Unter historisch-kritischen Exegetikern

Mich hat Wissenschaft – herauszufinden, was wirklich und wahr ist – immer fasziniert. In meiner Studienzeit musste ich auch noch lernen, wie man wissenschaftlich zitiert. Das gehört zum Handwerk.

Was aber passiert, wenn man Wissenschaft auf heilige Bücher loslässt? (Wir hatten schon Secondlife, was niemanden außer mir interessiert, also kann ich mit hochaktuellen Themen, die allen unter den Nägeln brennen, gleich weitermachen.)

weippert
Ausriss aus Manfred Weippert, Landnahme

Und der Herr sprach zu Josua: Fürchte dich nicht und zage nicht! Nimm mit dir alles Kriegsvolk und mache dich auf und ziech hinauf gen Ai! Siehe da, ich habe den König zu Ai samt seinem Volk, seiner Stadt und Land in deine Hände gegeben. Und sollst mit Ai und ihrem König tun, wie du mit Jericho und ihrem König getan hast, nur daß ihr ihren Raub und ihr Vieh unter euch teilen sollt. Aber bestelle einen Hinterhalt hinter der Stadt.

Da machte sich Josua auf und alles Kriegsvolk, hinaufzuziehen gen Ai. Und Josua erwählte dreißigtausend streitbare Männer und sandte sie aus bei der Nacht. Und gebot ihnen und sprach: Sehet zu, ihr sollt der Hinterhalt sein hinter der Stadt; machet euch aber nicht allzu ferne von der Stadt und seid allesamt bereit!

Ich aber und alles Volk, das mit mir ist, wollen uns zu der Stadt machen. Und wenn sie uns entgegen herausfahren wie vorhin, so wollen wir vor ihnen fliehen, daß sie uns nachfolgen heraus, bis daß wir sie heraus von der Stadt reißen. Denn sie werden gedenken, wir fliehen vor ihnen wie vorhin. Und weil wir vor ihnen fliehen, sollt ihr euch aufmachen aus dem Hinterhalt und die Stadt einnehmen; denn der HERR, eurer Gott, wird sie in eure Hände geben.

Wenn ihr aber die Stadt eingenommen habt, so stecket sie an mit Feuer und tut nach dem Wort des Herrn. Siehe, ich hab’s euch geboten. (Josua 8, 1ff. nach dem Luther-Text von 1545)

Schöne Geschichte für Netflix, für The Last Kingdom oder so etwas. Was aber sagt die Wissenschaft? Manfred Weippert: Die Landnahme der israelitischen Stämme in der neueren wissenschaftlichen Diskussion, Göttingen 1967, schreibt:

„Bei der Erzählung von der Eroberung und Zerstörung der Stadt Ai (Jos. 8,1-19) muß das Urteil über die Historizität sogar durch aus negativ ausfallen, da die Ausgrabungen auf der sicher mit diesem Ort zu identifizierenden Ruinenstätte et-tell eine Besiedlungslücke zwischen der Frühbronze- und der Eisen-I-Zeit ergeben haben, so daß die Sage, die den großen Trümmerhaufen mit der israelitischen Landnahme, also mit der Zerstörung eine spätbronzezeitlichen Siedlung verband, um mehr als ein Jahrtausend danebengriff.“

Und auch Wikipedia ist aktuell: „Der Name עי ist das hebräische Wort für Trümmerhaufen, entsprechend dem arabischen Tell – so auch der heutige Name التل –, so dass die namensgebende Bevölkerung an dieser Stätte schon Ruinen vorgefunden haben muss. Daher geht die historisch-kritische Exegese davon aus, dass es sich bei der biblischen Erzählung um eine ätiologische Legende handelt, die erklären soll, wie der Trümmerhaufen entstanden ist.“

Alles wieder Fake News.

Ich habe ChatGPT befohlen, die Anmerkung (2) zu et-tell in der Original-Schreibweise für ein WordPress-Blog aufzubereiten.

