Stowaway and The Silent Sea

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Ich schau(t)e gerade (Stand: 28.12.) zum Einschlafen abwechselnd zwei Science-Fiction-Filme: Stowaway – Blinder Passagier (Amazon Prime, USA/Deutschland) und „The Silent Sea“ (Netflix, Südkorea).

Da das Stammpublikum meinen Geschmack schon erahnt, zuerst die anderen: Die FAZ rezensiert „Stowaway“ für Oberstudienräte. Featured erklärt das, was die Zuschauer angeblich nicht selbst herauskriegen. Wikipedia bespricht Besprechungen unter dem abschreckenden Motto „Wissenschaftliche Aspekte und Authentizität“.

Zu „The Silent Sea“ habe ich richtig relevante Rezensionen (Stabreim!) bei TVMovie und Popkultur.de gefunden.

Das alles will ich gar nicht lesen. Mich interessierten eher die subtilen kulturellen Unterschiede. Außerdem habe ich, wenn ich ehrlich bin, vermutlich eher einen Filmgeschmack wie Simon Cowell, obwohl polnische Filme mit Untertiteln auch gut sein können. Ich möchte unterhalten und nicht belehrt werden. Will ich Philosophie, dann lese ich Hegel und Marx im Original. Natürlich hätte ich nichts dagegen, wenn die großen Menschheitsfragen per Entertainment diskutiert und Antworten angeboten würden, wie etwa bei Stanislaw Lem, aber das kriegen deutsche Produktionen sowieso nie hin, weil denen die Leichtigkeit des Seins ab Werk fehlt.

Was zuerst auffällt: Die koreanische Serie ist weder woke noch divers (den Unterschied habe ich noch nie verstanden). Die Koreaner finden es völlig in Ordnung, eben nur Koreaner mitspielen zu lassen ganz ohne Quotenneger. Schon beim Filmplakat von „Stokeaway“ erkennt man hingegen, dass dort – mit der rassistischen Präzisionswaage sorgfältig austariert – jede race mitspielen musste. Mit dem Holzhammer wird mir auch noch eingebläut, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind wichtiger sind als Männer, wenn es weniger um Aktion als um protestantische Morallehre geht. Das ist so dermaßen plump inszeniert, dass vermutlich das Gegenteil erreicht wird. Hautfarbe sollte überhaupt keine Rolle spielen, und die aus Wokistan konterkarieren das.

Ich hätte nichts dagegen, mir einen guten Film anzusehen, in dem alle Schauspieler eine dunklerer Hautfarbe haben als ich. Wenn ich mich mit jemandem identifizieren will, dann nicht deshalb, weil er „weiß“ ist. Oder seit wann war Charles Bronson im realen Leben ein Indianer?

Man sollte das doch eher auf die Spitze treiben: Nur schwarze Astronautinnen und ein „Weißer“, der zum Kaffeeholen da ist oder als Sexsklave dient. Oder nur schwarze Astronauten und eine „Weiße“ (har har) – und es kommt kein Sex vor. Oder nur Aboriginals oder Indianerinnen, aber es geht weder um Fantasy noch um Ureinwohner im Rousseauschen Sinn, die immer die Guten sind, sondern etwa um künstliche Intelligenz. Lieber sehe ich die ganze Nacht lang Koreaner als diesen „diversen“ Quatsch.

Man hat ohnehin das Gefühl, dass das Science-Fiction-Ambiente bei beiden Filmen nur ein Vorwand ist. Ein Western (har har) oder ein Whodunnit-Plot hätten auch gereicht, um mich mit der Moral von der Geschicht‘ zu belästigen. Es wundert doch sehr, dass Drehbücher und Regisseure es offenbar völlig aufgegeben haben, soziale Utopien zu thematisieren. Mehr als die Postapokalypse fällt niemandem ein. Auch „The Silent Sea“ bietet nur Kapitalismus auf die Spitze getrieben – Wasser ist knapp (Chor im Hintergrund: Klima! Klima! Klima! Squid Game!), und nur mit einer goldenen Kreditkarte kommt man an genug. Da fällt mir ein: Ich wollte mehr Sci-Fi aus der Volksrepublik lesen, und Die drei Sonnen liegt immer noch unangetastet auf dem Bücherstapel auf meinem Schreibtisch.

Hollywood-Filme, die Gruppendynamik enthalten, leben meistens davon, dass die Darsteller sich völlig bescheuert benehmen und ihr jeweilige Ego auf Kosten der anderen ausleben. Das ist in „asiatischen“ Filmen natürlich anders und wird auch intelligenter gezeigt. In „The Silent Sea“ sagt man sehr oft „알겠습니다“ und stellt die Hierarchie nicht in Frage – Rebellion gegen die Hierachie, wenn nötig, ist hier immer sehr viel subtiler und zerbröselt nicht die Gemeinschaft an sich.

In koreanischen Filmen jedweder Art muss man sich als urbaner Mitteleuropäer auch über Männer wundern, wie diese mit Frauen umgehen. Frauen schlagen mir zu oft die Augen nieder, wenn jemand sie verbal angeht. Ich habe mir noch kein abschließendes Urteil gebildet: Ist der klassische „Machismo“ als Attitude in Asien verbreiteter, oder ist das dort nur anders? In „The Silent Sea“ sind die Frauen den Männern intellektuell überlegen und lassen sich nichts gefallen. Ein doch sehr von sich selbst überzeugter Kerl, der am Steuerknüppel (oder war es kein Knüppel?) des Raumschiffs Platz nimmt, wird von der hinter ihm sitzenden Kollegin angefaucht: „Wenn du keine vernünftige Landung hinkriegst, kotze ich dir den Hinterkopf voll“.

Nachdem ich mir fahrlässig den Plot von „Stowaway“ schon vorab durchgelesen hatte, werde ich den wohl nicht weitergucken. Bei „The Silent Sea“ bin ich mir noch nicht sicher, zumal die Hauptdarstellerin Bae Donna auch nicht mein Typ ist. Andererseits kann man auch nicht immer so ein ästhetisches Vergnügen wie bei Ho-Yeon Jung verlangen, das einen vom Plot ablenkt, weil man ständig versucht ist, von der Kleidung zu abstrahieren.

Schlefaze: The Wheel of Time

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The Wheel of Time, except for a small and minor nude scene in the pilot episode, hardly has any sexual content, which was something that kept parents from watching Game of Thrones with their children. But what you should know is that this series still tackles some mature topics while also showing some scenes that may be too much to handle for kids under the age of 14.

