Addendum zur APW

asiatische

Aus Erich Pilz: Zur neuesten Debatte über die Asiatische Produktionsweise in der Volksrepublik China, 1982:

Marx hat nicht primär historisch gearbeitet, seine Methode muß man eine „historisch-logische Methode“ nennen. Wer daher Marx rein historisch interpretiert, muß ihn notgedrungen mißverstehen. In Entsprechung zu dieser Feststellung dürfen Kategorien, die an einer bestimmten Stelle eine rein historische Abfolge anzudeuten scheinen, auch in solchen Zusammenhängen nicht rein historisch verstanden werden. Als Beispiel wird der oft zitierte Satz aus dem Vorwort zur Kritik der politischen Ökonomie genommen:

In großen Umrissen können asiatische, antike, feudale und modern bürgerliche Produktionsweisen als progressive Epochen der ökonomischen Gesellschaftsformationen bezeichnet werden. (Karl Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie, S. 6f. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 2898f (vgl. MEW Bd. 13, S. 9f.)

Dieser Satz läßt für sich allein genommen die Interpretation der zeitlichen Abfolge dieser Produktionsweisen zu. Da wir aber wissen, daß für Marx die Ausgangsposition seiner Überlegungen nicht die reale Entwicklungsgeschichte der Gesellschaft war (er ließ diese allerdings keineswegs außer acht), sondern die politische Ökonomie, und daß in seiner Arbeit die Abstraktion dieser Kategorien als Gegenpole zur bürgerlichen Gesellschaft eine bedeutende Rolle spielte, muß diese methodische Grundposition auch bei der Interpretation dieses Satzes zum Tragen kommen. Man verfällt ja sonst in die fatale Gleichsetzung von Sklavensystem und Sklavengesellschaft: Das erstere existierte in Amerika bis 1850, bei manchen Stämmen in China bis 1949, das letztere ist eine logisch-abstrakte Kategorie, deren Konkretisierung in der Geschichte nachzuweisen äußerst umfangreiche und komplexe Forschungen voraussetzt.*

(…) Die […] aufgezählten Produktionsweisen sind also logische Abstraktionen, reine Wirtschaftsformen und deren logische Reihung, erarbeitet beim Studium der politischen Ökonomie. Wer so eine Produktionsweise mit einer Periode der Gesellschaftsentwicklung gleichsetzt, der wird den methodischen Voraussetzungen bei Marx (logische Methode versus historische Methode) absolut nicht gerecht.50 Damit bedeutet die APW bei Marx die im Prozeß der gesellschaftlichen Produktion als erste auftretende antagonistische Wirtschaftsform, deren Auftreten ein Zeichen für den Prozeß der Auflösung des urwüchsigen Gemeineigentums hin zum Privateigentum darstellt. Der Kapitalismus als letzte antagonistische Form schafft die materielle Voraussetzung für diesen Antagonismus. Die APW ist also ein aus der konkreten Geschichte abstrahiertes ökonomisches Universale (chouxiang chulai de jingji yiban).“ **

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* Qi Qingfu: „Yaxiya shengchan fangshi“ zhi de shi yuanshi shehui ma? – yu Zhi Chun / Xue Sheng tongzhi shangque (Handelt es sich bei der „Asiatischen Produktionsweise“ um die Urgesellschaft? – eine Diskussion mit Zhi Chun und Xue Sheng), in: Shijie lishi 1980.1:55–64
** Zhang Yaqin / Bai Jinfu: Yaxiya shengchan fangshi wenti de zhengjiedian zai nali? (Wo liegt die eigentliche Schwierigkeit des Problems der Asiatischen Produktionsweise?), in: Shijie lishi 1981.4:29–35.

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Kommentare

2 Kommentare zu “Addendum zur APW”

  1. Godwin am August 9th, 2026 2:04 p.m.

    ah ja – da wird also erklärt, wie man den Kaffeesatz, die Karten und die Kristallkugel richtig liest…

    gucken wir auf Schland:
    „Als Deutschland im Juli 2014 in Rio de Janeiro die Weltmeisterschaftstrophäe hob, feierte Newsweek dies als Beginn eines „Jahrhunderts deutschen Erfolgs“.“

    „Das fühlt sich typisch für das heutige Deutschland an. Entdecken Sie ein Problem – eine schwache Nationalmannschaft, eine Stadt, die von Alpenabfluss ausgesetzt ist – analysieren Sie es, lösen Sie es. Das Muster reicht vom Familienleben über das Geschäft bis hin zur Geopolitik.“

    den ganzen Artikel findet man als Kopie hier:
    https://www.irishexaminer.com/lifestyle/arid-20276729.html

    heute hei0t es
    „haben die zwölf Jahre seitdem einen Großteil des Erfolgs, der diesen Annahmen zugrunde lag, untergraben.“

    https://www.newsweek.com/decline-germany-12139690

  2. Karl-Peter Schwarz am August 10th, 2026 6:31 a.m.

    Seit der Überwindung der Subsistenzwirtschaft ist es auch in den Shitholes der Dritten Welt möglich, ohne Arbeit zu überleben und sich zu vermehren. Dummheit und vor allem Faulheit führen nicht mehr unmittelbar zum Tod. Energie ist zu billig und verfügbar. Die Überschüsse einer nur ansatzweise marktwirtschaftlich geprägten Marktwirtschaft reichen aus.
    Merken wir uns: der Sozialismus ist in der Welt. Nicht erst seit Marx. Er wird nie wieder gehen. Entweder man liquidiert jeden Träger dieser Idee oder man lernt mit ihr zu leben – ob Nachbar oder Nachbarland.
    Überbordende Energieversorgung ermöglicht es, Staaten wie China erst entstehen zu lassen. Nur mit Reis wäre es unmöglich.

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