Beleidigte Majestäten oder: Satire darf … ähm… alles
Jost Müller-Neuhof im Tagesspiegel über den „Fall“ Böhmermann: „Die Pointe? Kommt gerade, indem sich die Staatsanwälte mit ihm befassen, wegen eines archaischen Delikts, das die globale Majestätsbeleidigung unter Strafe stellt und als Kotau vor den Türken auf mehreren Ebenen amtlich verfolgt werden muss. Mitten im ach so modernen Deutschland, ein Beleidigungsstrafrecht mit Feudalcharakter. Die Truppe von Extra Drei tritt Herrn Erdogan vors Schienenbein, Böhmermann weckt auf.“
Willkommen in Panama, revisited [Update]
Die Grenze zwischen Costa Rica und Panama, Dezember 1981. Das dürfte ungefähr hier auf der Panamericana gewesen sein – kurz vor der Stadt David.
Die Sueddeutsche hat einen Scoop gelandet – mit Ansage vor einem Jahr. (Alle anderen schreiben nur ab.)
Vor über einem Jahr kontaktierte eine anonyme Quelle die Süddeutsche Zeitung und übermittelte auf verschlüsseltem Weg interne Dokumente der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca. Eine Firma, die weltweit anonyme Briefkastenfirmen verkauft, mit deren Hilfe sich wiederum so ziemlich alle Geschäfte verschleiern lassen. Auch die schmutzigen. (…) Die Quelle verlangte dafür kein Geld und keine Gegenleistung, außer ein paar Maßnahmen zur Sicherheit.
Die Daten geben einen seltenen Einblick in eine Welt, die eigentlich nur im Verborgenen existieren kann. Sie belegen, wie eine globale Industrie, angeführt von großen Banken, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern, die Besitztümer von Politikern, Fifa-Funktionären, Betrügern und Drogenschmugglern, aber auch von Milliardären, Prominenten und Sport-Stars in aller Verschwiegenheit verwaltet.
Man lese dazu auch Markus Kompa auf Telepolis: „Panama Papers: Wie objektiv ist die Recherche?“
Ich habe den Artikel der Sueddeutschen genau durchgelesen, dabei fielen mir ein paar merkwürdige Dinge auf.
Rund 400 Journalisten von mehr als 100 Medienorganisationen in rund 80 Ländern recherchierten in den vergangenen zwölf Monaten in den Dokumenten.
Alte Journalisten-Weisheit: Einer plaudert immer. Das gilt natürlich auch für Journalisten:
Hauptsächlich handelt es sich um E-Mails, PDFs und Fotodateien sowie Auszüge aus einer internen Datenbank von Mossack Fonseca. (…) Bereits vor gut zwei Jahren hatte ein Whistleblower den deutschen Behörden interne Daten von Mossack Fonseca verkauft. (…) Dadurch war es den SZ-Journalisten aber möglich, einen Teil der Dokumente abzugleichen.
Die Journalisten glichen also die von den Behörden (!) gekauften Daten mit den neuen Dokumenten ab? Interessant.
In der Folge erklärten sich die Commerzbank, die HSH Nordbank sowie die Hypovereinsbank wegen der Geschäfte mit Mossack Fonseca zu Strafzahlungen in Millionenhöhe bereit.
Für mich sieht es so aus, als wenn die Daten, die im letzten Jahr an zahlreiche Behörden verkauft (!) worden waren, jetzt – umfangreicher – auch die Medien erreicht haben – für lau. Spiegel online bestätigt dax indirekt: „Bei dem Geschäftsmann handelte es sich in Wahrheit um den EU-Abgeordneten Fabio de Masi (Linke). Anfang März machte er einen verdeckten Anruf bei Mossack Fonseca (…). Sie zeigt, dass die Kanzlei bis in die jüngste Vergangenheit für Anfragen deutscher Steuervermeider offen war. Dabei muss man in Panama zu diesem Zeitpunkt längst geahnt haben, was auf die Kanzlei zukommt.“
Ich bin übrigens schon gestern auf das Thema aufmerksam geworden – durch Haaretz.
Die Süddeutsche Zeitung nutzte hierfür das Programm Nuix, mit dem auch internationale Ermittlungsbehörden arbeiten. Auf hochleistungsfähigen Rechnern brachten die Süddeutsche Zeitung und das ICIJ Millionen Dokumente in eine maschinenlesbare – und vor allem leicht durchsuchbare – Form. Dieser Prozess nennt sich „optical character recognition“ (OCR), optische Zeichenerkennung.
