Fuck this and the race-faking academic

burks
Credits: Samira, wurde mir soeben aus Kopenhagen zugeschickt.

Heute nur Belangloses, während ich Candy Dulfer zuhöre.

– Böhmermann! Die Syntax von „fuck you!“ ist weder „fick dich“! noch „fuck yourself“ (letzteres ist eine Lehnrückübersetzung der falschen deutschen Übersetzung „fick dich!“), sondern – syntaktisch notwendige Satzteile auslassend – „man ficke dich!“, wie in „fuck this fucking rifle, it’s jammed again“. Im letzteren Fall ist theoretisch auch ein Imperativ/Optativ der 2. Person möglich. Si quis negat hæc vera esse, anathema sit.

küchekäsekuchen

– Neu erlernt und ausprobiert: Sauer-Scharf-Suppe und Käsekuchen. Wo kommt das Saure und Süße in der Suppe her? Lesen hier chinesische Großmütter mit? 中国祖母在这里读书吗? Meine Suppe schmeckt zwar gut, könnte aber etwas pikanter sein. Mehr Essig? (Ich habe Reisessig genommen.) Mehr Zucker?

Ich habe auch meine handmade Currywurst-Sauce neu gemixt, weil ich plane, alsbald ein paar Bratwürste zu verzehren. Die Küche sieht sah aus wie ein Schlachtfeld.

– Erneute Disqualifikation bei der Opferolympiade: „The rise of the race-faking academic
Another white academic, who was pretending to be black, has resigned.“ Yeah! Mehr davon!

laptop

Da läuft gerade Lucky Backup. Ich wurde daran schmerzhaft erinnert, weil mein Hauptrechner sich heute plötzlich weigerte, die Monitorauflösung aufzuführen, sondern bei jämmerlichen 1024×768 Pixel steckenblieb, statt mir die gewohnten 1920×1080 Pixel zu zeigen. Ich musste wie gewohnt kryptische Foren-Beiträge durchforsten, hatte plötzlich unzählige Festplatten, fuhrwerkte mit Herzklopfen mit gedit im dev-Verzeichnis herum und kam mit Nautilus eigentlich nirgendwo mehr hin außer in mein Home-Verzeichnis, noch nicht einmal, wenn ich zum Erschrecken der Terminals den Dateimanager mit sudo aufrief. Das ergab alles keinen Sinn. Das Problem hat sich mit autoremove halbwegs lösen lassen, zumindest spinnt der XServer nicht mehr.

Ich wünsche jetzt eine gute Nacht. Wenn ihr noch einen guten Film sehen wollte: Training Day mit Denzel Washington in Höchstform (…stealing scene after scene as he utters gritty dialogue and glares into the camera). Natürlich im Original mit Untertiteln! Die Dialoge sind großartig.

Bunt oder: Unter dem Banner des José Gabriel Condorcanqui Noguera

crime index immigrants denmark

In (oder sagt man „auf“?) einem so genannten sozialen Medium schrob ich: „Was spricht dagegen, die erfolgreiche Politik der dänischen Sozialdemokraten zu übernehmen? Im politischen Diskurs in Schweden war es bis jetzt tabu, über den Zusammenhang zwischen der ethnischen Zugehörigkeit und der Häufigkeit von Verbrechen zu sprechen. In Dänemark ist das anders.

Bevor jetzt einige Schnappatmung bekommen [das war an das Fratzenbuch-Publikum gerichtet – die hiesige Leserschaft ist bekanntlich abgebrühter]: Ihr könnt mich gern shitstormen, aber mir macht das nichts. Ich shitstorme notfalls zurück. Mir sind Argumente lieber als Gefühlsduselei und moralisierendes Getue.“

Ich habe mir mal einige Fakten angesehen. Leider geht Deutschland bei diesem Thema begrifflich einen Sonderweg. Ausländerkriminalität ist nicht nur ein falsches Wort, sondern führt auch in die Irre. Einwanderer sind mitnichten immer „Ausländer“. In Deutschland war das Staatsangehörigkeitsrecht lange Zeit so verstaubt und antiquiert, dass Einwanderer oft rechtlich „Ausländer“ blieben, obwohl schon ihre Großeltern in Deutschland lebten. Wer sich über Kriminalität und Immigration informiert, muss die zweite und dritte Generation (immigrants offspring, vgl. Tabelle oben) einbeziehen – und die sind jetzt schon oft deutsche Staatsbürger – wie die berüchtigten arabischen Großfamilien.

Sind Einwanderer immer „krimineller“? (Die Goten im römischen Reich lassen wir mal weg.) Auch hier wird es kompliziert und ist je nach Land unterschiedlich.

Contrary to popular perceptions that immigration increases crime, the research literature demonstrates that immigration generally serves a protective function, reducing crime – accordng to science. Das meint die USA, und die sind als klassisches Einwanderungsland anders als wir. „Integration“ bedeutet dort nicht, irgendetwas „Kulturelles“ zu übernehmen (von wem?), sondern sich mit der neuen Heimat politisch zu identifizieren. (Symbolisch: Hand aufs Herz bei der Nationalhymne oder zurückkehrende Soldaten mit „thank you for your service“ zu begrüßen). Die obige These stimmt also so nicht unbedingt für europäische Länder.

Einige Zitate aus einem Artikel der „Welt“ (Paywall) mit dem suggestiven Titel „Dänemarks knallharter Weg gegen Bandenkriminalität“:
Tatsächlich werden Gangverbrechen dort besonders hart bestraft, und Personen, die im Verdacht stehen, Mitglied einer Bande zu sein, häufig kontrolliert. –
In der Einleitung eines entsprechenden Papiers heißt es, viele Migranten fügten sich gut in die dänische Kultur ein, zu viele mit nicht westlichem Hintergrund täten dies aber nicht. Bis Ende des Jahrzehnts sollen, so sieht es die Initiative vor, sozioökonomisch schwache Wohngegenden mit hoher Kriminalitätsrate, in denen viele Menschen mit Migrationshintergrund leben, abgeschafft werden. –
Um solche Wohngegenden zu integrieren, sollen beispielsweise Kinder ab dem ersten Lebensjahr mindestens 25 Stunden pro Woche die Kita besuchen, um die dänische Sprache und Kultur zu erlernen. Ansonsten drohen ihren Eltern Sozialkürzungen. –
Ein weiterer Punkt, der als umstritten gilt, sind die 2019 eingeführten sogenannten Strafzonen. Danach führen Gewaltverbrechen, die in designierten Gebieten begangen werden, pauschal zu doppelt so hohen Strafen. Der Gangbezug, der für die Höhe des Strafmaßes ausschlaggebend ist, wird also über den Ort der Tat hergestellt. –
Ende der 2000er-Jahre erstarkten Gangs, deren Mitglieder einen kulturellen Hintergrund aus Somalia, dem ehemaligen Jugoslawien, Maghreb oder dem Mittleren Osten hatten. –
Im Jahr 2009 konnten Gewaltverbrechen mit Gangbezug erstmals mit doppelt so langer Haft bestraft werden wie jene ohne einen solchen Kontext. Hinzu kamen fünf Jahre später Investitionen in Aussteigerprogramme und schließlich 2017 noch strengere Strafen bei Verstößen gegen das Waffengesetz. –
Grundsätzlich wird begrüßt, dass es in Dänemark und nun auch in Schweden Veränderungen in der Gesetzgebung gibt. Es werde überhaupt erst in der Rechtsprechung berücksichtigt, ob Verbrechen im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität stehen, während sie zuvor lange Zeit behandelt wurden, als wären sie von Individuen begangen worden. In Dänemark jedenfalls ist die Zahl registrierter Bandenmitglieder zwischen 2011 bis 2019 laut Polizeistatistik um 40 Prozent gesunken.

Ich habe nichts gegen diese Maßnahmen. Gar nichts zu tun wie hier und immer nur „bunt“ oder „Vielfalt“ daherzubeten ist auf jeden Fall die falsche Lösung. Ich würde auch arabische, türkische oder tschetschenische Familien, deren Mitglieder überproportional kriminell sind, als „Gangs“ definieren und wie in Dänemark dementsprechend härter bestrafen. Was spräche dagegen?

immigrants sexual offences finland

Man muss natürlich das Kleingedruckte lesen. Warum sind in der Schweiz Tamilen strafrechtlich auffälliger als Ex-Jugoslawen? In England und Wales sind Jugendliche mit karibischen Wurzeln häufiger kriminell als ihre Altersgenossen aus Pakistan, Indien oder Bangladesh, obwohl deren soziale Lage oft noch schlechter ist. Warum? Wundert es, dass Afghanen und Somalier in Finnland überproportional durch Sexualdelikte auffallen? Könnte das mit der Stellung der Frau und der Religion in den jeweiligen Ländern zu tun haben? Warum sind in Japan kriminelle Einwanderer fast immer Chinesen?

