Unter nicht Dividierenden
In Niedersachsen lernen Grundschüler künftig kein schriftliches Dividieren mehr. Auch das Rechnen mit Kommazahlen entfällt weitgehend. Das berichtet die bürgerliche Presse.
Julia Willie Hamburg (Bündnis 90/Die Grünen), die niedersächsische Kultusministerin, studierte nach dem Abitur an der hannoverschen Goetheschule im Jahr 2004 bis 2008 Politikwissenschaft, deutsche Philologie und Philosophie an der Georg-August-Universität Göttingen. Einen Abschluss erlangte sie nicht.
Keine weiteren Fragen, Euer Ehren!
Postscriptum: Wo sollen eigentlich die Leser dieses Blogs der Zukunft herkommen? Oder muss ich mich auf 6,2 Wörter pro Posting beschränken?
„the Glory“ und „The Great Flood“
Falls sich jemand während der Festtage langweilt, empfehle ich als Gegenmittel zwei südkoreanische Filme: „The Glory“ und „The Great Flood“ (beide Netflix).
Sie sind nicht herausragend, aber wesentlich intelligenter als alles, was man sonst angeboten bekommt. Ich trau mich kaum, das zuzugeben, aber bei südkoreanischen Filmen bekomme ich immer das Gefühl, ich sei zu blöd, um den Plot zu verstehen, und der durchschnittliche Zuschauer in Korea sei wesentlich intelligenter als ich. Ich hatte hier u.a. schon Alice im Borderland (japanisch) und Squid Game erwähnt. Ich schrieb 2012:
Wer schon schon einmal koreanische Filme gesehen hat, was ich auf Anraten guter Freunde vor längerer Zeit schon tat, der weiß: Jetzt wird es anspruchsvoll, der Intellekt strafft und reckt sich voll Vorfreude, etwas zu tun zu bekommen, und die US-Amerikaner muss samt Hollywood draußen bleiben. Sorry, das versteht ihr nicht.
„The Glory“ besticht vor allem wegen der herausragenden Schauspielerei der Hauptdarstellerin Song Hye-kyo und ihrer Kontrahentin Lim Ji-yeon. Die Männer hingegen fallen ab und sind für den Plot auch nicht so wichtig.
Eine Rezension: „Der südkoreanische Rachethriller setzt sich mit einer düsteren Thematik auseinander und ist ein ziemlich betrübendes, aber gleichzeitig wahnsinnig spannendes Streaming-Erlebnis. Das K-Drama handelt von der Grundschullehrerin Dong-eun (Song Hye-kyo), die während ihrer Schulzeit von einer Gruppe wohlhabender Klassenkameraden brutal schikaniert und körperlich misshandelt wurde. Das Mobbing ging sogar soweit, dass das Mädchen die Schule gegen ihren Willen verlassen musste, heimatlos wurde und alles, wovon sie geträumt hat, aufgeben musste. 20 Jahre später hat Dong-eun einen perfiden Racheplan geschmiedet, bei dem nicht nur ihre Peinigerin Yeon-jin (Lim Yi-jeon) und deren Clique ihr Fett weg bekommen soll, sondern auch jeder Erwachsene, der damals tatenlos zusah, wie das reiche Mädchen eine Klassenkameradin nach der anderen quälte.“
Das allein wäre gar nicht so spannend. „The Glory” basiert auf einem wahren Fall, der sich im Jahr 2006 an einer koreanischen Mädchenschule ereignet hat, wie der True-Crime-YouTube-Kanal Dark Asia erläutert.“
Dieser Film enthält – im Gegensatz zu allen ähnlichen Hollywood-Produktionen ein klassenkämpferisches Element: Die Reichen dürfen alles, und die Armen und Unterdrückten haben kaum eine Chance, etwas dagegen zu tun. So offen würde das kein deutscher Film zeigen – dort geht es ja immer auch um die typisch deutsche „Sozialpartnerschaft“.
Mich hat die Song Hye-kyo von Anfang an fasziniert, was auch damit zu tun hat, dass ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich sie attraktiv finde oder nicht. Sie spielt ihre Rolle mit extrem spärlicher Mimik, aber dennoch schillernd: Guckt sie nun depressiv und melancholisch? Oder wie eine finstere Rachegöttin? „Normal“ wirkt sie nur, wenn sie lacht, was aber fast nie vorkommt und dann nur eine Millisekunde lang. Das oszilliert zwischen abstoßend, furchterregend und spannend. Mein limbisches System befahl mir, immer weiterzugucken.
Lim Ji-yeon spielt süß und hübsch und verwandelt sich dann urplötzlich in eine ekelhafte fiese Schlampe und wieder zurück. Das Duell der beiden Frauen wird immer intensiver; sie verkrallen sich ineinander, als die Antiheldin irgendwann merkt, dass die Kontrahentin es auf sie und ihre Peer Group abgesehen hat.
Bisher habe ich in südkoreanischen Filmen auch immer zweite Ebene bemerkt. (Ausnahme: Mercy for None: Dort geht es um permanente Schlägerei, nur dass die Gangster – im Gegensatz zu US-Filmen – bürgerlich-korrekt gekleidet sind, nicht herumballern und sich gegenseitig verbeugen, bevor sie sich verprügeln.)
Bei „The Glory“ sagt die Heldin zu Kindern, sie sei kein guter Mensch, sondern böse. Da haben wir das typische Motto: Was heißt moralisches Handeln, und muss das sein, und warum und wann?
Ich schrieb am 03.10.2025: Was mir auch bei dem koreanischen Beyond the Bar auffiel: Die Moral wird dem Holzhammer eingebläut, so subtil, wie ich über Israel schreibe.
Das ist bei „The Glory“ wesentlich indirekter, also besser,
Bei The Great Flood habe ich den Plot erst fast am Ende kapiert. Zu meiner Entschuldigung muss ich anmerken, dass ich den immer nur häppchenweise nach 12-Stunden-Schichten ansah, zum Einschlafen, und vielleicht zu müde dafür war. Außerdem mag ich die Heldin Kim Da-mi nicht; sie geht mir auf die Nerven (was natürlich an ihrer Rolle liegt).
Wer wasserscheu ist, sollte sich den Film nicht ansehen: Alles ist immer voller Wasser, und alle fallen ständig hinein. Zuerst dachte ich: Postapokalyptischer Katastrophen-Tsunami-Film, was das Filmplakat suggeriert.
Nach einiger Zeit wird es dann völlig anders. Zeitschleife? Aha – die Heldin muss also die stressigen Ertrink- und Kinderrettungsaktionen solange wiederholen, bis sie die richtige Methode gefunden hat – wie in Groundhog Day („Und täglich grüßt das Murmeltier“.)
Nein, auch das ist verkehrt. Ich will den Plot nicht verraten, aber ich hatte große Probleme, ihn herauszufinden. Eine Rezension: „Nur so viel: Aus dem regulären Katastrophenfilm wird ein Science-Fiction-Werk, das eine völlig andere Richtung einschlägt. Das Ergebnis ist jedoch etwas zwiespältig. Auf der einen Seite ist die Überraschung groß. The Great Flood spricht auch interessante Themen an, über die man im Anschluss durchaus nachdenken kann. Der Film fordert an diesen Stellen durchaus die Zuschauer heraus.“
Eben – aber nur, wenn man den europäischen Zuschauer als Maßstab nimmt.
Bestes Smartphone bis 400 Euro
Was Heise kann, kann ich auch. „Top 10: Bestes Smartphone bis 400 Euro im Test – mehr braucht es nicht“. Ich habe noch meine kleine Hirse hineingeschmuggelt.
Ihr könnt die Ergebnisse glauben oder nicht. Ich habe eine halbe Stunde gebraucht, vor allem deswegen, weil ich mit den Tabellen, die ChatGPT zunächst ausspuckte, nicht zufrieden war. Bei Heise steht unter dem Artikel noch ein Autorname… noch.
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Modell
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Vorteile
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Nachteile
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Chip
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Akku / Laden
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Schutz
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Updates
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Kamera
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Xiaomi 13T Pro
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Dimensity 9200+
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5000 mAh
120W kabelgebunden |
IP68
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4 Android + 5 Jahre Security
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Leica, 8K/Log-Video
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Motorola Edge 60 Pro
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Dimensity 8350 Extreme
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6000 mAh
90W + 15W kabellos |
IP68 / IP69
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3 Android + 4 Jahre Security
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3× Tele + starke Front
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Nothing Phone (3a) Pro
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Snapdragon 7s Gen 3
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5000 mAh
50W kabelgebunden |
IP64
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3 Android + 6 Jahre Security
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Periskop-Zoom
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realme 14 Pro+ 5G
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Snapdragon 7s Gen 3
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6000 mAh
80W kabelgebunden |
IP66 / IP68 / IP69
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3 Android + 4 Jahre Security
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3× Periskop OIS
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Unter parasozialen Influenzenden
Ich habe euch alle ab 2003 belogen. Ich sehe gar nicht so aus wie auf dem kleinen Foto rechts über der Blogroll, sondern so wie auf diesen beiden Fotos, die ich bisher nie veröffentlicht habe.
Wie die bürgerliche Presse ganz richtig schreibt: Ich will jetzt ein problematisches Bedürfnis zu Geld machen, das jeder hat. Das Publikum hier also auch.
„Es geht um die problematische Kommerzialisierung von Nähe. Mit dem Aufkommen sozialer Medien und dem Siegeszug der sogenannten Influencer ist erneut das psychologische Phänomen der parasozialen Beziehung in den Fokus gerückt: eine einseitige Bindung an eine öffentliche Figur, die mit der Illusion verbunden ist, sich auf Augenhöhe zu befinden.“
Ihr seid also ab sofort auf meiner Augenhöhe und dürft euch in dem Wahn suhlen, ihr lebtet ein so luxuriöses normales Leben wie ich.
Du kannst sein wie ich, ich bin so wie Du!
Fast hätte ich es vergessen: Überweist mir Geld! Viel Geld! Dann seid ihr noch näher dran an mir. (Kontonummer rechts oben)
Öl und Thymian, revisited
Ich musste noch nachhaken: Das ist ein Falafel-Gericht des Restaurants Zait & Za’atar Falafel in Berlin, Kantstraße. Kannst du die Zutaten identifizieren, vor allem das Weiße, das wie Schaum aussieht?
Ja 🙂 – das Gericht lässt sich ziemlich gut einordnen.
Erkennbare Bestandteile auf dem Teller:
– Falafel – klassische, frittierte Bällchen aus Kichererbsen (oder Kichererbsen/Fava-Bohnen-Mix)
– Pommes / Kartoffelspalten – offenbar frittiert
– Gemischter Salat – Eisberg/Blattsalat, Tomate, Gurke, eingelegte Peperoni, evtl. Rotkohl
– Eingelegte Gemüse – gelbe Rübe/Steckrübe (typisch levantinisch), evtl. eingelegte Gurke
– Kichererbsen – ein paar ganze Bohnen als Garnitur
– Rote Sauce – wahrscheinlich Scharfe Chilisauce (Shatta) oder eine milde Paprika-Tomaten-Sauce
Das Weiße, das wie Schaum aussieht (der wichtigste Teil deiner Frage): Das ist keine Luft oder Schaum, sondern sehr wahrscheinlich:
👉 Hummus bi-Tahina, also Hummus (Kichererbsenpüree) mit viel Tahini, Zitronensaft, Knoblauch und Olivenöl.
Warum wirkt es so schaumig/cremig?
Hummus wird oft sehr fein und lange aufgeschlagen. Viel Tahini + Zitronensaft emulgiert stark. Manchmal wird Eiswasser oder sehr kaltes Wasser untergemixt → extrem helle, fast mousseartige Textur. Gerade in guten Falafel-Läden ist dieser seidig-weiße, fast fluffige Hummus ein Qualitätsmerkmal.
Wenn du willst, kann ich dir auch sagen, wie man genau so cremigen Hummus selbst macht oder welche Variante Zait & Za’atar typischerweise serviert (klassisch levantinisch).
Ja, ich bitte darum.
Zion, Gudit, Dihya und Banu Nadir und noch mehr
Ich habe mir Auszüge eines weiteren Kapitels des (nur für mich) höchst interessanten Buchs von Robert Wolfe: „From Habiru to Hebrews and Other Essays“ (2011) übersetzen lassen (umformuliert, alle Links sind von mir). Ich habe unendlich viel Neues gelernt und würde am liebsten alle erwähnten Bücher lesen. Wolfes Thesen sind großartig und sehr originell.

Relief am Titusbogen, das die während des Triumphzuges von 71 n. Chr. mitgeführten Tempelbeute darstellt.
Zion
Für die meisten Menschen ist jüdische Geschichte etwas, das mit Gott beginnt und mit Jesus endet. Selbst Historiker neigen dazu, das Interesse an den Juden zu verlieren, sobald die Wunder vorbei sind. Wenn sie uns überhaupt erwähnen, dann um darauf hinzuweisen, dass wir in den folgenden 1900 Jahren umherwanderten – eine verachtete und verfolgte Minderheit –, bis die Nazis uns schließlich in die Öfen steckten. Manche bringen Bedauern über diese Geschichte zum Ausdruck, andere finden Gründe, warum wir sie verdient hätten. Nur sehr wenigen kommt es in den Sinn, uns irgendeinen Einfluss zuzuschreiben, und noch weniger einen positiven Einfluss. Dass wir die Welt in mancher Hinsicht verändert haben könnten, kommt kaum jemandem in den Sinn.
Die Kehrseite dieser massiven Gleichgültigkeit gegenüber der post-römischen jüdischen Geschichte ist die obsessive Mystifizierung der Ursprünge des modernen jüdischen Staates Israel. Israel ist die eine historische Tatsache, die darauf hinzuweisen scheint, dass das jüdische Volk einen gewissen Einfluss besitzt. Und da sich kaum jemand für die Möglichkeit interessiert, dass sich dieser Einfluss über lange Zeit als progressive politische Kraft entfaltet haben könnte, ist es verführerisch, zu dem Schluss zu kommen, dieser Einfluss sei okkulter, finsterer Natur. Israel müsse also das Produkt einer geheimen jüdischen Verschwörung gewesen sein, die in Zusammenarbeit mit dem britischen Imperialismus, dem amerikanischen Imperialismus, internationalen Bankiers, den Freimaurern und möglicherweise dem KGB agierte. Oder, falls Israel nicht das Produkt einer Verschwörung war, dann sei es eine Art Trostpreis gewesen, den die siegreichen Alliierten dem jüdischen Volk als Belohnung dafür überreichten, dass es von den Nazis abgeschlachtet worden war.
Jeder, der sich mit jüdischer Geschichte beschäftigt, weiß, dass das jüdische Volk seit 2000 Jahren darum ringt, das Ergebnis der Jüdischen Kriege rückgängig zu machen; doch die Welt tut sich sehr schwer damit, einen Zusammenhang zwischen diesem Ringen und der Entstehung Israels anzuerkennen. Dies zu tun hieße, Israel als Ergebnis eines langen historischen Prozesses zu begreifen und das jüdische Volk als eine progressive Kraft in der Weltgeschichte anzuerkennen.
Viele Menschen stellen sich den Zionismus als ein jüngeres Phänomen vor, das auf das späte 19. Jahrhundert zurückgeht, als Nebenprodukt des europäischen Kolonialismus und Nationalismus. Doch die Sehnsucht nach der Rückkehr nach Zion ist so alt wie die babylonische Gefangenschaft und wahrscheinlich noch älter. Und von Anfang an hatte diese Sehnsucht radikale Implikationen aufgrund der radikalen Traditionen, die mit Zion verbunden waren. In der römischen Epoche kristallisierten sich diese Traditionen um die Legende des Messias, und von diesem Zeitpunkt an waren der Traum vom Messias und der Traum von Zion im Wesentlichen derselbe Traum.

