die dafür sorgt, dass wir tagtäglich burks.de beobachten.“ Kommt ungefähr auf das Gleiche hinaus.
– Wer das alles nicht mehr hören und lesen will – wie ich: Klassenkampf in Indien – auch ein schönes Thema, aber weniger für deutsche Qualitätsmedien. Klassenkampf ist nachhaltig!
– Ein grüner „Experte“ möchte Olympia in China boykottieren. Schon klar: Der Bütikofer ist Mitglied im Deutsch-Chinesische Dialogforum. Boykott ist Dialog!
Wie wir lernten, die grüne Bombe zu lieben
„Solange Kernwaffen im Strategischen Konzept der Nato eine Rolle spielen, hat Deutschland ein Interesse daran, an den strategischen Diskussionen und Planungsprozessen teilzuhaben.“ (Koalitionsvertrag)
Gegen Atomenergie, aber für Atombomber. Wer grün gewählt hat, bekommt es auch. Imperialismus im Sinne der herrschenden Klasse, aber dieses Mal „nachhaltig“ und „ökologisch“.
Kein Weckruf
„Heute vor sechs Jahren ermordeten islamische Djihadisten in Paris 130 Menschen, deren einziges Vergehen es war, das Leben geniessen zu wollen. Denn das Leben geniessen zu wollen, das hassen sie am meisten.
Wer damals gedacht hat, es wäre für den Westen endlich ein Weckruf, der wurde bitter enttäuscht.
Dem Westen sei gesagt: „Ihr müßt noch viel lernen, bevor ihr begreift, welcher Feind euch gegenüber steht.“
Und den Mördern Mohammeds sei gesagt: “ Die Freiheit ist eine Idee; man kann sie nicht erschießen.“ (Net Luke auf Fratzenbuch)
Class background matters

Picture source: Infoshop News
Was sollte die Linke tun? Eine Umfrage in den USA gibt Antworten. (via Fefe)
Working-class voters prefer progressive candidates who focus primarily on bread-and-butter economic issues, and who frame those issues in universal terms. This is especially true outside deep-blue parts of the country. Candidates who prioritized bread-and-butter issues (jobs, health care, the economy), and presented them in plainspoken, universalist rhetoric, performed significantly better than those who had other priorities or used other language. This general pattern was even more dramatic in rural and small-town areas, where Democrats have struggled in recent years.
„Is nich wahr! Drohende Obdachlosigkeit ist den Leuten wichtiger als Gendersternchen? Abwendung der Altersarmut ist dem Wähler wichtiger als paritätische Listenbesetzung? Na sowas!“
Populist, class-based progressive campaign messaging appeals to working-class voters at least as well as mainstream Democratic messaging. Candidates who named elites as a major cause of America’s problems, invoked anger at the status quo, and celebrated the working class were well received among working-class voters — even when tested against more moderate strains of Democratic rhetoric.
Progressives do not need to surrender questions of social justice to win working-class voters, but certain identity-focused rhetoric is a liability. Potentially Democratic working-class voters did not shy away from progressive candidates or candidates who strongly opposed racism. But candidates who framed that opposition in highly specialized, identity-focused language fared significantly worse than candidates who embraced either populist or mainstream language.
„Ach. Ach watt. Leute, die die Miete kaum zusammengekratzt kriegen, haben keinen Bock, sich auch noch wegen „institutionalisiertem Rassismus“ anpöbeln zu lassen? Wer hätte das gedacht!“
Working-class voters prefer working-class candidates. A candidate’s race or gender is not a liability among potentially Democratic working-class voters. However, a candidate’s upper-class background is a major liability. Class background matters.
