Populismus

Der mediale Diskurs ignoriert das, worum es dem jeweiligen „Populismus“ geht.

„Das ist zumindest kompatibel mit der in dieser Debatte vorherrschenden Haltung, dass den populistischen Positionen die Unvernunft ohnehin so offensichtlich innewohnt, dass darüber kein weiteres Wort zu verlieren sei – was nichts anderes ist als die Selbstdementierung des pluralistischen Plädoyers, mit dem man zuvor hantiert hatte, um überhaupt erst ein Konzept des Populismus zu gewinnen.

Insbesondere vermeidet man es so, grundlegende Verteilungs- und Knappheitsfragen zu thematisieren, etwa Fragen nach den Gewinnern und Verlierern von »Weltoffenheit und Mitmenschlichkeit«, Fragen, die zu stellen eine Mittelschicht nicht länger für schicklich hält, in deren lebensweltlicher Realität Knappheit nicht mehr prominent vorkommt.
Zumindest scheint die Beobachtung nicht völlig irrelevant, und das ist jetzt überhaupt nicht zynisch gemeint, dass emphatische Bekenntnisse zu maximaler kosmopolitischer Moral stabil mit gewissen sozioökonomischen Eigenschaften derer korrelieren, die solche Positionen vorzugsweise vertreten – »die Wohlmeinenden und die Wohlhabenden«“

Aus dem lesenswerten und überraschend interessanten Buch Philip Manows: Die politische Ökonomie des Populismus„. Ich werde darauf später noch eingehen, weil ich es noch nicht ganz gelesen habe.

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Kommentare

One Kommentar zu “Populismus”

  1. Godwin am August 30th, 2026 9:18 a.m.

    nettes Statement

    im öffentlichen Raum wird „Buntheit“ ja inzwischen als eigener Wert zelebriert und zementiert.
    In Berlin hängen überall Regenbogenflaggen als würde n diese die Blumenkästen ersetzen.

    Wenn man sich die zahllosen Videos Ulrich EndSiegmunds Veranstaltungen anschaut, wen sieht man da?
    eben jenen Teil der sog. Mittelschicht, der zu den Verlierern der letzten Jahrzehnte gehört.
    aber auch jene Egoratten, die meinen, ihnen stünde per se „mehr“ zu, die es nicht ertragen, wenn der Loser zwei Häuser weiter ein besseres Auto hat als man selber und seine Kinder glücklicher wirken als die eigenen…

    Elementar ist dabei auch die Uminterpretation des Demokratie-Begriffs:
    weg von einem formalen Verfahrens- und Wettbewerbsprinzip (prozedurale Demokratie, freier Meinungsstreit, plebiszitäre oder parlamentarische Mehrheitsentscheidung)
    hin zu einem substantiellen Wertebegriff (Moralisierung, inhaltliche Wertegemeinschaft, Gesinnungs- und Bekenntnisdemokratie).
    (vgl. Chantal Mouffe, Alexander Grau, Michael Andrick, Wolfgang Merkel)
    „Demokratie“ wird sakralisiert – sie fungiert nun als eine Art Ersatzreligion, deren Dogmen (die Werte) man nicht hinterfragen darf.

    „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt [jedoch] von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ – Ernst-Wolfgang Böckenförde 1976,)

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