„(2) Seit E. Robinson, Palästina und die südlich angrenzenden Länder II (Halle/S. 1841), 562—564, beherrscht die Alternative et-tell : ḥirbet ḥayyān die Diskussion um die Lokalisierung von Ai (Übersicht bei W. F. Albright, AASOR 4 [1922/23], 141—149; J. M. Grintz, Bibl 42 [1961], 201—206). Die schließlich allgemein anerkannte Kompromißlösung, die z. T. auf den archäologischen Befunden an beiden Orten beruhte, setzte das scheinbar spätbronzezeitliche Ai auf et-tell, die eisenzeitliche Nachfolgesiedlung (?) (ḥā-ʿay Es. 2,28; Neh. 7,32; ʿayyā Neh. 11,31; 1. Chr. 7,28; ʿayyat Jes. 10,28; vielleicht ḥā-ʿawwīm Jos. 18,23) auf der ḥirbet ḥayyān an. Ḥirbet ḥayyān scheidet nach dem Ausgrabungsbefund von 1964 (J. A. Callaway, BASOR 178 [1965], 16 Anm. 4; B. T. Dahlberg, BA 28 [1965], 28; H. Donner, ZDPV 81 [1965], 16—18) jedoch völlig aus, da die Schichten dort erst in der früharabischen Zeit beginnen. Zum Ausgrabungsbefund von et-tell s. S. 32 Anm. 1. Auf Grund einer dem Rabbi Berechja (4. Jh. n. Chr.) zugeschriebenen Notiz im Midrasch Ex. R. XXXII, daß die Entfernung zwischen Jericho und Ai 3 römische Meilen betrage, möchte B.-Z. Luria, Məqōmāh šel hā-ʿay (Iyyūnīm bə-sēfer yəhošūaʿ [1960 (s. S. 26 Anm. 1)], 12—41) Ai auf der ḥirbet bēt ġāber et-taḥtānī oder den tellāl abū el-ʿalāʾiq suchen, wogegen freilich spricht, daß nach Aussage der biblischen Quellen Ai sicher auf dem Gebirge, nicht in der Araba gelegen hat. Auch Lurias unkritische Behandlung der biblischen Texte wie das junge Alter der Redaktion des Midrasch (11./12. Jh.; vgl. L. Zunz, Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden [Berlin² 1892], 256—258; H. L. Strack, Introduction to the Talmud and Midrash [New York u. Philadelphia 1959], 215) beeinträchtigen den Wert seiner These. Ebenso reichen aber die Gründe von J. M. Grintz, „Ai which is beside Beth-Aven“: A Re-examination of the Identity of ʿAi (Bibl 42 [1961], 201—216) zu einer Widerlegung der Gleichung Ai = et-tell nicht aus.“

Wisst ihr Bescheid.

weippert

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Kommentare

One Kommentar zu “Unter historisch-kritischen Exegetikern”

  1. juri nello am Dezember 18th, 2025 11:13 a.m.

    Die Verknüpfung von Mystik, Wissenschaft & Technik kommt jedoch mitnichten aus der Esoterik. Sie fängt schon bei Firmen und Institutionen an. Das klappt auch ganz ohne KI.

    „Du forscht, dass meine Cola gesund und munter macht! Machst Du das nicht, kannst Du hier nicht arbeiten. Und Du lehrst, das meine Cola wichtig für den täglichen Bedarf ist und jedes Kind mindestens einen halben Liter davon trinken sollte! Sonst kannst Du hier leider nicht arbeiten.“
    Viele Dekaden später setzt sich die Erfahrung dann manchmal durch. Dann zieht man das mit einem anderen Produkt durch.
    „Klappt nicht, die Leute sind doch gar nicht so dumm!“ „Ja Du vielleicht nicht, aber Dein Nachbar?“

    Spülmittelwerbung der 80er: Ja, das Spülmittel enthält viele gute Proteine. Sie baden gerade ihre Hände drin!“

    2025 in D Jeder kalte Kaffee, jeder Pudding, Joghurt und natürlich Keksriegel wird beworben mit der ultimativen Proteinmischung, wie im Amiland der 80er.
    Dabei nimmt die Masse des Ursprungsproduktes ab, die Herstellungskosten verringern sich und der Verkaufspreis verdreifacht sich (die Proteinbeimischung kommt aus der Überproduktion verkalkulierter Serien).
    Die Folge ist jetzt allerdings nicht, dass diese Produkte in den Regalen bleiben.

    Dabei weiß der Mensch, dass die Mischung aus Fett, Zucker, Kohlenhydraten und Eiweißen lediglich eines macht: Fett. Und das schon seit Jahrhunderten.

    Jetzt stellen wir uns das Ganze unter besonderer Berücksichtigung von KI und Scrum & Agile für alle Lebensbereiche vor.

    Jabber the hut for everybody.

    Dann doch lieber Einhornessenz?

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