Unter Vormarschierenden

woman

Susanne Schröter|Cicero (ohne Paywall): „Die Scharia gewinnt an Boden – mit deutscher Hilfe. Der Islamismus setzt sich in Deutschland und Europa mehr und mehr durch – mit Duldung der Politik. Es sind besonders linke Parteien, die islamische Forderungen aktiv unterstützen und jegliche Thematisierung dieses Extremismus als islamfeindlich delegitimieren.“ (…)

„In den französischen Banlieues, so der Islamwissenschaftler Bernard Rougier, haben Salafisten bereits die Macht übernommen und ein islamistisches Gegenuniversum geschaffen. Das konnte allerdings nur geschehen, weil Bürgermeister aus Eigeninteresse ihren Frieden mit den rechtsfreien Räumen gemacht haben. Ohne die Duldung der Politik kann sich der Islamismus in Europa nicht durchsetzen.

Paradoxerweise sind es besonders linke Parteien, die islamische Forderungen aktiv unterstützen und jegliche Thematisierung dieses Extremismus als islamfeindlich delegitimieren. Auf den Vorschlag des regierenden Bürgermeisters von Berlin, den Kampf gegen Antisemitismus in die Landesverfassung aufzunehmen, reagierte der Vorsitzende der SPD-Fraktion Raden Saleh mit dem Gegenvorschlag, auch den antimuslimischen Rassismus hinzuzuaddieren. Zudem soll in der deutschen Hauptstadt der 15. März künftig als fester Tag gegen Islamfeindlichkeit begangen werden.“

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Der Kreis und das Richtige tun

the circle

Ich empfehle „Der Kreis“ auf Netflix.

Die Handlung ist so eine Art abgewandelter Squid-Game-Plot:

Fünfzig Personen, darunter ein Kind, wachen im Kreis stehend auf. Sie befinden sich in einem Raum, in dessen Mitte eine kleine, schwarze Kuppel in den Boden eingelassen ist. Um die Kuppel herum sind, ebenfalls kreisförmig angeordnet, rote Pfeile eingezeichnet, die auf die Personen zeigen. Die Personen selbst stehen auf roten Markierungen. Es beginnt ein tödliches Spiel, bei dem per Abstimmung alle zwei Minuten eine Person gewählt werden muss, die durch einen von der Kuppel ausgehenden Blitzschlag getötet wird. Selbiges passiert, wenn eine Person ihre Markierung verlässt. Nachdem klar wird, dass sich das System nicht durch eine Manipulation der Abstimmungen überlisten lässt, beginnen die Beteiligten darüber zu verhandeln, welche Umstände ein Leben erhaltenswerter machen.

Man merkt sofort: Großer moraltheologisches Theater, und man befürchtet zu recht, die schlimmsten Abgründe des menschlichen Verhaltens würden sich auftun. Mir gefällt der Zynismus des Plots: Die dünne Schicht zivilisatorischen Verhaltens ist schnell abgekratzt, wenn es nur noch ums Überleben geht. Interessant ist auch im Gegensatz zu den unzähligen Gestrandet-auf-einer-Insel-Plots: Die Protagonisten dürfen ihren Platz nicht verlassen, sondern kämpfen nur mit Worten, also Gruppendynamik vom Feinsten.

Man könnte den Film auch sehr gut als Theaterstück aufführen. Die Handlung ist dicht; man hat keine Sekunde Pause (obwohles dazu eine Gegenmeinung gibt). Ich wollte den Film eigentlich vor dem Einschlafen sehen, aber er hat mich so gefesselt, dass ich bis zum Schluss durchgehalten habe, was selten vorkommt.

Auf Rotten Tomatoes gefällt mir eine Publikumsrezension am besten: „The clearly low budget that this film was working with takes absolutely no effect here. This film perfectly encapsulates the cruelty of basic human nature, displaying perfectly the problems of discrimination and prejudice in our world today. It’s a film which requires no special groundbreaking effects, just a cleverly written script and an incredibly impactful ending.“

Man könnte auch den Schluss weglassen und den Rezipienten im Unklaren darüber, was das Ganze soll und wer es arrangiert hat. Oder den Plot als eine Szene in der Hölle gestalten, mit sich kaputtlachenden Teufeln im Hintergrund.

the circle

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So ist das hier am Amazonas

Brief

Am Rio Amazonas, 2.2.82
Liebe Eltern!
In dem kleinen Ort [Benjamin Constant], wo wir uns gerade aufhalten, haben wir ein Gebäude entdeckt, das stolz den Namen „correios“=Post trägt. So versuchen wir, einen Brief loszuwerden. Wenn er, wie wir vermuten, per Schiff transportiert wird, wird er genau so lange brauchen wie wir – bis Manaus.

Benjami Constant
Benjamin Constant (Brasilien) im Dreiländereck Kolumbien-Brasilien-Peru, Februar 1982

Wir haben gestern Kolumbien verlassen, sind auf die andere Seite des Amazonas übergesetzt und sind den zweiten Tag in Brasilien. Am Donnerstag (wer weiß?) soll angeblich ein größeres Schiff ankommen, das den ganzen Amazonas oder Rio Solimoes, wie er hier heißt, bis Manaus runterfährt. Es wird ca. 115 DM kosten und wahrscheinlich eine knappe Woche brauchen, so daß wir um den 12.2. da ankommen werden.

Brief

In Kolumbien ist alles etwas anders gekommen, als wir geplant haben. Erst haben wir 11 Tage in Bogota verbracht, bis A. [ein Bekannter aus Deutschland] aus Ecuador ankam, sind dann genau so lange nach Ost-Kolumbien in den Bergurwald, haben aber dort herausgefunden, daß absolut keine Möglichkeit besteht, über andere Flüsse als den Amazonas nach Brasilien zu gelangen. In der Trockenzeit ist zu wenig Wasser, oder zu viele Stromschnellen oder Wasserfälle. Man würde ein halbes Jahr brauchen und es gab keine Information über die Indianer in Brasilien.

Wir haben in Bogota noch zwei holländische Anthropologinnen getroffen, die zeitweise im Grenzgebiet Kolumbien / Brasilien arbeiten, die uns auch abgeraten haben, weil alle „Amtspersonen“ in Ost-Kolumbien in Rauschgifthandel verwickelt sind, inklusive der Polizei, die die Schlimmsten von allen sind, und die ab und zu mal einen brauchen zum Verhaften und vorzeigen, und dafür eignen sich unschuldige Ausländer ganz besonders.

solimoes
Der Amazonas bei Leticia, Kolumbien, vgl. „Am Solimões“ 18.01.2011

So haben wir uns noch einmal nach Bogota gewagt und nach einigen Schwierigkeiten einen Flug direkt in den äußersten Südostzipfel Kolumbiens nach Leticia am Amazonas gefunden. Dieser Flug über den Amazonas-Urwald Kolumbiens war ein Erlebnis für sich – 2 Stunden Flug (die Strecke entspricht ungefähr Hamburg-München) und bis zum Horizont der dunkelgrüne undurchdringliche Dschungel, nur unterbrochen von schmalen, braunen Flüssen, die sich in unzähligen Kurven durch den Urwald kringeln. Und dann taucht der Amazonas auf, von doppelter oder dreifacher Breite des Rheins, mit vielen Nebenarmen und Inseln – und plötzlich senkt sich das Flugzeug und landet in einem Ort von 18000 Einwohnern, wo die tropische Hitze (Durchschnittstemperatur 32 Grad!) einem wie eine Mauer entgegenschlägt. Hier ist das Dreiländereck Kolumbien – Peru – Brasilien, und je Land gibt es nur einen Ort, aber viele Bootsverbindungen. A. ist nicht mitgekommen, so daß wir jetzt wieder zu zweit sind.

amazonas

In Bogota haben wir noch zwei SPIEGEL-Ausgaben kaufen können und uns gewundert, wie kalt es in Europa ist (oder war?). Übrigens haben wir bis jetzt nichts verloren trotz aller Diebe, die in Kolumbien herumlaufen. In Brasilien ist alles anders in der Beziehung, die Leute sind viel weltoffener. Wir haben gerade einen Mann kennengelernt, der Brasilianer ist, aber deutsche Eltern und Großeltern hat, die alle in Südbrasilien wohnen. Er ist verheiratet mit einer Frau, die aus Kolumbien stammt, aber einer ihrer Vorfahren war Neger (sie ist braun und hat Kraushaar), besitzt aber einen Pass der USA. Die beiden sind so alt wie wir, sprechen also fließend Portugiesisch, Spanisch und Englisch, der Mann fließend Deutsch, und die beiden Kinder, die sie haben, sprechen Spanisch, lernen in der Schule Portugiesisch, die Mutter bringt ihnen Englisch, der Vater Deutsch bei. So ist das hier.

Wir beide sind jetzt schon 4 1/2 Monate unterwegs und recht gelassen allen Dingen gegenüber geworden. Wir haben noch 1 Monat Brasilien, Guyana und evtl. Surinam, der restlichen vier Wochen werden wir uns auf den Karibik-Inseln erholen und bräunen lassen. Auf jeden Fall werden wir von Manaus + Georgetown [Guyana] noch schreiben.

Serranía de la Macarena
Serranía de la Macarena, Kolumbien

Z. B. noch ein kleines Problem heute morgen: Uns war aufgefallen, daß unser Öfchen sehr stark rußte. Da wir mittlerweile einen ganzen Reparatur-Satz mit uns führen, habe ich ihn deshalb auseinandergenommen. Jetzt muss ich noch etwas zoologisches erklären: ihr kennt vermutlich keine Cucarachas. Das sind in ganz Südamerika verbreitete braune Käfer [gemeint ist die amerikanische Großschabe (Periplaneta americana, ca. 5 cm lang mit ebensolangen Fühlern, die sie eklig hin- und herschwenken. Diese Cucarachas sind eigentlich sehr hilflos, wenn sie auf den Rücken fallen, kommen sie nicht wieder herum, sie beißen auch nicht, sondern sind gaz schlicht eklig. Nachts kommen sie aus ihren Löchern, im Urwald auch tagsüber, und fressen kleine Löcher in die Lebensmitteltüten vorwiegend ausländischer Reisender. Gegen sie ist kein Kraut gewachsen, nur starkes Gift, das aber auch die Lebensmittel ungenießbar macht.

Da sind uns die Ameisen lieber, die wir vorwiegend mit Benzin bekämpfen. Ach so, gegen die Moskitos haben wir in den Abendstunden natürliche Verbündete gefunden. Rund umdie Lampen sitzen kleine durchsichtige Eidechsen an den Wänden, die so ca. alle 10 Sekunden vorschnellen und ein Moskito fressen.

Die Geschichte mit dem Ofen: in der Brennkammer fand ich mehr als 25 kleine und große Cucaracha-Leichen, völlig verkohlt. Da sie die Dunkelheit lieben, waren sie, als wir in Kolumbien im Urwald waren, nachts in den Ofen geklettert, aber morgens nicht schnell genug hinaus, wenn wir Kaffee kochten. Wir hatten uns schon gewundert, daß beim Anzünden jede Menge Cucarachas, einige mit geknickten Beinen, in alle Richtungen auseinanderstoben. Jetzt brennt übrigens der Ofen wieder völlig normal. Aber nur wenige Cucarachas erleben eine Flugreise über den Amazonas-Urwald, dazu als Leiche.