Mehr muss man zu der Serie nicht sagen. Doch, eins noch: Ich stelle dem interessierten Publikum heute die schlechteste Verfilmung aller Zeiten einer Roman-Serie vor. Mir fielen spontan allerlei Titel ein: „Wokistan for the Teen Age“ wäre auch angemessen. Schuld sind die Algorithmen von Amazon Prime, die mir den Quatsch vorschlugen (vielleicht weil ich im Angebot herumgezappt habe) und meine Neugier, was und wie denn die gegenwärtige volkstümliche Popkultur für die Nachgeborenen sei.

Nein, das wird jetzt kein Fantasy-Bashing. Fantasy ist immer und ausnahmslos (nehmt dies, Game of Throne-Fans!) reaktionäre pseudoromantische Kapitalismus-Kritik, Opium für’s Volk – aber Bullshit kann erholsam sein. Ich spiele online auch so etwas, aber John Norman als Vorlage ist so absurd schlecht, dass man es schon wieder lustig findet, wenn man es als unbeabsichtigte Satire nimmt. Immerhin kann Fantasy mit BDSM Sex und Gewalt besser sein als der Angriff der Killertomaten.

Ein Plot, wenn es den überhaupt gibt, ist natürlich irrelevant. Eine Verfilmung hofft auf den Sog der Leser der Buchvorlage(n) und ist potenziell unendlich lang, weil sich das immer Gleiche ebenso oft wiederholt. Fantasy schreiben Autoren, die zu faul sind, sich mit Wissenschaft und gesellschaftlichen Utopien zu beschäftigen. Eigentlich könnte Fantasy auch zeitlos sein, und der jeweilige Plot würde sowohl zum Paläolithikum, zum Feudalismus oder auch zur Zukunft passen. Merkwürdigerweise verweisen aber fast alle Filme dieser Art ikonografisch auf das, was die Drehbuchschreiber für das Mittelalter halten, garniert mit wohlweise ein paar Zaubereien oder mit Helfen und Heilen. Um diese Absurdität auf die Spitze zu treiben: Warum ließ man „The Wheel of Time“ nicht in einem Plattenbau-Ambiente spielen? Trollocs würden da vielleicht sogar besser hinpassen.

wheel of time

The Wheel of Time treibt das Absurde noch mehr ins reaktionäre Bullshit-Bingo, weil man den ohnehin schon albernen pseudomärchenhaften Plot mit Wokeness und „Diversity“ spickt und noch ein paar modische Elemente des urban style daruntermischt, inklusive metallene Nasenpopel aka Septum. Fehlen eigentlich nur eine Kneipe mit veganem Essen und Untertitel mit Gendersternchen (aber vielleicht kommt das noch). Und, wie nicht anders zu erwarten war, trägt eine Tussy einen Hidjab.

Im Ernst: Gegen Quotennegerinnen maximalpigmentierte Schauspieler ist nichts einzuwenden, da die Hautfarbe – erst recht bei Fantasy! – nichts, aber auch rein gar nichts aussagt. Sandalenfilme sind da eher schon deshalb Quatsch, weil es sogar römische Kaiser mit dunkler Hautfarbe gab – die Römer waren weniger Rassisten als die heutigen Mitteleuropäer. Und das sollte man auch so zeigen, selbst bei purer Fiktion.

Aber muss man es mit dem Holzhammer machen? In Wahrheit ist es gar nicht so, dass die Hautfarbe unwichtig wäre, sonst würden die People of Wokistan nicht so insistieren, dass jede bekannte Farbschattierung (nur im Englischen kann man race sagen) vorkommen muss. Warum nicht ausnahmslos Dunkelhäutige nehmen? Nein? Geht nicht? Weil sich „Weiße“ so etwas nicht ansehen würden? Warum nicht ausschließlich phänotypische „Inder“ wie die Hauptdarstellerin, die aber Indigenous Australian ist? Weil Bollywood noch als fast „weiß“ gilt?

Und warum muss ein männlicher Hauptdarsteller, der japanisch/koreanisch aussieht, eine Art Katana auf dem Rücken mit sich herumschleppen? Nur weil alle Schwertkämpfer der heutigen Hollywood-Trash-Populärkultur wie Samurais aussehen müssen und keine Degen wie die Musketiere tragen? Keine Sorgen, Koreaner und Japaner sind für US-amerikanischen Geschmack im Durchschnitt viel gebildeter, verwöhnter und anspruchsvoller, als dass sie sich diesen Schund reinziehen würden. Nehmt lieber einen Bihänder!

Und erst die Zigeuner das „fahrende Volk“ mit seinen bunten Wagen! Ein Schelm, wer da an Roma aus Transsylvanien denkt. Unerbittlich gut, die Frauen regieren, und die Männer haben Wursthaare wie die Quoten-Farbigen in „Matrix Reloaded“.

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Fazit: Unerträglicher Kitsch. Für mich grenzt das schon an eine Gefährdung der Jugend. Jede Sekunde des Films verschwendet kostbare Lebenszeit.

Germanen

germanen

Habe ich mir selbst zu Weihnachten geschenkt: Germanen: Eine archäologische Bestandsaufnahme. Ist nicht billig, aber sehr interessant, falls jemand noch Geschenkideen braucht. Aber wer interessiert sich dafür? Ich hatte die Ausstellung leider verpasst.

Triggern und die Totengräber der Kunst

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Olympia von Édouard Manet, 1863

Dazu die NZZ: „In vorauseilender Korrektheit säubern manche Verlage und Autoren ihre Werke von allem potenziell Anstössigen“.

Bare Sticks Holiday

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Heute ist Single’s Day. Und die Bilder Georgy Kurasovs würde ich, wie schon gesagt, mir alle kaufen – sie sind großartig.

Blackspace, reloaded

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Ich muss noch einmal auf Blackspace zurückkommen. Die gute Nachricht: Die Agentur von Reut Alush ist wieder online. (Hey, hier lesen doch nicht so viele mit, dass ein Link von burks.de einen DDOS-Angriff bedeutet?)

Die schlechte Nachricht: Ich muss einen Stern von meiner Bewertung wegnehmen. (Ich bemühe mich, nicht allzuviel über den Plot zu verraten.)