Schade, dass die Sueddeutsche die Vorteile des Online-Journalismus nicht nutzt und uns die Links vorenthält (was ich hiermit nachholen).
„Nuix started in the year 2000, when a group of computer scientists got together with an idea: a processing engine for unstructured data, the New Universal Intelligence eXchange (NUIX). They probably didn’t realise how important this idea would be in the future. They certainly couldn’t imagine how much data organisations would come to rely on – which now measures terabytes and petabytes.“
Ich habe mir mal eine Demo bestellt – aber von Preisen lese ich nirgendwo etwas. Und eine verschlüsselte E-Mail kann man auch nicht schreiben.
Das Video wird von YouTube eingebettet und erst beim Klick auf den Play-Button geladen. Es gelten die Datenschutzerklärungen von Google.
Regierungen nutzen ein Feature der Banken im Kapitalismus, um Geld am Fiskus vorbei verschwinden zu lassen? „Der Besitz einer Offshore-Firma ist für sich nicht illegal. Es gibt auch eine Reihe von Geschäften, für die es logisch erscheint, zu einer Offshore-Firma zu greifen.“ Wer hätte das gedacht!
Auch das gemeine und dumme Volk wusste das schon und wählt trotzdem eine so genannte „Alternative“ für Deutschland, die zum Beispiel die betriebliche Unfallversicherung abschaffen und natürlich den Arbeitsmarkt noch mehr „flexibilisieren“ aka die Löhne senken will.
[Update 1] Was die AfD damit zu tun hat? Die Leute regen sich über Flüchtlinge auf und wollen die Rechte der Arbeiterklasse beschneiden, anstatt Steuerhinterzieher und die korrupten Vertreter der herrschenden Klassen zur Rechenschaft zu ziehen. Das nenne ich das „Radfahrer-Syndrom“: Nach oben buckeln und nach unten treten. Typisch deutsch eben und typisch AfD-Wähler.
[Update 2] Interessant zum Thema:
– Telepolis: „Was steckt hinter den „Panama Papers“? Oder auch Craig Murray: „Corporate Media Gatekeepers Protect Western 1% From Panama Leak“
The leak is being managed by the grandly but laughably named “International Consortium of Investigative Journalists”, which is funded and organised entirely by the USA’s Center for Public Integrity. Their funders include
Ford Foundation
Carnegie Endowment
Rockefeller Family Fund
W K Kellogg Foundation
Open Society Foundation (Soros)
among many others. Do not expect a genuine expose of western capitalism. The dirty secrets of western corporations will remain unpublished.
– Jacobin: „The Panama Papers and the corruption of capitalism“
– The Guardian: „How to explain offshore banking (and when it is naughty) to a five year old“ sowie dito: „All mention of Panama Papers banned from Chinese websites“
– ICIJ: „Stairway to Tax Heaven“
Bleiben sie uns gewogen

Telepolis: „Regierungsfromm, tendenziös, defizitär, agitatorisch, propagandistisch und desinformativ: Die ehemaligen NDR-Mitarbeiter Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam kommen im Telepolis-Interview zu einem vernichtenden Urteil, was die Fernsehberichterstattung angeht. Von einigen Lichtblicken einmal abgesehen, attestieren Klinkhammer und Bräutigam den Öffentlich-Rechtlichen eine schwere Schlagseite im Hinblick auf den Informationsauftrag, der den Sendern zukommt.“
Lesenswert, zumal hier auch über die möglichen Ursachen geredet wird:
Die sozialen Bedingungen haben sich sukzessive verschlechtert (…). So wurden z.B. weitgehende „Privatisierungen“ von Programmteilen veranlasst. Irrsinnigerweise wurden die Talk-Shows sogar für Millionen-Summen an Drittfirmen ausgelagert, obwohl jeder weiß, dass das Talk-Format zu den preisgünstigsten TV-Produktionen zählt.
Der Betrieb wurde auf die „aktuelle Berichterstattung“ zurechtgestutzt. Eigene Ressourcen wie unabhängige Fachredaktionen und produktionstechnisches Know-how wurden aufgegeben und außerbetriebliche Abhängigkeiten geschaffen. Parallel dazu wurden unbefristete Arbeitsverhältnisse abgebaut und zeitvertragsgebundene Arbeitnehmer eingestellt.
