Theorien der Inflation (Teil II)

Inflation in Bolivien 1984. Alle Geldscheine zusammen sind ungefähr 100 US $ wert.
Dies ist der zweite Teil meiner Erörterung der Ursachen der Inflation in modernen kapitalistischen Volkswirtschaften. Grundlage ist ein unveröffentlichtes Papier von Guglielmo Carchedi und mir [Michael Roberts].
Die wichtigsten Aussagen sind:
Monopol- und Mark-up-Theorien: Eine verbreitete heterodoxe Erklärung führt Inflation auf die Marktmacht großer Unternehmen zurück. Angebotsengpässe können es ihnen ermöglichen, ihre Preisaufschläge zu erhöhen und Preissteigerungen durch die gesamte Wirtschaft weiterzugeben. Der Artikel hält dies für eine mögliche Erklärung einzelner Inflationsschübe, etwa nach der Pandemie, aber nicht für eine allgemeine Inflationstheorie. Monopole und Kartelle existierten schließlich auch in Perioden mit niedriger Inflation oder sogar Deflation.
Marx und die Produktionspreise: Marktpreise können von den Produktionspreisen abweichen. Diese Abweichung ist wegen der Konkurrenz jedoch begrenzt. Sinkt der auf der durchschnittlichen Profitrate beruhende Produktionspreis, sollten tendenziell auch die Marktpreise sinken. Monopolmacht kann diese Bewegung verändern, aber nicht dauerhaft außer Kraft setzen.
Klassenkonflikt: Nach einer zweiten heterodoxen Theorie entsteht eine Inflationsdynamik durch den Konflikt zwischen Arbeit und Kapital: Arbeiter reagieren auf steigende Preise mit Lohnforderungen, worauf Unternehmen wiederum ihre Preise erhöhen. Das erklärt jedoch nicht, warum die Preise ursprünglich zu steigen beginnen.
Profitabilität als entscheidender Faktor: Verschiedene marxistische Autoren – Mattick, Mandel, Harman und Choonara – versuchen, Profitrate, Geld, Wertproduktion und Inflation miteinander zu verbinden. Besonders Choonara sieht Inflation als Ergebnis des Zusammenspiels von Wertschöpfung, Geld- bzw. Kreditschöpfung, Kapitalakkumulation und Profitraten.
Anwar Shaikh: Seine Theorie verbindet Nachfrage und Profitabilität. Neue Kaufkraft entsteht durch Kredit- und Geldschöpfung. Ob diese zusätzliche Nachfrage inflationär wirkt, hängt von der Produktionskapazität ab. Hohe Profitabilität fördert Investitionen und Produktionswachstum; sinkende Profitabilität schwächt die Erweiterung des Angebots. Übersteigt die Nachfrage dadurch die Angebotskapazität, entsteht Inflation. Für die USA wird dies mit fallender Profitabilität und steigender Inflation 1964–1982 sowie steigender Profitabilität und sinkender Inflation 1982–2007 begründet.
Mavroudeas und Chatzirafailidis: Sie erklären Inflation stärker mit Marx’ Werttheorie. Durch Überakkumulation und steigende organische Zusammensetzung des Kapitals fällt schließlich die Profitabilität, Investitionen und Produktionswachstum werden gebremst. Die Nachfrage übersteigt das Angebot, sodass die Marktpreise über die Produktionspreise steigen. Der Warenwert bleibt dabei der „Anker“ der Preise.
Der Artikel sieht allerdings bei beiden Ansätzen eine Lücke. Shaikh berücksichtigt Geld und Profitabilität, erklärt aber nicht ausreichend, weshalb die Nachfrage bei sinkender Produktionskapazität nicht ebenfalls zurückgeht. Mavroudeas und Chatzirafailidis verankern die Preise dagegen konsequent in der marxistischen Werttheorie, berücksichtigen aber die eigenständige Rolle modernen Fiatgeldes nicht.
Kernaussage: Eine umfassende marxistische Inflationstheorie müsste deshalb drei Faktoren miteinander verbinden: Profitabilität des Kapitals, Entwicklung des Warenwerts und Geld- bzw. Kreditschöpfung. Weder Unternehmensmacht noch Lohnkämpfe oder Geldmengenwachstum allein reichten als allgemeine Erklärung der Inflation aus.
Theories of inflation part two – heterodox and Marxist
Es gibt verschiedene heterodoxe Auffassungen über die Ursachen der Inflation. Im Allgemeinen wenden sie sich gegen die im ersten Teil erörterte Konzentration der herrschenden Wirtschaftslehre auf Monetarismus, Überschussnachfrage und Inflationserwartungen. Die heterodoxen Ansätze lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Erstens gibt es jene, die den Schwerpunkt auf die sektorale Struktur der Wirtschaft legen, also darauf, wie Angebotsengpässe in bestimmten Wirtschaftssektoren zu Preissprüngen führen und sich diese dann über Input-Output-Verflechtungen und Veränderungen im Preissetzungsverhalten der Unternehmen auf die gesamte Wirtschaft ausbreiten. Zweitens gibt es Theorien, die davon ausgehen, dass Inflation durch Klassenkonflikte verursacht wird, also durch die Forderungen der Arbeiter nach höheren Löhnen und die Reaktion der Kapitalisten darauf.
Nach der sektoralen Auffassung werden teilweise die Preisaufschläge („Mark-ups“) der Unternehmen als Erklärung für Inflation herangezogen. Demnach wird Inflation durch Monopole und deren Fähigkeit verursacht, Marktpreise oberhalb der Preise bei „freier Konkurrenz“ durchzusetzen. Monopole können ihre Gewinnaufschläge und Verkaufspreise erhöhen, wenn die Kosten steigen, einschließlich der Arbeitskosten. Stephanie Kelton, die bekannte Vertreterin der Modern Monetary Theory, erklärt, dass Unternehmen mit ausreichender Marktmacht auch einseitig die Preise erhöhen könnten, um immer höhere Gewinne zu erzielen.
Marx würde dem widersprechen. Ja, der Marktpreis der verkauften Waren kann und wird vom Produktionspreis abweichen, also von jenem Preis, bei dem alle Kapitale Waren mit derselben durchschnittlichen Profitrate produzieren – einer Rate, die sich ständig verändert. Sinkt der auf der durchschnittlichen Profitrate der Wirtschaft beruhende Produktionspreis, dann sollten auch alle individuellen Preise, die sich um diesen Preis bewegen, sinken. Es gibt jedoch einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen einige Unternehmen ihre Preise weniger stark senken als der Durchschnitt oder sie sogar erhöhen können. Diese „monopolistische“ Fähigkeit hat jedoch stets Grenzen. Die Konkurrenz wird sich tendenziell durchsetzen, selbst bei Oligopolen. Deshalb kann der monopolistische Marktpreis nicht dauerhaft vom Produktionspreis abweichen.
Beim jüngsten Inflationsschub nach dem pandemiebedingten Einbruch hat die sektorale Theorie eine andere Form angenommen. Nach dieser Auffassung entsteht Inflation durch Angebotsengpässe in wichtigen Wirtschaftssektoren, die anschließend dadurch verstärkt werden, dass Unternehmen aufgrund ihrer Marktmacht ihre Preisaufschläge erhöhen. Lieferengpässe, die sich durch verschiedene Wirtschaftssektoren ausbreiten, setzen den Inflationsprozess in Gang. Anschließend können die Preisaufschläge der Unternehmen über den Durchschnitt steigen und so zusätzlichen Preisdruck erzeugen. Isabella Weber und Evan Wasner argumentieren, dass steigende Preise in bestimmten „systemisch bedeutsamen vorgelagerten Sektoren“ einen Impuls für weitere Preiserhöhungen geben. Um ihre Gewinnmargen gegenüber steigenden Kosten zu schützen, geben nachgelagerte Sektoren den Preisdruck weiter oder verstärken ihn – etwa bei vorübergehenden Monopolen infolge von Engpässen.
Für eine profitgetriebene, sektoral verursachte Inflation gibt es beim jüngsten Inflationsschub nach der Pandemie durchaus empirische Anhaltspunkte. Aber kann dies als allgemeine Erklärung der Inflation in kapitalistischen Volkswirtschaften gelten? Inflation hat in den großen Volkswirtschaften langfristig auch dann existiert, wenn Unternehmen ihre Preisaufschläge nicht erhöhten oder wenn es keine sprunghaften Anstiege der Rohstoffpreise gab. Natürlich dürften Preise auf oligopolistischen Märkten höher sein als auf stärker wettbewerblich geprägten Märkten. Eine höhere Inflation kann jedoch sowohl bei relativ wettbewerblichen als auch bei oligopolistischen Marktstrukturen auftreten.
Das sogenannte Gilded Age des späten 19. Jahrhunderts war durch den Aufstieg von Kartellen gekennzeichnet – und dennoch herrschte Preisdeflation. Die 1990er Jahre wiederum, die häufig als ein zweites Gilded Age mit zunehmender Marktkonzentration betrachtet werden, waren durch die sogenannte „Great Moderation“ der Preisinflation, also durch Disinflation, gekennzeichnet. Beim letzten großen Inflationsschub der 1970er Jahre gingen die Profite sogar zurück. Sylos-Labini schrieb damals: Der Rückgang des Profitanteils in mehreren kapitalistischen Ländern lasse sich vor allem auf den anhaltenden Anstieg der direkten Kosten für Arbeit, Rohstoffe und Energie zurückführen. (Auf die Diskussion über die so genannte Sellers’ Inflation, Profitaufschläge und sektoral verursachte Inflation werde ich im vierten Teil zurückkommen, wenn ich den Inflationsschub nach der Pandemie analysiere.)
Die zweite heterodoxe Erklärung lautet, Inflation sei das Ergebnis von Klassenkonflikten. Diese Theorie verwirft die keynesianische Auffassung, wonach Inflation auf einen Lohndruck zurückzuführen ist, der durch Überschussnachfrage und die Verhandlungsmacht der Arbeiter entsteht. Stattdessen geht diese Theorie – wie Marx – davon aus, dass die Löhne als Reaktion auf Preissteigerungen steigen.
Doch was verursacht den ursprünglichen Inflationsschub? Dieser soll auf Angebotsstörungen oder die Fähigkeit von Monopolen zu höheren Preisaufschlägen zurückgehen – womit wir wieder bei der ersten heterodoxen Theorie wären. Ob die Inflation anhält, hängt dann davon ab, ob die Arbeiter über genügend Macht verfügen, um darauf zu reagieren, was wiederum die Unternehmen zu weiteren Preiserhöhungen veranlassen kann. Die Inflation hängt somit vom Kräfteverhältnis zwischen Arbeitern und Kapitalisten ab. Diese Theorie erklärt jedoch nicht den ursprünglichen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus, außer durch den zufälligen Faktor einer Angebotsstörung oder eines „Schocks“. Damit greift sie letztlich wieder auf Preisaufschläge oder Angebotsengpässe als Auslöser zurück.
Es gibt auch ausdrücklich marxistische Inflationstheorien. Eine „marxistische“ Erklärung ist im Grunde lediglich die bereits beschriebene Theorie monopolistischer Preisaufschläge. Baran und Sweezy (1966) erklärten die Ursache der Inflation folgendermaßen: „Die keynesianische Theorie ging von freier Konkurrenz aus; unter oligopolistischen Bedingungen führt eine steigende Nachfrage zu Preissteigerunge(…) und schließlich – infolge der steigenden Lebenshaltungskosten – zu höheren Löhnen, statt zu einer Ausweitung der Produktion. Das Ergebnis ist eine allgemeine Inflation.“
Ähnlich argumentierte Kotz (1982), dass Monopole Marktpreise festsetzen können, die über den Produktionspreisen liegen. Doch Monopole existierten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sowohl während der Inflationsperiode von 1949 bis 1979 als auch während der Disinflationsperiode von 1980 bis 2021, in der ihre Marktmacht sogar zunahm. Eine allgemeine Inflation muss daher unabhängig von Monopolen erklärt werden. Wenn Monopole tatsächlich die Macht besitzen, ihre Marktpreise praktisch unbegrenzt zu erhöhen, warum tun sie dies dann nur unter ganz bestimmten Umständen? In der jüngeren Wirtschaftsgeschichte erhöhten sie ihre Preise nur zweimal besonders stark – Ende der 1970er Jahre und 2021 –, und zwar jeweils zu Zeiten niedriger Profitabilität.
Paul Mattick Sr. argumentierte, Inflation sei Ausdruck unzureichender Profite, die durch Preis- und Geldpolitik ausgeglichen werden müssten: „Steigen die Preise schneller als die Löhne, wird den Arbeitern im Zirkulationsprozess genommen, was ihnen im Produktionsprozess nicht entzogen werden konnte.“ (1977, Kapitel 3)
Das ist offensichtlich. Steigen die Preise schneller als die Löhne, findet eine Umverteilung zugunsten des Kapitals und zulasten der Löhne statt. Steigen die Preise dagegen langsamer als die Löhne, erfolgt eine Umverteilung zugunsten der Arbeit und zulasten der Profite. Doch beides erklärt nicht die Ursache des ursprünglichen Anstiegs des allgemeinen Preisniveaus.
Ernest Mandel (1987) versuchte eine marxistische Erklärung, die das Geld einbezieht: Wenn „der Papiergeldumlauf sich verdoppelt hat, ohne dass die insgesamt in der Wirtschaft verausgabte Arbeitszeit wesentlich gestiegen ist, dann wird sich tendenziell auch das Preisniveau verdoppeln“. Doch warum passt sich das umlaufende Geld nicht einfach der Veränderung des Werts der Waren an, gemessen an der gesamten Arbeitszeit? Mandel kommt den für die Inflation relevanten Faktoren nahe, analysiert jedoch nicht, wie diese Faktoren zusammenwirken.
Harman (1979) erkannte zutreffend, dass die Profitabilität des Kapitals eine wesentliche Ursache der Inflation ist. Harman vertrat jedoch eine subjektive Analyse: „In einem Boom sind die Kapitalisten zuversichtlich, dass sie ihre Waren auch dann verkaufen können, wenn sie die Preise erhöhen. […] Sobald die Rezession einsetzt, müssen die Kapitalisten reagiere […] [auf] schrumpfende Märkte [und] die Preise drastisch senken.“
Damit wird zwar die Reaktion der Kapitalisten auf einen Boom und die Preisinflation beschrieben, aber nicht erklärt, wodurch inflationäre beziehungsweise disinflationäre Perioden verursacht werden. So lässt sich damit beispielsweise die anhaltende Disinflation von den 1980er Jahren bis 2019 nicht erklären. Es fehlt sowohl eine Erklärung dafür, wie Veränderungen der Profitabilität wirken, als auch eine Berücksichtigung des Einflusses der Geldbehörden.
Choonara (2021) unterstreicht ebenfalls die Rolle der Profitabilität als zentrale Ursache steigender Preise: „Inflation hängt vom Zusammenspiel zwischen der Wertschöpfung durch die Verausgabung von Arbeitskraft, der Geldschöpfung – vor allem durch das Kreditsystem – und dem Verhältnis zwischen Kapitalakkumulation und Profitraten ab.“ Dies kommt unserer „Werttheorie der Inflation“, auf die ich in einem späteren Beitrag eingehen werde, am nächsten.
Die beiden umfassendsten marxistischen Erklärungen der Inflationsursachen stammen von Anwar Shaikh sowie – in jüngerer Zeit – von den griechischen marxistischen Ökonomen Stavros Mavroudeas und Athanasios Chatzirafailidis.
Shaikh bezeichnet seine Theorie ungern als marxistisch und bevorzugt den Begriff „klassisch“. Er argumentiert, dass „die moderne Inflation das Ergebnis des Gleichgewichts zwischen einem durch neue Kaufkraft erzeugten Nachfragesog und einer Angebotsreaktion ist, die von der Profitabilität und dem Grad der Wachstumsauslastung abhängt“.
Die Kombination dieser beiden Faktoren ergibt „eine allgemeine Theorie, in der die Inflation positiv auf neue Kaufkraft reagiert, weil der Teil davon, der nicht vom gegenwärtigen Angebot absorbiert wird, in Preissteigerungen mündet; negativ auf die Nettoprofitabilität, da diese das reale Produktionswachstum erhöht; und positiv auf die Wachstumsauslastungsrate, soweit diese das reale Produktionswachstum hemmt“.
Woher kommt diese „neue Kaufkraft“, die die Nachfrage darstellt? Sie entsteht durch neue inländische Kredite privater Banken und der Zentralbanken, also faktisch durch eine Zunahme des umlaufenden Geldes.
Die Fähigkeit des Angebots, mit dieser steigenden Nachfrage Schritt zu halten, hängt von der Profitabilität des Kapitals ab, die den „Anreiz“ für Investitionen bildet. Wächst der Kapitalstock, erhöht sich die Produktionskapazität, wodurch eine stärkere „Wachstumsauslastung“, also eine höhere reale Produktion, möglich wird. Sinkt der Kapitalstock, nimmt die Produktionskapazität ab.
Mit anderen Worten: Shaikh zufolge entsteht Inflation dadurch, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage die Angebotskapazität übersteigt. Steigt die Profitabilität des Kapitals, erhöhen die Kapitalisten das Angebot, und Inflation kann vermieden werden. Sinkt dagegen die Profitabilität, verringert sich die Angebotskapazität, und Inflation entsteht.
Inflation wird somit durch eine steigende Nachfrage – also neue Kaufkraft – und eine geringe Angebotskapazität nach oben getrieben, wobei Letztere durch sinkende Profitabilität verursacht wird. Die Inflation verlangsamt sich oder verschwindet, wenn die zusätzliche Kaufkraft durch ein steigendes Angebot befriedigt wird; dies geschieht tendenziell dann, wenn die Profitabilität steigt.
In der Periode, in der die Profitabilität in den USA sank (1964–1982), verlangsamte sich daher das Wachstum der Angebotskapazität und die Inflation beschleunigte sich. In der Periode von 1982 bis 2007, als die Profitabilität stieg, nahm die Angebotskapazität zu und die Inflation verlangsamte sich. Shaikh liefert empirische Belege für diese Theorie und widerlegt zugleich die keynesianische Phillips-Kurve. Ich habe seine Grafik 15.10 aus seinem Hauptwerk Capitalism, S. 711, reproduziert und neu berechnet. [Übersetzt von mir und ChatGPT]

