Geografie und Heimatkunde

Das 130er-Denkmal am Kellerkopf, im Volksmund oft einfach Kellerkopf-Denkmal genannt, ist in Holzwickede im Ortsteil Hengsen.
„Es ist kein Zufall, daß die moderne Geographie von Anbeginn an eine deutsche Wissenschaft war. Sıe entstand zu einer Zeit, als man Deutschland noch kaum als »geographische Einheit« und noch viel weniger als politische Größe bezeichnen konnte. Ihre herausragende Stellung geht auf das 18. Jahrhundert zurück, als sich eine »politisch-statistische Schule« in den Dienst der deutschen Territorialstaaten stellte; der Ursprung der modernen Geographie ist daher im Ethos des »wohlgeordneten Polizeistaats« zu suchen. (…)
Der entscheidende Aspekt war der aus der Tradition der Romantik abgeleitete Anspruch einer besonderen Beziehung zur Landschaft als typische Merkmal des deutschen Nationalcharakters: der Wesenszug des Landschaftsgefühls beziehungsweise der Landschaftsverbundenheit. (…)
Unter dem Dach dieser Vorstellung hat sich eine ganze Reihe von Phänomenen und Institutionen zusammengefunden: die Jugendbewegung der Wandervögel, die nationale Einrichtung des Wanderwegs, Traditionen der Landschaftspflege, ökologische Utopien, die vielen um den Begriff Heimat kreisenden Konzepte, wıe zum Beispiel das Schulfach Heimatkunde.“ (Vejas Gabriel Liulevicius: Kriegsland im Osten: Eroberung, Kolonialisierung und Militärherrschaft im Ersten Weltkrieg. 2002)
Rossum’s Universal Robots

Bühnenbild von Bedřich Feuerstein für das Drama „R.U.R.“ (1921), Credits: Wikipedia
Vor hundert Jahren erfand Karl Čapek das Wort Roboter. Sein Bühnenstück R.U.R. wurde bis 1923 39 Sprachen übersetzt „und hat das internationale Denken über die menschenähnlichen Maschinen geprägt. Beim ersten britischen Roboter Eric, der 1928 konstruiert und 2017 als Museumsexemplar neugebaut wurde, standen sogar die Buchstaben RUR auf der Brust.“
Koinzidenz und die Lage der Opposition
Ich schrob schrieb im Zuge eines Bonsai-Shitstorms gegen mich auf Fratzenbuch: Ich habe nur die Klassenbasis der damaligen Politsekten (marginalisierte Intellektuelle aus dem kleinbürgerlichen Milieu) mit der der Gender-Freund:_*Innen (marginalisierte Intellektuelle aus dem kleinbürgerlichen Milieu) verglichen. Da gibt es eine auffällige Koinzidenz.
Médanos de Coro, revisited
Dünenlandschaft im Parque Nacional Los Médanos de Coro. Wikipedia: „Der Nationalpark umfasst 91.280 Hektar Wüste, Küste und Salzwiese. Die großen Dünen (‚Médanos‘) erstrecken sich über eine Länge von 5 bis 30 Kilometer und können bis zu 40 Meter hoch werden. Durch starke Winde ändern sie ständig ihre Form. Wegen der sehr seltenen Niederschläge besteht die Flora aus stacheligen Sträuchern. Die Fauna ist ebenso spärlich und besteht hauptsächlich aus Echsen, Hasen, Ameisenbären, Füchsen, Tauben und Falken.“
Ich hatte mir einen Lokalbus genommen und bin ganz allein durch die glühend heisse Einöde gestapft. Ein Moment der Erleuchtung. (Das schrieb ich schon hier am 13.08.2016.) Fotografiert im Januar 1998.