Meine These: Wir könnten es schaffen, auch bei zwei Millionen Einwanderern, wenn Gesetzesverstöße konsequent geahndet würden, wenn die Verwaltung so arbeiten würde, wie man es in einem zivilisierten Land erwarten darf, wenn Ghettos verhindert würden, indem man Miethaie, die Einwanderer bis aufs Blut ausnehmen, sofort enteignete und und und. Leider sind vernünftige Vorschläge von niemandem zu erwarten, von den rechten Kanaillen sowieso nicht und auch nicht von den Linken.

Ich bin übrigens – um das Maß vollzumachen – auch dafür, die Polizei besser auszustatten. Es ist alles eine Frage der politischen Kontrolle. Die Politik gibt vor, die Polizei führt nur aus. (Unter uns – bitte nicht weitersagen: Man kann „rechts“ reden und nach links marschieren, das merkt keiner. Es kommt nur auf das Ergebnis an.)

Unter Gesetzreparateuren

hate speech meme

Ein Gespenst geht um in Deutschland. Das „Gesetz zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und der Hasskriminalität“ könnte verfassungswidrig sein. Oder auch: alle wissen es. Justiz- und Innenministerium handeln aber nach der Devise „legal, illegal, scheißegal“: Der Bundespräsident solle jetzt die Bedenken ignorieren und einfach unterschreiben, „dann schiebe man gleich ein Reparaturgesetz hinterher.“ Wie bekloppt ist das denn?

Multikausal und ziemlich komplex

kunst am verkehrsschild
Kunst am Verkehrsschild, Rathaus Neukölln, fotografiert 2013. Symboldbild für Experten und Profis.

Was geht? – Beethoven darf in Zukunft vermutlich nur mit Gendersternchen aufgeführt werden. Oder alle Musiker müssen Farbige sein. Telepolis hat auch etwas zum allgemeinen Thema: „Cancel Culture ist unmodern!“ Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

– Das große Sterben der Zeitungen geht weiter. Die Süddeutsche entlässt rund ein Zehntel der Belegschaft – und deutsche Medien wie die taz nennen das wie gewohnt in schönstem Neusprech „Stellenabbau“.

– Tagesspiegel: „Polizei stuft Wrangelkiez und Schlesisches Tor als Kriminalitäts-Hotspots ein“.
Vor allem Drogendealer aus Westafrika entwickeln sich für Frauen und Anwohnerinnen zu einem alltäglichen Problem. Sie werden bedrängt, beleidigt und sexuell belästigt. „Delinquentes Verhalten gegenüber Frauen stellt hierbei ein relevantes Themenfeld“, erklärte ein Polizeisprecher. Mehr als 40 Sexualdelikte – von sexueller Nötigung bis hin zu Vergewaltigungen – wurden in der Gegend seit 2017 angezeigt.“

Dazu lesen wir noch einmal alle gemeinsam im Chor: „Dealer machen heldenhafte Arbeit“.

– Wieder Telepolis über die „stumme Hälfte“: „Bei der jüngsten Kommunalwahl in NRW erreichen die Nichtwähler eine Zahl von 6,958 Millionen und übertreffen damit – wenn auch knapp – die Zahl der Wähler aller anderen Parteien zusammen.“

Was für ein Desaster! Die meisten Wähler sind mit „dem System“ aka Kapitalismus so unzufrieden, dass sie die etablieren Parteien ignorieren – und die Partei „Die Linke“ kann das nicht ausnutzen!? Vermutlich denken die, dass das Volk noch zu dumm sei, ihre Weis- und Wahrheit zu kapieren. Die „Linke“ ist definitiv auf dem Weg zu einer Politsekte, die bald an der Fünfprozenthürde“ vorbeischrammen wird.

– Die Berliner Innenverwaltung (!) erklärt das Volksbegehren, die „Deutsche Wohnen“ zu enteignen, für zulässig. Grundlage des bundesweit bisher einmaligen Vorstoßes sind Regelungen im Grundgesetz, die eine Vergesellschaftung gegen Entschädigung unter Bedingungen zulassen. Gut, dass sich mal jemand an das Grundgesetz erinnert. Das schreibt den Kapitalismus nicht zwingend vor, obwohl die üblichen Verdächtigen noch nicht einmal vor dreisten Lügen zurückschrecken, wenn es dem Kapital nur ein Klitzekleinesbisschen an den Kragen geht.

Dumm ist nur, dass die Berliner „Innenverwaltung“ nicht dafür berühmt ist, Gesetze so zu verfassen, dass diese auch vor Gericht Bestand hätten. Für juristische Expertisen würde ich die dortigen „Experten“ nicht heranziehen. Ich hätte den Titel – Enteignung sei in diesem Fall zulässig – daher korrekt als „Meinung“ ausgewiesen. Warten wir’s ab. Sie werden auch das versemmeln.

– Weiter geht es mit der beliebten Rubrik „Einmal mit Profis arbeiten“. Experten finden keine Lösung für die Probleme der IT der Justizbehörden in Berlin. Auf die Frage nach den Ursachen für die Störung erklärte Böttcher, es handele sich um ein „multikausales und ziemlich komplexes Fehlerbild“. Ach!? Wer hätte das gedacht. Für so ein Gefasel müsste es mindestens zwei Wochen Arbeit im Steinbruch geben – ohne Handschuhe.

Auch in Bayern ist es nicht besser. Weil eine Familie nicht von der Covid-Erkrankung der Großmutter wusste, feierte sie mit 100 Gästen Hochzeit. Dabei lag die 68-jährige Frau aus Vilshofen (Landkreis Passau) seit zwei Tagen mit Covid-Symptomen im Krankenhaus, wurde dort jedoch nicht auf das Virus getestet.

Wait a minute! Eine Frau hat Covid-Symptome, kommt ins Krankenhaus und wird nicht getestet? Es geht um das Krankenhaus Vilshofen. Gut zu wissen, wohin man nie gebracht werden möchte.

Betr.: Moria

welt über Moria
„Tränendrüsenberichterstattung“ deutscher Medien – Symbolbild

Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von mir? Ich schlage vor, dass nur die wohlwollenden Stammleser und die geneigten Stammleserinnen den folgenden Beitrag lesen. Alle anderen können das sowieso nicht vertragen.

Als Linker kann man zum Thema Flüchtlinge und Einwanderer überhaupt nichts Vernünftiges von sich geben. Das hatten wir hier schon vor drei Jahren: „Rechte Politiker schüren die Angst vor Migration und schlagen vor, die Leute mit Zäunen und Waffen fernzuhalten. Linke Politiker schüren die Angst meist auch und versprechen weniger Migration durch Entwicklungshilfe. Beide haben kein Interesse zu erzählen, was wahr ist: Es gibt keine Zweifel an der afrikanischen Wanderungswelle in den kommenden Jahrzehnten.“ (Michael A. Clemens, Ökonom und Migrationsforscher aus den USA in Spiegel online)

Mit „nichts Vernünftiges“ meine ich: Nationalstaaten und Grenzen gibt es, und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Also müsste man die Perspektive der herrschenden Klasse einnehmen, weil „staatliche Interessen“ genau die sind und nichts anderes. Auch Nation ist ein politisches Konzept – und ich bin sowieso dabei immer dagegen. Dazu habe ich keine Lust. Ich halte es mit dem österreichischen Schriftsteller Heimito von Doderer: „Nationalismus: Daß ich zum Beispiel Österreicher bin, ist mir auch mit einer Fülle widerwärtiger Individuen gemeinsam, so daß ich es mir verbitten möchte, lediglich mit Hilfe dieses Begriffs bestimmt zu werden.”

