Retro-Surfen für alle!
„Internet für alle – Btx startet durch!“ (Deutsche Telekom, 1995)
Screenshot: Surfen mit dem Browser Lynx.
Telekom-Drosselung, Remixed
(Via Metronaut)
Deutscher Reklamedreck
Aribert Deckers in der Journalisten-Mailingliste Jonet: „NIEMAND will diese verfluchte Werbung. Da lese ich in aller Ruhe in einer US-amerikanischen Website… das heißt: ich WILL lesen, doch DEUTSCHE Reklame verpestet die Sicht. Ich kann NICHT sehen, was die Menschen in den USA sehen, sondern bekomme, per IP zwangsweise Deutschland als Zielgruppenlokation zugeordnet, DEUTSCHEN Reklamedreck auf den Bildschirm, als Text, als bewegte Grafik, als lärmende Videos. Wenn Flüche töten könnten, hätten Sargmacher Hochkonjunktur.
Der Dreck hat vor Jahren angefangen: als DVDs geographische Zuordnungen bekamen. Man stelle sich vor, die Hitler-Nazis hätten das damals schon gekonnt – deutsche Plattenspieler hätten keine Negermusik mehr abspielen können. Die heutigen Nazis stehen den alten in nichts nach.“
Seien sie sich bewusst von diesem Zeug!

Überprüfung des Tsarnaev-Verkehrs
Computer-Voodoo at its best: „Laut FBI ergaben die (…) Überprüfung von Reisedokumenten, Internetverkehr… (…) Die Mutter Subeidat Zarnajewa sagte ‚Russia Today‘ laut CNN, das FBI habe Tamerlan bereits seit drei bis fünf Jahren überwacht. „Sie wussten, was er tat, welche Internetseiten er besuchte…“
Da würde ich dich zugern wissen, wie man den „Internetverkehr“ einer verdächtigen Person überwacht oder gar herausfindet, welche „Internetseiten“ man besucht hat. Würde Spiegel online ernsthaft recherchieren, würden sie nachfragen, anstatt den Quatsch einfach wiederzugeben.
Dass sie die Quelle Russia Today nicht verlinken, regt mich schon gar nicht mehr auf. Im Original (andere Version) hat die Mutter des Terroristen das auch gar nicht gesagt; entweder hat Spiegel online das einfach woanders abgeschrieben oder sie haben das dazufantasiert:
Zubeidat Tsarnaeva, the suspects’ mother also told RT that her son was being manipulated by the FBI. “How could this happen?… They were controlling every step of him, and they are telling today that this is a terrorist attack,” she told RT.
Piatto und der Nationalsozialistische Verfassungsschutz-Untergrund
Spiegel online (u.a.) „Der Mann war 1995 wegen versuchten Mordes an einem Nigerianer zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde damals im Gefängnis zu einem Informanten der Behörde und lieferte auch Hinweise auf die Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle. Meyer-Plath hatte lange in der Verfassungsschutzabteilung des Brandenburger Innenministeriums gearbeitet und gehörte in den 90er Jahren zu den Führern des V-Mannes.“
Ceterum censeo: Verfassungsschutz esse delendam.
Ceterum censeo: Das wird aber nie geschehen.
Das ist nicht koscher

Frage: Was macht Markus Beckedahl eigentlich beruflich? Bevor jemand an den Verein cnetz – Verein für Netzpolitik e.V. spendet (der Verein wird gerade erst gegründet, und gemeinnützig kann er auch noch nicht sein), sollte man ja noch fragen dürfen. Es ist unseriös zu verschweigen, dass es um einen Verein geht, von dem man noch nicht einmal die Mitglieder des Vorstands kennt.
Kein selektives Löschen
Netzpolitik.org: „Kann eine staatliche Überwachungsmaßname besonders geschützte Kommunikation nicht unverzüglich löschen, darf diese nicht eingesetzt werden. Das hat das Oberlandesgericht Köln letzte Woche entschieden. Das Zollkriminalamt hatte Kommunikation mit einem Anwalt mitgeschnitten, aber ihre veraltete DigiTask-Software hatte noch keine Funktion zum selektiven Löschen.“
Vgl. Wikipedia: „In den Jahren 2005 bis 2011 ging ein Großteil der Jahresbudgets der Zoll- und Finanzbehörden an die Digitask GmbH.“
Interessant ist, wie die das technisch umsetzten:
… leitet der Anschluss-Provider Telefongespräche als Audio und den Internet-Datenstrom im pcap-Format an die Behörde weiter. Dabei wurde aber auch Kommunikation eines Beschuldigten mit seinem Anwalt mitgeschnitten, “und zwar sowohl Telefonate als auch sog. IP-basierte Kommunikation, zu der jedenfalls E-Mails gehörten”.
