Der Kreis und das Richtige tun
Ich empfehle „Der Kreis“ auf Netflix.
Die Handlung ist so eine Art abgewandelter Squid-Game-Plot:
Fünfzig Personen, darunter ein Kind, wachen im Kreis stehend auf. Sie befinden sich in einem Raum, in dessen Mitte eine kleine, schwarze Kuppel in den Boden eingelassen ist. Um die Kuppel herum sind, ebenfalls kreisförmig angeordnet, rote Pfeile eingezeichnet, die auf die Personen zeigen. Die Personen selbst stehen auf roten Markierungen. Es beginnt ein tödliches Spiel, bei dem per Abstimmung alle zwei Minuten eine Person gewählt werden muss, die durch einen von der Kuppel ausgehenden Blitzschlag getötet wird. Selbiges passiert, wenn eine Person ihre Markierung verlässt. Nachdem klar wird, dass sich das System nicht durch eine Manipulation der Abstimmungen überlisten lässt, beginnen die Beteiligten darüber zu verhandeln, welche Umstände ein Leben erhaltenswerter machen.
Man merkt sofort: Großer moraltheologisches Theater, und man befürchtet zu recht, die schlimmsten Abgründe des menschlichen Verhaltens würden sich auftun. Mir gefällt der Zynismus des Plots: Die dünne Schicht zivilisatorischen Verhaltens ist schnell abgekratzt, wenn es nur noch ums Überleben geht. Interessant ist auch im Gegensatz zu den unzähligen Gestrandet-auf-einer-Insel-Plots: Die Protagonisten dürfen ihren Platz nicht verlassen, sondern kämpfen nur mit Worten, also Gruppendynamik vom Feinsten.
Man könnte den Film auch sehr gut als Theaterstück aufführen. Die Handlung ist dicht; man hat keine Sekunde Pause (obwohles dazu eine Gegenmeinung gibt). Ich wollte den Film eigentlich vor dem Einschlafen sehen, aber er hat mich so gefesselt, dass ich bis zum Schluss durchgehalten habe, was selten vorkommt.
Auf Rotten Tomatoes gefällt mir eine Publikumsrezension am besten: „The clearly low budget that this film was working with takes absolutely no effect here. This film perfectly encapsulates the cruelty of basic human nature, displaying perfectly the problems of discrimination and prejudice in our world today. It’s a film which requires no special groundbreaking effects, just a cleverly written script and an incredibly impactful ending.“
Man könnte auch den Schluss weglassen und den Rezipienten im Unklaren darüber, was das Ganze soll und wer es arrangiert hat. Oder den Plot als eine Szene in der Hölle gestalten, mit sich kaputtlachenden Teufeln im Hintergrund.
Kommentare
2 Kommentare zu “Der Kreis und das Richtige tun”
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Solch ein Plot setzt also ein höheres (oder mindestens ein diese Szene gestaltendes und beherschendes) Wesen mit Bewußtsein voraus. Was ist dann der Zweck solchen Handelns für ebendieses Wesen? Das wäre die wichtige Frage. Und, wie kann diesem inhumanen Handeln vorgebeugt werden. Unter dem Feigenblatt, die dünne zivilisatorische Decke der Menschen zeigen zu wollen, eine Auswahl davon gegeneinander in den Tod schicken. Sowas von soziopathisch (rücksichtslos, ohne Gewissen, assozioal). Für Frieden und Sozialismus, schöne Woche
Der Film steht auf meiner Liste, hab aber noch keinem Gratis-Stream gefunden….