Die schreckliche deutsche Sprache
Liebe Studenten, bitte übersetzt diesen wunderschönen Satz ins Deutsche:
Auf die Verfassungsbeschwerde des DITIB Landesverbandes Hessen e. V. hat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts mit einem heute veröffentlichten Beschluss Entscheidungen der Verwaltungsgerichte in einem gegen die Aussetzung des bekenntnisgebundenen islamischen Religionsunterrichts an Schulen des Landes Hessen gerichteten Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes wegen Verletzung des Anspruchs auf Gewährung effektiven Rechtsschutzes nach Art. 19 Abs. 4 GG aufgehoben und die Sache zur erneuten Entscheidung zurückverwiesen.
Das Bundesverfassungsgericht hat offenbar Mark Twain gelesen:
„Wer nie Deutsch gelernt hat, macht sich keinen Begriff, wie verwirrend diese Sprache ist. (…) Es gibt zehn Redeteile oder Wortklassen, und alle zehn machen Ärger. Ein durchschnittlicher Satz in einer deutschen Zeitung ist eine unübertrefflich eindrucksvolle Kuriosität; er nimmt ein Viertel einer Spalte ein; er enthält sämtliche zehn Redeteile – nicht in ordentlicher Folge, sondern durcheinander; er ist hauptsächlich aus zusammengesetzten Wörtern aufgebaut, die der Schreiber an Ort und Stelle hergestellt hat, so dass sie in keinem Wörterbuch zu finden sind – sechs oder sieben Wörter zu einem zusammengepackt, und zwar ohne Gelenk und Naht, will sagen: ohne Bindestriche; er handelt von vierzehn bis fünfzehn verschiedenen Themen, die alle in ihre eigene Parenthese eingesperrt sind, und jeweils drei oder vier dieser Parenthesen werden hier und dort durch eine zusätzliche Parenthese abermals eingeschlossen, so dass Pferche innerhalb von Pferchen entstehen; schließlich und endlich werden alle diese Parenthesen und Überparenthesen in einer Hauptparenthese zusammengefasst, die in der ersten Zeile des majestätischen Satzes anfängt und in der Mitte seiner letzten aufhört – und danach kommt das VERB, und man erfährt zum erstenmal, wovon die ganze Zeit die Rede war; und nach dem Verb hängt der Schreiber noch „haben sind gewesen gehabt worden sein“ oder etwas dergleichen an – rein zur Verzierung, soweit ich das ergründen konnte –, und das Monument ist fertig.“
FYI: Seminare
Das nächste zweitägige Online-Seminar „Investigative Recherche im Internet“ an der Berliner Journalisten-Schule ist am 15. / 16. März 2021, jeweils 10.00 – 16.00 Uhr.
Die nächsten eintägigen Online-Seminare „Investigative Datenrecherche im Internet und Datenschutz“ in der Berliner Journalisten-Schule finden am 12.02. und am 21.04.2021 statt, jeweils von 09.00 Uhr bis 15.00 Uhr.
Einzelunterricht oder kleine Gruppen wie bisher nach Vereinbarung.
Miszellen

Was ereignete sich denn so?
– Biden stellt die Möbel um. Deutsche Medien jubeln. Ist Gala schon live vor Ort? Wer von der Jubelarie genervt ist, kann, um sich zu erholen, die Jüdische Rundschau lesen.
– Ohne Worte: In Israel ist die Reproduktionsrate unter eins gefallen; 600.000 Israelis wurden schon geimpft.
– Was ist das für eine Gewerkschaft, der man keine verschlüsselte E-Mail schicken kann und von der man mit „sehr geehrter Herr“ statt „Kollege“ angeredet wird? Gendersternchen aber können sie. Das ist ja auch das Wichtigste.
– Noch mehr zum Gruseln: Instituto Nacional de Anthropología y Historia (Mexiko): „Revelan cómo fue la destrucción de Zultépec-Tecoaque hace 500 años, por revancha de Hernán Cortés“. Die Spanier unter Hernando Cortez haben aus Rache ihre Gegner aufgefressen, weil diese das vorher auch getan hatten. Die Story stand aber schon 2011 im Independent.