#beitrittzudänemarkjetzt
Informativer Artikel im Tagesspiegel (leider Paywall, aber ausnahmsweise ohne Gendersprache) über das beste Gesundheitssystem in einem kapitalistischen Staat: „Die erste E-Health-Strategie verabschiedete Dänemark 1999, da nutzten in Deutschland gerade 14 Prozent der Haushalte regelmäßig das Internet. Und die Dänen räumten ihr Gesundheitswesen auch politisch auf. Grob vereinfacht lassen sich beide Staaten so gegenüberstellen: Die Dänen haben eine steuerfinanzierte Staatskrankenkasse, die Deutschen über 100 verschiedene gesetzliche Versicherungen.“
„Vor allem aber laufen Millionen Deutsche jedes Jahr in eine Rettungsstelle, ohne dass sie ein Notfall wären. (…) Seit 1967 haben alle Dänen eine ID-Nummer, eine individuelle Zahlenfolge für den Verkehr mit Ämtern, Banken, Ärzten. (…)
Über Impfstatus, Allergien, Tablettenroutine erfährt ein deutscher Arzt zunächst nichts. Erkenntnisse telefoniert er sukzessive heran und tippt sie in eine klinikeigene Computerakte, die oft nur dem eigenen Krankenhaus und der jeweiligen Kasse nützt. Faxgeräte sind noch in Gebrauch, Röntgenbilder werden oft per Post, zuweilen per Bote verschickt. (…)
Dass Deutsche öfter im Krankenhaus liegen, hat – auch wenn das wenige offen sagen – wohl damit zu tun, wie die Kliniken an ihr Geld kommen. (…) Es gibt Eingriffe, die im Schnitt mehr kosten, als die Kassen zahlen, und solche, die ein Nettoplus einbringen. Diese Eingriffe werden auch dann durchgeführt, so der Vorwurf, wenn sie medizinisch nicht zwingend geboten sind.“
In Norwegen scheint es sogar noch besser zu sein. Die Migrationspolitik könnte Deutschland auch komplett von Dänemark übernehmen.
11. November, revisited
Der heutige Tag, der 9. November, verkörpert wie kein anderer die deutsche Geschichte. Am 9.11.1848 wurde Robert Blum, ein Revolutionär aus Köln und Vizepräsident des Frankfurter Vorparlaments, in Wien erschossen. Blum war während der Märzrevolution 1848 Vertreter des republikanischen Flügels und würde heute von der CDU als „Linksextremist“ diffamiert werden. Man sieht: Die Rechte ist sich immer treu geblieben in Deutschland.
Jedes Schulkind sollte heute etwas von den Novemberpogromen 1938 gehört haben – die größten antisemitischen Ausschreitungen im „Land der Dichter und Denker“ seit dem Mittelalter. 2000 Jahre christlicher Antijudaismus war die Basis, ohne die der organisierte Judenmord nicht denkbar gewesen wäre. Auch das wird gern verschwiegen. Die heutigen Evangelen haben gerade ihre Reformation in der Kirche gefeiert, an deren Mauern noch heute die Judensau zu sehen ist.
Am 9. 11. 1989 fiel die Berliner Mauer. Am 9.11.2001 beschloss der Deutsche Bundestag das Anti-Terror-Paket, in dem unter anderem das Religionsprivileg im Vereinsrecht abgeschafft wird, um das Verbot „islamistischer“ Organisationen zu ermöglichen. Am 9.11.2007 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung. Es scheint, als sei der 9. November ein Schicksalstag, an dem mit großer Wahrscheinlichkeit irgendein Unheil in Deutschland geschieht.
Mein Lieblingsdatum ist aber der 9.11.1918 – die deutsche Revolution. Die scheiterte leider, wie alle Revolutionen in Deutschland. Aber die Guten haben es immerhin versucht. Diese Revolution mag ich besonders, weil sie so gar nicht typisch deutsch ist, außer in ihrem Ende. Ich hätte gern in jenen Tagen gelebt, aber ich wäre vermutlich schnell erschossen worden und könnte daher heute nicht bloggen.