Oder man fängt an zu moralisieren, womit Politik ohnehin nicht zu machen ist, und drückt auf die Tränendrüsen. Das aber ist schlimmer, ja bösartige Heuchelei: 2019 gab es weltweit fast 80 Millionen Flüchtlinge. Welche und wieviele davon lassen „wir“ nach Deutschland? Es kann mir doch niemand erzählen, dass die Lager woanders besser sind als in Griechenland?! Die Flüchtlinge in Libyen sind nicht viel weiter weg als die in Griechenland. Warum regen sich alle so auf?

Gibt es eine Art Bambi-Effekt bei humanitären Katastrophen? Wer wagt noch Einwände zu erheben, wenn weinende Kinder gezeigt werden? Was wäre, wenn man nur männliche Kriminelle und Glücksritter, die auch dabei sind, zeigte – abgelehnte Asylbewerber etwa aus Afghanistan, am besten noch mit Taliban-Blick? Nein? Die will man nicht sehen? Wenn die Medien mehr oder minder zufällig darüber berichten und das Elend sichtbar machen, wollen alle alle herholen, am liebsten „unbegleitete Minderjährige“ (die nur mit „unbegleitete Säuglinge“ zu toppen wären) Die aber, von denen man nichts weiß, kümmert die moralisierenden Gutmenschen einen Scheiß.

Jeder weiß doch, dass die paar Menschen leicht hergeholt und auch untergebracht werden könnten; ein Fußballstadion voll – das ist nichts. Ich könnte bei der allgemeinen Heuchelei sowohl von der Rechten als auch von der Linken nur kotzen. Waffen an die Türkei zu liefern ist bekanntlich kein Problem, obwohl Erdogan an der Misere der Gestrandeten in Griechenland mit schuld ist.

Ich muss zugeben – und das ist zum Glück nur eine Hypothese: Wäre ich Regierungschef in Deutschland, ich würde die Menschen aus Moria nicht nach Deutschland holen. Warum sollte man das tun? Weil das moralisch geboten ist? Da muss ich lachen. Moralisch geboten ist vieles. Ich weiß gar nicht, womit ich dabei anfangen sollte.

Ich habe noch ein starkes „Argument“. Als Vertreter des revolutionären Arbeiter- und Bauernrates der herrschenden Klasse würde ich die Einwanderungspolitik Israels übernehmen – über die die üblichen Verdächtigen natürlich jammern. Nur so aus Daffke gesagt.

Back to blood in Hollywood

diversity

„Diversity“, „Vielfalt“ – was das heißt, zeigt uns gerade Hollywood in Gestalt der Academy of Motion Picture Arts and Sciences: Bewerber für den Hauptpreis des Oscar-Wettbewerbs müssen ab 2024 mindestens zwei „Vielfaltskriterien“ erfüllen, um sich zu qualifizieren.
Beispielsweise könnte eine Darstellerin oder ein Darsteller in einer wichtigen Rolle einer Minderheit angehören, etwa afroamerikanischer, asiatischer, hispanischer oder indigener Abstammung sein. Als ein weiteres Kriterium führt die Filmakademie inhaltliche Aspekte an: Filmbeiträge sollten demnach ein Thema behandeln, das sich um Frauen, Minderheiten, Menschen mit Behinderungen oder LGBT-Inhalte dreht – also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans-Menschen.

Ich habe da noch eine Frage: Sind Friesen eine „unterrepräsentierte ethnische Minderheit“? Müssen Künstler, bevor sie Kunst machen, jetzt eine Check-Liste abarbeiten, was vorkommen darf und was nicht? Muss in einer Astronauten-Crew in Zukunft immer eine Lesbe sein oder jemand behindert? Was ist „hispanisch?“

Ceterum censeo: In jedem deutschen „Tatort“ sollte zukünftig eine Latina mitspielen, die so ausseht wie Lupe Fuentes.

Übrigens – Kunden, die das Obige lasen, sollten auch dieses zu Gemüte führen: Die bunt angemalte Pseudo-Farbige „diverse“ Professorin Jessica Krug hat jetzt ihren Posten aufgegeben. – Ein Interview mit Jan Böhmermann über „cancel culture“ in der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ darf nicht erscheinen. – Die „Sinti-Allianz“ findet die Diskussion über „Zigeunersauce“ unwürdig und verwendet weiter den Begriff „Zigeuner“.

Meine aktuellen Annalen

tacitus

Wenn ich das jetzt hier auf der Parkbank anfange zu lesen, denken alle, ich sei ein Student, der für’s große Latinum paukt. Oder ein Historiker, der beweisen will, dass jede Geschichtsschreibung seit 2000 Jahren auch immer Propaganda für die herrschenden Zustände ist. Die Vorgeschichte: Ich las von Armin Eich Die römische Kaiserzeit: Die Legionen und das Imperium – ein ganz hervorragendes und spannendes Buch und, soweit ich weiß, das Standardwerk zum Thema. Um meine Freude richtig zu verstehen, muss man wissen, dass es in Deutschland, anders etwa als in Frankreich, Großbritannien, den USA oder gar Japan keine marxistischen Historiker mehr gibt – die wurden alle nach der Wiedervereinigung von den Lehrstühlen gejagt, ins Ausland vertrieben oder sind mittlerweile emeritiert und publizieren nicht mehr. Die deutsche Geschichtswissenschaft nimmt auch am internationalen marxistischen Diskurs nicht mehr teil. Bei Armin Eich jedoch war ich überrascht: Er benutzt das Wort „Klasse“, was an sich schon „verdächtig“ ist für einen deutschen Historiker, und was er schreibt, könnte kein marxistisch geschulter Wissenschaftler besser, obwohl er Marx mit keinem Wort erwähnt. Er hat über „Die politische Ökonomie (!) des antiken Griechenland“ habilitiert – eine Arbeit, die ich mir sofort besorgt hätte, aber sie ist nirgendwo zu bekommen. Ergo: Wenn ein Althistoriker heimlich das „marxistische“ wissenschaftliche Instrumentarium nutzt, kann er das bei dem Thema „römische Antike“ natürlich gut verstecken. Tacitus taucht natürlich immer auf, wenn es um Römer und Germanen geht. (Rezension Eichs folgt.)

Ich schweife kurz ab: Ich erinnere mich an mein Philosophikum Ende der 70er Jahre – die Prüfer waren stockkonservative Altgermanistik-Professoren und Wolfgang Fritz Haug, bei dem ich gleichzeitig als Tutor in seinen Kapital-Kursen arbeitete. Haug prüfte mich über das Thema “Walter von der Vogelweide und der Warenfetischismus bei Karl Marx”, die ich mit Bestnote bestand, weil die Herren vom Landesprüfungsamt aus dem Staunen nicht mehr herauskamen, was man mit dem Minnesänger alles anfangen kann – wir diskutierten lang und breit über Vogelweides Lehen, ob er es nun bekommen hatte oder nicht – da konnten sie immerhin mitreden.

Was haben wir denn heute noch in meinen Annalen?

– Schmalle nennt „3 Gründe, warum progressive Linke marx21 ablehnen sollten“. „…ist marx21 besonders bekannt für das „Kuscheln“ mit Akteurinnen aus einem reaktionär-islamischen Milieu, wobei man selbst differenzierte und emanzipatorische Kritik an diesen Strukturen als anti-muslimischen Rassismus zurückweist und bedingungslose Solidarität mit Musliminnen per se fordert.“(1)

– Die Pop-Up-Radwege in Berlin rechtswidrig. Man muss aber das Urteil – wie immer – genau lesen. Die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat die neuen Radwege falsch begründet. Das Gericht hat nicht geurteilt, dass diese an sich nicht erlaubt seien. Verantwortlich für diesen Dilettantismus ist Senatorin Regine Günther, natürlich von den „Grünen“.

Der Schockwellenreiter fasst das komplette Versagen der Politik hübsch anhand zahlreicher Fälle zusammen (noch eine Version).

– „Als nämlich diese Epidemie herannahte, befiel ein allgemeiner Schrecken die Bourgeoisie dieser Stadt; man erinnerte sich auf einmal der ungesunden Wohnungen der Armut und zitterte bei der Gewissheit, dass jedes dieser schlechten Viertel ein Zentrum für die Seuche bilden würde, von wo aus sie ihre Verwüstungen nach allen Richtungen in die Wohnsitze der besitzenden Klasse ausbreite“. (Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England, 1854)

– Im Neuen Deutschland schreibt Ilkay Çiçek über „Links auf Deutsch, rechts auf Türkisch
Warum hierzulande so viele Progressive den islamischen Konservatismus hofieren.“ Wer Religion hofiert, ist natürlich weder links noch progressiv. Es sagt viel aus über die deutschen Zustände und das weltanschauliche Desaster der hiesigen Linken, wenn das nicht mehr selbstverständlich ist.