Zum Mitschreiben: Das Zollkriminalamt hörte Internet-Telefonie mit; die Behörden-Malware von Digitask, die das kann, kann eben auch alles andere (vgl. die Analyse des CCC) (2011-10-26): „Das als ‚Update-Funktion‘ schöngeredete Hochladen und Ausführen beliebiger Schadsoftware wurde – interessanterweise im Kontrast zu ihrer nachdrücklich behaupteten Rechtmäßigkeit – gegenüber der drei Jahre alten Version noch weiter verschleiert.“
Übrigens: Die deutschen Behörden nutzten jetzt FinFisher/FinSpy von Eleman/Gamma.
Computer-Voodoo in der Ukraine
„Die Angreifer hätten über einen Virus das Onlinebanking mehrerer Geldhäuser manipuliert und sich Zugang zu Firmenkonten verschafft, teilte der ukrainische Geheimdienst mit.“
Über einen „Virus“. Das teilt uns Spiegel online gewohnt kompetent ausrecherchiert mit und hat mindestens drei unabhängige Quellen ausgiebig befragt. Oder auch nicht.
Ein Propagandaministerium Geheimdienst ist ja für deutsche Medien per default eine seriöse Quelle, wie man am Beispiel des deutschen Inlands-Geheimdienstes aufs Trefflichste beweisen kann.
Neue Online-Strategie: lange Artikel nicht mehr online
Hamburger Abendblatt u. a. Medien: „Paukenschlag beim ‚Spiegel‘: Chefredakteure müssen gehen. Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron sollen abgelöst werden. Magazin will Doppelspitze abschaffen.“
So soll „Spiegel“-Geschäftsführer Ove Saffe darüber verärgert sein, dass Müller von Blumencron sich offenbar standhaft weigert, eine neue Online-Strategie umzusetzen. Sie sieht vor, Spiegel Online als kostenloses Newsportal fortzuführen. Angebote, die aber über eine rein nachrichtliche Berichterstattung hinausgehen, sollen künftig kostenpflichtig sein.
Was brauche ich Nachrichten? Die kriege ich überall her. Ich lese Zeitungen, weil mich Hintergründe interessieren, die ich nicht immer selbst recherchieren will.
Das ist also eine gute Nachricht für Blogger wie mich, die auch journalistisch arbeiten. Uns werden die Leute dann mehr lesen.
Werbung ist böse
„Werbung ist im Kern böse. (…) Werbung mag ich aber einfach nicht. Ich will sie nicht und niemand wird mich dazu zwingen, mir sie anzuschauen. Das ist meine Sicht und ich weiß nicht, wie sich jemand anmaßen kann, dagegen argumentieren zu wollen.“ (Quelle: ein Posting im Heise-Forum)
Deswegen sehe ich mir grundsätzlich keine Videos von Spiegel online und anderen Websites an, die mich zum Konsum von Werbung zwingen wollen. Ich weiß nicht, was sich die Pappnasen in den zuständigen „Agenturen“ dabei denken? Falls jemand auf die Idee käme mir verbieten zu wollen, bei Werbung in der Glotze wegzuzappen, würde ich das Gerät doch auch ausgeschaltet lassen!
Es kommt auch „gut“, wenn man in der vorgeschalteten Werbung eines Youtube-Videos Pseudojugendliche oder pseudoprominente Arschgesichter mit dämlichem Grinsen und merkwürdiger Kleidung herumzappeln sieht, die einem ein Gefühl suggerieren wollen, dieses und jenes kaufen zu müssen, und in den Filmen über Tsunamis oder Verkehrsunfälle, die man sich ansehen will, dann ein paar Leichen gezeigt werden.
Ich war schon immer der Meinung, dass die Anzahl der Hohlbirnen in Werbeagenturen so hoch ist wie bei der FDP, bei „Abmahn“-Anwälten oder in der Immobilienbranche.