Die Grafik zeigt eine hohe Korrelation (0,63) zwischen steigender Inflation und der Auslastung der Produktionskapazitäten (d. h. einem verlangsamten Angebotswachstum) und umgekehrt. Die Korrelation ist im inflationären Zeitraum (beschleunigte Inflation) von 1948 bis 1981 sehr hoch (0,83) und auch im disinflationären Zeitraum (verlangsamte Inflation) von 1982 bis 2010 noch relativ stark (0,59).
Stavros Mavroudeas und Athanasios Chatzirafailidis definieren Inflation als ein Phänomen, „bei dem die Gesamtsumme der Marktpreise über einen längeren Zeitraum in einer Volkswirtschaft die Gesamtsumme der Produktionspreise deutlich übersteigt“. Ein starkes und anhaltendes Inflationsphänomen – also der Anstieg der gesamten Marktpreise über die gesamten Produktionspreise – entstehe, wenn die Nachfrage der Kapitalisten nach zusätzlichen Produktionsmitteln über einen längeren Zeitraum die Investitionen deutlich übersteige.
Warum sollte die Nachfrage zeitweise die Investitionen übersteigen? Mavroudeas und Chatzirafailidis greifen auf Marx’ Reproduktionsschemata aus dem zweiten Band des Kapital zurück. Für sie ist Inflation die Folge einer systematischen Überakkumulation von Kapital und insbesondere einer unablässigen Nachfrage nach zusätzlichen Produktionsmitteln. Werden im Verhältnis zur Arbeit mehr Produktionsmittel eingesetzt, steigt die organische Zusammensetzung des Kapitals. Dies führe schließlich zu einem Rückgang der Profitabilität, wodurch sich die Investitionen verlangsamten und das Produktionswachstum abschwäche. Die Nachfrage übersteigee somit das Angebot, die Marktpreise stiegen über die Produktionspreise, und es komme zur Inflation.
Beide Theorien haben den Vorzug, die Profitabilität des Kapitals in den Mittelpunkt der Erklärung der Inflation zu stellen. Anders als Shaikh betonen Mavroudeas und Chatzirafailidis, dass die Angebotsseite marxistisch betrachtet vom Wachstum des Warenwerts abhängt: „Inflation sollte nicht einfach als ein Prozess verstanden werden, bei dem die Marktpreise der Waren auf unbestimmte Weise über irgendein willkürliches ‚normales‘ Preisniveau steigen. Vielmehr sollten die Werte der Waren als ihr ‚Anker‘ dienen.“
Meiner Ansicht nach liefert jedoch keine der beiden Theorien eine vollständige marxistische Inflationstheorie. Shaikh geht davon aus, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage durch das Wachstum des Kredits beziehungsweise der umlaufenden Geldmenge angetrieben wird, was meiner Ansicht nach richtig ist. Er erklärt jedoch nicht, warum sich diese Nachfrage beschleunigen oder verlangsamen sollte. Insbesondere erklärt er nicht, warum die Nachfrage bei einem Rückgang der Angebotskapazität nicht ebenfalls sinkt und dadurch Inflation vermieden wird. Schließlich geschieht genau dies in einer Wirtschaftskrise. Auch seine Betonung der Kapazitätsauslastung anstelle der Wachstumsrate des Werts auf der Angebotsseite der Inflationsgleichung deutet eher auf eine keynesianische Theorie der Überschussnachfrage als auf eine marxistische Werttheorie hin.
Mavroudeas und Chatzirafailidis hingegen betrachten den Wert der Waren eindeutig als Anker der Produktionspreise, um den herum die Marktpreise schwanken. Doch in ihrer Theorie spielt das Geld keine Rolle. Für sie ist Preisinflation in einer kapitalistischen Wirtschaft ein rein reales und kein monetäres Phänomen. Sie gehen von der Annahme aus, dass Geld eine Ware – Gold – ist, wodurch eine eigenständige Rolle des Geldes bei der Inflation ausgeschlossen wird.