Auf der Website des Deutschen Historischen Museums zum Thema lesen wir: „Am Morgen des 9. November erreichte die Revolution die Reichshauptstadt. Aufgerufen von Revolutionären Obleuten, zumeist dem linken Flügel der USPD nahestehende Vertrauensleute in den Betrieben, traten die Berliner Arbeiter in den Ausstand. Zu Hunderttausenden formierten sie sich zu gewaltigen Demonstrationszügen durch das Zentrum. Ihnen schlossen sich die Soldaten der drei Jägerbataillone an, die zu diesem Zeitpunkt als einzige Truppen in Berlin stationiert waren. Auf Flugblättern bekundeten die Demonstranten ultimativ ihren Willen zum Bruch mit dem monarchischen Obrigkeitsstaat und zu einer umfassenden Neugestaltung der politischen Verhältnisse.“
Die Revolution endete, wie die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser sicher wissen, in der Ermordung der Anführer der Linken, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Es muss unbedingt erwähnt werden, dass die Mörder Liebknechts und Luxemburgs, die namentlich bekannt sind, vor Gericht freigesprochen wurden. Das Urteil wurde vom SPD-Minister Gustav Noske unterschrieben und gebilligt. Man müsste heutige Sozialdemokraten mal fragen, ob sie wissen, wer Noske war und welcher Partei er angehörte.
„Reprint“ vom 09.11.2008
11. November
Rebellion der Heinzelmännchen, die nicht mehr lesen
And now for something completely different.
„Auch Pohrt, von der marxistischen Gesellschaftsanalyse kommend, setzte sich Zeit seines Lebens verlässlich in die linken Nesseln. Er verspottete die Hausbesetzerszene als „Rebellion der Heinzelmännchen“, geißelte Sitzblockaden als „deutschnationale Erweckungsbewegung“ und empfahl Israel auf dem Höhepunkt des zweiten Golfkriegs, irakische Giftgasattacken einfach mit einem Atomschlag zu beantworten.
Elke Heidenreich hat neulich bei „Lanz“ den Verdacht geäußert, dass viele Vertreter der Linken nicht mehr lesen. Wer nicht lese, so ihre Schlussfolgerung, verfüge auch über keine Sprache mehr. Ich glaube, sie hat recht. Statt Pohrt oder Droste findet heute man auf Seite der Linken vornehmlich aufgeregte Genderamseln und Antirassismusexperten, die das immer gleiche Lied auf ihrer leicht verstimmten Harmonika zum Besten geben.“
Da muss ich dem Jan Fleischhauer recht geben, obwohl ich sonst fast nie seiner Meinung bin.
Moralischer Freifahrtschein

„Messerattacken muslimischer Migranten können nicht so oft als psychisches Problem oder ursächlich begründet in der defizitären Integrationsbemühung der Mehrheitsgesellschaft geframed werden, wie sie als wiederkehrendes Muster Zeugnis fundamenter islamischer Ablehnung unserer Kultur verstanden werden müssen. Jeder weiß das. Es sind nur alle zu feige zuzugeben, dass diese kulturelle Kluft besteht, weil sie in ihrer Utopie einer Multikulti-Traumwelt gefangen sind, die sie von dem kollektiven Laster der rechten Vergangenheit zu befreien suggeriert.
Trotz der Gewissheit vieler, sich gegen Rassismus zu engagieren und bar jeder Evidenz selbstkasteiend die Schuld nach islamistischen Anschlägen innerhalb der eigenen Verhaltens- und Kulturmechanismen zu suchen, schicken selbsterklärte Linke ihre Kinder eben auch nicht an Schulen, an denen 70 % aus dem islamischen Kulturkreis stammt, und gentrifizieren, was die Doppelmoral hält. Letztere ist in der Psychologie auch als „moralisches Lizensieren“ bekannt: Wer ethische Verhaltensnormen und Werte hochhält, handelt dennoch nicht immer entsprechend.
Diese Verlogenheit wird uns viel kosten. Gruppenvergewaltigungen und die erodierende Sicherheit des öffentlichen Raums, insbesondere für Frauen, Juden und Homosexuelle, werden zur zu tolerierenden Gewohnheit, weil nicht dramatisiert werden darf, was seine Ursache im links Protegierten hat. Die Kritik an Unkulturpraktiken wie Ehrenmorden, Frauen- und Schwulenhass oder der fest verankerten Atheismusaversion von Muslimen wird eingebettet in die postkoloniale Opfer-Täter-Hierarchie und damit diskursiv verbannt.
Die Schuld bei sich selbst zu suchen, ist – wahrheitsunabhängig – einfacher, als sein Weltbild an die Realität anzupassen. Die Verlogenheit und Multikultiromantik ist ein Privileg, das den öffentlichen Frieden, die Erosion von Kultur, sozialen Frieden und auch den Wohlstand riskiert.