Jessica Krug

Jessica Krug ist meine Kronzeugin für die These, dass „Diversity“ ein reaktionärer Scheiß ist und am Ende zu einer „Opferolympiade“ führt. Der Guardian berichtete: „White US professor Jessica Krug admits she has pretended to be Black for years – Jessica Krug, an activist who teaches African American history, writes Medium post apologizing for false identity“. (Der Tagesspiegel hat auch etwas zum Thema.)

Wie ich hier schon schrieb: Tom Wolfe hat das alles schon ironisch und amüsant geschildert – in seinem großartigem Roman Back to Blood.

Interessant auch das öffentlichen „Reue“-Bekunden; das erinnert mich ein wenig an die chinesische Kulturrevolution. Das macht die Sache gleich doppelt peinlich.
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(1) Gendersternchen habe ich entfernt.

Betr.: Klassenbewusstsein und die statistische Realität

arbeiterklasse
Credits: Wikipedia: Harry Fain, coal loader. Inland Steel Company, Kentucky 1946

In einer Studie aus dem Jahr 1998 über Mitgliedschaft in Parteien sagten 38% der Befragten, dass sie Arbeiter seien. 20 Jahre später sagen das nur noch 9%. Der reale Anteil der Industriearbeiter ist aber weitaus weniger gesunken: 2017 betrug er 17-19% der Bevölkerung.

Heute behaupten 68% der Bevölkerung, sie seien Angestellte. Das sind 27% (!) mehr als 1998.

Vor zwei Jahrzehnten sagten 36% alle Befragten, sie gehörten der Unter- oder unteren Mittelschicht an. Heute behauptet das die Hälfte, obwohl die Gesellschaft mehr gespalten ist als damals. Gegen den Trend ordnen sich also mehr Menschen der Mittelschicht zu.

Auf der anderen Seite definieren sich mehr Menschen als „Oberschicht“ – vor allem bei der FDP. Das Klassenbewusstsein der Oberschicht scheint nicht nur intakt – auch deren Selbstbewusstsein scheint derart gestiegen, dass die Oberen ihre Stellung nicht mehr als „Mitte“ verschleiern und damit die Ungleichheit ganz offen zelebrieren.

1998 waren 22% der SPD-Mitglieder Arbeiter, bei der (damalige) PDS waren es 17%. Heute sind noch mehr Arbeiter in der SPD als die „Linke“ insgesamt Mitglieder hat. „Die PDS und auch die „Linke“ waren nie Arbeiterparteien, sondern hatten nur den Anspruch, es zu sein.“

14% der SPD-Mitglieder ordnen sich subjektiv der Unterschicht zu. Nur bei der „Linken“ sagen das mehr Menschen als früher – 2017 rund ein Drittel.

Bei allen Parteien außer der „Linken“ geht der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder drastisch zurück – auf jetzt durchschnittlich auf rund 20% in allen Parteien bei der CDU in den letzten 20 Jahren um ein Drittel, bei der SPD um ein Viertel.

1998 hatten 54% der Beschäftigten einen Hauptschulabschluss, heute nur noch ein Drittel, bei den Mitgliedern der Parteien und ein Fünftel. Die CSU und die SPD sind 2017 die Parteien mit dem höchsten Anteil an Mitgliedern mit Hauptschulabschluss. Am schwächsten repräsentiert sind die einfachen Bildungsabschüsse bei Grünen (4%), FDP (85) und den „Linken“ (13%). Beim Realschulabschluss liegt die Anteil bei den Grünen, der FDP und den Linken am niedrigsten.

(Janis Ehling; (Linke) Parteien und ihr Klassenbezug 1998-2017, in Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung Nr. 123, September 2020 Seite 94ff., bei den Zitaten (kursiv) habe ich Gendersternchen usw. entfernt und die Binnen-Großschreibung korrigiert.)

Betr.: Religiotisierung

religion is poison

Wer grün wählt, macht sich mitschuldig, die Religiotisierung der Öffentlichkeit mit vorangetrieben zu haben. Die Grünen fallen sogar noch hinter Kemal Atatürk zurück. #appeasement #hijabisierung

Lord of the underworld, revisited

catavicatavillallagua boliviallallagua boliviallallagua

Die Bilder wurden 1984 in Llallagua in Bolivien gemacht. Das obige Foto zeigt den Eingang der Zinnmine Catavi-Siglo XX, die meine damalige Freundin und ich besichtigt hatten. Catavi war das größte Bergwerk Lateinamerikas. Die Mine war für Touristen geschlossen, wir hatten uns aber eine Sondergenehmigung der Comibol in La Paz geholt. Das war zu der Zeit weder einfach noch angenehm: Wir, die wir eindeutig als gringos zu erkennen waren, mussten uns den Weg durch eine aufgebrachte Menge von Bergleuten zum Gebäude der Comibol (Corporación Minera de Bolivia) bahnen, die gerade – während des Generalstreiks – die Straße blockierten.

Der Grund, warum man uns nach stundenlangen Verhandlungen den Besuch erlaubte, war vermutlich: Ich kannte schon die Mine in Oruro und stamme aus einer Bergarbeiterfamilie – schon mein Ururgroßvater Wilhem Stöver war Bergmann – und konnte das glaubhaft machen.

Das Städtchen Llallagua ist das „Herz“ der bolivianischen Linken. Die mineros dort waren immer am besten organisiert, linksradikal und revolutionär – inklusive militanter Politsekten – der 1965 „verschwundene“ und ermordete Arbeiterführer Isaac Camacho war zum Beispiel Trotzkist.

Die Zinnbergwerke bei Llallagua gehörten zu den größten und reichsten Erzlagerstätten der Welt, hier gründete der Zinnbaron Simón I. Patiño sein Weltimperium, hier befand sich das größte Bergwerk Lateinamerikas. Nach dem Zusammenbruch des Zinnmarktes in den 1980er Jahren wurden die bolivianischen Bergwerke reprivatisiert und viele nach und nach geschlossen, auch Siglo XX. Heute leben in Siglo XX noch viele Mineros, die auf eigene Faust oder in kleinen Kooperativen in den alten Bergwerksstollen unter miserablen Sicherheitsbedingungen arbeiten oder den Schutt der riesigen Abraumhalden nach Zinnresten durchsuchen.

Aus meinem Reisetagebuch, April 1984:
Als wir in Llallagua ankommen, schüttet es in Strömen und es ist richtig saukalt [Lllallagua liegt 3895 Meter hoch in den Anden.] Dafür ist das alojamiento sehr billig – ist aber auch danach [das kleine Foto unten rechts zeigt den Ausblick von unserem Zimmer]. Ich bin das Scheißen in der Hocke mittlerweile so gewohnt, dass mir saubere Fußtritte und ein einigermaßen großen Loch im Boden fast luxuriös erscheinen.

Llallagua ist mit seinen engen und auf und ab führenden Gassen auch architektonisch ungewöhnlich. Mitten durch den Ort führt eine gewundene Fußgängerzone inklusive eines Marktes bis zu der Plaza del Minero“ Siglo XX“ und dem sozialistisch realen Denkmal eines Arbeiters mit Gewehr und Presslufthammer und einer Tafel, die an die proletarische Revolution erinnert. Das riesige Kino der Gewerkschaft mit Bänken statt Stühlen zeigt Masada – das ziehen wir uns natürlich rein.

Die Atmosphäre ist so, wie ich mir den 20-er Jahre im Ruhrgebiet vorstelle – proletarische Kultur pur. Man tut viel für die Bildung der Arbeiter, und die Straßen der „Vorstadt“ erinnern mich an Altenbögge [ehemaliges Bergarbeiterstädtchen im Ruhrgebiet und Heimat meines Großvaters mütterlicherseits].

