Was wäre, wenn?
„Oder war möglicherweise alles ganz anders?“ (Spiegel online)
Ja, das wäre dann dumm gelaufen für die Medien. Die dazu passende Verschwörungstheorie liefert zuverlässig Matthias Broeckers.
Schöpferischwirtschaft oder der tägliche Wahnsinn
Was haben wir denn da so heute?

Und nun zu etwas ganz anderem. „…reist Angela Merkel an die Unglücksstelle der abgestürzten Germanwings-Maschine. Verfolgen Sie den Besuch in Seyne-les-Alpes im Livestream.“ Warum sollte ich das verfolgen? Was habe ich davon? Dient Merkel der Wahrheitsfindung? Was ist eigentlich eine „Unglücksstelle“ – im Gegensatz zu einer „Glücksstelle“?
Und nun zu etwas ganz anderem. Ein Lobbyist der Musikindustrie wird Beauftragter für Digitale Ökonomie. Wieso denke ich jetzt an die abgedroschene Metapher, in der ein Bock und ein Gärtner vorkommen? Die „Kreativwirtschaft“, die dabei irgendwie mitspielt, interessiert mich. Synonyme: erfinderisch, künstlerisch, originell, phantasiebegabt, produktiv, schöpferisch. Ist Synonym von: einfallsreich, gedankenreich, geistreich, genial, gestalterisch, ideenreich, künstlerisch, musikalisch, original, originell, phantasiebegabt, phantasiereich, phantasievoll, produktiv, schöpferisch, spritzig, sprühend, witzig.“ Schöpferischwirtschaft? Und die anderen Wirtschaften schaffen nicht, sondern liegen auf der faulen Haut?
Denk ich an Wolf Schneider
in der Nacht: „Was kann für Journalisten wichtiger sein, als die Experten unerbittlich auf klares Deutsch zurechtzustutzen? Daß manche Blähung sich dabei in Nichts auflöste, manche scheinbar wichtige Erklärung aufhörte, eine Nachricht zu sein, wäre ein möglicher Grenzfall, den wir herzlich begrüßen sollten. (…) Journalisten sind eingeschüchtert vom Imponiergehabe der Erperten, sie wagen es nicht mehr, aus „Öffentlichen Münzfernsprechern“ Telefonzellen oder aus „justiziellen Verfahrensabläufen“ Prozesse zu machen; sie haben kapituliert.“
„Eine Verzahnung und Vermittlung der bestehenden Initiativen und Strategien der Kultur- und Kreativwirtschaft einerseits mit der Digitalen Agenda und der innovativen Digitalisierung der Wirtschaft…“ Blablablabla. Ung. Ung. Ung. Ung. Hat diesen Satz ein Pressesprecher der „Linken“ verbrochen? Hört sich fast so an. So gedankenreich, geistreich, genial, gestalterisch, ideenreich, künstlerisch formulieren offenbar die SPD und die Schöpferischwirtschaft.
Jetzt muss ich erst einmal etwas kaputtmachen. (Nicht so auf die Details schauen!)

Und nun zu etwas ganz anderem. Die New York Times denkt laut darüber nach, was passierte, wenn Facebook die Websites von Medien hostete, zum Ausgleich für den erzeugten Traffic aber dann die Nutzer auspionieren darf. Das Thema macht mich müde. Seit mehr als einem Jahr versuche in den DJV Berlin davon zu überzeugen, dass es einer Gewerkschaft nicht gut ansteht, bei Facebook offiziell präsent zu sein [Vorsicht! Facebook-Link!], anstatt vielleicht nur eine „Fanseite“ zu gestalten, die dann die Besucher zur eigenen Website umleitet. Sie kapieren es nicht. Sie wollen es nicht kapieren. Man fängt bei jeder Diskussion wieder bei Null an. Ich habe es so satt.