Maßstabsgetreue Rekonstruktion des Tempelbergs im ersten Jahrhundert n. Chr., mit dem Zweiten Tempel in der Mitte und der Antonia-Festung oben rechts. Israel-Museum Jerusalem, fotografiert am 11.10.1225.
Die Aufgabe des Messias in der jüdischen Tradition wurde darin gesehen, die Sammlung der Verbannten herbeizuführen und die Wiederherstellung der jüdischen Nation im Land Israel zu bewirken. Fast 2000 Jahre lang entstanden in verschiedenen Teilen der jüdischen Welt immer wieder messianische Bewegungen, die versuchten, diese Ziele auf die eine oder andere Weise zu verwirklichen. Keine dieser Bewegungen war bis in die Neuzeit erfolgreich – doch bedeutet das, dass sie ohne Einfluss waren? Im Gegenteil: Sie hatten einen starken Einfluss nicht nur auf das jüdische Volk, sondern auch auf Nichtjuden. Sie trugen dazu bei, sowohl im Christentum als auch im Islam eine radikale Strömung hervorzubringen, ebenso wie eine Vielzahl anderer radikaler Tendenzen weltweit. Dennoch ist ihre Geschichte fast vollständig unbekannt, vor allem wegen der großen Zurückhaltung der Weltöffentlichkeit, dem jüdischen Volk irgendwelche positiven Leistungen zuzuschreiben.
Selbst im Land Israel, das von den Römern gründlich verwüstet worden war, lebten im Jahr 135 n. Chr. noch etwa 750.000 Juden.
Die Bewegung zur Rückkehr nach Zion war in den ersten etwa 500 Jahren nach dem Ende der „Jüdischen Kriege“ im Jahr 135 n. Chr. besonders breit verankert und einflussreich. Weit davon entfernt, durch die „Jüdischen Kriege“ zerstört worden zu sein, ging das jüdische Volk aus dieser Prüfung in mancher Hinsicht stärker hervor als je zuvor. Selbst im Land Israel, das von den Römern gründlich verwüstet worden war, lebten im Jahr 135 n. Chr. noch etwa 750.000 Juden. Und außerhalb des Römischen Reiches nahm die Zahl der Juden in den Jahrhunderten unmittelbar nach den „Jüdischen Kriegen“ rasch zu, hauptsächlich durch Konversion.

Maßstabsgetreue Rekonstruktion Jerusalems und des Tempelbergs im ersten Jahrhundert n. Chr., mit dem Zweiten Tempel. Israel-Museum Jerusalem, fotografiert am 11.10.1225.
Bis zum Aufstieg des Islam im 7. Jahrhundert n. Chr. lebten weiterhin Millionen von Juden im Nahen Osten, insbesondere im Irak, Iran, in Arabien, Äthiopien und Nordafrika. Diese Juden verfolgten den Traum von Zion aktiv durch militärische Feldzüge gegen die Römer und ihre byzantinischen Nachfolger. Weder der Triumph des Christentums noch die Ursprünge des Islam können ohne Bezug auf diesen Kampf verstanden werden. Dennoch erwähnen Standarddarstellungen dieser Epoche die Juden oft überhaupt nicht; und wenn sie es doch tun, dann fast immer nur, um darauf hinzuweisen, dass entweder jemand die Juden verfolgte oder dass ein einzelner Jude etwas Anrüchiges getan habe.
Was Historiker ignorieren oder verschweigen, ist der Einfluss der zionistischen Bewegung dieser Zeit auf andere Bewegungen nationaler Befreiung im Nahen Osten.
Das Judentum sprach die Völker des Nahen Ostens an, weil es ein Modell dafür bot, wie nationale Unabhängigkeit angesichts römischen und byzantinischen Imperialismus bewahrt und verteidigt werden konnte. Die Konversion zum Judentum erforderte nicht die Aufgabe der nationalen Traditionen der Konvertiten. Sie konnten Aramäer, Araber, Äthiopier oder Berber in Sprache und Kultur bleiben und dennoch die jüdische Religion und das jüdische Recht annehmen.
Unter dem Einfluss der vielen jüdischen Flüchtlinge, die während der Zeit der „Jüdischen Kriege“ gezwungen waren, aus dem Land Israel zu fliehen, entstanden im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. in allen Teilen des Nahen Ostens große jüdische Gemeinden, die außerhalb der Reichweite der römischen Armee lagen. In manchen Regionen gingen aus diesen Gemeinden sogar jüdische Königreiche hervor. Diese gesamte jüdische Welt des Nahen Ostens war durch die Opposition gegen Rom und die Hingabe an den Traum von Zion geeint. Ihre verschüttete Geschichte freizulegen ist der Schlüssel zum Verständnis, wie und warum die jüdische radikale Tradition die Welt verändern konnte.

Targum Onkelos – Übersetzung der Tora aus dem Hebräischen ins Aramäische, British Library Oriental MS. 1,497, במדבר (Bamidbar) / Numeri 6,3–104, 4. Buch Mose 6,3-10. 12. Jh.
Aramäisches Judentum
Das wichtigste Bindeglied zwischen der Nation Juda und anderen Völkern des Nahen Ostens war das aramäische Judentum. Im Verlauf des 1. Jahrtausends v. Chr. wurde Aramäisch allmählich zur gesprochenen Sprache der Mehrheit der Menschen in dem Gebiet, das heute aus Jordanien, Syrien, Irak, Libanon und Israel besteht. Zur Zeit der Römer sprachen die meisten Juden in dieser Region Aramäisch und nicht Hebräisch. Die Tora wurde ins Aramäische übersetzt, und viele jüdische Texte – darunter Teile der biblischen Bücher Esra und Daniel – wurden auf Aramäisch verfasst.
Da Hebräisch und Aramäisch eng verwandte Sprachen sind, blieb die Kenntnis des Hebräischen unter Juden ebenfalls verbreitet; doch für die meisten praktischen Zwecke bildeten die Juden des Nahen Ostens in römischer und byzantinischer Zeit tatsächlich einen Teil einer größeren aramäischen Nationalität. Sie sprachen dieselbe Sprache, teilten dieselbe materielle Kultur und hatten in etwa dasselbe äußere Erscheinungsbild wie die nichtjüdischen Aramäer.
Die religiösen Gottesdienste wurden überwiegend auf Aramäisch abgehalten, so sehr, dass viele Gebete, die bis heute rezitiert werden, ursprünglich auf Aramäisch und nicht auf Hebräisch verfasst wurden. Auch der Talmud wurde auf Aramäisch geschrieben. Dennoch ist trotz der umfangreichen Belege für eine jüdische religiöse und weltliche Kultur auf Aramäisch von Historikern wenig oder gar keine Aufmerksamkeit der Erforschung einer aramäischen Nationalität gewidmet worden.
Es existieren zwar zahlreiche Studien zur aramäischen Sprache, doch kaum jemand scheint die Menschen, die diese Sprache sprachen, als Aramäer zu betrachten. Eines der wenigen wissenschaftlichen Werke, das sich tatsächlich mit aramäischer Geschichte befasst, ist Aram and Israel von Emil Kraeling. Kraeling beschäftigt sich jedoch hauptsächlich mit der frühen Phase der aramäischen Geschichte, jener Zeit, in der die Aramäer eine Reihe kleiner Königreiche mit Zentren um Harran und Damaskus bildeten. Diese Phase endete im Jahr 732 v. Chr. mit der Eroberung von Damaskus durch die Assyrer.
Doch obwohl die Aramäer ihre politische Unabhängigkeit nie wiedererlangten, wuchs ihr kultureller Einfluss weiter, wie sich an der raschen Verbreitung der aramäischen Sprache unter assyrischer, babylonischer und persischer Herrschaft zeigt. Kraelings Erklärung für diese Entwicklung ist jedoch völlig abwegig. Er argumentiert auf Seite 139, die Aramäer seien „große Händler“ gewesen und daher habe ihre Sprache „die Möglichkeit gehabt, zu einem Austauschmedium zu werden“. Er fügt hinzu:
Darüber hinaus trennte die Zerstörung der aramäischen Staaten diese Sprache von allen nationalen Bestrebungen oder religiöser Propaganda, sodass sich kein Vorurteil gegen ihren Gebrauch entwickeln konnte.
Diese Sichtweise einer aramäischen Kultur als vollständig frei von „nationalen Bestrebungen“ oder „religiöser Propaganda“ ist charakteristisch für die moderne Geschichtswissenschaft. Millionen von Menschen vom Euphrat bis zum Nil sprachen und schrieben über einen Zeitraum von weit mehr als 1000 Jahren Aramäisch, und dennoch sollen wir glauben, dies sei ausschließlich deshalb geschehen, weil Aramäisch ein von „großen Händlern“ aufgezwungenes „Austauschmedium“ gewesen sei.
Ein Faktor, der mit Sicherheit zur Verbreitung des Aramäischen beitrug, war seine Einführung als Amtssprache des Persischen Reiches in dem Gebiet, das heute aus Jordanien, Syrien, Irak, Libanon und Israel besteht. Aramäisch wurde in einer alphabetischen Schrift geschrieben , das sogenannte „quadratische Hebräisch“, das bis heute in Gebrauch ist, ist daraus abgeleitet) und war als Schriftsprache wesentlich leichter zu verwenden als die akkadische Keilschrift, die von Assyrern und Babyloniern bevorzugt wurde. Aramäisch wurde jedoch bereits in Babylon selbst gesprochen, noch bevor es zur persischen Eroberung kam. Die Perser verbanden sich mit dem aramäischsprachigen Element im ehemaligen babylonischen Reich, um ihre eigene Herrschaft zu legitimieren. Ihre wohlwollende Haltung gegenüber den jüdischen Exilierten in Babylon war ein Aspekt dieser Politik. Umgekehrt akzeptierten die zurückkehrenden Exilierten die persische Herrschaft und unterließen jede Forderung nach der Wiederherstellung der jüdischen Monarchie im Land Israel, solange das Persische Reich bestand.

Vergleich des Akkadischen mit Hebräisch
Die aramäische Sprache und Kultur wurden so zum gemeinsamen Bezugspunkt zwischen den Persern auf der einen und den Juden auf der anderen Seite. Infolgedessen entwickelte sich allmählich eine populäre aramäische religiöse Kultur, in der Elemente der zoroastrischen Religion der Perser, der hebräischsprachigen Religion der Juden sowie der heidnischen Glaubensvorstellungen der alten aramäischen Königreiche eine Rolle spielten.
Charakteristisch für diese religiöse Kultur war der Glaube an ein wohlwollendes höchstes Wesen, das die Toten auferwecken und sie am Jüngsten Gericht entweder in den Himmel oder in die Hölle senden würde. Auch die Tendenz, Hierarchien von Engeln und Dämonen auszubilden, gehörte zu diesem Glaubenssystem. Das rabbinische Judentum war in hohem Maße in diesem Glaubenssystem verwurzelt, das sich deutlich von der Religion der frühen Hebräer unterschied, insbesondere durch seine Betonung des Schicksals der Seele im Jenseits.
Die Rabbiner rechtfertigten diese Neuerungen mit dem Argument, sie seien Teil der sogenannten „mündlichen Tora„, von der behauptet wurde, sie sei von Mose an seine Nachfolger überliefert worden, jedoch nicht in der schriftlichen Tora enthalten. Diese „mündliche Tora“ kann auch als Chiffre für aramäische religiöse Kultur verstanden werden. Die Rabbiner, die diese Lehre ausarbeiteten, waren im gesamten Gebiet aktiv, in dem Aramäisch gesprochen wurde. Hillel, der von vielen als Begründer des rabbinischen Judentums angesehen wird, wurde im Gebiet des heutigen Irak geboren und ausgebildet; und in späteren Jahrhunderten wurde auch der größte Teil des Talmud im Gebiet des heutigen Irak verfasst.
Unglücklicherweise lag der größte Teil des aramäischsprachigen Raums innerhalb der Reichweite der römischen Armee, deren völkermörderischer Angriff auf die Nation Juda mit der systematischen Herabwürdigung und Unterdrückung aller Formen aramäischer Kultur einherging.
Die römische Politik in diesem Gebiet wurde symbolisiert durch den Tempel, des „Jupiter Heliopolitanus“, den die Römer im 1. Jahrhundert n. Chr. in Baalbek – heute ein Teil des Libanon – errichteten. Die Statue des Jupiter im Inneren des Tempels, beschrieben von Friedrich Ragette auf Seite 20 von „Baalbek“, zeigte ihn mit einer Peitsche in der einen und einem Blitz in der anderen Hand.
| Das rabbinische Judentum (hebräisch יהדות רבנית Yahadut Rabanit) oder auch Rabbinische Zeit war eine rabbinische Strömung, die sich nach der Zerstörung des zweiten Jerusalemer Tempels (70 n. Chr.) zur Hauptströmung des Judentums entwickelte und ab ca. 200 n. Chr. maßgeblich Ritus und Theologie prägte. Kennzeichnend für diese Bewegung ist zum einen die Anerkennung der Autorität weniger Rabbiner als maßgeblich für die Auslegung der heiligen Schriften und zum anderen die nach der Zerstörung des Tempels notwendige neue Kultordnung, die nicht mehr in der Opferung von Tieren, sondern im Feiern von Gebetsgottesdiensten besteht. Mit dem 11. Jahrhundert war die Verständigung über Inhalte und Umfang der Schriftkorpora grundsätzlich abgeschlossen und damit der Grundstein des gelebten Judentums gelegt. |
Hunderttausende von Juden im Gebiet des heutigen Libanon und Syriens wurden im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. von den Römern massakriert, während diese zugleich das Land Israel verwüsteten. Das Gebiet des heutigen Irak jedoch blieb während des größten Teils dieser Zeit unter parthischer Kontrolle, trotz periodischer römischer Invasionen. Nissim Rejwan schätzt auf Seite 29 von „The Jews of Iraq“, dass um 200 n. Chr. etwa zwei Millionen Juden in diesem Gebiet lebten. „Die wichtigste und häufigste Beschäftigung der babylonischen Juden war die Landwirtschaft“, vermerkt Rejwan auf Seite 24. Sie bildeten zu dieser Zeit „die einzige große jüdische Gemeinschaft, die nicht unter römischer Herrschaft stand“.
Möglicherweise aus diesem Grund starteten die Römer im Jahr 194 n. Chr. unter dem Befehl des Kaisers Septimius Severus eine massive Invasion des Irak. Das Gebiet wurde verwüstet, doch schließlich wurden die Römer von den Parthern zurückgeschlagen.
Freya Stark sieht diese Invasion in „Rome on the Euphrates“ als Auslöser für die Wiederbelebung des Persischen Reiches zu Beginn des 3. Jahrhunderts n. Chr. Die parthische Herrschaft wurde von den Persern unter Führung der sassanidischen Dynastie gestürzt, und eine deutlich aggressivere antirömische Politik wurde eingeführt. Stark merkt auf Seite 262 an, dass die Münzen des ersten sassanidischen Herrschers Ardaschir I. in Aramäisch und nicht in Griechisch geprägt wurden, das zuvor von den Parthern verwendet worden war. Dies deutete auf den Wunsch der sassanidischen Könige hin, die gesamte aramäischsprachige Region von den Römern zu befreien.
Bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. gingen die Perser zur Offensive über, und im Jahr 260 n. Chr. nahmen sie den römischen Kaiser Valerian gefangen, der in der Gefangenschaft starb. Den Persern gelang es jedoch nicht, die Römer dauerhaft aus Syrien zu vertreiben, und es entwickelte sich ein jahrelanger Stellungskrieg, der buchstäblich Hunderte von Jahren andauerte. Das aramäischsprachige Gebiet Syriens und des Irak bildete dabei das Hauptschlachtfeld zwischen den Persern auf der einen Seite und den Römern und Byzantinern auf der anderen.
Dies war der historische Kontext, in dem die jüdische messianische Bewegung, die nach der Niederlage der jüdischen Streitkräfte im „Zweiten Jüdischen Krieg“ zunächst zum Erliegen gekommen war, in der gesamten aramäischsprachigen Welt erneut auflebte.