Wir sehen an dem Flüsschen [Rio Athata] viele Leute auf eigene Rechnung schuften [unterstes Foto], die nach metallischen Resten suchen. Abends bleibt uns nichts anderes übrig, als die kleine Hauptstraße rauf- und runterzulaufen und abwechselnd Api und dulce zu trinken bzw. zu essen, dazu papas rellenas. Es gibt zum Beispiel eine Spritzmaschine, die einen fertigen Teig in eine Schüssel spritzt, der sich dann zu einer dünnen Wurst formt, die dann zerschnitten und mit Puderzucker bestreut wird. Es laufen jede Menge Männer und Frauen in bunten Ponchos herum, die Männer oft mit bestickten Westen und viele mit Charangos.

Am nächsten Tag zur Mine – erst zur superintendencia, die schickt uns per Schrottbus nach Catavi, dort fragt man lange nach der gerencia, die – welch ein bürokratischer Glücksfall – Montags und Donnerstag geöffnet ist. Dort neue Schreiberei. Wieder zurück zur superintendencia. Dort sagt man uns: Morgen früh um 6.30 Uhr.

Wir schaffen das, weil die Sirene der Mine morgens um fünf laut trötet. Es ist noch ein gutes Dutzend anderer Besucher da – einige Schüler und Studenten, die sich für ein Gruppenfoto positionieren. Ich kriege sogar passende Gummistiefel, dazu Schutzkleidung und Grubenhelm. Wir düsen hinein, zusammengequetscht mit den mineros, und latschen stundenlang durch eisige Stollen mit Pfützen. Zuerst kriegen wir untertage die Kirche, dann den tio mit Riesenpimmel zu Gesicht (leider tut es das Blitzlicht der Kamera nicht). Nur die älteren Bergleute opfern dem tio angeblich noch, sagt man.

Die Abbaumethode ist wie in Oruro: Von unten nach oben wird penetiert, dann gesprengt, und das Zeug poltert durch die vorbereiteten Kanäle nach unten. Es arbeiten immer zwei zusammen. (…)

1. September 1939

01.09.1030

Verschwörologie oder: Schatten des Papageis

conspiracy theory

Erst links, dann rechts, aber nie wieder zurück? Und umgekehrt – ist das möglich und glaubwürdig? Ich muss zugeben, dass ich Gestalten wie Horst Mahler oder Jürgen Elsässer nicht wirklich verstehe. Ich sollte aber, da ich nicht nur mehrere Bücher über „Aussteiger“ geschrieben, sondern das Thema, die eigene Ideologie komplett über den Haufen werfen zu müssen, selbst erlebt habe, sogar zwei Mal.

Daher weiß ich, dass man nicht einfach das Gegenteil von dem sagt, was man vorher meinte. Dazu passt mein Hausphilosoph Georg Christoph Lichtenberg, der meine Generalkritik an „Aussteigern“ jedweder Art schon vor rund 250 Jahren exakt formulierte: „Grade das Gegenteil tun ist auch eine Nachahmung, und die Definitionen der Nachahmung müßten von Rechts wegen beides unter sich begreifen.“

Es braucht auch nicht immer eine Art Damaskus-Erlebnis zum Guten oder Bösen. Manchmal ist es einfach, wenn man etwa die „Schwarze Front“ mit den Nationalbolschewisten vergleicht – die Unterschiede sind so „groß“ wie die zwischen der KPD/ML und der KPD/ML-Neue Einheit. Wenn man bedenkt, dass die übergroße Mehrheit der Menschen sich ohnehin den Ideen der jeweiligen peer group opportunistisch anpasst und selbst die merkwürdigsten Wirrungen der Meinungsführer goutiert mitmacht, ahnt man, dass „Weltanschauung“ etwas sehr Labiles sein kann.

Ich habe zwei Thesen – ich nenne die erste das „Papagei-Syndrom„, am besten dargestellt vom – nach eigenen Worten „Gesichtsvermieter“ – Harald Juhnke im Film. Jemand, der etwas gut verkaufen kann, wird von einer rechten Politsekte angeheuert und verschafft denen Publicity, ohne dass der „Verkäufer“ selbst an den Unsinn glaubt, den er predigt. Dann aber gefällt ihm der Beifall des Publikums und er beginnt, wie schon Karl May, sich selbst in der Rolle wohlzufühlen, in sie hineinzuwachsen – ähnlich wie Kagemusha.

Die zweite These bezieht sich auf die hier schon erwähnte kompensatorische Gratifikation: Wer den sozialen Aufstieg plant, durch Ausbildung und das dazu passende internalisierte Verhalten, aber durch die starre Hierarchie einer Gesellschaft daran gehindert wird, also scheitert, wird versuchen, diesen „Aufstieg“ dennoch zu erreichen, indem er sich einer Gruppe anschließt, die vielleicht sozial geächtet ist (ob eine religiöse oder eine politische Sekte macht keinen Unterschied), aber innerhalb der Gruppe oder des Kleinst-Milieus einen „Aufstieg“ ermöglicht oder zumindest verspricht.

Wer eine aus Beton gemeißelte Ideologie vertritt, ist immer versucht, das „Publikum“ zu vergrößern, wenn ihm nach eigener Meinung nicht genug Respekt gezollt wird, dergestalt, dass man den Zuhörern zumindest partiell nach dem Mund redet – und dann immer öfter, bis man endlich bei etwas angelangt ist, was man ursprünglich abgelehnt hätte – aber der Beifall ist einem dann wichtiger – oder das Geld. Wie Franz Josef Strauss gesagt haben soll: „Mit Hilfstruppen darf man nicht zimperlich sein.“

Das Phänomen kennen professionelle Redner (zu denen ich mich, ohne falsche Bescheidenheit, zähle): Man schaut unwillkürlich zu denen, die einen selbst mit Augenkontakt zu bestätigen scheinen, und muss sich zwingen, auch die anderen anzusehen, die vielleicht eher kritisch gesinnt sind und das durch die Körperhaltung demonstrieren.

Aber alles erklärt das nicht. Vielleicht haben solche Leute einfach nur einen Knall und konnten das vorher irgendwie kaschieren.

Kubikmeterweie Assoziationsketten

lesestoff

– Ich wollte das wohlwollende Stammpublikum nur warnen, dass wieder bald zahlreiche Rezensionen zu erwarten sind. Ich lese sehr schnell und kubikmeterweise.

– Ich muss verschämt zugeben, dass bei demonstrierenden Veganern, asozialen Hedonisten und anderen Verirrten in meinem Gehirn die Begriffe „Arbeit“, „Steinbruch“ und „mit Stacheldraht umzäuntes Areal“ unwillkürlich eine Assoziationskette bilden. Ich sollte mein stalinistisches Unterbewusstsein jetzt mit etwas anderem überschreiben.

– Oberstufe Gymnasium, Gesellschaftslehre, Thema der nächsten Klassenarbeit: „91770 Deutsche waren 2019 Mitglied in einem Schachverein. Vergleiche diese Zahl mit der Zahl derjenigen, die auf bekloppte Demonstrationen gehen, und sage etwas über die gesellschaftliche Relevanz beider Gruppen!“

– „In einer Demokratie sollte der Staat Grundrechte niemals präventiv einschränken, wenn es sich vermeiden lässt. Meinungen, und seien sie noch so abstrus, müssen wir aushalten. (…) In einer Demokratie sollte der Staat Grundrechte niemals präventiv einschränken, wenn es sich vermeiden lässt. Meinungen, und seien sie noch so abstrus, müssen wir aushalten.“ (Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, hinter der Paywall der „Welt“)

– Vorhersage: Wenn Katja Kipping als Parteivorsitzende der „Linken“ aufhört, wird die Zahl der Wörter, die auf -ung enden, in der Öffentlichkeit signifikant abnehmen.

– Übrigens: Wieviel Humor ist zumutbar?

Lang lebe die Generallinie!

lang lebe die Generallinie
Nicht auf das Bild klicken! Außer ihr wisst nicht, was der Begriff „Generallinie“ bedeutet.

Aus der beliebten Serie: Der Kommunismus wird siegen! Auch wenn der sich nur als solcher kostümiert – aber wenn sogar das Zentralorgan der gefühlten Bourgeoisie das feststellt, kann ich ja nicht falsch liegen.

„Was vielleicht noch mehr überrascht, ist die Geschwindigkeit und Planmäßigkeit, mit der sich China aus der Bedeutungslosigkeit an die Weltspitze katapultiert hat…“ Nein, das überrascht niemanden, der sich ein wenig in der chinesischen Geschichte auskennt.

