Leseempfehlungen

Telepolis: „Medienhetze gegen Systemkritik – Wenn ein prominenter Akteur den schmalen Pfad der politischen Orthodoxie verlässt, erschlagen ihn die Medien“.

– Die Briten regen sich darüber auf, dass Theresa May nur Fragen beantworten will, die man ihr voher vorgelegt hat. Har har. Vielleicht sollte man denen man sagen, dass in Deutschland Journalisten meinen, man müsse Interviews „autorisieren“ lassen, was ja noch schlimmer ist.

– Der Deutschlandfunk übt sich in Fake News „Qualitätsjournalismus“.

The Nation: „Trumpism: It’s Coming From the Suburbs – Racism, fascism, and working-class Americans.“ – „But scapegoating poor whites keeps the conversation away from fascism’s real base: the petite bourgeoisie.“ Warum liest man solche klugen Artikel nicht in deutschen Medien?

Don Alphonso über alte, weiße Männer und deren Vorzüge. „Alte, weisse Männer sind zäh und oft genug, wenn sie vorne sind, die gehärtete Auslese ihrer Zeit: Und vor allem sind sie gerissen genug, den Zeitpunkt zu kennen, zu dem sie besser anhalten und Jüngere ins Verderben gehen lassen.“ Yayayay.

– Reminder: Nasser über Kopftuchzwang.

Die Hüter der Wahrhaftigkeit

Leseempfehlung: „Die Hüter der Wahrhaftigkeit“ in der Jungle World. „Die Mobilmachung gegen Heimtücke und Desinformation hat in Deutschland Tradition. Im Kampf gegen »Fake News« und »Hate Speech« hat sie ihre zeitgemäße Form gefunden.“

Das Private ist nicht immer politisch

Ab sofort werde ich Correctiv nicht mehr als seriöse Organisation weiterempfehlen, auch nicht meinen Studenten. Just saying.

Sie werden integriert – Widerstand ist zwecklos

second lifesecond life

Screenshots Second Life 2007: Burks‘ Avatar – der mit den Dreadlocks – boxt einen bewaffneten Angreifer in den Abgrund. (Ich hatte gestern eine Schlägerei im Urban-Krankenhaus, ich bin in der Laune….)

Meine Leseempfehlungen für diejenigen, die nicht am Wochenende arbeiten müssen wie ich:

– Thomas Knüwer über eine zukünftige kostenlose Bouelevard-Zeitung: „Der Tipping Point für Deutschlands Zeitungen: die Gratis-‚Bild'“.

Don Alphonso über grüne BlockwärtI*_nnen: „Grüne Denunzianten küsst und wählt man nicht“.

Michael Angele über den Niedergang der Presse, reloaded (Facebook): „Der Tagesspiegel lädt zum ‚Trendfrühstück: Hunger als Fluchtursache‘ ein. Gesponsort von Rewe“.

Kai Biermann über die Thesen eines Verwaltungsfachangestellten über Kulturelles: „Was ist deutsch? Der Innenminister schreibt über die Regeln der Leitkultur und will so Toleranz stärken. Doch seine Vorschläge sind verlogen und bewirken das Gegenteil.“

Für’s Feuilleton IFLScience: „Female Dragonflies Fake Their Deaths To Avoid Annoying Males“.

Dobermänner und Gute-Laune-Journalismus

Die „Zeit“ bekommt neue Herausgeber. [Reminder zur verlinkten Quelle: Der „Branchendienst“ Kress hatte sich an der Schmutzkampagne gegen den Berlin DJV-Vorsitzenden Bernd Lammel beteiligt.]

So wird der deutsche Journalismus bestimmt gerettet.

Einer der „Neuen“ bei der „Zeit“ ist Florian Illies, der auch im Kunsthandel aktiv ist:
Unser Prinzip ist einfach: Wir lieben es, gute Laune zu haben, und wir möchten uns diese gute Laune nicht verderben lassen. Wir möchten mit Leuten, die ihre Fahrräder selbst reparieren, nichts zu tun haben. Wir haben keine Lust, uns einen Abend lang über die Kurdenverfolgung im Nordirak die Köpfe heiß zu reden, weil uns das zu anstrengend ist.