Und nun zu etwas ganz anderem. „Wir fordern von der Politik den Missbrauch der Leiharbeit abzustellen!“ WTF? Aber sklavenhandel Leiharbeit an sich ist super? „Missbrauch abstellen?“ Versteh ich nicht. Kann man auch Missbrauch anstellen?
Und nun zu etwas ganz anderem. Telepolis rechnet mit Matthias Bröckers‘ und Paul Schreyers Buch „Wir sind die Guten“ ab. „Ihr seid nicht besser“ Lesenswert! Man atmet auf, weil Thomas Dudek Fakten präsentiert, die viele – mich eingeschlossen – vermutlich noch nicht kennen. Das macht es dem Leser auch nicht einfacher, einen Hauch von Wahrheit herauszufinden.
Und nun zu etwas ganz anderem. „Die Anstalt entfällt – das Böse bleibt!“ schreibt der Schockwellenreiter und beruft sich auf die Nachdenkseiten: „Der Respekt vor den Toten verbietet für das ZDF die Satire der ‚Anstalt‘. Der Zynismus, dass die Börsenkurse von Lufthansa und Airbus durch den Flugzeugabsturz ‚unter Druck‘ gerieten, wird aber als wichtige Nachricht gehandelt.“

Und nun zu etwas ganz anderem. Der kackbraune Pöbel und die dazu passende pesudo-intellektuelle Krawalleria aus Eimern Juristen und Ärschen Volkswirtschaftlern trifft sich offenbar gern und oft auch bei Bettina Röhl (Vorsicht! Facebook-Link!) und Roland Tichy („Wirtschaftsjournalist“), wenn man dort die Kommentare liest. Mir wird ganz schlecht, wenn ich das ansehe.
Ich muss jetzt etwas in Trümmer legen zum Ausgleich.

Und nun zu etwas ganz anderem. Der Standard (via >b’s weblog): „Seit Jahresbeginn hält eine rätselhafte Serie von Todesfällen die Ukraine in Atem. Es handelt sich durchwegs um Politiker der früher regierenden Partei der Regionen des geflüchteten Ex-Präsidenten Wiktor Janukowitsch. Am Wochenende verunglückte nun sein Sohn Wiktor junior unter bisher ungeklärten Umständen tödlich.“ Das ist sicher nur ein Zufall…
Danke auch für den Hinweis auf >b’s weblog (immer gelesen): Das BILD-Blog (selten gelesen) fasst zusammen, was sich die Boulevard-Medien über Griechenland zusammengehetzt haben.
Mir reicht es für heute…
Seid gefälligst zufriedener!
FAZ.net: „Wie Twitter und Facebook die Wirklichkeit verzerren“.
„Alle Kriterien, die Facebook anwendet, sind letztlich Werkzeuge, um den Feed zu manipulieren, in den meisten Fällen mit der Intention, unsere Zufriedenheit zu erhöhen.“ (Philip Napoli, Professor für Journalismus und Medienstudien an der Rutgers University in New Brunswick)
Burks.de hat auch genau das Ziel: Die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser zufriedener zu machen. SCNR (Nein, nicht „die Zufriedenheit erhöhen“.)
Das Ministerium für Wahrheit informiert
Das Ministerium für Wahrheit, auch bekannt als „EU-Regierungen„, informiert: „Propaganda“ heißt jetzt „strategische Kommunikation zur Unterstützung der Medienfreiheit“.
Behaglich dumm
„In seinem Sessel behaglich dumm, sitzt schweigend das deutsche Publikum.“ (Karl Marx)
Qualitätsmedien, oder: Stinkefinger, reloaded [Update]
Das Video wird von YouTube eingebettet und erst beim Klick auf den Play-Button geladen. Es gelten die Datenschutzerklärungen von Google.