„Wenn es ein fortwirkendes kommunistisches Erbe gibt, dann ist es der weitsichtige und planmäßige Charakter der chinesischen Wissenschaftspolitik.“ Da ist wohl noch ein wenig mehr als nur ein „Erbe“. Natürlich darf man von deutschen Medien nicht erwarten, dass sie in China hinter die Kulissen schauen – dazu sind Journalisten hierzulande zu ungebildet und zu unwissend – und auch zu sehr desinteressiert. Das Publikum sollte aber wissen, dass die KP Chinas sowohl die seit der Kulturrevolution gestellte Frage unterdrückt, ob es im Sozialismus chinesischer Prägung noch Klassenkampf gebe und warum, als auch die Geschichte der Massenbewegungen in der Kulturrevolution in ihrem, das heißt ihre eigene Herrschaft legitimierenden Sinn uminterpretiert. Sie handelt ähnlich wie die polnische Regierung, die Geschichte des 2. Weltkriegs und der Shoa umschreibt, mit Denkverboten und sogar Klagen gegen Medien, die nicht der staatlichen Doktrin folgen.

Es sagt schon genug aus, wenn man weiß, dass jemand, der behauptet, in China gebe es noch eine herrschende Klasse und demnach auch Unterdrückte – was während der Kulturrevolution common sense war-, dort mit staatlichen „Maßnahmen“ bedroht wird.

Ceterum censeo: Ich finde aber die chinesische Politik, Religionen betreffend, sympatisch. Je weniger Religion, um so mehr Wissenschaft, um so mehr Fortschritt (das auch an unsere östlichen Nachbarn gerichtet.)

Jetzt zur deutschen Generallinie, den Kapitalismus betreffend, und wie sie von den Lautsprechern des Kapitals umgesetzt wird.

lautsprecher des Kapitals

In der Welt schreibt sich die „Chefvolkswirtin“ Dorothea Siems ihre Angst vor dem Verstaatlichen von der Seele (ceterum censeo: Marx hat vom „Vergesellschaften“ geredet, was nicht dasselbe ist). Ein Lehrbeispiel – obwohl als „Meinung“ fairerweise deklariert -, auf welchem – mit Verlaub – unterirdischen Niveau der Wirtschaftsjournalismus hierzulande herumkraucht. [Da es um Clickbaiting geht, hat die „Welt“ jetzt, da der Artikel offenbar häufig gelesen aka angeklickt wurde, einen inhaltlich ähnlichen Artikel von derselben Autorin einmal online gestellt: „Der Staat, das Supersozialamt“.]

Längst geht es nicht mehr um Hilfestellung in akuten Notsituationen, sondern um eine Neugestaltung der Volkswirtschaft, die dauerhaft auf den lenkenden und immer stärker umverteilenden Staat setzt.

Was ist gegen Staatskapitalismus einzuwenden, wenn China doch ein Erfolgsmodell sein soll? Argumente finden wir nicht, nur dumpfe Gefühle à la Wirtschaftspolitik der FDP und den Glauben an die angeblichen Selbstheilungskraft der „Märkte“. Die bürgerlichen Volkswirtschafts-Esoteriker verschweigen uns sogar Keynes, der des Marxismus und des Stamokapisierens und anderer böser Dinge nun wirklich nicht verdächtig ist. Schon klar, wie Frau Siems behauptet, dass das alles nicht finanzierbar ist und auf Pump geschehen muss – aber sollten wir dann nicht auch über die kapitalistischen Überproduktionskrisen, die sich als „Finanzkrise verkleiden, oder den tendenziellen Fall der Profitrate diskutieren? Nein? So etwas gibt es nicht für Volkswirte und Volkswirt_*:Innen? Dann eben nicht, aber dann nehme ich euch auch nicht ernst.

Etappensieg der Religioten

exorzist

Auf welcher Gesetzestafel steht: Die heiligen Gefühle der Theisten müssen respektiert werden, die heiligen Gefühle der A-Theisten aber nicht? (Ludwig Marcuse, dt. Philosoph, 1894-1971)

Die aktuelle Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts gegen das Berliner Neutralitätsgesetz ist selbstredend eine Katastrophe, obwohl der Gang zum Bundesverfassungsgericht noch aussteht. Interessant ist aber die Satz im Urteil: „… [Das] Berliner Neutralitätsgesetz ist in diesen Fällen daher verfassungskonform dahin auszulegen, dass das Verbot des Tragens eines sog. islamischen Kopftuchs nur im Fall einer konkreten Gefahr für den Schulfrieden oder die staatliche Neutralität gilt. Eine solche konkrete Gefahr für diese Schutzgüter hat das beklagte Land indes nicht dargetan.“

Das hätte man also tun können und sollen. Das Bundesarbeitsgericht weist auch darauf hin, dass die EU-Richtlinie 2000/78/EG vom November 2000 maßgebend ist und in nationales Recht umgesetzt wurde.

Dann gibt es im Urteil noch eine Ohrfeige für den Berliner Gesetzgeber: „Mit den Ausnahmeregelungen in den §§ 3 und 4 Berliner Neutralitätsgesetz stellt der Berliner Gesetzgeber sein dem § 2 Berliner Neutralitätsgesetz zugrundeliegendes Regelungskonzept selbst in Frage.“

Diejenigen, die das Neutralitätsgesetz formulierten, haben sich das jetzige Urteil also selbst zuzuschreiben – dort steht: „Die oberste Dienstbehörde kann (…) Ausnahmen zulassen, wenn dadurch die weltanschaulich-religiöse Neutralität der öffentlichen Schulen gegenüber Schülerinnen und Schülern nicht in Frage gestellt und der Schulfrieden nicht gefährdet oder gestört wird.“ Ohne die Ausnahmen des Gesetzes hätte das Urteil also auch anders ausfallen können. Dumm gelaufen oder: Einmal mit Profis arbeiten.

Man muss hoffen, dass genug Eltern diejenigen Schulen boykottieren, die Lehrerinnen unterrichten lassen, die meinen, man müsse die lieben Kleinen mit religiösen Symbolen belästigen. Ich möchte sehen, was unsere Appeasement-Politiker der „Linken“ sagen, wenn es in einer Schule in Neukölln Randale und Mobbing gibt, wenn ein Lehrer mit einer Kippa arabische Kinder unterrichten will.

„Deutschland muss es endlich schaffen, zu einer multireligiösen Gesellschaft zu werden – geprägt von gegenseitiger Toleranz.“. Mitnichten, Katrin Elger vom „Spiegel“! Deutschland muss es endlich schaffen, zu einer säkularen Gesellschaft zu werden, in der die Verehrung höherer Wesen genauso lächerlich ist wie heute der Glaube an Gespenster und Globuli.

Nachlese: Collegia Compitalicia et al

puppets
Source: Fear World (Facebook)

Wegen Zeitmangels nur kurz und knapp:

Und schon beim ersten Sonnenschein
hau ich mir selber eine rein,
denn wie sagt‘ einst ein weiser Mann:
„Man muss zuerst sich selber hassen,
bevor man andre hassen kann.
(Lisa Eckhart)

Ich habe gerade Eckharts Metrische Taktlosigkeiten: Eine Einführung ins politische Korrektum durchgelesen und mich köstlich amüsiert.

– „Alte“ ist politisch inkorrekt. „Senioren“ klingt zu deutsch. Jetzt heißt es PoA.

– Facebook „kriminalisiert“ die Antifa.

– Republik (Schweiz): „Wir haben die Wahl zwischen einem neofaschistischen Gangster und einem neoliberalen Desaster“. Der Autor: „Cornel West, Professor für Afroamerikanische Geschichte und Philosophie, Theologe, Aktivist, Christ und Sozialist, gilt als einer der führenden schwarzen Intellektuellen in den USA“.

Sorry, aber jemanden, der an höhere Wesen glaubt, kann ich als Intellektuellen nicht ernst nehmen. Interessant ist die Lektüre trotzdem – der Artikel zeigt, woran es bei den US-amerikanischen Demokraten scheitert: Bernie Sanders hätte sich „frontal mit der Wall Street“ angelegt. Finanzkapital, ick hör dir trapsen. Er nennt die Antisemitin Alexandria Ocasio-Cortez „fortschrittlich“. Ansonsten sagt er viele richtige Dinge, aber auf sozialdemokratischem Niveau.