Erstens: Am Schluss wird es richtig konfus, und die Gründe, warum wer wen umgebracht hat und vor allem die Motive blieben mir schleierhaft. Offenbar hatten die Drehbuchschreiber zu viele Ideen auf einmal und konnten sich nicht entscheiden: Geht es darum, dass Eltern mehr Verantwortung für ihre Kinder übernehmen sollen – und was heißt das im Detail? Dass in Schulen nichts vertuscht werden soll, auch wenn das dem Ruf der Schule schadete? Der Plot schien zuerst ein Whodunit, aber später verliert er sich in Psycho-Scharmützeln. Zum Glück machen die Dialoge und die Schauspieler das wieder wett.

Zweitens: Viel zu wenig Sex. Einmal rumknutschen mit Reuth Alush ist definitiv nicht genug, und die behält auch noch den Büstenhalter an. Das wäre mit mir nicht passiert. (Das fällt mir in allen isrealischen Filmen auf: Die sind ziemlich prüde.) Aber vermutlich spekulieren sie auf mehr Staffeln, und es wäre langweilig, wenn der Hauptdarsteller (verheiratet, wird auch noch Vater) immer mit derselben vögelte.

Drittens: Wie auch schon bei Hatufim spielt sich alles in der oberen Mittelklasse ab. Ein Schüler kommt aus einem „Problemviertel“ und prügelt sich – auch ein dummes Vorurteil – herum. Immerhin haben einige Schüler Nebenjobs, was bedeuten könnte, dass sie sich die Kosten für Nachhilfeunterricht nicht leisten können oder was auch immer. (Die Lebenshaltungskosten in Israel sind hoch, vor allem die Mieten – ein Schekel ist knapp 30 Cent wert im Vergleich.) Die Armut in Israel ist auch groß. „In der Armutsstatistik der OECD gehört Israel zu den Mitgliedsländern mit den höchsten Armutsraten.“ Das kommt im Film überhaupt nicht vor. Alle wohnen in ziemlich luxuriösen Wohnungen. Vermutlich sind diese Leute auch das Publikum, an das sich die Serie richtet. Was würden die frühen sozialistischen Kibbuzim dazu sagen? (Nehmt dies, „Linke“: „Doch der Kibbutz Sasa im Norden des Landes hält an den linken Idealen fest. Der wirtschaftliche Erfolg eines Kibbutz-eigenen Rüstungsbetriebs macht es möglich.“)

Es ist dann doch wie hier: Die Mittelschicht hat moralische Probleme und thematisiert diese. Klassenkampf kommt nicht vor oder darf nicht vorkommen. Wo kämen wir denn da hin!

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Blackspace [Update]

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Wer gern Thriller-Serien schaut, kommt um Blackspace nicht herum. Die israelische Produktion fesselt mich sogar so, dass ich nicht herumzappe, wie es sonst meine Art ist. Ich werde bestimmt noch mehr dazu schreiben, habe aber erst einige Folgen gesehen.

Der Held und Kommissar Guri Alfi spielt seine Rolle wie eine Mischung aus Clint Eastwood und dem „Tatort“-Komissar Faber: Warum zwei Gesichtsausdrücke, wenn einer genügt. Man muss auch nicht immer aussprechen, dass alle anderen Idioten sind und sich ficken sollen, es reicht aus, wenn man so guckt.

Der Plot: Massaker in einer Schule, alle sind Jugendliche und alle verdächtig, Pistolen werden ausgedruckt und man kommuniziert in geheimnisvollen Kanälen im Cyberspace (statt „Blackspace“ hätte man auch Telegram nehmen können). Die Schüler mobben sich gegenseitig bis aufs Blut und mehr, als man hierzulande gewohnt ist. Auch genderpolitisch ist alles unkorrekt. Die Kerle verhalten sich, wie man es aber aus israelischen Filmen kennt, sehr, sehr rau(h)beinig, um es vorsichtig zu formulieren. Männer haben kurze Haare, Frauen lange. Und natürlich sind die Schauspielerinnen durchweg um ein Vielfaches attraktiver als in deutschen Filmen.

Allein schon wegen der dem Kommissar zwangsweise beigeordneten „Jugendkommissarin“ (oder so ähnlich) sollte der Hetero-Mann einen Blick auf die Serie werden. Reut Alush ist das, was man unter Männern als smoking hot bezeichnet. Oder ein höheres Wesen hat sich einen Scherz erlaubt und in Form der Netflix-Algorithmen mir eine Frau vorgestellt, wegen der ich sogar Olga Kostjantyniwna Kurylenko stehen lassen würde.

Ich musste manchmal schallend lachen, weil die Dialoge zum Teil urkomisch werden. Morag Shmuel (Reut Alush, vgl. Screenshot unten) wird von Rami Davidi (Guri Alfi, dito) rüde und unhöflich behandelt – hierzulande würde die Dame zum Antidiskriminierungs-Beauftragten rennen. Aber israelische Frauen sind wohl ziemlich tough. Shmuel fragt den Internet-Experten der Einheit (der hier weder fett ist noch Popcorn frisst, sondern sogar Uniform trägt), ob der Kommissar immer so sei. Der antwortet trocken: Nein, manchmal habe der auch „schlechte Tage“. (Ich schaue den Film mit Untertiteln, das Hebräisch passt einfach vom Klang her viel besser zu dem rauen Umgangston).

Und dann erst die Schüler: Man möchte am liebsten auf das selbstverliebte nervtötende Pack einprügeln und die Mores lehren. Die Schülerinnen geben eindeutig den Ton an (herausragend: Liana Ayoun), auch wenn die Herren meinen, unentwegt den Obermacho raushängen lassen zu müssen. Sehr subtil und sehr realistisch in Szene gesetzt. Diese Art von Kommissar passt hervorragend zu Jugendlichen, die ständig den Mittelfinger gegen jeden und alles heben. Obwohl Alfi eher klein ist und nicht muskulös, spielt er so, dass vermutlich auch die Araber-Gangs in der Notaufnahme, mit denen ich zu tun hatte, artig geblieben wären. „Natürliche Autorität“ nennt man das, wurde mir gesagt. (Ab und zu kommt der Schimanski durch: Der gewalttätige Vater eines Schülers bedroht seinen Sohn und dann auch noch den zufällig anwesenden Kommissar, der einen Kopf kleiner ist. Man kann sich das Ergebnis ausmalen.)

