Keychronig [Update]

keyboard

Ich brauchte eine neue Tastatur, weil bei meiner alten schon die Buchstaben abfielen. Ich habe ausnahmsweise nicht sofort das Angebot der Großbourgeoisie durchsucht, sondern mich beraten lassen – ich muss nicht verraten von wem.

keyboard

🏁 Meine klare Empfehlung (für dich)
Wenn dir wichtig ist:
Beleuchtung + Linux + langlebig[
👉 nimm Keychron V6 (egal ob normal oder 8K)
Das ist die einzige Option hier, die alles sauber kombiniert.

Ich wanderte alsbald zum einheimischen Elektronikfachhandel, um die Keychron zu bestellen (sie hatten sie natürlich nicht da).

Ich werde sie behalten, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht noch einmal kaufen. 1) Ich habe sie mit Bluetooth nicht zum Laufen bekommen. Linux ist im Manual nicht vorgesehen, außerdem ist das so winzig geschrieben, dass ich es kaum lesen konnte.

Das mitgelieferte Kabel ist sowohl zum Verbinden mit dem PC als auch zum Aufladen da – das erfuhr ich erst von ChatGPT. Wenn man das Kabel benutzt, muss man den Akku nicht aufladen (steht nicht im Handbuch). 2) Außerdem ist es viel zu kurz. Ich musste zwei USB-Kabelverlängerungen dranstecken – zum Glück hatte ich noch welche.

3) Die Tastatur ist überraschend klein, man muss sich erst an das Gefühl gewöhnen. Mir kam es vor allem darauf an, dass sie nicht gleich wieder auseinanderdröselt oder Tasten verliert (es werden sogar einige Ersatztasten, für ESC zum Beispiel, mitgeliefert.) Einige Tasten findet man nicht sofort.

Auch die Beleuchtung ist, was die Usability angeht, ungenügend, wie auch die zwei Seiten im Handbuch. 4) Es sind nicht die Tasten beleuchtet, sondern die Zwischenräume – was ist recht blödsinnig finde. Das ist einfach respektlos und nicht kundenfreundlich.

5) Merkwürdig finde ich, dass die Tastatur auf allen Seiten offen ist (vgl. Foto unten). Der Staub kann also von überallher eindringen.

Positiv ist der Anschlag – zwar nicht so schwer wie bei einer Schreibmaschine, aber man fühlt, was man tippt. Wenn das Teil stabil und langlebig bleibt, kann ich damit leben.

keyboard

[Update]

– Mehrere Tasten sind doppelt belegt, wenn man herumprobiert, findet man sie. Vermutlich kann man das mit einer (Web)App regeln, aber ich benutze keine Apps für eine einfache Tastatur.
– Die Anleitung, wie der Wireless-Modus funktionieren soll, ist beschissen unverständlich, zumal noch nicht einmal erklärt wird, welches Modell wie funktioniert („some models only support wired mode“).
– Die seitlichen Öffnungen könnten, wie das Publikum schon anmerkte, das Reinigen mit Druckluft einem Fön erleichtern – daran habe ich nicht gedacht.
– Ich fragte ChatGPT: Ich brauche eine kabelgebundene Gaming-Tastatur, beleuchtet, die auch für Linux funktioniert, schlage welche mit gutem Preis-Leistungsverhältnis vor. ChatGPT empfahl die Redragon Kumara K552 RGB, die weniger als 50 Euro kostet, aber auch so klein ist wie die, die ich jetzt habe. Ich bestand auf einem Vergleich von „Mittelklasse“-Tastaturen (vgl. oben).

image_pdfimage_print

Gemini

secondlifesecondlifesecondlifesecondlife

Man kann natürlich an so einem Environment in Secondlife basteln, bis man grün im Gesicht wird, wie bei einer Modelleisenbahn. Ich muss aber jetzt aufhören, weil ab heute da Avatare herumlaufen. Und wenn die plötzlich sähen, dass ihre Umgebung sich wie von Zauberhand veränderte, dächten die – je nach Alter der Person, die den Avatar benutzt, sie seien in einem Film von Fassbinder (im hier geforderten Bildungskanon enthalten!) oder in der Matrix.

Gestern Nacht fiel alles Mögliche aus, und ich musste zum Beispiel bei ChatGPT improvisieren, was pädagogisch wertvoll ist und mir ohnehin Spaß macht. (Ich kam nicht an meine E-Mails, daher auch nicht an den Bestätigungscode zum Einloggen.)

Ich bin daher auf Gemini ausgewichen und war von der Qualität des Resultats recht beeindruckt.

„Parents and children witting around a table eating dinner, view of a guest from the side“. „mache ein Bild in dieser Größe und Perspektive von mehrere Leuten, die in einem Büro arbeiten und vor Monitoren sitzen“. „Mache ein Schild von einer niederländischen Anwaltskanzlei“. „Mache ein Foto von dieser Größe und Perspektive von einer Küche in einem Büro, Leute trinken im Stehen Kaffee“. „Mache ein Bild rechteckig hochkant von vorn einem Laden mit niederländischem Namen in Amsterdam in der Altstadt“ (das ist der Laden auf dem Screenshot ganz oben). „Nur den Laden, nicht das Haus, und hochkant“ usw..

Ich werde in Zukunft ChatGPT, Midjourney und Gemini vergleichen. Ich habe auch noch die schlauen Chinesen in der Hinterhand. Vielleicht lohnt es sich gar nicht, die 23 Dollar monatlich für ChatGPT auszugeben – obwohl ich mich daran gewöhnt habe und das täglich unzählige Male nutze.

PS Die virtuelle Rembrandt-Ausstellung ist auch von mir, die Rahmen der Gemälde von ChatGPT.

image_pdfimage_print

Quid est veritas oder: #WirVerlassenXNicht

x

„Spricht Pilatus zu yhm: Was ist warheyt?“

Wir gehen das Thema X aka social media, das gerade wie ein Sau durch’s Dorf gejagt wird, anders an. Man weiß schon immer vorher, wer was warum sagt. Oder: Wer gendert, verlässt X aka Twitter und begibt sich zu irrelevanten Nischenprodukten wie Bluesky und bleibt unter Seinesgleichen. Was wollen mir die Künstler damit sagen? Feigheit vor dem imaginären Feind?