Serranía de la Macarena
Cascadas de Caño union, Meta, Kolumbien

Wo ich so schön hier in der Mittagshitze sitze und schreibe, noch ein paar Geschichtchen.

In Kolumbien haben wir uns von einem Dorf aufgemacht mit Hängematte, Eßgeschirr und Machete, um 2 Wasserfälle [Cascadas de Caño union] zu suchen, die am Rand des Gebirges mehrere 100 Meter hinabstürzen. Morgens um 4, weil es da angenehm kühl ist, ging es los, nach 8 Sttd. kamen wir über einen Pfad, über mehrere halsbrecherische Flußübergänge und Hängebrücken zu einem Dorf mit weniger als 10 Häusern. Bis dahin begleitete uns ein Mann mit Pferd, der dort wohnte. Wir marschierten noch 2 1/2 Std. weiter, is wir den einen Wasserfall in ca. 3 km Entfernung ab und zu durch da Dickicht sahen. Jede Stunde gab es eine kleie Hütte oder Finca, wie sie hier Höfe nennen, wo die Leute unter schwierigsten Bedingungen dem Urwald ihr täglich Brot abringen.

Nach 20 Minuten hatten wir uns völlig verirrt (wir waren zusammen mit A.), und selbst einen Weg mit der Machete (das sind die ca. 50 cm langen Haumesser, die jeder im Urwald trägt, war dem Unterholz nicht mehr beizukommen. Unter großen Mühen fanden wir den Weg zur letzten Finca zurück, entschlossen nun, zu dem Dorf zurückzukehren. Nach insgesamt 13 Stunden Fußmarsch kamen wir dann da an und der Lehrer des Ortes, der gerade seine Schule selbst baute, wies uns einen Platz für unsere Hängematte an.

Serranía de la Macarena
Unter Machetenträgern

Am nächsten Tag fanden Susanne und ich dann den anderen Wasserfall, und am dritten Tag ging es noch mal 9 Stunden zu Fuß zurück bis zu unserem Ausgangsort. An dem letzteren, einem Dorf, [Vistahermosa] wo das Pferd bzw. der Esel das wichtigste Verkehrsmittel its, sind wir 10 Tage geblieben und waren, wie uns eine Frau sagte, „das Wunder des Dorfes“.

Zum Schluß wurden wir von einem Soldaten des „Stützpunkts“ (das einzige Gebäude des Stützpunkts war eine Schilfhütte mit einem ausgedienten Armeefallschirm als Dach) eingeladen. Bei der Ausreise per Bus müssen alle Männer aussteigen und sich von den Soldaten nach Waffen abtasten lassen – Ost-Kolumbien ist nämlich das Operationsgebiet der Guerilleros [der FARC]. Wir wurden bei der Ausreise [gemeint ist Abreise] per Handschlag begrüßt, während sich die anderen Fahrgäste des Busses wohl darüber gewundert haben, was wir wohl für hochgestellte Persönlichkeiten gewesen sind.

Na ja, trotz aller Probleme hat uns Kolumbien eigentlich sehr gut gefallen – wir sind genau einen Monat dageblieben, so daß wir jetzt zwei 2 Wochen hinter unserem Plan herhinken. Aber wir haben noch genug Zeit und auch noch recht viel Geld; wir haben uns selbst gewundert, bei der Einreise nach Brasilien mußten wir 600 US Dollar pro Person vorzeigen (sonst hätten sie uns vermutlich nur unter Schwierigkeiten hineingelassen), aber wir hatten noch 400 mehr und 1000 DM pro Person und Monat wird reichen.

Villavicencio
Villavicencio, meine damalige Freundin knüpfte Bändchen aus bunten Baumwollfäden zu Armbinden und alle Mädchen wollten das auch können…, vgl. In den Llanos, revisited (09.10.2022)

Wir haben in Kolumbien gelernt, Armbändchen aus Baumwolle zu knüpfen, haben uns billig alle möglichen Farben Stickgarn in Bogota verkauft und fabrizieren in Mußestunden wunderschöne Bänder, ganz bunt mit Mustern, jedes Bändchen ca. 1000 Knoten. Heute haben wir gerade eins für 8.50 DM verkauft!

So weit – wir hoffen auf Post in Manaus, auch aus Berlin.

Herzliche Grüße an alle…

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Wie es weiterging, hatte ich schon beschrieben: „Traumhaus und Traumschiff am Amazonas“ (26.10.2021)

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Wenn du mich liebst, bezahl mich

zeit

Don Alphonso schreibt hinter der Paywall der bürgerlichen Presse: „Sie sehen also, werte Leser, wählen Sie wohl, womit Sie Ihre Tage zubringen wollen: Bei einer Kurtisane erhalten Sie Dank für Aufmerksamkeiten und Nacktfotos. Bei dem woken Genderistinnen, die aus dem Politologen- und Soziologenanstalten in die ohnehin schon giftgrünen Redaktionen tröpfeln, bekommen sie dagegen die Meinung, dass Sie auch ohne weitere Gegenleistung gefälligst zu zahlen hätten, und zwar bis ins hohe Alter, egal, was die Dame sonst so tut. Diskretion können Sie nicht erwarten. Denn sollte es nicht erfunden sein, will die Autorin auch noch eine Freundin haben, die wegen weniger befriedigendem Sex einem Ex-Freund eine Zahlungsaufforderung über 200 Euro geschickt hat. Medienethisch gefragt: Wie bekommt man solche Storys durch? Mit K.-o.-Tropfen für den Ressortleiter?“

Bei der nächsten Freundin oder Affäre, der ich das Abwaschen, Kochen, Backen und Putzen beibringen muss, sag ich das dann auch.

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Die unsichtbare Kronen tragen

NAK
Heute kann man das Thema symbolisch viel besser bebildern: A highly devout, elitist group who believe they wear invisible crowns unseen by all but themselves. –ar 3:2

Dieser Artikel erschien leicht gekürzt am 20. Januar 1999 im Berliner Stadtmagazin TIP.

Bernhard Motzkus, 56, kramt einen geheimnisvollen Zettel aus seiner Brieftasche – interne Anweisungen, wie sich ein Mann mit Macht zu verhalten habe, nur für den Dienstgebrauch. Die Presse darf das Papier nicht einsehen. Motzkus liest das oberste Verhaltensprinzip vor: „Dienen und Führen.“
Ein schönes und hehres Motto. Es ist jedoch nicht für die knapp zehntausend Mitarbeiter der Charité gedacht, als deren Verwaltungsdirektor Motzkus sich nicht immer beliebt macht. Der Leitfaden für Führungskräfte, auf deren Weisungen er im Zweifelsfall zurückgreifen kann, gilt nur für die Prediger der Neuapostolischen Kirche. Der mächtige Mann der Charité steht jeden Sonntag in Moabit vor seiner Christengemeinde und dient und führt.

Die schwerreiche neuapostolische Kirche (NAK) ist die Mutter der Unauffälligkeit. Jedes Mitglied „opfert“ zehn Prozent des Bruttoeinkommens. Trotz des Geldsegens sind die 44 Kirchen in Berlin und das Gebäudebegleitgrün so friedhofskompatibel wie die ernsten Mienen der frommen Beter, die sich mindestens zwei Mal in der Woche versammeln. Kaum jemand weiß etwas über das heimliche Treiben der knapp 20000 Berliner, die der NAK angehören. Die fundamentalistische Sekte, ursprünglich eine Abspaltung von der anglikanischen Kirche, verkündet seit 150 Jahren, das heißersehnte „Kommen des Herrn“ stünde unmittelbar bevor. Wer zu den Rechtgläubigen gehört, den beamt Jesus vor dem großen Showdown zwischen Gut und Böse „in die Wolken“. Wenn sich der Rauch verzogen hat, kommen die Geretteten als „Könige und Priester“ zurück und zeigen den Ungläubigen, was eine Harke ist. „Wir verkünden die Wahrheit aus urchristlicher Sicht“, meint Bernhard Motzkus.

Nur wenige wissen davon, die heimliche und zukünftige Elite der Menschheit. Das sind, urchristlich bescheiden, nur die Neuapostolischen. Sie tragen, so hört man von draußen den Kirchenchor inbrünstig singen, unsichtbare Kronen. Die ahnungslose irdische Presse wird abgebügelt. Der für die Kontakte zur ungläubigen Welt Zuständige ist gerade auf Missionsreise in der inneren Mongolei. „Warum sollten wir mit ihnen reden?“ raunzt jemand rüde ins Telefon. Fotografieren verboten.

Die bei der Konkurrenz für Feindbeobachtung zuständigen Pfarrer heben mahnend den Zeigefinger: „Gefährliche Sekte! Aussteiger kriegen Probleme! Verrat an der wahren Lehre!“ Das macht neugierig. Bernhard Motzkus sieht das gelassen: „Auch die urchristlichen Gemeinden galten aus der Sicht der Juden als Sekten.“

Die wenigen Ex-Neuapostolischen, derer man habhaft werden kann, fahren jedoch schweres Geschütz auf. Heidlinde Brandt, 41, und Karl-Heinz Brandt, 43, sind beide, wie fast alle Mitglieder der NAK, in die Kirche hineingeboren worden. Vor einigen Jahre verließen sie ihre Gemeinde im Prenzlauer Berg. „Diktatorisches System“ ist noch einer der harmlosen Vorwürfe. Es sei nicht mehr so viel verboten wie früher. Kino ist erlaubt, vorehelicher Geschlechtsverkehr wird „nicht empfohlen.“ Aber die Frommen drohten bei abweichendem Verhalten jeder Art: „Da liegt nicht der Segen drauf.“ Und wer meint, zur wahren Elite zu gehören, hat beim Ausstieg Angst, alles zu verlieren. „Das ist eine Art von Abhängigkeit“, sagt Heidlinde Brandt. „Es gibt Amtsträger, die ihre Frau sexuell missbrauchen, es gibt Kindesmissbrauch. Man weiß davon, redet aber nicht darüber.“ Nachdem das Ehepaar den Kontakt zu Gleichgesinnten gesucht hatten, auch ein Psychologe war dabei, nennen sie sich Sektenaussteiger.