Fiatgeld – Assignat über 500 Livres von 1794.- Auch die heutigen Staatsanleihen kann indirekt man als „Fiatgeld“ bezeichnen. Genauer: Eine Zentralbank kann Staatsanleihen mit neu geschaffenem Zentralbankgeld kaufen. Der Staat gibt Anleihen aus → die Zentralbank kauft Anleihen → die Zentralbank schafft dafür Zentralbankgeld. Dabei ist die Staatsanleihe selbst nicht das Fiatgeld. Das bei ihrem Ankauf von der Zentralbank geschaffene Geld ist Fiatgeld.
Dies ist für moderne Volkswirtschaften unrealistisch, in denen Zentralbanken und Regierungen Geld schaffen können – Fiatgeld –, das nicht an den Wert der Ware Gold gebunden ist. In modernen Volkswirtschaften kann das Wachstum der Geldmenge vom Wachstum des Warenwerts abweichen und dadurch die Marktpreise beeinflussen. Ohne die Rolle des Geldes lässt sich nicht erklären, warum die Nachfrage das Angebot übersteigen und Inflation verursachen sollte.
Im dritten Teil werde ich die von Carchedi und mir so bezeichnete Werttheorie der Inflation vorstellen. Sie berücksichtigt sowohl die Rolle der Profitabilität des Kapitals als auch Veränderungen des Warenwerts und die Rolle des Geldes. Die Verbindung dieser Faktoren ermöglicht eine umfassendere Theorie.
リボス“, glänzend
Ich habe vier Anstriche gebraucht, um den vorher abgeschliffenen Küchentisch so hinzubekommen, wie ich ihn gern hätte. Das Material ist kommunistisch chinesisch deutsch: Livos Tunna Klarlack Nr. 611 glänzend.
Das japanische 「リボス」 (Ribosu) [auf Amazon] ist lediglich die japanische Schreibweise von LIVOS in Katakana. Es handelt sich also nicht um einen japanischen Hersteller.
Ich frage mich, warum bei Amazon das Produkt zusätzlich mit Japanisch gelabelt wird?
Ein dritter Anstrich wird nicht empfohlen, da die Gesamttrockenfilmstärke von 50 µm nicht überschritten werden darf. Ein zusätzlicher Anstrich könnte diesen Grenzwert überschreiten und die Qualität des Lackfilms beeinträchtigen.
Wie messe ich jetzt, ob ich 50 µm überschritten habe oder nicht?
Die Firma und das Produkt kann man weiterempfehlen. „Der Lack ist speichel- und schweißecht (DIN 53 160), schmutzabweisend sowie begrenzt wasser- und chemikalienbeständig – ideal für stark beanspruchte Holzoberflächen im Innenbereich.“
Theorien der Inflation (Teil I)
Guglielmo Carchedi und ich arbeiten seit mehreren Jahren an einer Theorie der Inflation. Vor einiger Zeit haben wir eine ausführliche Abhandlung abgeschlossen, die von einer marxistischen Zeitschrift zur Veröffentlichung angenommen wurde. Da es jedoch ewig dauert, bis sie tatsächlich erscheint, habe ich mich entschlossen, eine gekürzte Fassung unserer Arbeit in meinem Blog vorzustellen.
Für den Blog habe ich [Michael Roberts] die Abhandlung in mehrere Teile gegliedert: 1) die herrschenden Inflationstheorien; 2) heterodoxe und andere marxistische Theorien; 3) unsere eigene Theorie, die wir als „Werttheorie der Inflation“ bezeichnen; und schließlich 4) eine Diskussion darüber, wie sich unsere Theorie auf den jüngsten starken Anstieg der Inflation anwenden lässt, der seit Fertigstellung der Abhandlung eingetreten ist.
Monetarismus: Inflation entsteht nach Friedman durch ein zu starkes Wachstum der Geldmenge. Die Daten zeigen jedoch nur einen schwachen Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisen. Marx argumentiert umgekehrt: Nicht die Geldmenge bestimmt die Warenpreise, sondern die Warenpreise und die für die Zirkulation benötigte Wertrepräsentation bestimmen die zirkulierende Geldmenge.
Keynesianische Theorien: Weder steigende Löhne und Kosten („cost-push“) noch eine angebliche Übernachfrage erklären Inflation überzeugend. Lohnerhöhungen können zulasten der Profite gehen, ohne dass Preise steigen müssen. Zudem zeigen empirische Untersuchungen kaum Belege für dauerhafte Lohn-Preis-Spiralen. Auch die Phillips-Kurve, die einen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation unterstellt, ist empirisch weitgehend flach. Marx hatte bereits 1865 argumentiert, dass Lohnforderungen meist eine „Abwehraktion der Arbeit gegen die vorhergehende Aktion des Kapitals“ darstellen.
Erwartungstheorie: Auch die Vorstellung, Inflationserwartungen von Haushalten und Unternehmen verursachten die Inflation, überzeugt nicht. Empirisch folgen die Erwartungen vielmehr der tatsächlichen Preisentwicklung. Sie erklären daher nicht, warum die Preise ursprünglich steigen.
Fazit: Monetarismus, keynesianische Kosten- und Nachfragetheorien sowie die Erwartungstheorie liefern keine überzeugende allgemeine Erklärung der Inflation. Als Alternative soll eine marxistische Werttheorie der Inflation entwickelt werden, die Preisbewegungen aus Veränderungen von Wert und Produktionspreisen erklärt.
Die Frage nach den Ursachen der Inflation stellt die bürgerliche Wirtschaftswissenschaft seit langem vor ein Problem. Walter Münchau formulierte es 2020 in der Financial Times so: „Die Zentralbanker verstehen nicht wirklich, wie Inflation funktioniert. Es gibt zahlreiche Theorien und Ansätze, theoretische wie statistische, aber keiner davon war bisher in der Lage, dauerhaft zu erklären, was in der realen Welt tatsächlich vor sich geht.“
Charles Goodhart von der London School of Economics äußerte sich 2021 noch schärfer: „Die Welt befindet sich gegenwärtig in einem wirklich ziemlich außergewöhnlichen Zustand, denn wir verfügen über keine allgemeine Theorie der Inflation.“
Warum ist das so? Weil die konventionellen oder herrschenden Inflationstheorien bisher keine tragfähige Erklärung dafür liefern konnten, warum sich die Preise von Waren und Dienstleistungen in modernen kapitalistischen Volkswirtschaften verändern.
Die herrschenden Auffassungen über Inflation lassen sich in drei Gruppen einteilen: 1) die monetaristische Theorie; 2) die keynesianischen Theorien der „Übernachfrage“ beziehungsweise der kostengetriebenen Inflation; und 3) die auf Inflationserwartungen beruhende Theorie der Zentralbanken.
Die monetaristische Inflationstheorie geht davon aus, dass Inflation ein rein monetäres Phänomen ist, das heißt, dass sie durch Veränderungen der Geldmenge im Verhältnis zu Veränderungen des Produktionsvolumens bestimmt wird. Der führende Monetarist Milton Friedman formulierte dies so: „Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen in dem Sinne, dass sie nur durch einen schnelleren Anstieg der Geldmenge als der Produktion hervorgerufen werden kann.“
Die monetaristische Auffassung beruht auf der mathematischen Identität MV = PY .
Dabei bezeichnet M die Geldmenge, V die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, also die Häufigkeit, mit der das Geld innerhalb der Volkswirtschaft umgesetzt wird, P das allgemeine Preisniveau und Y die reale Wirtschaftsleistung. MV entspricht dem in der Zirkulation befindlichen Geld, während PY die nominale Größe des Einkommens einer Volkswirtschaft ausdrückt.
Der Monetarismus behauptet, dass die linke Seite der Gleichung die rechte Seite bestimmt. Unter der Annahme einer konstanten Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (V) muss demnach ein schnellerer Anstieg von M gegenüber Y zu einer Erhöhung des Preisniveaus führen. Veränderungen von M verursachen somit Veränderungen von P.
Doch bei dieser Gleichung handelt es sich um eine Identität. Aus ihr allein lässt sich keine Richtung der Kausalität ableiten.
Marx vertrat hinsichtlich des Kausalzusammenhangs die entgegengesetzte Auffassung. Für Marx ist Geld nicht selbst Wert, sondern die selbständige Erscheinungsform beziehungsweise Repräsentation des Werts. Daher bestimmt nicht die Geldmenge die Warenpreise; vielmehr bestimmt die Summe der Warenpreise – bei gegebener Umlaufgeschwindigkeit – die für die Zirkulation erforderliche Geldmenge.
Marx formuliert diesen Zusammenhang sinngemäß so: „Ist die Umlaufgeschwindigkeit gegeben, dann wird die Masse der Zirkulationsmittel einfach durch die Preise der Waren bestimmt. Die Preise sind also nicht hoch oder niedrig, weil mehr oder weniger Geld umläuft, sondern es läuft mehr oder weniger Geld um, weil die Preise hoch oder niedrig sind.“
Veränderungen von P, also der Produktionspreise, bestimmen demnach Veränderungen von MV, also der in der Zirkulation befindlichen Geldmenge.
Die Preise wiederum verändern sich infolge der Schwankungen der Wertgrößen. Die Wertgröße der Waren wird durch die zu ihrer Produktion gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bestimmt. Steigt oder fällt der Wert der Waren – ist also mehr oder weniger gesellschaftlich notwendige Arbeit zu ihrer Produktion erforderlich –, so wird entsprechend mehr oder weniger Geld benötigt, um ihre Zirkulation zu vermitteln.
Das folgt daraus, dass Geld nicht selbst Wert schafft. Es ist Ausdruck und Repräsentation des Werts. Der Wert entspringt der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft beziehungsweise, genauer gesagt, abstrakt menschlicher Arbeit.
Die entscheidende Frage lautet daher: Wer hat recht – Friedman oder Marx?
Führen Veränderungen von MV zu Veränderungen von PY, oder verläuft der Kausalzusammenhang umgekehrt? Besteht überhaupt ein enger Zusammenhang zwischen Veränderungen der Geldmenge (M) und Veränderungen des Preisniveaus (P)?
Abbildung 1 zeigt die jährlichen prozentualen Veränderungen der US-amerikanischen Geldmenge M2 und der Inflation, gemessen am impliziten BIP-Deflator. Bis in die 1990-er Jahre scheint zwischen beiden Größen ein relativ enger Zusammenhang bestanden zu haben.
Danach jedoch änderte sich das Bild. Das Wachstum der US-Geldmenge beschleunigte sich im längerfristigen Trend, während sich gleichzeitig der Anstieg des Preisdeflators verlangsamte. Zeitweise bestand zwischen beiden Größen sogar eine negative Korrelation.
Über den gesamten Zeitraum seit 1960 betrachtet war die Korrelation zwischen dem Wachstum der Geldmenge und der Preisentwicklung mit 0,21 ausgesprochen gering.
Die empirischen Daten liefern damit jedenfalls keine überzeugende Bestätigung für die monetaristische Behauptung, wonach Veränderungen der Geldmenge die entscheidende Ursache von Veränderungen des allgemeinen Preisniveaus seien.