„Die politische Geschäftsführerin Pegah Edalatian über dieses parteiübergreifende Zeichen gegen Hass und Hetze blabla fasel…“ Muss man das noch kommentieren? Ein sinnfreier Textbaustein nach dem anderen. Zeichen setzen oder auch: Flagge, wahlweise Gesicht zeigen (und nicht etwas das Gesäß). Entschieden natürlich. Geschlossen. Und jetzt alle Klatschmarsch gemeinsam.

Ich bin schon seit Ewigkeiten bei X, aber noch nie hat mir ein wohl- oder übelwollender Algorithmus irgendwas von den SPDGrüneLinken vor die Füße gespült, das auch nur einen Gedanken wert gewesen wäre.

Auch die Bürgerlichen und Kapitalismus-affinen, die zaghaft anmerken, man müsse doch mit den Gegnern diskutieren, kommen mit einem jammernden Unterton einher:
„Der Rückzug sendet ein fatales Signal. Er wirkt wie eine Kapitulation vor den Bedingungen statt wie ein Versuch, sie zu verändern. Natürlich ist X kein neutraler Raum mehr. Moderation und Tonlage haben sich verändert, viele Akteure haben sich bereits zurückgezogen. Doch genau deshalb wäre eine sichtbare, widersprechende Stimme notwendig. Wer Desinformation kritisiert, muss ihr auch widersprechen – und zwar dort, wo sie entsteht.“

Was war jemals „neutral“? Und welche „Tonlage“ in Dur und Moll ist gemeint? Werden die Nutzer immer pöhser, wie seinerzeit im Internet, als AOL seine Zugangssoftware als CD (das ist so eine schimmernde Scheibe) unter das Volk streute und plötzlich auch Klein Fritzchen fragte: Bin ich schon drin?

„Viele Akteure haben sich bereits zurückgezogen“? Sind das nicht Fake News? X hat an mehreren Tagen in diesem Jahr neue Rekorde bei Zugriffen und Nutzerzahlen verzeichnet und ist mit rund 600 Millionen monatlichen Nutzern das fünftgrößte soziale Medium der Welt – und nach wie vor mehr als zehnmal so groß wie sein Konkurrent Bluesky.

Die fantasieren sich allesamt einfach ihre eigene gefühlte Welt als Wille und Vorstellung herbei.

image_pdfimage_print

Exegi monumentum quod duas hebdomadas durabit

secondlifesecondlife

Hier noch etwas für den typischen Nerd aus Secondlife – alle anderen bitte nicht weiterlesen.

„Hinter“ dem Avatar oben steckt ein echter Niederländer, der in Secondlife eine Sim besitzt, auf der er eine Art Rotlichtviertel Amsterdams gebaut hat. Ich hatte ihn gebeten, sein Urteil abzugeben, und es fiel sehr positiv aus („wow“), was einen Künstler [sic] natürlich freut.

secondlife

Mein virtuelles „Amsterdam“ ist jetzt fertig. Zahllose Fahrräder und sogar ein Müllauto mit niederländischer Beschriftung (ich habe das Original-Schild selbst verändert) kamen heute noch dazu.

Ich hatte aber noch eine nervenaufreibende Session mit allerlei Versionen der künstlichen Intelligenz zu überstehen. Ich plante, selbst eine so genannte off-sim landscape („sim surround“) herzustellen, was extrem kompliziert zu machen ist und deshalb von den wenigen Anbietern gekauft werden muss. Ein sim surround besteht üblicherweise aus zwei verlinkten Polygonen („Prims“), bei dem der Root-Prim in der Sim liegt und der andere Prim über die Grenze hinausragt, um die Region optisch zu vergrößern. Off-sim landscapesbestehen aus Mesh oder Sculpt-Prims und erzeugen die Illusion einer größeren Landschaft.

Baut man so etwas nicht ein, sieht man außerhalb des „Environments“ nur das Secondlife-Wasser, bis in’s Unendliche verlängert. Das ist zum Beispiel bei Wüsten-Sims total albern. Wenn schon illusionär, dann auch richtig.

secondlife

Das war wieder mal eine anspruchsvolle Aufgabe. Blender benutze ich nicht, sonder die Blender-Fork Bforartists. Über die ersten Schritte bei Texturen bin ich aber noch nicht hinausgekommen. Also entschied ich mich für die Sculpt-Map-Variante.

secondlife

Das ist kompliziert. Man kann zwar in einer Sekunde einen sculpted prim erstellen, aber was dann? Wohin gehört welcher Teil der Texturen?

secondlife

Ich wollte nur die Illusion des Hafens von Amsterdam – oder eines Hafens – im „Hintergrund“ schaffen, weil man, wenn man einen „richtigen“ virtuellen Hafen konstruieren wollte, tausende Prims brauchte und vermutlich mehrere Wochen Arbeit. Ich hatte aber nur rund 2500 Prims für mein komplettes „Amsterdam“, und die hatte ich schon fast komplett verballert.

secondlife

Die gute Nachricht: Ich habe es hingekriegt. Das Polygon sah aus wie ein leicht gebogener Monitor, und die hochgeladende Grafik aka Textur war innen, also an der richtigen Stelle. Die schlechte Nachricht: Es sah nicht gut aus, und da die Textur auf einen Prim beschränkt ist, ich aber die Breite von zwei maximal gestreckten Prims brauchte, gab ich das Vorhaben auf. Ich habe mir von ChatGPT die Illusion eines Industriehafens von Weitem machen lassen, und die Grafik je zur Hälfte auf zwei Polygone verteilt.

secondlife

So sieht das dann aus – aus den Augen eines Avatars. Die Sim (also die verfügbare Spielfäche) hört da auf, wo das Wasser ein wenig dunkler wird.