Bis jetzt ist „Blackspace“ uneingeschränkt gut! Ich glaube auch, dass ich mein Urteil nicht revidieren werden muss.

blackspace

[Update] Wie Website der Agentur von Reut Alush [https://www.add-ca.com/talents/reut-alush/] ist nicht erreichbar. Habe ich so viele Leser? [Ein Foto bei Fracebook]

Resistance is futile

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Man muss sich wehren. Irgendjemand muss damit anfangen. Aber solange es nicht ums Geld geht, bleibt die Sache Feuilleton, ist also irrelevant. Ich habe jetzt den Newsletter Netzwerk Recherche abbestellt, den ich, seitdem es ihn gab, abonniert hatte, weil ich nicht mit Genderdoppelpunkten inmitten unschuldiger Wörter belästigt werden will. Denen ist es egal, warum man das nicht mehr lesen will, und sie haben auch die Abonnenten nicht gefragt.

Zum Thema auch: Welt online: „Autorin klagt gegen Gendern ihres Textes“. Der Verein Deutsche Sprache (VDS) unterstützt die Klage. Man muss den Verein nicht mögen, aber es gibt keine organisatorische Alternative, gegen den identitären Unsinn vorzugehen.

The Voyeurs oder: Breathing new life into the forgotten genre of erotic thriller

the voyeurs

Ich empfehle The Voyeurs (Amazon Prime). Bevor mich jemand missversteht: Ich dachte auch zuerst, das sei Film, in dem es vorwiegend darum ginge, die äußerst appetitlichen und auf einschlägigen Websites oft genug erwähnten big naturals (bra size D) der Hauptdarstellerin Pippa (Sidney Sweeney) in ihrer natürlichen Umgebung – also unbekleidet – möglichst oft zu Wort kommen zu lassen darzustellen. Aber das ist mitnichten so. Der Film ist intelligent, kombiniert auf elegante Weise sex and crime, überrascht die Zuschauer mit dramatischen Zickzacks des Plots und kann auch als Parabel für die Hipster-Kardashians dienen, ohne dass irgendwo ein moralischer Holzhammer zu sehen wäre, wie in deutschen Filmen unumgänglich.

the voyeurs

Es sei empfohlen, sich den Plot vorher nicht durchzulesen, weil das einige Überraschungsmomente weniger bedeutete. Mal so dahingeschwurbelt: Was macht sie aus, die Faszination für das Leben und die intimen Momente uns fremder Personen? In einer digitalen Zeit, in der sich Menschen auf Plattformen regelrecht zur Schau stellen, Videoüberwachung ein fast alltäglicher und unbemerkter Begleiter ist, Firmen unsere Spuren im Internet analysieren und Datenschutz ein stetig heiß diskutiertes Thema ist, erarbeiten Filme ein außerordentliches Spektrum dessen, wie Voyeurismus jeden von uns im Alltag begleiten kann. (…) Auch Michael Mohans „The Voyeurs“ spielt mit dem Reiz des Verbotenen, der lauernden Gefahr und der Sucht nach Teilhabe an einem Leben, das nicht (mehr) das eigene ist.

the voyeurs

Sidney Sweeney ist kein blondes Puttchen, das nur den Möpse-Faktor ausspielt. Ich finde Sex-Szenen in Filmen meistens peinlich und zum Fremdschämen, weil man weiß, was kommt und in welcher Reihenfolge und dass bestimmte Praktiken sowieso nicht sein dürfen. Die Sweeney spielt das, was das voyeuristische Hetero-Herz anzusehen begehrt, mit einer Mischung aus Unschuld und Schamlosigkeit, dass einem Hören und Sehen vergeht. Die Dame ist außerdem Kampfsportlerin, was für eine Frau mit solch auffälligem Busen nützlich ist, um notfalls zu aufdringliche Glotzer in das Gemächt zu treten, und betreibt Sportarten, bei denen man nicht allzu ängstlich sein darf. Tough girl, obwohl sie auf den ersten Blick nicht so wirkt.

the voyeurs

Ein Wort zur Technik im Film. Das Paar nutzt eine Art Laserpointer, um ihre Nachbarn auszuspionieren. Man kann mich gern eines Besseren belehren, aber ich halte das für Bullshit-Bingo. Alle Drucker, auch in der Nachbarschaft, sind für alle zugänglich. Kann man machen, und vermutlich agieren Hipster auch so. Aber realistisch ist das nicht. Die Rezensenten begnügen sich damit und kennen in Deutschland ohenhin nicht den Unterschied zwischen Fax und E-Mail: Pippa findet einen dramatischen Weg, um mit den Nachbarn zu kommunizieren. Sie verschafft sich offenbar Zugang zu deren Drucker und verschickt die Faxe. Wenn Julia und Seb wollen, dass die Nachbarn sie ausspionieren, würden sie sich nicht einmal darum kümmern, ein Passwort für ihr W-LAN zu vergeben. Die technische Seite des Ganzen wird jedoch im Film selbst nicht im Detail gezeigt.

Klar, weil es diese „technische Seite“ so nicht gibt, oder aber man ist extrem bekloppt, was aber dazu führte, dass man sich solche Luxus-Lofts, die im Film zu sehen sind, vermutlich dann nicht leisten könnte.

Jim Schembri schreibt: Sweeney’s magnetic performance really draws you in, making you complicit in her actions as she soft steps ever deeper into the goings on across the way.

Not only do her actions have consequences, even the consequences have consequences. Vastly underrated, The Voyeurs turns out to be a knockout piece of entertainment for adults that plays with perversion and delivers a most satisfying finale.

Ich hätte noch einen alternativen Titel: Unterschätze niemals eine Augenoptikerin mit viel Holz vor der Hütte!

Bewegte Zeiten

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Kumst vom arthaus:nowodworski, gesehen in Unna und durch eine Schaufensterscheibe fotografiert. „Unsere zentralen Themen sind die Veränderung der objektiven Realität und die Auseinandersetzung mit der Zeit.“ Interessant und schön ansehen, aber vermutlich für Leute wie mich unerschwinglich. Erinnert mich an einen weisen Satz des Glöckners von Unna: Nichts ist stärker als die Zeit.

Squid game oder: Das Richtige tun

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Credits aller Bilder: Netflix – Squid Game

Wer schon schon einmal koreanische Filme gesehen hat, was ich auf Anraten guter Freunde vor längerer Zeit schon tat, der weiß: Jetzt wird es anspruchsvoll, der Intellekt strafft und reckt sich voll Vorfreude, etwas zu tun zu bekommen, und die US-Amerikaner muss samt Hollywood draußen bleiben. Sorry, das versteht ihr nicht.

