Zartsprechen
Oh, ein Gleichgesinnter! Der Philosoph Robert Pfaller im Standard: „Moralisieren ist immer eine Verfallserscheinung“.
Das Zartsprechen ist das kulturelle Symptom eines ökonomischen Politikversagens. Man hat Probleme, die in der Ökonomie zu erledigen gewesen wären, in die Kultur verlagert und sie dort zu behandeln versucht. (…) Durch Political Correctness und ähnliche Kulturprogramme hat man die weniger Gebildeten zusätzlich deklassiert und auch das Leid und seine Anerkennung nach oben, zu den Eliten, umverteilt. Die Unteren dagegen sind nicht verletzlich oder empfindlich. Die haben wirkliche Sorgen; sie sind wütend und fürchten weiteren sozialen Abstieg. Darum wählen sie nun oft rechts: weil das am ehesten ihre Wut ausdrückt und weil sie hoffen, dadurch die ganz Unteren auf Abstand halten zu können.
Regressive Linke
Godless Mom auf Richard Dawkins Foundation: „5 Gründe, warum sich die regressive Linke über den Atheismus irrt“.
„Regressive Linke“ bezeichnet eine bestimmte Teilmenge der Linksliberalen, die in einem Versuch, tolerant und kulturell einfühlsam zu erscheinen, jegliche Kritik am Islam oder am Islamismus zu unterbinden versuchen, indem sie diese als „Islamophobie“ oder Rassismus bezeichnen. Die Bedeutung des Begriffs wurde mit der Zeit erweitert und umfasst nun jene, die Warnhinweise auf ideologisch bedenklichen Medien fordern, die kritikfreie Schutzräume in Universitäten sehen möchten, die den Gedanken verbreiten, dass wir alle in einer Art von Vergewaltigungskultur lebten und die kulturelle Vielfalt für eine tolle Sache halten, bis man Franzbrötchen in Bayern verkauft, dann ist es nur noch kulturelle Besitzergreifung.
Sämtliche Anhänger der „Grünen“ und auch viele „Linke“ sind also gemeint.
MISCELLANEOUS
Das Uninteressanteste zuerst: „Nach einem großen Medienwirbel um 2007 ist es heute still geworden um „Second Life“. Dabei sind rund eine Million Nutzer ihrem Zweiten Leben treu geblieben. Das dortige Bruttoinlandsprodukt beträgt rund 500 Millionen Dollar, mehr als in manch realem Kleinstaat.“ (Der Spiegel, 31.03.2018)
Ich gehöre dazu. Die Taverne auf dem obigen Screenshot habe ich auch gebaut.
And now for something completely different. Neues Deutschland: „Humanistischer Gegenentwurf zur rechten Intelligenzia. Mit der »Antwort 2018«-Erklärung gibt es nun Kontra für Lengsfeld und die Neue Rechte“.
Ich finde die Diskussion zum Würgen – sie besteht de facto aus dem Austausch von Textbausteinen, die man seit Jahren zu Genüge kennt. („Wissenschaftlich rechtsdrehend“ – habt ihr sie noch alle beim ND? „Erstunterzeichner*innen“ – das allein schreckt genauso ab wie jedes Wort von der Lengsfeld.)
And now for something completely different. Bini Adamczak, die hier schon lobend erwähnt wurde, sagt in der Schweizer WOZ: „Die Linke ist so fragmentiert, dass das Gemeinsame sehr schwer herzustellen ist“.
Leider schwurbelt Adamczak im schönsten Akademiker-Jargon daher, dass es nur so raucht. Wer unverständlich formuliert, soll sich nicht wundern, dass niemand sich dafür interessiert: „fordistische Beziehungsweisen“, „Individualisierung und Fragmentierung“ (das könnte Katja Kipping nicht besser), „vom Stalinismus desavouiert“, „das Phantasma von Homogenität, Einheit und Repräsentation“, „die Begrenztheit ihrer eigenen Perspektive reflektieren“. Neinneinnein.