– Oh, einer meiner drei Berufe ist jetzt systemrelevant! Zum Glück ist es der, der zuverlässig Geld einbringt.
– Medium.com hat einen hübschen Artikel (man muss sich mit Facebook oder Google einloggen) über die Illusionen der US-Amerikaner: „Denial Is the Heartbeat of America – When have Americans been willing to admit who we are?“
The life expectancy of Americans is shorter than for people in other rich countries that spend far less on health care. The U.S. has the highest maternal-mortality rate of any rich country. Police in the U.S. kill their fellow citizens at significantly higher rates than in any other rich country. The United States has the largest incarcerated population per capita in the world. The rate of gun violence here is significantly higher than in any other wealthy nation. Only Israel has a higher rate of poverty among rich countries than the United States. Among G7 nations, the United States has the highest rate of income inequality. The U.S. ranks second only to Greenland in the highest rate of suicides by firearm, and most of those suicides are by white men.
– Sahra Wagenknecht sagt im Neuen Deutschland, was sie immer sagt: „Wir sind mehr und mehr zu Akademikerpartei geworden“. Das ist wahr. Die „Linke“ hat ungefähr genauso viel Arbeiter in ihren Reihen wie die SPD. Fun Fact: 44 Prozent der Mitglieder der Grünen und der SPD sind Beamte und/oder Angestellte im öffentlichen Dienst. Daher das gemeinsame Faible für Gendersternchen. In diesem Milieu will man sich anpassen und um eines höheren Wesens willen nichts falsch machen.
– Was passiert eigentlich, wenn man tote Alligatoren auf dem Meeresgrund versenkt?
Vielfältiger Ausschuss
Der Ausschuss, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der herrschenden Klasse der USA verwaltet, ist jetzt „vielfältig“. Ob sich der Kapitalismus von diesem schweren Schlag erholen wird?
Das wollte ich nur mal loswerden.
Gib mir noch mehr Arbeit!
Ein unbefristeter Arbeitsvertrag endet automatisch, wenn man das gesetzliche Rentenalter erreicht. Man kann aber trotzdem weiterarbeiten, wenn Kapital und Arbeit ein Interesse daran haben. Das bestätigt auch der Europäische Gerichtshof. Mein Arbeitsvertrag (Vollzeit) wurde schon zum dritten Mal (heute!) wieder für ein Jahr verlängert. Sehr schön. Ich habe also einen befristeten unbefristeten Vertrag. Arbeitsrecht kann so logisch sein!
Home Office Work
So. Elektrik ist fertig. Neue Steckdosen und Verteilerdosen allüberall. Ich habe mir erlaubt, alles so zu konstruieren, dass man die verschiedenen Leuchtquellen nur per App und Smartphone an- und ausstellen kann, aber natürlich ohne Cloud.
Die junge Dame, die bald bei mir einzieht, spricht zwar mehr Sprachen als ich, ist aber im künstlerischen Bereich tätig. Für sie ist das neu. Dass man der Jugend Technik beibringen und nahelegen muss, amüsiert mich. Offenbar saugen die das doch nicht per Muttermilch ein.
In den nächsten Tagen muss ich grundreinigen und streichen, neben meiner Arbeit.
Dunkel. Schnee. Stau.
Das Gefühl, morgens im Stau zu stehen, vermisse ich als Radfahrer natürlich total.
Interessant, was Autos heute so alles können, was ich aber gar nicht brauche. Der Wagen quatscht mich dumm und ungefragt von der Seite an, ich sollte vorsichtig fahren, es sei Glatteis. Als ich 1970 meinen ersten VW Käfer fuhr, redete der nicht mit mir. Das war auch gut so. Und wenn Glatteis war, merkte ich das schon (Heckmotor!).
