„the Glory“ und „The Great Flood“

the glory

Falls sich jemand während der Festtage langweilt, empfehle ich als Gegenmittel zwei südkoreanische Filme: „The Glory“ und „The Great Flood“ (beide Netflix).

Sie sind nicht herausragend, aber wesentlich intelligenter als alles, was man sonst angeboten bekommt. Ich trau mich kaum, das zuzugeben, aber bei südkoreanischen Filmen bekomme ich immer das Gefühl, ich sei zu blöd, um den Plot zu verstehen, und der durchschnittliche Zuschauer in Korea sei wesentlich intelligenter als ich. Ich hatte hier u.a. schon Alice im Borderland (japanisch) und Squid Game erwähnt. Ich schrieb 2012:

Wer schon schon einmal koreanische Filme gesehen hat, was ich auf Anraten guter Freunde vor längerer Zeit schon tat, der weiß: Jetzt wird es anspruchsvoll, der Intellekt strafft und reckt sich voll Vorfreude, etwas zu tun zu bekommen, und die US-Amerikaner muss samt Hollywood draußen bleiben. Sorry, das versteht ihr nicht.

„The Glory“ besticht vor allem wegen der herausragenden Schauspielerei der Hauptdarstellerin Song Hye-kyo und ihrer Kontrahentin Lim Ji-yeon. Die Männer hingegen fallen ab und sind für den Plot auch nicht so wichtig.

Eine Rezension: „Der südkoreanische Rachethriller setzt sich mit einer düsteren Thematik auseinander und ist ein ziemlich betrübendes, aber gleichzeitig wahnsinnig spannendes Streaming-Erlebnis. Das K-Drama handelt von der Grundschullehrerin Dong-eun (Song Hye-kyo), die während ihrer Schulzeit von einer Gruppe wohlhabender Klassenkameraden brutal schikaniert und körperlich misshandelt wurde. Das Mobbing ging sogar soweit, dass das Mädchen die Schule gegen ihren Willen verlassen musste, heimatlos wurde und alles, wovon sie geträumt hat, aufgeben musste. 20 Jahre später hat Dong-eun einen perfiden Racheplan geschmiedet, bei dem nicht nur ihre Peinigerin Yeon-jin (Lim Yi-jeon) und deren Clique ihr Fett weg bekommen soll, sondern auch jeder Erwachsene, der damals tatenlos zusah, wie das reiche Mädchen eine Klassenkameradin nach der anderen quälte.“

Das allein wäre gar nicht so spannend. „The Glory” basiert auf einem wahren Fall, der sich im Jahr 2006 an einer koreanischen Mädchenschule ereignet hat, wie der True-Crime-YouTube-Kanal Dark Asia erläutert.“

Dieser Film enthält – im Gegensatz zu allen ähnlichen Hollywood-Produktionen ein klassenkämpferisches Element: Die Reichen dürfen alles, und die Armen und Unterdrückten haben kaum eine Chance, etwas dagegen zu tun. So offen würde das kein deutscher Film zeigen – dort geht es ja immer auch um die typisch deutsche „Sozialpartnerschaft“.

Mich hat die Song Hye-kyo von Anfang an fasziniert, was auch damit zu tun hat, dass ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich sie attraktiv finde oder nicht. Sie spielt ihre Rolle mit extrem spärlicher Mimik, aber dennoch schillernd: Guckt sie nun depressiv und melancholisch? Oder wie eine finstere Rachegöttin? „Normal“ wirkt sie nur, wenn sie lacht, was aber fast nie vorkommt und dann nur eine Millisekunde lang. Das oszilliert zwischen abstoßend, furchterregend und spannend. Mein limbisches System befahl mir, immer weiterzugucken.

Lim Ji-yeon spielt süß und hübsch und verwandelt sich dann urplötzlich in eine ekelhafte fiese Schlampe und wieder zurück. Das Duell der beiden Frauen wird immer intensiver; sie verkrallen sich ineinander, als die Antiheldin irgendwann merkt, dass die Kontrahentin es auf sie und ihre Peer Group abgesehen hat.

Bisher habe ich in südkoreanischen Filmen auch immer zweite Ebene bemerkt. (Ausnahme: Mercy for None: Dort geht es um permanente Schlägerei, nur dass die Gangster – im Gegensatz zu US-Filmen – bürgerlich-korrekt gekleidet sind, nicht herumballern und sich gegenseitig verbeugen, bevor sie sich verprügeln.)

Bei „The Glory“ sagt die Heldin zu Kindern, sie sei kein guter Mensch, sondern böse. Da haben wir das typische Motto: Was heißt moralisches Handeln, und muss das sein, und warum und wann?

Ich schrieb am 03.10.2025: Was mir auch bei dem koreanischen Beyond the Bar auffiel: Die Moral wird dem Holzhammer eingebläut, so subtil, wie ich über Israel schreibe.

Das ist bei „The Glory“ wesentlich indirekter, also besser,

the great flood

Bei The Great Flood habe ich den Plot erst fast am Ende kapiert. Zu meiner Entschuldigung muss ich anmerken, dass ich den immer nur häppchenweise nach 12-Stunden-Schichten ansah, zum Einschlafen, und vielleicht zu müde dafür war. Außerdem mag ich die Heldin Kim Da-mi nicht; sie geht mir auf die Nerven (was natürlich an ihrer Rolle liegt).

Wer wasserscheu ist, sollte sich den Film nicht ansehen: Alles ist immer voller Wasser, und alle fallen ständig hinein. Zuerst dachte ich: Postapokalyptischer Katastrophen-Tsunami-Film, was das Filmplakat suggeriert.

Nach einiger Zeit wird es dann völlig anders. Zeitschleife? Aha – die Heldin muss also die stressigen Ertrink- und Kinderrettungsaktionen solange wiederholen, bis sie die richtige Methode gefunden hat – wie in Groundhog Day („Und täglich grüßt das Murmeltier“.)

Nein, auch das ist verkehrt. Ich will den Plot nicht verraten, aber ich hatte große Probleme, ihn herauszufinden. Eine Rezension: „Nur so viel: Aus dem regulären Katastrophenfilm wird ein Science-Fiction-Werk, das eine völlig andere Richtung einschlägt. Das Ergebnis ist jedoch etwas zwiespältig. Auf der einen Seite ist die Überraschung groß. The Great Flood spricht auch interessante Themen an, über die man im Anschluss durchaus nachdenken kann. Der Film fordert an diesen Stellen durchaus die Zuschauer heraus.“

Eben – aber nur, wenn man den europäischen Zuschauer als Maßstab nimmt.

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Kommentare

One Kommentar zu “„the Glory“ und „The Great Flood“”

  1. Godwin am Dezember 23rd, 2025 11:32 p.m.

    Danke für nichts
    (Das kleine Fernsehspiel – aktuell in der Mediathek zu finden)

    überraschend gutes Jugend-Filmchen
    natürlich nicht für Leute, die sich die Hose mit der Kneifzange anziehen…

    Andere Frage
    kann jemand mal das True-Fake-Verhältnis dieses Kanals prüfen?
    https://xcancel.com/bozwy

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