Holger B., 36, Lehrer aus Frohnau, war in seiner Gemeinde für die Jugend zuständig. Als er verkündete, er wolle der Kirche den Rücken kehren, „dachten die, ich machte einen dummen Witz.“ Sein stärkstes Motiv: die Verantwortung vor seinen drei Kindern. „Neuapostolische Jugendliche wissen, dass sie Außenseiter sind.“ Das wollte er seinen Töchtern nicht antun. Er wirft der NAK vor, die Lehre ihrer Apostel wichtiger zu nehmen als die Bibel. Jetzt ist er bei den Evangelen untergeschlüpft. „Die dürfen alles.“

Elke Berger, 35, Krankenschwester aus Tegel und Aussteigerin, kritisiert die allgegenwärtige Furcht vor dem strafenden Gott. Als ihre Tochter in die Sonntagsschule sollte, entschloss sie sich endgültig zum Bruch. „Das ist keine frohe Botschaft, sondern eine Angstbotschaft.“ Die NAK sei „eine Klassengesellschaft: oben die Amtsträger, dann deren Frauen, und dann der Rest.“ Der Ausstieg fielt ihr leichter, weil ihr Ehemann nicht zur Sekte gehörte. Viele ehemaligen Neuapostolischen bleiben der Kirche fern, treten aber nicht aus, weil sie ihren Eltern nicht wehtun wollen. „Für meinen Vater war mein Ausstieg schlimm“, sagt Holger B., „er hat bitter geweint.“

Im Gebälk der strenggläubigen Gemeinschaft knirscht und knackt es. Intern beschweren sich die Wessis bitter über die feindliche Übernahme durch die Ossis. Die Zentrale der NAK in der Schweiz hat nach der Wiedervereinigung verfügt, die West-Berliner Neuapostolischen müssten sich den Ost-Berlinern unterordnen. Das war naiv. Der oberste Berliner „Apostel“ Fritz Schröder ist gelernter DDR-Bürger, redet noch charismatischer als Honecker, lehnt die verderbte westliche Dekadenz ab und empfiehlt, sich ein Beispiel an den frisch missionierten Neuapostolischen in Kasachstan zu nehmen. Die stellten keine Ansprüche. Elke Berger berichtet von einer Gemeinde im Wedding: Dort flüchteteten ein Teil der Amtsträger wie Fußvolk gen Westen, weil der frisch gekürte Vorsteher, ein Ossi, sich so ultraorthodox gerierte, dass sich selbst die Zeugen Jehovas eine Scheibe hätten davon abschneiden können. „Wenn ein Amtsträger die ihm anvertrauten neuapostolischen „Schafe“ besuchte, sollten die sich festlich kleiden. Der Grund: Gott höchstpersönlich käme ins Haus.“

NAK

Der ganz und gar nicht urchristliche Opportunismus der NAK gegenüber jedwedem Staat und Regime wird auch heute nicht diskutiert. Der „Stammapostel“ Friedrich Bischoff wetterte 1933 gegen „jüdisch-marxistische Kliquen“ und schrieb an die Nazi-Machthaber: „Jedes Mitglied der Neuapostolischen Gemeinde ist durch die planmäßige Beeinflussung seitens der Hauptleitung in nationalsozialistischem Sinn erzogen.“ Die Nazis würden von den Neuapostolen „nicht nur anerkannt, sondern auch gefördert.“ Als Heidlinde Brandt die Akten zu Gesicht bekam, musste sie zugeben: „Über die Geschichte hat man uns belogen.“ Bernhard Motzkus will sich über die Vergangenheit nicht streiten. Er sei nicht autorisiert, im Namen der NAK zu sprechen, aber: „Jesus hat sich auch aus der Politik herausgehalten.“

Ganz zaghaft strecken die, die unsichtbare Kronen tragen, ihre Fühler aus in ein unbekanntes und gefährliches Terrain. „Es gibt auch in anderen Religionen ernstzunehmende Menschen, die das Heil nach der göttlichen Gerechtigkeit erlangen.“ Die Neuapostolischen reden sogar schon mit dem Rest der Welt – ein kleiner Schritt für die Ungläubigen, aber ein großer Schritt für eine Sekte. „Man muss sehen, was dabei herauskommt“, sagt Bernhard Motzkus.

Nachtrag: Das Stammpublikum weiß, warum ich bei dem Thema Experte bin.

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Neue Plakatkampagne der Bahn geleakt!

kampagne

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Lesebefehl [Update 02.08.2025]

Bücher

Folgende Bücher sollte man kennen, wenn man mir mir über Israel diskutieren will. Ich besitze alle, konnte aber bis jetzt nur rund die Hälfte lesen. Motto: Ich bin kein Klugscheißer, ich weiß es wirklich besser. (Har har, ich erspare dem Publikum die jeweiligen Links zur Großbourgeoisie.)

Sachbücher

– Al-Azm, Sadik: Self criticism after the Defeat, Beirut 1968 (engl. London 2011)
– Améry, Jean: Der neue Antisemitismus, Stuttgart 2024
– Anderson, Benedict: Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts, Frankfurt/M. 1996 (engl. 1983)
– Appiah, Kwame Anthony: Identitäten. Die Fiktionen der Zugehörigkeit, Berlin 2018
– Augstein, Rudolf: Jesus Menschensohn, Hamburg 1999
– Bernhardt, Johannes Christian: Die Jüdische Revolution: Untersuchungen zu Ursachen, Verlauf und Folgen der hasmonäischen Erhebung (KLIO / Beihefte. Neue Folge 22), Berlin, Boston 2017
– Brenner, Michael: Kleine Jüdische Geschichte, München 2012
– Cleveland, William L. und Bunton: Martin: A History of the Modern Middle East, New York 2016
– Deutscher, Isaac: Der Nichtjüdische Jude, Berlin 1968
– Deutscher, Isaac: Die ungelöste Judenfrage, Berlin 1977
– Diner, Dan: Ein anderer Krieg: Das jüdische Palästina und der Zweite Weltkrieg, 1935 – 1942, München 2012
– Elbe, Ingo: Antisemitismus und postkoloniale Theorie. Der „progressive“ Angriff auf Israel, Judentum und Holocausterinnerung, Berlin 2024
– Feldman, Deborah; Judenfetisch, München 2023
– Finkelstein, Israel und Silberman, Neil A.: David und Salomo. Archäologen entschlüsseln einen Mythos, München 2009
– Finkelstein, Israel und Silberman, Neil A.: Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel, München 2002 (engl. 2001)
– Frevel, Christian: Geschichte Israels, Stuttgart 2018 (2. Aufl.)
– Grigat, Stephan: Die Einsamkeit Israels. Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung, Hamburg 2014
– Herzl, Theodor: Der Judenstaat, Leipzig – Wien 1896
– Kepel, Gilles: Chaos: Die Krisen in Nordafrika und im Nahen Osten verstehen, Paris 2018 (dt. Ausgabe München 2019)
– Kepel, Gilles: Die Rache Gottes. radikale Moslems, Christen und Juden auf dem Vormarsch, München 1991 (frz. Paris 1991)
– Kirsch, Adam: On Settler Colonialism. Ideology, Violence and Justice, New York 2024
– Kraushaar, Wolfgang: Israel: Hamas – Gaza – Palästina: Über einen scheinbar unlösbaren Konflikt, München 2023
– Kraushaar, Wolfgang: „Wann endlich beginnt bei Euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel?“, Hamburg 2024
– Krämer, Gudrun: Geschichte Palästinas, München 2002
– Kuru, Ahmet T.: Islam, Authoritarianism, and Underdevelopment: A Global and Historical Comparison, New York 2019
– Lozowock, Yaacov: Israels Existenzkampf – Eine moralische Verteidigung seiner Siege, Hamburg 2006 (engl. New York 2003)
– Luxemburg, Rosa:. Nationalitätenfrage und Autonomie, Berlin 2016 (2. Aufl.)
– Luxenberg, Christoph: The Syro-Aramaic Reading of the Koran: A Contribution to the Decoding of the Language of the Koran, Berlin 2000
– Martini, Tania und Bittermann, Klaus (Hg.): Nach dem 7. Oktober. Essays über das genozidale Massaker und seine Folgen, Berlin 2024
– Marx, Karl; Zur Judenfrage, 1843 (in: MEW 1, S. 347ff.)
– Morris, Benny: 1948. Der erste arabisch-Israelische Krieg, Berlin, Leipzig 2023 (Originalausgabe 2008)
– Morris, Benny: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited, New York 2004
– Mury, Gilbert: Schwarzer September, Berlin 1974 (frz. Ausgabe Paris 1972)
– Nairns, tom/Hobsbawm, Eric/Debray, Reǵis/Lowy, Michael (Hg.): Nationalismus und Marxismus. Anstoß zu einer notwendigen Debatte, Berlin 1978
– Otto. Eckart: Das antike Jerusalem. Archäologie und Geschichte, München 2008
– Potter, Nicholas und Lauer, Stefan (Hg.): Judenhass Underground, Berlin – Leipzig 2023
– Pressburg, Norbert G.: Good Bye Mohammad. Das neue Bild des Islam, Norderstedt 2012
– Schäfer, Barbara (Hg.) Historiker-Streit in Israel. Die „neuen“ Historiker zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, Frankfurt – New York 2000
– Schneider, Richard C.: Die Sache mit Israel. Fünf Fragen zu einem komplizierten Land, München 2023
– Segev, Tom: 1967. Israels zweite Geburt, München 2005
– Segev, Tom: David Ben Gurion. Ein Staat um jeden Preis, München 2018
– Segev, Tom: Die ersten Israelis. Die Anfänge des jüdischen Staates. München 2008 (1998)
– Segev, Tom: Die siebte Million. Der Holocaust und Israels Politik der Erinnerung, Reinbek 1995
– Segev, Tom: Es war einmal ein Palästina. Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels, München 1999
– Simons, Jake Wallis: Israelphobie. Die Unendliche Geschichte von Hass und Dämonisierung, Berlin 2023
– Spielman, Doron: When the Stones Speak: The Remarkable Discovery of the City of David and What Israel’s Enemies Don’t Want You To Know, New York 2025
– Tenenboom, Tuvia: Gott spricht Jiddisch, Berlin 2023
– Thompson, Thomas L.: The Mythic Past: Biblical Archaeology And The Myth Of Israel, London 1999
– Weingartz, Hans: Die US-Israel Politk, Hg. Palästina-Komitee Bonn, 1972
– Weinstock, Nathan: Das Ende Israels? Nahostkonflikt und Geschichte des Zionismus, Berlin 1975
– Weinstock, Nathan: Das Bekenntnis eines ehemaligen Antizionisten, hagalil.com 2006 (erschienen in L’Arche no. 579-580 Juli-August 2006, übersetzt von Karl Pfeiffer)

Belletristik

Uris, Leon: Exodus, München 1958
Yishar, S. Auftakte, Reinbek 1998 (hebr. Tel Aviv 1992)

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Klassenstandpunkt

In der bürgerlichen Presse lese ich: „Die letzte Studie „Journalismus & Demokratie“ derselben TU Dortmund legt Zahlen auf den Tisch: 41 Prozent der befragten Journalisten sympathisieren mit den Grünen, 16 Prozent mit der SPD, sechs Prozent mit der Linken. Macht zusammen: 63 Prozent – Rot-Rot-Grün im Newsroom der Republik. Die FDP landet bei drei Prozent. Die CDU hat acht Prozent. AfD? Keine Nennung.“

„Wer nicht ins Weltbild passt, wird nicht nur ausgegrenzt – er wird moralisch diskreditiert. Mit Meinungsvielfalt hat das nichts zu tun. Der Trend passt vielmehr zum Aufstieg einer Gesinnungspublizistik, die Haltung mit Journalismus verwechselt, Empörung mit Recherche, moralische Empfindung mit Faktentreue.“

Die Deutsche Presseagentur sagt dazu, das sei gar nicht wahr.