Adamczak hat aber immer etwas Interessantes und Neues zu sagen, wenn man sich der Mühe unterzieht, sich durch den Text zu quälen. Das Interview ist lesenswert.
And now for something completely different. Die Bloggerin „Notaufnahmeschwester“ wettert auf Krautreporter gegen die „Lappen: „Ich arbeite seit 20 Jahren in der Notaufnahme. Aufregender Job? Sicher, aber anders, als ihr denkt. Denn nur etwa fünf Prozent der Patienten kommen mit einer lebensgefährlichen Krankheit oder Verletzung zu uns. Über die anderen schreibe ich in meinem Blog …“
Jetzt kommt mein „aber“. Warum stellt sie nicht die wichtigen Fragen? Zum Beispiel: Warum fährt die Feuerwehr Leute in eine Notaufnahme, obwohl diese augenscheinlich keine Notfälle sind? Warum fährt die Feuerwehr jeden Betrunkenen, der irgendwo herumliegt oder nur so tut, als sei er betrunken, in eine Notaufnahme? Warum werden „Kranke“, die mit „Rückenschmerzen“ oder einer kleinen Schnittverletzung (die sich mit einem Pflaster „heilen“ ließen) in eine Notaufnahme kommen, dort überhaupt angenommen, anstatt sie wieder nach Hause zu schicken? Ja, bitte? ich warte auf Antworten!?
And now for something completely different. Im Tagesspiegel lese ich über Trump und den Atomdeal mit dem Iran: „Trump nennt das Abkommen den ’schlechtesten Deal aller Zeiten‘. Im Wahlkampf hat er versprochen, ihn zu kündigen – es sei denn, der Iran stimmt Nachbesserungen zu. Trump fordert zusätzlich einen Stop der Entwicklung weitreichender Raketen; die Mullahs sollen die Unterstützung von Terrorgruppen wie Hisbollah und Hamas einstellen und ihre Revolutionsgarden nicht mehr im Irak und in Syrien einsetzen.“
Trump hält schon wieder ein Wahlversprechen? Eine Katastrophe für die deutschen Medien! „Briten, Franzosen und Deutsche haben den Deal eingefädelt und vorangetrieben.“ Ach? Die Europäer wollen also, dass Terrorgruppen finanziell unterstützt werden, womöglich mit meinen Steuergeldern? Das lässt ja tief blicken.
Ich muss jetzt leider arbeiten, sonst könnte ich mich noch weiter und mehr aufregen.
Widerstand ist zwecklos, sie werden integriert
Bassam Tibi im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung: „Der deutsche Staat kapituliert vor dem Islam.“
„Liberale Musliminnen wie Seyran Ates und Necla Kelek wurden rausgeschmissen. Deutschland führt seinen Dialog nur noch mit vier Verbänden, die allesamt aus dem Ausland finanziert werden und islamistisch und schriftgläubig sind.“
Ist das eigentlich wahr?
Ich teile seine Positionen nicht unbedingt, obwohl er sicher recht hat, wenn er über die muslimischen Verbände herzieht. Die „Religion“ von Einwanderern ist immer auch eine Reaktion auf das, was ihnen begegnet. Es ist halt etwas kompliziert… Das Problem der „Palästinenser“ und deren krimineller Milieus in Deutschland ist jedoch eindeutig hausgemacht.
Messerangst
Thomas Richter Fischer auf meedia.de: „Messerangst in Mitteleuropa – oder: Warum die Kriminalstatistik nur dann nützlich ist, wenn man sie versteht“.
Wie üblich sehr lesenswert.
Auf die Fresse
Tagesspiegel: „‚Willst du eins auf die Fresse?‘ Tagesspiegel-Leserin Carmen Schiemann fährt viel Bus und Bahn. Pöbeleien, Vandalismus, Belästigung erlebt die 66-Jährige oft. Ein Erfahrungsbericht.“
Was lehrt uns das jetzt?