Zeit.de: „In einem aufwändigen Video zeigt Böhmermann, wie seine Kollegen mithilfe von Videobearbeitungsprogrammen den Mittelfinger von Varoufakis in das Video geschnitten haben. Die Aufnahmen sollen von einer Komplizin stammen, die auf der Konferenz war und die Bilder zur Verfügung stellte. Die Szene mit dem Finger will Böhmermanns Team in einem Studio mit einem Double nachgedreht haben.“
[Update] Ob Satire oder nicht: vgl. DOCMA Magazin zu den Details
Löhne runter
Nein, Lohndumping heisst bei mir nicht „Sparkurs“. Das ist Neusprech.
Wie es in der Medienbranche zur Zeit hergeht, kann man im Tagesspiegel lesen: Die Mediengruppe Berliner Verlag feuert den Chefredakteur Buschheuer.
Buschheuer hätte die neuerliche Kürzung seines Honoraretats in sechsstelliger Größenordnung nicht hinnehmen wollen, er sah seine journalistische Handlungsfähigkeit auf dem umkämpften Berliner Zeitungsmarkt durch den Sparkurs der Eigentümer bedroht.
Ulfkotte im Wald
Jan Fleischhauer schreibt im aktuellen Spiegel (Javascript required) über Udo Ulfkotte: „Im Wald“ (ab S. 98). Der Artikel allein ist 4,60 Euro wert. Lesenswert.
Unter Qualitätsmedienmachern [Update]
>b’s weblog: „Als wirklich aussergewöhnliches Agitprop-Machwerk präsentiert sich die Sendung „Tagesthemen“ vom Samstag. Eine solche Leistung von geschickter Lüge, Manipulation und Hetze will angemessen gewürdigt werden. Entsprechend gibt’s hier eine Analyse. [weiterlesen)
Tagesschau.de: „23 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.“
[Update] Norbert Häring: „ARD und ZDF machen unbeirrt weiter mit Fehlinformationen über Athen. „Die Erklärung der Finanzminister wurde absichtlich auf Wunsch der Partner vage gehalten, sagte Varoufakis nach diesen Quellen.“ So steht es im Original. Was macht zum Beispiel Focus daraus? „Varoufakis provoziert: Haben Reformliste absichtlich vage formuliert“. Focus lügt also bewusst.
„Es ist wirklich eine Schande. Mit Information hat das nichts mehr zu tun, nur noch mit Agitation und schamloser Volksverdummung.“
Glaube an Technik
„Wenn Journalisten, die eigentlich viel vom Schützen verstehen müssen und seit 20 Jahren mit Verschlüsselung arbeiten, Sicherheitsexperten und Hacker brauchen, liegt mehr im Argen bei der ‚4. Macht‘ als gedacht. Hacker oder eben Sicherheitsexperten – was nur ein anderes Wort ist – können da gar nicht helfen. Ihr Glauben an eine technische Lösung ist nur ein Glaube, wie so viele Religionen. (Hal Faber)
Ich habe ja auch schon mehrere Seminare bei der taz zum Thema gegeben. Das Interesse war eher mäßig. Die taz hat eine sehr gute Technik-Abteilung. Was nützt es aber, wenn denen niemand zuhört. Das wird sich auch nicht ändern. Wer das denkt, verkennt die Realität in den Redaktionen.
Macht ohne Kontrolle
Ein hervorragender Artikel im Tagesspiegel über das unheilvolle Wirken der „Troika“ in Griechenland: „Sie erpressten Minister, spielten sich zum Gesetzgeber auf und machten gemeinsame Sache mit den reichen Eliten. Die als Kontrolleure eingesetzten Technokraten aus IWF, EZB und EU-Kommission hatten in den Krisenstaaten eine Macht jenseits aller demokratischen Kontrolle. (…) Allein die Mittelschicht, die Staatsangestellten, die Rentner, Kranken und Arbeitslosen mussten die Last der Anpassung tragen. Die wirtschaftlichen Eliten hingegen blieben überall verschont. Schlimmer noch: Die Troika zwang die Regierungen, wertvolle Staatsunternehmen zu Schleuderpreisen zu verkaufen, und verhalf so den Privilegierten, sich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern (…).