Wer dem existenten und sich verschärfenden Kulturkrieg zwischen islamisch geprägtem Patriarchat und Autoritarismus einerseits und freiheitlich-demokratischen Werten andererseits nicht ehrlich begegnet, ist gewillt, letztere ersterem zu opfern. Um der sozialen Stigmatisierung als „rechts“ zu entgehen, unterstützt man im Namen der Menschlichkeit die Einwanderung von Menschen, die evidenzbasiert größtenteils homophob, frauenfeindlich und judenfeindlich sind, um sich als „tolerant“ feiern zu lassen. Man feiert den Einzug des Muezzinrufs als kulturelle Bereicherung und guckt geflissentlich weg, wenn Ehrenmorde, Schächtungen oder Angriffe auf Juden die Sozialromantik geringfügig trüben.
Viele Menschen sind falsch und wissen es selbst. Sie kommen nur nicht dazu, auszubrechen, weil alle anderen auch falsch sind. So müssen sie ihre wahren Gedanken und Gefühle verbergen, um nicht Gefahr zu laufen, der kollektiven Lüge überführt zu werden.
Das Zitat wird irrtümlich Orwell zugesprochen, ist aber trotzdem zitierwürdig: Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt, desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“
Source: „Gott und die Welt – Ein Blog von humanistischen Atheisten über ihre Sicht auf Gott und die Welt“.
Die Öko-Lüge

Seltene Erden – credits: NASA
Was macht eigentlich das Kapital? Fragt ja sonst niemand. Ich aber – vor allem nach der Lektüre der durchaus faktenreichen, aber natürlich Kapitalismus-affinen Titelgeschichte im Print-Spiegel: „Damit der reiche Norden ökologisch korrekt leben kann, wird der arme Süden ausgebeutet: Konzerne zerstören ganze Landstriche, um Rohstoffe für Windräder und Solarzellen zu fördern. Welche Alternativen gibt es? Ach? Hätte uns doch jemand gewarnt!
Ich darf das Publikum daher höflich auf das Thema und die neuesten Trends im Kapitalimus aufmerksam machen dergestalt, dass man sehr gut vergleichen kann, welche Vor- und Nachteile der Staatskapitalismus à la China hat, wenn die Ressourcen knapp werden und wer eigentlich im „freien“ Westen auf den Rohstoffen sitzt.
Kupfer: Die größten Kupfervorkommen sind in (nicht hat!) Chile. Eigentümer ist der Konzern Antofagasta plc, und der wiederum gehört der chilenische Milliardärsfamilie Luksic. Der Chef der Holdings, die unter anderem auch Gold und Molybdän fördern, ist Luksic Craid, der neben der Ausbeutung der Ware Arbeitskraft, die offenbar nicht anstrengend ist, auch noch genug Zeit findet, um auf den Mount Everest und andere Berge zu steigen (den Wikipedia-Eintrag hat garantiert seine PR-Abteilung verfasst). Die Profite sprudeln und das Volk sieht davon nichts.
Das Publikum möge beurteilen, ob die Tatsache, dass fast alle Mitglieder der Kommunistischen Partei Chiles nach dem Putsch 1972 ermordet wurden, auch in anderen Ländern blühte, wenn es ernst würde und die „Linke“ aufhören würde, nur den Kapitalismus reparieren zu wollen. Das Kapital hat bekanntlich weltweit einen funktionierenden Klasseninstinkt.
Was braucht man noch für „Öko“? Elektroautos, Windräder, in den Lithium-Batterien in einem Tesla S steckt so viel Lithium wie in 10.000 Handys. Noch mehr Fakten: Eine Tonne Neodym, das für Windräder gebraucht wird, verursacht 77 Tonnen Kohlendioxid, eine Tonne Stahl nur 1,9 Tonnen. Alles öko eben. Und – Überraschung! – China kontrolliert 75% der Produktion von Lithium. Erklärt das Heulen und Zähneklappern bei den Lautsprechern des Kapitals aka Medien, wenn die Rede auf China kommt?