Lob und Dank den Mathematikern, die Algorithmen erfunden haben! Eben einer dieser spülte mir auf Grund meines vorher von Netflix ausspionierten Rezeptionsverhaltens Squid Game in mein peudointelligentes TV. Ich habe erst ein paar Folgen gesehen – trotzdem empfehle ich die Serie uneingeschränkt. Einer der seltenen Fälle übrigens, in den ich, den Zeigefinger pädagogisch wertvoll erhebend, rate: Nichts für schwache Nerven, und sensible Nachgeborene könnten verstört werden. (Keine Ironie!)

Here you go, sagt marie claire: „Would you risk your life playing kids‘ games if it meant winning a literal fortune? The surprise hit Korean drama Squid Game has captivated audiences, depicting a brutal competition for 456 billion Korean won (about $38 million). The nine-episode drama has hit No.1 on the Netflix Top 10, with millions of viewers following its cast of all-star Korean actors as they form alliances and enemies through deadly versions of Red Light, Green Light, and other children’s games.“

squid game

Die Hauptdarstellerin HoYeon Jung ist nicht nur supermodelmäßig hübsch, sondern spielt mit ihrer physischen Präsenz die meisten Kerle an die Wand. Ihr moralischer „Counterpart“ Kim Joo-Ryung macht sich hässlich und gibt die zänkische amoralische Zicke, aber ist als Schauspielerin ebenso herausragend. Die dritte auffällige Mimin Lee Yoo Mihat leider nur einen kurzen Auftritt, von ihr hätte ich gern mehr gesehen.

Forbes falls den eigentlich simplen Plot so zusammen: „If you told me a Korean drama where people compete in murderous children’s games would become the number one offering on Netflix in the US, I probably wouldn’t have believed you. But that’s what Squid Game has just accomplished, unseating Sex Education season 3 for the top spot, and securing itself as what may be Netflix’s most popular Korean series ever.“

Oder, in einem Satz, bei kinofans.com: Die Serie sei „Sie ist im Grunde eine fiese Übersteigerung dessen, was Reality-Shows wie das Dschungelcamp bieten.“ Das ist stark untertrieben, Squid Game ist noch zynischer, noch schwärzer, noch aufwühlender als alle Filme, die ich mit einem ähnlichen Plot jemand gesehen habe. Dagegen ist „1984“ ein Kindergarten. Gewalttätig und trotzdem sehr unterhaltsam!

Bitte, bitte, bitte: Wenn sich das Publikum durch meine Eloge ungeturnt fühlt – schaut den auf Koreanisch mit Untertiteln! Nur so kriegt man das Gefühl richtig mit, und die Töne und Sprache passend zur Mimik. Das macht alles ziemlich fremd, verfremdet das, was man erwartet: Nein, die Akteure handeln mitnichten so, wie man das kennt, und auch die Geschichte wäre von deutschen Filmemachern unmöglich – sie würden sich das nicht trauen.

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Um zu beruhigen: Der Film ist eine Art Science Fiction, die in einem „totalitären“ Ambiente spielt – das aber auch als Parabel für den Kapitalismus durchgehen könnte: Das Spiel, bei dem nach und nach alle Verlierer eliminiert werden, soll „fair“ ablaufen: In einer Szene sieht man blutüberströmte Gehängte, die aber zum Sicherheitspersonal gehörten und die Regeln gebrochen hatte. Fairer Sozialdarwinismus – und dann sieht man, wie die Wachmannschaft die Särge der Getöteten in Öfen schiebt in einem Ambiente, was einen sofort an Konzentrationslager denken lässt. Zum Gruseln, und ich grusele mich eigentlich fast nie.

squid game

Das ist aber noch nicht alles. Koreanisch klingt nicht nur wie eine Alien-Sprache, auch die Mimik und Körpersprache hat nur wenig mit dem zu tun, was bei uns üblich ist. Damit muss man erst einmal klarkommen (daher noch einmal: Eine Synchronisation ruiniert das alles!) Mit großer Spannung studierte ich die Gruppendynamik: Wer macht was warum? Auch hier: Von Dschungelcamp (kenne ich nur vom Hörensagen) oder „Lost“ keine Spur. Eine dröge deutsche Rezension versucht, das Unübliche auf den Punkt zu bringen: „Für eine Serie mit einer relativ abgedroschenen Prämisse schafft es das “Squid Game” von Netflix tatsächlich, eine Menge Überraschungen in seinen Schluss zu packen. Das liegt vor allem daran, dass der Erfolg der Serie nicht so sehr davon abhängt, wer das Spiel gewinnt, sondern davon, wie sie es gewinnen und was das alles bedeutet.“

squid game

Was soll das alles also bedeuten? Der Held ist zu Beginn ein Tunichtgut der allerdämlichsten Art; man hofft inständig, dass ihn irgendetwas wieder auf die Bahn oder was auch immer bringen wird. Squid Game kommt aber nicht mit dem moralischen Holzhammer, wie das hierzulande im „Tatort“ üblich ist. Die Protagonisten lassen das Finsterste und Ekelhafteste aus sich heraus, und die, von denen man das nicht erwartet, agieren ganz unerwartet und für uns auch nicht immer logisch – aber dennoch nicht inkonsequent. Absolut grandios: der alte Mann Oh Young-soo – noch besser als der Hauptdarsteller.

Bei jeder Zeile, die ich schreibe, fällt mir noch mehr ein, aber das würde dem Publikum zu viel verraten. Hausaufgabe: Warum verhalten sich Koreaner wann und wie oft ganz anders als Europäer, und wie könnte man das beschreiben?

Das Finale habe ich noch nicht gesehen. Aber ich weiß schon, dass ich mir alle Staffeln, wie viele es auch sein mögen, anschauen werde.

Verspieltes, pikantes, freundschaftliches und heilige Scheiße

Dune 2000: GruntMods Edition
Ihr seid schuld. Ich musste aber einen uralten Rechner nehmen. Das Gefühl war mir sofort wieder vertraut, obwohl ich das zuletzt irgendwann Ende der 90-er gespielt haben dürfte.