Über Nachrichtenagenturen als Quellen:
Das Textmaterial ist von mäßigem, oft sogar außerordentlich fehlerhaftem Deutsch. Wer möglichst schnell „auf dem Markt“ sein will, kann keinen Zeitaufwand für geschliffene saubere Sprache treiben. ARD-aktuell verwendet rechnergesteuerte Textverarbeitungssysteme.
Ich halte nichts von Kulturpessimismus, die Medien betreffend. Es war noch nie anders, nur dass heute Anspruch und Realität sichtbar auseinanderklaffen und die Rezipienten dank des Internet Alternativen haben.
Wenn man sich das Gekeife der Mainstream-Medien zur Zeit der Studentenbewegung, der RAF, der Hausbesetzer in Berlin anschaut: Von Fairness und Objektivität keine Spur, nur Hetze. Und das ist schon Jahrzehnte her. Warum sich also gerade jetzt aufregen?
Porreeauflauf in Zeiten des Krieges

Foto: Porreeauflauf mit Schinken und Käse (Hausmannskost) à la Burks
Wenig Zeit. Ich empfehle zur Lektüre: Übermedien: „Im Panikorchester“.
Jetzt muss ich an die Medienkompetenz der wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser appellieren. Bitte vergleichen unter journalistischen Gesichtpunkten – audiatur et altera pars u.v.a.m.! Neue Zürcher Zeitung: „Terror – der Gehilfe der Diktatoren“ und Telepolis: „Syrische Armee nimmt strategisch wichtige Anhöhe vor Palmyra ein“.
Unter Sozialunternehmern
Zeit Online nimmt sehr schön die Berichterstattung auseinander: Warum konnten in Berlin Flüchtlinge nicht in Hotels untergebracht werden, obwohl das vermutlich sogar finanziell vernünftig gewesen wäre? „Daran sind auch die Medien schuld.“
Brave New World oder: Search Engine Manipulation Effect
Aeon (via Fefe) berichtet über den „Search Engine Manipulation Effect“.
We are living in a world in which a handful of high-tech companies, sometimes working hand-in-hand with governments, are not only monitoring much of our activity, but are also invisibly controlling more and more of what we think, feel, do and say.
Ave!
Liebe Kollegin Susanne Doerry (Produktionsassistenz Xenius)!
Sie schrieben mir eine unverschlüsselte E-Mail, obwohl ich Sie vorab telefonisch darauf hingewiesen hatte, dass ich das nicht wünsche. Im Impressum meiner Website steht unmissverständlich: „Wenn Sie mir unverschlüsselte E-Mails (elektronische Postkarten) schicken, stimmen Sie automatisch zu, dass ich den Inhalt journalistisch verwende und eventuell publiziere.“
Sie arbeiten für die „AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion“ und an „einer Dokumentation über den Chaos-Computer-Club für ZDFinfo“. Sie suchten den Urheber eines Fotos von Boris F. – „da Sie das Bild in dem Youtube-Video „Tron-Der Mord an Tron, dem Computer Genie Boris F.“ (Am Anfang und am Ende des Videos) verwenden“. [Rechtschreibung im Original]
Well, that’s a bit of a problem, wie man laut Hollywood in Sparta zu sagen pflegte. Ich bin doch sehr erstaunt, dass ich ein Urheber eines Youtube-Videos über den „Mord“ an Tron sein soll. Als Autor ist dort unstrittig ein „Winfried Sobottka“ angegeben, der sich – wenn man die Themen seiner Uploads ansieht, offenbar gern auch mit anderen ernsthaften Dingen beschäftigt, zum Beispiel mit folternden und mordenden Satanisten in Deutschland.
Vermutlich kennen Sie auch mein Buch zum Thema „Tron“ nicht. Das ist verständlich, da es dazu einer Recherche bedurft hätte, die man nicht jedem zumuten kann, allein schon wegen des damit verbundenen Zeitaufwands. Ich vertrete dort die These, dass es sich bei dem Tod des Boris F. um einen Suizid handele und dass der Chaos Computer Club Verschwörungstheorien verbreite, von denen er seitdem offiziell nie abgerückt ist.
Der Computer-Experte Dr. Markus Kuhn (University Cambridge) schrieb 2002 auf die Anfrage der Los Angeles Times: „The German journalist Burkhard Schröder wrote a book on the case. I think that both his presentation of the case and the conclusions he maked are the most sensible ones that I have seen so far, therefore I’d like to refer you to him as a more well-informed source.
Do you think his death was a suicide?
From all I know, this seems to be the most plausible hypothesis.
Why do so many people think he was killed, even if it’s unclear by who?