– Auch im antiken Rom kannte man den öffentlichen Druck der peer group, Abschnittsbevollmächtigte und Kontaktbereichsbeamte, sie hießen nur anders:
„Der Kult der augusteischen Haushaltsgötter und des augusteischen genius wurde aber auch öffentlich vollzogen, speziell an den von alters her an den Straßenkreuzungen gelegenen sacella, die die Stadtlandschaften in Italien und den romanisierten Provinzen prägten; diesbezüglich und hinsichtlich ihres Aussehens ähnelten sie Heiligenkapellen im Mittelalter. Die Nachbarschaften der einzelnen Stadtquartiere wählten Mitglieder von Kultvereinen (collegia compitalicia) und deren Vorsitzende, die sich um das Schmücken und die regelmäßige Ausrichtung der Compitalfeiern (Straßenkreuzungsfeiern) zu kümmern hatten. In den Kultvereinen in Rom – immerhin 265 an der Zahl – waren häufig Sklaven und Freigelassene vertreten, zu deren Integration in die augusteische Gesellschaft der Genien- und Larenkult einen besonderen Beitrag leistete. Andererseits ging von diesen Nachbarschaftsorganisationen auch ein erheblicher Druck aus, nach Möglichkeit und in heiterer Stimmung an der Feier der neuen Verhältnisse mitzuwirken.“ (Armin Eich: Die römische Kaiserzeit: Die Legionen und das Imperium)

– Radio Fritz führt Gendersternchen ein. Gut zu wissen, welchen Sender man auf keinen Fall mehr einschalten sollte. Das Sternchen soll durch eine Pause beim Sprechen ausgedrückt werden und nicht – wie man befürchten musste – durch einen stimmlosen glottalen Plosiv wie im Xhosa und Zulu, obwohl diese Fremdsprachen viel „diverser“ und „vielfältiger“ wären als etwa Denglisch.
Der Zwang zum milieuspezifischen Jargon zeigt auch, wes Geistes Kind man dort politisch ist. Mit Journalismus hat das nichts mehr zu tun. Ich verachte diese Mischpoke.

Cinzia Sciuto in der taz: „Die politische Perspektive wird inzwischen häufig durch eine kulturalistische ersetzt. Für Menschenrechte und Selbstbestimmung ist das gefährlich.“ – “ Ganz oft, und oft ohne Absicht, rutschen die Multikulturalisten auf die Seite der Reaktionäre.“

Well said. Nicht oft, sondern immer!

– Vertreter einer bestimmten Fraktion der herrschenden Klasse der USA rufen dazu auf, Biden zu wählen. Finde den Fehler. Und zu Trump verkündet CNN: „Biden and Trump matchup tightens as enthusiasm hits new high“. Trump holt also auf.

– Das Wort zum Sonntag wieder von Lisa Eckhart:
Lasst uns gemeinsam beten: Vater unser, der du bist
obn im Himmel … Orsch und Zwirn,
lossts uns d’Mess schnö umabiagn. Kummts her, fressts Hostien, trinkts an Doppla,
im Namen des Heiligen Geistes – na hoppla!
Jetzt bin i scho wida, was tut mich das reun,
in an Ministranten gfoin!
Wie dem auch sei, tuats no a Spend in des Körberl do schmeißem
sunst trifft euch gewiss da Blitz Gottes beim Scheißen.
Und befolgt die Gebote, zumindest die leichten,
und wem sogar des z’bled, der kummt nochher zum Beichten.

Der N. hat Zigeunersoße gesagt und vieles mehr

Arpad

Ich bin dem verehrten Publikum noch eine mehrtägige Nachlese von Links und Leseempfehlungen schuldig.

– Der Zentralrat der Sinti und Roma erläutert, was „Zigeuner“ bedeutet:
„Zigeuner“ ist eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die von den meisten Angehörigen der Minderheit als diskriminierend abgelehnt wird – so haben sich die Sinti und Roma nämlich niemals selbst genannt. (…) Außerhalb des deutschen Sprachkreises wird „Roma“ – oder einfach „Rom“ (das bedeutet „Mensch“) – auch als Sammelname für die gesamte Minderheit verwendet. In Deutschland bilden Sinti seit jeher die größte Gruppe, daher wird hier die Bezeichnung „Sinti und Roma“ bevorzugt. (…) Die Bezeichnung „Zigeuner“ hingegen ist untrennbar verbunden mit rassistischen Zuschreibungen, die sich, über Jahrhunderte reproduziert, zu einem geschlossenen und aggressiven Feindbild verdichtet haben, das tief im kollektiven Bewusstsein verwurzelt ist. Ab dem 16. Jahrhundert setzte sich in Deutschland die (irrige) Auffassung durch, „Zigeuner“ sei abgeleitet von „Ziehgauner“. Auch in einem der ersten Lexikonartikel zum Stichwort „Zigeuner“, 1848 im Brockhaus erschienen, wird dieser Zusammenhang explizit hergestellt. Dort findet man die ganze Palette negativer Stereotypen über unsere Minderheit aufgelistet, bis hin zu der Behauptung, „Zigeuner“ würden Kinder stehlen. Noch in der 2. Auflage des Dudens sinn- und sachverwandter Wörter aus dem Jahr 1986 wird unter dem Stichwort „Zigeuner“ auf die Begriffe „Abschaum“ und „Vagabund“ verwiesen.

Das ist für mich überzeugend, einige Dinge waren mir nicht so klar. Sinti und Roma sind übrigens, wie hier mehrfach erwähnt, neben Friesen, Dänen und Sorben die vierte nationale Minderheit in Deutschland. Hausaufgabe: Bringe einem „Patrioten“, Nazi oder einem sonstwie braun gebrannten völkischen Kameraden bei, was eine „nationale Minderheit“ ist.

– Liebe Feuerwehr Mülheim an der Ruhr! Das Wort „verunfallen“ gibt es nicht im Deutschen und sollte mitnichten erfunden werden. „Verunfallen“ ist hässliches und bürokratisches Neusprech wie „Migrationshintergrund“, riecht nach Bürosesselfürzen und vertrockneten Zimmerpflanzen und wird nur von Leuten benutzt, die Angst vor starken Tuwörtern haben, weil sie nicht wissen, was das ist. Man muss es nicht erfinden. Das Substantiv „Vorfall“ zieht auch nicht „vervorfallen“ nach sich.
Schöne Verben findet ihr in diesem Gedicht, das vermutlich in jeder Brandwache aushängt:
Dampf wallt auf!
Flackernd steigt die Feuersäule,
Durch der Straße lange Zeile
Wächst es fort mit Windeseile;
Kochend, wie aus Ofens Rachen,
Glühn die Lüfte, Balken krachen,
Pfosten stürzen, Fenster klirren,
Kinder jammern, Mütter irren,
Tiere wimmern
Unter Trümmern;
Alles rennet, rettet, flüchtet.

– „Die jüngeren Spieler, die da nachkommen, sind schon nicht so gut. Sie würden vielleicht als Amateure gut aussehen. Oder nicht mal als Amateure. Viele von ihnen sind so schlecht.“ (Ronnie O’Sullivan, Weltmeister im Snooker).

Das Verdikt gilt auch für Journalismus und Postings in/auf sozialen Medien.

– Die „Faktenfinder“ von der ARD und die „Faktenchecker“ von RT duellieren sich um Putin und seine Covid-Impfung (via Fefe). Ganz großes Kino!

– Lesenswert auf Telepolis: „Die Rolle der IT-Industrien in der gegenwärtigen Offensive kapitalistischer Reorganisation“. – „In welcher Weise kann Digitalisierung zu neuen Ausbeutungsformen führen und wie können sich die Arbeitnehmer dagegen wehren? Die kapitalistische Innovationsoffensive zielt auf die Zerstörung alter Arbeitsformen ab“.

– Sehr hübsch: Ein Youtube-Video beweist: „Western media’s favorite ‚Hong Kong activist‘ is US regime-changer in yellowface“.

Das nennt man vermutlich erfolgreiche „kulturelle Aneignung“.

– Genderpolitisch höchst bedenklich: Mutierte Honigbiene ist männlich und weiblich zugleich.

– Neues Deutschland: Die „Linke“ fordert Sanktionen gegen Frankreich Weißrussland aka Belarus, u.a. weil die Regierung gewalttätig gegen Demonstranten war. Na so was.