Warum mit so etwas die Zeit verschwenden? Wie schon angemerkt: Ich habe Urlaub, und zum Beispiel einen vituellen Sex-Shop zu bauen, macht Laune und bringt mich zum Lachen, wenn ich das Ergebnis ansehe.

secondlifesecondlifesecondlife

Übermorgen beginnt das Event, und dort werden sich die Avatare tummeln und die Kneipen besuchen und herumchatten. Ich werde einen Foto Screenshot-Wettbewerb ausloben und die Ergebnisse auf einem anderen Blog veröffentlichen, um die Leserschaft hier nicht ganz zu vergrätzen.

secondlife

Falls mich eine Dame in einer realen Kneipe fragte, was ich in meiner Freizeit machte: Ich baue virtuelle Rotlichtviertel. Auf die Reaktion wäre ich gespannt.

Nein, der Geldautomat ist nur eine Illusion. Und es gibt auch kein Gras zu kaufen.

secondlifesecondlife

image_pdfimage_print

Unter Urlaubenden

Frühstück

Was ist eigentlich Urlaub? Man sitzt morgens in der Küche, trinkt ungestört Kaffee, die Sonne scheint, und man kann den ganzen Tag tun, was Spaß macht, und niemand geht einem auf die Nerven.

image_pdfimage_print

Die Havel. Unendliche Weiten.

Havel

Ich eröffnete vorsichtshalber die Paddel-Saison, falls die Klimaerwärmung dafür sorgte, dass der Sommer kühl bleibt oder gar nicht kommt. Trotz der 28 Grad wehte ein eine ziemlich steife Brise, gegen die ich ankämpfen musste.

HavelHavel

Mitten in Klein-Venedig baut irgendjemand einen hässlichen Betonklotz (unten). Mal sehen, was das wird.

Havel

Ich habe es heute nicht übertrieben und war nur rund drei Stunden auf dem Wasser. Das Boot musste ich auch noch putzen…

Havel

image_pdfimage_print

Familienfotos verschlimmbessern

familienfotofamilienfoto

Ich wurde durch einen Heise-Artikel angeregt, alte Fotos mit Hilfe der KI zu verbessern. Da angeblich Google Gemini am besten abschnitt, versuchte ich es damit.

Das Original ist aus dem Jahr 1962 und zeigt meine Schwester, meinen Vater und mich (und unter anderem ein Grundig-Tonband im Hintergrund – falls noch jemand weiß, was das ist).

Das Ergebnis stellt in keiner Weise zufrieden, obwohl ich der KI mehrere Versuche gönnte und auch jedes Mal darauf hinwies, was zu verbessern sein. Mein Vater ist kaum noch wiederzuerkennen. Der Gummibaum ist am besten. Da ist noch viel Luft nach oben.

image_pdfimage_print

Unter Durchdeklinierenden

„Wer entscheidet, welcher Krieg angeblich für mich wichtig ist? Ist es die Ukraine, ist es der Gazastreifen, ist es der Libanon, ist es der Iran, ist es der Konflikt zwischen der Friedensnation Pakistan und den Taliban und Indien? Ist es etwa der Sudan, der es gerade mal zwei Minuten in die Nachrichten schafft? Und wenn Sie das einmal durchdeklinieren, müssen wir einfach sagen: Danke, wir gehen in die Werbung.“ (Harald Schmidt)

image_pdfimage_print

Tageslosung für den Kampftag der Abreiterklasse

Trump

Die Tageslosung für den Kampftag der Arbeiterklasse kommt heute vom Vorsitzenden des Ausschusses, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der Bourgeoisie in den USA organisiert.

image_pdfimage_print

Unter Wartenden

wartezimmer

Warum liegt in Wartezimmern von Ärzten eigentlich immer so hochwertige Literatur aus? Weil so ein Schund am wenigsten kostet? Ich würde den Tanach auslegen, aber angekettet, und über einen großen Bildschirm arabische Reden abspielen, um das Neuköllner Publikum zu erfreuen. Oder pädagogisch wertvolle historisch Dokumentationen. Sexuelle Aufklärung ist heute bekanntlich verboten – auch beim Arzt.

Nein, keine Sorge, ich bin laut Laborbefund kerngesund und auch gegen Hepatitis immun (was ich wissen wollte) und muss dagegen nicht mehr geimpft werden. Aber ab und zu ein Check kann nicht schaden, wenn man über 50 ist.

wartezimmer

image_pdfimage_print

Sinnloses, revisited sowie die Vermutung von Birch und Swinnerton-Dyer und anderes

amsterdam

Zu meinem Bedauern kann ich gerade nichts über ertrinkende Wale die Weltläufte schreiben, da nirgendwo ein Sack Reis umgefallen ist. Man könnte natürlich die internationalen Prostata-Probleme kommentieren oder bestätigen, dass die Ehe sowieso überschätzt wird oder dass wir demnächst vielleicht wieder größere Geldscheine brauchen werden oder dass mutmaßliche Verbrecher in Deutschland freigelassen werden, weil während der Verhandlung die Richterin urplötzlich in den Mutterschaftsschutz geht, was ja niemand ahnen kann.

amsterdamamsterdam

Zum allseits beliebten Thema Gamedesign. Da, wo jetzt „Amsterdam“ steht, stand vor ein paar Tagen nichts, gar nichts, nur virtuelle Luft. Nun würdigte das mal gefälligst! Die Pointe versteht aber niemand: Eine ganze Stadt mit weniger als 3000 Prims (Polygonen)! Normalerweise braucht man dafür 30.000! Wenn ich jetzt en detail erläutern würde, wie man das macht, kämen wir von Hölzken auf Stöcksken.

Ich sage nur: Alpha blending, worüber ich mit Chat GPT gestern eine stundenlange heftige Kontroverse hatte, Alpha masking, was nicht weniger kompliziert ist, warum Secondlife beim Hochladen von Grafiken den Alpha-Kanal derselben einfach verschwinden lässt und dann manche Avatare – nur manche, je nach Einstellungen des jeweiligen Viewers – durchsichtige Texturen nicht mehr durchsichtig sehen, was ein nicht existierenden Wesen verhüten möge und was nicht im Sinn des Schöpfers ist und den Gamedesigner als Trottel dastehen lässt. Und warum man das Feature „emissive mask“ bei Firestorm nur sieht, wenn man „select face“ wählt – alles aus der Rubrik unnützes Wissen.

amsterdam

Ich habe also auch den ganzen Tag etwas über Grafiken und die völlig unverständlichen Features von Gimp gelernt, was an sich pädagogisch wertvoll ist. Ich kann nur mit niemandem darüber reden, weil keiner weiß, warum es eigentlich geht und warum man sich das antut. So muss sich jemand fühlen, der den Beweis der Vermutung von Birch und Swinnerton-Dyer aus der Zahlentheorie führt (was aber noch niemand gemacht hat).

amsterdam

Ich werde erst wieder etwas über „Amsterdam“ posten, wenn da Avatare herumlaufen. Die Dekoration ist auch noch nicht fertig; es fehlen vor allem eine Trillion Fahrräder.