Dann haben wir die Hildmann-Chroniken, die angeblich „pikant“ sein sollen, weil der käufliche Damen, vielleicht sogar der strengen Sorte, in Anspruch genommen haben soll. Also nee – das will ich gar nicht wissen, und was unter der Oberfläche brodelt, ist höchstens schmierig und grenzt an Leichenfledderei. Übrigens, Tagesspiegel, es gibt keine veganen Köche, sondern nur vegane Nahrung. Just saying.

Dann haben wir noch in der Rubrik „heilige Scheiße“ einen exorzierenden katholischen Pfaffen (via Fefe), der nach Ansicht ihm vorgesetzter Pfaffen selbst exerziert werden soll, weil er sich verliebte – jetzt kommts: in „una escritora de novelas eróticas y satánicas“. Da bleibt mir der Mund offenstehen.

freundschaft
Fratzenbuch, was willst du mir damit sagen?

Diese interessante Nüchternheit und Trostlosigkeit

Gustav Wunderwald

Unterführung in Spandau (1927), von Gustav Wunderwald. Credits Pubic Domain Review, Source: Kunstkopie.de Danke für den Hinweis an den Schockwellenreiter.

In den Markt integrierte Saat des Bösen

Thieves of State
Neue Lektüre und neuer Salat: Thieves of State: Why Corruption Threatens Global Security

Was haben wir denn da, passend zur Überschrift? Wieder einmal den Reichsarbeitsdienst erzwungenen Dienst am Gemeinwesen: „Menschen, die Leistungen vom Staat erhalten und nicht bereit sind, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren“. Das kennen wir schon aus der Diskussion über Drogen: Wer sich immer zudröhnt, verweigert sich irgendwie dem Kapitalismus. Wo kämen wir denn da hin. Nur um das klarzustellen: Arbeit im Steinbruch für bestimmt Leute als Therapie, um das Leben kennenzulernen, halte ich klammheimlich für eine gute Idee; leider würden mir aber ganz andere Leute einfallen, die in Frage kämen, als etwa der Arbeits(sic)agentur.

Zum Thema „bunt“, „divers“, „Vielfalt“ und dem Land, in dem wir gut und gerne leben: „Iraker schlug Hotelangestellten und randalierte mit Eisenstange“ – „Der Mann ist seit Jahren ausreisepflichtig, 2018 wurde sein Asylantrag abgelehnt. (…) Ebenfalls am Sonnabend hatte, wie berichtet, ein Afghane in Wilmersdorf einer ehrenamtlichen Gärtnerin in den Hals gestochen. Die Frau hatte in einer Grünanlage Büsche gestutzt. Der Täter kritisierte, dass eine Frau arbeitete, und stach mit einem Küchenmesser“.

Das hat natürlich nichts mit dem Islam zu tun. Man könnte viel dazu schreiben. Ich empfehle wieder einmal Rian Malans Mein Verräterherz – das Kapitel über den „Hammermörder“.

Zum Erinnern und auf Empfehlung des hiesigen Publikums: Es gibt durchaus westliche Werte, die es zu verteidigen gilt – inklusive der Shorts der Sängerinnen! (Sehr süß!)

die Saat des Bösen
Die Saat des Bösen. Credits: Christian Y. Schmidt auf Fratzenbuch

Die BBC hat Fake news zum Thema „Giftgasangriff in Syrien“ verbreitet (via Telepolis). „Nach dem angeblichen Angriff mit chemischen Waffen in Douma waren die Leichen von rund 50 Zivilisten geborgen worden. Die USA, Großbritannien und Frankreich bombardierten bereits wenige Tage nach den Ereignissen – noch während der OPCW-Ermittlungen – Einrichtungen der Assad-Regierung und der syrischen Armee. (…) Demnach hatte die OPCW-Führung systematisch alle Erkenntnisse übergehen oder gar zensieren lassen, die der Giftgasthese zuwiderliefen“. Westliche Werte eben. Kann man nichts machen.

Das ist doch die alte Western-Parole: Erst schießen, dann fragen. Passt auch zu den deutschen Qualitätsmedien, die damals gewohnt seriös berichteten.

dune

Erholen wir uns. Nun zum Feuilleton. Ja, ich werde mir Dune im Kino ansehen.

Die FAZ rezensiert ganz unterhaltsam: „Der thematischen Schwere dieses Themas gehorsam, baut Villeneuve seinen Film aus Bildergebirgen, Hans-Zimmer-Getöse, gewaltigen Fabrikraupen, prächtigen Or­nithoptern, flatternder Flucht, funkensprühenden Zweikämpfen, uralten Prophezei­ungen und Trugspiegelungen.“

(Merke: Wolf Schneider hatte in Deutsch für Profis: Wege zu gutem Stil empfohlen, mit Adjektiven äußerst sparsam umzugehen. Ich füge hinzu: Bricht der Stab nicht, wenn wir ihn reimen? fragten fünfzig funkensprühende falsche Fuffziger.)

Vermutlich wird man gut unterhalten so ähnlich wie mein Avatar, der sich auch meistens in den virtuellen Dünen herumtreibt, obwohl ich alle Filmversionen schon mehrfach gesehen habe und auch die Ballerei eines gleichnamigen Computerspiels nächtelang genoss. Ach nein, das war ein ganz anderes: „Lets Play Dune 2000“. Würde ich heute sofort noch mal bis zum höchsten Level durchziehen. So gut wie Privateer!

Ich schweife ab. Natürlich ist der Plot Fantasy und nicht Science (!) Fiction und genauso albern wie die Bücher John Normans. Man kann über die Ikonografie räsonnieren oder das Werk, wozu ich meistens neige, als Kinderfilm abzutun (die Bücher sind definitiv nichts für die lieben Kleinen).

Jenny Jecke fasst das auf Moviepilot treffend zusammen:
– „Ein junger Kerl schlurft wie eine bedröppelte Arrested Development-Figur durch die Wüste.
– Zahlreiche Oberkörper in extravaganten Kostümen schauen erwartungsvoll auf unsere Geldbeutel oder in die unsichere Franchise-Zukunft.
– Die Tagline „It begins“ sitzt als überlagerte Kirsche auf dem zutiefst originellen Sahnehäubchen dieses Posters.“

Vermutlich wird das so grün ökologisch moraltriefend und divers herüberkommen wie die pseudorevolutionären Witzfiguren in der Matrix: Quotenmaximalpigmentierte, Wursthaare und Pseudo-Obdachlosen-Chic. Aber natürlich besser als der schlechteste Film, den ich mir jemals reingezogen haben. Demnächst mehr in diesem Theater.

