Den Hintern fragen
In „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ würden „bloß scheinbar relevante Fakten hintereinandergefügt, anstatt sie zu hinterfragen“, so Fröhder.
Laut Wolf Schneider: „Deutsch für Profis: Wege zu gutem Stil“ ist übrigens das Wort „hinterfragen“ „aus dem Anus der deutschen Sprache“ ausgeschieden worden.
Einheitsdenken oder: Im Tal der Ahnungslosen
Interessant zu lesen auf Carta.de:
Mit voller Breitseite koffern die deutschen Medien gegen die neue griechische Regierung, allen voran der aktuelle SPIEGEL. Der Publizist Robert Misik wirft dem Magazin „Lügen, Fehl- und Halbwahrheiten“ vor und sieht darin die Folge eines politisch-medialen Einheitsdenkens, mit dem sich Deutschland zusehends isoliert: „Die Deutschen sind mittlerweile völlig out of touch mit dem Rest der Welt und der Wirklichkeit.“
Wir sind alle Barbaren

Die japanische Regierung ist „zornig“ über „einen weiteren Akt des Terrorismus.“ Der so genannte „Islamische Staat“ hatte eine japanische Geisel enthauptet.
Jetzt „empören“ sich die Mainstream-Medien über Fox News, auf deren Website ein Video zu sehen ist, wie eine Geisel des „IS“ bei lebendigem Leib verbrennt. Natürlich traut sich niemand (außer burks.de), einen Link zu setzen. Vermutlich dürfen dann die Leserinnen und Leser auch keinen Link erwarten, der sie zu Francisco Goya und „Los desastres de la guerra“ führt?
Das alles hatten wir schon vor elf Jahren diskutiert, als ein US-Amerikaner enthauptet wurde. Die meisten Journalisten, die tagesaktuell berichten (müssen), scheinen ein Gedächnis wie eine Drosophila zu haben. Ihr langweilt mich mit eurer heuchlerischen und sinnfreien „Empörung“.

Worum geht es? Nicht die Menschen an sich sind ultraböse und grausam, sondern der Krieg macht sie zu „Barbaren“. („Barbaren“ sind böse, „wir“ sind die Guten.) Das war schon immer so, und das sollte jeder wissen, der nicht im Geschichtsunterricht gefehlt hat. Das will aber niemand sagen, und schon gerade nicht die, die kein Problem damit haben, deutsche Soldaten zu friedenserzwingenden Maßnahmen in alle Welt zu schicken. Ihr kotzt mich an.
Man hat Menschen auch schon immer öffentlich und zum Gaudi des Publikums bei lebendigem Leibe verbrannt. In Deutschland, dem Land der Dichter und Denker, hat man Juden in Todesfabriken vergast. Ist das humaner? Der „Islamische Staat“ ist auch der „Genfer Konvention nicht beigetreten, im Zeitalter der „asymmetrischen“ Kriege ohnehin eine absurde Idee.
Was also ist die Botschaft? Wenn die Morde an Geisel jetzt atavistische Reflexe hervorrufen („Rache“, „Vergeltung“), dann sind beide Seiten auf einem „Niveau“. Und genau so geschieht es. Quod erat demonstrandum.
Wer Kriege akzeptiert, muss auch den Terror akzeptieren. Wer den Terror nicht zeigt, macht sich zum Helfershelfer derjenigen, die Kriege („verkaufen“) wollen – oder, wie die deutsche Regierung – die Waffen dafür liefert. So einfach ist das.

Als die Franzosen Spanien überfielen (Anfang des 19. Jahrhunderts), haben beide Seiten unverstellbare Gräuel begangen. Die Augenzeugenberichte, auch von Deutschen, liegen heute noch vor (wenn die Berliner Bibliotheken sie noch nicht vernichtet haben, könnte man sie ausleihen.*)
* Quellen in der Staatsbibliothek Berlin:
– Franz Morgenstern: Kriegserinnerungen des Obersten Franz Morgenstern aus westfälischer Zeit ; Hrsg. von Heinrich Meier, Wolfenbüttel 1912 Ab 4. März 1809. U.a. detaillierte Beschreibung der Belagerung von Gerona. Namenslisten der 1809 in Spanien Gefallenen der Westfälischen Division.