Unter Betroffenen oder: Entscheidungen sind falsch, wenn sie den Gegnern gefallen [Update]
Don Alphonso wechselt von der FAZ zur Welt. Auf Meedia.de sagt er dazu: „Man kann heute keine Geschichte mehr erzählen, ohne dass sich jemand betroffen fühlt“. Das Interview sollte man ganz lesen.
„Die Medienszene ist immer noch riesig, mir fehlt da der Überblick. In den Leitmedien ist das tendenziell so, da werden die Bankenrettung wie die Migrationskrise recht einheitlich beschrieben, und dass es da vielleicht das eine oder andere Problem gibt – sei es die Instabilität der Deutschen Bank, seien es die erwartbaren Judenhasser aus dem mittleren Osten – wird, wenn überhaupt, nur sehr verspätet zur Kenntnis genommen.“
Well said.
[Update] „Die Frage ist bei Menschen nicht, wie sie so vor sich hinleben, da schludern wir alle, sondern was sie tun, wenn wirklich die Luft brennt.“
Religionen zu Pflugscharen!

Credits: Thank God I’m Atheist/Facebook
Wer wissen will, warum in vielen christlich geprägten Ländern reaktionäre Freikirchen immer mehr politischen Einfluss bekommen, lese Gilles Kepel: Die Rache Gottes: Radikale Moslems, Christen und Juden auf dem Vormarsch.
Spiegel online: „In immer mehr Ländern Lateinamerikas gewinnen die evangelischen Freikirchen an Einfluss in der Politik. In Kolumbien sorgten Fundamentalisten Ende 2016 mit dafür, dass das Friedensabkommen mit den FARC bei der Bevölkerung durchfiel, weil sie gegen die Gleichberechtigung der Frau in dem Vertrag wetterten. In Mexiko führt mit Andrés Manuel López Obrador ein Politiker die Umfragen für die Präsidentenwahl im Juli an, der sich als Anhänger einer Freikirche zu erkennen gibt und Homo-Ehe und Abtreibung skeptisch gegenüber steht.“
Nein, ich bin gegenüber Religionen und Verehrern höherer Wesen nicht tolerant.
Law, Justice, and Memory in Poland
Jewish Review of Books: „Law, Justice, and Memory in Poland“.
The complexity of human experience does not fit into the Law and Justice Party’s simplistic portrayal of Poland as always victimized and heroic. In fact, as I noted two years ago, although the Poles are deservedly proud of their heroic anti-Nazi resistance during World War II, it is also demonstrably true that during the war Poles killed more of their Jewish fellow citizens than they killed occupying Germans.
Wahrscheinlich darf ich jetzt auch nicht mehr nach Polen reisen oder käme dort in den Knast.
Waffen für das Volk oder nicht?

„March for our lives“ is reactionary bullshit from middle class liberals, workers must stay armed. (Credits: Keeping up with the Kulaks/Facebook)
Ich bin halt in so einer Laune. Und für den Mainstream, der bei diesem Thema 99 Prozent aller Meinungen in Deutschland ausmacht, war ich noch nie zu haben. „Ich kenne keine Parteien mehr, sondern nur noch Waffengegner.“ (Kaiser Wilhelm II.)
Reglionen zu Pflugscharen! Oder: Always Look on the Bright Side of Life
Zum Thema Religion:
– Die französische Zeitung Le Figaro veröffentlichte einen Appell von mehr als 100 Intellektuellen gegen den politischen Islam. Audiatur online hat ihn übersetzt.
Ich wurde kritisiert, weil ich den Appell verbreitet habe. „Le Figaro“ sei „rechtsgerichtet“. Das heißt, man darf nur Meinungen zur Kenntnis nehmen, die von Medien verbreitet werden, die die Meinung vertreten, die man selbst schon hat?