Ebenfalls dabei: René Obermann, der schon mal die Interessen des Kapitals gegen die Gewerkschaften so vertrat, dass man ihn Dobermann nannte.

Vielleicht kann man Jutta Allmendinger positiv werten: Sie fordert, die Hausaufgaben in Schulen abzuschafften. „1999 führte Jutta Allmendinger den Begriff der Bildungsarmut in die stark ökonomisch geprägte arbeitsmarktpolitische Debatte in Deutschland ein.“ Schon klar: Die Idee, durch „Bildung“ sei der soziale Aufstieg zu erhoffen, ist typisch für die kleinbürgerlichen Mittelschichten.

Das Ende der Zukunft des Journalismus

Lesenswerter Beitrag von Lorenz Matzat auf medium.com: „Das Ende der Zukunft des Journalismus’“ [IMHO ist die Apostrophe hier überflüssig.]

2017 gilt es als innovativ, wenn man investigative Recherche betreibt, für Teile seiner Inhalte online ein Login oder sogar Geld verlangt sowie Newsletter für bestimmte Regionen seines Verbreitungsgebiet anbietet. Formate also, die vor vielen, vielen Jahren entwickelt wurden. Blind hechelt man Fake-News-Hypes hinterher, breitet sich darüber aus, wie geil wichtig man sich als Journalist fühlt und überhäuft sich gegenseitig mit Preisen. Die scheinbar einzige Frage lautet, wie der eigene vermeintliche Qualitätsjournalismus zu monetarisieren sei. Leiser Zweifel, ob man überhaupt noch etwas Monetarisierungwürdiges anbietet, ist wenig bis nicht zu hören. Dafür aber um so mehr davon, wie erhaltenswürdig man als »Vierte Gewalt« doch für die Gesellschaft sei.

Lückenpresse in der Reformzeit

darkroom

Der deutsche Leser wird von seinen Zeitungen mißachtet. Das falsche Bewußtsein der Journalisten, jeder ein Kreuzzügler oder Entlarver, füllt die Spalten mit Gesinnungen statt mit Fakten. Ob links oder rechts, überall lassen sich horrende Informationsdefizite nachweisen. (…)
Daß sich der deutsche Journalismus nie mit erfolgreicher Auflehnung verbunden hat, nie Teil einer Widerstandskultur gewesen ist wie der Journalismus Frankreichs, Englands oder Amerikas, ist das Handikap, das er aus zwei Untertanen-Reichen in die Reformzeit fortschleppt.
(Der Spiegel 02.02.1970)

Ich kann mit der „Diskussion“, wie Fakten zu „checken“ seien aka „Fake News“ nichts anfangen. War es nicht von jeher die verdammte Pflicht von Journalisten, die Tatsachen zu überprüfen? Dennoch sind Medien immer schon der Echoraum der herrschenden Klassen gewesen. Wer das leugnet, leugnet auch die wissenschaftliche Literatur zum Thema.

Die Unfähigkeit zur Selbstkritik war und ist in deutschen Medien nie ein Bug, sondern immer ein Feature. Warum sollte sich das jetzt also ändern, wenn das Personal identisch bleibt? Schon mal vom Klassenhabitus gehört?

Endlich verständlich? Wenn ich mich jemals für die Branche fremdgeschämt habe, dann für diese lächerliche Kategorie. Jetzt schreiben wir, damit das Volk uns versteht. Vorher haben wir nur Unverständliches dahergefaselt. Wie peinlich ist das denn?

Umstritten, umstrittener, am umstrittensten

Ich hatte mir vorgenommen, niemanden mehr ernst zu nehmen, der das Wort „umstritten“ benutzt, weil es rein gar nichts aussagt, sondern ganz im Gegenteil für mediale Schmutzkampagnen benutzt werden kann. Jüngstes Beispiel: Uebermedien über einen Syrien-Experten und was der Mainstream mit seinen Thesen anstellt. Lesenswert. (Ich kannte den Herrn bis jetzt gar nicht.)

Qualitätsjournalismus, revisited

fakten

Finde den Fehler!

Qualitätsjournalismus

zensur

Foto: Qualitätsjournalismus (Symbolbild)

Der Mehrheit der Deutschen ist für Zensur. Ich habe nichts anderes erwartet. Die Medien haben ja auch kräftig dafür getrommelt.