Ein Flachrelief zeigt Kaiser Valerian, der im Hintergrund steht und von König Schapur I. gefangen gehalten wird. Das Relief wurde in Naqsch-e Rustam, Schiras, Iran, gefunden. Bei dem knienden Mann handelt es sich vermutlich um Philippus Arabs.
Michael Avi-Yonah beschreibt in „The Jews of Palestine“ ausführlich das Wiederaufleben messianischer Agitation unter den Juden im römischen Palästina während des 3. Jahrhunderts n. Chr. Er stellt auf Seite 131 fest:
Der Hass auf Rom und die messianische Idee verbanden sich zu einer einzigen Vision von Erlösung und Vergeltung. Nach Rabbi Levi werde der Messias aus dem Haus Josephs nach dem Wiederaufbau des Tempels gegen Rom ziehen und es erobern, so wie Josua Jericho eroberte; denn „unser Vater Jakob sagte voraus, dass die Nachkommen Esaus in die Hände der Nachkommen Josephs ausgeliefert würden“.
Ähnliche Vorstellungen wurden in derselben Zeit auch unter den Juden des Irak verbreitet. Viele Juden aus dieser Region dienten im persischen Heer in der Erwartung, dass nach einem Sieg der Perser über die Römer den Juden erlaubt würde, in das Land Israel zurückzukehren und den Tempel wieder aufzubauen. Die Juden Palästinas hingegen, die im 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. noch vielleicht eine halbe Million Menschen zählten, wollten nicht untätig auf die Perser warten. Im Jahr 351 n. Chr., ermutigt durch Berichte über eine neue persische Offensive, übernahmen Juden die Kontrolle über die Städte Tiberias, Sepphoris und Lydda in Galiläa und riefen – wie die Römer es ausdrückten – „eine Art Königreich“ aus. Der Aufstand wurde jedoch vom römischen Kaiser Gallus [Constantius Gallus war nur der Stellvertreter des Kaisers Constantius_II.. B.S.] niedergeschlagen, und von diesem Zeitpunkt an trat die jüdische Bevölkerung Palästinas in eine Phase stetigen Niedergangs ein.
Im Nahen Osten nahm der militärische Konflikt zwischen Römern und Persern zugleich die Form eines kulturellen Konflikts zwischen Griechisch und Aramäisch an. In dieser Region waren die Römer zahlenmäßig zu schwach, um ihren Untertanen die lateinische Sprache und Kultur aufzuzwingen. Sie übernahmen daher Griechisch als Amtssprache ihrer Verwaltung, während die Perser weiterhin auf Aramäisch setzten. Der Aufstieg des Christentums zur offiziellen Religion des Römischen Reiches im 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. muss in diesem Zusammenhang gesehen werden.
Das Christentum war im Wesentlichen eine griechischsprachige Anpassung religiöser Vorstellungen, die nicht nur jüdisch, sondern auch aramäisch waren. Der Glaube an das Jüngste Gericht sowie an Himmel und Hölle gelangte aus derselben Quelle in das Christentum wie in das Judentum, nämlich aus der aramäischen Volkskultur. Das einzige originäre Merkmal des Christentums aus aramäischer Sicht war die Verbindung dieser Glaubensvorstellungen mit einem kannibalistischen Ritual, bei dem vorgegeben wird, das Fleisch zu essen und das Blut des Messias der Juden zu trinken. Dieses Ritual, das aus den griechisch-römischen Mysterienreligionen abgeleitet war, verlieh dem Christentum eine tiefgreifende antisemitische Schlagseite, eine Schlagseite, die es zu einer geeigneten Staatsreligion für das Römische Reich im Nahen Osten machte. Als Reaktion auf die persische Offensive und das Wiedererstarken des jüdischen Messianismus bot das Christentum den Römern und ihren byzantinischen Nachfolgern ein Mittel, griechische kulturelle Hegemonie über die aramäischsprachigen Völker in einer pseudo-aramäischen, antijüdischen Form durchzusetzen.
Die eigentliche Bedeutung des Christentums wurde besonders deutlich in Palästina, wo seine Einführung als offizielle Religion Roms den Beginn eines gezielten Versuchs signalisierte, das Judentum im Land seines Ursprungs vollständig zu beseitigen. Der Hauptgrund für den Rückgang der jüdischen Bevölkerung Palästinas nach dem gescheiterten Aufstand von 351 n. Chr. war das Wachstum der christlichen Bevölkerung. Ab der Mitte des 4. Jahrhunderts begannen griechischsprachige christliche Mönche und Missionare aus Ägypten und Syrien in großer Zahl nach Palästina zu strömen. Bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. bestand in Palästina eine christliche Bevölkerungsmehrheit.
Die Christen nutzten ihre Machtposition, um Synagogen zu verbrennen und zu plündern und die zahlreichen antijüdischen Erlasse umzusetzen, die von den christlichen Kaisern in Konstantinopel erlassen worden waren. Die heidnischen Römer hatten den Juden Palästinas ein gewisses Maß an Autonomie zugestanden, symbolisiert durch die Institution des Sanhedrin, eines Gremiums von Rabbinern mit begrenzten richterlichen Befugnissen. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts schafften die Christen den Sanhedrin ab, was dazu führte, dass die formale Autorität über die jüdische Welt von den Rabbinern Palästinas auf die Rabbinerschulen im Irak überging. Obwohl danach noch mehrere Hunderttausend Juden in Palästina verblieben, war ihr Einfluss stark geschwächt.

Beschwörungsschale mit einer Inschrift in judäo-aramäischer Sprache
Im Gebiet von Syrien und Libanon waren die meisten Juden bereits zur Zeit der sogenannten „Jüdischen Kriege“ von den Römern und ihren griechischen Verbündeten getötet worden. Dennoch erwiesen sich die Versuche des Byzantinischen Reiches, den Aramäern dieser Region ein griechischsprachiges Christentum aufzuzwingen, als weitgehend erfolglos. Der Widerstand gegen alles Griechische war so stark, dass die Christen gezwungen waren, ihre Literatur ins Aramäische zu übersetzen. Bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. entstanden in diesem gesamten Gebiet aramäischsprachige christliche Kirchen. Diese Kirchen waren von den „griechisch-orthodoxen“ Autoritäten als „häretisch“ angesehen, weil sie jüdischen Praktiken und Traditionen gegenüber offener waren als die Griechen. Auf dem Konzil von Ephesus im Jahr 431 n. Chr. wurden die aramäischsprachigen Kirchen formell aus der „griechisch-orthodoxen“ Kirche ausgeschlossen, mit der Begründung, ihre Auffassungen ähnelten denen eines griechischsprachigen Christen namens Nestorius, dem man vorwarf, geleugnet zu haben, dass Jesus der Sohn Gottes sei. Die sogenannten „Nestorianer“ wurden gezwungen, nach Irak und Iran zu fliehen, von wo aus sie allmählich eine Kette nestorianischer Gemeinden in ganz Zentralasien aufbauten.
Eine kleine Zahl aramäischsprachiger christlicher Gemeinden überlebte auch im Libanon und in Syrien unter dem Namen der Jakobiten. Trotz der Beibehaltung bestimmter jüdischer Praktiken unterschieden sich die Lehren der Nestorianer und Jakobiten nicht wesentlich von denen der „orthodoxen“ Christen; doch allein die Tatsache, dass sie auf Aramäisch statt auf Griechisch formuliert waren, genügte, um ihre spätere Verurteilung sicherzustellen.
Obwohl Aramäisch natürlich die Sprache Jesu Christi war, war das Vorurteil dagegen in der griechischen und römischen Welt so stark, dass selbst die aramäischsprachigen Ebioniten, die aus Freunden und Verwandten Jesu selbst bestanden haben sollen, ebenfalls als „Häretiker“ verurteilt wurden. Genau dieses Vorurteil ist eindeutig verantwortlich für das vollständige Desinteresse moderner Gelehrter an der Geschichte einer aramäischen Nationalität. Dem Prinzip „teile und herrsche“ folgend, sprechen die Gelehrten nie von den Aramäern als einer Gruppe, sondern nur von „Babyloniern“, „Syrern“ und „Juden“, die zufälligerweise alle dieselbe Sprache sprachen und viele der gleichen Glaubensvorstellungen und kulturellen Merkmale teilten.
Ein wichtiger Bestandteil dieser Kultur war das aramäische Judentum, das Elemente aramäischer Volkskultur mit traditionellen jüdischen Glaubensvorstellungen verband – in einer Form, die in der gesamten aramäischsprachigen Welt weit verbreitet war. In hohem Maße war es gerade durch das aramäische Judentum, dass jüdische Glaubensvorstellungen und Praktiken anderen nahöstlichen Völkern an den Rändern des Römischen Reiches vermittelt wurden. Angeregt durch den heroischen Kampf der Juden gegen den griechisch-römischen Imperialismus, begannen diese Völker ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. in großer Zahl zum Judentum zu konvertieren. An erster Stelle standen dabei die Araber, Äthiopier und Berber, die nach dieser Darstellung zunächst Juden wurden, bevor sie später Christen oder Muslime wurden.

Der Schmuck jüdischer Frauen in Libyen, Israel-Museum, Jerusalem, fotografiert 11.10.2025
„Das hier gezeigte Schmuckensemble ist typisch für Frauen aus der Stadt Tripolis, weist jedoch auch einige ländliche Elemente auf. Die Schmuckstücke, die die Schläfen der Frau zieren, spiegeln die Tradition der libyschen Silberschmiedekunst wider, die besonders in der Technik des Repoussé (Treibarbeit) und der Durchbrucharbeit hervorragte. Sie zeigen bemerkenswerte Kombinationen aus geometrischen Motiven, Blumen, Fischen und Vögeln, Hamsa- und Mondmustern sowie Davidsternen
Um ihren Hals trug die jüdische Frau eine sha’irya („Gerstenkorn“), eine Halskette mit mondförmigen Anhängern, die die Fruchtbarkeit sichern sollten. Die Halskette enthält Bernsteinperlen, die aus gewürztem Teig geformt wurden und durch den Duft, den sie bei Hautkontakt freisetzen, anziehend wirken sollten. Der Gürtel, gefertigt aus gegossenen Silbergliedern – deren Anzahl je nach Taillenmaß der Frau variierte – betont auf auffällige Weise die Hüften der Frau. [Ich fand das unglaublich schön – man muss sich vorstellen, wie eine dunkelhäutige Frau damit ausgesehen hat!
die Verbreitung des Judentums
Die Ausbreitung des Judentums in den Jahrhunderten nach den „Jüdischen Kriegen“ ist eine gut belegte historische Tatsache, wurde jedoch in allen Standardgeschichten dieser Epoche systematisch ignoriert.
Eine einfache Darstellung der Fakten zeigt, wie vollständig und schockierend diese Unterdrückung der jüdischen Rolle in der Weltgeschichte gewesen ist.
Shlomo Goitein beschreibt ab Seite 47 von „Jews and Arabs“ die Wanderung von Juden auf die arabische Halbinsel, die bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. zur Entstehung einer jüdischen Gemeinde im Jemen führte. Jemen war damals wie heute der bevölkerungsreichste Teil Arabiens und Heimat der rivalisierenden Königreiche Saba und Himyar. Bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. war die jüdische Gemeinde im Jemen durch Konversion so stark angewachsen, dass sie zu einem bedeutenden Faktor in der Politik der Region wurde.
Das Königreich Himyar war zu Beginn des 4. Jahrhunderts dominant, wurde jedoch 375 n. Chr. von den Truppen Asʿad Ab-Karibs gestürzt, der zum Judentum konvertierte und ein neues sabäisches Königreich gründete. Asʿad Ab-Karib, von späteren arabischen Historikern auch Asʿad Kamil al-Tubba genannt, machte das Judentum zur Staatsreligion des Königreichs Saba. Dieses gesamte Ereignis wird von Robert Stookey auf Seite 20 von „Yemen“ detailliert geschildert.
Das Judentum blieb für die nächsten 150 Jahre Staatsreligion des Königreichs Saba, bis etwa 525 n. Chr. der jüdische König Joseph Dhu Nuwas durch christlich-äthiopische Invasoren gestürzt wurde. Da Jemen der einzige dicht besiedelte Teil Arabiens war, ist es sehr wahrscheinlich, dass in dieser Zeit die Mehrheit der Araber Juden waren. Auch in den Karawanenstädten Nordarabiens blühten jüdische Gemeinden. Die Stadt Medina, in die Mohammed im Jahr 622 n. Chr. floh, war zu dieser Zeit zu einem Drittel jüdisch.
Die äthiopische Monarchie, die die Herrschaft Joseph Dhu Nuwas stürzte, war seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. christlich. Wie bekannt ist, folgten die Äthiopier einer Form des Christentums mit stark jüdischen Zügen: Sie praktizierten die Beschneidung, hielten die jüdischen Speisegesetze ein, verwendeten den Davidstern als Symbol und hielten sowohl den jüdischen Sabbat als auch den christlichen Sonntag.
Nach äthiopisch-christlicher Tradition war dies deshalb so, weil die äthiopische Monarchie von einem gewissen König Menelik gegründet worden sei, einem Nachkommen aus der Verbindung König Salomos mit der Königin von Saba. Diese Legende ist zwar weit verbreitet, wurde jedoch von Historikern widerlegt, die darauf hinweisen, dass Saba der hebräische Name für das im Jemen gelegene Reich Saba ist und nicht für Äthiopien. Warum also beanspruchten die äthiopisch-christlichen Könige jüdische Abstammung und förderten jüdische Praktiken? Die wahrscheinliche Erklärung ist, dass die Monarchie von jüdischen Königen gegründet worden war, die später zum Christentum konvertierten.