– Rudolf Rr v. Xylander: Geschichte des 1. Feldartillerie-Regiments Prinz-Regent Luitpold 1806-1824; Berlin 1909
Friedrich Freudenthal: Hannoversche Soldatengeschichten; Vom Harz bis zur Moskwa. Unter Napoleons Fahnen. Spanien und Waterloos (nach Friedrich – Lindau: Erinnerungen eines Soldaten aus d. Feldzügen d. Königl.-deutschen Legion). Der Werber. Bremen 1912
P. Zimmermann: Grossherzoglich Bergische Truppen: Feldzüge in Spanien und Rußland. Nachdr. D. Ausgabe Düsseldorf 1842, red. Herta und Ulrich Jux. Bergisch Gladbach 2000
– Karl Franz von Holzing: Unter Napoleon in Spanien: Denkwürdigkeiten eines badischen Rheinbundoffiziers [Augenzeuge des Spanienfeldzugs] (1787-1839)]. Aus alten Papieren hrsg. v. Max Dufner-Greif. Berlin 1936
– Johann von Borcke: Kriegerleben; 1806-1815 [Augenzeuge des Spanienfeldzugs]
– Ludwig Boedicker: Die militärische Laufbahn 1788-1815 des Generallieutenant Ludwig Boedicker. Eine Selbstbiographie. In: Beiheft zum Militär-Wochenblatt, Jg. 1880, Heft 5/6 [Augenzeuge des Spanienfeldzugs, S. 254-268]
– Konrad Rudolf v. Schaeffer: Unter Napoleons Fahnen in Spanien 1808-1809; Aus den Erinnerungen eines deutschen Generals, Berlin 1911
– [Friedrich M. Kircheisen] (bearb. v.) Feldzugserinnerungen aus dem Kriegsjahre 1809, Hamburg 1909
Eine Frage des Standpunktes
Sag mir, wo du stehst, und welchen Weg du gehst!
Wir haben ein Recht darauf, dich zu erkennen,
auch nickende Masken nützen uns nicht.
Ich will beim richtigen Namen dich nennen.
Und darum zeig mir dein wahres Gesicht!
(Hartmut König)
Man muss Wikipedia nicht glauben, aber: „Die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe bestimmt weitgehend den Standpunkt, den das Individuum einnimmt. (…) Alle Standpunkte sind voreingenommen, aber einige Standpunkte können objektiver sein als andere. (…) Der Standpunkt einer untergeordneten Gruppe ist vollständiger, weil diese mehr Grund hat, eine dominante Gruppe zu verstehen, und weil sie weniger Interesse hat, den Status quo aufrechtzuerhalten.“
Vor allem der letztere Punkt ist interessant. Ich hatte hier schon das Buch von Uwe Krüger erwähnt: „Meinungsmacht – Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse“. Darin wird nachgewiesen, dass die Journalisten, die in Deutschland den diskursiven Mainstream prägen, einen klaren Klassenstandpunkt beziehen – sie sind Lautsprecher des Kapitals, haben also ein Interesse daran, „den Status quo aufrechtzuerhalten“. Sie werden nie und nimmer die Systemfrage stellen. Die Mehrheit der journalistischen Zunft hingegen hat Angst vor dem sozialen Abstieg und gehört gefühlt der „Mittelschicht“ an, wird also demnächst zwischen den Fronten zerrieben werden und verhält sich weltanschaulich dementsprechend.
Wir erleben zur Zeit den größten Angriff auf die Löhne seit Ende des zweiten Weltkriegs. Ziel des Kapitals ist es theoretisch, möglichst alle auf Mindestlohnniveau zu drücken. Das ist nicht boshaft, sondern die Konsequenz aus dem tendenziellen Fall der Profitrate. (Hatten wir gestern).
Die Süddeutsche schreibt heute: „Karstadt plant Billiglöhne“.
In den einzelnen Häusern wird es künftig drei Gruppen von Karstadt-Mitarbeitern geben: Verkäufer, Kassierer und solche, die in neu geschaffene Warenservice-Teams wechseln sollen. Diese Mitarbeiter sollen vor allem die Ware auspacken und die Regale einräumen. Das eröffnet Karstadt die Möglichkeit, diese Beschäftigten künftig nur noch nach den deutlich niedrigeren Tarifen für die Logistikbranche zu bezahlen.