El Inocente oder: Kein Friede den Tote

el Innocente

Nein, hat mir nicht gefallen, und ich habe die Serie El Inocente (dt. „Kein Friede den Toten“) auf Netflix auch nicht bis zum Schluss angesehen. (Die genaue Übersetzung „der Unschuldige“ wäre sinnvoller gewesen.) Gefesselt hat mich der Plot auch nicht.

Mein Unwillen begann schon in der ersten Minute, weil mir der „Held“ Mario Casas absolut unsympathisch erscheint. Dafür kann der Schauspieler natürlich nichts, es ist seine Rolle. Ich habe in letzter Zeit einige spanische und lateinamerikanische Filme unterschiedlicher Genres im Original gesehen, und bei allen war das Bild, wie ein Mann zu sein und sich zu verhalten habe, sehr traditionell und langweilig. Männer rasten aus, können sich nicht beherrschen, benehmen sich immer so wie junge Araber und Deutschtürken in Neukölln, so wie ich (mich an) die typische Kundschaft in der Notaufnahme erinnere. Zum Kotzen also. Es fängt gleich mit einer Prügelei vor einer Disko an.

el Innocente

Die meisten der noch wenigen Rezensionen loben den äußerst verwickelten Plot. Mich nervte das nur: Immer wieder tauchen ganz neue Figuren und Handlungsstränge auf, die umständlich von einer Stimme aus dem Off minutenlang erklärt werden müssen. Die Schnipsel mehrerer Handlungen gleichzeitig sind teilweise so kurz und wechseln im Minutentakt hin und her, als sei das ein Tribut an die am Smartphone ständig zappelnde und zappende Generation. Der Stil ist asthmatisch, nur immer kurz etwas gehustet.

Die Spannung eines Thrillers kommt weder durch das Ambiente noch durch die Logik des Verbrechens zustande, sondern wird künstlich aufrechterhalten, weil die Helden immer ihr Maul halten, obwohl kein normaler Mensch sich so verhalten würde. Die Ehefrau „Olivia“ (Aura Garrido) wird entführt, befreit – und dann möchte man natürlich wissen, warum das geschah, aber sie kommt nicht dazu, etwas zu erzählen, weil sie entweder aus mir unerklärlichen Gründen den Mund nicht aufbekommt oder weil sie wieder vor jemandem fliehen müssen.

Aura Garrido (Foto oben) ist die einzige Schauspielerin, die mich überzeugt: Sie ist so verwandlungsfähig, dass ich sie in den Szenen, die ihr vorheriges Leben als Prostituierte zeigt, gar nicht als „Olivia“ identifizierte. Wirklich beeindruckend.

el Innocente

Der Kommissarin „Lorena Ortiz“ Alexandra Jiménez (Foto oben) hat man eine absolut lächerliche blonde Perücke aufgesetzt (oder der Friseur ist eine Pfeife), die auch unnötig ist. Schwarzes kurzes Haar wäre auch gegangen.

Ich habe nicht aus Langeweile irgendwann aufgehört zu gucken, sondern weil mich nichts positiv ansprach, sondern die Nerverei überwog.

Freie Denglische Partei

Wirtschaftswoche: „What lessons can we learn from Mister Lindner‘s Kauderwelsch?“ – „Was die FDP mit „Make in Germany“ ausdrücken möchte, konnte selbst nach mehreren Wochen Rätselraten auf Twitter oder Facebook nicht eindeutig geklärt werden. Auch ich bin unsicher und erlaube mir deshalb, es als Hinweis auf den großen Sprachgraben zu verstehen, der sich durch unser Land zieht – the colossal language divide running across Germany! Auf der einen Seite gibt es eine Minderheit von rund 10 Prozent der Bevölkerung, die gut bis sehr gut Englisch spricht, während auf der anderen Seite knapp 40 Prozent immer noch behaupten, wenig bis gar keine Englischkenntnisse zu besitzen.“

Mecki bei den Hassrednern

hassrede

Wo ist Heimat?

heimat

Ein verspätetes Geburtstagsgeschenk von einem alten Freund. Wir kennen uns schon länger. Männerfreundschaft eben. Das Geschenk besteht aus Büchern vom Verlag Volk und Wissen. #insiderhumor

Die Weltläufte, zwischen dem Tegeler Fließ versteckt

spandau südhafen
Südhafen Spandau

Sechseinhalb Stunden auf dem Wasser – so ungefähr lautete auch der Plan. Wie dem Publikum mittlerweile bekannt, muss ich triggerwarnen: Ich quetsche alles und jedes, was mir auf den Zehnägeln brennt in den Sinn kommt, zwischen die Fotos, von Trending Topics über Chiwetel Ejiofor, von der SPD bis zur Sechserbrücke, von nicht vorhandenen Nackedeis bis Kabul. Gendern fehlt heute ganz.

schleuse Spandau
Schleuse Spandau

Ich bekam auf dem Rückweg, um das Kaiila von hinten aufzuzäumen, eine gute und eine schlechte Nachricht. Ich hatte die Bootsschleppe den hier schon erwähnten Trolley unter Ächzen und Stöhnen (mein Boot wiegt 33 Kilogramm plus zugeladetem Krempel) benutzt, als mich eine Stimme aus einem Mikrofon, welchselbiges dort auf einem Ständer angebracht ist, ansprach wie ein höheres Wesen aus einem Dornbusch: „Guten Tag, können Sie mich verstehen?“ Ich könnte und erwartete, ich werde aufgefordert, für meine atheistisches Gesinnung Buße zu tun und mindestens auf den Knien bis Canossa zu rutschen.