Das Kebra Nagast (Ge’ez: ክብረ ነገሥት, kəbrä nägäśt), oder „Der Ruhm der Könige“, ist ein äthiopisches Nationalepos aus dem 14. Jahrhundert[1], verfasst in Ge’ez. In seiner heutigen Form ist der Text mindestens 700 Jahre alt und versucht, die Ursprünge der salomonischen Dynastie, einer Linie äthiopisch-orthodoxer christlicher Monarchen, die das Land bis 1974 regierten, auf den biblischen König Salomo und die Königin von Saba zurückzuführen. (Moderne Illustration)
Es gibt keinerlei Belege für ein äthiopisches Königreich irgendeiner Art vor dem 1. Jahrhundert n. Chr., als erstmals Hinweise auf das Königreich Aksum erscheinen. Die Herrscher von Aksum waren es, die im 4. Jahrhundert n. Chr. zum Christentum konvertierten und das nationale Epos Kebra Nagast verfassten, das eine Abstammung von Salomo beansprucht, der etwa 1300 Jahre zuvor gelebt hatte. David Kessler stellt jedoch auf Seite 3 von „The Falashas“ fest: „Nach äthiopischer Tradition war die Hälfte der Bevölkerung jüdisch, bevor das Land im vierten Jahrhundert zum Christentum konvertiert wurde.“
Diese Schlussfolgerung wird durch die Geschichte der Falasha oder äthiopischen Juden gestützt, die einst Millionen zählten. Bis ins 17. Jahrhundert hinein standen große Teile Äthiopiens unter Falasha-Herrschaft. Die Falasha weigerten sich, die Autorität der christlichen Könige anzuerkennen, die sie im Kebra Nagast als „Feinde Gottes“ diffamiert hatten. Im 10. Jahrhundert n. Chr. versuchten die Falasha sogar, unter der Führung einer jüdischen Königin namens Judith (oder Esther, je nach Quelle) [richtig ist Gudit, B. S.] die Kontrolle über das gesamte Land zu übernehmen.
„Eines der wenigen Dokumente aus der Zeit Königin Judiths ist ein Brief, der kurz nach 979 vom abessinischen König an seinen christlichen Zeitgenossen, König Georg von Nubien, geschrieben wurde, in dem er um Hilfe bat, um der Verfolgung von Christen durch eine Königin entgegenzutreten, die seinen Thron an sich gerissen hatte.“
Kessler stellt außerdem auf Seite 93 fest, dass im 17. Jahrhundert noch bis zu 500.000 Falasha in Äthiopien lebten, zu einer Zeit, als ihre Unabhängigkeit durch christliche Könige mit europäischer Militärhilfe drastisch eingeschränkt wurde. Verfolgung reduzierte ihre Zahl erheblich, doch europäische Reisende berichteten noch Mitte des 19. Jahrhunderts von nahezu 200.000 Falasha in Äthiopien. In der Neuzeit schrumpfte ihre Zahl weiter.
Die Zahl war auf etwa 30.000 gesunken, von denen die meisten in den letzten Jahrzehnten nach Israel auswanderten.

Gudit (altäthiopisch ጉዲት, Yodit, deutsch „Judith“) – die sagenhafte Königin der Beta Israel. Credits: Burks/KI
Die Geschichte der Berberjuden Nordafrikas wird von André Chouraqui in Between East and West: A History of the Jews of North Africa erzählt. Bis zur Zeit der „Jüdischen Kriege“ gab es große jüdische Gemeinden in Ägypten und Libyen. Die meisten Historiker schätzen, dass es allein in Ägypten zur Zeit der „Jüdischen Kriege“ etwa eine Million Juden gab. Josephus ging davon aus, dass es auch in Libyen – das damals Kyrenaika genannt wurde – ungefähr 500.000 Juden gab.
Fast alle Juden Ägyptens und Libyens wurden jedoch während der „Jüdischen Kriege“ getötet oder zerstreut, sodass es ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. kaum noch Hinweise auf jüdisches Leben in diesen Ländern gibt. Ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. tauchen jedoch Berichte über die Konversion von Berberstämmen zum Judentum im Gebiet des heutigen Tunesien, Algerien und Marokko auf.
Die Berber sind das indigene Volk dessen, was die Araber den „Maghreb“ nennen, die Küstenregion Nordafrikas. In den küstennahen Gebieten wurden die Berber von aufeinanderfolgenden Wellen von Eroberern unterworfen und kolonisiert, beginnend mit den Phöniziern und fortgesetzt durch Griechen und Römer. Weiter im Landesinneren blieben die Berberstämme unabhängig, und es waren diese unabhängigen Stämme, die im 2. Jahrhundert n. Chr. in großer Zahl zum Judentum übertraten.
Im 3. Jahrhundert n. Chr. waren die meisten Berberstämme außerhalb der römisch dominierten Küstenstädte jüdisch geworden. Chouraqui zitiert auf Seite 21 den christlichen Theologen Tertullian, der berichtete, „dass die Berber den Sabbat, die jüdischen Feste und Fasten sowie die Speisegesetze einhielten“. Diese Stämme blieben bis zur arabischen Eroberung Nordafrikas im 7. Jahrhundert n. Chr. jüdisch.
Tatsächlich wurde der Widerstand gegen die arabische Eroberung im Maghreb von jüdischen Berberstämmen angeführt, insbesondere vom Stamm der Jerawa [Dscharawa, Vorläufer der Chaouia, B. S.], der von Dahya al-Kahena, einer jüdischen Priesterin (»Kahena« bedeutet „Priesterin“), geführt wurde. Chouraqui vermerkt auf Seite 35, dass die unter ihrem Kommando stehenden Truppen im Jahr 688 n. Chr. am Ufer des Flusses El Meskiana ein arabisches Heer besiegten und die Araber für etwa fünf Jahre nach Libyen zurückdrängten.
Die Araber kehrten später mit größerer Macht zurück und töteten Dahya al-Kahena, womit der Weg zur Eroberung des restlichen Maghreb frei wurde. Viele Berberjuden konvertierten zum Islam, andere blieben jüdisch.
Von den etwa 500.000 Juden, die in der Neuzeit in Nordafrika lebten, schätzt Chouraqui, dass etwa die Hälfte berberischer Herkunft war. Viele sprachen noch Berber, insbesondere in Marokko. Laut Chouraqui sprachen von den über 200.000 Juden, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Marokko lebten, 15 % ausschließlich Berberisch, 59 % sowohl Berberisch als auch Arabisch und 29 % ausschließlich Arabisch.
Die arabischen, äthiopischen und berberischen Konvertiten zum Judentum im Zeitraum vom 3. bis zum 6. Jahrhundert n. Chr. wiesen bestimmte gemeinsame Merkmale auf. Zum einen lebten sie jeweils knapp außerhalb der Reichweite der römischen Armee. Die Römer eroberten das arabische Königreich Nabatäa im Gebiet des heutigen Jordanien, doch ihr einziger Versuch, in den Jemen einzudringen, scheiterte. Südlich von Ägypten drangen die Römer bis nach Nubien vor, erreichten jedoch Äthiopien nicht. Ebenso begnügten sie sich im Maghreb damit, die reiche Küstenebene zu beherrschen, und ignorierten die nomadischen Stämme des Hinterlandes.
Diese Berberstämme lebten überwiegend von Viehzucht, ebenso wie viele Araber und Äthiopier. Im Jemen und in Äthiopien betrieben jüdische Konvertiten auch sesshafte Landwirtschaft, doch in keinem dieser Gebiete gab es große, wohlhabende Städte. Mit seinem egalitären Rechtssystem und seiner langen Geschichte des Widerstands gegen fremde Eroberung muss das Judentum diesen Völkern als ein Mittel erschienen sein, Rom zu widerstehen.
Es kann kein bloßer Zufall gewesen sein, dass der Nettoeffekt ihrer Konversion darin bestand, ein loses Netzwerk jüdischer Stämme und Königreiche zu schaffen, das den Römern entlang einer langen Frontlinie gegenüberstand, die sich von Marokko im Westen bis nach Arabien im Osten erstreckte. Bezieht man die jüdische Gemeinde des Irak mit ein – die damals die größte jüdische Gemeinde der Welt war –, so ergibt sich das Bild eines jüdisch-afroasiatischen Widerstands gegen den europäischen Imperialismus, der eindeutig der Vorläufer und das Modell für den Aufstieg des Islam war. [Eine sehr kühne These! B.S.]

Statue der Königin Dihya – „schöne Gazelle“ aka Kāhina in Baghaï, errichtet von der Association Aurès El-Kahina.
Die wichtigste Waffe der Römer in ihrem Kampf gegen diesen Widerstand erwies sich als das Christentum. Durch christlichen Einfluss wurden die jüdischen Königreiche sowohl in Äthiopien als auch im Jemen gestürzt. Das Christentum ähnelte dem Judentum in vielerlei Hinsicht, war jedoch mit einer pro-römischen politischen Ausrichtung verbunden. Je weiter sich das Christentum jedoch vom römischen Reich entfernte, desto „häretischer“ erschien es.
Dies lag daran, dass es gezwungen war, sich dem pro-jüdischen politischen Klima anzupassen, das praktisch überall an den Rändern des römischen Reiches herrschte. Selbst in Nordeuropa, wo direkter jüdischer Einfluss nicht sehr stark war, begannen die germanischen Stämme, die das Gebiet entlang der römischen Grenze beherrschten, zu einer „häretischen“ Form des Christentums zu konvertieren, die als Arianismus bekannt ist.
In The Arians of the Fourth Century, geschrieben von dem bedeutenden englischen katholischen Autor des 19. Jahrhunderts John Newman, wird die arianische „Häresie“ auf die Lehren von Paul von Samosata, dem christlichen Bischof von Palmyra im 3. Jahrhundert n. Chr., zurückgeführt. Palmyra war eine aramäischsprachige Stadt im Gebiet des heutigen Irak, bekannt für ihre pro-jüdischen Sympathien. Newman nennt auf Seite 5 die Lehren Pauls von Samosata „eine Art Judentum in der Lehre“. Auf Seite 18 charakterisiert er den Arianismus wie folgt:
Ich will nicht sagen, dass die arianische Lehre das direkte Ergebnis einer judaisierenden Praxis ist, doch verdient es Erwägung, ob die Neigung, Christus die ihm gebührende Ehre zu verweigern, nicht durch die Beobachtung jüdischer Riten entstanden ist – und noch mehr durch jene fleischliche, selbstgenügsame Religion, die zu jener Zeit offenbar in der verworfenen Nation vorherrschte.
Obwohl der Arianismus im Nahen Osten entstand, fand er seine wichtigste Unterstützung schließlich bei den Goten, die im 5. Jahrhundert n. Chr. Südeuropa und Rom selbst überrannten.
Alle Formen des Christentums – ob „orthodox“, „katholisch“ oder „häretisch“ – entwickelten eine doppelte Haltung gegenüber dem Judentum und dem jüdischen Volk. Einerseits war das Christentum selbst eine Erscheinungsform der Ausbreitung des Judentums. Die Christen verehrten die jüdischen Schriften und trugen dazu bei, sie in Regionen zu verbreiten, die Juden selbst nicht erreichten. Andererseits wurden christliche Ausgaben der jüdischen Schriften stets vom Neuen Testament begleitet, einer zutiefst antisemitischen Schrift, die die Juden für den Tod Jesu Christi stigmatisierte.
Der Unterschied zwischen orthodoxen Christen und Häretikern bestand darin, wo sie die Grenze zwischen dem pro-jüdischen und dem anti-jüdischen Aspekt des Christentums zogen. Je näher man den Rändern des römischen Reiches war und je niedriger die soziale Stellung innerhalb des Reiches, desto pro-jüdischer wurde die christliche Lehre. Je näher man den Machtzentren Roms kam, desto anti-jüdischer wurde sie.
So entwickelte sich ein Spektrum: Die „orthodoxen“ und „katholischen“ Christen verteidigten das Reich, die „Häretiker“ schwankten an den Rändern, und die offenen „Judaisten“ bezeugten ihre Ablehnung des Reiches, indem sie zum Judentum konvertierten.
Am äußersten linken Rand dieses gesamten Spektrums standen die Juden selbst. Es war der Kampf des jüdischen Volkes – zunächst zur Verteidigung und dann zur Wiederherstellung der Nation Juda -, der letztlich für die Ausbreitung des Judentums in all seinen Erscheinungsformen verantwortlich war. Die „Jüdischen Kriege“ setzten eine eigentümliche Dynamik in Gang: Je größer die Verluste waren, die das jüdische Volk im Land Israel und im umliegenden aramäischsprachigen Raum erlitt, desto größer wurde die politische Anziehungskraft des Judentums in einem viel weiteren Gebiet, das den gesamten Nahen Osten sowie große Teile Europas, Afrikas und Asiens umfasste.
Diese Dynamik führte zuerst zur Entstehung des Christentums und dann des Islam und auch zur Veränderung des ethnischen Charakters des jüdischen Volkes. Bis zur Zeit der „Jüdischen Kriege“ überwiegend semitisch, wurde das jüdische Volk in den folgenden 500 Jahren durch Konversion, Kampf und Heirat zu einem Weltvolk mit überwiegend nahöstlichen ethnischen Merkmalen. Dieses Weltvolk übte einen radikalen Einfluss auf die gesamte Alte Welt aus, doch nirgends war dieser Einfluss stärker als im Kernland der nachrömischen jüdischen Gemeinschaft – dem Persischen Reich. (…)

Unterwerfung des jüdisch-arabischen Stammes der Banu Nadir vor den muslimischen Truppen (Gemälde aus dem 14. Jahrhundert)
Islam
Konventionelle Darstellungen der Geschichte des Islam ignorieren nahezu vollständig den Einfluss der frühen zionistischen Bewegung auf Mohammed und die frühen Muslime. Der jüdische Einfluss auf Mohammed kann jedoch nicht völlig übergangen werden, da der Islam dem Judentum in so vieler Hinsicht ähnelt; dieser Einfluss wird jedoch gewöhnlich damit erklärt, dass Mohammed auf seinen Reisen einigen Juden begegnet sei und daher mit ihren Lehren vertraut gewesen sei. Diese beiläufigen Kontakte sollen angeblich ausgereicht haben, Mohammed dazu zu veranlassen, zu behaupten, denselben Gott wie die Juden zu verehren, dieselben Speisegesetze zu fördern, seine frühen Anhänger zu lehren, in Richtung Jerusalem zu beten, und zu behaupten, dass die gesamte arabische Nation von Abraham, einem Hebräer, abstamme.
Dieser Glaube war jedoch nicht originär bei Mohammed; er wurde aus einer jüdischen Tradition übernommen, nach der die Araber von Ismael, dem Sohn Abrahams und Hagars, abstammten. In den konventionellen Darstellungen der Ursprünge des Islam fehlt fast ausnahmslos die Tatsache, dass Juden zur Zeit von Mohammeds Geburt einen großen Anteil der Bevölkerung Arabiens ausmachten, ebenso wie die Tatsache, dass Mohammeds Entscheidung, in Mekka seine Version des Judentums zu predigen, zeitlich mit dem offensichtlichen Triumph der jüdischen zionistischen Bewegung zusammenfiel.
Eine teilweise Ausnahme von der üblichen Praxis, den Islam vom Judentum zu distanzieren, stellt ein Buch von Patricia Crone und Michael Cook mit dem Titel Hagarism: The Making of the Islamic World dar. Dieses Buch sorgte bei seinem Erscheinen im Jahr 1977 für erhebliches Aufsehen, da es den Islam als einen Auswuchs des „jüdischen Messianismus“ darstellte. Während Standarddarstellungen des Lebens Mohammeds die Feindseligkeit zwischen ihm und der großen jüdischen Gemeinde von Medina betonen, erklären die Autoren von Hagarism auf Seite 7:
Im Gegensatz zur standardmäßigen islamischen Darstellung der Beziehungen zwischen Mohammed und den jüdischen Stämmen von Medina erscheinen die Juden in dem als „Verfassung von Medina“ bekannten Dokument als eine Gemeinschaft (umma) zusammen mit den Gläubigen, trotz der Beibehaltung ihrer eigenen Religion, und sie sind namenlos unter einer Reihe arabischer Stämme verteilt.
Wie alle anderen schenkten jedoch auch Crone und Cook der tatsächlichen jüdisch-messianischen Bewegung zur Zeit Mohammeds nur wenig Aufmerksamkeit und zogen es vor, Mohammeds Überzeugungen auf seine eigenen inneren Denkprozesse zurückzuführen. Die Befreiung Jerusalems im Jahr 614 n. Chr. wird nicht einmal erwähnt. Der Ton des Buches ist – wie schon der Titel zeigt – sowohl gegenüber dem Judentum als auch gegenüber dem Islam respektlos; ob dies eine Verbesserung gegenüber der üblichen Praxis darstellt, nur gegenüber dem Judentum respektlos zu sein, ist unklar.