Und wo ist das Lenkradschloss? Gibt es nicht mehr, sagte man mir. Für die Hand(!)bremse muss man einen Knopf drücken (den ich weder gesucht noch gefunden habe). Das Licht soll automatisch angehen, wenn es dunkel ist – trotzdem wurde ich in Wilmersdorf von allen möglichen Verkehrsteilnehmern angeblinkt, weil die Scheinwerfer offenbar doch auf mein persönliches Eingreifen warteten. Vielleicht hatten sie Angst, ich würde sie anbrüllen – ich weiß nicht, ob das Fahrzeug, wenn es spricht, nicht auch hört?
Ich habe meinen Führerschein übrigens auf einem Simca gemacht.
Hybrider Heimewerkerfreizeitarbeitstag
Am Wochenende habe ich jetzt immer frei, also genug Zeit um zu arbeiten… (Seufz)
Leider hatte ich auch keine Zeit zu schreiben, weil die Elektrik aus den (vermutlich) 70-er Jahren immer gut für eine Überraschung ist. Das Zimmer mit erdbebensicherem Hochbett, in das in zwei Wochen eine andere junge Dame einzieht, musste komplett renoviert werden. Die Idee, eine halb kaputte Steckdose auszuwechseln, weitete sich zu einem allgemeinen und größeren Heimwerker-Drama aus: Woran liegt es, wenn man den Stecker einer Lampe in eine Steckdose steckt, dann aber plötzlich das Deckenlicht angeht? Und dergleichen mehr. Ich habe also alles herausgerissen und neu gemacht. Jetzt muss ich auch noch die Steckdosen neu verlegen… Weil Teile fehlten, eilte ich in den Baumarkt meines Vertrauens – zum Glück habe ich einen Großhändler-Ausweis, sonst hätten die mich gar nicht reingelassen.
Damit bin ich gestern und heute fast fertig geworden. Es ging schneller, als ich endlich einen Plan hatte, was lange genug gedauert hat. Parallel dazu habe ich meine neue Fritzbox eingerichtet und alle Maschinen per LAN und WLAN ans Netz bekommen, dann das Dutzend „intelligenten“ Geräte und Steckdosen neu angeschlossen, einen Käsekuchen gebacken, Königsberger Klopse gekocht, eine Gemüsesuppe zubereitet, die ein paar Tage reichen soll, und bin mit einem Teil des Kuchens, der Klopse und der Suppe zu meiner Mutter gefahren, damit die nicht von Dosenfraß leben muss. Morgen werde ich noch die alte Fritzbox als Repeater installieren. [Done: 21.55 Uhr]
Das mit dem QR Code habe ich jetzt auch begriffen. Heute war ein erfolgreicher Tag.
QR Code PGP key, reloaded

Vielen Dank an das nerdige Publikum!
O ihr Nerds!
Ich brauche mal Hilfe vom nerdigen Teil des hiesigen Publikum. Mir kam die Idee, meinen PGP-Schlüssel auch in Form eines QR-Codes anzubieten, vor allem für die, die nur mit dem Smartphone unterwegs sind. In der Linux-Cimmunity versucht man, das zu erklären. Auch wird Monkeysign empfohlen, vom dem ich noch nie etwas gehört hatte.
Leider kapiere ich es nicht. In welcher Form muss man einem QR Code Generator den Schlüssel anbieten – als Text-Datei? Oder als Link? (Ralf Thees hat das vorgemacht, aber wenn ich den Code einscanne, komme ich nicht weiter – er wird nicht auf meinem Smartphone gespeichert.)
b) Ist es egal, welchen QR Code Scanner man benutzt? (Ich vermute, „Aktie“ ist Spam oder Werbung.) Ist jemand hier gleichzeitig PGP- und QR-Code-affin?
Strukturelle Religiotisierung
Ich fordere, dass der Anteil der Atheisten in der Berliner Verwaltung, in der Polizei und in anderen städtischen Institutionen mindestens 37 Prozent betragen muss! Alles andere diskriminiert mich, strukturell und individuell! Ich weiß nur nicht, wen ich bitten soll das umzusetzen, weil die „Linke“ sich um Atheisten nicht mehr kümmert.