Wir hören auch sagen, dass die Religionen in Frankreich durch eine „instrumentalisierte“ Gewaltentrennung unterdrückt werden und dass man somit der Minderheitenreligion, also dem Islam, einen speziellen Platz einräumen muss, damit er nicht mehr gedemütigt wird. Dieselbe Argumentation zieht sich weiter: Anscheinend schützt man die Frauen vor den Männern, indem man sie durch einen Schleier bedeckt und befördert ihre Emanzipation, indem man sie von den Männern trennt. (…) Heute allerdings will man eine neue Art von Apartheid in Frankreich errichten, eine spiegelverkehrte Segregation dank der die „Geknechteten“ ihre Würde bewahren, indem sie sich von ihren „Peinigern“ abkapseln. Bedeutet dies, dass eine Frau, die den Schleier ablegt und auf die Strasse tritt, zum gewöhnlichen Freiwild wird?
In Deutschland ist diese Diskussion unmöglich oder wird von den falschen Leuten geführt. Wir leben noch im Mittelalter, weil Staat und Religion nicht getrennt sind.
Im Tagesspiegel muss ich lesen, dass angeblich Imame und Rabbiner jetzt gemeinsam in Schulen auftreten sollen. Meine Meinung dazu: Religion hat in Schulen überhaupt nichts zu suchen! Es ist unglaublich, dass diese Meinung im Medien-Mainstream gar nicht mehr auftaucht.
Dazu lese man – auch im Tagesspiegel: „‚Das Leben des Brian‘ und ‚Heidi‘ sind an Karfreitag verboten – warum?“
Im Fall der Satire „Das Leben des Brian“ gab die FSK im Jahr 1980 den Film frei, aber nicht für die stillen Tage, wie ein Sprecher sagte. Warum nicht? Die Begründung, so heißt es, darf die FSK nicht öffentlich bekanntgeben, ohne dass eine Genehmigung des Antragstellers, also des Filmverleihs, vorliegt. „Aber Sie können sich ja den Grund denken“, sagt der Sprecher, „und das ist auch der Grund“.
Und so etwas nennt sich 21. Jahrhundert?
Facebook und die drei Siebe des Sokrates

Gestern diskutierte ich mit engen Freunden über so genannte „soziale Netzwerke“. Am 03.12.2016 (also vor zwei Jahren) schrieb ich hier:
Das Magazin (mit recht naiven Statements des Autors): „Der Psychologe Michal Kosinski hat eine Methode entwickelt, um Menschen anhand ihres Verhaltens auf Facebook minutiös zu analysieren. (…) Das Smartphone, stellt Kosinski fest, ist ein gewaltiger psychologischer Fragebogen, den wir konstant bewusst und unbewusst ausfüllen. (…) Ab Juli 2016 wird für Trump-Wahlhelfer eine App bereitgestellt, mit der sie erkennen können, welche politische Einstellung und welchen Persönlichkeitstyp die Bewohner eines Hauses haben. Wenn Trumps Leute an der Tür klingeln, dann nur bei jenen, die die App als empfänglich für seine Botschaften einstuft. Die Wahlhelfer haben auf den Persönlichkeitstyp des Bewohners angepasste Gesprächsleitfaden bereit. Die Reaktion wiederum geben die Wahlhelfer in die App ein – und die neuen Daten fliessen zurück in den Kontrollraum von Cambridge Analytica.“
Schon klar. Das ist nicht neu. Steht genau beschrieben (fast wörtlich) bei Stefan Schulz: Redaktionsschluss: Die Zeit nach der Zeitung.
Und jetzt (in Worten: jetzt) gibt es einen „Skandal“, dass Daten von Facebook-Nutzern an die Politik verkauft wurden? Cordt Schnibben schreibt auf Facebook: „Kopfschüttelnd schaue ich seit Tagen zu, wie Freunde glauben, die richtige Reaktion auf das Datendesaster bei Facebook sei der Abschied. (…) Facebook etc. sind amerikanische Unternehmen, die Geld machen mit der Kommunikation zwischen mir und ein paar tausend Leuten; dennoch sind soziale Medien mehr als das, sie sind Teil der Öffentlichkeit geworden, die ich als Bürger (und als Journalist) nutzen sollte, so wie ich das Telefon und die Straße benutze.“
Ich brauche Facebook nicht, nutze es aber trotzdem. Für mich ist es Unterhaltung und schult gleichzeitig in Medienkompetenz, weil die Seriösität von Informationen nicht vom Medium borgegeben wird. Meine Vorlieben, den Konsum von Informationen bzw. Medien betreffend, könnte ich auch ohne Fratzenbuch ausleben; ich müsste mir nur eine Linkliste anliegen (mit diesem hier (Facebook) zum Beispiel – oder diesem) oder RSS-Feeds abonnieren.