Abbildung 1. Quelle: FRED, Michael Robert’s Berechnungen
Ein entscheidender Grund für die geringe Korrelation zwischen Veränderungen der Geldmenge und Veränderungen der Preise liegt darin, dass Geldmenge und das tatsächlich in der Zirkulation befindliche Geld nicht dasselbe sind. Das Horten von Geld und die Verwendung von Geld zum Erwerb von Finanzanlagen können das Verhältnis zwischen Geldmenge und Preisen erheblich verändern. Wie Abbildung 1 zeigt, deutet die seit Mitte der 1990-er Jahre wachsende Kluft zwischen dem Wachstum der Geldmenge und dem BIP-Deflator tatsächlich darauf hin, dass Geld zunehmend von produktiven Anlagen in Finanzanlagen umgeleitet wurde.
Friedmans monetaristische Theorie ist daher nicht geeignet, die Inflation in den USA in der Nachkriegszeit zu erklären. In einem späteren Beitrag werde ich zeigen, dass es Veränderungen der Produktionspreise beziehungsweise des Werts der Waren sind, die Veränderungen des „zirkulierenden Geldes“ bewirken – also genau das Gegenteil dessen, was der Monetarismus behauptet.
Die zweite vorherrschende Theorie ist die keynesianische. Sie dominiert die gängigen Erklärungen der Inflation. Ein klassisches Beispiel für die Variante der „kostendruckinduzierten Inflation“ (cost-push inflation) lieferte vor kurzem Jason Furman, [er heißt nicht Fulman, sondern Furman] ehemaliger Wirtschaftsberater des Weißen Hauses:
„Wenn die Löhne steigen, führt das zu steigenden Preisen. Wenn Flugzeugtreibstoff oder Lebensmittelzutaten teurer werden, erhöhen Fluggesellschaften oder Restaurants ihre Preise. Ebenso erhöhen sie die Preise, wenn die Löhne von Flugbegleitern oder Servicekräften steigen. Das folgt aus den Grundlagen der Mikroökonomie und dem gesunden Menschenverstand.“ (Furman, 2022)
Die Ursachen der Inflation sind demnach offenbar steigende Rohstoffkosten und die Versuche der Arbeiter, höhere Löhne durchzusetzen. Dies zwinge die Unternehmen dazu, ihre Preise zu erhöhen, um ihre Profite aufrechtzuerhalten. Das ist die Theorie der kostendruckinduzierten Inflation.
Marx setzte sich bereits 1865 mit dieser Auffassung auseinander. In seiner Debatte mit dem Gewerkschafter John Weston, der behauptete, Lohnerhöhungen würden Preissteigerungen verursachen, erklärte Marx, der Kampf um höhere Löhne sei eine „Abwehraktion der Arbeit gegen die vorhergehende Aktion des Kapitals“.
Marx formuliert den Zusammenhang ausführlicher: „In allen Fällen, die ich einer Betrachtung unterzogen habe – und sie machen 99 vom Hundert aus –, habt ihr gesehn, dass ein Ringen um Lohnsteigerung nur als Nachspiel vorhergehender Veränderungen vor sich geht und das notwendige Ergebnis ist von vorhergehenden Veränderungen im Umfang der Produktion, der Produktivkraft der Arbeit, des Werts der Arbeit, des Werts des Geldes, der Dauer oder der Intensität der ausgepressten Arbeit, der Fluktuationen der Marktpreise, abhängend von den Fluktuationen von Nachfrage und Zufuhr und bereinstimmend mit den verschiednen Phasen des industriellen Zyklus – kurz, als Abwehraktion der Arbeit gegen die vorhergehende Aktion des Kapitals. Indem ihr das Ringen um eine Lohnsteigerung unabhängig von allen diesen Umständen nehmt, indem ihr nur auf die Lohnänderungen achtet und alle andern Veränderungen, aus denen sie hervorgehn, außer acht lasst, geht ihr von einer falschen Voraussetzung aus, um zu falschen Schlussfolgerungen zu kommen.“ (Karl Marx: Lohn, Preis und Profit, 1865, MEW Bd. 16, s. 103ff)
Darüber hinaus übersieht Furman, dass die Auswirkungen höherer Löhne oder höherer Materialkosten auf die Preise durch niedrigere Profite aufgefangen werden können. Bei einer gegebenen Wertgröße gilt: Steigen die Löhne, können die Profite fallen; fallen die Löhne, können die Profite steigen, während die Preise unverändert bleiben.
Marx formuliert diesen Zusammenhang in Lohn, Preis und Profit folgendermaßen: „Da Kapitalist und Arbeiter nur diesen begrenzten Wert zu teilen haben, d.h. den durch die Gesamtarbeit des Arbeiters gemessenen Wert, so wird, je mehr der eine erhält, desto weniger der andre erhalten und umgekehrt. Sobald eine Quantität gegeben ist, wird ein Teil davon zunehmen, wie umgekehrt der andre abnimmt. Ändert sich der Arbeitslohn, so wird sich der Profit in entgegengesetzter Richtung ändern. Fällt der Arbeitslohn, so wird der Profit steigen; und steigt der Arbeitslohn, so wird der Profit fallen.“
Furmans Argument setzt dagegen voraus, dass die Profitabilität „um jeden Preis“ aufrechterhalten werden müsse.
Eine Studie des Internationalen Währungsfonds aus dem Jahr 2022 untersuchte diese Frage anhand einer länderübergreifenden Datenbank früherer Inflationsperioden in entwickelten Volkswirtschaften, die bis in die 1960er Jahre zurückreicht. Sie kam zu folgendem Ergebnis:
„Lohn-Preis-Spiralen, zumindest wenn man sie als eine anhaltende Beschleunigung von Preisen und Löhnen definiert, sind in den jüngeren historischen Daten nur schwer zu finden. Von den 79 seit den 1960-er Jahren ermittelten Episoden mit sich beschleunigenden Preisen und Löhnen wies nur eine Minderheit nach acht Quartalen eine weitere Beschleunigung auf. Noch schwieriger ist es, eine anhaltende Beschleunigung von Löhnen und Preisen in Situationen zu finden, die der heutigen ähneln und in denen die Reallöhne deutlich gefallen sind.
In diesen Fällen tendierten die Nominallöhne dazu, gegenüber der Inflation aufzuholen, um die Reallohnverluste teilweise auszugleichen; anschließend stabilisierten sich die Wachstumsraten auf einem höheren Niveau als vor der ursprünglichen Beschleunigung. Das Lohnwachstum entsprach schließlich der beobachteten Inflation und der Anspannung auf dem Arbeitsmarkt. Dieser Mechanismus scheint nicht zu einer anhaltenden Beschleunigungsdynamik geführt zu haben, die als Lohn-Preis-Spirale bezeichnet werden könnte.“
In Inflationsperioden versuchen die Löhne also lediglich, den bereits gestiegenen Preisen zu folgen. Aber selbst dann führen Lohnerhöhungen nicht zu einer „Lohn-Preis-Spirale“. Das entspricht im Wesentlichen der Position, die Marx bereits 1865 vertrat.
Eine Variante der keynesianischen Auffassung ist die Theorie der nachfrageinduzierten Inflation (demand-pull inflation). Ihr zufolge entsteht Inflationsdruck durch eine positive „Produktionslücke“ (output gap), bei der das tatsächliche Bruttoinlandsprodukt das „Produktionspotenzial“ (potential GDP) übersteigt. Dieses Produktionspotenzial wird als die Wirtschaftsleistung bei vollständiger Auslastung der Produktionskapazitäten einschließlich Vollbeschäftigung definiert.
Inflation entsteht nach dieser Auffassung also durch eine „übermäßige Nachfrage“ innerhalb einer Volkswirtschaft, das heißt durch eine Nachfrage, die über die vorhandenen Angebots- und Produktionskapazitäten hinausgeht.
Diese „übermäßige Nachfrage“ könnte beispielsweise durch eine expansive staatliche Fiskalpolitik oder – bei Vollbeschäftigung – durch rasch steigende Löhne verursacht werden. Verstärkt werden könnte dies durch einen Rückgang des „Produktionspotenzials“, etwa infolge von Störungen der Lieferketten oder von Energiepreisschocks.
Welche empirischen Belege gibt es für diese Theorie der „übermäßigen Nachfrage“?
Keynesianer verweisen auf einen angeblichen Zielkonflikt (trade-off) zwischen Veränderungen der Löhne und der Preise beziehungsweise zwischen Veränderungen der Arbeitslosigkeit und der Preise. Im ersten Fall müsste eine positive Korrelation bestehen, im zweiten eine negative.
Grafisch dargestellt würde dieser Zusammenhang die Form einer Kurve annehmen. Dies wurde erstmals 1958 von A. W. Phillips mit der später nach ihm benannten sogenannten Phillips-Kurve formuliert.
Die empirischen Daten für die US-Wirtschaft der Nachkriegszeit zeigen jedoch, dass die Phillips-Beziehung keineswegs die Form einer ausgeprägten Kurve – und damit eines entsprechenden Zielkonflikts – aufweist. Vielmehr verläuft sie weitgehend flach.
Hier ist unsere eigene Berechnung für die USA.