Kobalt braucht man für Batterien: 64% der Weltproduktion stammen aus dem Kongo. Wie es dort zugeht, ist ausführlich beschrieben worden; der Frühkapitalismus lässt grüßen. Auch Daimler bezieht Kobalt aus dem Kongo, aber auch aus Neukaledonien und aus Papua-Neuguinea (offenbar sitzen da schon die Chinesen fest im Sattel).
Auch, ich vergaß die politische Situation in der so genannten „Demokratischen“ Republik Kongo. Der Staat gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Kapital hat nichts zu befürchten: „…der fast vollständige Zerfall der Infrastruktur, Verwaltung und Wirtschaft des Landes und insbesondere die Ausplünderung der äußerst rohstoffreichen Ostprovinzen des Kongo, in denen die Zentralregierung fast völlig machtlos ist, durch Uganda, Ruanda und verschiedene lokale Machthaber.“ Ich wiederhole mich: alles öko! Wir müssen das Klima retten!
Bauxit: Ohne Bauxit gibt es kein Aluminium. (Aluminium ist in den letzten Jahren um fast 60 Prozent teurer geworden.) An erster Stelle der Förderländer steht Guinea – eine Militärdiktatur. Bonus: China hat schon alles aufgekauft und denen gleich noch die Transportmittel dahingebaut. Die Guineer an sich waren nicht dazu in der Lage.
Nickel: Fast die Hälfte der Weltproduktion kommt aus Indonesien. Oh, ich vergaß: China baut in Indonesien zahlreiche Nickelschmelzen. Alles natürlich voll öko! Schmankerl am Rande: Nickel gibt es auch in Kuba. Und die Schweizer engagieren sich beim Nickelabbau in Guatemala, umweltbewusst wie immer (was laufen da auch die Eingeborenen herum und sperren sich gegen die Logik des Klimarettens Kapitals!).
Man könnte, wenn man zufällig unsere Klimaretter*_&%gretInnen lächerlich findet, auf die Idee kommen, es handele sich bei dem grünen Hype um einen Art Imperialismus 2.0, der sich mit Moral aka „Öko“ tarnt und die Leute verdummt. Aber so weit wollen wir heute nicht gehen….
VPN, ick hör dir nicht trapsen [Update]

Eine Frage an die hier mitlesenden Nerds: Ich kriege es nicht hin, unter Ubuntu eine VPN-Verbindung zu meiner Fritzbox herzustellen. An einschlägiger Stelle habe ich schon gefragt.
1. Ich habe in der Fritzbox einen funktionierenden VPN-Zugang eingerichtet, der funktioniert auch bei meinem Android-Handy. (vgl. Screenshot oben)
2. Wenn ich mit dem Laptop aber per mobilem Modem (das funktioniert) auf VPN zugreifen will, kommt „Aktivierung der Netzwerk-Verbindung gescheitert“.
vpnc, network-manager-vpnc und network-manager-vpnc-gnome sind installiert.
Wähle ich bei der Einrichtung Cisco-kompatibler VPN-Client:
Gateway (in der Fritzbox die Server-Adresse) Benutzername: In der Fritzbox IP-Sec-ID / Gruppenname Benutzerpasswort: in der Fritzbox IPSec_Schlüssel /Shared Secret Nutzername: in der VPN-Konfiguration der Fritzbox wird der angezeigt Gruppenname in der VPN-Konfiguration der Fritzbox wird der angezeigt Passwort: mein Fritzbox Passwort „Aktivierung der Netzwerk-Verbindung gescheitert“
Wähle ich bei der Einrichtung OpenVPN, bin ich unsicher, was ich bei „Art“ eintragen sollen, wenn ich „nur Passwort“ wähle, weiß ich nicht, wo ich das „CA Zertifikat“ herkriege. Ich kriege das gar nicht eingerichtet.
Die Antworten sind bisher entweder nicht befriedigend. (Mit Windows funktioniert es übrigens auch nicht, aber das kriege ich vielleicht hin.)