Das ist ein Konzept, das auch im Gesundheitssektor gerade praktiziert wird. Um die Löhne zu drücken, werden ganze Abteilungen ausgegliedert. Die Mitarbeiter werden dann zu wesentlich schlechteren Bedingungen wieder angestellt oder können gehen, wenn ihnen das nicht passt. Wer unter diesen Umständen als Arbeiter oder Angestellter immer noch nicht Mitglied in einer Gewerkschaft ist, ist eine dämliche Pappnase, auch wenn die deutschen Gewerkschaften oft auch aus dämlichen Pappnasen bestehen. Man muss mit dem kämpfen, was man hat.
Je nach KlassenStandpunkt kann man den Sachverhalt so oder so ausdrücken. Wenn man gern die „freie Marktwirtschaft“(TM) verherrlicht und alles aus der Perspektive des Kapitals sehen möchte, schreibt man: „Karstadt will sparen und die Lohnkosten senken.“ Nimmt man den Standpunkt der „weniger dominanten Gruppe“ ein, der laut Wikipedia objektiver wäre. schreibt man: „Karstadt will mehr Profit machen und senkt die Löhne.
So einfach ist das, aber keiner merkt was. „Sparen“ und „Kosten senken“ sind keine Begriffe, die man als Journalist einfach mal so verwenden darf, ohne die Fakten dahinter zu benennen, sondern Propaganda.
Journalistic Profession Has Lost its Meaning
Telesur (Venezuela) (via >b’s weblog)
„The recent coverage of Syriza’s political rise reveals several ways in which the journalistic profession has lost its meaning.“
„Die aktuelle Berichterstattung über Syrizas politischen Aufstieg enthüllt gleich mehrfach, wie die journalistische Profession ihre Bedeutung verloren hat“.
Volkspädagogische Rhetorik
Georg Diez schert auf Spiegel online ein wenig aus dem auf Schießschartengröße verengten Meinungsspektrum des medialen Mainstream über Griechenland aus:
Der Trend geht zum Verstehen, wenn es sich um Opposition von rechts handelt, der Trend geht zum Verdammen, wenn es um Opposition von links handelt – die einen, Syriza, sind „Populisten“, die anderen, „Pegida“, sind „besorgte Bürger“.
Da werden die Griechen, von der „Frankfurter Allgemeinen“ über die „Süddeutsche Zeitung“ bis hin zu Spiegel online, wahlweise als Ziegenherde, Kindergarten oder finanzpolitischer Erziehungsfall betrachtet – die gleiche volkspädagogische Rhetorik, die aufs Verstehen von Pegida angewendet wird, nur umgekehrt.
Es ist Volkserziehung, was so ungefähr das Gegenteil von Politik ist: Prinzipien anstatt von Praxis, Rigorismus anstatt von Pragmatismus.
Affinität zu Social Media und die fehlende Mobiloptimierung

Lästern ist natürlich einfach. Ich sage immer: E-Mail-schreiben ist schwerer, als man denkt. Man stelle sich vor, die obigen Stellenanzeige wäre genau so in einer Tageszeitung erschienen. Die Leute hätten sich kaputtgelacht. Was mich aber besonders nervt, sind nicht Fehler, die jeder macht, sondern die Resistenz der übergroßen Mehrheit der Leute einzusehen, dass sie ein Problem haben, nicht ich.
Ich rede hier nicht über barrierefreies Webdesign. Das ist ein anderes Thema. Webdesigner sind bekanntlich die natürlichen Feinde des Surfers und haben zum Thema „Sicherheit“ ein Verhältnis wie Klaus Störtebeker zum Handelsrecht. Nimm einem Webdesigner Javascript weg und er heult wie ein Baby, den man dem Schnuller vorenthält. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber nur, wenn sie einem auch noch etwas verkaufen wollen:
E-Mails werden zunehmend auf mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets genutzt. Dies verlangt nach einer Optimierung der E-Mails für die kleineren Bildschirme – geringere Breite, verkürzte Inhalte, grössere Buttons usw. Laut der artegic Studie Mobile E-Mail Marketing 2012 kritisieren 31,6 Prozent der mobilen E-Mail Nutzer die mangelhafte Darstellung mobiler E-Mails. Für Empfänger mit Sehschwäche stellt die fehlende Mobiloptimierung sogar ein noch grösseres Hindernis dar.
(„Fehlende Mobiloptimierung“ – das verdient den Tag „Deutsch des Grauens“).