Abbildung 2. Quelle: FRED, Michael Robert’s Berechnungen
Auch andere empirische Untersuchungen zeigen, dass die Phillips-Kurve weitgehend flach verläuft. Mit anderen Worten: Es besteht keine negative Korrelation zwischen Löhnen beziehungsweise Preisen und Arbeitslosigkeit.
Mary Daly, Präsidentin der Federal Reserve Bank of San Francisco, kam zu dem Schluss: „Der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation ist inzwischen nur noch sehr schwer auszumachen.“
Der Ökonom Claudio Borio von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) stimmt dem zu: „Die Reaktion der Inflation auf ein Maß für die Unterauslastung des Arbeitsmarktes hat tendenziell abgenommen und ist inzwischen statistisch nicht mehr von null zu unterscheiden.“
In jüngerer Zeit kam er zu dem Ergebnis: „Die Inflation hat sich als unerwartet wenig empfindlich gegenüber einer Unterauslastung der Wirtschaft erwiesen – die Phillips-Kurve verläuft sehr flach.“ (Borio 2021)
Auch der damalige Vorsitzende der US-Notenbank, Jerome „Jay“ Powell, räumte 2021 das Problem ein: „Es gab eine Zeit, in der ein enger Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation bestand. Diese Zeit ist lange vorbei.“
Zu diesem unbequemen Ergebnis waren bereits zuvor zwei prominente Vertreter der herrschenden Wirtschaftswissenschaft gelangt. Robert Solow (2018) bemerkte: „Die Steigung der Phillips-Kurve selbst ist seit den 1980er Jahren immer flacher geworden und inzwischen nur noch sehr gering.“
Robert Gordon (2018) kam zu einem ähnlichen Schluss: „Die kurzfristige Beziehung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit ist flacher geworden.“
Warum also halten Ökonomen und Zentralbanker weiterhin an einer Theorie fest, für die es kaum empirische Belege gibt?
Gavyn Davies, Keynesianer und ehemaliger Chefökonom von Goldman Sachs, erklärte 2017: „Ohne die Phillips-Kurve erscheint der gesamte komplizierte theoretische Apparat, auf dem die Politik der Zentralbanken beruht, plötzlich äußerst wackelig. Aus diesem Grund werden die politischen Entscheidungsträger die Phillips-Kurve nicht ohne Weiteres aufgeben.“
Doch eine Theorie wird nicht dadurch weniger wackelig, dass man die empirischen Befunde ignoriert, die gegen sie sprechen.
Die dritte vorherrschende Inflationstheorie ist noch schwächer. Sie wird vor allem von Zentralbanken und internationalen Institutionen vertreten. Es handelt sich um die Erwartungstheorie der Inflation.
Nach dieser Theorie wird Inflation durch die Erwartungen der Wirtschaftssubjekte verursacht. Steigen die Preise, dann steigen auch die Erwartungen der Verbraucher hinsichtlich künftiger Preissteigerungen, was wiederum zu einer Beschleunigung der Inflation führen soll.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) formuliert es folgendermaßen: „Es ist möglich, dass Veränderungen der gegenwärtigen und der erwarteten Inflation gleichermaßen durch veränderte Erwartungen über den zukünftigen Zustand der Wirtschaft verursacht werden. Wenn Unternehmen und Haushalte beispielsweise erwarten, dass sich die Wirtschaft in naher Zukunft in einer Rezession befinden und die Inflation niedriger als heute sein wird, werden sie bereits jetzt damit beginnen, ihre Konsum- und Investitionsausgaben zu reduzieren, wodurch bereits heute ein Abwärtsdruck auf die Inflation entsteht.“
Doch die Erwartung der Verbraucher beziehungsweise der privaten Haushalte, dass die Inflation steigen wird, liefert noch keine Theorie darüber, warum die Preise überhaupt zu steigen beginnen.
Der Ökonom Jeremy Rudd von der Federal Reserve weist darauf hin: „Wenig überraschend deuten die wenigen uns vorliegenden Belege darauf hin, dass Unternehmen Prognosen über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, einschließlich der Inflation, nur wenig Beachtung schenken.“
Wenn die Inflation über einen längeren Zeitraum zurückgeht, werden Haushalte und Unternehmen – wenig überraschend – ebenfalls erwarten, dass die Inflation weiter zurückgeht. Daher bestehe „eine auffällige langfristige Korrelation zwischen einer Schätzung des langfristigen stochastischen Trends der Inflation und den in Umfragen ermittelten langfristigen Inflationserwartungen““.
Die nachstehende Grafik verdeutlicht diesen Zusammenhang: Wenn sich die Inflation abschwächt, folgen auch die Erwartungen beziehungsweise Prognosen einer nachlassenden Inflation.
Die Erwartungen folgen also der tatsächlichen Inflationsrate – und nicht umgekehrt.

Abbildung 2. Quelle: FRED, Michael Robert’s Berechnungen
Rudd kommt zu folgendem Schluss: „Ökonomen und wirtschaftspolitische Entscheidungsträger sind der Auffassung, dass die Erwartungen von Haushalten und Unternehmen hinsichtlich der künftigen Inflation eine entscheidende Determinante der tatsächlichen Inflation darstellen. Eine Untersuchung der einschlägigen theoretischen und empirischen Literatur legt jedoch nahe, dass diese Auffassung auf äußerst unsicheren Grundlagen beruht. Es lässt sich sogar argumentieren, dass ein unkritisches Festhalten daran leicht zu schwerwiegenden wirtschaftspolitischen Fehlentscheidungen führen könnte.“
Die Zentralbanken sollten sich das zu Herzen nehmen.
Damit haben wir drei vorherrschende Inflationstheorien: den Monetarismus, die keynesianischen Theorien der kostendruckinduzierten Inflation und der „Übernachfrage“ sowie die Theorie der Inflationserwartungen. Keine dieser Theorien ist überzeugend oder wird durch die empirischen Befunde bestätigt.
Kein Wunder also, dass die herrschende Wirtschaftswissenschaft über „keine allgemeine Theorie der Inflation“ verfügt.
Im nächsten Teil werde ich mich mit heterodoxen und anderen marxistischen Theorien über die Ursachen der Inflation befassen.
Selbstkritische und bewusste KI

Version Gemini – das Wasserzeichen wurde nach einigem Gemeckere von ChatGPT entfernt.
Ich habe versucht, ein eingescanntes Dia mit Hilfe der KI zu verbessern. Das ist gar nicht so einfach.
Das Foto ist am 19.09.1979 vom Empire State Building in Richtung World Trade Center 1979 gemacht worden. Kannst du andere Gebäude identifizieren?
ChatGPT: Ja. Wenn die Aufnahme 1979 vom Empire State Building nach Süden in Richtung Lower Manhattan gemacht wurde, lassen sich anhand der Straßenachsen und der damaligen Skyline einige Gebäude recht gut bestimmen. Bei einzelnen Gebäuden würde ich wegen der Dunkelheit allerdings nur von einer wahrscheinlichen Identifikation sprechen.
Am auffälligsten sind:
►World Trade Center – Twin Towers : natürlich die beiden großen Türme ungefähr in der Bildmitte. Der Nordturm (1 WTC) trug seit 1978 die große Antenne. Das ist ein sehr guter Orientierungspunkt. In deinem Originalfoto sind tatsächlich beide Türme zu erkennen; bei den KI-Restaurierungen ist ihre Form leider teilweise verfälscht worden.
►Flatiron Building : ziemlich sicher im unteren Bereich des Fotos, etwas links der Bildmitte. Vom Empire State Building schaut man praktisch entlang Broadway auf das markante dreieckige Gebäude an der 23rd Street. Aus dieser hohen Perspektive fällt besonders der keilförmige Grundriss auf.
►Metropolitan Life Insurance Company Tower (Met Life Tower) am Madison Square: der historische Uhrenturm an der Madison Avenue/23rd Street müsste ebenfalls in diesem Bereich liegen. Nachts ist seine Silhouette im Original allerdings nur schwer vom Umfeld zu trennen.
►New York Life Building an Madison Avenue/26th Street: sehr nahe am Empire State Building und deshalb weit unten beziehungsweise teilweise außerhalb des Bildausschnitts. Charakteristisch wäre der pyramidenförmige vergoldete Dachaufbau.
►Woolworth Building : unmittelbar nördlich des World Trade Centers. 1979 war der neugotische Turm noch ein auffälliger Bestandteil der Lower-Manhattan-Silhouette. Auf deinem Foto dürfte er als deutlich niedrigerer Turm links bzw. leicht links vor den Twin Towers liegen.
►Municipal Building bei der Brooklyn Bridge: ebenfalls links/nordöstlich des World Trade Centers. Wegen der Entfernung ist eine eindeutige Trennung vom Woolworth Building auf dieser Aufnahme schwierig.
Interessant sind außerdem die hellen Straßenlinien. Die breite, geschwungene Verkehrsachse ganz links dürfte im Wesentlichen den Bereich Broadway/Fifth Avenue beziehungsweise deren südliche Fortsetzungen zeigen. Die ziemlich gerade, stark beleuchtete Achse, die auf Lower Manhattan zuläuft, hilft dabei, Madison Square und das Flatiron Building zu lokalisieren.
Ein wichtiger Punkt: Für die Gebäudeidentifikation sollten wir dein ursprüngliches Foto von 1979 verwenden und nicht die von KI restaurierten Fassungen. Die KI hat zusätzliche Gebäude und Fassadendetails erfunden und insbesondere die Gestalt der Twin Towers verändert.
ChatGPT, 2. Versuch: Ich habe bewusst das Originalfoto von 1979 verwendet und nicht die KI-restaurierte Version.
Legende:
►World Trade Center – Twin Towers – eindeutig. Der Nordturm trägt die Antenne.
►Woolworth Building – sehr wahrscheinlich; der neugotische Hochhausturm nördlich des WTC.
►Civic-Center-Bereich / Manhattan Municipal Building – wahrscheinliche Position; wegen Dunkelheit und Entfernung nicht völlig sicher.
►Flatiron Building / Madison Square – Position des markanten Dreiecksgebäudes im Verlauf des Broadway.
►Metropolitan Life Insurance Company Tower (Met Life Tower) – Bereich Madison Square/23rd Street.
Die Nummer 1 ist sicher. Bei 2–5 würde ich die Identifikation gern noch anhand einer Manhattan-Skyline bzw. eines Stadtplans von 1979 und der exakten Blickachse vom Empire State Building überprüfen.