De omnibus dubitandum

De omnibus dubitandum

„Wer Zeitungen besitzt und verlegt, ist ein reicher Mann. Reiche Männer aber gehören alle zum selben Klub. Sicher, es gibt Konkurrenz – harten, zähen Wettkampf um Auflage, Sensationsnachrichten, Exklusivberichte. aber bloß so lange, wie dergleichen nicht dem Prestige, den Privilegien und der Position der Besitzer gefährlich wird. Kommt’s mal so weit, fällt die Klappe.“ (Raymond Chandler: Der lange Abschied, 1954)

Fake News oder Lüge

„Es gibt (…) nicht den geringsten Grund, der Presse, ihrer Freiheit und ihren Freiern mit dem Respekt zu begegnen, den das Publikum dem Pfleger und der Krankenschwester schuldig bleibt, Die Medien sind Teil des gesellschaftlichen und des staatlichen Herrschaftsapparats. Die Moral, die sie für sich reklamieren, ist, wie’s beliebt: Fake News oder Lüge.“ (Hermann L. Gremliza)

Die besten Journalisten

SPIEGEL ONLINE: Die besten Journalisten sind für Sie also jene…

Tenenbom: … die von Tatsachen berichten. Und die uns nicht erzählen, was richtig und was falsch ist.

SPIEGEL ONLINE: Aber ist es nicht zum Beispiel ganz elementar, gegen Hass einzutreten, wie es Emcke getan hat?

Tenenbom: Nein. Das kann man im Privatleben praktizieren, aber nicht im Journalismus.

Grandios, der Mann… Wird aber in Deutschland nicht viele Freunde finden.

Wenn du etwas nicht mit einfachen Worten erklären kannst, hast du es nicht verstanden.

Echokammer

„Man orientiert sich nicht an der Wirklichkeit (…), sondern an dem, was die Kollegen schreiben. Die größte und dichteste Echokammer ist der Journalismus. “ (Norbert Bolz)

Die Akte Bernd Lammel, final

Sueddeutsche.de: „Geschichte eines Verdachts – Ein Gutachten entlastet den Berliner DJV-Vorsitzenden von Stasi-Vorwürfen. Demnach wurde Bernd Lammel als IM geführt – ohne sein Wissen und ohne Verpflichtungserklärung. Der Vorgang sei „wenig bedeutsam“. Für den Verband ist die Aufarbeitung damit beendet.

Nur zum Mitschreiben: Ich hatte recht. Der RBB, die Medienpreisträgerin Gabi Probst, die Bild-Zeitung und deren „investigativer“ Reporter Hans-Wilhelm Saure hatten unrecht.

Niemand wird sich bei Lammel entschuldigen, und schon gar nicht der RBB. So prophezeie ich es.

Fake News, revisited

führende Journalisten

Über Medien: „‚Welt am Sonntag‘ gibt Trumps Fake-News-Vorwurf falsch wieder.“

„Es ist gar nicht so schwer herauszufinden, was Donald Trump auf der Pressekonferenz mit Angela Merkel am Freitag im Weißen Haus gesagt hat. Die Pressekonferenz wurde im Fernsehen übertragen. Sie ist im Netz an vielen Stellen in voller Länge nachzusehen. Das Transkript steht auf der Seite des Weißen Hauses.

Und trotzdem scheitern führende deutsche Journalisten daran, den Inhalt richtig wiederzugeben.“

Fragt sich, wen sie „führen“, die führenden Journalisten….

Besser nicht gemeinsam feiern

Kristina Dunz

Wenn „das Netz“ und „Journalisten“ gemeinsam feiern, muss irgendwas falsch sein – und mir stellen sich prophylaktisch die Nackenhaare auf. Und jetzt alle gemeinsam. Klatschmarsch. Ich kenne keine Parteien mehr.