Apokalypse now
South China Morning Post: „Coronavirus: global death toll could hit 5 million by March, Chinese researchers say“.
A researcher at the Institut Pasteur of Shanghai who is investigating the coronavirus but was not involved in the study, said that if 5 million people died by March, it could lead to the collapse of the global health care system.
“People die en masse when they cannot get even the most basic care in hospitals,” said the person, who asked not to be named.“
Mit den anderen palavern
Vielleicht ist es eine Lücke in meiner Bildung, aber von Michael Beleites hatte ich noch nie etwas gehört. Rein zufällig stieß ich auf einen Artikel von ihm: „Die Schmuckfedertheorie – Von der Überhöhung zur Erniedrigung der DDR-Bürgerrechtler.“ Ja, ich weiß, was auf der Website „Achse des Guten“ manchmal publiziert wird.
Als sich ab 2015 die „Flüchtlingskrise“ zu einer akuten Vertrauenskrise in die Glaubwürdigkeit von Politik und Medien ausgeweitet hatte, ging alles ganz schnell: Gerade jetzt, als man moralisch integre und politisch unabhängige Personen dringend gebraucht hätte, um aus einem die Demokratie gefährdenden Vertrauensschwund zwischen Regierten und Regierenden herauszufinden, wurden frühere Bürgerrechtler reihenweise diffamiert. Oft genau wegen jenem Tun, das ihnen 1989 und 1990 eine hohe Anerkennung gebracht hatte: Weil sie das Gespräch mit „den anderen“ gesucht hatten. Nach der einfältigen Kontaktschuld-Logik wurden sie nun reflexartig jenen zugeordnet, mit denen sie gesprochen hatten. Das war schockierend für all jene Bürgerrechtler, die 1989 das getan hatten, was eine friedliche Revolution ausmacht: Mit den Anderen reden.
Bevor ich mich über den Herrn informiert hatte, fand ich alles richtig, was er in diesem Artikel schrieb. Danach auch.
Was er politisch denkt, lehne ich vermutlich in Gänze ab, aber um das beurteilen zu können, müsste ich mehr über ihn wissen. Ich weiß nur, dass „mit den Rechten“ zu reden nicht ehrenrührig ist. Das habe ich über Jahre und oft getan, freiwillig und unfreiwillig, aber das bringt überhaupt nichts. Oder glaubt jemand, dass politische Meinungen sich auf Grund besserer Argumente (die ich sowieso immer parat habe, har har) sich änderten? Wie naiv ist das denn!?
Da ich selbst zu jenen gehöre, die, weil sie – aus einer nicht-rechten Perspektive heraus – mit und vor Rechten gesprochen hatten, fortan als „rechts-außen“ eingruppiert und ausgegrenzt wurden, bekam ich es deutlich zu spüren: Wenn man solches als früherer Bürgerrechtler tut, fallen Diffamierung und Dämonisierung bei weitem drastischer aus, als wenn man diese Vorgeschichte nicht hat. In einem Gespräch mit linken Freunden (ja, ich habe solche noch!), erfuhr ich jüngst von der in den Schulen der political correctness kommunizierten Schmuckfedertheorie: Wenn ich bei „Neuen Rechten“ spreche oder in deren Zeitschriften schreibe, spiele es in der Außenwahrnehmung keine Rolle, was ich dort sage oder schreibe – sondern nur wo ich dies tue.
Auch da hat er recht.
" vor die Glocke

Schön, dass bei der Partei „Die Linke“ alles transparent ist, auch die Newsletter. Der Nachteil der Transparenz: Leute wie ich meckern dann herum, und ich finde immer etwas zum Herummeckern.
