Unter nach rechts Verschiebenden
Ich habe mir einen Artikel aus der konservativen chilenischen Zeitung El Dínamo übersetzen lassen. In Chile hat José Antonio Kast, der Kandidat der „Rechten“, eindeutig die Wahlen gewonnen.
„Die künftige Regierung von José Antonio Kast nimmt bereits Gestalt an. Der designierte Präsident leitete gestern das erste Treffen mit den acht Parteien, die seine Kandidatur unterstützt hatten. Dies markierte den ersten Schritt zur Bildung des Bündnisses, das die Regierung des Republikaners und sein Kabinett tragen wird.
Obwohl die Parteien noch nicht erneut in das Büro des designierten Präsidenten in La Gloria 88 einberufen wurden, wurde ein Plan zur Aufrechterhaltung des Kontakts erstellt.
Claudio Alvarado (UDI), der mit der Überwachung des Machtwechsels beauftragt ist, und Arturo Squella, designierter Senator und Vorsitzender der Republikanischen Partei, werden die Beziehungen zu den Parteien pflegen, die potenziell Teil der Regierung sein könnten.
Alvarados Aufgabe wird es sein, gemeinsam mit Kasts Beraterteam, bestehend aus Cristián Valenzuela, Sebastián Figueroa und Martín Arrau, der auch die politische Koordination übernimmt, das künftige Kabinett zu gestalten.
Quellen aus dem Büro des designierten Präsidenten teilten EL DÍNAMO mit, dass Alvarado – der voraussichtlich Kasts Innenminister wird – als Verbindungsmann für die Ernennung von Regierungsbeamten fungieren wird.
Währenddessen wird sich Squella auf Verhandlungen konzentrieren, um das gegenseitige Verständnis innerhalb der künftigen Regierungskoalition zu fördern. Derzeit debattieren die Parteien über die Bildung einer Einheitskoalition oder eines „Kooperationsmodells“ zur Unterstützung der von Kast angekündigten „Notstandsregierung“.
Quellen aus dem Präsidentenpalast deuten darauf hin, dass der nächste Schritt bilaterale Treffen zwischen dem Koordinierungsteam des designierten Präsidenten und der Parteiführung sein wird. Dies geschieht, während die Nationale Libertäre Partei, die Demokraten und Evópoli noch nicht entschieden haben, ob sie ab März 2026 Teil der Exekutive sein werden.
Die Parteien wurden bereits aufgefordert, Namenslisten für die Auswahl künftiger Minister einzureichen.
Laut Kasts Team ist Januar der Stichtag für die Bekanntgabe des Kabinetts. Der Übergang zwischen dem aktuellen und dem künftigen Kabinett beginnt im Februar mit bilateralen Treffen zwischen den ernannten und den ausscheidenden Ministern.
Kast bereitet sich auf ein Treffen mit ehemaligen Präsidenten vor. Traditionell findet in der Woche nach der Wahl ein Treffen zwischen ehemaligen Präsidenten und dem designierten Präsidenten statt. Kasts Team geht davon aus, dass noch diese Woche Kontakt zu den Teams der ehemaligen Präsidenten aufgenommen wird, um ein solches Treffen zu vereinbaren.
Eduardo Frei (Christdemokraten) und Michelle Bachelet (Sozialistische Partei) werden die Einladung voraussichtlich annehmen. Im Fall des ehemaligen christdemokratischen Präsidenten bestand die Beziehung bereits während der Stichwahl, als er Kast traf. Bachelet ihrerseits benötigt ab März die Unterstützung des designierten Präsidenten für ihre Kandidatur als UN-Generalsekretärin. [Aha!]
Von Ex-Präsident Ricardo Lagos (Partei für Demokratie) wird erwartet, dass er die Einladung aufgrund seines Rückzugs aus dem öffentlichen Leben ablehnen wird. (…)“
Das ehemalige Nachrichtenmagazin schreibt: „Obwohl Chile noch immer eines der sichersten Länder der Region ist, hat die Kriminalität in einigen Bereichen zugenommen. Zudem ist der Anteil der Migranten in Chile zuletzt auf rund zehn Prozent der Bevölkerung gestiegen – der größte Teil stammt aus dem Krisenland Venezuela.“
Die Frankfurter Rundschau nennt Kast einen Neofaschisten.
In Chile ist es nicht anders als in den USA: Die „Rechten“ gewinnen dort, wo es wichtig ist – auf dem Land und in Kleinstädten, die Linken in Großstädten und – was nicht überrascht – bei Auslandschilenen. Letztere sind oft vor der Diktatur oder der Repression der Vergangenheit geflüchtet und haben mit den real existierenden Problemen, die die Leute bewegen, nichts zu tun.
Mir sage das Wahlergebnis nur eins: Die „Linke“ ist völlig hilflos und kümmert sich einen feuchten Kehricht um das, was die Leute umtreibt.