Der Artikel fußt auf der gleichnamigen Arte-Reportage.
Man muss sich nur mal die Medienberichte früher ansehen über die „Hilfspakete“. Es wird die üblichen Verdächtigen nicht daran hindern, immer nur nach „Privatisierung“ zu schreien. So sind sie eben, die Gläubigen des „freien“ Marktes.
Beschwerde an den Presserat

Sehr geehrte Damen und Herren,
Es geht um den Artikel auf Spiegel online vom 25.02.2015: „Warren Buffett zu Übernahmen in Deutschland: ‚Egal wie groß – wir zahlen bar'“.
Ich sehe in dem Artikel einen Verstoß gegen den Pressekodex Richtlinie 7.1 sowie Richtlinie 7.2. Der Artikel entspricht nicht den Mindeststandards der journalistischen Recherche, sondern ist ausschließlich Public Relations, also schlicht Werbung für die Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway und deren Eigentümer, die als solche aber nicht gekennzeichnet ist. Es kommt nur eine Person zu Wort, es wird noch nicht einmal eine unabhängige Quelle genannt.
Der Beschwerdeführer unterrichtet u.a. Wirtschaftsjournalismus an einer privaten Universität in Berlin.
Mit freundlichen Grüßen
Burkhard Schröder
Gegen Staat und Kapital – für die Revolution!
Unsere Totalitarismus-Doktrin-TheoretikerInnen haben wieder zugeschlagen. Das sind die mit dem Ismus, lechts und rinks, und mit der Rot-Braun-Blindheit. „Wissenschaftler der FU Berlin“ berichten:
In der Umfrage hielten mehr als 60 Prozent der Befragten die Demokratie nicht für eine echte Demokratie, da die Wirtschaft und nicht die Wähler das Sagen hätten. Nahezu 50 Prozent konstatierten eine zunehmende Überwachung linker Systemkritiker durch Staat und Polizei, etwas mehr als ein Viertel (27 Prozent) befürchteten der Studie zufolge, dass Deutschland durch eine zunehmende Überwachung von Bürgern auf dem Weg in eine neue Diktatur sei.
Das ist aber gleich eine doppelt schlechte Nachricht. Nur 60 Prozent blicken durch? Nur so wenig? Und wenn 60 Prozent die Wahrheit kennen, warum wählen die dann nicht so?
Die linksextreme Wirtschaftswoche schrieb; „Wirtschaftsverbände haben heute größeren Einfluss auf die Politik als noch vor drei Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Ifo Institutes unter Deutschlands Managern.“
Auch die linksextreme „Süddeutsche“ berichtete über das so genannte „Freihandelsabkommen“ TTIP: „Von Google bis Agrobusiness: Neue Zahlen zeigen, dass die EU-Unterhändler für den Freihandel fast ausschließlich Wirtschaftslobbyisten trafen.“
Interessant ist natürlich, wer sich hinter dem totalitarismusdokrintheoretischen Autorenkollektiv „Forschungsverbund SED-Staat“ verbirgt. Sehr hübsch und zutreffend beschreibt die „nekrophilen Antikommunisten“ mit Blockwart- und Denunzianten-Mentalität der Historiker Wolfgang Wippermann in der Jungle World:
Antikommunismus nach dem Ende des Kommunismus ist wie politische Peep-Show – man kommt irgendwie nicht ran an das Objekt der Begierde. Daher sind die Forschungsverbundler auch gezwungen, Hand an sich selber zu legen. Die allergrößten Elche waren nämlich selber welche: Viele Bündler blicken auf eine linke Vergangenheit zurück, die sie mit einem pathologisch wirkenden Eifer bewältigen möchten. (…) Schließlich die Grünen um Klaus Schöder, die alle aus einem hochschulpolitischen Ableger der Alternativen stammen, der sich Undogmatische Sozialisten nannte. Das Undogmatische an diesen Undogs war, daß sie schon einmal auf Hochschulebene die schwarz-grüne Koalition übten und Herrn Heckelmann zum Präsidenten wählten.