Lack of an obvious motive, plus he was affiliated with the Chaos Computer Club in Berlin, a highly media-active association that includes quite a number of conspiracy theory enthusiasts.“
Die Vertreter des Chaos Computer Clubs werden Ihnen sicher auch nicht mitteilen, dass ich seitdem persona non grata dort bin, auch nicht die Gründe dafür.
Der Geschäftsführer der AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion mbH – ein Medienunternehmen der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck – ist M. Walid Nakschbandi. Vor rund einem Jahrzehnt, als ich Chefredakteur des unabhängigen Medienmagazins „Berliner Journalisten“ (heute: Nitro) war, bat ich den Kollegen Nakschbandi um ein Gespräch | Interview | einen Beitrag, was dieser rundheraus ablehnte.
Um es mit Herbert Wehner, auch bekannt als Thomas Freitag, zu sagen: „Ich bin nicht nachtragend, aber ich vergesse nicht“.
Aus den oben genannten zahlreichen Gründen sehe ich mich zu meinem Bedauern außerstande, Ihnen bei dem zu helfen, was Sie irrig „Recherche“ nennen.
Denken die überhaupt?
Fefe: „So klar habe ich noch nie gesehen, dass die Zeitungen alle demnächst tot sein werden. (…) Ich meine, das ist ja keine neue Einsicht, dass man in den Massenmarkt gehen muss, nicht in den Nischenmarkt, wenn man langfristig gut Geld verdienen will. Was denken die sich denn da alle?“
Well said.
Einfach nur blöde oder angepasst
Rudolf Stumberger in Telepolis: „In der Tat sieht Müller [Nachdenkseiten] gerne koordinierte Aktionen der Medien am Werk, er kann sich einfach nicht vorstellen, dass Journalisten und Chefredakteure auch einfach nur blöde oder angepasst sein können.“
Das unterscheidet mich zum Beispiel von Müller.
Qualitätsjournalismus, revisited
„In einem Facebook-Posting hatte Pretzell erklärt, Lachmann habe von der AfD 4000 Euro pro Monat für seine Beratungsdienste verlangt. „Herr Lachmann wollte zwar die AfD und Jörg Meuthen beraten, aber er wollte seinen Job als Journalist bei ‚Die Welt‘ nicht aufgeben und dort weiter verantwortlich sein für die Berichterstattung über die AfD“, so Pretzell.“ (Spiegel online)
Man kann das auch so sehen: Alle Beteitigten sind total bekloppt.
Miscellaneous oder: The hateful Burks

Natürlich kann man sich jeden Tag Katzenvideos oder Eulenfotos ansehen. Oder auch einen Vertrag, den Hillary Clinton abschließt, wenn sie eine Rede hält (via Intercept). Oder wüssten Sie gern mehr über die Wurminfektionen der Wikinger? Oder was von Europa übrigbliebe, wenn alles Eis schmölze? (Alternative). Hört mir überhaupt jemand zu?
Und was ist, wenn wir das alles gesehen habe? Ändert das was? Brauche ich gefühlt 9876 Postings auf Fratzenbuch, die sich irgendwie gegen eine gerade aktuelle modernisierte Nazi- und Volkswirtschaftler-Partei aussprechen? Seit wann ändern Medien Meinungen? Und muss ich genau so viele Fotos deren Führerin ansehen? Nein, ich gucke weg.
Übrigens werde ich mir in den nächsten Tagen selbstredend The Hateful Eight ansehen.
Propaganda und Gegenpropaganda
Die Neue Zürcher Zeitung haut das ZDF in die Pfanne: „Das russische Staatsfernsehen beschuldigt das ZDF, einen Dokumentarfilm über einen «freiwilligen» Kämpfer in der Ostukraine fabriziert zu haben. Eine unabhängige Recherche bestätigt einen Teil der Vorwürfe.“
Anonymer Reichtum
Die Taz ruft zum Klassenkampf klärt über Fakten auf:
Die Reichen werden reicher, die Mittelschicht verliert. Die Zahlen, die gerade für mediale Aufregung sorgen, sind zwar nicht taufrisch. Aber man kann es nicht oft genug sagen: In Deutschland besitzen die obersten 10 Prozent mehr als die Hälfte des Volksvermögens. Gleichzeitig hat die ärmere Hälfte nichts. Viele Deutsche glauben zwar, dass sich Leistung lohnen würde. Doch Deutschland ist eine brutale Klassengesellschaft.