– Ninve Ermagan hinter der Welt-Paywall: „Linke bleiben gerne unter sich. Man trifft sich auf den immer gleichen Podien, man verleiht sich gegenseitig Preise für den Mut, Dinge auszusprechen, mit denen alle einverstanden sind. Das verhindert aber eine offene Debattenkultur. Den vermeintlich feministischen Parteien Deutschlands, die gegen das Patriarchat kämpfen, kommt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Kopftuch nicht in den Sinn. Die bloße Diskussion darüber wird als Islamophobie gewertet.“

bild spiegel

– Dann haben wir noch ganz aktuell etwas aus der Rubrik „Das-hat-doch-nichts-mit-dem-Islam-zu-tun“. Polizei Berlin: „Mutmaßlich islamistischer Anschlag auf der Bundesautobahn“.

Das geht aber noch mutmaßlicher, etwa: Mutmaßlicher psychisch gestörter Einzeltäter mit mutmaßlichem religiösem Hintergrund und mutmaßlichem arabischen Migrationshintergrund begeht mutmaßlichen Unfall. Ich überlege anhand des Fotos, ob ich ihn schon einmal vor oder in der Rettungsstelle als „Kunde“ hatte – würde vom Profil her passen.

Let’s not talk about race

New York Times: „A Black Marxist Scholar Wanted to Talk About Race. It Ignited a Fury.“ – „He planned to argue that the left’s intense focus on the disproportionate impact of the coronavirus on Black people undermined multiracial organizing, which he sees as key to health and economic justice.“

Der Guardian hat auch was Schönes: „Multiculturalism has been hijacked by the global elite“.

Ich prophezeie, dass an deutschen Universitäten bald gar keine Diskussion zum Thema mehr möglich sein wird. Ich bin froh, dass ich die universitäre Laufbahn, die mir offen stand, nicht eingeschlagen habe, obwohl zum Beispiel Gendersternchen in altgermanistischen Texten jetzt noch nicht verlangt werden.

Wie farbig bin ich et al

La Paz demonstration
Demonstration in La Paz, Bolivien, Mai 1984, Symbolfoto für alles, insbesondere für neugierige Blicke.

Ich wage gar nicht, deutsche Medien zum Thema zu konsumieren, weil ich mich spät am Abend nicht mehr ärgern will. Der Guardian: „Israel signs historic ‚peace‘ deal with UAE that suspends annexation“. Die Jerusalem Post: „Israel, UAE reach historic peace deal: ‘We can make a wonderful future’“. Times of Israel: „Hailing ‘new era with Arab world,’ Netanyahu vows others will follow UAE’s lead“. Al Jazeera: „Israel, UAE announce normalisation of relations with US help“. Die so genannten Palästinenser bzw. deren korrupte Führungsclique lehnen sowieso alles ab, die kann und darf man ignorieren.

Jetzt könne man boshaft sagen: Mit den US-Demokraten wäre das nicht passiert. Für Biden mag das stimmen, aber bei Harris bin ich mir nicht sicher – sie unterstützt Israel, ganz im Gegenteil zu der unsäglichen Ocasio-Cortez, die immer Beifall von den üblichen Verdächtigen und anderen Hijabisten bekam.

Übrigens: Ich wundere mich – oder auch nicht -, dass deutsche Medien Kamala Harris unbedingt zu einer „Schwarzen“ machen wollen. Von der taz erwarte ich nichts anderes – sie streichelt das Gewissen der reichen „weißen“ deutsche Mittelschicht, mit den Negerinnen und Negern (Puls und Atmung noch normal?) weltweit solidarisch zu sein, solange die nicht im Massen in der Kita der Gören und im eigenen Wohnzimmer sitzen. Warum nicht wie im Judentum? Die Mutter entscheidet, also ist Kamala Harris „halbe“ Asiatin, mit dravidischen Wurzeln, aber keinesfalls eine Afro-Amerikanerin.

Sie sagt »Eskimos«, sie sagt »Japsen«, sie sagt »Neger«, aber nie im persönlichen Gespräch, nur auf der Bühne, in einer Art ironisch-distanzierenden Meta-Sprache, und erklärt es damit, dass sie ihre weißen Zuschauer zum Nachdenken auffordern wolle, ob es ihnen vielleicht nur um das eigene und nicht um das Unbehagen der Minderheiten gehe. (Die Süddeutsche über Lisa Eckart, Paywall)

Schwarz ist für Deutsche beautiful, weil die Farbigen in der Opfer-Olypiade permanment die Goldmedaille gewinnen, jedensfalls in Deutschland. Gegen den Robbenbaby_Effekt des maximalen Unterdrücktseins lässt sich nicht argumentieren, und je weiter weg das alles ist, um so solidarischer kann man sein. Zigeuner und Tamilen landen immer auf den hinteren Plätzen. (Nee, Leute, Sinti und Roma passt hier nicht.) Vermutlich würde auch Hengameh Yaghoobifarah am liebsten farbig sein, aber wenn man persische Wurzeln hat, ist man in deren Augen Arier, und das ist so weiß, weißer geht es nicht.

Übrigens hat Tom Wolfe alles schon geschildert – in seinem großartigem Roman Back to Blood.

Wir waren schon mal weiter als heute:
„Until the colour of a man’s skin
Is of no more significance than the colour of his eyes –
Me say war.“

Dauerempörte Identitäre und die List der Vernunft

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Identitäre Weltsicht, Symbolbild (nur wenige Eingeweihte werden erkennen, was und wo das ist.

– Ein Interview mit Susanne Schröter in der taz ist lesenswert: „Kritik am politischen Islam gerät schnell unter Rassismusverdacht. Ein Interview mit Susanne Schröter vom Forschungszentrum Globaler Islam.“ [Schon erstaunlich, dass es im 21. Jahrhundert immer noch Medien gibt, die keine Links setzen. Mein Mitgliedleid über fallende Auflagen hält sich in Grenzen.]
Schon das Wort Islamismus wird unter Verdacht gestellt. Man möchte den Islam nicht mit negativen Dingen in Bezug bringen, fokussiert stattdessen auf Islamfeindlichkeit oder die Diskriminierung von Muslimen. Man glaubt es kaum, wie viele Projekte zur Islamfeindlichkeit finanziert werden. (…)
Gerade im Bereich der postkolonialen Theorien hat sich eine identitäre Strömung durchgesetzt, die Positionen an äußere Merkmale wie Geschlecht, der Hautfarbe oder Alter koppelt und damit einen neuen Rassismus begründet. Das Feindbild vom „alten, weißen Mann“ ist so eine rassistische Konstruktion.

Das ist logisch und selbstverständlich, nur interessiert Logik diejenigen nicht, die Schröter damit meint. Die Universitäten sind wieder ein Hort der Reaktion wie vor 1968. Ironie der Geschichte: Die Reaktionäre fühlen irrig sich als „Linke“.

– „Eine Ursache der Dauerempörung ist die autoritäre Revolte der Rechten gegen die offene Gesellschaft und die identitäre – besser: antiuniversalistische – Wende eines Teils der Linken. Zudem: die globalen Krisen, die zur Wiederkehr einfacher Weltbilder geführt haben, die weitgehende Selbstabschaffung des Politischen vor der Allmacht „der Märkte“ und die daraus folgende Verschiebung des Politischen auf das Gebiet der Kultur.“ (Deniz Yücel hinter der Paywall der Welt: „Eine offene Gesellschaft muss Mehrdeutigkeiten aushalten“).

Meine Rede: „Multikulti“, heute „Vielfalt“ genannt, ist ein reaktionäres unpolitisches Konzenpt, das Einwanderer auf ein fiktives Konstrukt – deren vermeintliche „Kultur aka Folklore – reduziert. Das sagte und schrieb ich auch schon vor zwanzig Jahren. Man wird im Laufe der Jahre demütig, was die Wirkung der eigenen Worte angeht, auch wenn sie in Buchform gegossen wurden.

– By the way: Journalisten, die das Wort „umstritten“ benutzen, sollten vom Weltgeist sofort eine schallende Ohrfeige bekommen.

– Das letzte Wort hat Lisa Eckhart: „Aber man muss auch mal zugeben können, wenn man recht hat – und den Eindruck hatte ich.“ Ich auch ziemlich oft. (Jemand schrieb hier schon einmal etwas von Sendungsbewusstsein).

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