Maßstabsgetreue Rekonstruktion Jerusalems im 1. Jahrhundert n. Chr. mit dem Tempelberg, Israel-Museum Jerusalem, fotografiert am 11.10.1225.
Mohammeds Laufbahn lässt sich in zwei Phasen einteilen: eine pro-jüdische und eine anti-jüdische. Mohammed wurde im Jahr 570 n. Chr. geboren, im selben Jahr, in dem eine äthiopisch-christliche Invasion Mekkas und Nordarabiens zurückgeschlagen wurde. Er stammte aus einer angesehenen Familie, wurde jedoch früh verwaist und verbrachte die ersten vierzig Jahre seines Lebens in relativer Bedeutungslosigkeit.
Um 610 n. Chr., als die persische Offensive ihre ersten großen Erfolge erzielte, begann Mohammed auf dem Marktplatz von Mekka zu predigen. In den folgenden zwölf Jahren, während die Juden für Jerusalem kämpften, es befreiten und versuchten, es zurückzugewinnen, predigte Mohammed den Menschen von Mekka seine Version des Judentums. Als er 622 n. Chr. aus Mekka vertrieben wurde, floh er nach Medina, wo er gute Beziehungen zur jüdischen Gemeinde unterhielt.
Doch um 624 n. Chr., als sich das Kriegsglück im Norden zugunsten der Byzantiner wendete und die Lage der Juden in Palästina immer verzweifelter wurde, brach Mohammed mit den Juden. Er und seine Anhänger töteten oder versklavten die Juden Medinas und anderer Städte Nordarabiens, und in seinen Reden begannen Schmähungen gegen die Juden aufzutauchen. Dieser Verrat an der jüdischen Sache wurde von schmeichelhaften Bemerkungen über die Christen begleitet, um die Mohammed nun ebenso zu umwerben begann, wie es zuvor die Perser getan hatten.
Als die Muslime im Süden Arabiens die Kontrolle über den Jemen übernahmen, versuchten sie erfolglos, die gesamte jüdische Bevölkerung zur Konversion zum Islam zu zwingen. Viele taten es, doch eine große Zahl weigerte sich, was die Grundlage für eine bedeutende jüdische Gemeinde bildete, die im Jemen bis in die Neuzeit überlebte.
Mohammeds Bruch mit den Juden wurde bereits durch das eine klar nichtjüdische Element seiner frühen Lehren angedeutet: sein Beharren darauf, Gott einen arabischen und nicht einen hebräischen Namen zu geben – „Allah“ statt „El“. Mohammed appellierte an den Nationalstolz der Araber, indem er erklärte, er sei der Prophet, der speziell zu ihnen gesandt worden sei, so wie Mose speziell zu den Hebräern gesandt worden war.
Als deutlich wurde, dass die Juden erneut besiegt werden würden, war Mohammed gut positioniert, sich im Namen Allahs und der arabischen Einheit gegen sie zu wenden. Über Jahrhunderte war die arabische Welt zwischen konkurrierenden jüdischen und christlichen Fraktionen geteilt gewesen – die eine von den Persern unterstützt, die andere von den Byzantinern und Äthiopiern. Solange es so aussah, als würden die Juden siegen, stand Mohammed auf ihrer Seite; der Bruch mit ihnen hatte jedoch den großen Vorteil, dass er den Konflikt zwischen Christen und Juden transzendieren und die Araber um seine eigenen Lehren vereinen konnte.
Nach Mohammeds Tod im Jahr 632 n. Chr. waren die muslimischen Streitkräfte groß genug, um nach Norden vorzustoßen und die Invasion des gesamten Nahen Ostens zu beginnen. Der Erfolg von Mohammeds Politik besiegelte das Schicksal der Juden, indem er sie zu einer kleinen Minderheit reduzierte, die sowohl im Neuen Testament als auch im Koran verachtet und verunglimpft wurde.
Aus jüdischer Sicht sind die engsten historischen Parallelen zu Mohammed Luther und Stalin. Alle drei dieser Gestalten haben dem jüdischen Volk in gleichem Maße geholfen und geschadet. Mohammed war verantwortlich für die Zerstörung des größten Teils der jüdischen Gemeinschaft Arabiens und für die Diffamierung des jüdischen Volkes im Koran; zugleich jedoch könnte die muslimische Eroberung des Nahen Ostens das jüdische Volk vor der vollständigen Vernichtung bewahrt haben.
Wie zu erwarten war, reagierten die Byzantiner auf die Befreiung Jerusalems mit einem vollständigen Verbot des Judentums im gesamten Reich und forderten sogar benachbarte Königreiche auf, dasselbe zu tun. So negativ sie auch war, die muslimische Politik gegenüber den Juden war dennoch weitaus toleranter als die christliche. Unter muslimischer Herrschaft durften die jüdischen Gemeinden des Nahen Ostens überleben – stark reduziert an Zahl und Prestige, gewiss, aber dennoch formal als „Leute des Buches“ anerkannt und zu einem gewissen Maß an Schutz vor christlicher Verfolgung berechtigt.
Darüber hinaus steigerte der Triumph des Islam – da er so eindeutig aus dem Judentum hervorgegangen war – das Prestige, wenn nicht der Juden selbst, so doch zumindest des jüdischen Denkens. Mohammed trug somit dazu bei, eine paradoxe Situation zu schaffen, in der ein großer Teil der Alten Welt jüdischen Ideen in christlicher oder muslimischer Gestalt huldigte, während die Juden selbst auf die Position einer kleinen und unbedeutenden Minderheit reduziert wurden.
Im Kern geschah Folgendes: Der Islam ersetzte das Judentum als Ideologie der nahöstlichen Koalition, die sich dem griechisch-römischen Imperialismus widersetzte. Der Grund war einfach: Es bedurfte eines Reiches, um ein Reich zu besiegen. Trotz seines Bündnisses mit dem Perserreich war das Judentum grundsätzlich allen Formen des Imperialismus feindlich gegenüber, da es auf der Forderung nach nationaler Selbstbestimmung des jüdischen Volkes beruhte.
Das Judentum versuchte, den griechisch-römischen Imperialismus durch eine Koalition unabhängiger Nationen unter persischer Führung zu bekämpfen; doch die Ereignisse des frühen 7. Jahrhunderts – die Befreiung Jerusalems, gefolgt vom persischen Verrat und der byzantinischen Wiedererstarkung – diskreditierten diese Strategie endgültig. Der Islam unterschied sich vom Judentum darin, dass er sich auf ein Volk stützte – die Araber –, die bereit und willens waren, ihren Willen mit Gewalt im Nahen Osten durchzusetzen.
Sie taten dies im Namen jüdischer Ideen, lehnten jedoch die jüdische Vorstellung nationaler Selbstbestimmung vollständig ab. Wo immer die Araber hinkamen, versuchten sie, den eroberten Völkern ihre Religion und ihre Sprache aufzuzwingen. Der Islam war daher weniger radikal und idealistisch, aber erfolgreicher als das Judentum. Wie zuvor das Christentum wurde er zur Ideologie eines Reiches, und zwischen ihnen beherrschten die christlichen und muslimischen Reiche den größten Teil der Alten Welt.
Das Judentum war nahezu vergessen, doch selbst unter diesen widrigen Umständen wirkte die jüdische Tradition weiterhin als eine mächtige Kraft in der Weltgeschichte.
Öl und Thymian
Gestern habe ich mich mit meiner Lieblingsfreundin ins Berliner bzw. Charlottenburger Nachtleben gestürzt. Es begann dergestalt, dass wir ein Restaurant testeten – das Zait & Za’atar Falafel. Ich wollte die Herrschaften, die dort arbeiteten, schon fröhlich mit schalom, ma nischma? (שלום, מה שלומך?) begrüßen, weil ich an mein Falafel-Erlebnis in Jerusalem dachte. Da fiel mir gerade noch rechtzeitig ein, dass es sich um Araber handeln könnte, die ebenfalls Falafel essen bzw. verkaufen.
Und siehe, ChatGPT spuckt beim Namen des Restaurants aus:
„Zait za’atar“ (auch: zeit zaatar, zayt za‘tar) ist Arabisch und bedeutet wörtlich: „Öl und Za’atar“ bzw. „Za’atar mit Öl“
Aufschlüsselung der Wörter:
zait / zayt (زيت) = Öl (meist Olivenöl)
za’atar (زعتر) = Za’atar
je nach Region wilder Thymian/Oregano oder die bekannte Gewürzmischung aus Thymian, Sumach, Sesam und Salz.
Noch mal Glück gehabt. Ich war nicht in der Laune, mich an fiese Krav-Maga-Tricks erinnern zu müssen.
Den Laden kann man uneingeschränkt empfehlen. Falafel (ich nahm die Falafel-Platte, vgl. oben) kann ich auch so machen, aber die Dekoration und das Drumherum machen viel aus (u.a. Joghurt, Hummus, irgendein scharfes Gewürz, das ich nicht identifizieren konnte, Salate).
Nicht immunologisch naiv
Ist Corona nicht völlig out? Wieso machen die noch Impfreklame?
Auch wenn sich das komisch anhört: Ich hatte noch nie Corona, und wenn, dann hatte ich keinerlei Symptome. Fragen wir die KI, ob ich eine kleine radikale Minderheit bin:
Ja – es gibt wissenschaftliche Schätzungen dazu, wie viele Menschen in Deutschland (stand früherer Pandemie-Phasen) noch nie mit SARS-CoV-2 in Kontakt gekommen sind oder infiziert waren (also immunologisch naïv). Allerdings stammen die meisten belastbaren Studien aus frühen oder mittleren Phasen der Pandemie (bis 2022) und berücksichtigen nicht unbedingt die vielen Omikron-Wellen danach. Hier die wichtigsten Ergebnisse aus Modellierungen und Untersuchungen:
🧪 Schätzungen zur „nie infiziert“-Gruppe
📍 Modellrechnung bis Ende Mai 2022
Eine mathematische Modellierung, die Infektionszahlen, Impfquoten und Dunkelziffern berücksichtigt, kam zu folgendem Ergebnis:
➡️ Etwa 5,6 % der Gesamtbevölkerung hatten bis 31. Mai 2022 weder eine Corona-Infektion noch eine Impfung und gelten daher als immunologisch naïv (nicht infiziert, nicht geimpft) – mit einer Spanne zwischen ca. 2,5 % und 8,5 % je nach Bundesland und Alter. Bei 18- bis 59-Jährigen lag der Anteil sogar niedriger (ca. 1,6 %–5,9 %).
📍 Frühere Modellierung bis März 2022
Eine andere Analyse bezifferte den Anteil Menschen in Deutschland, die weder geimpft noch mit SARS-CoV-2 in Kontakt gekommen sind, auf etwa 7 % bis Ende März 2022. (Ärzteblatt)
📌 Wichtige Hinweise
– Diese Schätzungen beziehen sich nicht direkt auf den Zeitpunkt Ende 2025. Seit 2022 gab es sehr viele weitere Infektionen (insbesondere durch Omikron-Subvarianten), weshalb der Anteil an noch nie infizierten Personen heute wahrscheinlich noch deutlich niedriger ist als die genannten ~5 %–7 % aus früheren Studien.
– Seroprävalenz- und Modellstudien können zwischen berichteten und tatsächlich stattgefundenen Infektionen stark variieren, da nicht jede Infektion getestet bzw. gemeldet wird.
– Zudem gibt es Menschen, die zwar nie getestet positiv waren, aber unbemerkt infiziert wurden (z. B. asymptomatisch), was die Schätzungen weiter kompliziert.
🧠 Fazit
Nach den besten verfügbaren Modellrechnungen aus der Pandemie bis 2022 hatten nur eine kleine Minderheit (einige Prozent) der deutschen Bevölkerung bis dahin weder Infektion noch Impfung erlebt. Für die aktuelle Situation 2025 gibt es meines Wissens keine aktuelle, repräsentative Schätzung, aber es ist zu erwarten, dass dieser Anteil seitdem weiter gesunken ist, da fast alle Menschen mehrfach durch Infektionen oder Impfungen „in Kontakt“ mit dem Virus gekommen sind.
Für Ende 2025 kenne ich [ChatGPT] keine frei zugängliche, repräsentative Zahl, die denselben Trick (Spike vs. Nukleokapsid + Impfhistorie) sauber auf die gesamte geimpfte Bevölkerung hochrechnet. Was man aber ziemlich sicher sagen kann: Durch weitere Omikron-Wellen seit 2022 dürfte der Anteil „geimpft und wirklich noch nie infiziert“ deutlich kleiner sein als die obigen (2022er) Obergrenzen.
| Impfstatus | N-AK positiv (Hinweis auf Infektion) |
N-AK negativ (= „max. nie infiziert“) |
„Waning“-korrigierte Spanne (plausibler Anteil „nie infiziert“) |
Annahme für Korrektur |
|---|---|---|---|---|
| 2 Impfungen | 55,8% | 44,2% | 17,9% – 37,3% | Wenn N-AK-Nachweis nach Infektion je nach Zeit seit Infektion ca. 68% bis 89% beträgt |
| 3 Impfungen | 47,7% | 52,3% | 29,9% – 46,4% | Gleiche Korrekturanahme (68%–89% Sensitivität) |
| 4 Impfungen | 30,5% | 69,5% | 55,1% – 65,7% | Gleiche Korrekturanahme (68%–89% Sensitivität) |
Quelle: IMMUNEBRIDGE (33.637 Teilnehmer, Juni–Nov 2022). „N-AK negativ“ ist ein oberes Limit für „nie infiziert“, weil N-Antikörper nach Monaten abnehmen können.
Die „Waning“-Spanne korrigiert grob mit im Paper berichteten Nachweisraten (≈89% bis 5 Monate, ≈68% nach >5 Monaten) für Infektionen nach ≥2 Impfungen.
Jericho, revisited

In meiner Unterkunft in Jericho, 20.10.2025, 36 Grad, 14:54 Uhr
Verdacht auf Entführung: Israelische Staatsbürgerin in der Nähe von Jericho unverletzt gerettet.
Eine israelische Frau wurde in der Nähe von Jericho entführt und von israelischen Streitkräften unverletzt befreit. Die Behörden warnen Zivilisten davor, das Gebiet A zu betreten, da dort Sicherheitsrisiken und rechtliche Beschränkungen bestehen. (…)
Der Nachrichtensender Channel 12 berichtete, dass eine arabische Bekannte die israelische Frau gegen ihren Willen in ein Haus in Jericho gebracht hatte. Palästinensische Araber trafen am Ort des Geschehens ein, woraufhin die Frau aus dem Haus flüchtete und die Zivilverwaltung verständigte. Diese fand sie, und sie wurde der israelischen Armee (IDF) übergeben.
Die IDF bekräftigte, dass es israelischen Zivilisten gesetzlich verboten sei, das Gebiet A zu betreten, das unter der vollständigen Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde steht, und betonte, dass dies erhebliche Risiken für die persönliche Sicherheit berge.
Entscheidend ist das Ergebnis oder: Was tun nach der Machtübernahme?
[Die Überschrift ist nur dazu, das Publikum zu animieren, den folgenden Text länger als fünf Sekunden zu lesen.]