[Update 13.11.] Problem gelöst. Man muss für jeden VPN-Zugang in der Fritzbox einen eigenen Nutzer anlegen und jeweil auch einen eigenen Zugang. Dann funktioniert es. Und man muss die richtigen Daten an der richtigen Stelle eingeben – die Bezeichnungen, die die Fritzbox für den VPN-Zugang anzeigt, sind nicht identisch mit dem, was beim Einrichten unter Linux angeboten wird. Die Fritzbox sagt: „Serveradresse“ – unter Linux heißt das „Gateway“. Das ist irgendwie wie mit den Adaptern – warum sollte man etwas vereinheitlichen? In der Fritzbox ist „IP-Sec-ID/Gruppenname identisch mit dem Nutzernamen, den man gewählt hat. Muss man auch erst mal drauf kommen.
Alles minitrans und aktivistisch
Zur Zeit kriege ich nicht genug Schlaf und muss auch noch kurz nach vier Uhr früh aufstehen, wie die Bäckersleut. Aber das Publikum sei versichert, dass es nicht vergessen ist. Noch mehr: Ich plane, die mediävistisch interessierten Leserinnen und die des Feudalismus mittlerweile kundigen Leser in Kürze mit einem längeren und natürlich reichlich bebilderten Traktat zu belästigen, welchselbiges sich aber schwieriger gestaltete als gedacht und was mich zwang, meine wirren Gedanken, die wie gewohnt von Hölzken auf Stöcksken hüpfen, in eine schriftliche Form der vorläufigen Art zu pressen, ganz altmodisch mit Bleistift und Papier dergestalt, dass hier noch etwas hinzukam und dort noch jenes bemerkt werden musste, was wiederum irgendwie auf dieses verwies.
Und es gibt ja auch noch die Weltläufte (har har). Die Klassenherrschaft im Kapitalismus modifiziert sich. Ausgerechnet die Nachdenkseiten bieten hierzu eine interessante Lektüre: „Noch mehr Mini-Jobs und endlich Einstieg in die Aktien-Rente. Auf dem Weg zur grün lackierten Klassengesellschaft: Die Ampel-Koalition mit verschärfter Arbeits- und Rentenarmut, aber genderpolitisch korrekt“.
Der Autor Werner Rügemer analysiert messerscharf, warum die grüne und liberale Mischpoke mitnichten auch nur ansatzweise links sind, sondern nur eine Fraktion des Kapitals repräsentieren, die sich flexibler an die neuen ökonomischen Trends anpasst:
Und die kleinen, mittleren und großen Unternehmen – von kirchlichen Altenheimen über Mittelstandsbäckereien und Industriereiniger bis zu Amazon – können mithilfe der Digitalisierung die anfallende Arbeit in immer kleinere Portionen aufteilen, sprich Mini-Jobs, die je nach zeitlichem und mengenmäßigem Bedarf eingesetzt, geschoben, gekündigt werden können.
Apropos: Die „Linke“ macht jetzt Klassenkampf für kriminelle arabische Clans. Das ging schon durch die Qualitätsmedien.
Bei der Frau Sahra Nagel („Die Linke Neukölln), die ich nicht als Genossin anreden würde, fällt mir ein Anonymus aus dem 14. Jahrhundert ein:
Ich wil hie schribvn
von diesen tvmben wibvn
was hie wirt plapla gvsprochvn
vppigs in der wochvn
was wirt allvs wol gvdaht
so es wirt für den richtvr braht.
Wenn man liest, was manche „Linke“ von sich geben, könnte man fast meinen, die Drogenfreigabe sei doch der falsche Weg. Auch die Genossin Wagenknecht hat offenbar den Pfad der reinen Vernunft verlassen und wandelt jetzt auf dem des Herumschwurbels.
Vermutlich ist auch diskriminierend, wenn man bei Afghanen in christlichen Kirchen immer die Augen offen halten sollte.