Seminarreihe: Sicher im Internet – Kommunikation, Recherche und Verschlüsselung
Kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen “World Wide Web” und “Internet”? Was genau kann man in einer Whois-Datenbank herausfinden?
Kennen Sie das Usenet? Was hat der Mathematiker Boole mit Google zu tun? Schreiben Sie etwa immer noch digitale Postkarten und sind verschlüsselte E-Mails ein böhmisches Dorf für Sie? Warum braucht man für Phishing keinen Angelschein? Warum kann man einen Tor-Schlüssel nicht beim Pförtner abgeben? Warum ist ein soziales Netzwerk manchmal asozial? Und welches Protokoll brauche ich für Instant Messaging, wenn ich auf IRC verzichte?
Diese Seminarreihe soll nicht nur grundlegende Kenntnisse über alle Dienste des Internet vermitteln, sondern auch praxistauglich in vermeintlich exotische Themen einführen, die Journalisten zwar kennen, über die sie aber selten Genaues wissen: E-Mail-Verschlüsselung, Absichern der Daten auf dem Rechner, Sicherheit beim Surfen, mit dem Smartphone und in sozialen Netzen, anonym surfen. (Ab 25. April 2013)
[Mehr auf recherchegruppe.de]
Virenwerbung
„Über Werbebanner haben Kriminelle versucht, massenhaft Rechner mit Schadsoftware zu infizieren. Auch SPIEGEL ONLINE war betroffen.“
Bruhahahaha. Das ist baer nur wahr, wenn man so dämlich ist und Javascript einschaltet (Java ist bei mir auch deaktiviert) und sich die Werbung antut. Doch wer ist so blöd – außer Spiegel-Online-Redakteuren?
Aber mein Reden hilft nichts, die sind total belehrungsresistent – und nicht nur die. Wer Werbung blockt, ruiniert ja das Geschäftsmodell. Darüber darf kein Wort verloren werden.
Schlangenöl
Foto: Mexikanischer Verkäufer von Antivirenprogrammen, Foto: Burks (1982)
Fefe: „Vielleicht glaubt ihr mir jetzt endlich, wenn ich sage, dass Antiviren Systeme unsicherer machen statt sicherer.“
Finger hoch, wer Windows nutzt, aber kein Schlangenöl keine „Antivirenprogramme“ aka „Virenscanner“ etc. installiert hat – wie ich?
Quod erat demonstrandum.
Eigenentwickelte Rate-Software
Sueddeutsche.de: „Zum Auslesen, Erraten oder Knacken von Passwörtern von Internetdiensten oder Kommunikationsgeräten setzten der Auslandsgeheimdienst Bundesnachrichtendienst und der Inlandsdienst Verfassungsschutz ‚handelsübliche wie auch eigenentwickelte Hard- und Software ein“‚.
ROTFLLMAO!
Guckst du zum Beispiel auch hier und hier.
Dumb German laws concerning the Internet
Ein Leser (danke, Jens!) weist mich gerade darauf hin, dass Kristian Köhntopp leider sein Blog (war hier in der Blogroll) eingestellt hat. Schade – die „wunderbare Welt von Isotopp“ habe ich oft gelesen.
Dort kommentierte Clemens Gleich: „The point for Kristian and many others is an emotional one: There are so many dumb German laws concerning the Internet and privacy that selfpublishers live in constant uncertainty. I can quite understand everyone who wants to quit that. I personally see it as a part of my duty doing the opposite, just to show people some normality. So far, I and everyone doing the same thing, we are really doing a kinda Don Quixote fight… Expect more small sites closing.“
Constanze Kurz: We regret the Error
Der Chaos Computer Club hat heute auf einer Pressekonferenz mehrere Statements des Vereins widerrufen. 14 Jahre nach dem Tod des Hackers „Tron“ sei es unter anderem an der Zeit, die vom CCC auch öffentlich geäußerten Verschwörungstheorien, Tron sei „ermordet“ worden, zu kritisieren. Der damalige Pressesprecher Andy Müller-Maguhn habe sein Gesicht nicht verlieren wollen und deshalb den Unsinn zum Tode Trons nie zurückgenommen. CCC-Pressesprecherin Constanze Kurz sagte angesichts der anwesenden internationalen Presse in englischer Sprache: „We regret the error.“ Der CCC sein eben ein Verein, zu dem „quite a number of conspiracy theory enthusiasts“ gehöre.