Es ist sogar noch schlimmer, als es die offiziellen Zahlen zeigen. In Wahrheit dürften die obersten 10 Prozent über mindestens 62 Prozent des Volksvermögens verfügen – und das reichste Hundertstel dürfte bereits ein Drittel aller Besitztümer kontrollieren. Genaues weiß man nicht: Reichtum ist anonym in Deutschland.
Dürfte? Ach ja? Haben wir denn nicht so genannte „Wirtschaftsjournalisten“ wie den rechtspopulistischen und Kapitalismus-affinen Herrn Tichy? Haben wir keine Wirtschaftsteile in deutschen Medien, die so etwas aufklären könnten? Was machen die den ganzen Tag? Den Kapitalismus schönreden? Quod erat demonstrandum.
Ach ja, da war noch Uwe Krüger mit seiner unangenehmen Medienforschung: „Ganz auf Linie mit den Eliten“ sind sie, die „führenden“ Journalisten. Und die anderen hoppeln brav hinterher.
Nein, eine „Lügenpresse“ ist nicht nötig. Es reicht die Schere im Kopf, bestimmte Fragen einfach nicht zu stellen. Fragen Sie den Esoteriker Volkswirtschaftler Ihres Vertrauens von der so genannten „AfD“.
Will Religion ever disappear?
BBC Future: „Atheism is on the rise around the world, so does that mean spirituality will soon be a thing of the past? Rachel Nuwer discovers that the answer is far from simple.“ Lesenswert.
Das erinnert mich an Lichtenberg, der schon Ende des 18. Jahrhunderts weiter war als die meisten Menschen heute; „Unsere Welt wird noch so fein werden, daß es so lächerlich sein wird einen Gott zu glauben als heutzutage Gespenster.“
By the way: Jeden Tag werde ich auf’s Neue daran erinnert, dass es sich kaum noch lohnt, deutsche Medien zu rezipieren aka konsumieren.
Qualitätsjournalismus, revisited
Zeit online: „Gleichzeitig thematisiert RT die Nahostpolitik des Westens aus seiner Sicht und fragt: ‚Liegt der Ursprung der Flüchtlingskrise nicht in dem Vorhaben des Westens, mit Bomben und Raketen Demokratie in den Irak, Libyen, Syrien und Afghanistan bringen zu wollen?‘ Damit untermauert der russische Staatssender auf Arabisch das, was viele Menschen im Nahen Osten bereits denken.“
Das denke ich auch bereits, ganz ohne russische Sender.
Die Akte Bernd Lammel Teil 4
Die Behörde des Bundesbeauftragten (BStU) für die Stasi-Unterlagen hat im Fall Bernd Lammel neue Dokumente gefunden, unter anderem das Notizbuch des MfS-Majors Geffke, der versucht hatte, Lammel als „Inoffizieller Mitarbeiter“ zu werben. Die neuen Funde bestätigen das, was ich bisher zum Fall veröffentlicht habe. Interessant ist auch ein Dokument, das mit Schreibmaschine geschrieben wurde und das bisher nur handschriftlich vorlag und in dem Lammel eindeutig als „IM-Vorlauf“ bezeichnet wird, also als jemand, der geworben werden soll und als Quelle diente, aber davon gar nichts wusste (vgl. Screenshot unten)
Zur Erinnerung: Bernd Lammel hat eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, dass er niemals wissentlich für das Ministerium der Staatssicherheit der DDR gearbeitet hat, auch auf das strafrechtlich Risiko hin, dass neuen Funde auftauchen würden.
Die Motive für die Verdachtsberichterstattung des RBB sind weiterhin schwer zu ermitteln, da sich alle Beteiligen – die „Klartext“-Redaktion, die Autorin Gabi Probst und andere – in eisernes Schweigen hüllen. Ich darf aber an die alte Journalisten-Weisheit erinnern: Einer redet immer. Oderint, dum metuant.
Kölner Nebelkerzen
Georg Restle von „Monitor“ (via Facebook):
„Mein Tagesthemenkommentar hat hier bei Facebook zu zahlreichen kritischen Reaktionen geführt, auf die ich nicht im Einzelnen eingehen kann. Deshalb ein paar Zusatzinformationen zum geleakten Bericht eines Bundespolizisten, der gestern Schlagzeilen machte:
Im Gegensatz zum Einsatzbericht der Bundespolizei vom 02.01., der von 1.000 bis 1.500 Personen auf dem Bahnhofsvorplatz (einschließlich Domtreppe) spricht, ist im kommentierten Bericht des Bundespolizisten von „einigen Tausend“ Personen im selben Bereich und im selben Zeitraum die Rede. Dass es sich hierbei um eine maßlose Übertreibung handelt, wird auch durch die zahlreichen Videos der Silvesternacht vom Bahnhofsvorplatz belegt.