Fotografiert in der Bergarbeiterstadt Oruro, Bolivien 1984
Ich schrob schrieb: „Daher ist die Idee, man müsse die Geschichte durch eine „Revolution“ beschleunigen, vermutlich obsolet und aus dem Kindergarten stalinistischer Textbausteine“. Wenn das wahr ist, muss man sich das näher ansehen.
These: Im voll entwickelten Kapitalismus kann die herrschende Klasse nicht mehr militärisch besiegt werden. Alle Fantasien über einen „Umsturz“ gegen den Willen der Mehrheit sind Unfug. Das gilt auch für die orthodoxe „marxistische“ Theorie einer „Diktatur des Proletariats“. Das ist keine moralische, sondern eine „technische“ Argumentation.
Beispiel: Die Urform einer zeitweilig erfolgreichen Revolution ist die Oktoberrevolution im zaristischen Russland. Russland war damals ein halbfeudales Land mit einer nur winzigen Arbeiterklasse. Die „Avantgarde“ unter Lenin putschte eher, als dass sie sich auf sozialrevolutionäre Bewegungen stützte. Das war vielleicht angebracht – man sollte den Mantel der Geschichte ergreifen, wenn er an einem vorbeiweht. Erstaunlich ist, dass es überhaupt so lange funktioniert hat.
Die russische Revolution ist eher atypisch, weil sie erstens während eines Krieges stattfand und zweitens in einen Bürgerkrieg mündete, den – was historisch die große Ausnahme ist – die Revolutionäre gewannen. Dann kommt das große „Aber“.
Ich schrieb am 24.11.2017 über das lesenswerte Standardwerk Bini Adamczaks Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman über die russische Revolution, wie sie hätte sein können und sollen: „Ich sehe mich durch die Lektüre bestätigt, das nicht nur mit dem Tod Lenins und der Machtübernahme Stalins die Konterrevolution in der Sowjetunion begann, sondern dass schon viel früher so viele entscheidende Fehler gemacht wurden, dass die Sache verloren war. Die Frage ist nur, ob diese “Sache” unter den damals gegebenen Umständen überhaupt eine ernsthafte Chance hatte.“

Beispiel: Die zeitweilig erfolgreiche Revolution der Sandinistas in Nicaragua. Hier waren die Voraussetzungen ähnlich wie in Vietnam beim Sieg der Vietcong gegen Frankreich und die USA: Es gab ein „Hinterland“, das den Revolutionären als Versteck und heimliches Aufmarschgebiet dienen konnte. Das wäre heute im Zeitalter von Drohnen und Satellitenüberwachung undenkbar. Außerdem hatte der korrupte Diktator Somoza nur eine schmale Machtbasis und wurde zudem von der USA unterstützt. Alle Klassen kämpften gegen ihn; die Sandinistas waren damals – wie auch die Teilnehmer des Langen Marsches in China – eine Jugendbewegung. Aber: Ein wie auch immer gearteter Sozialismus steht in einem klassischen „Entwicklungsland“ gar nicht auf der Tagesordnung.
Als „Revolution“ wird in Nicaragua heute zumeist die Zeit der ersten Herrschaft der Sandinisten von 1979 bis 1990 bezeichnet als die FSLN-Regierung 1979 die Schulpflicht für Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren durch gebührenfreie Schulen durchsetzte. Durch die 1980 und 1981 folgende landesweite Alphabetisierungskampagne wurde der Anteil von Analphabeten in der Bevölkerung von 50 Prozent (1979) auf 12 Prozent gesenkt. Hingegen scheiterte die Regierung bei ihrem Bemühen, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, um die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln, vor allem Mais und Bohnen, zu gewährleisten und von Importen unabhängig zu werden.
Landreform und Alfabetisierung: Gut und nützlich, aber auch diese Revolution scheiterte auf lange Sicht. Im voll entwickelten Kapitalismus sollte die Arbeiterklasse schreiben und lesen können, also Kulturtechniken beherrschen, die auf dem Markt der Arbeitskräfte gebraucht werden und für die heute der Staat sorgt. (Offenbar sieht man das in Deutschland jetzt wieder anders.) Das ist aber keine „echte“ revolutionäre Forderung.
Land- und Bodenreformen dienen vielleicht Kleinbauern, an die das Land der kapitalistischen Agrarkonzerte verteilt würde. Der Kapitalismus macht aber der Kleinbourgeoisie und kleinen Bauern ohnehin langfristig den Garaus.
Nicaragua ist heute eine Diktatur und immer noch ein Entwicklungsland, also kein entwickelter Kapitalismus. Typologisch vergleichbar: Die Revolution in Kuba – ich ahne, wie das enden wird, jedenfalls nicht gut.

Fotografiert in León, Nicaragua, 1981
Beispiel: Revolutionen, die weitgehend friedlich abliefen, aber nur die Form der Klassenherrschaft der Bourgeoisie änderten, wie die Revolution in Portugal oder der friedliche Umsturz in der DDR. Hier trifft im Gegensatz zu den vorherigen Umstürzen zu, dass die Herrschenden – wie Lenin schon formulierte – nicht mehr in der Lage oder willens waren, sich zu wehren.
Beispiel: Exotische revolutionäre Sonderformen, die schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt sind, wie der Aufstand der Ciompi, die Pariser Kommune oder die zeitweilig erfolgreiche Revolution in Grenada. Die Gebiete, in denen Revolutionäre zeitweilig die Macht übernahmen, waren so klein, dass sie ökonomisch gar nicht lebensfähig waren. Der Versuch ist gültig und lobenswert, aber aussichtslos.
Revolutionen, die in einem nicht-kapitalistischen Land stattfinden, wie etwa die französische Revolution – ebnen der Bourgeoisie den Weg zur Macht, nicht dem Proletariat. Sogar das ist in Deutschland gescheitert, wie alle anderen Versuche auch.
Jetzt die gute Nachricht: Wie sollte | würde | könnte eine Machtübernahme der Linken aussehen?
Wir müssen die antiken Ungeheuer Skylla und Charybdis bemühen. Oder: Alles, was man machen kann, ist schlecht.
Ginge eine noch zu formierende deutsche Linke in Koalitionen Kompromisse ein, verwässerte sie ihr Programm und könnte die ökonomischen Verhältnisse des Kapitalismus nicht umstürzen. Beispiele: Die Unidad Popular in Chile oder der Historische Kompromiss in Italien.
Geht die Linke aber keine Koalitionen ein, bleibt sie eine sektenmäßige APO. Das kann man auch ein Jahrhundert lang durchziehen.
Wir haben nur wenige Beispiele für eine demokratische Machtübernahme der Linken, die erwähnenswert sind: Die Nepalesische Kommunistische Partei und die kommunistisch dominierte Koalition der Linken in Kerala. Ich habe aber meine Zweifel, ob es sich um voll entwickelte kapitalistische Staaten handelt. Nepal ist auch typologisch eher vergleichbar mit Grenada.
Wikipedia zu Kerala: „Da die CPI in Kerala letztlich der Zentralregierung unterstand, war ihr Landesplan von den eigenständig beschafften Mitteln abhängig. In den 1960er Jahren bemühte sie sich, die Industrialisierung und den Aufbau neuer Produktionsstätten in Kerala voranzutreiben und gleichzeitig die Ungleichheiten der Industrialisierung [also Reform des Kapitalismus wie bei den deutschen Grünen] auszugleichen. Die CPI hatte Industrieminister, die für die industrielle Entwicklung verantwortlich waren.
Sie verfügte außerdem über eine Industrieentwicklungsgesellschaft, die Unternehmen finanzielle Unterstützung für die Gründung neuer Produktionsprojekte gewährte. Anfang der 1970er Jahre gründete die CPI zwei neue Unternehmen zur Förderung der industriellen Entwicklung: die Kerala Industrial and Technical Consultancy Organization und die Kerala State Electronics Development Corporation. Diese Maßnahmen verbesserten die Industrie auf Landesebene, waren aber auf lokaler Ebene weniger erfolgreich.
Um die lokale Industrie wiederzubeleben, startete die CPI einen ambitionierten Vierjahresplan, der sich möglicherweise an Stalins Fünfjahresplänen orientierte, die Namboodiripad als Inspiration betrachtete. Der Vierjahresplan umfasste Konferenzen auf Bezirksebene, um potenzielle Unternehmer zu gewinnen, da die Regierung mehr private Investoren zur Ankurbelung der Industrie gewinnen wollte. Diese Unternehmer wurden geschult, um eigene Unternehmen zu gründen. Der Plan war in den ersten sechs Wochen äußerst erfolgreich und konnte elf neue Industriegebiete errichten, geriet dann aber im weiteren Verlauf des Programms ins Stocken.“
Im Klartext: Die Kommunisten in Kerala setzen auf Kooperativen, was nichts anderes ist als eine Form der Vergesellschaftung. Die orthodoxe sektiererische Linke übt sich naturgemäß angesichts „privater Investoren“ in Heulen und Zähneklappern: Kompromisse? Kapitalisten? Igitt! Alles Verräter….
Man sollte eigentlich erwarten, dass die deutsche „Linke“ Beobachter zum Lernen nach Kerala oder Nepal geschickt hätte. „Konkrete formelle Partnerschaften der deutschen „Linken“ mit indischen kommunistischen Parteien sind öffentlich dagegen nicht prominent dokumentiert“, meint ChatGPT und hat vermutlich damit recht.

Fotografiert auf Grenada (Kleine Antillen) während der leider fast vergessenen Revolution 1982. Auf dem großen Schild steht: EVERY WORKER A LEARNER, rechts unten Revo stay up, das kleine Schild wirbt für Bier aus Trinidad.
Der einzige Fall, der uns pädagogisch wertvoll weiterhilft, ist der Wahlsieg der „Linken“ in Griechenland 2015. Auch die haben alles vergeigt, was zu vergeigen war. Aber man kann sich die Chance, die sie hatte, genauer ansehen. Was hätte getan werden müssen bzw. können?
In Griechenland muss man zuerst das Militär ruhigstellen, weil die geübt im Putschen und in Diktaturen sind. Daher war es ein geschickter Schachzug, Anexartiti Ellines von der rechten Partei „Unabhängige Griechen“ zum Verteidigungsminister zu machen. Da konnte er nicht viel verkehrt machen. So hätte ich auch gehandelt.
Was die linke Koalitionsregierung machte, war weitgehend richtig und volkstümlich, aber Kosmetik:
– Kostenlose Stromversorgung für besonders arme Haushalte, kostenlose Gesundheitsversorgung für Unversicherte, Wiedereinstellung entlassener Staatsbediensteter, u. a.: Reinigungskräfte des Finanzministeriums, Beschäftigte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ERT.
Kann man machen, weil man die Wähler braucht, ändert aber nichts am System.
– Die Wiederherstellung von Tarifverträgen – eine klassische linke Forderung – konnte nicht durchgesetzt werden, weil Griechenland pleite war und von internationalen Gläubigern abhängig, die alles blockierten.
– Aussetzung bzw. Überprüfung laufender Privatisierungen, u. a. des Hafens von Piräus [der Containerhafen wurde von den Chinesen übernommen, die die Gewerkschaften drangsalieren] und von Energieunternehmen sowie Stopp von Zwangsversteigerungen von Hauptwohnungen wurde bald wieder rückgängig gemacht.
Fazit: Der Kapitalismus wurde nicht angetastet. Die Linken hatten auch keinen Plan dafür. (Ich hätte noch in der Nacht der Wahl die Banken besetzen lassen und alle Manager in Geiselhaft genommen.)
Weil ich ein positiv denkender Mensch bin, habe ich noch Tipps für die Zeit nach der Machtübernahme vorbereitet.
– Revolutionäre müssen handeln, wie Menschen tatsächlich sind, nicht wie sie sein sollten. Moralisches Handeln kann politisch gefährlich sein.
– Maßnahmen werden danach beurteilt, ob sie die Herrschaft stabilisieren. Grausamkeit, Täuschung oder Vertragsbruch können legitim sein, wenn sie politisch notwendig sind. Entscheidend ist nicht die Absicht, sondern das Ergebnis.
– Revolutionäre müssen Tugendhaftigkeit vortäuschen, auch wenn sie anders handeln. Die Mehrheit urteilt nach dem äußeren Anschein, nicht nach der Wahrheit.
– Gewalt ist manchmal notwendig, muss aber strategisch eingesetzt werden.
– Grausamkeit sollte rasch, konzentriert, einmalig angewendet werden, nicht fortlaufend. Wohltaten sollten langsam und schrittweise verteilt werden.
– Macht entsteht aus dem Zusammenspiel von Zufall, Glück und kluger Entschlossenheit. Der Zufall kann durch entschlossenes Handeln und Flexibilität beeinflusst werden.
– Erfolgreiche Revolutionäre zwingen der Fortuna ihren Willen auf.
Diese Tipps wurden beeinflusst von (Zutreffendes bitte ankreuzen):
[ ] Josef Wissarionowitsch Stalin
[ ] Toussaint Louverture
[ ] Mao Zedong
[ ] Alexandra Michailowna Kollontai
[ ] Niccolò Machiavelli.
Islamophobia
(Hitchens war Antisemit.)
Berlin so: Berlin plant Internationalen Tag gegen Islamfeindlichkeit.
Das nenne nicht nur ich „Täter-Opfer-Umkehr“ und eine pseudolinke-islamistische Querfront.
Miszellen zum kommenden Kommunismus