By the way: Ganz richtig – der oberste Screenshot zeigt Amsterdam Centraal. Ist aber alles Illusion…

image_pdfimage_print

Sinnloses, revisited

amsterdam

Ich beschloss, an meinem ersten Urlaubstag nur Sinnloses zu tun und habe daher weiter an meinem virtuellen Amsterdam gebastelt. Ich liebe das Gefühl, Gott zu sein und Welten zu erschaffen. #gamedesign #secondlife

amsterdam

image_pdfimage_print

What we know about Cole Tomas Allen

attentäter

„In October 2024, Allen donated $25 to ActBlue, a political action committee that raises funds for Democrats, according to the Federal Election Commission. The money was earmarked for Kamala Harris’ presidential campaign. It was his only political donation listed on the FEC website in the past decade,“ berichtet die Los Angelese Times.

Der verhinderte Attentäter auf Trump ist einfach an einer Sicherheitskontrolle vorbeigelaufen.

image_pdfimage_print

Kleine Petze

little snitch

Ich habe mir Little Snitch heruntergeladen und installiert.

Kurzfazit von ChatGPT:
Sniffnet = Monitoring-Tool (Analyse, Sichtbarkeit)
Little Snitch (Linux) = Firewall + Kontrolle (Blockieren/Regeln)
👉 Wenn du aktiv Verbindungen kontrollieren willst → Little Snitch
👉 Wenn du nur sehen willst, was passiert → Sniffnet

Wenn man es eimmal verstanden hat, ist das Programm einfach zu bedienen:
Möchten Sie zum Beispiel verhindern, dass ScorecardResearch Ihr Nutzungsverhalten von Twitch analysiert, klappen Sie je nach Browser die Verbindungsdetails der Anwendung „chrome“, „firefox-bin“ oder „firefox-esr“ auf, suchen in der Unterebene nach der Domain „scorecardresearch.com“ und klicken auf die grüne Ampel dahinter. Daraufhin springt die Ampel für diese Domain und für alle Verbindungen, die darunter zusammengefasst sind, auf Rot und der Datenverkehr wird sofort blockiert.

Ich habe gleich ein paar komische IP-Adressen weggehauen untersucht, die unter Chrome auftauchten, zum Beispiel 178.255.231.115. WTF? Vermutlich ist das Vodafone, weil ich mobil unterwegs bin. Bei e3120.g.akamaiedge.net bin ich mir nicht sicher – aber interessant ist auf jeden Fall, was da alles auftaucht!

Kann ich jetzt und so „Online-Durchsuchungen“ verhindern? Frage für einen Freund.

little snitch
Bei Wikipedia und auf der Website von Little Snitch findet man zur Zeit noch nicht, dass das Programm gratis auch für Linux erhältlich ist.

image_pdfimage_print

Unter smarten Cyberübernommenden

signal

Ich wollte ursprünglich etwas zu dem angeblichen „Hack“ des messengers Signal schreiben, aber Falk Steiner auf Heise hat alles dazu kommentiert, was zu sagen ist: Es gab keinen Hack, sondern nur die Ignoranz und Dummheit. der betreffenen bzw, betroffenen Anwender.

Was müssen Sie tun, wenn Sie einen SMS-Code und/oder PIN eingegeben, aber noch Zugriff auf Ihr Konto haben.
Ihr Messengerkonto ist gehackt! Angreifer könnten in Zukunft Ihr Konto vollständig übernehmen!

Ach. Ach was. So etwas liest man täglich allüberall – auf Fratzenbuch, in Secondlife, WhatsApp. Irgendein Dödel hat mal wieder auf alles geklickt, was nicht bei drei auf dem nächsten Baum war und schreit dann, wenn das Konto nicht mehr zugänglich ist: „Ich wurde gehackt“.

Ich hatte hier schon unzählige Male über Phishing geschrieben und will mich nicht wiederholen. Es ist sowieso sinnlos.

phishing

Gehen Sie davon aus, dass den Angreifern nun möglichweise Ihre Handynummer bekannt ist.

Möglicherweise steht meine Handynummer auf meiner Website.

Ich sage nur: Kein HTML in E-Mails Erlauben. Wenn das nicht geht, nicht klicken, ohne den Header gelesen interpretiert zu haben. Ein vernünftiges E-Mail-Programm benutzen oder die Optionen einer kleinweich-unvernünftigen Software zwingen, die Risiken zu minimieren. Keine unverschlüsselten E-Mails lesen. So einfach ist das.

„Aber Anbieter können das Problem vor dem Bildschirm nicht lösen, wenn dieses sich nicht für Grundsätze der IT-Sicherheit interessiert.“, schreibt Heise.

Eben. Aber dumm herumlabern können sie alle, über Chatkontrolle, über russische oder chinesische „Hacker“ und „Online-Durchsuchungen“.

phishing
Dieselbe E-Mail im HTML-Format (oben) und im Textformat (unten).„>

image_pdfimage_print

Auf wackligen Füßen

fuck palestine

Legal Tribune Online: Wer öffentlich „das Existenzrecht des Staates Israel leugnet“, soll sich künftig regelmäßig strafbar machen. Gleiches gilt für einen öffentlichen „Aufruf zur Beseitigung des Staates Israel“. So sieht es ein Gesetzentwurf aus dem CDU-geführten hessischen Justizministerium vor, der am Donnerstag in der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt vorgestellt wurde.

Ich halte davon nichts, und es wird nichts dabei herauskommen. Der Staat sollte sein Gewaltmonopol nicht benutzen, um Meinungen, auch wenn sie noch so dämlich und falsch sind, zu unterdrücken.