„Barrierefrei“ heißt also: Jedes Ausgabegerät zeigt eine E-Mail korrekt an. Wenn die Sonderzeichen zerhauen sind, ist das nicht mein Problem, sondern das des Senders. Vermutlich hat man bei „Reporter ohne Grenzen“ auch vom Ten-Standard oder ganz komischen Sachen noch nie etwas gehört. Aber der ist – zugegeben! – eher was für die Spartaner und andere Kaltduscher unter den E-Mail-Schreibern.
Was auch nervt, ist die merkwürdige Unsitte, dass @ nicht auszuschreiben, sondern, in der irrigen Hoffnung, weniger Werbung zu bekommen, stattdessen ein (at) zu setzen. Schön. Dann weiß man gleich, dass man es nicht mit Profis zu tun hat, sondern mit jemandem, auf den das vielseitig einsetzbare Gleichnis von den Fliegen zutrifft, die nicht irren, weil sie das tun, was alle tun. „Ist dem Crawler bekannt, dass (at) das Gleiche bedeutet wie @, so kann theoretisch auch diese Adresse zum Spam-Ziel werden.“ Der „Crawler“ crawlt ja bekanntlich auch immer gern in unverschlüsselten E-Mails. Oder nicht?
350 Euro im Monat – das sind ungefähr 43 Stunden, also meinetwegen sechs Tage. (Mehr dazu hier.) Und dann sollen die Bewerber und Bewerberinnen noch wissen, wie man die neuen „Datenschutzbestimmungen“ bei Facebook umgeht? Ach so? Soll man gar nicht wissen? Man muss nur „affin“ sein? Dachte ich mir. Einmal mit Profis arbeiten.
Ist wie beim DJV Berlin. Die Mitgliederversammlung hat denen per Beschluss verboten, eine offizielle Seite bei Facebook zu machen. Sie tun es aber trotzdem (Vorsicht, Facebook!). Wen interessieren schon die Mitglieder und was die wollen?
Fiskalisches Waterboarding
Sparprogramm. Reformpaket. Wenn man sich diese suggestiven Worthülsen ansieht und sie mit der Realität abgleicht, wird einem klar. dass die meisten Medien im Gleichschritt – bewusst oder unbewusst – nichts anderes sind als ein riesiger Echo- und Resonanzraum für die Propaganda des Kapitals, wenn es um Griechenland geht. Das ist ganz einfach zu beweisen. „Sparen“ und „Reformen“, die Griechenland aufgezwungen wurde, meinten:
Das Spardiktat der Troika hat in Griechenland zu einer in der EU beispiellosen Verarmung großer Teile der der Bevölkerung geführt. Über ein Viertel ist arbeitslos, Millionen Menschen sind von medizinischer Versorgung ausgeschlossen. (Genuss ist Notwehr)
Möchte das jemand bestreiten? Ernsthaft? Dann weiter:
Die staatliche Eisenbahngesellschaft Griechenlands soll privatisiert werden. Und das ist gut so? Die Häfen sollen privatisiert werden? Ach ja? Das Telekommunikation-Unternehmen Griechenlands wird teilweise an die deutsche Telekom verkauft? „Der Frankfurter Flughafenbetreiber signalisierte bereits Interesse an einem Einstieg beim Airport Athen.“ Ach ja? Post und Wasserwerke sollen privatisiert werden. Undsoweiter.
Erinnert doch stark an Frau Thatcher. Die Idee könnte von einem „Volkswirtschaftler“ und/oder einem Angehörigen der Glaubensgemeinschaft Freier Markt stammen: Wenn man nur alles dem freien Markt überlässt, wird alles gut und alle werden reich und glücklich.
Nur um zu erinnern: Die herrschende Klassen Griechenlands und ihre Groupies haben das Land ruiniert, nicht das griechische Volk. Die superreichen Griechen zahlen keine Steuern und haben ihr Vermögen ohnehin ins Ausland transferiert.
Wie reagieren jetzt die Drahtzieher des Kapitals in Brüssel – dass der Wind jetzt aus einer anderen Richtung weht? Sie sind „entsetzt“.
Was für ein ekeliges volksverachtendes Heuchlerpack.
Das Ministerium für Wahrheit informiert oder: Eine Botschaft an die Märkte
Das Ministerium für Wahrheit, auch bekannt als Wen Ku, Direktor für Telekommunikation im Ministerium für Industrie und Information (MIIT) der „Volksrepublik“ China, gibt bekannt: „Zensur“ heißt jetzt „neue Wege benutzen, um die Sicherheit im Internet zu wahren“. Das hätte der britische Premierminister Cameron nicht besser formulieren können.