Version ChatGPT, 1. Versuch – das Foto ist völlig unbrauchbar
Addendum zur APW
Aus Erich Pilz: Zur neuesten Debatte über die Asiatische Produktionsweise in der Volksrepublik China, 1982:
Marx hat nicht primär historisch gearbeitet, seine Methode muß man eine „historisch-logische Methode“ nennen. Wer daher Marx rein historisch interpretiert, muß ihn notgedrungen mißverstehen. In Entsprechung zu dieser Feststellung dürfen Kategorien, die an einer bestimmten Stelle eine rein historische Abfolge anzudeuten scheinen, auch in solchen Zusammenhängen nicht rein historisch verstanden werden. Als Beispiel wird der oft zitierte Satz aus dem Vorwort zur Kritik der politischen Ökonomie genommen:
Dieser Satz läßt für sich allein genommen die Interpretation der zeitlichen Abfolge dieser Produktionsweisen zu. Da wir aber wissen, daß für Marx die Ausgangsposition seiner Überlegungen nicht die reale Entwicklungsgeschichte der Gesellschaft war (er ließ diese allerdings keineswegs außer acht), sondern die politische Ökonomie, und daß in seiner Arbeit die Abstraktion dieser Kategorien als Gegenpole zur bürgerlichen Gesellschaft eine bedeutende Rolle spielte, muß diese methodische Grundposition auch bei der Interpretation dieses Satzes zum Tragen kommen. Man verfällt ja sonst in die fatale Gleichsetzung von Sklavensystem und Sklavengesellschaft: Das erstere existierte in Amerika bis 1850, bei manchen Stämmen in China bis 1949, das letztere ist eine logisch-abstrakte Kategorie, deren Konkretisierung in der Geschichte nachzuweisen äußerst umfangreiche und komplexe Forschungen voraussetzt.*
(…) Die […] aufgezählten Produktionsweisen sind also logische Abstraktionen, reine Wirtschaftsformen und deren logische Reihung, erarbeitet beim Studium der politischen Ökonomie. Wer so eine Produktionsweise mit einer Periode der Gesellschaftsentwicklung gleichsetzt, der wird den methodischen Voraussetzungen bei Marx (logische Methode versus historische Methode) absolut nicht gerecht.50 Damit bedeutet die APW bei Marx die im Prozeß der gesellschaftlichen Produktion als erste auftretende antagonistische Wirtschaftsform, deren Auftreten ein Zeichen für den Prozeß der Auflösung des urwüchsigen Gemeineigentums hin zum Privateigentum darstellt. Der Kapitalismus als letzte antagonistische Form schafft die materielle Voraussetzung für diesen Antagonismus. Die APW ist also ein aus der konkreten Geschichte abstrahiertes ökonomisches Universale (chouxiang chulai de jingji yiban).“ **
_________________________
* Qi Qingfu: „Yaxiya shengchan fangshi“ zhi de shi yuanshi shehui ma? – yu Zhi Chun / Xue Sheng tongzhi shangque (Handelt es sich bei der „Asiatischen Produktionsweise“ um die Urgesellschaft? – eine Diskussion mit Zhi Chun und Xue Sheng), in: Shijie lishi 1980.1:55–64
** Zhang Yaqin / Bai Jinfu: Yaxiya shengchan fangshi wenti de zhengjiedian zai nali? (Wo liegt die eigentliche Schwierigkeit des Problems der Asiatischen Produktionsweise?), in: Shijie lishi 1981.4:29–35.
Unter Fröschen, Treppen steigend

Das grüne Gehäuse neben dem Türschloss nennt man im Sicherheitsgewerbe „Frosch“.
Im Fachjargon (der schon von der KI und von mir geglättet wurde): Die Türklinke wird in der Verschlussstellung überwacht. Im Notfall kann die Tür mit nur einem Handgriff geöffnet werden. Durch das Herunterdrücken der Türklinke wird der EH-Türwächter nach unten verschoben. Die Tür kann dann geöffnet werden. Bei einer Notöffnung ertönt ein Dauersignal. Der Alarm kann nur von berechtigten Personen mithilfe des Geräteschlüssels deaktiviert werden. Berechtigte Personen können die Tür alarmfrei öffnen, indem sie das Türschloss bzw. die Schlossfalle mit dem Schlüssel betätigen, ohne dabei die Türklinke zu benutzen.
Jetzt noch dazu denken: 36 Monitore in der Sicherheitszentrale, 1600 Schlüssel, sieben Etagen, zehn Treppenhäuser, ein mehr als ein Jahrhundert altes Gebäude, das ununterbrochen umgebaut und erweitert wurde und wird und bei dem es passieren kann, dass man plötzlich vor einer Mauer steht, wo im Bauplan noch eine Tür ist.
Und rund 40 Kontrollpunkte (Deisterpunkte), die mit einem PdA gescannt werden müssen – heute ein Smartphone mit entsprechender Software (Beispiel).
Wenn man zügig geht und sich nicht verläuft und alles sofort findet, dauert das eine gute Stunde. Zwei Mal in zwölf Stunden. Wer nicht fit ist, braucht mehr, weil man mindestens fünf Mal vom Erdgeschoss ins zweite Obergeschoss oder gar ins Dachgeschoss steigen muss. Sicherheitsmitarbeiter dürfen im Dienst Aufzüge nicht benutzen, weil es suboptimal wäre, falls derjenige, der im Falle des Falles Leute aus einem steckengebliebenen Aufzug retten soll, selbst befreit werden müsste.
Man sollte auch nicht versehentlich einen Alarm auslösen bei den unzähligen scharf geschalteten Türen, die man jedes Mal „händisch“ unscharf schalten muss. Das bedeutet: Man steckt für eine Tür zwei Mal den richtigen Schlüssel in das richtige Loch und hat dann nur wenige Sekunden, um die schwere Tür zu öffnen und hineinzugehen. Manche Türen, die ein Jahrhundert auf dem Buckel haben, geben sich störrisch und tun nicht sofort das, was der Schlüssel ihnen befiehlt, sondern wollen, dass man sie zusätzlich schiebt und/oder stößt, weil sie vielleicht das moderne nachträglich montierte Alarmzeugs abschütteln wollen. Manche Türen müssen zusätzlich noch abgeschlossen werden, manche dürfen nicht, weil Fluchtweg.
Es könnte auch eine von mehreren Kältemaschinen im Keller ausfallen, Dampf austreten und einen Feueralarm ausläsen, so dass das gesamte Gebäude evakuiert werden muss.
Ich hatte gar nicht vor, das Sicherheitsgewerbe an einem sonnigen Sonntag zu beschreiben…
Miszellen zu Garamanten, Nabatäern, Makkabäern und Chandragupta Maurya

Die Welt um 100 vor unserer Zeitrechnung aka v. Chr.
Das Publikum ist an diesem Thema schuld. Es begann mit den Tuareg, und ich kam von von Höcksken auf Stöcksken, da ich große Wissenslücken meinerseits feststellte, je mehr ich suchte. (Jemand wies mich übrigens auf Fratzenbuch darauf hin, dass der Singular von Tuareg Targi sei.)
Die bis heute weit verbreitete arabische Volksetymologie: Tawariq (Einzahl: Tarqi), ‚das von Gott verlassene Volk‘, dient dazu, eine arabische Überlegenheit über die Tuareg auszudrücken. Grund dafür sind die liberalen religiösen Auffassungen der Tuareg, die von Vertretern einer strengen muslimischen Doktrin als verwerflich angesehen werden.
Der Name Tuareg hat sich seit der Kolonialzeit im deutschen, frankophonen und angloamerikanischen Sprachraum eingebürgert. Die Tuareg selbst bezeichnen sich nicht mit diesem Namen.
Die Tuareg sollen Nachkommen der altberberischen Garamanten sein. Wer weiß, was das ist? Bitte um Handzeichen! (By the way: Die Araber sind die Kolonisatoren Nordafrikas, die Berber die Indigenen.)
Und ist das so wichtig wie eine Mesh-Statue für Secondlife herstellen zu können? (Um einer zu erwartenden spöttischen Bemerkung des Fachpublikums zuvorzukommen: Die Antwort auf die Frage, warum „der“ das mache, lautet ähnlich wie die Antwort Julius Caesars auf die Frage, warum man eine Pontonbrücke über den Rhein baue und die dann wieder abreiße: „Weil wir es können.“)
Der weltgeschichtliche Horizont hilft (mir, sonst interessiert das eh niemanden) weiter (vgl. Karte oben). Vergesst alle Namen von Herrschern, Warlords und Daten von Schlachten. Muss man nicht wissen. Aber: Werft einen Blick auf die Produktionsverhältnisse. Der Homo sapiens hatte ab 10.000 vor Christus die Optionen:
► Agrargesellschaft mit Warlords, also eine Klassengesellschaft under construction. Das gilt für den gesamten fruchtbaren Halbmond und den Mittelmeerraum seit spätestens Göbekli Tepe.
► Reitervölker wie die hier schon lobend erwähnten Massageten und andere Nomaden.
► „Asiatische“ Produktionsweise, auch in Asien und Amerika: Wenn die Ökonomie es verlangt, entwickelt sich Herrschaft aus der Notwendigkeit, kollektives Wirtschaften zu organisieren, lehrbuchmäßig in der Hochkultur Ägyptens sowie in China, wo es darum ging, die Flüsse zu bändigen, um Landwirtschaft zu ermöglichen.

Petra, die bedeutendste Stadt der Nabatäer, im heutigen Jordanien
Eine sich entwickelnde Klassengesellschaft schafft sich durch die Kontrolle wichtiger Handelsrouten große Vorteile; das gilt für die Garamanten in Afrika, die den Transsaharahandel beherrschten als auch für die Nabatäer im Vorderen Orient. Um den Blickwinkel zu weiten: In einer vergleichbaren Situation waren die Chibchas im heutigen Kolumbien (Salz, Koka, Smaragde).
„In der neueren marxistischen Diskussion wird davon ausgegangen, dass sich Gesellschaften mit asiatischer Produktionsweise direkt aus der Urgesellschaft entwickelt haben. Sie sind universell verbreitet. Dagegen haben sich Sklavenhaltergesellschaften und feudale Gesellschaften nur in wenigen Regionen der Erde und unter ganz spezifischen Bedingungen entwickelt.“ (Wikipedia)
Letztere These ist nicht richtig (unter Vorbehalt): Es gibt keine Klassengesellschaft, die sich direkt aus tribalistisch organisierter Subsistenzwirtschaft entwickelte, die ohne Sklavenarbeit auskommt. Durch den zeitlichen Vorsprung Nordwesteuropas zur Entwicklung des Kapitalismus konnte dessen kolonialistische Form daher damit brüsten, in den „unterentwickelten“ Regionen der Welt die Sklaverei abgeschafft zu haben.
Wegen der Ökologie sind Nomaden in ganz Mittel- und Südamerika die große Ausnahme, vor allem auch auch, weil es weder Kamele noch Pferde gab. In Zentral- und Südasien war die Agrargesellschaft die vorherrschende Option (Reis statt Getreide), und die jeweilige herrschenden Klassen musste räuberische Reitervölker aus der „Nachbarschaft“ vor allem im Norden abwehren.
Die Seevölkern in der späten Bronzezeit verkörpern ökonomisch entweder Nomaden auf dem Wasser oder expandierende agrarische Subsistenzwirtschaften, die durch Raubzüge eine Art ursprüngliche Akkumulation forcieren (wie später die Spanier mit dem Silber Südamerikas).
► Agrargesellschaft als Republik mit Sklaven: Griechenland und das alte Rom scheinen mir eine historische Ausnahme zu sein. Mir ist kein vergleichbares Herrschaftsmodell aus Asien oder Afrika bekannt.

