Unter Fröschen, Treppen steigend

Das grüne Gehäuse neben dem Türschloss nennt man im Sicherheitsgewerbe „Frosch“.
Im Fachjargon (der schon von der KI und von mir geglättet wurde): Die Türklinke wird in der Verschlussstellung überwacht. Im Notfall kann die Tür mit nur einem Handgriff geöffnet werden. Durch das Herunterdrücken der Türklinke wird der EH-Türwächter nach unten verschoben. Die Tür kann dann geöffnet werden. Bei einer Notöffnung ertönt ein Dauersignal. Der Alarm kann nur von berechtigten Personen mithilfe des Geräteschlüssels deaktiviert werden. Berechtigte Personen können die Tür alarmfrei öffnen, indem sie das Türschloss bzw. die Schlossfalle mit dem Schlüssel betätigen, ohne dabei die Türklinke zu benutzen.
Jetzt noch dazu denken: 36 Monitore in der Sicherheitszentrale, 1600 Schlüssel, sieben Etagen, zehn Treppenhäuser, ein mehr als ein Jahrhundert altes Gebäude, das ununterbrochen umgebaut und erweitert wurde und wird und bei dem es passieren kann, dass man plötzlich vor einer Mauer steht, wo im Bauplan noch eine Tür ist.
Und rund 40 Kontrollpunkte (Deisterpunkte), die mit einem PdA gescannt werden müssen – heute ein Smartphone mit entsprechender Software (Beispiel).
Wenn man zügig geht und sich nicht verläuft und alles sofort findet, dauert das eine gute Stunde. Zwei Mal in zwölf Stunden. Wer nicht fit ist, braucht mehr, weil man mindestens fünf Mal vom Erdgeschoss ins zweite Obergeschoss oder gar ins Dachgeschoss steigen muss. Sicherheitsmitarbeiter dürfen im Dienst Aufzüge nicht benutzen, weil es suboptimal wäre, falls derjenige, der im Falle des Falles Leute aus einem steckengebliebenen Aufzug retten soll, selbst befreit werden müsste.
Man sollte auch nicht versehentlich einen Alarm auslösen bei den unzähligen scharf geschalteten Türen, die man jedes Mal „händisch“ unscharf schalten muss. Das bedeutet: Man steckt für eine Tür zwei Mal den richtigen Schlüssel in das richtige Loch und hat dann nur wenige Sekunden, um die schwere Tür zu öffnen und hineinzugehen. Manche Türen, die ein Jahrhundert auf dem Buckel haben, geben sich störrisch und tun nicht sofort das, was der Schlüssel ihnen befiehlt, sondern wollen, dass man sie zusätzlich schiebt und/oder stößt, weil sie vielleicht das moderne nachträglich montierte Alarmzeugs abschütteln wollen. Manche Türen müssen zusätzlich noch abgeschlossen werden, manche dürfen nicht, weil Fluchtweg.
Es könnte auch eine von mehreren Kältemaschinen im Keller ausfallen, Dampf austreten und einen Feueralarm ausläsen, so dass das gesamte Gebäude evakuiert werden muss.
Ich hatte gar nicht vor, das Sicherheitsgewerbe an einem sonnigen Sonntag zu beschreiben…
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2 Kommentare zu “Unter Fröschen, Treppen steigend”
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Du hattest die Berechtigung den Alarm abzustellen?
Ja. Aber nicht den Feueralarm.