Die Cyberlinken erstellen ihren Frontalunterricht Cybernewsletter per Typo3 („X-Mailer: TYPO3“) Das ist immerhin um Klassen besser als mit Outlook. Man könnte ihnen jetzt etwas über den Zeichensatz in HTML sagen oder über Querköpfe Leute wie mich, die sich ihre E-Mails nicht in HTML anzeigen lassen – nach dem Motto: Erste Wörter rasch gelöschter E-Mails: „Sollte diese E-Mail nicht richtig angezeigt werden, klicken Sie…“. Aber das lassen wir mal. Lieber auf den Inhalten herumtrampeln.
Die wohlwollenden Oberstudienräte für Deutsch im Publikum und die geneigten sprachkundigen Leserinnen wissen vermutlich schon, was kommt: Ung, ung, ung. Sie können es einfach nicht lassen. Bei „Vergesellschaftung“, so gut, schön und geeignet diese auch sei, können wir nachsichtig sein, aber dennoch sollte man immer Rössin und Reiterin nennen und ganz leninistisch fragen: Wer wen? Die deutsche Sprache kennt, und das mag die „Linke“ überraschen, Verben, auch bekannt als Tuwörter. Die sollte man um der Dynamik und Eleganz des Ausgesagten willen so benutzen wie in der Glocke:
Hört ihr’s wimmern hoch vom Thurm!
Das ist Sturm!
Roth wie Blut
Ist der Himmel.
Das ist nicht des Tages Glut!
Welch Getümmel
Straßen auf!
Dampf wallt auf!
Flackernd steigt die Feuersäule,
Durch der Straße lange Zeile
Wächst es fort mit Windeseile,
Kochend wie aus Ofens Rachen
Glühn die Lüfte, Balken krachen,
Pfosten stürzen, Fenster klirren,
Kinder jammern, Mütter irren,
Thiere wimmern
Unter Trümmern,
Alles rennet, rettet, flüchtet,
Taghell ist die Nacht gelichtet…
Kommt da ein Wort vor, das mit -ung -oder -keit endet? Mitnichten. Warum nicht? Weil Schiller keins eingefallen ist? Auch nicht: Der wollte, dass sein Gedicht die Leser aus dem Sessel reißt, dass ihnen der Schweiß ausbricht und die Münder offenstehen, und vor allem, dass es sich so anhört wie das, was dort beschrieben wird.
„Die Corona-Pandemie ist global und ihre Eindämmung muss auch global erfolgen. Dafür müssen die Impfstoffe aber auch global schneller zur Verfügung stehen.“
Das ist garantiert nicht von Schiller, weil ich gähnen musste. Ginge es besser? Natürlich, aber muss man sich anstrengen und denken. Zwei mal Lautsprecherduktus mit „muss“ hintereinander. Nein, das hört sich an wie: Die Revolution muss kommen, und alle müssen mitmachen. Überzeugte mich nicht. Satzlänge: Mehr als neun Wörter sollten die Stirne runzeln lassen und das Herz vor schlechtem Gewissen wummern. Wie dumm und begriffsstutzig oder auch arrogant muss man sein, um trotzig alle Regeln zu missachten, wie Texte verständlich sind oder auch nicht? Kann die mal jemand ohrfeigen, dass sie wachwerden (das ist jetzt eine unzulässige verbale „Mikroaggression“)? Oder heißen Kaffee über die Holzköpfe schütten?
Die COVID-19-Pandemie ist global. Global müssen wir sie auch eindämmen.
„Muss erfolgen“ steht auf der schwarzen Liste derjenigen abgedroschenen und sinnfreien Textbausteine, die niemand verwenden darf, bei Strafe des Indenseegeworfenwerdensmitgewichten. Das gilt auch für „zur Verfügung stehen“.
Wir müssen weltweit über ausreichend Impfstoffe verfügen. Ja, tatsächlich! Zu „Verfügung“ gibt es ein Tuwort!