Dafür wurden sie reich mit Referentenposten und einem ganzen Institut belohnt, (…) Jürgen Kocka ist zuzustimmen, wenn er die Führer des Forschungsverbundes folgendermaßen charaktisierte: Sie seien „Meister der politischen Demagogie“, „Autoren von Halbwahrheiten und Verzerrungen und Wissenschaftler ohne Glaubwürdigkeit und Seriosität – um es zurückhaltend zu formulieren“.
Man sollte den Damen und Herren des totalitarismusdokrintheoretischen Autorenkollektivs vielleicht eine Professur in „Volkswirtschafts“lehre anbieten. Das würde passen.
Deswegen stmmt der rechte Focus in den Chor ein: „Auch linksradikale und linksextreme Grundhaltungen sind weit verbreitet – vor allem im Osten.“
Wenn das nur so wäre.
Wahrheitserzwingende Maßnahmen

Markus Kompa berichtet in Telepolis über die Sprachregelungen „Handreichungen der Bundesregierung zur Beurteilung des Ukrainekonflikts“. (Das Ministerium für Wahrheit informiert: Propaganda heißt jetzt „Handreichnung“.) Thomas Wiegold und die Junge Welt publizieren diese „Handreichungen“ in voller Länge.
Das ist ja so: Deutsche Journalisten recherchieren gewöhnlich nicht, sondern fragen nur Politiker und Lobbyisten Experten, was die denken (vgl. die jeweiligen Nachrichtensendungen). Da darf das Bundespropagandaministerium Auswärtige Amt natürlich nicht nachstehen.
Beispiel: Die Welt schrieb am 21.11.2014: „Rechtsradikaler wird Polizeichef in Kiew“.
Das Ministerium für Wahrheit Auswärtige Amt gibt folgende Propaganda vor: „An den Maidan-Protesten beteiligten sich radikale Gruppen, einige davon mit rechtsextremer Gesinnung. Diese machten zahlenmäßig jedoch nur einen kleinen Anteil an den Protestierenden (bis zu zwei Millionen gleichzeitig landesweit) aus. An der nach dem Machtwechsel gebildeten Übergangsregierung waren diese Gruppierungen nicht beteiligt.“
Das Ministerium für Wahrheit informiert: „Nazis“ heißen jetzt „radikale Gruppen“. „Radikale Gruppen“ waren übrigens auch an der Reichspogromnacht beteiligt. So sind sie eben, unsere Totalitarismus-Theoretiker.
Und: „Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, das die Sicherheit und Freiheit seiner Mitglieder garantieren soll.“
Schon klar. Vor allem in Libyen.
Ärger mit der Lügenpresse
Neue Zürcher Zeitung: „Was die rituellen Forderungen nach Meinungsfreiheit wert sind, erkennt man nicht zuletzt daran, wie die Medien mit missliebigen Stimmen umgehen. Viele müssen hier noch dazulernen.“
„In einer kuriosen Volte geriert sich als faktisch konservatives Establishment, was sich vom Selbstverständnis her eher linksliberal und grün-alternativ fühlt.“
Interessanter Artikel mit erwägenswerten Positionen, auch wenn er das Thema eher aus konservativer Sicht beschreibt.
Out of My Mouth Comes Unimpeachable Manly Truth
Die New York Times hat einen ganz wunderbaren Artikel von Gary Shteyngart: „‘Out of My Mouth Comes Unimpeachable Manly Truth’ – What I learned from watching a week of Russian TV.“
Tiefschwarzer Humor in elegantem Englisch, übertrieben bis zur Groteske, aber zeitlos gültig (auch für die USA und Deutschland, das müsste dann nur ein wenig anders sein). Oblomow lässt grüßen. Ich habe Tränen gelacht. Zwischendurch besucht ihn noch sein „Psychiater“. Der Dialog gleitet vollends ins Absurde ab.