Nein, ich feiere Kristina Dunz nicht. Dunz fragte Trump: „Warum machte Ihnen eigentlich Pressevielfalt so große Angst, dass sie so oft von ,Fake News‘ sprechen und dann selbst Dinge behaupten, die dann nicht belegt werden können wie die Äußerung, Obama habe sie abhören lassen?“

Eine typische deutsche Suggestiv-Frage. Wie kann man nur so naiv sein und annehmen, Politiker müssten die Wahrheit sagen? Das ist nicht ihr Job. Tilo Jung hat ganz richtig kommentiert: „Ask those German reporters. Funny enough: They don’t ever question Merkel like this.“

Wenn ich Trump wäre, hätte ich geantwortet: „Listen, I’m a politician which means I’m a cheat and a liar, and when I’m not kissing babies I’m stealing their lollipops. But it also means I keep my options open.“

Ein klärendes Wort des Genossen Gremliza

Christian Y. Schmidt: Da beim Thema „Fake News“ und Mainstreammedien offenbar bei einigen Leuten Einiges durcheinander geht, hier ein klärendes Wort des Genossen Gremliza:
Seit Wochen warnt der Bundeswahlleiter vor Leuten, die ‚gerade im Wahlkampf Fake News erzeugen und die Öffentlichkeit in die Irre führen‘ könnten. Wenn wir Fake News nicht allzu frei in erfundene Meldungen oder einfach in Lügen übersetzen, böte sich nicht nur im Wahlkampf an, statt für die überführten Täter ein neues Gefängnis zu bauen, Mauern mit vergitterten Fenstern um den Bundestag zu ziehen. Um die größeren Medienhäuser und Sendeanstalten sowieso. Denn woher hat das Pack, das Lügenpresse ruft, seine Ideologie und sein faktisches beziehungsweise postfaktisches Schießzeug? Allein aus der Lügenpresse – von Funk und Fernsehen, von ‚Bild‘, ‚Welt‘, ‚WAZ‘, ‚Focus‘, ‚Spiegel‘, ‚Stern‘, ARD, ZDF, Phoenix, 3Sat, RTL, Sat1 und N24, dem Sender für Wehrmachtsnostalgie.
(Hermann L. Gremliza, konkret, Februar 2017)

The real story in the Netherlands

Wer wissen will, was in den Niederlanden wirklich passiert ist, darf keine deutschen, sondern muss ausländische Zeitungen lesen, zum Beispiel die Washington Post: „The real story in the Netherlands? The implosion of the center-left.“

Einfältige Vielfalt

renovierung

Man könnte vermuten, dass die Redakteure der „Tagesschau“ (vgl. Screenshot von der Website oben) jetzt komplett verblödet sind. So harsch urteilt man aber nicht über Kollegen, vermutlich sind sie nur dumm und ignorant oder wählen „grün“ und Multikulti und sprechen Gendersprech. (Damit Sie es nicht vergessen, liebe wohlwollende Leserin und lieber geneigter Leser: ich bin linksradikal und für den säkularen Staat. Wer mehr Religion will, ist für mich „rechts“ und ein politischer Gegner, auch wenn das unter grünem Tarnanstrich gefordert wird.)

Ahmad Mansour schrieb dazu: „Das aus religiöser Motivation getragene Kopftuch ist mehr als nur ein Stück Stoff. In vielen Fällen ist es, zunehmend in der Gegenwart, ein klares, religionspolitisches Symbol. Es steht für ein Denksystem der Geschlechtertrennung, für eine Übersexualisierung von Frauen und Mädchen bei gleichzeitiger Tabuisierung von Sexualität. Die Vorstellung dahinter ist: Eine unbedeckte Frau ist potentiell sündhaft und unrein, ehrlos, sie animiert Männer zu Übertretungen. Nimmt man es genau, steht dieses haarbedeckende Tuch damit in Konflikt mit Artikel 3 des Grundgesetzes, mit der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Das so getragene Kopftuch diskriminiert Frauen und degradiert sie zu Objekten der Blicke und des Begehrens von Männern. Das Tuch suggeriert, solcher Schutz vor Männern sei notwendig – und wer es nicht trägt verhalte sich ehrlos oder gebe sich preis.“

Außerdem fordert der Koran gar nicht, dass Frauen ein Kopftuch tragen sollten. Dazu stehen genug Quellen auf Wikipedia: „Im Koran finden sich keinerlei Regeln, wie ein Kleidungsstück auszusehen hat, das dem Verhüllungsgebot entspricht.“

Wer also von „Vielfalt“ redet, wenn mehrere unterschiedliche Kopftücher im Spiel sind, hat – mit Verlaub – nicht mehr alle Tassen im Schrank und will das Bekenntnis zum politischen Islam als „normal“ einbürgern.

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