Mein Argument „gegen“ meine Freunde, die alle nicht „soziale“ Medien nutzen, war, dass die Algorithen genau das imitieren – mehr schlecht als recht -, was im realen Leben auch geschieht: Man traut den Fakten mehr, wenn sie von Leuten verbreitet werden, die man kennt oder womöglich sogar mag. Die Deutungshoheit der Journaille ist perdu, und das ist gut so.
Eines Tages kam einer zu Sokrates und war voller Aufregung.
„He, Sokrates, hast du das gehört, was dein Freund getan hat? Das muss ich dir gleich erzählen.“
„Moment mal“, unterbrach ihn der Weise. „hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“
„Drei Siebe?“ fragte der Andere voller Verwunderung.
„Ja, mein Lieber, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht.
Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“
„Nein, ich hörte es irgendwo und . . .“
„So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist -, so doch wenigstens gut?“
Zögernd sagte der andere: „Nein, das nicht, im Gegenteil …“
„Aha!“ unterbrach Sokrates. „So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich erregt?“
„Notwendig nun gerade nicht …“
„Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir das erzählen willst, weder erwiesenermaßen wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!“
Wenn man das beherzigte, wäre Facebook wüst und leer.

Politik, Religion und sozialer Sadismus
Leo Fischer im Neuen Deutschland über Bayern (lesenswert): „Gerade Linke machen sich keine Vorstellung davon, was ihre exotistische Verharmlosung Bayerns in diesem Landstrich anrichtet. Es gibt Zusammenhänge dort, die nicht weit entfernt sind von Scharia und Islamismus. Wer sich davon überzeugen möchte, soll den Bericht über den Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen nachlesen, der so nur in Bayern stattfinden konnte, in Verhältnissen, in denen Politik, Religion und sozialer Sadismus aufs engste verquickt sind.“
Es liegt an dir
Die Welt hat ein lesenswertes Interview mit Deniz Yücel: „Es liegt an dir, ob sie die Kontrolle über dich bekommen.“
Böhmer: Haben dich diese Erfahrungen im Kleinen auch im Großen stärker gemacht?
Yücel: Bestimmt.
Böhmer: Bleibt das?
Yücel: Das weiß ich nicht. Ich bin milder geworden. Auch gegenüber Redakteuren. Man lernt, dass man nicht über jede Zwischenüberschrift diskutieren muss.
Akrap: Dazu braucht es nicht unbedingt Knasterfahrung.
Yücel: Bei mir schon.
Für diese Attitude mochte ich ihn schon immer.
Im Nirwana
Harald Martenstein über das „Recht, nicht links zu sein“.
Es kann in Deutschland passieren, dass ein Buch aus den Bestsellerlisten wie von Zauberhand verschwindet. Es kann passieren, dass alle Bücher eines Autors plötzlich nicht mehr lieferbar sind. Es kann passieren, dass bei einer Buchmesse politisch nicht genehme Verlagsstände geplündert werden, ohne dass die Messeleitung sich zuständig fühlt. Es kann passieren, dass Autoren nicht auftreten können und die Polizei sich für machtlos erklärt.
Well said.
Walther, Vladimir, Amos, Margaret und Ragnar
Ich saz ûf eime steine
und dahte bein mit beine:
dar ûf satzt ich den ellenbogen:
ich hete in mîne hant gesmogen
daz kinne und ein mîn wange.
dó dâhte ich mir vil ange,
wie man zer welte solte leben.