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Aaliyah oder: Rechts der Bake, links der Bake

havel

Nach vier 12-Stunden-Tagschichten (3:50 Uhr aufstehen) war mir heute ein wenig nach Leibesübungen, zumal ich plane, im Oktober, wenn ich wieder nach Israel fliege, schon so braun gebrannt zu sein, dass jeder orientalische Sonnenbrand mich flieht.

temperaturÜberraschenderweise war es am Bootshaus kurz vor Mittag total leer. Der Besitzer meinte, es sei den Leute zu heiß. Das ist ja wieder mal typisch: Kaum ist der Sommer da, jammern sie wieder herum, dass es zu warm sei. Wie hätten sie’s denn gern?

Opa erzählt: 1980 in Manaus am Amazonas über 40 Grad im Schatten. 1998 in Elorza, Venezuela – eine Woche lang jeden Tag über 40 Grad. Das bisschen Hitze auf der Havel macht mir nichts aus, zumal dort immer eine leichte Brise weht.

Ich paddelte also wohlgemut in Tiefwerder los, der Weltläufte politischen, ökonomischen und kulturellen Situation der ganzen Welt eingedenk, und sinnierte vor mich hin, hoffend, der Kapitalismus würde irgendwann absaufen.

tiefwerder

Übrigens, weil ich es noch nie erwähnte: Mein Paddel ist von Kober & Moll („Die Marke Kober besteht seit 1886 und ist damit weltweit die älteste Paddel-Fabrik.“). Ich hätte nicht gedacht, dass man mit dem Verkauf von Paddeln allein Geld verdienen kann.

tiefwerder

Ja, es war fast niemand auf der Havel. Als ich sie überquert hatte, weil ich hoffte, am westlichen Ufer ein wenig Schatten zu finden, merkte ich dann doch, dass die Jugend unwiderruflich vorbei ist. Ich musste sogar eine kurze Pause einlegen. Außerdem fiel mir das Ruderblatt ab, und ich musste auf ein mit Vogelscheiße vollgeschissenes Dock Brett krabbeln, um das Teil wieder zu befestigen.

HavelHavel

Eine Frage an die hier mitlesenden Kapitäne, Leicht-, Schwer- und Vollmatrosen: Das Schiff auf dem Foto unten (ich habe nach Norden geknipst) fährt östlich der roten Bake nach Süden. Was erlauben? Ich dachte immer, die müssten mehr mittig in der Fahrrinne bleiben, weil die Bake befielt, zwischen ihr und dem Ufer nicht durchzuflutschen?

HavelHavel

Kurz vor dem Pichelssee kan mir noch ein ziemlich großer Pott entgegen, der aber offensichtlich leer war (oder vielleicht nur Federn geladem hatte). Der Name kam mir komisch vor. Ich befürchtete schon, dass Araber jetzt auch Schiffe kaufen und damit lärmend herumfahren.

Havel

Jetzt weiß ich, dass vermutlich die Sängerin Aaliayh gemeint ist. Binnenschifffahrende Profis oder Leute, die zu viel Geld für Unsinn ausgeben, können jederzeit sehen, wo das Schiff gerade ist. Es hieß früher GMS Saphir, gehört jemanden aus Niedersachsen und wurde 1973 in Mainz gebaut.

HavelHavel

Immer, wenn der Couponschneider Don Alphonso in der bürgerlichen Presse über Berlin herzieht und die Stadt „Reichshauptslum“ nennt, denke ich, dass er einerseits völlig recht hat, aber andererseits gilt: Es kommt darauf an, wo man ist. An der Havel im alten Westen ist es idyllisch…

Havel

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Kein Kratzer im Beton

tagesspiegel

Ich bekam jüngst ein Exemplar der bürgerlichen Qualitätspresse eine Zeitung geschenkt, für die ich früher viel geschrieben habe. Man sollte bekanntlich nicht die Medien konsumieren, die die eigene – schon vorhandene – Meinung bestätigen (wozu sollte man das tun?), sondern Feindsender nach etwas suchen, das mit soliden Argumenten dem eigenen betonfesten Weltbild ein paar Kratzer zufügt.

Was lese ich aber hier? Obwohl es juristisch völlig aussichtslos ist, faseln die Kollegen immer noch auf der ersten Seite herum, als wenn sie ein Lautsprecher der spdlinksgrünen Parteipresse wären. Vergesst es! Solange wir ein unabhängiges Bundesverfassungsgericht haben, wird es kein Verbot der AfD geben. Also verschwendet weder meine noch eure Zeit. Solche Artikel sind Regenzauber („Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich von allen Inhalten der von mir verlinkten Seiten“) oder Pfeifen im Wald im Lichterkettenmodus.

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So geht es immerfort weiter. Hitze macht mich nicht aggressiv. Nicht und niemals. Eher schlapp. Dahinter steckt vermutlich suggestiv die These, das Klima bringe syrische Männer in Freibädern dazu, sexuellen Missbrauch zu begehen. Das hat bestimmt nichts mit dem Islam zu tun. Vorsichtshalber sei hier aggressiv gebrüllt: Nein, das ist mitnichten so!

Israel setzt also auf die Gewalt? Ach. Ach was. Das Gegenteil wäre: Israel setzt auf friedliche Verhandlungen mit dem Iran und der Hamas? Manchmal ist mir selbst danach, angesichts dieses dumpfbackigen Geschreibsels, statt freundlich und nett zu dialogisieren auf eine saftige Backpfeife oder einen Arschtritt mit Siedlerstiefeln zu setzen.

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Was mich am meisten auf die Palme bringt: Da wagt es doch ein deutscher Journalist, hinter den zivilisatorischen Standard der russischen Revolution der Aufklärung zu fallen und religiotische Symbole in der Schule zu fordern. Nein, ich bin nicht tolerant bei so etwas und fordere auch alle anderen auf, unbedingt intolerant zu sein. Sonst enden wir dort, wo deutsche Universitäten heute schon sind. „Auch eine weitere Vorlesung („Wir haben das Semester gestartet mit einer besinnlichen Koranrezitation“) war offenbar nach Geschlechtern getrennt.“

Was hat dieser Quatsch überhaupt dort zu suchen? Für ein Burka- und Hidschab-Verbot an Schulen und Universitäten!

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Dept. Q

Dept. Q

Unbedingt empfehlenswert: Dept. Q. auf Netflix.

Der Plot ist nicht so ungewöhnlich für einen Thriller. Eine Geisel muss irgendwann befreit werden, und niemand weiß, ob sie noch lebt und wo. Auch Wokistan kommt zu Wort wie immer bei Netflix: Es dürfen nicht zwei „Weiße“ die Hauptrollen spielen (außer in skandinavischen Serien), einer von beiden muss weiblich oder wie hier Araber aka Einwanderer sein oder eine dunkle Haut haben. Ganz wie im wirklichen Leben bei der Kripo.

Der Thriller ist grandios wegen der Schauspielerei des Helden Carl Morck, gespielt von Matthew Goode.

Carl Morck, Detective mit Bestbewertungen, kehrt zurück zur Arbeit nach einer Schießerei, in der er schwer verletzt, sein Partner und Freund James Hardy querschnittsgelähmt und ein Streifenpolizist getötet wurden. Die Freude über seine Rückkehr ist verhalten, da er als arroganter Kollege wahrgenommen wird, der auf andere herabschaut. Um die Nachwirkungen des Traumas zu verarbeiten, muss er sich einer Therapie stellen.

Das ist eigentlich alles schon vorher absehbar. Natürlich muss der Held ein sehr guter Polizist sein, sonst wäre er nicht der Held in einem Polizeifilm. Außerdem kann sich nur jemand, der alle Fälle löst, leisten, den Vorgesetzen permanent den Mittelfinger zu zeigen. Der „Freund und Partner“ ist der übliche Männerfreundschaftsplot. Auch dass der Held psychische Probleme hat, gehört zu so einem Film. Das ist nur bei Frauen meistens nicht so, oder sie sind lesbisch. Frauen als Polizisten dürfen in Krimis normal sein, Männer nicht, seit die Zeit der allwissenden Vaterfiguren vorbei ist.

Wenn man ein Element kennt, kann man sich die anderen gleich dazudenken. Einer im Team muss sich im Prügeln auskennen (wie hier der Syrer, von dem man es nicht vermutet), der andere ist dann der Denker. Einer muss den Clown spielen wie hier Leah Byrne usw..

Originell bei Dept. Q sind die Dialoge (in Englisch!), gewürzt mit tiefschwarzem britischen Humor (obwohl alles in Schottland spielt), und wie der Hauptdarsteller seine Rolle spielt. Er hat die körperliche Präsenz eines Ragnar Lodbrok: Man spürt sofort, dass ihn nichts aufhalten kann, wenn er sich einmal etwas vorgenommen hart. Sehr witzig auch die abgefuckten Konversationen mit seiner Therapeutin, die als eine der Wenigen ihm gewachsen ist.

Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt, was nicht so oft vorkommt.

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Unter Drahtziehern

Burg Altena
(Credits aller Bilder BurkS | Museum Burg Altena)

Bevor wir uns mit dem hier schon erwähnten Needham-Rätsel beschäftigen, welchselbiges unsere Kenntnisse weit vorantreiben wird (nein, es wurde noch nicht gelöst), müssen wir einen kleinen Ausflug in den Frühkapitalismus in Deutschland unternehmen, sozusagen als Addendum.

Das Museum der Burg Altena eignet sich hervorragend, um die Ausnahmen zu schildern, die die Regeln bestätigen. Museen beschäftigen sich vorwiegend mit den Hinterlassenschaften der herrschenden Klasse, hier denen des Feudalismus, weil die interessanter aussehen, weniger mit dem, was die Gesellschaft antreibt – der Ökonomie.

Warum also braucht man zum Beispiel in der Landwirtschaft einen Pflug? Und hat der Folgen für die Entwicklung zum Kapitalismus?

Der Einsatz eines Pfluges in der Landwirtschaft hat folgende wesentliche Vorteile:
Bodenauflockerung: Der Pflug lockert den Boden auf, wodurch er besser durchlüftet wird.
Unkrautbekämpfung: Beim Pflügen werden Unkräuter untergegraben und so bekämpft.
Durchmischung der Bodenschichten: Nährstoffe und Pflanzenreste werden gleichmäßig verteilt.
Verbesserung der Wasseraufnahme: Aufgelockerter Boden kann Wasser besser aufnehmen und speichern.
Förderung des Pflanzenwachstums: Die verbesserten Bodenverhältnisse schaffen optimale Bedingungen für die Saat.

Die wesentlichen Nachteile des Pflügens in der Landwirtschaft sind:
Erosion: Lockerer Boden ist anfälliger für Wind- und Wassererosion.
Bodenstrukturverlust: Häufiges Pflügen kann die natürliche Bodenstruktur schädigen.
Humusabbau: Pflügen beschleunigt den Abbau von Humus und Bodenlebewesen.
Hoher Energieaufwand: Der Einsatz von Maschinen zum Pflügen erfordert viel Energie und Kraftstoff.
Kosten: Anschaffung und Betrieb von Pflügen verursachen zusätzliche Kosten.

Der älteste bekannte Pflug in Deutschland ist der aus Friesland – dreieinhalb Jahrtausende alt. Auch die Römer hatten Pflüge. Das Gerät an sich ist also nichts Besonderes. Die Kombination macht es aber: Pferde als Zugtiere von Pflügen gab es zuerst in Nordwesteuropa.

