Influenzen

breakfast

Ich dachte beim Frühstück so vor mich hin, da das Publikum, obwohl nur die sich äußernde Minderheit, bemängelte, dass wichtige Themen nicht durchgenommen würden zugunsten spärlich bekleideter Damen, insbesondere deren rückwärtige Körperhälfte, was zu tun sei. (Und jetzt höre ich gerade gute Musik und kann nicht stille sitzen.)

instagram
Auch Instagram bildet.

Jemand schrob:
– ein paar weitere Kapitel zur Genese des Kapitalismus Kommt, der dritte Teil der Parzinger-Besprechung ist in Arbeit. Mein Lesetipp zwischendurch zur Frage „Zufall oder Notwendigkeit“: „The 751 AD Battle Of Talas Deciding The Fate Of Medieval Central Asia“ (Ancient Origins)
– ausführlicher Kommentar zum schnell wieder vergessenen NSU-Leak: Ich kenne mich nicht so aus, und das Thema ist eigentlich bei mir durch. Mal sehen.
– allg. Gedaken zur gesellschaftlichen Entwicklung, der Zerstörung von Kultur (weil z.B. so vieles nicht mehr tradiert wird) Zerstörung von Kultur? Gegenthese: Gibt es das? Und was ist „Kultur“? (Vgl. das Foto ganz unten)
– Zuwanderung (die größer zu sein scheint als 2015, von der man aber nichts mehr erfährt) Ja. Ja. Aus Gründen.
– Sicherheit im Netz (alltagstauglich). Klar. Aber ich bin berufstätig, muss täglich Sport treiben und täglich Ivrit lernen und habe kaum Zeit für meinen Avatar!
– Seuchen Welche Seuchen? Die Drosten-Version oder die Lauterbachsche? (Har har)

instagram
Komisch, dass so etwas noch nicht verboten – und was sagt eigentlich die „Linke“ zu „Frauen mit Waffen“? Und ist die Queen of Guns feministisch?

Sinnlos sind aber die ganzen Verweise und Bilder irgendwelcher 0815-Influencerinnen. Nein. Erstens sind die nicht 0815, sondern wurden aus ganz bestimmten Gründen ausgewählt (und nicht, weil sie hübsche Hintern haben). Es ging um Relevanz und um Geschäftsmodelle. Und auch nicht alle sind „Influenzerinnen“. Gegenfrage: Muss man nicht wissen, was die Jugend so treibt? Was hält das krittelnde Publikum von Paulus‘ Maxime, sich denen anzupassen, die man influenzen will?

Eins habe ich noch zum Thema spätrömische Dekadenz Kulturverfall:

instagram

Relevanzen, Blößen und der Untergang von allem

russian model
Zehntausende Follower und das übliche Geschäftsmodell. Die propere Dame ist übrigens Russin.

Mir fiel zunächst nichts ein. Es geschieht nichts, was das Berichten oder Kommentieren lohnte oder was nicht schon bekannt wäre. Nackten Hintern und Katzenfotos hatten wir schon durchgenommen. Aber das kann man bekanntlich nie genug haben.

Man gerät ins Philosophieren, denkt man darüber nach, was an den Weltläuften relevant sei. Falls die Menschheit in 500 Jahren noch existierte: Wie beurteilt sie das Jahr 2022? Als eine Randnotiz wie etwa 854? Oder als eine der zahlreichen Vorstufen von Armageddon?

Siehe, ich komme wie ein Dieb. Selig ist, der da wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht nackt gehe und man seine Blöße sehe. Und er versammelte sie an einen Ort, der heißt auf Hebräisch Harmagedon.

Von Katzenbildern ist in diesem faszinierenden Teil der Bibel leider nichts zu finden.

Vanessa Sarah Maria
Damen wie Vanessa Sarah Maria nennt man in Neusprech Latfro, auch wenn sie aus Deutschland stammen.

Apropos Armageddon aka Untergang von allem. Verzweifelt ob des Mangels an geeigneten Themen wandte ich mich an die pöhsen Russen, dergestalt, dass ich hierzulande Verbotenes las (da der einzige Zweck der Zensur darin besteht, eben diese zu umgehen, und zwar pronto).

Und siehe, dort verwies man mich auf die Berliner Zeitung (Paywall), die armageddonisiert, dass es eine wahre apokalytpische Freude ist. Die Russen resumieren dazu: „Russland sei imperial, Russland sei rückständig, Russland sei dem Untergang geweiht. Im Gegensatz zu den anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion sei es Russland nicht gelungen, sich zu modernisieren.“

Was heißt „modernisiert“? Kapitalistisch sind die alle. Die Ukraine hat sich modernisiert? Die war doch, den Kapitalismus betreffend, noch im Stadium der ursprünglichen Akkumulation der Diebe und Räuber, was Russland schon hinter sich hat. Die Anrainerstaaten Russlands dümpeln sogar noch auf dem Niveau Venezuelas herum und leben vom Verkauf ihrer Rohstoffe.