Man kann sich auch trefflich darüber streiten, ob die Forderung, der Kernlande Israels – Samarien – sollten in einen arabischen Staat umgewandelt werden, nicht auch strafbar sein sollte. Dann käme die Bundesregierung auf die Anklagebank.

Der neuerliche Entwurf begegnet den gleichen verfassungsrechtlichen Bedenken. Die LTO vorliegende Entwurfsbegründung geht auf die Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz auf mehreren Seiten ein. Die Verfasser erkennen zwar an, dass es sich bei der vorgeschlagenen Strafnorm nicht um ein „allgemeines Gesetz“ handelt, was Art. 5 Abs. 2 Grundgesetz (GG) für zulässige Einschränkungen der Meinungsfreiheit eigentlich verlangt. Sie sehen aber eine Ausnahme erfüllt, die das Bundesverfassungsgericht in 2009 formuliert habe.

Auch juristisch steht die Sache auf sehr wackligen Füßen. Ich möchte nicht, dass einer der antisemitischen Pappnasen verknackt wird und dann das Bundesverfassungsgericht das neue Gesetz wieder in die Tonne tritt.

image_pdfimage_print

Amsterdam, 2.0 [Update] [2. Update]

amsterdam

Die ersten Schritte für die vituelle Amsterdam-Simulation in Secondlife sind gemacht. Mein Avatar steht da herum und hat einen Bauhelm auf.

Aber wenn schon Fake und Illusion, dann richtig: Auch die Fotos der Amsterdamer Häuserzeilen samt Gracht sind von ChatGPT. Die lade ich hoch und gebe weitere Befehle:
„Mache ein ähnliches Foto mit transparentem Himmel im tga-Format, aber so, dass am Rand die jeweiligen Häuser aufhören (seamless) , so dass man mehrere Texturen in mehrere Prims nebeneinader laden kann und es natürlich aussieht.“

amsterdam

[Update] So sieht es mach vier Stunden Fummeln aus…

amsterdam

[2. Update] Bin immer noch bei den basics, das heißt es fehlt die Dekoration wie Bäume, Schilder, Geländer, Boote, aber die Sache nimmt Gestalt an.

amsterdam

image_pdfimage_print

Sättigungsbeilage, indischer Stil

fingerhirse

Ragi Ball (Kannada: ರಾಗಿ ಮುದ್ದೆ [rāgi mudde]; Telugu: Sangati) ist ein indisches Gericht aus Fingerhirse (Kannada: Ragi). Es ist eine Spezialität des Bundesstaates Karnataka (wo mein Untermieter geboren ist, der diese Klopse gemacht hat). Der Ragi Klops wird mit der Hand ein Stück abgetrennt, in die dazu gereichte Soße getunkt und ohne zu kauen heruntergeschluckt, da beim Kauen der Mund unangenehm verkleben würde.

Traditionell isst man Ragi Mudde mit scharfen Sambar (Linsensuppe bzw. Dal), Fleischcurrys (z. B. Lamm oder Huhn) oder Gemüse-Currys. (Die Klöße haben einen nur geringen Eigengeschmack.)

Man kaut sie oft nicht, sondern bricht kleine Stücke ab, tunkt sie in Sauce und schluckt sie fast wie Gnocchi.

Fingerhirse stammt aus Indien oder dem Sudan. In Teilen Südindiens und Zentralafrikas ist sie die Hauptnahrung auf dem Land. Mein Untermieter sagte, für die meisten Bauern in Südindien sei Reis früher ein Luxus gewesen – Fingerhirse hingegen die Nahrung armer Leute, wie Graupen(suppe) in Deutschland. Daher waren Ragi Balls zeitweise unbeliebt, weil man etwas „Besseres“ sein wollte. Ich finde das insofern interessant, weil das bei uns auch so ist: In welchem Hipster-Restaurant gibt es Graupensuppe?

In Peru war das anspruchslose, aber extrem gesunde Quinoa die Basis der Nahrung der Andenbauern, da Mais in der Höhe des Altiplano nicht wächst – und anderes Korn schon gar nicht. Heute isst man überall pampigen und weniger nährstoffreichen weißen Reis, weil das alle so machen, obwohl fast die Hälfte importiert werden muss. Deutsche Hipster hingegen schwören auf Quinoa, das man klimafreundlich um die halbe Erde transportiert.

Was ist aber mit deutscher (Rispen)Hirse („in Europa von Kartoffel und Mais verdrängt“)?

Merkmal Hirsemehl Weizenmehl Dinkelmehl
Gluten Glutenfrei Enthält Gluten Enthält Gluten
Verträglichkeit Gut bei Glutenunverträglichkeit geeignet Für empfindliche Personen teils schwerer verträglich Wird manchmal als bekömmlicher empfunden, enthält aber ebenfalls Gluten
Mineralstoffe Oft reich an Eisen, Magnesium und Kieselsäure Je nach Ausmahlungsgrad meist geringer Häufig etwas mineralstoffreicher als Weizen
Ballaststoffe Tendenziell höher, vor allem in vollwertiger Form Bei hellem Mehl eher geringer Je nach Typ meist ähnlich oder leicht höher als Weizen
Blutzucker Kann den Blutzucker langsamer ansteigen lassen als helles Weizenmehl Helles Mehl lässt den Blutzucker meist schneller ansteigen Ähnlich wie Weizen, je nach Mehltyp
Backeigenschaften Weniger elastisch, braucht oft Bindung oder Mischung mit anderen Mehlen Sehr gute Backeigenschaften, elastisch und locker Gute Backeigenschaften, etwas empfindlicher als Weizen
Geschmack Mild bis leicht nussig Neutral Etwas nussiger und aromatischer als Weizen
Sättigung Oft gut sättigend Bei hellem Mehl meist geringer Etwas besser als Weizen, je nach Verarbeitung
Besonderheiten Kann Antinährstoffe wie Phytinsäure enthalten Sehr vielseitig und verbreitet Beliebt als Alternative zu Weizen, aber kein Ersatz bei Glutenproblemen
Fazit Ernährungsphysiologisch oft die spannendere Wahl Am praktischsten für klassisches Backen Guter Mittelweg zwischen Aroma und Backeigenschaften

Rezept für Ragi Mudde (Hirseklöße)