ChatGPT: In Europa werden Pferde als Zugtiere für Pflüge seit etwa dem 8. bis 9. Jahrhundert systematisch eingesetzt. Vor dieser Zeit wurden hauptsächlich Rinder (Ochsen) zum Pflügen verwendet, da sie zwar langsamer, aber kräftig und ausdauernd sind. Die effektive Nutzung von Pferden als Zugtiere setzte sich erst durch, als technische Verbesserungen eingeführt wurden, insbesondere:

– Das Kummet (ein gepolstertes Zuggeschirr), das den Druck besser verteilte und das Atmen nicht behinderte.
Verbesserte Hufeisen, die die Tritte der Pferde auf harten oder steinigen Böden schonten.

Ab dem Frühmittelalter, besonders in Nordeuropa, begannen Bauern, Pferde verstärkt zum Pflügen einzusetzen, da sie schneller arbeiten konnten als Rinder. Diese Entwicklung trug wesentlich zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität im Hochmittelalter bei. [Wir hatten das schon ähnlich in „Energie, Masse und Kraft“ (04.04.2021)

Eisen? Hat jemand Eisen gesagt?

Sichel

Bäuerliches Leben

Während im Mittelalter und in der frühen Neuzeit die Bauern die zahlenmäßig und wirtschaftlich stärkste Bevölkerungsgruppe bildeten, hatten sie für das Märkische Sauerland im Vergleich zur draht- und eisenverarbeitenden Handwerkerschaft eine eher geringe Bedeutung. Schuld daran waren die Hanglagen, die ein Abschwemmen der Humusschicht begünstigten. Die kaum nährstoffreichen Grauwackenböden erforderten eine intensive Düngung, die jedoch aufgrund der wenig betriebenen Viehwirtschaft nur mit Hilfe von Laub und Brandrodung zu bewerkstelligen war. Hauptsächlich angebaut werden konnte deshalb nur der genügsame Hafer, aber auch Roggen, hingegen fast kein Weizen, dessen Produkte ohnehin als Herrenspeise galten.

Wir erinnern uns, dass man in römischen Antike vorwiegend Weizenbrot aß, weil Roggen in Südeuropa nicht so gut gedeiht.

Bis weit in 18. Jahrhundert hinein kann für die hiesige Gegend keine exakte Trennungslinie zwischen den einzelne Schichten gezogen werden. Der Adel besaß neben seinem landwirtschaftlichen Grundbesitz Anteile an der Drahtindustrie, während der Drahtzieher zur Deckung seines Nahrungsmittelbedarfs nebenbei ein wenig Landwirtschaft betrieb, und der Bauer verdient sich ein Zubrot in der Drahtrolle, um so ein karges Einkommen zu erhöhen. (Credits: Museum Burg Altena)

Statt „Schichten“ sagt der marxistische Wissenschaftler „Klassen“, die exakt nach ihrem Verhältnis zu den Produktionsmitteln bestimmt werden. Aber so einfach ist es hier – also in der sauerländischen Mark – nicht. Der Feudaladel, dem Grund und Boden fast immer gehören, mimt schon den Bourgeois, also den Kapitalisten. Und Bauern sind gleichzeitig Proletarier.

Diese Grauzone ist der Ökologie geschuldet: Erstens gab das Land für Bauern nicht genug her. Zweitens: „Das Eisen wurde während des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit durch mit Wasserkraft betriebene Hammerwerke hergestellt. Diese konzentrierten sich vor allem im ländlichen Bereich des Kirchspiels Lüdenscheid“ (Wikipedia: Drahtzieher). Es muss auch Wasser bzw. Wasserkraft vorhanden sein.

Im „Mikrokosmus“ des märkischen Sauerlands treffen also verschiedene Faktoren zusammen, die begünstigen, dass sich der Kapitalismus dort – auf noch niedrigem Niveau – sehr schnell entwickelte, schneller als etwa in Bayern oder Holstein.

Pflug

Feldarbeit und Flachsverarbeitung

Der Pflug ist ein sehr typisches bäuerliches Arbeitsgerät, das sich nur sehr reiche Bauern leisten konnten. Die Eisenteile und die notwendigen Zugtiere, wie Pferde und Ochsen, waren teuer. Kleinbauern mussten sich hingegen Pflug und Zuggespann ausleihen, wodurch sich ihre Abhängigkeit von den Reichen und Mächtigen noch vergrößerte. Um dies zu vermeiden, bildeten sich seit dem frühen Mittelalter Genossenschaften, deren gemeinsames Wirtschaften die bäuerliche Mentalität prägte. Der Ausbau von Flachs nahm in der autarken bäuerlichen Arbeits- und Wirtschaftsorganisation einen großen Stellenwert ein. Er war beispielsweise das Grundmaterial für die Bekleidung wie auch Teil des Arbeitslohns der Mägde. Die Verarbeitung von Flachs war reine Frauenarbeit. Die einzelnen Arbeitsschritte, angefangen von der Flachsernte über das Trocknen bis hin zur Verarbeitung bedeuteten ausgesprochen schwere Handarbeit. (Credits: Museum Burg Altena)

Ringelpanzer

„Hauptort für die Herstellung der Ringelpanzer war bis zu deren Verschwinden aus der Kriegsrüstung die Stadt Iserlohn. Für feinere Drähte ist später das benachbarte Altena, in der heute das Deutsche Drahtmuseum beheimatet ist, die „Drahthauptstadt der Welt“. Von der Burg Altena aus wurde der Handel mit dem begehrten Osemund geschützt.“ (Credits. Museum Burg Altena)

Das Osemundeisen eignete sich besonders zum Drahtziehen. Erst auf der Basis dieses Materials konnte sich die Drahtfabrikation in den Städten Lüdenscheid, Altena und Iserlohn entwickeln. Interessant, dass die diese kleine Industrie im voll entwickelten Kapitalismus im 19. Jahrhundert wieder verschwindet, da sie nicht wirklich für Massenherstellung taugt.

drahtzieher
Um zu verhindern, dass die Altenaer Drahtzieher infolge der durch Brand zerstörten Drahtrollen auswandern und ihre Lehre verbreiten, bestätigt Herzog Wilhelm der Freiherr* Altena das Privileg, dass kein Drahtzieher Altena verlassen und sein Handwerk an einem anderen Ort ausüben darf.

„Voll“ entwickelt heißt auch, dass niemand der Ware Arbeitskraft den Arbeitern vorschreibt, wo sie sich denjenigen anbieten, der ihre Ware – also ihre Arbeitskraft und nur die – nimmt (die im suggestiven Kapitalismus-affinen Neusprech merkwürdigerweise „Arbeitgeber“ genannt werden). Die Vorschriften, die etwa Handwerkern gemacht wurden (vgl. oben), nicht wegzuziehen, sind der Konkurrenz im Wege – so etwas wird heute dem Markt der Ware Arbeitskraft überlassen.

Belegschaft der Firma Carl Rahmede
Belegschaft der Firma Carl Rahmede, um 1880. „Dieses Foto zeigt, wie viele Kinder damals in einer Drahtfabrik in Altena arbeiteten. Dabei gab es schon Beschwerden der Handelskammern. Sie fürchteten einen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, wenn der Einsatz der Kinder als billige Arbeitskräfte eingeschränkt würde.“ (Credits: Museum Burg Altena)

Damals kannte auch das sentimentale Herumlamentieren nicht. Kinderarbeit war billiger, also wurde sie genommen. Das war bei den Bauern im Spät- und Hochmittelalter auch nicht anders. Das Verbot der Kinderarbeit ist ein Produkt des Spätkapitalismus. (StandardwerkPhilippe Ariès: Geschichte der Kindheit, 1960, dt. 1975)

Belegschaft der Besteckschleiferei der Firma Carl Berg
„Belegschaft der Besteckschleiferei der Firma Carl Berg, 1897 (Reproduktion). Auf diesem Foto sind mehrere Kinder als Arbeiter zu erkennen.“ (Credits: Museum Burg Altena)

* Gemeint ist vermutlich Johann Wilhelm (Jülich-Kleve-Berg), da der „prominentere“ Wilhelm (Jülich-Kleve-Berg) schon 1592 gestorben ist.
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Bisher zum Thema Feudalismus erschienen:
– Reaktionäre Schichttorte (31.01.2015) – über die scheinbare Natur und die Klasse
– Feudal oder nicht feudal? tl;dr, (05.05.2019) – über den Begriff Feudalismus (Fotos: Quedlinburg)
– Helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun (08.05.2019) – über die Funktion der verdinglichten Herrschaft in oralen Gesellschaften (Quedlinburger Domschatz I)
– Tria eburnea scrinia com reiquis sanctorum (09.05.2019) – über Gewalt und Konsum der herrschenden Feudalklasse als erkenntnistheoretische Schranke (Quedlinburger Domschatz II)
– Die wâren steine tiure lâgen drûf tunkel unde lieht (10.05.2019) – über die Entwicklung des Feudalismus in Deutschland und Polen (Quedlinburger Domschatz III)
– Authentische Heinrichsfeiern (13.05.2019) – über die nationalsozialistische Märchenstunde zum Feudalismus (in Quedlinburg)
– Der Zwang zum Hauen und Stechen oder: Seigneural Privileges (15.06.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [I] (24.07.2019)
– Yasuke, Daimos und Samurai [II] (03.05.2020)
– Agrarisch und revolutionär (I) (21.02.2021)
– Trierer Apokalypse und der blassrose Satan (17.03.2021)
– Energie, Masse und Kraft (04.04.2021)
– Agrarisch und revolutionär II (15.05.2021)
– Gladius cum quo fuerunt decollati patroni nostri (Essener Domschatz I) (28.10.2021)
– Magische koloniebildende Nesseltiere mit kappadokischem Arm und Hand (Essener Domschatz II) (14.11.2021)
– Ida, Otto, Mathilde und Theophanu, kreuzweise (Essener Domschatz III) (27.11.2021)
– Hypapante, Pelikane und Siebenschläfer (Essener Domschatz IV) (17.12.2021)
– Pantokrator in der Mandorla, Frauen, die ihm huldigen und die Villikation (Essener Domschatz V) (23.12.21)
– Jenseits des Oxus (09.01.2022)
– Blut, Nägel und geküsste Tafeln, schmuckschließend (Essener Domschatz VI) (18.04.2022)
– Missing Link oder: Franziska und kleine Könige (28.05.2022)
– Die Riesen von Gobero (Die Kinder des Prometheus Teil I) (18.07.2022)
– Die Liebhaber von Sumpa, Ackergäule und Verhüttung (Die Kinder des Prometheus Teil II) (25.07.2022)
– Mongolen, Ming und Moguln (Die Kinder des Prometheus Teil III) (09.03.2025)
– Abstrahierte ökonomische Universale, revisited (08.05.2025)
– Unter Drahtziehern (29.06.2025)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I (02.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika I, Addendum (16.01.2026)
– Sklavenhaltergesellschaften in Afrika II (18.01.2026)

Zum Thema Sklavenhaltergesellschaft:
Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil I]) (05.11.2020)

Doppeldenk oder: Die politische Macht kommt aus den Legionen [Teil II]) (27.12.2020)