Der Journalist Burkhard Schröder, so Constanze Kurz, habe 1998 ein Buch geschrieben und angesichts der Faktenlage suggeriert, dass Tron den Freitod gewählt habe. Schröder sei seit damals immer wieder von CCC-Mitgliedern wüst beschimpft und verleumdet worden. Der CCC distanziere sich mittlerweile von Andreas Bogk, der sich dabei besonders unrühmlich hervorgetan habe. Auch sei Schröder jetzt nicht mehr, wie der CCC noch 2008 offiziell verlautbart habe, „Persona non grata“.
„Wir können aber nicht ausschießen“, so Kurz, dass Journalisten, die sich kritisch über den CCC äußerten, „in Zukunft wieder gemobbt werden“. Zum Glück werde das aber nur auf sehr wenige Journalisten beschränkt sein, da die Presse ohnehin alles unkritisch wiedergebe, was der CCC behaupte. Viele Journalisten hätten so wenig Ahnung von technischen Themen – wie etwa von der so genannten ‚Online-Durchsuchung‘ -, dass sie „jeden Quatsch“ veröffentlichten, „wenn wir das publizieren“, sagte Kurz. Unter dem Gelächter der anwesenden Pressevertreter fügte sie hinzu: „Auch wenn Sie das nicht glauben: Der Chaos Computer Club ist nicht unfehlbar. Auch wir können irren.“
Volks-Facebook oder: Befreunden Sie diese Personen
Zitat aus der aktuellen c’t: „Sämtliche Daten sind dabei sicher vor unerwünschten Zugriffen, liegen sie doch auf Regierungsservern.“
You made my day.
Update: Vgl. Hal Fabers Kolumne
Meine eigene Wolke
„Wichtige Daten verfrachte ich nun in meine eigene Wolke. Die kann mir keiner nehmen, solange ich die Server-Rechnung bezahle.“ (Stefan Porteck. c’t-Redakteur, 25.3.2013)
Unter Zwiebelfreunden
Nur zur Erinnerung: Anonym surfen ist keine Wissenschaft für Geeks, sondern ganz simpel, auch für technisch unbedarfte Windows-NutzerInnen! Einfach ausprobieren – für’s „Zweitsurfen“ sozusagen. Heutzutage hat jeder normale PC soviel Arbeitsspeicher, dass man mehrere Browser benutzen kann, zur Not auch parallel.
1. Schritt: den Tor-Browser Bundle herunterladen und installieren. (Ich habe alles in Englisch hier, aber die Software gibt es auch auf Deutsch.)
2. Wenn man dann die „Executable“ (.exe =das Programm) ausführt, sollte zunächst das Menü der grafischen Oberfläche Vidalia erscheinen, während der eigentliche Browser noch hochfährt.
Vidalia lets you start and stop Tor, see how much bandwidth you are consuming, see how many circuits you currently have active, see where these circuits are connected on a global map, view messages from Tor about its progress and current state, and let you configure your Tor client, bridge, or relay with a simple interface. Included in Vidalia is an extensive help system which helps you understand all of the options available to you. All of these features are translated into a large number of languages.
3. Surfen!
4. Mal in den Optionen von Vidalia herumklicken (vgl. Screenshot). Zum Beispiel lernen, was Tor Bridges sind:
Bridge relays (or „bridges“ for short) are Tor relays that aren’t listed in the main Tor directory. Since there is no complete public list of them, even if your ISP is filtering connections to all the known Tor relays, they probably won’t be able to block all the bridges. If you suspect your access to the Tor network is being blocked, you may want to use the bridge feature of Tor. The addition of bridges to Tor is a step forward in the blocking resistance race. It is perfectly possible that even if your ISP filters the Internet, you do not require a bridge to use Tor. So you should try to use Tor without bridges first, since it might work.
4. Wer sich langweilt, kann die FAQ (Häufig gestellten Fragen) durchlesen und anschliessend seinem sozialen Umfeld erklären, was ein wahrer Zwiebelfreund ist.
By the way: Die gemeinnützige German Privacy Foundation betreibt mehrere Tor-Server. Man kann in den Verein eintreten und das unterstützen!