Es war aber nur der Schleusenwärter, der meinte beobachtet zu haben, dass ich mich sehr habe anstrengen müssen und mich darauf hinwies, Hilfe sei möglich, das gehöre zum Service des Hauses. Ich wies das entrüstet von mir, die körperliche Quälerei sein ein Feature meines Aufenthalts auf dem Wasser und mitnichten ein Bug, den es zu korrigieren sei nach dem tugendhaften Motto, jüngere Leute müssten aufstehen, wenn ein alter Mann in den Bus steige. Ich fühle mich plötzlich um Jahre gealtert. Das nächste Mal werde ich das Kanu auf meinen Schultern tragen ich mehr auf den aufrechten Gang achten beim Tauziehen des Bootes.

maienwerder
Maienwerder

In Nachhinein wollte ich auch wissen, wie weit es war – vermutlich doch mehr als zwanzig Kilometer hin und zurück. Die Durchschnittsgeschwindigkeit entspricht also der eines halben Fußgängers kommt jedenfalls hin.

tegeler see

Während der Hafen Tegel und der s124stkr-haqu schon von weitem zu sehen sind, widmen wir uns dem Hindukusch und den dort ansässigen Völkern. Die Lage dort ist unstrittig am Gesäß. Die US-Botschaft dort verschwand aus dem Cyberraum, aus Sicherheitsgründen oder weil es jetzt auch Cybertaliban gibt, die einen Job dort suchen könnten – bis zum 31. August. Vielleicht warten die Taliban auch bis zum 15. September, um die Hauptstadt zu besetzen. Auf jeden Fall kann ich mir abschminken, einmal in den Band-e-Amir-Seen zu paddeln. Beim Noshak machte meine Hüfte ohnehin nicht mehr mit. Außer die Chinesen besetzten Afghanistan, um Gwadar profitabler zu machen. Warten wir also auf Bilder von Helikoptern über der Great Massoud Road. Oder Erdogan lässt einmarschieren.

sechserbrücke
Sechserbrücke

Die Sechserbrücke und die duellierende Historie in der Nähe sind der Stammleserschaft schon bekannt.

brücke zur tegeler humboldtinsel
Unter der Brücke zur Humboldtinsel – nach der vollzogenen Erderwärmung und steigendem Wasserpegel würde ich nicht mehr durchpassen, außer man engagiert die Niederländer, die Tegel eindeichten.

Auf der Humboldtinsel, wo vor jedem Haus mindestens ein Boot schaukelt, wohnt bekanntlich das Proletariat, dem man verbieten will, in Zukunft Fleisch zu essen. Darauf ein donnerndes populistisches #RettetDieCurrywurst!

tegeler fließ
Am Tegeler Fließ

Leider kann man den Nordgraben des Tegeler Fließes nicht bepaddeln, weil im Hafen Wehre den Zugang versperren. Backstage aber sieht es aus wie in Tiefwerder, leider nur sehr kurz. Halten Enten eigentlich auch den geforderten Mindestabstand ein, ist das eine Parabel, von der Natur arrangiert, sind die Viecher so territorial, dass sie nicht kuscheln? Oder glucken nur Paare zusammen, durchmischt von Enten-Singles?

tegeler Fließ
Im Fließ

Das Fließ sieht bei Google Maps schiffbar paddelbar aus. In der Realität ist es aber an manchen Stellen zu dieser Zeit fast zugewachsen. Man bleibt beinahe stecken und ist permanent damit beschäftigt, die Paddel vom grünen Modder zu befreien.

sechserbrücke
Tegeler Hafenbrücke mit Blick auf den Tegeler See

Während wir in Seerosen und Algen herumstaken, ein kurzer Blick ins Feuilleton. Ich tat mir Vor ihren Augen an, da ich das argentinische Original auch gar nicht kannte. Ich stimme mit der Kritik überein. Seriöser und nicht schlechter Krimi, überzeugende Hauptdarsteller, aber ein diffuser Plot ohne Tiefgang, der zwischen verschiedenen Geschichten oszilliert und sich nicht entscheiden kann, was das alles soll. Man merkt, dass Hollywood eben keine politischen Filme machen kann.

tegeler see
Tegeler See

Mir gelang es, per Handy ein Panorama-Foto des Tegeler Sees zu machen, das man auf Fratzenbuch auch drehen kann. Hier geht das offenbar nicht, man muss bei hoher Auflösung traditionell hin- und herscrollen.

eiswerder
Entenhausen auf Valentinswerder

Ich fühlte mich auch noch nach mehr als fünf Stunden ziemlich fit und musste weder pausieren noch pinkeln. Entweder lag es an den ruhigen Wassern oder an meiner verbesserten Kondition.

entenhausen
Wie der Name schon sagt

Mir fiel übrigens noch einmal die dahinsiechende „Linke“ ein, auch, weil hiesigerseits oder auf sozialen Medien auf mich eingeprügelt wurde, ich würde auf die Linken einprügeln. Ja, weil mir die am nächsten stehen und weil ich die früher gewählt. Die rechtsversifften Parteien interessieren mich nicht. Sogar die SPD hat in Berlin eingesehen, dass man die Grünen nicht imitieren darf.

Also weg mit dem Gendersprechen dem Klima-Scheiß! Das kann eh keiner mehr hören. Lieber das K-Wort wieder hoffähig machen. Man muss es nur einmal aussprechen, um genug Radau in den Medien zu bewirken, dass alle über einen reden (die wirksame „Methode Trump“).

Tut die „Linke“ übrigens etwas für die Arbeiter der Rüstungsindustrie? Ich habe nie verstanden, warum Linke auf die merkwürdige Idee gekommen sind, man dürfe keine Waffen exportieren. Gäbe es dann weniger Krieg? Mitnichten – nur die blümchensexpraktizierenden Protestanten fühlten sich dann besser. Meine Idee: Rüstungsidee verstaatlichen vergesellschaften, Waffen nur noch an die Richtigen verkaufen oder an Israel. Damit kriegte man Stimmen, zumal die Linke ohnehin für Volksbewaffnung sein sollte, wie in der Schweiz. Die deutsche Familie R. bekäme natürlich keine (aber Martin Hikel meine Erststimme).

tiefwerder

Warum sollte man islamistische Straftäter nicht nach Afghanistan abschieben? Da sind sie doch unter Freunden und Gleichgesinnten?! Frage für einen Freund.

tiefwerder
Kleiner Jürgengraben, Tiefwerder

Auf meiner To-Do-Liste steht übrigens immer noch der Hauptgraben.

tiefwerder

Dark Secrets

funeral

Die sollte auch zu einer Beerdigung kommen. Das hiesige Publikum muss dann, wenn es soweit ist, eben zusammenlegen. Da ich heute schon wieder ein Jahr älter werde, musste ich an Goethe denken:
„Warum bin ich vergänglich, o Zeus?“ so fragte die Schönheit.
„Macht‘ ich doch“, sagte der Gott, „nur das Vergängliche schön.“
Und die Liebe, die Blumen, der Tau und die Jugend vernahmen’s;
Alle gingen sie weg, weinend, von Jupiters Thron.

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