Wenn man sich dagegen China ansieht: Das ist uneinholbar enteilt. Man fragt sich nur, wohin, (das kriegen wir noch ein anderes Mal oder einfach nur später). Wenn man sich solche Prognosen ansieht, möchte man entgegnen, ob nicht vielmehr Mitteleuropa dem ökonomischen Untergang geweiht sei?

Milana Mikhailus
Auch das Model Milana Mikhailus ist Russin, hat aber trotz ihrer Schönheit auf den üblichen Kanälen, wo sich andere 20-jährige tummeln, weniger Follower als ich auf Fratzenbuch.

Ich warte darauf, dass Putin sich an Orban ein Beispiel nimmt und Schals trägt, auf denen Russland so groß ist wie die Sowjetunion war – oder sich das auf die Brust tätowieren lässt, während er blutige Geweihbäder. Immer, wenn die Russen von Geschichte reden, kommt irgendwann das Wort „Steppe“ vor.

Die Magyaren (Selbstbezeichnung der Ungarn), die um die Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert aus den Steppen des heutigen Südrusslands und des Urals in die osteuropäische Pannonische Ebene kamen, begannen sofort, die umliegenden Völker zu erobern. (Was ist das für ein Deutsch, Russen? Marx hätte euch den Quatsch in jeder Hinsicht um die Ohren gehauen.)

Wollen sie damit sagen, dass auch die Ungarn irgendwie Russen sind, wie schon die Goten und womöglich auch die Wikinger? Aber man muss ihnen lassen: Es wird klar, dass die Grenzen in Osteuropa genauso diskutabel sind wie früher. Das wird noch spannend.

Die Russen über Deutschland, „die Quote der sehr armen Menschen, die weniger als 50 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben, sei zwischen den Jahren 2010 und 2019 um gut 40 Prozent auf 11,1 Prozent der Bevölkerung gestiegen, berichtete das WSI.“ Das ist wahr, keine Propaganda, sondern nur woanders abgeschrieben.

aboutcompanions
Ich vergesse oft, dass hier nicht nur alternde IT-Nerds mitlesen, die den Johannistrieb kennen, sondern vermutlich auch zahlreiche junge Frauen, die adrett gekleidete echte Männer mögen. „Über ethische Produkte. Nachhaltigkeit ist komplex. Die Einsicht, dass der aktuelle Standard, „Nachhaltigkeit“ als leere Marketingphrase zu verwenden, destruktiv ist, hat uns zu der Erkenntnis geführt, bla bla“. Die Arbeiterklasse kann sich so etwas sowieso nicht leisten.

Was haben wir noch? Wer in der Ukraine Russisch spricht, wird bestraft. Ähnliche Meldungen: Die Polen reißen Denkmäler ab, die an den Kampf gegen Nazideutschland erinnern. (Polen, ihr meinte nicht Entkommunisierung, sondern Antikommunismus. Gern geschehen.)

And now for something completely different. Die Bundeswehr bleibt doch länger in Mali. Danke, Annalena von Ribbentrop Baerbock. Fragt sich nur, was die da macht, und ob sie den Wagners in die Quere kommt.

Ganz fürchterbar schlimm: Die Briten wollen chinesische Überwachungskameras an öffentlichen Gebäuden deinstallieren. Deinstallieren! Ihr habe richtig gelesen!

When asked for comment, a Chinese foreign ministry spokeswoman Mao Ning told reporters on Friday that China has always encouraged Chinese companies operating abroad to comply with local laws. Das kennen wir von US-amerikanischen Firmen. Auch die halten sich bekanntlich immer an die lokalen Gesetze. (Ich habe gerade, zusammen mit den Chinesen, in mein Arbeitszimmer geguckt – alles ok. Auch die Mao-Büste verstaubt noch auf einem abgelegenen Teil der Bücherregale.)

Die Russen haben mit den Grünen gemeinsam, dass sie gern über Sex reden, der nicht direkt der geschlechtlichen Vermehrung dient. Das scheint eine Art Obsession zu sein – von beiden Seiten, nur dass das eigentlich total irrelevante Thema jeweils anders gesehen wird.

Nun ist jegliche positive Darstellung etwa von lesbischer oder schwuler Liebe strafbar. Betroffen sind unter anderem Beiträge in sozialen Netzwerken, aber auch Inhalte von Büchern, Filmen, Medien und Werbung.

Das ist ungefähr so wirksam wie die Zensur russischer Medien. Thomas Manns Tod in Venedig? Geht gar nicht. Oscar Wilde? Ab in den Giftschrank der russischen Jugendschutzwarte. Antike Vasen oder Reliefs? Am besten alles zerschmettern. Auch Spartacus darf nicht mehr gezeigt werden. Bei dem Thema muss ich immer an den Norden Skandinaviens und deren Tierwelt denken.

Jetzt muss sich die russische Filmindustrie aber anstrengen, da Hollywood mittlerweile in jedem ABC-Movie einen Quotenschwulen auftreten lässt…

Mathilde Goehler

Nun zu einer attrakiven Dame mit dem einprägsamen Namen Mathilde Gøhler, die ausnahmsweise keine Russin, sondern Dänin ist. Models sind also nicht unbedingt blöd oder gelangweilte Oberschicht-Tussys, sondern manchmal geschäftstüchtig. Was lese ich da? „1.3M Follower“. Das ist relevant. Das Volk will es so, und was das Volk will, ist richtig.