Über die Krim: „Think of it as a shabbier Fort Lauderdale with the occasional Chekhov statue.“ Am vierten Tag träumt er: „I am crawling through the snow in Kiev searching for my cellphone, which has been stolen by the neo-Nazi fascists. I find it by a wall defaced by a giant swastika, its screen shattered by the torch-bearing Ukrainians. ‚Allo, I say in Russian. ‚Someone please help me. It’s cold out here.'“
Absolute Leseempfehlung, auch wenn der Artikel sehr lang ist.
Bescheidener Weg
Unter dem Vorwand, Griechenland retten zu müssen, wurden hohe Verluste aus den Büchern der Banken auf die schwachen Schultern der griechischen Steuerzahler verschoben in dem vollen Bewusstsein, dass die Kosten, weil die griechischen Schultern zu schwach dafür waren, auf Deutschland, die Slowakei, Finnland, Portugal und so weiter überschwappen würden.
Natürlich gab es keine Rettung Griechenlands und keine Solidarität mit den verschwenderischen Griechen. Der griechische Staat erhielt Kredite in Höhe von 240 Milliarden Euro, damit über 200 Milliarden Euro Steuergelder an die Banken und verschiedene Hedgefonds fließen konnten. Diese Milliarden bekam Griechenland unter der Bedingung drastischer Sparauflagen, die die Einkommen der Menschen um ein Viertel reduzierten, weshalb es sowohl für die öffentliche Hand wie für den privaten Sektor in Griechenland unmöglich wurde, ihre alten und neuen Kredite zurückzuzahlen.
Quelle: Yanis Varoufakis mit Stuart Holland und James Galbraith: „Bescheidener Weg zur Lösung der Eurokrise„, Verlag Antje Kunstmann, 2015 (via Spiegel online)
Die Mainstream-Medien müssen sich fragen lassen, warum angesichts dieser nicht zu leugnenden Fakten immer noch von „Hilfspaketen“ geschrieben wird, ohne zu nennen, an wen die „Hilfe“ geht? Das ist kein Journalismus, sondern Propaganda im Dienste des Finanzkapitals.
Peng! Und nun zu uns, Esoteriker!
Ich habe schon wieder eine Petition unterzeichnet. „Aktivisten vom Peng Collective [Vorsicht, Facebook-Link!] haben eine Sendung von AstroTV gesprengt. (…) An die Medienanstalt Berlin Brandenburg: Entziehen Sie den Betrügern von AstroTV die Sendelizenz!“
Die Künstler (Jean Peters et al) haben sogar einen public PGP key Da konnte ich dann nicht widerstehen, sie zu unterstützen. Chapeau! Und weiter so!
Unter Ignoranten
„Im Zuge der sich vielerorts zuspitzenden Krise wird dankenswerterweise auch sichtbar, in welch unglaublichem Ausmaß die Qualitätsjournalisten die Tatsache ignorieren, dass sie Teil der marktwirtschaftlichen Verwertungsorgie sind – und dabei sprechen wir von Leuten, die sich offiziell der Wahrheit, der Erkenntnis und ähnlichen Werten verschrieben haben.“ (Ralf Schröder in der aktuellen „Konkret“)
Mit teuflischem Geschick auf das Herz der offenen Gesellschaft
Ein schönes und pädagogisch wertvolles Stück suggestiver Propaganda liefert der Panzerspezialist Mathias Müller von Blumencron, jetzt Online-Chefredaktion der FAZ, für die mediale Heimatfront ab. Mit geradezu teuflischem Geschick zielt er auf das Herz der offenen Gesellschaft, was auch immer das im Kapitalismus heißen mag. (Vermutlich müsste man „die Märkte“ fragen.) 