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Die Mütter aller Phrasen

medien

Leider hinter der Paywall der bürgerlichen Presse: „Eine Woche analog fernsehen: Dafür muss man hart im Nehmen sein – zumal beim Programm von ARD und ZDF. Unsere Autoren wagen es. Und gelangen zu Erkenntnissen wie: Am Ende ist immer Israel schuld. Und man kann auch über Abgründe des Islam berichten, ohne diesen je zu erwähnen.“ (Reinhard Mohr und Henryk M. Broder)

Zitate: „Letzte Woche in der „Abendschau“ des RBB. Es geht um das Thema „Zwangsheirat“. Junge Mädchen verschwinden aus der Schule und kommen nie wieder. Seltsam nur: Weder in dem Filmbeitrag noch im Interview mit der Beraterin einer Hilfsorganisation taucht auch nur ein einziges Mal das Wort „Islam“ oder „muslimisch“ auf.“

„Noch am Dienstag sieht die ZDF-Korrespondentin in Istanbul das iranische Militär trotz der israelischen Enthauptungsschläge „gut aufgestellt“. Im „Tagesthemen“-Kommentar ruft die ehemalige Sprecherin von Bundespräsident Joachim Gauck, Ferdos Forudastan, zur „Entspannung“ auf und forderte eine Distanzierung des Westens von Israel. Bei Markus Lanz im ZDF stellt der Nahostexperte Daniel Gerlach Irans Streben, eine Atommacht zu werden, sogar infrage.“

„Man kann über vieles streiten, aber bei ARD und ZDF dominiert ein endemischer Moralismus, der von vornherein den kühlen, analytischen Blick verhindert, etwa auf den Einfluss des brutalen Mullah-Regimes in der gesamten Region und die totalitäre Achse Russland-China-Nordkorea-Iran, die den Westen bedroht. Appeasement ist in den Rundfunksendungen Trumpf, Angst essen Seele auf, der Status quo ist heilig. Und der beschwichtigende Ruf nach „Verhandlungen“ wird zur Mutter aller Phrasen,…“

„Ob bei ARD oder ZDF, am Ende landet stets Israel auf der Anklagebank. Die suggestive Macht der Bilder aus Gaza, der sinnliche Eindruck der kriegerischen Schrecken überhaupt, sind größer als jeder faktische und historische Kontext, zumal dann, wenn Mitteilungen des „Gesundheitsministeriums in Gaza“, also der terroristischen Hamas, unkommentiert gemeldet werden – ganz so wie etwa eine Information der AOK Rheinland zur Erhöhung der Zahnzusatzversicherung.“

„Die Wahrscheinlichkeit, dass über ein Unglück oder ein Massaker im öffentlich-rechtlichen Fernsehen berichtet wird, ist umso geringer, je weiter entfernt der Ort des Geschehens liegt. Gaza und die Golan-Höhen liegen praktisch vor unserer Haustür, über die Lage der Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch etwa erfahren wir hingegen wenig.“

„Die Frage nach den „Ursachen der Gewalt“ wird im ZDF rein rhetorisch gestellt, ohne sie zu beantworten. Es gebe da „unterschiedliche Interpretationen“. Denkbar sei, dass es sich um einen klassischen „Farmer-Viehhirten-Konflikt“ handelt, weil das Vieh der Hirten die „bestellten Felder“ der Bauern zerstört habe. Unzulässigerweise habe die Auseinandersetzung einen „religiösen Anstrich“ bekommen, weil die sesshaften Bauern sich überwiegend zum Christentum bekennen, während die Hirten der ethnischen Gruppe der Fulani angehören und Muslime sind. „Verschiedenen Experten“ zufolge sei „fälschlicherweise von Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen gesprochen“ worden. Gott bewahre! Wenn Muslime Christen umbringen – in Nigeria sind schon weit über 6000 christliche Todesopfer zu beklagen –, hat das natürlich nichts mit dem Islam zu tun.“

„Der wahre „Konflikttreiber“, also das Mordmotiv, sei nämlich – Obacht! – „der Klimawandel“! Wegen „knapper werdender Weideflächen“ müssten Hirten weiter in Richtung Süden ziehen, was zu „Konflikten“ führe – wegen des Klimawandels. Da bekommt der Begriff „letzte Generation“ für die Christen in Nigeria einen ganz praktischen Sinn. Und das Motto des ZDF? Bloß nicht über den Islam reden! Das nennt man öffentlich-rechtliche Islamophobie.“

medien

Vermutlich bin ich weder eine relevante noch eine repräsentative Person oder mein Medienverhalten ist exotisch: Ich tue mir „öffentlich-rechtliches“ Fernsehen schon mehr als ein Jahrzehnt nicht mehr an. Diejenigen, die, wenn es dunkel wird, ihre Zeit vor der Glotze verbringen, kenne ich zwar, aber ich habe mit ihnen so viel zu tun wie mit Taro-Pflanzern in Papua-Neuguinea. Ich verstehe sie nicht. Dementsprechend enden auch die zaghaften Versuche, dann über politische Themen zu diskutieren. Das geht nicht.

Man weiß auch schon immer vorher, was kommt. Die Leute merken gar nicht mehr, dass sie im Schießschartenmodus denken und reden. Das gilt für die meisten Themen: Israel sowieso („Zwei Staaten=Lösung! Das arme Palästinenservolk!)“. Ukraine (Putin ist ein pöhser Verbrecher!). Klima (müssen wir retten). China (aber die Uiguren!). Tunten und Transen (irgendeine unverständliche Abkürzung). Nachhaltig und divers oder umgekehrt. Trump (ist pöhse/verrückt/narzistisch/sexistisch). Kopftücher. Gendersprache.

Nun könnte man einwenden, in meinem Fall wäre das auch so. Meine Versuche, mit dem Holzhammer zu argumentieren, sind aber aus der Verzweiflung entstanden, dass man den kümmerlichen Rest Ratio in manchen Gehirnen gar nicht mehr verbal hervorlocken kann.

Was mich aufregt, ist die Attitude, insbesondere aus meinem (früheren?) Milieu, dass es einen Konsens gebe. So neulich eine Nachbarin in Neukölln, jung, weiblich, „alternativ“: [irgendein Thema] „Aber die Nazis?!“ Gemeint war natürlich die AfD. Andere Probleme gibt es bekanntlich gar nicht.

Eigentlich wäre das ein Thema für einen dystopischen Science-Fiction-Roman. Oder ich lese einfach wieder Der Fremde von Camus. Oder Die Pest.

„Philosophie des Absurden in literarischer Form“ – das gefällt mir.

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RSA-Verschlüsselung mit Quantencomputern

quantum computer
Interessante Aufgabe für die KI, das Thema zu bebildern. Ich habe eine Weile herumgepromptet, bis mir die Ergebnisse gefielen. Zum Schluss ließ ich noch das Original verändern.

Here’s a suitable English prompt for generating a symbolic image representing “China Breaks RSA Encryption Using Quantum Computer”:: An artistic, symbolic illustration showing China represented by a red dragon. In the background, a glowing quantum computer with floating qubits and digital circuits. The scene combines cyberpunk and futuristic elements, with a dark, high-tech atmosphere, symbolizing the breakthrough in encryption. The image conveys the idea of advanced quantum technology overpowering traditional cryptographic security.

Bei späteren Durchläufen habe ich den Drachen weggelassen.

Earth.com: „China Breaks RSA Encryption Using Quantum Computer | What It Means for Cybersecurity“.

Das ist spannend. Die conclusio eines ähnlichen Artikels von UniSense Advisory auf Deutsch: „Derzeit existieren keine Quantencomputer, die in der Lage sind, RSA-2048- oder ECC-Verschlüsselung zu knacken. Dennoch stellt dieser Durchbruch im Bereich des Quantencomputings in China einen Machbarkeitsnachweis dar, dass Quantenmaschinen zunehmend ausgereifter werden. Die Lücke zwischen Theorie und praktischer Anwendung wird kleiner.

Führungskräfte im Bereich Cybersicherheit bezeichnen diesen absehbaren Moment als Q-Day – den Zeitpunkt, an dem die heutige asymmetrische Verschlüsselung nicht mehr als sicher gilt. Der Zeitrahmen für den Q-Day hat sich von einer entfernten Zukunftsangst hin zu einem realen Risiko verschoben, auf das man sich bereits heute vorbereiten muss.“

Also genau das Gegenteil von dem, was die Schlagzeile behauptet.

quantum computer

Damit war ich aber noch nicht zufrieden. Barış Ege (Keysight Technologies) schrieb schon 2024: „Security Highlight: China’s Quantum Leap, and Why RSA Isn’t at Risk (Yet)“. Den Artikel habe ich mir von der KI natürlich übersetzen lassen, weil er ganz schön anspruchsvoll auf Englisch ist, und befahl dann: „Formuliere den Text weniger technisch, aber kürze ihn nicht.“

„Sehr gern! Hier ist der Text in weniger technischem, allgemeinverständlichem Stil – die Inhalte bleiben vollständig erhalten, nur die Fachbegriffe und komplizierten Erklärungen wurden vereinfacht:

In den letzten Tagen sorgten Schlagzeilen für Aufregung, wonach chinesische Wissenschaftler möglicherweise in der Lage sind, selbst hochsichere RSA-Verschlüsselungen mit Quantencomputern zu knacken. Das löste verständlicherweise Sorgen um die Sicherheit unserer Daten im Internet aus. Doch ein genauer Blick auf die Fakten zeigt: So weit ist es noch lange nicht. Hier erfahren Sie, was wirklich dahintersteckt.

Was genau ist passiert?

In einer chinesischen Fachzeitschrift wurde kürzlich eine Studie veröffentlicht. Darin berichten Forscher der Universität Shanghai, dass es ihnen gelungen ist, mithilfe einer speziellen Quantenmaschine von D-Wave eine 22-stellige Binärzahl (also eine recht kleine Zahl) in ihre Bestandteile zu zerlegen. Das sogenannte „Faktorisieren“ dieser Zahl ist die Grundlage dafür, bestimmte Verschlüsselungen zu knacken.

Dabei wurde gezeigt, dass man mit dieser Art von Quantenmaschine, dem sogenannten „Quantum Annealer“, Verschlüsselungsprobleme in Rechenaufgaben umwandeln kann, die sich leichter lösen lassen. Allerdings handelt es sich dabei nur um sehr kleine Zahlen.

Zum Vergleich: Die heute üblichen Sicherheitsschlüssel bei der RSA-Verschlüsselung haben mindestens 2048 Stellen. Die kleine 22-Bit-Zahl aus der Studie liegt also Welten davon entfernt. Das zeigt: Auch wenn dieser Erfolg ein kleiner Fortschritt ist, bedroht er die heutige Verschlüsselungstechnologie noch nicht.

RSA-Verschlüsselung funktioniert so sicher, weil es extrem schwer ist, sehr große Zahlen in ihre Primzahlen zu zerlegen. Klassische Computer stoßen dabei schnell an ihre Grenzen. In der Theorie könnten Quantencomputer diese Aufgabe einmal viel schneller lösen – allerdings eben nur in der Theorie.

Quantum Annealing und echte Quantencomputer – ein Unterschied

Die Forscher nutzten bei ihrem Experiment nicht einen vollwertigen Quantencomputer, sondern eine spezielle Maschine für Optimierungsaufgaben, eben den „Quantum Annealer“ von D-Wave. Diese Geräte können bestimmte Rechenaufgaben lösen, sind aber noch nicht leistungsfähig genug, um mit den großen Zahlen der heutigen Verschlüsselung umzugehen.

