Kidroner Müll, ausserrussische Russen und keine Sachertorte

Die orthodoxe Tzemach-Tzedek-Synagoge am Hurva-Platz, jüdisches Viertel der Altstadt Jerusalems. Auf dem Transparent steh: „Make Gaza Jewish again“
Heute musste ich schon wieder umdisponieren. Die Tour nach Masada fällt aus – zu wenig Teilnehmer. Das erklärt auch, warum ich bisher eigentlich gar keine klassischen Rucksack-Touristen gesehen habe (oder gibt es die gar nicht mehr?). Also muss ich die im nächsten Jahr nachholen. Das wäre dann der dritte Versuch. Nach Gaza geht es am letzten Tag der Reise.
Ich wollte heute zum Bet-Guvrin-Marissa-Nationalpark. Aber es ist schon wieder ein Feiertag – Simchat Torah („Freude an der Tora“). Das merkte ich erst, als die Tram nicht fuhr und alle Geschäfte auf der Jaffa Road geschlossen waren. Ich versuche es morgen.

Absaloms Grab oder auch die „Mütze des Pharao“ im Kidron-Tal. Mit dem biblischen Sohn Davids hat das Monument nichts zu tun – es ist einer aristokratischen jüdischen Familie aus der Zeit des Zweiten Tempels zuzuordnen; ihr Name ist nicht bekannt.
Ich wanderte spontan ins Kidron-Tal. (Es ist heute brüllend heiß – angeblich 24 Grad, aber gefühlt 35.)
Ich kann die Exkursion nicht empfehlen. Die Gräber und die unmittelbare Umgebung sehen aus wie eine Müllhalde – als wenn seit Jahrzehnten jeder Besucher alles Plastik von sich geworfen hätte und niemals jemand etwas gesäubert hätte. Es gab auch ein visitor’s tent, das natürlich geschlossen war. Mulleimer habe ich nicht gesehen.



Grab des Zacharias
Ich bin weiter über einen Pfad zu den Arabern hochgestiegen in die unmittelbare Nachbarschaft der jüdischen Gräber. Vom dort aus kann man aber nicht da hin, man muss bis die ultrasteilen Gässchen mühsam hochklettern. Im arabischen Teil Jerusalems sieht es hier auch nicht besser aus als im Kidron-Tal.
Irgendwann kam ich doch oben an. Dieses Mal war ich nicht allein, aber nur wenige Touristen waren da: US-amerikanische ältere Damen mit riesigen Namensschildern vor der Brust baumeln, eine verrückte Asiatin in weißer Kleidung, die inbrünstig eine Mini-Harfe traktierte und sang.
Und die nervigen arabischen „Ambulantes“, die einem total penetrant irgendeinen albernen Kitsch andrehen wollten. Bei einem wurde ich richtig grob, bis er zurückwich. Auch „Palästinenser“-Tücher – ich wundere mich, dass die Israelis das erlauben. Ich musste mich stark zurückhalten, um nicht irgendeine Hassrede dumme Bemerkung zu machen.

Ölberg – hier sind offenbar die Gräber, die noch nicht belegt, sondern noch verkauft werden sollen.
Die Preise der Gräber starten ab 10.000 Dollar bis zum Fünffachen. Andere Quellen geben noch wesentlich höhere Preise an. Sehr schöner Satz zum Thema von Barbara Weibel: „Jerusalem, the Only City in the World Where Facts are Irrelevant“.


Auf dem unteren Foto kann man links die „City of David“ lokalisieren – dazu später.
Beim Abstieg sah ich ein kleines Schild: Tombs of the Prophets – Russian Ecclesiastic Mission – The Russian Orthodox Church outside Russia. Die hatten wir noch nicht. Und auf keinen Fall verwechseln mit der Russian Orthodox Church inside Russia! [Antwort von ChatGPT – Textdatei] Auch ein Mönch werkelte an der Tür herum. Er bot mir an, mich hereinzulassen.
Einer mittelalterlichen jüdischen Überlieferung zufolge, die auch von Christen übernommen wurde, handelt es sich bei der Katakombe vermutlich um die Grabstätte von Haggai, Sacharja und Maleachi, den letzten drei hebräischen Propheten der Bibel, die vermutlich im 6. bis 5. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben. Archäologen datieren die drei ältesten Grabkammern auf das 1. Jahrhundert v. Chr. und widersprechen damit der Überlieferung.
Zu sehen ist eigentlich nichts, außer Löchern in Höhlen. Ich fragte den Mönch natürlich, woher er wisse, dass hier die Gräber der biblischen Propheten Haggai, Zechariah and Malachi seien. Oral history, sagte er. Wieder mal Fake News – aber wie sollen die außerrussischen Russen sonst auf sich und ihre Katakomben aufmerksam machen, wenn Katzenvideos und halbnackte Mädels nicht erlaubt sind?
Wir haben noch ein wenig theologisch gefachsimpelt, und ich spendete dem armen Kerl ein paar Schekel. Und ging dann zu den Österreichern, um eine Suppe zu essen.
Ich vergaß zu erwähnen, dass die Sachertorte und Käsekuchen verkaufen sowie Wiener Melange. Ich konnte es mir noch gerade verkneifen, die Sachertorte zu bestellen – 24 Schekel, also sechs Euro für ein Stück. Da könnte ich den ganzen Tag verbringen. Aber dafür bin ich nicht in Israel.
Mittlerweile muss ich in der Altstadt nicht immer Google bemühen. Der Laden, der echte (natürlich!) alte russische Ikonen verkauft und echte (natürlich!) Perserteppiche, ist in der Via Dolorosa, wenn ich mich recht erinnere. „Die einzige Stadt der Welt, in der Fakten irrelevant sind.“
Warum sind viele Araber so fett? Dicke Israelis habe ich noch nicht viele gesehen. Vielleicht ist dieser Laden unweit des Damaskus-Tores im muslimischen Viertel die Antwort.
Kommentare
3 Kommentare zu “Kidroner Müll, ausserrussische Russen und keine Sachertorte”
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Kannst du mir als seit 15 Jahren treuem Leser erklären wann und wie sich deine Verachtung für Araber (und den Islam?) gebildet hat?
Ich finde das immer wieder amüsant: Einerseits ökonomische (Marx) und tiefgreifende soziologische Betrachtungen und Erklärungen. Andererseits: Araber sind fett, dumm und rückständig weil sie Araber sind und dem Islam anhängen (?)
Kann man drüber diskutieren, einen Zusammenhang zwischen Ökonomie – BMI – Zahl der Nachkommen siehst du aber schon oder machst du den Höcke und schiebst es auf die Volkszugehörigkeit?
Frage für einen Freund…
Was macht das Thema „gettin laid in Israel“? was hast du Hebräisch gepaukt? Doch nicht für Steine, Löcher in Steinen und History??
Ich verachte nichts. Region ist Überbau, so was kann man nicht verachten.
Antideutsche sind so lang falsch abgebogen
bis sie Nazis wurden. Sie merkens nur nicht.
An sich ein trauriger Fall von Verpeilung.
Eine überalterte Polit-Sekte.
Physik wurde modern mit dem Begriff der Kraft.
In Politik fühlen die Affen „meine Horde“.
https://www.youtube.com/watch?v=14XSzWT4vI0#17:04
Affen führen Kriege dieweil der Urwald brennt.