„Wir wollen uns eben nicht damit zufriedengeben“: „Eben“ ist überflüssiges Füllwort, wie ein Furz an falschen Stelle. Zudem muss ich jetzt rätseln: „Wir wollen nicht zufrieden sein mit“? Ist das gemeint? Ach so: Das Wichtige, was die Leser aufrütteln soll, wird im hinteren Teil des Satzes versteckt: „dass ein großer Teil der Menschen im globalen Süden erst irgendwann ab 2022 mit einer Impfung rechnen kann.“ Spätestens beim Süden sind alle weggezappt. Der Satz ist schon wieder zu lang: Zerschlagen wir ihn!
Viele Menschen im globalen Süden [weiß der Henker, was das ist] in der Dritten Welt können erst 2022 geimpft werden. Das akzeptieren wir nicht!
„Dafür halten wie [sic!] auch eine Vergesellschaftung der Produktion, [Kommafehler] der zu einem großen Teil mit öffentlichen Mitteln entwickelten Impfstoffe für notwendig.“
Alles falsch. „Für notwendig halten“ In den See mit euch, mit ganz vielen schweren blauen Bänden an den Füßen! Ein Satz mit zwanzig Wörtern, und das angedeutete Tuwort gaaaaanz hinten gut verborgen, dass auch niemand auf Anhieb kapiert, was wer will. (Man kann auch Newsletter Korrektur lesen und alles richtig schreiben! Oder fehlt euch die Manpower Womenpower dazu?)
Die Produktion von Impfstoffen wurde zu einem großen Teil mit Steuergeldern finanziert. Sie sollte vergesellschaftet werden.
Wie soll das denn umgesetzt werden? Meint die „Linke“ Staatskapitalismus? Die Firma BioNTech in eine Genossenschaft umwandeln? Oder alles beschlagnahmen? Oder fordern, aber bis zum Kommunismus warten?
Leute, das ist alles heiße Luft. Niemand nimmt euch ernst, wenn ihr so herumfaselt. Es muss schon konkret und sinnlich sein. Und bevor es konkret werden kann, müsst ihr so formulieren, dass es jeder versteht. Schaut dem Volk aufs Maul!
„Mit einem anschauen“ verstehe ich nicht, trotz langen Überlegens. Kann jemand helfen?
Trinidad, North Coast, revisited
Die Fotos habe ich im März 1982 gemacht auf einem Schiff von Port of Spain (Republic of Trinidad and Tobago) nach Scarborough/Tobago, nördlich von Filette.
Aus meinem Reisetagebuch:
Die Fähre fährt unter dänischer Flagge und wohl auch mit dänischer Besatzung, ein Riesenschiff mit Postern aus Dänemark und ADAC-Werbung, aber es schaukelt ganz schön. Die meisten Leute pennen, und ein paar Möchtegern-Rastamen glotzen die ganze Zeit auf US-amerikanische Bikini-Frauen. Die Nordküste Trinidads ist gebirgig, ein paar irre Häuser kleben an den Felsen…
Annalena Merz
Ich hoffe doch sehr, dass die CDU Friedrich Merz zum Vorsitzenden macht. Dann wird es eine Vizekanzlerin Annalena Baerbock unter Merz geben. Dem Dümmsten müsste dann endlich klar sein, dass die Grünen eine reaktionäre Partei sind, nur von einer anderen Sorte und Klassenbasis als die CDU, und ihre zentrale Themen Gedöns.
Claus Christian Malzahn schreibt in der Welt (Paywall): „Merkels Rückzug halten einer Infratest-Untersuchung zufolge 65 Prozent der Grünen-Anhänger und -Anhängerinnen für „weniger gut“ oder gar für „schlecht“. Das Bedauern über ihren Abschied von der politischen Bühne ist damit in der Anhängerschaft der Grünen sogar stärker ausgeprägt als in der Union – dort liegt der entsprechende Wert bei 63 Prozent (Linke: 59, SPD: 58, FDP: 33, AfD: zwölf).“





