Außerdem arbeiteten die Forscher nicht rein mit Quanten-Technik, sondern nutzten eine Kombination aus klassischer und Quanten-Rechenleistung. Noch ist auch unklar, ob der Ansatz der Forscher jemals in großem Maßstab funktionieren wird – dafür bräuchte es viel leistungsfähigere Quantenmaschinen oder vollwertige Quantencomputer, die beispielsweise den berühmten Shor-Algorithmus ausführen können. Damit könnten theoretisch große RSA-Schlüssel geknackt werden – praktisch ist das aber noch Zukunftsmusik.

Auch wenn Quantum Annealing irgendwann schneller beim Knacken von RSA-Schlüsseln sein könnte als klassische Computer, bleibt fraglich, ob solche Maschinen überhaupt vor den echten, universellen Quantencomputern verfügbar sein werden.

quantum computer

Wie groß ist die Gefahr für die heutige Verschlüsselung wirklich?

So spannend das Thema Quantencomputer ist – die Bedrohung für unsere heutige Verschlüsselung wird oft übertrieben. Es gibt noch viele Hindernisse, die es zu überwinden gilt:

Sehr kleine Rechenleistung bisher: Die D-Wave-Maschine konnte bisher nur eine winzige 22-Bit-Zahl zerlegen. RSA-Schlüssel sind meist über 2000 Bit lang, einige sogar doppelt so lang. So weit sind die Quantencomputer noch lange nicht.

Klassische Computer sind überlegen: Selbst die leistungsfähigsten Quantenmaschinen haben noch keine Chance gegen klassische Computer, wenn es darum geht, große Zahlen zu zerlegen. Zum Vergleich: Mit klassischen Methoden wurde bereits eine 250-stellige Dezimalzahl erfolgreich faktorisert – das entspricht einer 829-Bit-Zahl. Quantenmaschinen liegen davon noch weit entfernt.

Nicht alle Verschlüsselungen sind betroffen: Quantencomputer bedrohen vor allem sogenannte asymmetrische Verschlüsselungsverfahren wie RSA oder ECC. Andere, weit verbreitete Methoden wie die symmetrische AES-Verschlüsselung sind derzeit nicht in Gefahr. Selbst wenn nötig, könnte man bei AES einfach längere Schlüssel einsetzen.

Technische Hürden bei Quantencomputern:

Quantencomputer haben noch große technische Probleme. Die kleinsten Bausteine, die sogenannten Qubits, sind extrem empfindlich gegenüber Störungen. Sie stabil und zuverlässig zum Laufen zu bringen, ist sehr aufwändig.

Fachleute schätzen, dass man für ein einziges zuverlässig funktionierendes Rechenbit („logisches Qubit“) zwischen 100 und 1000 physikalische Qubits benötigt. Um RSA-Schlüssel mit 2048 Bit sicher zu knacken, wären laut Berechnungen mindestens 4000 dieser logischen Qubits nötig – ein gigantischer Aufwand, den bisher niemand erreicht hat.

Microsoft-Forscher haben außerdem berechnet, dass zum Knacken eines Standard-256-Bit-Schlüssels, wie er bei vielen modernen Verschlüsselungen zum Einsatz kommt, rund 2500 logische Qubits erforderlich wären. Auch das ist momentan weit außerhalb des technisch Machbaren.

Trotzdem können kleinere Quantencomputer schon heute für bestimmte Aufgaben nützlich sein, etwa bei komplizierten Planungs- oder Optimierungsproblemen oder beim maschinellen Lernen. Aber diese Anwendungen haben nichts damit zu tun, RSA-Schlüssel oder andere sichere Verschlüsselungen zu knacken.

Deshalb mahnen Experten zur Vorsicht: Die Fähigkeiten von Quantencomputern werden oft übertrieben dargestellt. Wer wirklich in der Lage wäre, Verschlüsselungen wie RSA großflächig zu knacken, würde das vermutlich geheim halten – und nicht in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlichen.

quantum computer

Die Zukunft: Verschlüsselung sicher vor Quantenangriffen machen

Auch wenn die konkrete Bedrohung noch in der Zukunft liegt, bereitet sich die IT-Branche bereits auf mögliche Quantenangriffe vor. Dafür werden neue, sogenannte „quantensichere“ Verschlüsselungsverfahren entwickelt. Diese nennt man Post-Quantum Cryptography (PQC).

Die US-Standardisierungsbehörde NIST hat bereits einige dieser neuen Algorithmen, etwa „Dilithium“ und „Kyber“, offiziell anerkannt. Sie werden bereits schrittweise in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Diese Verfahren sollen selbst dann sicher bleiben, wenn Quantencomputer in Zukunft deutlich leistungsfähiger werden.

Die Technik für diese neuen Verfahren steht grundsätzlich bereit. Die größte Herausforderung besteht allerdings darin, sie fehlerfrei zu integrieren. Fehler bei der Einführung neuer Verschlüsselung könnten größere Sicherheitslücken verursachen als die Quantencomputer selbst.

Deshalb ist es besonders wichtig, bei der Umsetzung auf geprüfte und zertifizierte Produkte zu setzen. Nur so kann sichergestellt werden, dass neue Verschlüsselung wirklich sicher ist und nicht durch schlampige Umsetzung selbst zur Schwachstelle wird.

Wenn du möchtest, kann ich den Text auch noch stärker vereinfacht zusammenfassen – zum Beispiel in einer Version für die breite Öffentlichkeit ohne technisches Vorwissen. Sag einfach Bescheid!“

Soll ich Bescheid sagen?

[Dieser Artikel auf Englisch]

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RSA Encryption Using Quantum Computer

quantum computer

An intriguing challenge for AI: creating a visual representation of this topic. I experimented with various prompts for a while until I was satisfied with the results. In the end, I even modified the original version.

Here is a refined English prompt suitable for generating a symbolic image representing “China Breaks RSA Encryption Using Quantum Computer”: An artistic, metaphorical illustration depicting China as a red dragon. In the background, a glowing quantum computer with floating qubits and intricate digital circuits. The scene merges cyberpunk and futuristic aesthetics, set against a dark, high-tech backdrop, symbolising the breakthrough in encryption. The image evokes the notion of cutting-edge quantum technology overpowering conventional cryptographic security.

In later iterations, I decided to omit the dragon.

Earth.com: „China Breaks RSA Encryption Using Quantum Computer | What It Means for Cybersecurity“.

This is fascinating. The conclusio of a similar article by UniSense Advisory, translated from German, reads as follows:

“Currently, there are no quantum computers capable of breaking RSA-2048 or ECC encryption. Nevertheless, this recent development in quantum computing in China serves as a proof of concept, demonstrating that quantum machines are becoming increasingly sophisticated. The gap between theory and practical application is steadily narrowing.

Cybersecurity leaders refer to this foreseeable turning point as ‘Q-Day’ — the moment when today’s asymmetric cryptography can no longer be considered secure. The timeline for Q-Day has shifted from a distant theoretical concern to an imminent, real-world risk that requires proactive preparation today.”

In other words, precisely the opposite of what the sensational headline suggests.

quantum computer

But I still wasn’t satisfied. Back in 2024, Barış Ege (Keysight Technologies) had already written: “Security Highlight: China’s Quantum Leap, and Why RSA Isn’t at Risk (Yet).” Naturally, I had the AI translate the article for me, as the original English was rather complex. I then instructed: “Rephrase the text in less technical, more accessible language, but without shortening it.”

Certainly! Here’s the text rephrased in plain, easy-to-understand English — all content remains intact, only the technical jargon and complicated explanations have been simplified:

In recent days, headlines have sparked considerable excitement, suggesting that Chinese scientists might now be capable of breaking even highly secure RSA encryption with quantum computers. Unsurprisingly, this raised concerns about the safety of our online data. But when you take a closer look at the facts, it quickly becomes clear: we are not there yet. Here’s what’s really behind the headlines.

What exactly happened?

A Chinese scientific journal recently published a study in which researchers from Shanghai University report that they successfully used a special quantum machine from D-Wave to break down a 22-bit binary number — essentially, a very small number — into its factors. This process, known as factoring, is the fundamental mathematical challenge behind cracking certain types of encryption.

The study demonstrated that this type of quantum machine, known as a quantum annealer, can turn encryption problems into computational tasks that are easier to solve. However, this success only applies to very small numbers.

For context: the encryption keys used in modern RSA encryption typically have at least 2048 bits. So the tiny 22-bit number from the study is nowhere near the scale needed to threaten real-world encryption. In other words, while this success marks a small scientific step forward, it poses no immediate threat to the encryption technology we rely on today.

RSA encryption remains secure because breaking it requires factoring extremely large numbers into their prime factors — something that overwhelms conventional computers. In theory, quantum computers could one day solve this task much faster — but for now, that remains purely theoretical.

Quantum Annealing versus True Quantum Computers — A Distinction Worth Noting

In their experiment, the researchers did not use a fully functional, universal quantum computer, but rather a specialised machine designed to solve optimisation problems — the so-called “Quantum Annealer” developed by D-Wave. These devices are capable of handling certain types of calculations but currently lack the power required to deal with the large numbers used in modern encryption.

Moreover, the researchers did not rely solely on quantum technology; instead, they applied a hybrid approach combining both classical and quantum computing resources. It remains uncertain whether their method could ever be applied effectively on a large scale — achieving this would require significantly more powerful quantum devices or universal quantum computers capable of running the well-known Shor’s algorithm. In theory, such an algorithm could break large RSA keys — but in practice, that remains a distant possibility.

Even though quantum annealing may one day offer a faster route to cracking RSA keys than classical computers, it is doubtful that such machines will become widely available before fully functional universal quantum computers capable of running Shor’s algorithm.

quantum computer

How Real Is the Threat to Modern Encryption?

As fascinating as quantum computing may be, the actual threat it poses to today’s encryption is often exaggerated. Numerous challenges still need to be overcome:

Limited computational power so far: The D-Wave machine has so far only managed to factor a tiny 22-bit number. By contrast, RSA keys typically contain at least 2048 bits, with some even doubling that length. Quantum machines are nowhere near handling such large numbers.

Classical computers still outperform quantum machines: Even the most advanced quantum devices to date cannot compete with classical computers when it comes to factoring large numbers. For comparison: using conventional methods, researchers have already factored a 250-digit decimal number — equivalent to an 829-bit number. Quantum technology still lags far behind this benchmark.

Not all types of encryption are at risk: Quantum computers primarily threaten so-called asymmetric encryption methods, such as RSA and ECC. Other widely used techniques, such as symmetric AES encryption, are not currently at risk. Even if needed, AES can simply adopt longer keys to maintain security.

Technical Challenges in Quantum Computing

Quantum computers continue to face major technical obstacles. Their basic building blocks, known as qubits, are extremely sensitive to external interference. Keeping them stable and functioning reliably requires highly complex engineering.

Experts estimate that to achieve one reliably functioning “logical qubit,” between 100 and 1000 physical qubits are needed. To break a 2048-bit RSA key securely, it is believed that at least 4000 of these logical qubits would be required — an enormous technical challenge that has yet to be achieved.