Zutaten
→ 1 Tasse Ragi-Mehl (Fingerhirse)
→ 2–2,5 Tassen Wasser
→ 1 Prise Salz

Zubereitung
→ Wasser mit Salz in einem Topf zum Kochen bringen,
→ etwas Mehl einrühren (optional, aber hilfreich),
→ 1–2 TL Ragi-Mehl in etwas kaltem Wasser glattrühren und ins kochende Wasser geben. Das verhindert Klumpen.
→ Mehl hinzufügen,
→ das restliche Ragi-Mehl auf einmal in die Mitte des Topfes geben (nicht sofort umrühren!) und kurz ziehen lassen,
→ 1–2 Minuten bei niedriger Hitze stehen lassen, damit das Mehl dämpft, danach kräftig rühren,
→ jtzt mit einem stabilen Holzlöffel oder Kochlöffel kräftig rühren, bis eine glatte, feste Masse entsteht.
→ Hände leicht anfeuchten und aus der heißen Masse runde Klöße formen.

Europäische Hirse-Klöße

Zutaten
→ 1 Tasse Hirsemehl (oder fein gemahlene Hirse)
→ 2–2,5 Tassen Wasser oder Gemüsebrühe
→ 1 EL Butter oder Olivenöl
→ 1 Prise Salz
→ optional: etwas geriebener Parmesan
→ Muskatnuss
→ fein gehackte Kräuter (Petersilie, Schnittlauch)

Zubereitung
→ Flüssigkeit erhitzen
→-Wasser oder Brühe mit Salz und Butter aufkochen.
→ Hirse einrühren
→- Mehl langsam einrühren (hier darfst du rühren – anders als beim Original 😉).
→-Sanft köcheln lassen
→-Bei niedriger Hitze 5–10 Minuten rühren, bis eine dicke, cremige Masse entsteht.
→ Abschmecken: Mit Muskat, Käse oder Kräutern verfeinern.
→ Etwas abkühlen lassen, dann mit feuchten Händen Klöße formen.

Guten Appetit!

fingerhirse

image_pdfimage_print

Die Nachtschicht ruft

Brandenburg gate

image_pdfimage_print

Das ferne Flüstern der Tropen

puertomaldonado
Brief aus Puerto Maldonado, Peru, vom 29.06.1984, angekommen am 09.07.

Über Puerto Maldonado hatte ich am 01.04.2020 („Nicht an der blauen Donau“) und am 09.07.2019 („Faustinos Ort oder: Aguirre lässt grüßen“) ausführlicher geschrieben. Ankunft: „Puerto Maldonado, Freitag, 28. Juni: Wir haben es geschafft! Unter schier unbeschreiblichen Umständen und den sie begleitenden Gefühlen und Eindrücken.“

Rio Madre de Dios
Puerto Maldonado, am 28.06.1984 vom Rio Madre de Dios aus fotografiert.

Puerto Maldonado, Peru. 29.6. [1984]

Liebe Eltern!
Wir haben es geschafft, die sogenannte Zivilisation hat uns wieder. Nach 6 Wochen Urwald sind wie heilfroh, wieder in einem Ort mit Straßenanschluß in die Anden, Cafés und Läden zu sein, wo man fast alles kaufen kann, was das Herz und auch der Magen begehren.

3 Monate fast waren jetzt in Bolivien, und was haben wir nicht alles erlebt! Die Zeit ging so schnell dahin, daß wir in Peru jetzt nur noch 3 Wochen rund um Cusco vorgesehen haben und dann auf dem schnellsten Weg nach Lima reisen werden, um noch wenigstens vor meinem Geburtstag {im August] wieder in Berlin zu sein. Wir haben auch so wenig Geld ausgegeben, ohne uns groß einzuschränken! Nicht mehr als 12 DM am Tag – und das die ganze Zeit!

Die Nachwirkungen des Urwalds werden wir allerdings noch einige Zeit spüren. Von oben bis unten alles voller juckender Moskitostiche, die sich teilweise zu Beulen entwickelt haben. B. hat sich Würmer eingefangen, daß wir gestern, als ihr Fieber auf fast 40 Grad stieg, noch zu einem Arzt gefahren sind (mit einem Mopedtaxi), de zum Glück mit Sproitzen ausgestattet war, sodaß es ihr heute besser geht, und die Tiechen werden in ein paar Tagen abgetötet sein.

Unsere Mägen sind auch leicht angeschlagen, zumindest bis gestern, weil wir uns die letzte Woche von Tapir- und Affenfleisch ernährt und Mehl gekauft haben (das einzige, was es außer Reis zu kaufen gab), daß so von kleinen Tierchen und Würmern wimmelte, daß wir es in mühevoller Kleinarbeit ganz mit unserem Teesieb durchgesiebt haben.

puerto Maldonado
Puerto Maldonado, früher auch bekannt als Faustinos Ort

Ja, wie soll ich meine Eindrücke über den Atlantik schicken? Ich weiß auch gar nicht mehr, was in dem letzten Brief stand. Wenn etwas doppelt vorkommt, ist es ja halb so schlimm. Also macht es euch bequem und lauscht dem fernen Flüstern der Tropen!

Bolivien! Ich sitze am Bug eines kleinen Urwalddampfers, der gemütlich im Fahrradtempo dahintuckert, kratze mich und schlage hier und dort nach bösartig summenden Moskitos und danke dabei an den berühmten Film Klaus Kinskis „Aguirre, der Zorn Gottes“ über einen spanischen Eroberer, der sich mit eine Handvoll Abenteurer von der Truppe Pizarros gelöst hat und mit einem Floß einen ähnliches Fluß langgefahren ist -vielleicht war es sogar dieser? [Es war der Amazonas.] Auch vorn sitzend deklamiert er: „Alles Land, rechts und links des Flußes, soweit das Auge reicht, erkläre ich für mein Eigentum!“ Dabei ist nichts zu sehen, nur der Urwald.