Kommentare
4 Kommentare zu “Unter nach rechts Verschiebenden”
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„Die „Linke“ ist völlig hilflos und kümmert sich einen feuchten Kehricht um das, was die Leute umtreibt.“
Das wäre im Detail zu recherchieren und zu untersuchen. Es bleibt ja immer noch zu argwähnen, dass das internationale agierende Kapital freilich auch in und gerade in Chile Bedingungen erzeugt, die linke Politiken diskreditieren…
vor 12-13 Jahren war deine Einschätzung jedenfalls noch fundamental anders
https://www.burks.de/burksblog/2012/01/30/madonna-camila-guevara
wenngleich der Funke nie auf die teutsche LGBTQIA+ Linke übergesprungen ist.
https://www.youtube.com/watch?v=iXm7MzNfCJY
das soll nicht despektierlich sein – aber man schaue sich an, wie viele in der Linken queer sind – da ist es klar, dass die eben „ihre“ Klientelpolitik betreiben…
Orwell hat im Grunde schon alles zum Thema „Sozialisten“ – heute aka „Linke“ gessagt:
„Vor ein paar Jahren hätte das vielleicht unwichtig gewirkt. Es scheint erst gestern zu sein, dass mir Sozialisten, insbesondere orthodoxe Marxisten, mit überlegenen Lächeln sagten, dass der Sozialismus von selbst durch einen mysteriösen Prozess namens ‚historische Notwendigkeit‘ entstehen würde. Möglicherweise besteht dieser
Glaube noch, aber er wurde, gelinde gesagt, erschüttert. […]
Daher ist es paradoxerweise notwendig, um den Sozialismus zu verteidigen, damit zu beginnen, ihn anzugreifen. […]
Das Erste, was jedem Außenstehenden auffallen muss, ist, dass der Sozialismus in seiner entwickelten Form eine Theorie ist, die ausschließlich auf die Mittelschicht beschränkt ist. Der typische Sozialist ist nicht, wie zitternde alte Damen es sich vorstellen, ein wild aussehender Arbeiter mit fettigen Latzhosen und lauter Stimme. Er ist entweder ein jugendlicher snobistischer Bolschewik, der in fünf Jahren sehr wahrscheinlich eine wohlhabende Ehe geschlossen und zum römisch-katholischen Glauben konvertiert sein wird; oder, noch typischer, ein gepflegter kleiner Mann mit einem Bürojob, meist ein geheimer Abstinenzler und oft mit vegetarischen Neigungen, mit einer Geschichte der Nonkonformität und vor allem mit einer sozialen Stellung, auf die er keinesfalls verzichten will.
Dieser letzte Typ
ist überraschend häufig in sozialistischen Parteien aller Arten; Vielleicht wurde es blockalt übernommen von. die alte Liberale Partei. Hinzu
kommt die schreckliche – wirklich beunruhigende – Verbreitung von Spinnern, wo immer Sozialisten zusammenkommen. Man hat manchmal den Eindruck, dass allein die Worte ‚Sozialismus‘ und ‚Kommunismus‘ mit magnetischer Kraft jeden Fruchtsafttrinker, Nudisten, Sandalenträger, Sexfanatiker, Quäker, ‚Nature Cure‘-Quacksalber, Pazifisten und Feministen anziehen. […]
Dazu kommt noch die hässliche Tatsache, dass die meisten Sozialisten der Mittelschicht, obwohl sie sich theoretisch nach einer klassenlosen Gesellschaft sehnen, wie Klebstoff an ihren elenden Fragmenten sozialen Prestiges klammern.“
https://www.george-orwell.org/The_Road_to_Wigan_Pier/10.html
Also Burks
WAS treibt die Leute – außerhalb von Berlin – denn so um?
Und was wäre eine passende „linke“ Antwort darauf?
Sag es doch endlich mal!!
sehenswert
https://www.zdf.de/play/shows/die-anstalt-104/die-anstalt-vom-16-dezember-2025-100?startTime=1900&endTime=2460
@Godwin
„Die Leute“ sind inzwischen größtenteils Ü60. Das heißt, privat sind sie konservativ und mögen keine Veränderungen. Es geht ihnen gut und alles soll bleiben, wie es ist. Schon der Gang zum Briefkasten bereitet ihnen Unbehagen, Briefe sind meistens Rechnungen. Für alle anderen Probleme soll die Regierung eben Gesetze machen, am besten solche, die einen nicht selbst betreffen.
Wenn man denkt
und sich einen Begriff macht wirds klar.
„Linke“ fühlen nur und wünschen Kapitalismus „gerecht“ (Sie sehen nur Personal, kein System).
Lenin glaubte Wirtschaft könnte funktionieren
pünktlich wie die Reichsbahn.
Auch bürgerliche Ökonomen glaubten Wirtschaft
wäre ein System der klassischen Physik.
Marx hat solchen Blödsinn nie geglaubt.