Ich sitze da sinnierend in Bolivien in der Nähe des Titicaca-Sees, südwestlich von Copacabana – die Routa Nacional 2 gab es damals noch nicht, es war ein beschwerlicher Fußweg hinunter ins Tal an die peruanisch-bolivianische Grenze (1984). Im Hintergrund sind die schneebedeckten Gipfel der Anden zu erkennen.
And now for something completely different. Ich nehme an, dass hier zahlreiche Astronomen und Astrophysiker mitlesen. IFLScience berichtet: „Putin says Russia is going to launch a mission to Mars next year. There’s just one tiny problem. “ Man ahnt schon, dass das Problem gar nicht so tiny ist, wie die Überschrift ironisch suggeriert.
Here we go: „Well, you can’t just launch a mission to Mars whenever you want. Owing to the orbits of our two planets around the Sun, there are only specific windows when you can actually get there, using what’s known as a Hohmann transfer orbit. (…) . Unless Russia has developed some sort of warp drive (they haven’t) or they’re planning some really weird route to Mars (they probably aren’t), then a launch in 2019 just isn’t possible.“
Ist das wahr? Ein User dort kommentiert: „Not quite accurate. The Hohmann transfer orbit is the most effiecient way to get to Mars and maximizes the payload that can be sent. However, if you are willing to trade payload mass for propellant mass, you can get to Mars at other times.“
And now for something completely different. Amos Oz schreibt in der Jüdischen Allgemeinen: „Es ist möglich und auch angemessen, dass Juden und Araber zusammenleben, aber ich kann nicht akzeptieren, als jüdische Minderheit unter arabischer Herrschaft zu leben, denn fast alle arabischen Regime im Nahen Osten unterdrücken und erniedrigen Minderheiten.“ Starkes Argument.
And now for something completely different. „The Computer History Museum honors Margaret Hamilton for her leadership and work on software for DOD and NASA’s Apollo space missions and for fundamental contributions to software engineering.“ Dazu gibt es ein großartiges Foto von ihr neben Ausdrucken der Apollo-Flugsoftware.
And now for something completely different. Der Berliner Senat verbietet Vögeln das Vögeln. Just saying.
Welche (französischen) Filme ich nicht sehen möchte? Keine „turbulenten“ Mann-Frau-Kind-Eltern-Schwiegereltern-Familien-Migranten-Behinderte-Liebes-, Verwechslungs-, Beziehungs-, Trennungs- und Versöhnungskomödien. Übrigens: Die zweite und dritte Staffeln von Vikings sind noch besser als die erste.
Nicht ohne meinen Alu-Hut
Christian Y. Schmidt: „Noch mal ganz langsam: Russland versucht einen ehemaligen Spion in England umzubringen, damit die britische Regierungschefin Russland dieser Tat bezichtigt, damit der russische Regierungschef Putin wiederum den Westen beschuldigen kann, Verschwörungstheorien gegenüber Russland zu verbreiten. Sind die eigentlich noch ganz frisch beim Tagesspiegel? Oder gehört der Alu-Hut dort inzwischen zur Dienstbekleidung?“
#AusFAZwirdTAZ [Update]

Roger Letsch: „Don Alphonso wird abgeschaltet“.
Wenn man sich bei Twitter nach #AusFAZwirdTAZ umsieht, überkommt einen das Grauen über das „intellektuelle“ Niveau der Diskussion über Medien in Deutschland. Meedia.de: „Die FAZ hat angekündigt, auf ihrer Website die Sektion mit Blogs umzubauen. Künftig sollen Blogs bei FAZ.net stärker als „Experimentierfeld“ genutzt werden und auch mehr Podcasts veröffentlicht werden. Im Zuge der Neuausrichtung werden einige alte Blogs eingestellt, darunter auch „Stützen der Gesellschaft“ und „Deus ex Machina“ des ebenso bekannten wie streitbaren Bloggers Don Alphonso. Dessen Fans laufen bei Twitter Sturm.“
Ich lese Don Alphonso gern, obwohl ich die Dinge meistens völlig anders sehe. Jemand schrieb auf Twitter: „Ich habe oft nicht mit @faz_donalphonso übereingestimmt, aber er war das Salz in der Suppe des Einheitsbreis.“ Don Alphonso hat Fans, worum ihn vermutlich seine schmallippigen Kritiker beneiden. Die Mehrheit deutschsprachiger Blogs tüte ich ohnehin in die Kategorie Deldenk ein, wenn es um den Kapitalismus geht. Don Alphonso gehört trotz seiner systemaffinen Attitude nicht dazu. Er sieht den Rauswurf auch gelassen.