And now for something completely different. Man könnte auch auf die Idee kommen, die freiwillige ideologische Selbstkontrolle deutscher Medien als „Selbstzensur“ zu bezeichnen. Ich vermute aber, dass diese oft gar nicht bewusst abläuft.
Beispiel: Fast alle deutschen Medien benutzen ausschließlich die affirmativen Begriffe „Reformprogramm“ und „Sparen“, wenn es in Wahrheit darum geht, die europäischen Banken auf Kosten des Steuerzahlers zu sanieren.“ (Das behaupte nicht ich, sondern die „Deutschen Wirtschaftsnachrichten“.)
„Reform“ suggeriert, es werde etwas zum Besseren verändert. Das ist aber strittig, und es ist die verdammte Pflicht und Schuldigkeit von Journalisten, wenn sie schon meinen, sie müssten als verlängerter Arm der herrschenden Klasse und/oder als Lautsprecher des Kapitals arbeiten, darauf hinzuweisen, dass es auch andere Meinungen gibt.
Wie schrieb die FAZ vor fast fünf Jahren?
Griechenland hat mit der Entscheidung des EU-Gipfeltreffens für ein Sicherheitsnetz bekommen, was es erhofft hatte. Finanzminister Georgios Papaconstantinou sagte, seiner Regierung sei es nur um die Zusage für Hilfe im Ernstfall gegangen. Athen werde diesen Mechanismus aber nicht nutzen. Man hoffe, dass die Entscheidung eine Botschaft an die Märkte sende und die Zinsen senke.
Die FAZ setzt beim Propaganda-Neusprech noch einen drauf: Bei ihr heisst es „Austeritätspaket„, hört sich vornehmer an als „sparen.“ Die FAZ wird bekanntlich eher weniger von der Arbeiterklasse gelesen und setzt sich daher auch in der Sprache vom gemeinen Pöbel ab.
Die Botschaft an „die Märkte“ scheint in Griechenland aber nicht so recht angekommen zu sein.
Medienjournalisten
An der Qualität ihrer Selbstkritik kann man den Zustand einer Branche gut ablesen. Gucke ich Medienjournalismus kritisch unter journalistischem, handwerklichem Gesichtspunkt an: Der Zustand kann gar nicht schlechter sein. Da gibt es eine Lust an der Selbstzerstörung, da gibt es Artikel nur im Konjunktiv: ‚Es könnte sein‘; tausend Beispiele fallen mir ein. Im Journalismus habe ich den Eindruck: Wem gar nichts mehr einfällt, der macht Medienjournalismus.“ (Tobias Korenke über die Krise des Medienjournalismus: „Lust an der Selbstzerstörung“)
„Qualitätsjournalismus“, revisited
Telepolis: „Wie in der Tagesschau Nachrichten gemacht werden“. Die „Tagesschau“ lässt nicht nur elementare Regeln des seriösen Journalismus außer acht (mindestens zwei unabhängige Quellen für eine These), sondern verschweigt auch bewusst, dass ihre Quellen pure Lobbyisten des Kapitals sind.
Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal eine „Nachrichtensendung“ im TV gesehen habe. Ich habe weder etwas vermisst noch fühle ich mich schlecht informiert.
Glaube, Liebe, Hoffnung
„Glaube, Liebe, Hoffnung sind die Feinde der nüchternen Fakten.“ (Hal Faber)
Lügenpresse oder: Das Elend der Medien
„Hinter der Fichte“ schreibt etwas über die Jury, die das „Unwort des Jahres“ gewählt hat, und die Auswahlkriterien.
Dazu auch Karl Marx: „Was die Arbeitsteilung in der modernen Gesellschaft charakterisiert, ist die Tatsache, dass sie die Spezialitäten, die Fachleute und mit ihnen den Fachidiotismus erzeugt.“ („Das Elend der Philosophie„)
Nachhaltiger Wohlstand
Der Wanderpokal „Lautsprecher des Kapitals“ geht heute an Henrik Müller, Professor für „wirtschaftspolitischen Journalismus“ an der Technischen Universität Dortmund, für die Sätze:
Unabhängige Medien gehören zur Infrastruktur der Demokratie und der Marktwirtschaft. (…) die Freiheit des Wortes und des Bildes – und ohne die gibt es auch weder ökonomische Freiheit noch nachhaltigen Wohlstand.