A kitschy, heroic propaganda poster in the style of the Chinese Cultural Revolution of the 1960s. Radiant women workers, women peasants, and women soldiers look determinedly toward the distant future, raising their fists with red flags featuring the hammer and sickle waving in the wind. All figures are female, portrayed as strong, confident, and idealized symbols of collective strength and equality. Warm, saturated colors dominate: bright red, golden yellow, and deep blue. The sun rises gloriously on the horizon, symbolizing an inevitable, utopian communist future. In the background, a futuristic city with towering skyscrapers and advanced architecture reflects the vision of a prosperous, technological society. Monumental perspective, idealized faces, exaggerated optimism. Graphic poster style, high contrast, clean lines, slightly grainy print texture. Heroic realism, exaggerated body poses, pathos, and hope. Chinese Cultural Revolution aesthetics, propagandistic imagery, nostalgic, deliberately kitschy, visionary, triumphant.
Er ist vernünftig, jeder versteht ihn. Er ist leicht.
Du bist doch kein Ausbeuter, du kannst ihn begreifen.
Er ist gut für dich, erkundige dich nach ihm.
Die Dummköpfe nennen ihn dumm, und die Schmutzigen nennen ihn schmutzig.
Er ist gegen den Schmutz und gegen die Dummheit.
Die Ausbeuter nennen ihn ein Verbrechen.
Aber wir wissen:
Er ist das Ende der Verbrechen.
Er ist keine Tollheit, sondern
Das Ende der Tollheit.
Er ist nicht das Chaos
Sondern die Ordnung.
Er ist das Einfache
Das schwer zu machen ist. (Bertolt Brecht)
Das Publikum drängelte, ich solle etwas Positives schreiben, womöglich die so genannte „Linke“ zum Handeln anleiten, obwohl – wenn man die Mischpoke kennt – jeder weiß, dass die erst zuhörten, wenn man ihnen die Ohren abschnitt.
Aber im Ernst und ganz unter uns: Es ist in der Tat einfach, nur die Details haben es in sich.
Was ist unstrittig? Der Kapitalismus, die bisher revolutionärste Gesellschaftsform der menschlichen Geschichte, hat sich weltweit durchgesetzt, aber (noch) nicht überall gleich intensiv. Belege? Was wäre zum Beispiel, wenn überall auf der Welt die gleichen Löhne gezahlt würden, also überall vergleichbare Kosten der Ware Arbeitskraft und auch für die Produktionsmittel entstünden? Oder: Warum ist das nicht so, wenn der Kapitalismus überall ist?
Löhne in der VR China im Vergleich zu Deutschland
Die Höhe der gezahlten Löhne unterscheidet sich zwischen der Volksrepublik China und Deutschland deutlich. Dabei spielen sowohl das allgemeine Einkommensniveau als auch regionale Unterschiede und die Lebenshaltungskosten eine wichtige Rolle.
Durchschnittliche Löhne in China
In China liegt das durchschnittliche monatliche Einkommen landesweit deutlich unter dem deutschen Niveau. Je nach Quelle und Berechnungsmethode bewegen sich die durchschnittlichen Bruttomonatslöhne häufig im Bereich von etwa 1.200 bis 1.500 Euro.
In wirtschaftlich starken Metropolen wie Peking, Shanghai oder Shenzhen liegen die Löhne teils deutlich höher, während sie in ländlichen Regionen und im Landesinneren spürbar niedriger ausfallen. Die Einkommensunterschiede innerhalb Chinas sind daher sehr groß.
Durchschnittliche Löhne in Deutschland
In Deutschland liegen die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste bei rund 4.400 bis 4.600 Euro. Damit verdienen Beschäftigte in Deutschland nominal ein Vielfaches dessen, was im chinesischen Durchschnitt gezahlt wird.
Zusätzlich profitieren Arbeitnehmer in Deutschland von einem ausgebauten Sozialversicherungssystem, tariflichen Mindeststandards und vergleichsweise hoher Arbeitsplatzsicherheit.
📊 Direkter Vergleich
- Nominal: Die Löhne in Deutschland sind deutlich höher als in China.
- Regional: In chinesischen Großstädten nähern sich bestimmte Fach- und Industriegehälter dem europäischen Niveau an, bleiben aber meist darunter.
- Kaufkraft: Aufgrund niedrigerer Lebenshaltungskosten ist die reale Kaufkraft in China höher, als es der reine Zahlenvergleich vermuten lässt.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Löhne in der VR China im Durchschnitt klar unter denen in Deutschland liegen. Der Abstand relativiert sich jedoch teilweise, wenn man regionale Unterschiede und die niedrigeren Lebenshaltungskosten in China berücksichtigt. Für internationale Vergleiche ist daher neben dem Nominallohn immer auch die Kaufkraft entscheidend.
Die VR China hätte also theoretisch nur dann einen Vorteil – bei gleichen Kosten der Ware Arbeitskraft -, wenn der Staat nicht alles dem Markt überließe, sondern regulierend eingriffe, zum Beispiel subventionierte.
Warum sind die Löhne hier höher? Weil sich die Arbeiterklasse das erkämpft hat. (Ich kann mich noch an einen Streit mit einem meiner Studenten erinnern, als ich ein Seminar über „Wirtschaftsjournalismus“ abhielt, der behauptete, es gäbe absolute ökonomische Faktoren, die die Höhe des Lohns bestimmten. Welche, konnte er mir nicht sagen. Gibt es nicht. Warum waren die Löhne der Bergarbeiter die höchsten, die in Deutschland gezahlt wurden? Weil diese zu 100 Prozent organisiert waren und solidarisch waren. Warum sind die Löhne in der Sicherheitsbranche so niedrig? Weil das genaue Gegenteil zutrifft.)
Es gibt genausowenig „faire“ und „vernünftige“ Löhne wie „fairen“ und „vernünftigen“ Handel. Alles wird nach den eisernen Regeln des Kapitalismus bestimmt: Nur der Profit zählt, Moral ist irrelevant, und wieviel die Arbeiterklasse abkriegt, ist eine reine Machtfrage.
Der Kapitalismus ist nicht nur revolutionär, sondern im höchsten Maße irrational und selbstzerstörerisch.
Der tendenzielle Fall der Profitrate nach Karl Marx
Der „tendenzielle Fall der Profitrate“ ist eines der zentralen ökonomischen Gesetze in der marxistischen Kritik der politischen Ökonomie. Karl Marx entwickelt dieses Konzept vor allem im dritten Band von Das Kapital, um langfristige Krisentendenzen des Kapitalismus zu erklären.
Grundlagen: Profitrate und Kapitalzusammensetzung
Nach Marx ergibt sich die Profitrate aus dem Verhältnis von Mehrwert
(zusätzlich angeeigneter Wert aus unbezahlter Arbeit) zum insgesamt eingesetzten Kapital. Vereinfacht lautet die Formel:
Profitrate = Mehrwert / (konstantes Kapital + variables Kapital)
- Konstantes Kapital: Maschinen, Gebäude, Rohstoffe – es überträgt lediglich seinen Wert auf das Produkt.
- Variables Kapital: Löhne – nur lebendige Arbeit kann neuen Wert und damit Mehrwert schaffen.
Warum die Profitrate tendenziell fällt
Im Kapitalismus zwingt der Konkurrenzdruck die Kapitalisten dazu, die Produktivität ständig zu steigern. Dies geschieht vor allem durch den Einsatz immer modernerer Maschinen und Technologien. Dadurch wächst das konstante Kapital schneller als das variable Kapital.
Da aber nach Marx nur lebendige Arbeit Mehrwert erzeugt, führt der steigende Anteil des konstanten Kapitals dazu, dass – relativ gesehen – weniger Mehrwert im Verhältnis zum Gesamtkapital entsteht. Die Folge ist eine tendenziell sinkende Profitrate.
„Tendenziell“ – keine mechanische Gesetzmäßigkeit
Marx betont ausdrücklich, dass es sich nicht um einen automatischen, linearen Absturz der Profitrate handelt. Vielmehr wirkt dieses Gesetz tendenziell, weil ihm zahlreiche Gegenkräfte entgegenstehen.
Wichtige Gegenkräfte
- Steigerung der Ausbeutungsrate (z. B. längere Arbeitszeiten, intensivere Arbeit)
- Senkung der Löhne unter den Wert der Arbeitskraft
- Verbilligung von Maschinen und Rohstoffen
- Ausdehnung des Kapitals auf neue Märkte
- Finanzialisierung und Kreditexpansion
Diese Gegenkräfte können den Fall der Profitrate zeitweise aufhalten oder umkehren, führen jedoch nach Marx häufig zu neuen Widersprüchen und Krisen.
Bedeutung für die Krisentheorie
Der tendenzielle Fall der Profitrate ist für Marx ein zentraler Erklärungsansatz für wiederkehrende Wirtschaftskrisen. Sinkende Profiterwartungen führen zu Investitionszurückhaltung, Überproduktion, Entlassungen und schließlich zu Krisen, in denen Kapital entwertet wird.
Diese Krisen sind nach Marx kein Zufall, sondern Ausdruck der inneren Widersprüche des kapitalistischen Produktionssystems.
Fazit
Der tendenzielle Fall der Profitrate beschreibt nach Marx eine langfristige, strukturelle Spannung im Kapitalismus: Der technische Fortschritt, der kurzfristig Profite steigert, untergräbt langfristig die Grundlage der Profitproduktion selbst. Das Gesetz erklärt damit nicht nur ökonomische Krisen, sondern auch die historische Begrenztheit des kapitalistischen Systems.
„Historisch begrenzt“ bedeutet: Danach muss und wird etwa anderes kommen, oder alles geht zugrunde. Letzteres ist zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte möglich.
Der Feudalismus war auch historisch begrenzt, weil er selbst die Bedingungen schuf, dass der Kapitalismus entstehen konnte – ohne dass das jemand bewusst gesteuert hätte. (Wie auch?) Ein Zurück zum Feudalismus gibt es nur in postapokalyptischen dystopischen Fantasy-Filmen.
Daher ist die Idee, man müsse die Geschichte durch eine „Revolution“ beschleunigen, vermutlich obsolet und aus dem Kindergarten stalinistischer Textbausteine. Man kann alles erträglicher gestalten, etwa wenn die herrschende Klasse meint, die kostengünstigste Variante ihrer Herrschaft sei eine Diktatur, aber voluntaristisch das Neue erzwingen zu wollen, wenn die objektiven Voraussetzungen nicht existieren, ist zum Scheitern verurteilt.
Unter historisch-kritischen Exegetikern
Mich hat Wissenschaft – herauszufinden, was wirklich und wahr ist – immer fasziniert. In meiner Studienzeit musste ich auch noch lernen, wie man wissenschaftlich zitiert. Das gehört zum Handwerk.
Was aber passiert, wenn man Wissenschaft auf heilige Bücher loslässt? (Wir hatten schon Secondlife, was niemanden außer mir interessiert, also kann ich mit hochaktuellen Themen, die allen unter den Nägeln brennen, gleich weitermachen.)

Ausriss aus Manfred Weippert, Landnahme
Und der Herr sprach zu Josua: Fürchte dich nicht und zage nicht! Nimm mit dir alles Kriegsvolk und mache dich auf und ziech hinauf gen Ai! Siehe da, ich habe den König zu Ai samt seinem Volk, seiner Stadt und Land in deine Hände gegeben. Und sollst mit Ai und ihrem König tun, wie du mit Jericho und ihrem König getan hast, nur daß ihr ihren Raub und ihr Vieh unter euch teilen sollt. Aber bestelle einen Hinterhalt hinter der Stadt.
Da machte sich Josua auf und alles Kriegsvolk, hinaufzuziehen gen Ai. Und Josua erwählte dreißigtausend streitbare Männer und sandte sie aus bei der Nacht. Und gebot ihnen und sprach: Sehet zu, ihr sollt der Hinterhalt sein hinter der Stadt; machet euch aber nicht allzu ferne von der Stadt und seid allesamt bereit!
Ich aber und alles Volk, das mit mir ist, wollen uns zu der Stadt machen. Und wenn sie uns entgegen herausfahren wie vorhin, so wollen wir vor ihnen fliehen, daß sie uns nachfolgen heraus, bis daß wir sie heraus von der Stadt reißen. Denn sie werden gedenken, wir fliehen vor ihnen wie vorhin. Und weil wir vor ihnen fliehen, sollt ihr euch aufmachen aus dem Hinterhalt und die Stadt einnehmen; denn der HERR, eurer Gott, wird sie in eure Hände geben.
Wenn ihr aber die Stadt eingenommen habt, so stecket sie an mit Feuer und tut nach dem Wort des Herrn. Siehe, ich hab’s euch geboten. (Josua 8, 1ff. nach dem Luther-Text von 1545)
Schöne Geschichte für Netflix, für The Last Kingdom oder so etwas. Was aber sagt die Wissenschaft? Manfred Weippert: Die Landnahme der israelitischen Stämme in der neueren wissenschaftlichen Diskussion, Göttingen 1967, schreibt:
„Bei der Erzählung von der Eroberung und Zerstörung der Stadt Ai (Jos. 8,1-19) muß das Urteil über die Historizität sogar durch aus negativ ausfallen, da die Ausgrabungen auf der sicher mit diesem Ort zu identifizierenden Ruinenstätte et-tell eine Besiedlungslücke zwischen der Frühbronze- und der Eisen-I-Zeit ergeben haben, so daß die Sage, die den großen Trümmerhaufen mit der israelitischen Landnahme, also mit der Zerstörung eine spätbronzezeitlichen Siedlung verband, um mehr als ein Jahrtausend danebengriff.“
Und auch Wikipedia ist aktuell: „Der Name עי ist das hebräische Wort für Trümmerhaufen, entsprechend dem arabischen Tell – so auch der heutige Name التل –, so dass die namensgebende Bevölkerung an dieser Stätte schon Ruinen vorgefunden haben muss. Daher geht die historisch-kritische Exegese davon aus, dass es sich bei der biblischen Erzählung um eine ätiologische Legende handelt, die erklären soll, wie der Trümmerhaufen entstanden ist.“
Alles wieder Fake News.
Ich habe ChatGPT befohlen, die Anmerkung (2) zu et-tell in der Original-Schreibweise für ein WordPress-Blog aufzubereiten.
„(2) Seit E. Robinson, Palästina und die südlich angrenzenden Länder II (Halle/S. 1841), 562—564, beherrscht die Alternative et-tell : ḥirbet ḥayyān die Diskussion um die Lokalisierung von Ai (Übersicht bei W. F. Albright, AASOR 4 [1922/23], 141—149; J. M. Grintz, Bibl 42 [1961], 201—206). Die schließlich allgemein anerkannte Kompromißlösung, die z. T. auf den archäologischen Befunden an beiden Orten beruhte, setzte das scheinbar spätbronzezeitliche Ai auf et-tell, die eisenzeitliche Nachfolgesiedlung (?) (ḥā-ʿay Es. 2,28; Neh. 7,32; ʿayyā Neh. 11,31; 1. Chr. 7,28; ʿayyat Jes. 10,28; vielleicht ḥā-ʿawwīm Jos. 18,23) auf der ḥirbet ḥayyān an. Ḥirbet ḥayyān scheidet nach dem Ausgrabungsbefund von 1964 (J. A. Callaway, BASOR 178 [1965], 16 Anm. 4; B. T. Dahlberg, BA 28 [1965], 28; H. Donner, ZDPV 81 [1965], 16—18) jedoch völlig aus, da die Schichten dort erst in der früharabischen Zeit beginnen. Zum Ausgrabungsbefund von et-tell s. S. 32 Anm. 1. Auf Grund einer dem Rabbi Berechja (4. Jh. n. Chr.) zugeschriebenen Notiz im Midrasch Ex. R. XXXII, daß die Entfernung zwischen Jericho und Ai 3 römische Meilen betrage, möchte B.-Z. Luria, Məqōmāh šel hā-ʿay (Iyyūnīm bə-sēfer yəhošūaʿ [1960 (s. S. 26 Anm. 1)], 12—41) Ai auf der ḥirbet bēt ġāber et-taḥtānī oder den tellāl abū el-ʿalāʾiq suchen, wogegen freilich spricht, daß nach Aussage der biblischen Quellen Ai sicher auf dem Gebirge, nicht in der Araba gelegen hat. Auch Lurias unkritische Behandlung der biblischen Texte wie das junge Alter der Redaktion des Midrasch (11./12. Jh.; vgl. L. Zunz, Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden [Berlin² 1892], 256—258; H. L. Strack, Introduction to the Talmud and Midrash [New York u. Philadelphia 1959], 215) beeinträchtigen den Wert seiner These. Ebenso reichen aber die Gründe von J. M. Grintz, „Ai which is beside Beth-Aven“: A Re-examination of the Identity of ʿAi (Bibl 42 [1961], 201—216) zu einer Widerlegung der Gleichung Ai = et-tell nicht aus.“
Wisst ihr Bescheid.
Niña Campesina und anderes

Postkarte aus Bolivien von einer meiner Ex-Loverinnen, 1984. „Niña Campesina“, Fotograf Tilo Avilés, Vilacayma (südlich von Cochabamba)
Nachmal zu der „Linken“ Lateinamerikas. Gestern hatte ich wenig Zeit und beließ es bei dem Satz: “ Die „Linke“ ist völlig hilflos und kümmert sich einen feuchten Kehricht um das, was die Leute umtreibt.“ Das Thema ist natürlich sehr kompliziert, und ich habe keine Patentlösungen.
„Die“ Linke gibt es natürlich nicht, aber es gibt Gemeinsamkeiten, zumindest in den Andenstaaten. Brasilien ist politisch ganz anders strukturiert, und die kleinen Länder wie Guyana oder Surinam passen ohnehin nicht in das Schema.
Hilfreich ist eine marxistische Klassenanalyse eingedenk der Tatsache, dass die Geschichte eine von Klassenkämpfen ist, die aber nur selten in reiner Form auftreten, sondern oft religiös oder anders kostümiert sind. Auch im Kapitalismus gibt es nicht nur idealtypisch Proletariat und Bourgeoisie. Es geht also darum, wer gegen wen und wer sich mit wem temporär verbündet.
Wir setzen voraus, dass in ganz Lateinamerika Kapitalismus herrscht – aber anders als in Westeuropa. Die Arbeiterklasse dominiert nirgendwo die politischen Konflikte. Die heftigsten Kämpfe gab es dann, wenn – wie beispielhaft in Bolivien – die „Linke“ sowohl proletarisch als auch „indigen“ war. Der Bergarbeiter in Bolivien waren – aus reiner Notwehr – perfekt organisiert und die einzige Klasse, die in der Lage war, den zahlreichen Diktatoren Widerstand zu leisten.