Aber wenn man genauer hinsieht – und das Schifflein fährt soweit wie möglich am Ufer, um der starken Strömung in Gegenrichtung zu entgehen – löst sich die grüne Mauer auf und Einzelheiten werden deutlich: Da gibt es riesige Palmen, deren Wedel sich über das Ufer neigen, anderen haben ihre Wedel so hochgestellt, als wenn sie einer unsichtbaren Person ständig Luft zufächeln müßten. Baumriesen, deren Wurzeln schon 1 Meter über der Erde sich ausbreiten, werden von Lianen und Schlingpflanzen überwuchert, die sich so eng um den Stamm schligen, daß dieser beim Wachsen Knoten bildet! Dazwischen weißstämmige Bäumchen, die fast wie ein Birkenwälchen aussehen. Abgestorbene Stümpfe und Baumstämme sind vom Rand in den Fluß gestürzt und gefährden das Schiff, weiße Fischreiher warten geduldig am Ufer, manchmal flattern Scharen bunter Vögel auf, die sich krächzend über das Motorengeräusch aufregen, häufig springen vorn Fische aus dem Wasser, als ob sie neugierig auf die Störenfriede wären, manchmal erhebt sich das rostrote Ufer 10m über das Wasser und man sieht, mit welcher Gewalt die tobenden Fluten in der Regenzeit am Urwald nagen.

riberalta
Riberalta, der Ausgangspunkt für den Pando-Dschungel Boliviens. Auf den Booten kann man Kautschuk-Rollen erkennen.

Die Luft ist schwül und schwirrt förmlich vor geflügelten Insekten jeder Größe und Bauart, und wenn man das Land betritt, merkt man schnell, daß sich unter der „Grasnarbe“ das Reich der Ameisen befindet, die so groß wie ein Fingerglied sind und dem Menschen die „Herrschaft“ ohne weiteres streitig machen.

Der Gesamteindruck aus der Ferne: Ein stiller, aber gnadenloser Kampf um das bißchen Sonne, das von den höchsten Blätterdächern nach unten gelassen wird – wie viele Männer, die mit Schlangen ringend, zu Pflanzen erstarrt sind. Wir sind im Pando-Dschungel!

Das bedeutet: Hunderte von Kilometern ringsum nur Indianer, Goldsucher und Kautschuksammler. Bei den Indianern hieß der Rio Madre des Dios („Mutter-Gottes-Fluß“) „die Schlange“, weil er sich wie eine endlose Schlange in Mäandern vom Fuße der Anden bis nach Brasilien hinein schlängelt, wo er zu einem Nebenfluß des Amazonas wird.

Wir reisen schon 5 Tage auf dem Schiff, nachdem wir 4 Tage in Hängematten in einem kleinen Hafen auf den Kapitän gewartet haben. Zu essen gibt es Fisch, Kochbananen und den ewigen Reis und das morgens, mittags und – wenn der Maschinist, der gleichzeitig auch Koch ist, Lust hat, abends auch. Zum Glück haben wir uns schon vorher mit Obst eingedeckt, und für alle Fälle haben wir noch eine große Dose Müsli in Reserve. Außerdem haben wir für ca. 2 Wochen Benzin mit und können uns selbst Fisch zu bereiten. Komisch, daß ich erst nach fast 1 1/2 Jahren Südamerika meinen ersten Fisch selbst ausgenommen habe!

pando
Chivé im bolivianischen Teil des Pando nahe der Grenze zu Peru

Wir entscheiden uns nach langer Diskussion mit der Besatzung und einigen Passagieren, eine Tagesreise von der peruanischen Grenze, in einem kleinen Urwalddorf namens Chivé auszusteigen, um, wenn möglich, zu sehen, wie Kautschuk gesammelt wird. Spät in der Nacht erreichen wir unser Ziel, strömender Regen, aber warm, oben am Ufer eine schwankende Funzel, die Taschenlampe des Kapitäns irrt auf und ab, und wir quälen uns in voller Marschausrüstung den glitschigen Abhang hinauf, doch neugierig und zusätzlich noch froh, dem Schiff entkommen zu sein.

pando
Vor der Lagerhalle für Paranüsse in Chivé

Oben stehen ein paar Leute, die flüstern: „dos gringos vienen!“ („zwei Ausländer kommen“) Später erfahren wir: im vorigen Jahr war auch schon einmal einer da – und vor 5 Jahren auch schon mal welche. Unser „Hotel“ ist recht „komfortabel“: eine große Lagerhalle, mit Palmwedeln gedeckt, wo wir unsere Hängematten und Moskitonetze inmitten von Millionen von Paranüssen aufhängen, von draußen beobachtet von Dutzenden von Kindern und anderen Neugierigen.

Außer uns „wohnt“ noch eine andere Familie mit vielen Kindern in dem Schuppen. Sie sind so arm, daß sie kein eigenes Haus haben und außerdem bei dem „patron“, dem Besitzer des ganzen Landes ringsum, verschuldet (solange wie kein eigenes Land bebauen, müssen sie beim „patron“ Lebensmittel kaufen, die doppelt so teuer sind wie sonst üblich). Das Mann kann keine Dinge anbauen, weil er für den patron arbeiten muß, um abzuzahlen, er wird aber nie abzahlen können, weil er Lebensmittel kaufen muß. Aber ich gerate ins Plaudern.

run through the jungle
Marsch durch den Urwald (ungefähr hier), fotografiert Ende Juni 1984. Meine damalige Freundin und ich waren auf dem Weg zu einem Kautschuksammler samt Familie. Man hatte uns gesagt, der „Weg“ sei leicht zu finden. Vermutlich hätte Winnetou die Aufgabe als „leicht“ empfunden, wir waren ganz schön verunsichert.

Wir kriegen eine Einladung von einem Siedler und Kautschuksammler, der eine Stunde Fußmarsch [entfernt] im Urwald wohnt, an einem idyllischen, aber braunen Fluß, mit Holzhäuschen und frisch gerodetem Feld, das noch voller verkohlter Baumstümpfe ist, wo aber schon Papaya, Apfelsinen, Reis, Mais und Kürbis wachsen. Bei dieser Gelegenheit kriegen wir Affenfleisch serviert, weil die Leute hier so ziemlich alles essen, was sich bewegt.