Karte der Nachfolgestaaten der Diadochen im Jahr 188 v. Chr. Bis 167 v. Chr., dem Beginn des Aufstands der Makkabäer, war das antigonidische Makedonienreich größtenteils von der Römischen Republik erobert worden. Das Königreich Pergamon, direkt an der Grenze zum Seleukidenreich gelegen, war ein enger Verbündeter Roms. Rhodos wurde 164 v. Chr. ein ständiger Verbündeter der Römer.
Was ich eigentlich sagen wollte: Die obige Karte macht es einem leichter, ein halbes Jahrtausend Weltgeschichte in wenigen Sätzen zusammenzufassen dergestalt, dass man sich das Wesentliche merken kann.
Antikes Griechenland. Alexander der Große marschiert mit seinem Heer über Baktrien fast fast Indien und gründet Nikaia, eine Stadt am linken Ufer des Hydaspes, des heutigen Jhelum im Punjab in Pakistan. Seine Nachfolger gründen das Seleukidenreich.
Das wird nach und nach vom Römischen Reich erobert und geschluckt. Jetzt sind wir schon in historisch bekannten Gefilden. Im Süden – von Ägypten aus – herrschen die Ptolemäer, ebenfalls Nachfolger des alexandrinischen Herrschaftsgebiets (vgl. Karte oben). Auch das Reich der Ptolemäer wird nach und nach vom Römischen Reich eingenommen.
Pointe: Genau dazwischen (geografisch) liegt das heutige Israel, das damals gar keinen säkularen Herrscher hatte.
Es ist umstritten, dass der Aufstand im so genannten Palästina primar gegen die Seleukiden ging. Viel wahrscheinlicher ist es, dass es sich um einen Klassenkampf handelte zwischen den herrschenden religiösen Funktionären und sozialen Aufsteigern. Letztlich darum, wer die Steuern und das Geld bekam.
Uns fehlen noch die Inder.
Zur Zeit des Alexanderreiches bereiste der Geschichtsschreiber und Geograph Megasthenes Indien. „Die Forschung geht in der Regel davon aus, dass Megasthenes im Auftrag des Seleukidenherrschers Seleukos I. Nikator unterwegs war. Wenn dies zutrifft, ist die Gesandtschaft nicht vor 305 v. Chr. zu datieren, denn in diesem Jahr kam es zu einem friedlichen Ausgleich zwischen Seleukos und Sandrokottos.“
Letzterer ist Chandragupta Maurya, der Herrscher über das Maurya-Reich, das zeitlich ungefähr parallel zur alten römischen Republik entstand.
Man kann sich fragen, warum das Maurya-Reich nicht eine ähnliche Entwicklung nahm wie Rom? „Bemerkenswert an Megasthenes Bericht ist die Aussage, dass alles Land dem König gehöre. So müssen die Bauern dem König einen Pachtzins für ihr Land sowie ein Viertel ihres Ertrags an die Staatskasse zahlen.“
Da haben wir die „Asiatische Produktionsweise“ ganz idealtypisch.
Fräulein Pilz
Restaurantempfehlung: Die Currywurstbude Fräulein Pilz auf dem Richardplatz in Rixdorf, auch bekannt als Berlin-Neukölln. Montag bis Sonntag 12:00-21:00 Uhr.
Die Hauptstadtpresse schreibt: „Die Wurst? Kommt aus Edingers Heimat, der Pfalz. Die Saucen? Hausgemacht und in der Experimentierküche der Bar entwickelt, es gibt etwa eine mit Ananas.“
Einer der besten, wenn nicht gar die beste Currywurst ohne Darm, die ich je gegessen habe. Und die Pommes schmecken besser als die, die ich selbst mache. Gerne wieder.
Hal, baue einen Tuareg, revisited, reloaded
Wie sagt man das? Ich war kurz vor dem Hochladen? Hört sich das nicht an wie bei der Prüfung zum Jagdschein oder gar wie etwas Sexuelles? Ja, ich war kurz vor dem Hochladen meiner ersten Mesh-Figur, da tauchten unerwartete Probleme auf, die ich beim nächsten Durchgang lösen muss.
Immerhin habe ich das Prinzip jetzt einigermaßen verstanden. Man benötigt Fotos des Objekts, das man bauen will, von vorn, von hinten, von den Seiten, möglichst detailreich, ab 1 MB aufwärts. Die lädt man hoch, hier nach Tripo AI. (Den Modus, mehrere Bilder hochzuladen, musste ich lange suchen – es sind maximal acht erlaubt, und ich bin schon zahlender Abonnent.)
Die AI erzeugt ein 3D-Modell, das man drehen, wenden und sonstwie verschieben kann. Das lädt man herunter (auch das hat unzählige Features). Bei mir empfahl ChatGPT den Download als fbx-Datei. Im Dateiordner sieht man dann eine Datei mit der Endung dae, in meinem Fall rund 400 MB. Die können sowohl Bforartists als auch Blender importieren.
Bforartists kann einige Dinge nicht so gut wie Blender; dafür ist das Userface von Blender höllisch kompliziert und unübersichtlich und umfasst gefühlt drei Fantastilliarden Features.
ChatGPT: Blender 3.0 ist für Second-Life-Meshes grundsätzlich geeignet. Viele SL-Creator haben jahrelang Blender 2.93 bis 3.6 verwendet. Aber ich glaube inzwischen, dass wir das eigentliche Problem identifiziert haben: Nicht Blender 3.0 ist das Problem, sondern das Tripo-Mesh.
Ich habe deine DAE analysiert: 306 MB, 1.980.228 Dreiecke
Das ist für Second Life weit außerhalb dessen, was der Uploader sinnvoll verarbeiten kann. Zudem meldet die Second-Life-Dokumentation, dass die Fehlermeldung „Error with dae – traditionally indicates a corrupt file“ auch dann erscheint, wenn die exportierte COLLADA-Datei für den Second-Life-COLLADA-Parser inkompatibel ist – sie muss nicht tatsächlich beschädigt sein.
Ich schlage vor, dass wir jetzt den schnellsten Weg wählen: Anstatt noch lange an diesem 2-Millionen-Polygon-Modell zu arbeiten, erzeugen wir in Tripo ein spieltaugliches Low-Poly-Modell.
Du hattest doch links in Tripo die Menüpunkte:
► Retopo
► SmartMesh
Meine Frage: Sind diese Menüpunkte bei deinem Modell anklickbar?
Wenn ja, machen wir Folgendes:
► Retopo ausführen.
►Ziel: 30.000–50.000 Polygone (oder die nächstliegende Voreinstellung).
►Danach erneut als FBX exportieren.
►FBX in Blender öffnen.
►Als DAE exportieren.
►Erneut in Second Life testen.
Das ist der Workflow, den Tripo genau für Spiele und Echtzeit-Engines vorgesehen hat.
Ich habe jetzt eine Pause vorgesehen. Drei 12-Stunden-Schichten liegen vor mir, und Montag bin ich bei einer Party, und Dienstag noch eine Schicht. Zwischendurch muss ich noch meinen Küchentisch zum dritten Mal streichen.
Wisst ihr Bescheid.
Wie in alten Zeiten

Hal, baue einen Tuareg, revisited
Ich bin schon mächtig stolz, dass ich mit Tripo AI so weit gekommen bin. Die 3D-Datei des „Tuaregs“ habe ich dann importiert, und nach einigem Hin und Her hat Bforartists sie auch erkannt (Screenshot).
Aber es sei eine Sackgasse, sagt ChatGPT. „Tripo hat aus deinem Character-Sheet sieben einzelne 3D-Rekonstruktionen erzeugt, statt sie zu einer einzigen Figur zusammenzusetzen. Deshalb hast du sieben verschiedene Meshes.“
Ich muss noch einmal back to zero und alles anders machen. Man braucht Geduld….
Das Korken-Prinzip
Boris Reitschuster: „Warum die Falschen regieren“ – über die Gruppendynamik in Parteien (die auch für Gewerkschaften und Journalistenverbände gilt):
„Was mich damals so traf, war nicht die Niederlage des Besseren an sich. Es war die Art und Weise. Es waren all die Intrigen, die auch abseits der lokalen Delegiertenversammlungen vorherrschten. Es waren die Machtstrukturen. Wer was werden wollte, musste sich hochdienen – wobei Plakat-Kleben und Frondienst am Wahlkampfstand noch die geringeren Übel waren. Entscheidend war absolute Loyalität nach oben. Nie ein falsches Wort sagen, immer schön einschmeicheln bei denen, die schon Macht hatten – und das auf lokaler Ebene, wo es nicht um Ministerämter und gut dotierte Abgeordnetensessel ging, sondern um ehrenamtliche Plätze im Stadtrat.
Ich dachte damals, das System habe versagt. Es brauchte Jahrzehnte, bevor ich verstand: Genau das war das System. Und es hatte nicht versagt, es funktioniert genau so. Präzise wie ein Uhrwerk. Und wenn man dieses System versteht, weiß man auch, warum die Klingbeils, Schulz, Baerbocks, Habecks, Wüsts und Günthers nach oben kommen: nicht die Fähigsten setzen sich durch, sondern die Angepassten. Die Netzwerker. Die Kuchen-Bringer.
Überzeugung, inhaltliche Kompetenz, der Mut, für diese einzustehen und Verantwortung zu übernehmen, werden in diesem System bestraft. Menschen mit echten Überzeugungen, die unbequem werden, wenn etwas gegen diese läuft, sortiert dieses System aus.“
Ich nenne diesen Mechanismus das Korken-Prinzip: Aus Mangel an Gewicht nach oben geschwemmt.
Unter Besorgten