Dann haben wir noch eine anderer randalierende Gruppe, deren Klassenbasis vorwiegend im neuen städischen Kleinbürgertum zu suchen ist und das sich im reaktionären „linksidentitären“ Milieu der heutigen Universitäten tummelt. N-TV:
Die britische Philosophin Kathleen Stock wird monatelang von Genderaktivisten bedroht und bedrängt. Die Polizei rät ihr sogar, Leibwächter zu engagieren. Nun gibt sie ihre Professur in Sussex auf. (…) Transgender-Aktivistinnen und -Aktivisten werfen Stock Diskriminierung vor. Sie hatte gesagt, dass Menschen nicht ihr biologisches Geschlecht ändern könnten und der transaktivistischen Vorstellung widersprochen, dass Geschlechtsidentität in Fragen von Gesetz und Politik den Ausschlag gebe.
Ich hoffe immer noch, dass die Wahlen wiederholt werden müssen. Und nicht nur in Berlin. Bakunin würde sich freuen.
Das buntscheckige Volk der Panzaleo-sprechenden Rothäute

Immer und immer wieder nehme ich mir vor, bein sonntäglichen Frühstück keine deutschen Medien zu konsumieren. Und immer, wenn ich rückfällig werden, bestätigt sich mein VorUrteil: Entweder verfassen die Praktikanten Quatsch, oder die Redakteure sind genau so blöd wie jene. Und ich muss mich dann ärgern und blogge über meinen Ärger statt über etwas Interessantes.
Wenn jemand hierzulande etwas Völkischen daherfaselt, wird es um so schlimmer. Zudem zwingt die Mischung aus political correctness, Opportunismus und Feigheit oft zu sprachlichen Volten, die nicht nur im wörtlichen Sinn unaussprechlich, sondern auch unverständlich sind (wie das Wort „Volte“).
Im aktuellen „Spiegel“ (S. 80) haben wir hier eine „Quetschua-Ethnie“. Nun ist Quechua eine Sprache und sonst nichts. Ethnie heißt im Deutschen „Volk“, es sei denn, man plante eine ethnologische Diskussion vom Feinsten, die so ausufert, dass man die letzten 6000 Jahre Weltgeschichte betrachten muss. „Volk“ hat im Deutschen aus Gründen einen Beigeschmack, so dass oft lieber englische Wörter benutzt werden. Redakteure und Praktikanten erheben sich selten bei etwas, was sie nicht wirklich interessiert, über das Wikipedia-Niveau, das sie hier recht haben lässt – auch dort sind die, die Quechua sprechen, eine „Ethnie“.
Im Detail wird das natürlich extrem lustig und lächerlich, weil es mittlerweile bei den Mittelklassen der lateinamerikanischen Staaten Mode geworden ist, Quechua und auch Aymara zu sprechen (was zu einer Renaissance der eingeborenen „indigenen“ Musik geführt hat). Man kann das irgendwie vergleichen mit Kanak Attak: Wer rassistisch diskrimiert wurde, dreht den Spieß verbal um.
In Wahrheit geht es immer nur um die Klassenfrage. (Über den „Indianerismus“ in Ecuador hatte ich schon geschrieben.) Jemand wird nicht abschätzend beurteilt, weil er oder sie Quechua spricht, sondern weil das vorwiegend die Bauern und Armen tun, von denen die Mittelklassen sich abgrenzen wollen. Das ist bekanntlich auch die primäre Idee der klassistischen Gendersprache.
Das galt auch für die „Tracht“, die keine ist, sondern der Landbevölkerung von den Spaniern aufgezwungen wurde oder – wie die Cholita auf dem obigen Bild – eine buntscheckige Mischung aus allen möglichen Moden Europas und Lateinamerikas. In Bolivien ist die Chola ein Zeichen für „Tradition“, auch bei Mestizen.
Ich habe das selbst in Bolivien erlebt. Der Fahrer des LKW, mit dem wir unterwegs warn, selbst Aymara-Indio, machte sich über die Dorfbewohner lustig und nannte sie „pielroja“ („Rothäute“), wieder ein Beweis, dass „indianisch“ oder die Sprache nichts mit der Haut oder der Abstammung oder gar einem „Volk“ zu tun haebn, sondern eine Lebensweise im Verhältnis zum Mainstream meint.
Das Foto habe ich 1979 in Quito, Ecuador, gemacht. Ich kann leider die Perspektive nicht wiederfinden, aber das im Hintergrund sollte die Kathedrale sein.




