Der Bericht des Bundespolizisten verteidigt die Tatsache, dass es zu keinen Festnahmen von Tatverdächtigen oder Krawallmachern kam mit dem Satz „ein Gewahrsam kam aufgrund der Kapazitätsgrenze in der Dienststelle nicht in Betracht“. Später heißt es: „Wurden Hilferufe von Geschädigten wahrgenommen, wurde ein einschreiten der Kräfte durch herumstehende (Mitglieder?) … daran gehindert, an die Betreffenden (Geschädigte/Zeugen/Täter) zu gelangen.“ Diese Darstellung überrascht insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich zum Zeitpunkt des „Spießrutenlaufens“ nur noch 150 bis 200 junge Männer mit Migrationshintergrund vor dem Bahnhofseingang aufgehalten haben sollen.
An dem Bericht des Bundespolizisten überrascht zudem, dass Vorgänge beschrieben wurden, die in einem Einsatzbericht eigentlich nichts zu suchen haben, da sie nichts über die Gefährdungslage oder den Ablauf des Einsatzes aussagen. Dazu gehört die in allen Medien aufgegriffene Äußerung „Ich bin Syrer, ihr müsst mich freundlich behandeln! Frau Merkel hat mich eingeladen“, der im Bericht als „Vorfall“ beschrieben wurde. Auch die Beschreibung, dass eine Aussage „mit einem Grinsen im Gesicht“ gemacht wurde, hat in einem Polizeibericht eigentlich nichts zu suchen und sagt mehr über die Haltung des Verfassers aus als über die tatsächliche Gefährdungslage in der Silvesternacht.
Vor diesem Hintergrund halte ich den Bericht des Bundespolizisten, der mittlerweile die Grundlage für die gesamte Berichterstattung bildet, für äußerst zweifelhaft und nur bedingt glaubwürdig. Dies soll in keiner Weise die unsäglichen Übergriffe junger Männer mit Migrationshintergrund auf Frauen in der Silvesternacht relativieren. Allerdings muss sich die Polizei die Frage gefallen lassen, warum sie den bedrängten Frauen nicht rechtzeitig zur Hilfe kam. Mit Kapazitätsproblemen alleine lässt sich dies meiner Meinung nach nicht erklären.“
Qualitätsjournalismus, revisited
Tagesspiegel: „Hat das ZDF Teile einer Doku über Wladimir Putin frei erfunden?“
Die Akte Bernd Lammel – Mediales Intermezzo
Cicero schreibt über den Fall Lammel.
Leider stellt die „Cicero“-Autorin Petra Sorge die wichtigsten Fragen nicht. Wenn man zum Beispiel einschätzen will, ob zum Beispiel jemand als „inoffizieller Mitarbeiter“ geführt wurde, ohne davon zu wissen, reicht es nicht aus, jeden um ein Statement zu fragen, der beim Ruf „Stasi-Experte“ vor ein Mikrofon springt. Das ist eine Frage nach einer Tatsache, und die kann man auch objektiv beantworten.
Frage: Hat Lammel irgendjemanden ausspioniert, denunziert, über jemanden berichtet, mündlich oder schriftlich irgendetwas zu Protokoll gegeben? Gibt es eine Verpflichtungserklärung? Findet sich der „IM Michael“ in den Akten seiner damaligen Freunde? Nein. Hat Lammel Dritten gegenüber gesagt, dass die Stasi ihn bedränge, hat er mehrere Leute gefragt, auch im Westen, wie er sich am besten wehren könne? Ja. Warum erwähnt das der „Cicero“-Artikel nicht?
Warum hatte die RBB-Autorin Gabi Probst die Akten fünf Jahre, publizierte das aber die aber zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt? (Ich weiß es, kann es aber noch nicht beweisen.) Warum antworten weder Probst noch die Klartext-Redaktion auf meine Fragen zum Thema?
Die „Cicero“-Autorin wirft mir Polemik vor. Damit kann ich ganz gut leben.
Ich werde hier weiter berichten, hatte aber in den letzten drei Wochen wenig Zeit, da mein Vater immer noch im Krankenhaus liegt.
