Wie moralisch verkommen und verdummt muss man sein, die Terroranschläge in Frankreich zu missbrauchen, nur um Propaganda für den Kapitalismus und die so genannte „Marktwirtschaft“ zu machen? „Der Markt“ garantiert also „nachhaltigen Wohlstand“? Geht’s noch? Man muss sich doch nur umsehen, um das Gegenteil beweisen zu können.
Der Kapitalismus macht alle reich und glücklich. Aha. Und so jemand lehrt „wirtschaftspolitischen Journalismus“. Kein Wunder, dass die Situation des Wirtschaftsjournalismus in Deutschland katastrophal ist.
Merke: „Das Bundesverfassungsgericht hat bereits mit der Investitionshilfe-Entscheidung vom 20. Juli 1954 festgelegt, dass das Grundgesetz weder die wirtschaftspolitische Neutralität der Regierungs- und Gesetzgebungsgewalt noch eine nur mit marktkonformen Mitteln zu steuernde ’soziale Marktwirtschaft‘ garantiert. Der Verfassungsgeber habe sich nicht ausdrücklich für ein bestimmtes Wirtschaftssystem entschieden. Daher spricht das Bundesverfassungsgericht von der ‚wirtschaftspolitischen Neutralität‘ des Grundgesetzes.“
Die absurde Welt des Absurden
Thomas Steinschneider („Die Wahrheit über die Wahrheit“) nimmt einen „wissenschaftlichen“ Artikel von Focus Online auseinander.
Lesenswert insbesondere für Leute, die sich für Quantenphysik und andere elementare Dinge interessieren. (via >b’s weblog)
Woher haben die Pegidasten ihre Meinung?
>b’s weblog; Es handelt sich um „Was wollen die PEGIDA-Anhänger, wer sind die, wie ticken die?“ von Thomas Hartung. Der Artikel zeigt nämlich anhand vieler Beispiele auf, wo die „Pegidesen“ ihre Ideologie herhaben: aus genau den „Mainstream-Medien“, die sie selber ständig kritisieren (…) Hartung ist geradezu ein Parade-Rechtsextremer darin, wie er dann seine Wut in Hass umwandelt, und gegen noch schwächere richtet, statt sich mit denen anzulegen, die die anderen, von ihm zurecht kritisierten Missstände zu verantworten haben.
Full ack.
Fakten und immer an Nordkorea denken
Aus dem Heise-Forum: „Mal ist Nordkorea völlig pleite, die Menschen verhungern, fressen Gras, oder Kim Jong-un wurde umgebracht oder entmachtet, oder Kim Jong-un lässt seine Gefährten umbringen, dann ist Nordkorea wieder eine lächerliche Steinzeitkultur, nur um Tage später darüber zu berichtet, wie gefährlich Nordkorea ist. Und dann „hackt“ Nordkorea Sony Pictures, stiehlt nahezu alle Daten des Unternehmens, wofür es mit einem landesweiten Telekommunikationsausfall besrtraft wird.
Könnte die verdammte Lügenpresse mal anfangen zu recherchieren und sachlich Fakten berichten?“
Die libysche Katastrophe
Malte Daniljuk auf Telepolis: „Wer etwas über den Irrationalismus europäischer Außenpolitik lernen will, muss sich mit Libyen beschäftigen. Ein Rückblick auf Libyen im letzten Jahr der Gaddafi-Herrschaft“.
Interessant, dass so etwas nur bei Telepolis zu finden ist. Das nenne ich freiwillige Gleichschaltung.
Zu spät gekommene innovative Konstruktionen
Spiegel online: „Von der ersten Rakete „V2“ bis zum 190 Tonnen schweren Panzer „Maus“ – das sind die geheimen Waffen, von denen Adolf Hitler glaubte, dass sie den Vormarsch der Alliierten stoppen könnten. Auch wenn viele dieser innovativen Konstruktionen dazu zu spät kommen, sind viele Konzepte revolutionär und ermöglichen Jahrzehnte später Urlaubsreisen nach Mallorca und Flüge zum Mond.“
Journalisten in der Vertrauens-Krise
Meedia.de: „Das Ansehen von Journalisten war nie das Allerbeste. Doch dass es gleich so schlimm um den Berufsstand bestellt ist…Der Verein der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat Bürger aus 15 Ländern zum Ansehen verschiedener Jobs befragt. Das bittere Resultat: in Deutschland gehört der Beruf des Journalisten zu den Flop-Jobs.“
Das wundert mich nicht.


