Wir gehen mit und lernen, wie man Kautschuk aus den Bäumen zapft, wie man Yucca pflanzt und erntet und sonst allerlei interessante Dinge [gemeint ist Maniok oder Cassava.]

pandopando
Maniok-Ernte

Abends liegen wir in der Hängematte und betrachten die Sterne, inklusive der ganz klar zu sehenden Milchstraße und dem schon von Kolumbus erwähnten „Kreuz des Südens.“ Wenn nur nicht die Moskitos wären – sie stechen sogar durchs Hemd und durch die Hose, wenn sie eng anliegen.

Nach einigen Tagen marschieren wir ins Dorf zurück, müssen aber insgesamt fast eine Woche warten, bis ein kleines Boot, das noch zwei andere Kähne im Schlepptau hat, Richtung Puerto Maldonado fährt. Wir liegen nachts auf dem Schiff, zusammen mit 200 Säcken Paranüssen, und versuchen, trotz des Motos und der Kälte einzuschlafen. Die Kälte – das ist der „sur“, der Südwind, der alle 2 Wochen kommt, begleitet von heftigen Regengüssen, und die Temperatur innerhalb von zwei Stunden von knapp 40 Grad auf 15 Grad sinken läßt! Was das für den Kreislauf bedeutet! Wir hatten gerade das Pech, auf der letzten „Schiffsreise“ Kälte zu haben, aber jetzt ist es schon wieder wärmer.

Puerto Maldonado
Auf dem Rio Madre des Dios kurz vor Puerto Maldonado

Ein anderes Mal fuhren wir mit einem Kahn einen Fluß entlang und mußten ihn ständig schieben – aber das kann ich auch erzählen anhand von Fotos. Die letzten zwei Wochen funktionierte allerdings der Belichtungsmesser der Kamera nicht mehr, weil die Batterie ausgefallen war. Vielleicht sind die Fotos alle zu hell oder dunkel. [Nein, waren sie nicht.] Aber jetzt reicht’s mit dem Urwald.

Wir haben dreimal lange warten müssen, das erste Mal eine Woche [in Reyes], das zweite [Mal] elf Tage [in Riberalta], das dritte Mal 5 Tage [in Chivé], weil entweder unser Flugzeug oder das Schiff einfach nicht aufzutreiben war. Beim ersten mal – als nach 11 Tagen Verspätung die Militärmaschine endlich kam -flog der Pilot erst mal ganz woanders hin – zur brasilianische Grenze [nach Cobija], wo wir eine Nacht auf dem Fußboden einer überfüllten Herberge schlafen mußten, bis es am nächsten Morgen zu unserem eigentlichen Ziel weiterging.

catavi
Llallagua in Bolivien. Das Foto zeigt den Eingang der Zinnmine Catavi-Siglo XX. Catavi war das größte Bergwerk Lateinamerikas. Die Mine war für Touristen geschlossen, wir hatten uns aber eine Sondergenehmigung der Comibol in La Paz geholt.

Ich glaube, in dem letzten Brief hatte ich von unserem Marsch nach Chipaya berichtet. Was ist nicht alles dazwischen passiert! Zum Beispiel: Wir stehen, ausgestattet mit Gummistiefeln, Grubenhelm und Grubenlampe am Eingang der der größten Zinnmine und warten zusammen mit den Bergleuten auf die Bimmelbahn, die uns durch endlose, zugige und feuchte Stollen in den Berg fährt. Mit Leitern geht es auf und ab, das Ganze untermalt vom dumpfen Grollen unterirdischer Sprengungen. In einer Ecke kauert eine hölzerne Gestalt mit bunt bemaltem Gesicht, Konfetti auf dem Kopf, eine Bierflasche und riesigem Penis. Das ist der „tio“ (der Onkel), der Gott und Schutzheilige, dem die Bergleute Bier hinstellen wie dem Klabautermann. Der tio ist vor vielen tausend Jahren, noch vor der Inkazeit, eine Frau gewesen, die Erdgöttin, später, mit der Herausbildung großer Staaten, wurde sie zum Mann wie fast alle Götter der Inkas, und zuletzt gestaltete ihn die katholische Kirche, weil sie seine Verehrung nicht verhindern konnte, zu einem bösen Dämon um, vor dem man Angst haben sollte. Dabei lacht er diebisch und macht sich scheinbar vor den erschrockenen Gringos lustig!

tarabuco
Der Markt von Tarabuco in den bolivianischen Anden

Bolivien – das ist z.B. der Sonntagsmarkt von Tarabuco, hoch in den Anden. Schon am Samstag ziehen endlose Karawanen von hoch bepackten Eseln aus dem Gebirge ins Dorf ein, der Platz füllt sich mit schwatzendem Volk, er werden überall kleine dampfende Köstlichkeiten verkauft, und alles ist frohe Erwartung.

Sonntag früh, als wir unsere Herberge verlassen, ist schon der Bär los. Aber was sind das für Leute! Alle gehen in indianischer Tracht. Die Frauen in langen schwarzen oder blauen Röcken und Jacken, man sieht Lederhüte mit Pickelhauben und Nackenschutz – die Männer tragen einen langen Zopf (unsere ersten männlichen Indianer mit langen Haaren) und Lederhelme, die den Eisenhelmen der Spanier nachgebildet sind. Die Jungen spielen die Charango, die Gitarre [ursprünglich] aus dem Panzer eines Gürteltiers. Viele dicke Frauen mit Zöpfen und mehreren Röcken sind umgeben von rußigen Töpfen, in denen etwas Leckeres brodelt.

Tarabuco
Marktszene in Tarabuco – der Mann links mit dem grauen Hut (halb verdeckt) bin ich.

Ein alter Indianer mit grauem Haar, in ganz schwarzer Kleidung und Helm nähert sich langsam B., die gerade ein frisch gekauftes indianisches Hemd angezogen hat und faßt ihr vorsichtig an die Brust, weil er wohl absolut nicht weiß – bei ihren kurzen Haaren -, ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt. Als es feststeht, neugieriges Gemurmel der umstehenden Frauen, die den Alten anscheinend beauftragt haben.

Bolivien hat uns so gut gefallen, dass wir außer Cusco und Umgebung das restliche Peru-Programm gestrichen haben. Es sieht so aus, daß wir nun doch erst Anfang August wiederkommen werden. (…)

puertomaldonado

image_pdfimage_print

← Nächste Einträge — Ältere Einträge →