Die Fans kann man sich auch nicht aussuchen. Dass auch die kackbraune AfD-Mischpoke Don Alphonso manchmal bejubelt, ist nicht seine Schuld.
Mir fällt immer Schopenhauer ein: „Daher nun ist die erste, ja schon für sich allein beinahe ausreichende Regel des guten Stils diese, dass man etwas zu sagen habe: O, damit kommt man weit!“ Der Don hat sowieso Stil, auch wenn dieser (klein)bourgeois ist. Und wenn lechts und rinks alle heulen und zähneklappern, hat man etwas richtig gemacht.
Liebe FAZ, mal im Ernst: Ihr redet von kreativen Ansätzen. Das ist nicht nur Neusprech, sondern schlechtes Deutsch und zudem Heuchelei. Kennt ihr Wolf Schneiders Verdikt in Deutsch für Profis über Kreativität?
Mode-, Bläh- und Zauberwort für das Talent, Ideen zu haben oder schöpferisch zu sein; in Umlauf gesetzt und heilig gehalten von den sog. „Kreativen“ in den Werbeagenturen. „Brezeln zu formen ist meine Art, meine Kreativität auszudrücken“, sagt heute jeder bessere Bäckergeselle. Oft ist Phantasie eine gute Übersetzung.
Das Ministerium für Wahrheit informiert: Sperrige und unbequeme Meinungen abzuschalten heißt jetzt: „kreativen Ansätzen größeren Raum geben.“
[Update] Don Alphonso sagt, wie es war und ist bei der FAZ.
Kapitalismuskritisch
In Italien scheint die linkspopulistische MoVimento 5 Stelle die stärkste Kraft zu werden, was aber nichts heisst.
Interessant, wie und warum die bürgerliche Presse die Adjektive „links“ und „rechts“ verteilt. Bei „europakritisch“ schleudern alle nur noch herum.
Die MoVimento 5 Stelle ist ungefähr so einzuordnen wie Podemos in Spanien und Syriza in Griechenland: Ein linkssozialdemokratisches Programm, das aber nicht die Macht- und Systemfrage stellt, den Kapitalismus also nur reformieren will. Ein Scheitern ist damit vorprogrammiert.
Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher

Quelle: Bundesministerium für Heimat/Facebook
Was ich heute u.a. gelesen habe:
China zensiert George Orwells Animal Farm (erschienen 1945!). „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.“
Wohin es führt, wenn der Gott der Christen wieder in Schulen einkehren soll: „Lawmaker who wants to put God in schools is thankful for slavery and believes ‘Jews own everything’“. Wer hätte das gedacht!
Die Organisatorinnen vom Women’s March in den USA finden Farrakhans antisemitische Hetztiraden offenbar ganz in Ordnung. „According to the Anti-Defamation League, prominent Women’s March figures Tamika Mallory, Carmen Perez and Linda Sarsour have failed to speak out against the Nation of Islam leader after he described the Jewish community as his “enemy” during a speech at the 2018 Saviour’s Day event in Chicago.“ Auch das überrascht nicht. Gleich zu gleich gesellt sich gern.
Dänemark stellt alle finanzielle Hilfen für NOGs ein, die „Palästinenser“ unterstützen. Gut so!
Red Sparrow werde ich mir ansehen.
Ach ja: Willy Brandt randaliert in der Parteizentrale der SPD!