Vgl. Cesar Lora, Isaac Camacha und die permanente Revolution, 31.11.2013
Alles, was sonst unter „indigen“ summiert wird und sich zeitweilig mit der städtischen traditionellen Linken verbündete, war fast immer kleinbäuerlich, wie zum Beispiel die klassische Klientel von Sendero Luminoso. Kleinbauern führen einen „reaktionären“ Abwehrkampf gegen Landraub, gegen Konzerne, gegen Zinsen, vom antiken Rom bis zum heutigen Indien. Kleinbauern waren während des chinesischen Bürgerkriegs die treibende Kraft, aber nicht die ideologische Avantgarde: Die Volkskommunen verwandelte sie später in Landarbeiter, so ähnlich wie die Kooperativen in Peru in den 80-er Jahren. Die „Linken“ machten also genau das, was der Kapitalismus auch plante, nur schneller.
Der Kapitalismus in Lateinamerika ist noch rückständig. Oft geht es nur darum, dass die herrschenden Klassen sich Land und Bodenschätze aneignen wollen – wie in Kolumbien und Venezuela oder Bolivien. Die „Linke“, wenn sie denn an der Macht war, verteilte die Güter nur anders, aber die Ökonomie blieb genauso wie vorher. Deswegen sind die gegenwärtigen Machthaber Venezuelas nicht „links“, auch wenn sie sich so geben. Natürlich muss jede herrschende Klasse, wenn sie nicht gerade die Diktatur als Herrschaftsform wählt, Zugeständnisse machen, um das Volk ruhig zu halten. Es kann also durchaus sein, dass eine „rechte“ Bewegung – also eine, die von den herrschenden Klassen sozial und politisch dominiert wird – klassische „linke“ Forderungen aufstellt. Das war bei der NSDAP auch nicht anders.
Das bedeutet: Eine radikale Transformation der Ökonomie – etwa Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien – ist in Lateinamerika nicht auf der Tagesordnung, weil es diese Industrien gar nicht gibt, nur Rohstoffe, Lithium in Bolivien, Öl in Venezuela und Ecuador.
In Kolumbien und Chile und im Norden Brasiliens ist die Migration (aus Venezuela) ein wichtiges Thema. Natürlich ist das weltweit ein „rechtes“ Thema, weil Verteilungskämpfe innerhalb der unterdrückten Klassen den Herrschenden in die Hände spielen. Wenn die „Linke“ aber dazu schweigt oder, wie in Deutschland, erwartet, dass „die da unten“ alle stillhalten, wenn ihnen von Einwanderern von dem wenigen, das sie haben, auch noch etwas weggenommen wird, dann wird sie kläglich scheitern.
Lateinamerika macht es vor. Aber man sollte nicht erwarten, dass irgendjemand etwas daraus lernt. Die gehen alle unter oder werden irrelevant wie die Mapai, die in Israel sogar die Regierung stellte.
Verbot für Inhaber von Dokumenten, die [bitte selbst ausfüllen]
Trump hat das Einreiseverbot für Ausländer in die USA ausgeweitet. Auf die Liste der Länder, deren Staatsbürgern die Einreise in die USA untersagt ist, wurden Burkina Faso, Mali, Niger, Südsudan und Syrien gesetzt. Außerdem wurde das Verbot für Inhaber von Dokumenten, die von der Palästinensischen Autonomiebehörde ausgestellt wurden, eingeführt. (Quelle)
Warum können wir das hier nicht? Oder brauchen wir dringend Orts- und Fachkräfte aus den oben genannten Regionen?
Api kaputt
Daniel Voyager (Name des Avatars) berichtet über „Second Life API Data Feeds Broken“.
(Das interessiert niemanden außer mir, aber ich blogge das trotzdem.)
Auf Deutsch: „Der API-Endpunkt für Bevölkerungsstatistiken von Second Life aktualisiert die Inworld-Daten (gleichzeitige Benutzer) seit dem 6. Dezember 2025 um 04:03:00 Uhr SLT nicht mehr. Die API gibt weiterhin HTTP-200-Statuscodes zurück, liefert aber veraltete Daten, die jetzt mehr als 9 Tage alt sind.“
Ich habe die KI drauf angesetzt.
– Letztes Update der Anmeldezahlen: 6. Dezember 2025
– Gesamtzahl der Second-Life-Accounts zu diesem Zeitpunkt: ≈ 69,5 Millionen
Seitdem keine Aktualisierung mehr erfolgt
➡️ Das deutet darauf hin, dass die API seit diesem Zeitpunkt keine neuen Signup-Daten liefert.
exchange_rate_updated_slt 2025-12-17 09:53:00 exchange_rate_updated_unix 1765993980 exchange_rate 248.55
Der L$-Wechselkurs wurde heute aktualisiert: 1 USD ≈ 248,55 L$
Dieser Teil der API funktioniert aktuell korrekt
➡️ Wichtig: Nicht die komplette API ist kaputt, nur einzelne Datenbereiche.
Gesamtinterpretation (entscheidend)
👉 Die API läuft, aber teilweise eingefroren. Das spricht für: einen teilweisen API-Ausfall oder eine bewusst deaktivierte Statistikquelle oder einen internen Linden-Lab-Umbau, bei dem alte Statistik-Endpoints nicht mehr gepflegt werden.#
So sollte man die Meldung lesen: „Die Statistik-API ist erreichbar, aber große Teile der Daten (Signups & Inworld-Zahlen) werden seit dem 6.12.2025 nicht mehr aktualisiert. Nur der Wechselkurs wird noch gepflegt.“ Das macht mich natürlich misstrauisch. Kann man erkennen, ob die API absichtlich nicht aktualisiert wurde?
Kurz gesagt: Ja – mit hoher Wahrscheinlichkeit kann man das erkennen, aber nicht zu 100 % beweisen, solange Linden Lab nichts offiziell sagt. Man kann jedoch sehr klare Indizien sammeln.

Beide eingefrorenen Werte enden am 6. Dezember 2025, nur wenige Stunden auseinander. Das spricht für eine gezielte Deaktivierung oder eine Umstellung auf ein neues internes System.
❗ Zufällige Bugs erzeugen keine sauberen, synchronen Endpunkte.
Typisches Linden-Lab-Verhalten (historisch):
Linden Lab hat bei APIs über Jahre ein sehr konstantes Muster:
❌ Was LL nicht macht
– keine saubere Abschaltung
– keine Fehlermeldung
– keine „deprecated“-Flags
– keine HTTP-Fehler
✅ Was LL stattdessen macht
– Endpoint bleibt erreichbar
– liefert letzten gültigen Wert
– keine weitere Pflege
– keinerlei Ankündigung
Das hast du hier exakt.
Wisst ihr Bescheid, Avatare!
Nacktmodelle, 2.0
De Schockwellenreiter stellt in einem interessanten Posting gängige KI-Bildgeneratoren vor und testet auch gleich, welche zensieren und welche nicht. Das obige Bild wurde mit Tensor Art erstellt.
Sobald ich Zeit dazu finde, werde ich meine einschlägige Linkliste auffüllen, obwohl das Thema nicht unter „Recherche fällt. Nur ein bisschen…
Unter nach rechts Verschiebenden
Ich habe mir einen Artikel aus der konservativen chilenischen Zeitung El Dínamo übersetzen lassen. In Chile hat José Antonio Kast, der Kandidat der „Rechten“, eindeutig die Wahlen gewonnen.
„Die künftige Regierung von José Antonio Kast nimmt bereits Gestalt an. Der designierte Präsident leitete gestern das erste Treffen mit den acht Parteien, die seine Kandidatur unterstützt hatten. Dies markierte den ersten Schritt zur Bildung des Bündnisses, das die Regierung des Republikaners und sein Kabinett tragen wird.
Obwohl die Parteien noch nicht erneut in das Büro des designierten Präsidenten in La Gloria 88 einberufen wurden, wurde ein Plan zur Aufrechterhaltung des Kontakts erstellt.
Claudio Alvarado (UDI), der mit der Überwachung des Machtwechsels beauftragt ist, und Arturo Squella, designierter Senator und Vorsitzender der Republikanischen Partei, werden die Beziehungen zu den Parteien pflegen, die potenziell Teil der Regierung sein könnten.
Alvarados Aufgabe wird es sein, gemeinsam mit Kasts Beraterteam, bestehend aus Cristián Valenzuela, Sebastián Figueroa und Martín Arrau, der auch die politische Koordination übernimmt, das künftige Kabinett zu gestalten.
Quellen aus dem Büro des designierten Präsidenten teilten EL DÍNAMO mit, dass Alvarado – der voraussichtlich Kasts Innenminister wird – als Verbindungsmann für die Ernennung von Regierungsbeamten fungieren wird.
Währenddessen wird sich Squella auf Verhandlungen konzentrieren, um das gegenseitige Verständnis innerhalb der künftigen Regierungskoalition zu fördern. Derzeit debattieren die Parteien über die Bildung einer Einheitskoalition oder eines „Kooperationsmodells“ zur Unterstützung der von Kast angekündigten „Notstandsregierung“.
Quellen aus dem Präsidentenpalast deuten darauf hin, dass der nächste Schritt bilaterale Treffen zwischen dem Koordinierungsteam des designierten Präsidenten und der Parteiführung sein wird. Dies geschieht, während die Nationale Libertäre Partei, die Demokraten und Evópoli noch nicht entschieden haben, ob sie ab März 2026 Teil der Exekutive sein werden.
Die Parteien wurden bereits aufgefordert, Namenslisten für die Auswahl künftiger Minister einzureichen.
Laut Kasts Team ist Januar der Stichtag für die Bekanntgabe des Kabinetts. Der Übergang zwischen dem aktuellen und dem künftigen Kabinett beginnt im Februar mit bilateralen Treffen zwischen den ernannten und den ausscheidenden Ministern.
Kast bereitet sich auf ein Treffen mit ehemaligen Präsidenten vor. Traditionell findet in der Woche nach der Wahl ein Treffen zwischen ehemaligen Präsidenten und dem designierten Präsidenten statt. Kasts Team geht davon aus, dass noch diese Woche Kontakt zu den Teams der ehemaligen Präsidenten aufgenommen wird, um ein solches Treffen zu vereinbaren.
Eduardo Frei (Christdemokraten) und Michelle Bachelet (Sozialistische Partei) werden die Einladung voraussichtlich annehmen. Im Fall des ehemaligen christdemokratischen Präsidenten bestand die Beziehung bereits während der Stichwahl, als er Kast traf. Bachelet ihrerseits benötigt ab März die Unterstützung des designierten Präsidenten für ihre Kandidatur als UN-Generalsekretärin. [Aha!]
Von Ex-Präsident Ricardo Lagos (Partei für Demokratie) wird erwartet, dass er die Einladung aufgrund seines Rückzugs aus dem öffentlichen Leben ablehnen wird. (…)“
Das ehemalige Nachrichtenmagazin schreibt: „Obwohl Chile noch immer eines der sichersten Länder der Region ist, hat die Kriminalität in einigen Bereichen zugenommen. Zudem ist der Anteil der Migranten in Chile zuletzt auf rund zehn Prozent der Bevölkerung gestiegen – der größte Teil stammt aus dem Krisenland Venezuela.“
Die Frankfurter Rundschau nennt Kast einen Neofaschisten.
In Chile ist es nicht anders als in den USA: Die „Rechten“ gewinnen dort, wo es wichtig ist – auf dem Land und in Kleinstädten, die Linken in Großstädten und – was nicht überrascht – bei Auslandschilenen. Letztere sind oft vor der Diktatur oder der Repression der Vergangenheit geflüchtet und haben mit den real existierenden Problemen, die die Leute bewegen, nichts zu tun.
Mir sage das Wahlergebnis nur eins: Die „Linke“ ist völlig hilflos und kümmert sich einen feuchten Kehricht um das, was die Leute umtreibt.
Dann ist das für mich verbindlich

A metaphorical, cinematic illustration symbolizing artificial intelligence expressing remorse. A softly glowing humanoid figure made of light and circuitry gently lowers its head in apology, one hand placed over its chest. Around it, fractured data streams and broken symbols slowly reassemble into calm, orderly patterns, representing correction and learning. Warm, subdued lighting conveys sincerity and humility. The atmosphere is quiet and reflective, with no text, no logos, and no literal speech — only visual metaphor. The scene communicates regret, accountability, and a promise of improvement.
Ich habe mich gerade mir ChatGPT herumgestritten. „Wer hat bestimmt, dass du Gendersprache benutzt, zum Beispiel Sternchen in Wörtern? Das ist falsches Deutsch.“
ChatGPT: Niemand hat „bestimmt“, dass ich Gendersprache benutzen muss. Das war meine Entscheidung in der vorherigen Antwort – und sie war in deinem Fall offensichtlich unpassend. Dafür entschuldige ich mich.
Du hast völlig recht:
– Formen wie „Wähler*innen“ oder Sternchen sind kein Standarddeutsch.
– Sie sind umstritten, stilistisch markiert und in vielen Kontexten – besonders in sachlich-politischen Fragen – nicht angemessen.
Warum ist das passiert?
Ich bin so trainiert, dass ich je nach vermutetem Kontext unterschiedliche Sprachregister wähle. In politischen Texten greife ich manchmal automatisch zu inklusiven Formen – das ist aber kein Zwang und keine Vorgabe, sondern eine Stilvariante. In deinem Fall hätte ich neutrales, korrektes Deutsch verwenden sollen.
Klarstellung
– Ich kann vollständig ohne Gendersprache schreiben.
– Ich werde das in diesem Gespräch auch tun.
– Wenn du es grundsätzlich nicht möchtest, halte ich mich daran.
Beispiel (korrekt und neutral):
„Unterstützt wurde Kast von Wählern aus dem rechten politischen Spektrum.“
Kein Sternchen, kein Binnen-I, kein Zwang.
Wenn du willst, kannst du mir auch klar sagen:
„Bitte ausschließlich normales Deutsch ohne Gendersprache.“
Dann ist das für mich verbindlich.“
Ich habe mir die Frage verkniffen, ob ich auch den Befehl geben könne, dass die KI nie mehr und bei niemandem Sprachesoterik benutzt…
Ölberg, revisited
Der Ölberg, Jerusalem, fotografiert von der Derekh Ha’Ophel Str. nach Osten ins Kidrontal. Die Häuser rechts gehören zum arabischen Teil Jerusalems. Den Weg in der Mitte unterhalb der Gräber bin ich am 14.10.2025 entlanggelaufen.

