Auf der einen Seite haben wir die Guten, Fortschritt und Demokratie (und der freiheitlich-demokratische Kapitalismus, der alle reich und glücklich macht). Das sind wir (und die, an die wir Waffen liefern, Saudi-Arabien etwa). Auf der anderen Seite haben wir autoriäte Regime. Das sind die anderen. Putin ist pars pro toto und natürlich der aktuelle Teufel.
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz seien die Grundlagen einer freiheitlichen Wertegemeinschaft gefühlt erschüttert worden.
Man könnte fragen, was denn diese Werte seien und welche (Zwangs?)Gemeinschaft auf diese rekurriere? Etwa die der „Moral Majority“? (vgl. Foto der „Jubelparade“, der mit dem Schild bin ich.)
Und westlich? Ist das ein alter antikommunistischer Reflex aus dem kalten Krieg, der aber jetzt – mangels Objekt – eher als Übersprungshandlung zu werten wäre? Der „Kommunismus“ ist weg, daher schlägt man eben Putin, obwohl der kein Kommunist ist. Nur „gen Ostland woll’n wir reiten“ stimmt immer noch.
Im Zentrum stand jeweils der russischen Informationskrieg, das gezielte Säen von Zweifeln. Es ist ein Psycho-Krieg, der mit teuflischem Geschick auf das Herz der offenen Gesellschaft zielt, das Suchen nach gemeinsamer Wahrheit und Gewissheit. (…) Eine ganze Armada von Bloggern, Webseiten und Fernsehsendern ist derzeit dabei, Moskaus Sicht der Dinge in die Welt zu tragen.
Die Generalmobilmachung an der Heimatfront seitens der westlichen Wertegemeinschaft hat „Die Anstalt“ bekanntlich detailliert beschrieben. Von Blumencron „argumentiert“ hier in der Tat infam. Dass die hiesigen Medien zum Krieg in der Ukraine nicht immer korrekt berichtet haben, steht außer Zweifel. Hier werden aber alle, die kritisch nachfragen, auch wenn sie Putin als Vertreter der herrschenden Klasse Russlands nicht als Sympathieträger empfinden, in die Ecke derjenigen geschoben, die sich für Propaganda missbrauchen lassen.
Wikipedia: „An der Finanzierung der Münchner Sicherheitskonferenz beteiligt sich auch die Bundesregierung. So waren für das Haushaltsjahr 2012 im Etat des Bundespresseamts (BPA) Mittel in Höhe von 350.000 Euro für die 48. MSC vorgesehen. Die Linde AG unterstützt die Sicherheitskonferenz als Partner. Zu den weiteren Sponsoren zählen die Unternehmen BMW, Krauss-Maffei Wegmann, Barclays und Deutsche Telekom.“
Kraus-Maffei Wegmann. Warum geben die wohl Geld dafür? Aus purem Altruismus, dem gleichen Grund, warum es auch Facebook gibt.
Blumencron: Wer gewählten Eliten misstraut, lehnt schnell auch Medien und selbst Gerichte ab. Wer dem System misstraut, sucht sich seine Autoritäten außerhalb des Systems. Wer der Demokratie misstraut, stellt schnell den Westen auf die gleiche Ebene wie das dirigistisch geführte Russland.
So etwas sagt jemand, der sich selbst zu einer Elite zählt und seine eigene Aufgabe, Lautsprecher des ökonomischen und gesellschaftlichen Status Quo und der herrschenden Klasse zu sein. Von Blumencron würde leugnen, dass es eine herrschende Klasse gebe. Die „Elite“ ist gewählt, und damit ist es gut. Wie in Russland eben.
Uwe Krüger hierzu: „Die Journalisten lagen ganz auf Linie mit den Eliten und benutzten sogar klassische Propagandatechniken.“
Wie Mathias Müller von Blumencron eben.



