Übersetzt von La Razón:
Die spanische Nationalpolizei ist zutiefst besorgt über die Lage in Ceuta seit vergangenem Donnerstag, als laut offiziellen Angaben des Innenministeriums 72.000 Migranten ohne gültige Papiere über den Grenzübergang El Tarajal einreisten. Obwohl die meisten nach Marokko zurückgeschickt wurden, halten sich noch immer 2.000 in den Bergen und Stadtvierteln der autonomen Stadt versteckt.
Experten für Terrorismusbekämpfung und Nachrichtendienst der Polizei gehen davon aus, dass diese 2.000 ein völlig anderes Profil aufweisen als die Mehrheit derer, denen die Einreise nach Spanien gelang. Während die Zurückgekehrten durch diverse Nachrichten in sozialen Medien und WhatsApp-Gruppen getäuscht wurden, seien die verbleibenden 2.000 „sehr gefährlich, sie gehören zu den Schlimmsten“, so verschiedene Quellen gegenüber dieser Zeitung.
Unter den Flüchtigen befinden sich Kriminelle aller Art, aber auch einige mit dschihadistischen Tendenzen, wie Beobachtungen von Experten der nationalen Sicherheit in den letzten Tagen mit Unterstützung der marokkanischen Behörden ergaben. Dies stellt derzeit die größte Bedrohung für die Polizei dar, da ihr Aufenthaltsort unbekannt ist und sie als äußerst gefährlich gelten, da sie allein einen Anschlag verüben könnten.
Das Hauptziel besteht momentan darin, sie zu finden, um sie nach Marokko zurückzuführen. Andernfalls besteht die Möglichkeit, dass sie mit einem der Boote, die die Straße von Gibraltar überqueren, das spanische Festland erreichen. Die Beamten suchen intensiv nach ihnen, um sie so schnell wie möglich zu lokalisieren. Das Hauptproblem ist, dass sie in einer Stadt wie Ceuta leicht unbemerkt bleiben können.
Innenminister Fernando Grande-Marlaska erklärte gestern, dass zu keinem Zeitpunkt die Gefahr bestanden habe, dass die 72.000 Migranten ohne Papiere, die nach Ceuta gekommen waren, das Mittelmeer überqueren und sich innerhalb der Europäischen Union bewegen könnten. Experten schließen diese Möglichkeit jedoch nicht aus.
Der Chef der Staatssicherheit reagierte damit auf die Besorgnis seiner EU-Kollegen angesichts der größten Migrationskrise zwischen Spanien und Marokko. Marlaska hielt am Dienstag eine Videokonferenz mit den anderen Ministern ab, um zu erklären, dass die Regierung die Lage im Griff habe und um erneut Marokkos Arbeit während des gesamten Rückführungsprozesses der Migranten zu loben.
Experten der Einwanderungsbehörde relativierten den positiven Ton des Ministers. „Diese Leute kommen nicht zurück“, erklärte ein hochrangiger Beamter. Sie gehen davon aus, dass sich unter denjenigen, die noch in Vierteln wie El Príncipe und in den Bergen rund um das temporäre Abschiebezentrum (CETI) in der Stadt warten, „stark radikalisierte“ Personen befinden.
Neben der Suche nach diesen Personen herrscht erhebliche Verärgerung bei den Verantwortlichen für den Bereich der Bürgersicherheit, zu denen die Polizeieinsatzkommandos (UIP) und die Präventions- und Reaktionseinheiten (UPR) gehören. Sie halten das Bild der Polizei und des Innenministeriums für „katastrophal“, da diese am vergangenen Donnerstag, als die Migranten ins Land einreisten, keine Einsatzkräfte zum Grenzübergang entsandt hatten.
„Selbst wenn man sie nicht aufhalten kann, weil es Zehntausende waren, sollte man wenigstens 15 Beamte der Grenzpolizei schicken, damit es so aussieht, als würde man etwas unternehmen. Das kann man nicht erklären“, so andere Quellen.
Das Innenministerium verstärkte die Polizeipräsenz in der Stadt nach den ersten Stunden der Krise. Laut offiziellen Angaben wurden Teams der Zentralen Bereitschaftspolizei (UIP) und der Bereitschaftspolizei Málaga eingesetzt, wodurch sich die Gesamtzahl der Beamten der Bereitschaftspolizei und der Einheit für öffentliche Ordnung (UPR) auf 225 erhöhte. Auch Teams der Guardia Civil und Taucher wurden entsandt, und die Luftstaffel wurde verstärkt.
Unter Insidern

Heute war ich in einem Zehlendorfer Krankenhaus zu einem Check. Und siehe, der Arzt in der Sprechstunde erkannte mich sofort – er hatte in der Notaufnahme des Urban-Krankenhauses gearbeitet, als ich dort Rausschmeißer Security war. Wir haben gleich ein beiderseitig grinsendes „Insider“-Gespräch über die damaligen Zustände geführt, und die anwesende Krankenschwester kriegte ganz große Augen…
Frontbericht

Credits: ISW
Ich darf das des Kriegsberichterstattens kundige Fachpublikum auf ein Interview mit Markus Reisner aufmerksam machen. („Historiker und Rechtswissenschaftler, Oberst des Generalstabs im Österreichischen Bundesheer und Leiter des Institutes für Offiziersgrundausbildung an der Theresianischen Militärakademie.“ Vermutlich ist er auch Geheimrat.)
Kurzfassung:
► Die Ukraine leidet unter einem akuten Mangel an Luftabwehr und Patriot-Raketen; Europa liefert zu wenig, die USA halten Bestände aus politischen und militärischen Gründen zurück.
► Trump setzt Selenskyj mit ausbleibenden Waffenlieferungen unter Druck, strebt aber zugleich einen Waffenstillstand vor den US-Zwischenwahlen an.
► Der kommende Winter dürfte für die Ukraine besonders kritisch werden, da Russland die Energieinfrastruktur weiter angreifen wird.
► Der Krieg bleibt ein Abnutzungskrieg: Beide Seiten stehen unter Druck, Russland könnte jedoch weitere Soldaten mobilisieren, während der Ukraine Personal fehlt.
► Die offiziell genannten ukrainischen und russischen Verlustzahlen werden als unrealistisch eingeschätzt; die tatsächlichen Opfer dürften deutlich höher liegen.
► Russland setzt Gleitbomben zunehmend gegen Städte und Frontstellungen ein; der Ukraine fehlen wirksame Gegenmittel.
► Die Ukraine greift erfolgreich russische Raffinerien und Logistikzentren an, der wirtschaftliche Schaden wird durch höhere Ölpreise jedoch teilweise ausgeglichen.
► Eine größere ukrainische Offensive, etwa bei Cherson, gilt derzeit als unwahrscheinlich.
► Russland hat mit Rassvet ein eigenes Satellitenkommunikationssystem aufgebaut und erhält im technologischen Wettlauf Unterstützung aus China.
Das Heilige Edikt oder: Gewährt Flüchtigen keinen Unterschlupf u.a.
Das Heilige Edikt (Sheng Yü)
Ausgehend von den sechs Leitsätzen, die sein Vorgänger im Jahr 1652 erlassen hatte, wurde dieses Edikt 1670 vom Kaiser Kangxi (* 4. Mai 1654 in Peking; † 20. Dezember 1722 im Alten Sommerpalast) herausgegeben. Es sollte jeweils am ersten und fünfzehnten Tag eines jeden Monats in jeder Ortschaft öffentlich verlesen und erläutert werden. Jeder der 16 Leitsätze besteht aus sieben Schriftzeichen. Kangxis Nachfolger Yongzheng veröffentlichte 1724 eine stark erweiterte Erläuterung. .
1. Erfüllt aufrichtig die Pflichten der kindlichen Pietät und der brüderlichen Verbundenheit, um den sozialen Beziehungen den ihnen gebührenden Wert zu geben.
2. Behandelt eure Verwandten mit Großzügigkeit, um Harmonie und gegenseitige Zuneigung zu fördern.
3. Pflegt Frieden und Eintracht in eurer Nachbarschaft, um Streitigkeiten und Rechtsprozesse zu verhindern.
4. Erkennt die Bedeutung von Landwirtschaft und Maulbeeranbau an, um eine ausreichende Versorgung mit Nahrung und Kleidung sicherzustellen.
5. Schätzt Sparsamkeit, um Geld und Güter zu bewahren.
6. Fördert Schulen und Unterricht, um die Bildung der Gelehrten zu verbessern.
7. Verwerft falsche Lehren, um die wahre Gelehrsamkeit zu ehren.
8. Erläutert die Gesetze, um die Unwissenden und Uneinsichtigen zu warnen.
9. Zeigt Anstand und Höflichkeit, damit Sitten und Gebräuche geordnet und gut bleiben.
10. Geht eurem rechtmäßigen Beruf mit Fleiß nach, um den Lebensunterhalt des Volkes zu sichern.
11. Unterweist eure Söhne und jüngeren Brüder, damit sie vor Fehlverhalten bewahrt werden.
12. Unterbindet falsche Anschuldigungen, um die Unschuldigen und Rechtschaffenen zu schützen.
13. Gewährt Flüchtigen keinen Unterschlupf, damit ihr nicht an ihrer Bestrafung mitschuldig werdet.
14. Entrichtet eure Steuern vollständig, damit behördliche Zwangsmaßnahmen entbehrlich werden.
15. Schließt euch in den Pao-Chia-Gemeinschaften zusammen, um Diebe und Räuber zu unterdrücken.
16. Legt Feindschaften bei, damit ihr euer Leben gebührend achtet.
Anmerkung: Pao-Chia bezeichnet ein System gegenseitiger Haftungs- und Selbstverwaltungsgemeinschaften von jeweils 100 (chia) beziehungsweise 1.000 (pao) Haushalten.
Zitiert nach East Asia: The Modern Transformation, vgl. 10.06.2026, übersetzt von Hal.
Humanitäres Minimum

Kleine Medienkompetenzübung.
0,9 Hähnchenschenkel

Wisst ihr Bescheid.
San Agustin, KI revisited
Gönnt mir mal einen oder zwei Tage Pause vom Weltgeschehen. Wir kümmern uns nicht um Ceuta, sondern murmeln: „Wir schaffen das“ vor uns hin.
Ich habe mir ein Foto vom 23.07.2016 verbessern lassen. Ich hatte es im November 1979 in San Agustín in den kolumbianischen Anden geschossen. Ich saß übrigens auf einem Pferd. Wir kamen von Norden aus dem Tal des Rio Magadalena.
Die Straße dürfte die Carretera 8 sein, die heute natürlich ganz anders aussieht.
Probleme mit der Klein-, Mittel- und Großbourgeoisie

Ich bin heute an meinem freien Tag zwischen zwei Mal vier Zwölf-Stunden-Schichten hin- und hergehetzt und musste mich aufregen. Ein Regal, das ich vor langer Zeit online bestellt hatte, war von DHL irgendwo abgelegt worden, ohne mich zu informieren, und wurde nach Hamburg zurückgeschickt, als ich es nicht abholte. Die Firma beauftragte dann eine Spedition.
Der Fahrer rief mich an, als ich gerade auf dem Niu saß, das Regal sei total kaputt, und er könne es so nicht ausliefern.
Was soll man dazu sagen… Vielleicht bekomme ich es noch in diesem Jahr?
Mein Küchentisch, den ich abgeschliffen und eingeölt hatte, sah suboptimal aus. Also fragte ich die KI.
Obi hatte überhaupt keinen glänzenden Klarlack, der für eine Arbeitsplatte in der Küche geeignet war. Der freundliche Berater riet mir zur Großbourgeoisie. Was soll man dazu sagen?
Leider kommt die Farbe erst Mitte der nächsten Woche. Küchentische werden eh überschätzt…

