Microsoft researchers have also estimated that breaking a standard 256-bit key, such as those commonly used in modern encryption systems, would require around 2500 logical qubits — a level of performance that remains far beyond what is technically feasible today.

Despite these limitations, smaller quantum computers are already proving useful for specific tasks, such as complex planning, optimisation problems, or machine learning. However, these applications have nothing to do with cracking RSA keys or other forms of secure encryption.

This is why experts urge caution: the capabilities of quantum computers are often overhyped. If anyone truly possessed the ability to break encryption methods such as RSA on a large scale, it is highly unlikely they would advertise it publicly — let alone publish it in an academic journal.

quantum computer

The Future: Making Encryption Resilient to Quantum Attacks

Even though the immediate threat may still lie in the future, the IT industry is already preparing for potential quantum attacks. For this purpose, new so-called “quantum-resistant” encryption methods are being developed. These are known as Post-Quantum Cryptography (PQC).

The US standardisation body NIST has already formally approved several of these new algorithms, including Dilithium and Kyber. These are now gradually being implemented across different areas of technology. They are designed to remain secure even if quantum computers become significantly more powerful in the future.

The technology for these new methods is fundamentally ready. However, the greatest challenge lies in implementing them correctly. Mistakes made during the introduction of new encryption methods could create far greater security risks than quantum computers themselves currently pose.

For this reason, it is particularly important to rely on verified and certified products when adopting new encryption. Only then can it be ensured that quantum-resistant encryption provides true security — rather than becoming a vulnerability due to careless implementation.

[This article in German]

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Unter Behüteten

hut

Weil hier schon gefragt wurde… (Nein,ich habe keinen Therapeuten, falls hier gefragt würde.)

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Unter nachträglich Depublizierenden

israel zeit biller

Hier Zitate aus dem Original von Maxim Biller:

„Kommt ein Deutscher zum Arzt und sagt: „Herr Doktor, immer, wenn ich über Israel rede, geht sofort mein Puls schneller, und nach dreißig Sekunden brülle ich jeden an, der nicht meiner Meinung ist. Ist das normal? Und wie gefährlich ist es für meine Gesundheit?“ „Was ist denn Ihre Meinung zu Israel?“, sagt der Arzt. „Hören Sie auf!“, schreit der Patient den Arzt an. „Wollen Sie mich umbringen?! Ich sollte mich doch nicht mehr so aufregen!

Ja, wenn es um Israel geht, um Benjamin Netanjahu und die strategisch richtige, aber unmenschliche Hungerblockade von Gaza oder die rein defensive Iran-Kampagne der IDF, kennen die meisten Deutschen keinen Spaß. Das Drama, das sie dann aufführen, begleitet von der bigotten Beschwörungsformel „Das Völkerrecht! Das Völkerrecht!“, mit der sie niemals Leute wie Sinwar oder Ali Chamenei belegen würden, hat nichts mit einer zivilisierten politischen Auseinandersetzung zu tun. Es ähnelt eher einer Teufelsaustreibung am eigenen Leib, ohne Priester und Handbuch, und die Frage ist nur, wer oder was hier der Teufel ist: das schlechte Gewissen des Täterenkels? Oder der ewige Opa und willige Wehrmachtsspieß, der für immer in solchen Leuten steckt? (…)

Ich selbst habe zum Glück privat mit dem Morbus Israel der Deutschen kaum zu tun, denn bei der Auswahl meiner Freunde achte ich immer darauf, dass kein faules Ei dabei ist, kein Juden- und Israelhasser, aber auch kein eifriger Philosemit, denn bei Eiferern weiß man nie, welcher Glaube ihnen gerade passt. Womit ich beim Kern der neugermanischen Orient-Neurose wäre – der enttäuschten Liebe der Deutschen zu ihren Opfern von früher, locker formuliert. Wie rief vor ein paar Wochen der selbsterklärte Anti-Antisemit und Martin-Walser-Sohn Jakob Augstein in einem Streit-Podcast stocksauer aus? „Ich werde mir von niemandem erklären lassen, was die deutsche Verantwortung für den Holocaust ist!“ Dass er dabei genauso enttäuscht klang wie sein biologischer Vater, der einst dem Schoah-Helden und größten deutsch-jüdischen Politiker der Nachkriegszeit Ignatz Bubis vorwarf, ihm seien seine Geschäfte wichtiger als Vergangenheitsbewältigung, wies Augstein jr. – Vorsicht, Ironie! – schon mal als engagierten Freund der Juden aus. (…)

Kommt ein Israeli zum Arzt und sagt: „Herr Doktor, ich war gerade vierzig Tage mit meiner Einheit in Gaza und hab keine Lust mehr, auf Araber zu schießen. Was soll ich tun?“ „Sie könnten damit natürlich sofort aufhören, wenn Sie wollten“, sagt der Arzt, „aber raten würde ich es Ihnen nicht. Auch nicht nach unserer Therapie.“

Die Kommentare sprechen für sich.

By the way: Vielleicht sollte ich ein Buch über Israel schreiben? Aber wer würde es drucken oder gar besprechen?

israel biller zeit kommentare

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Unter kolumnistischen Badewannenkapitänen

captain bathtub

„Kolumnisten haben Entlastungsfunktionen. So wird der Eindruck erweckt, in dieser Zeitung dürfe geschrieben werden, wie und was die Schreiber wollen (…) Sie werden relativ gut bezahlt, ihre Namen werden fett gedruckt. Kolumnen sind Luxusartikel, Kolumnisten sind Stars, in ihrer Badewanne sind sie Kapitän.“ (Ulrike Meinhof, reprint)

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Buried under the rubble, scharf, detailreich und reloaded [update]

fordo
Credits: Google

Bis jetzt haben schon alle etwas zum Thema gesagt, aber ich noch nicht genug. „Atomanlage Fordo offenbar „schwer beschädigt“, aber nicht zerstört“, meint N-TV, aber nichts Genaues weiß man nicht. „Aktuell ist unklar, wie groß der Schaden wirklich ist.“ Sollte man nicht einfach die Kresse halten, wenn alles unklar ist?

Die deutschen Medien schreiben unter anderem von CNN ab: „Early US intel assessment suggests strikes on Iran did not destroy nuclear sites, sources say“. Die sources sind natürlich genau so glaubwürdig wie Donald Trump.

Ich habe da mal eine Frage: Entweder ist die Atomanlage in Fordo (aka Fordow), Iran, so tief unter der Erde, dass ihr konventionelle Waffen nichts anhaben können. Dann aber machte es gar keinen Sinn, vorher – in Erwartung eines Angriffs – das Uran wegzuschaffen. Jeder der üblichen Verdächtigen kann doch sehen, wohin die LKWs von dort fahren. Dann wäre Fordo der sicherste Ort, außer man fürchtete, dass Jechidat Schaldag dort vom Boden aus eindringen könnte.

Oder es ist gar nichts weggeschafft worden, weil es so kompliziert ist, eine Atombombe zu bauen, dass ein Standort allein nicht ausreichte.

Die KI sagt übrigens: „Heute liegt die Spitzenschärfe kommerzieller Satellitenbilder bei etwa 25 cm pro Pixel – das ist die höchste optische Auflösung am Markt. Das bedeutet: ein einzelnes Pixel repräsentiert ein Bodenstück von ca. 25 × 25 cm – in etwa so groß wie ein Laptop.“

satellitenbilder Anbieter

„Was sieht man bei diesen Auflösungen?
– 25 cm: Details wie Straßenschilder, Verkehrszeichen, einzelne Bäume oder Autos sind klar erkennbar.
– 50 cm: Ganze Fahrzeuge, kleinere Gebäude, Bäume, Bootstypen.
– 15–16 cm: Deutlich: Personengruppen, Straßentexturen, feine Strukturen – allerdings meist nicht öffentlich genutzt.
Hyperspektral & SAR: Erkennen von Materialzusammensetzungen, nasse vs. trockene Flächen, geheimdienstliche Beobachtung – z. B. Albedo (sichtbar & thermisch), Umbra (SAR)“ (Quelle: KI | Maxaar)

Ich habe mir auch noch NASA Worldview, Zoom Earth, Eumet View und Copernicus Browser angesehen sowie den National Environmental Satellite, Data, and Information Service. Selbst als Laie und für lau kann man schon viel erkennen.

Es gibt ja Vorläufer, wie zum Beispiel Operation Damocles (1962) oder die Operation Outside the Box (2007). Oder den onlinedurchsuchenden Mossad bei einfältigen DAUs aus Syrien. („The intelligence agents planted a Trojan horse on the official’s computer in late 2006 while he was staying at a hotel in the Kensington“ – har har!)

Und dann gibt es noch Drohnen: Der Unterschied zwischen Deutschland und Israel, was die Entwicklung und den Einsatz militärischer Drohnen angeht, ist ungefähr so groß wie die waffentechnische Differenz zwischen den Inkas und den spanischen Konquistadoren. Vielleicht haben bei der Errichtung der iranischen Anlagen auch israelische Firmen mitgewirkt (damit man später alles leichter wieder kaputtmachen kann).

Ich gehe davon aus, dass ziemlich viel Relevantes hinüber ist, zumal das iranische Personal auch erheblich reduziert wurde. Die Israelis machen keine halben Sachen und labern nicht herum. By the way: Die Begin Doktrin ist noch in Kraft.

[Update] Aus einem Interview mit dem US-amerikanischen Außenminister in der bürgerlichen Presse: „Es handelt sich um ein sehr einzigartiges Ziel. Im Grunde genommen hat man mit zwölf unglaublichen Bomben ein Loch in den Boden gebohrt und ist dann 300 Fuß (91 Meter; Anm. d. Red.) tief in einen Berg vorgedrungen. Ich glaube nicht, dass wir in nächster Zeit jemanden in dieses Loch in den Bergen schicken werden. Es genügt zu sagen, dass wir sehr zuversichtlich sind. Übrigens bin nicht nur ich dieser Meinung, sondern auch der Direktor der IAEA (Internationale Atomenergiebehörde; Anm.), der sich neulich genauso geäußert hat. Er sagte, das iranische Atomprogramm sah vor dem Angriff anders aus als nach dem Angriff und es gebe dramatische Unterschiede. Das ist seine Meinung, und er ist der Experte, nicht ich. (…)

Nun, ein Teil der Informationen ist öffentlich zugänglich, dank Maxar [sic] (Anbieter von Satellitenbildern; Anm.) und anderer Technologien. Die Atomanlage in Isfahan ist komplett zerstört. Man kann alles wieder aufbauen, aber nicht gleich heute. Überdies wurden auch alle unterstützenden Strukturen in der Umgebung zerstört. Natanz, ebenfalls eine unterirdische Anlage, war bereits zuvor stark zerstört worden. Die Israelis hatten dort erhebliche Schäden angerichtet (…).“

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Buried under the rubble

rubble

Jerusalem Post: „Saudi news outlet Al Hadath reported on Tuesday, citing an anonymous Israeli security source, that Israel “knows exactly” where Iran is keeping its stockpiles of enriched uranium.

The official who spoke to Al Hadath further claimed that “most of the enriched uranium is buried under the rubble in Iran.“

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