Die tägliche Dosis [bitte selbst ausfüllen]

pottery
Vermutlich ein Online-Töpferkurs auf Instagram

– Без книги нет знания, без знания нет коммунизма. (Владимир Ильич Ленин)

– Fox News (har har): „On Wednesday, the Pentagon finally admitted what was clear to serious intelligence analysts from the start: Ukraine has no military path to victory against Russia.“

Die Quelle ventiliert bekanntlich bestimmte Fraktionen der Republikaner. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die USA aufhören werden, den Krieg in der Ukraine weiter mit Waffen anzuheizen, selbst wenn DeSantis oder – was unwahrscheinlicher ist – Trump Präsident würde.

Der Ausschuss der herrschenden Klasse, der die Geschäfte der Bourgeoisie organisiert, müsste auf eben die hören: Die Profite der Waffenhersteller würden sinken. Die Kapitalisten in den USA sind sich aber nicht einig: Die eine Fraktion unterstützt die klassischen imperialistischen Kriegstreiber, zu denen Hillary Clinton gehörte. Das heißt: Überall, wie in der Vergangenheit, einmarschieren und das Wertvolle absahnen – Öl, andere Rohstoffe, usw.. Die andere Fraktion, die Isolationisten, zu denen auch Trump gehört, sehen auf die Kosten-Nutzen-Rechnung: Imperialismus per Militäreinsatz ist auf Dauer zu teuer und nicht immer erfolgreich (vgl. Libyen).

Deutschland kriecht der USA wie gewohnt in den Allerwertesten und vertritt keine eigene politische Position. Man könnte neutral bleiben, also weder den Russen noch den Ukrainern Waffen zukommen zu lassen. Aber das ist jenseits des moralingesättigten Denkhorizonts unserer Pseudojurist*[rülps]%&_Innen.

cat
Ein Foto, das die Bevölkerung nicht beunruhigt. Das Kindchenschema erfüllen auch viele japanische Models auf Instagram. Die limbischen Systeme der Konsumenten bemerken vermutlich den Unterschied gar nicht, außer der Tatsache, dass Katzen keine sichtbaren Titten haben.

– Apropos Iran:: Ich glaube nicht, dass die von unseren Qualitätsmedien hochgejubelte „Revolution“ Erfolg haben wird. Irgendwann werden die Proteste in sich zusammenfallen. Es fehlt die leninsche Kaderpartei, die entschlossen die Macht ergreift. Man bekommt den Eindruck, dass die hiesige Journaille auch über die Geschichte der „Linken“ in Persien nichts weiß. Die hat das islamistische Regime von Anfang an unterstützt. Mit diesem Verhalten ist sie genauso auf die Schnauze gefallen wie die KP Italiens.

Interessant, dass die Russen sich kritiklos auf die Seite des klerikalfaschistischen Regimes in Teheran geschlagen haben. „In den vergangenen Tagen wurde Iran von einer Terrorserie in mehreren Städten heimgesucht. Teheran warf dem Westen und Israel vor, einen Bürgerkrieg in dem Land schüren zu wollen. Der Tod einer 22-jährigen Iranerin löste eine Welle an Protesten aus, die in kurzer Zeit in Unruhen und Gewalt umschlugen. Der Westen versucht, durch eine hybride Kriegsführung den wachsenden Einfluss Irans in der Region einzudämmen. „Immerhin benennen sie die Motive der Kriegsparteien: „Bei der Kurden-Frage geht es nicht nur um die Bekämpfung der destabilisierenden Faktoren, es geht auch um die Gasförderungen in der autonomen Region Kurdistan. An dieser Stelle kreuzen sich die geopolitischen Interessen Irans und der Türkei.“

Huhn

– Bei Tieren, die man auch essen kann, frage ich immer: Was macht eigentlich Erdogan? Schon klar: Die Ukraine muss ungarisch bleiben. Vermutlich läuft er sich schon warm, wenn nach dem Krieg die Restukraine unter die Anrainern aufgeteilt wird.

– Kurze Durchsage zwischendurch: Geniale Idee, alle Fernseher mit manipulierten Fernbedienungen auszuschalten! Auch Haftstrafen [sic] für Festgeklebte sind schön und zu begrüßen.

japanerin
So kann man die Welt aushalten – ich wünschte, ich säße ihr gegenüber.

– Wirtschaft: Fefe wies darauf hin, dass die deutsche Bourgeoisie, die sich bei den Grünen heimisch fühlt, die Abhängigkeit von China mindern möchte. Das ist ja zum Totlachen. Wir Maoisten Marxisten nannten früher Leute, die die Welt nach ihrem Wünschen und Wollen einrichten wollten, Voluntaristen.

Nehmen wir seltene Erden, über die ich hier schon geschrieben habe. Die liegen, wie es die Evolution wollte, meistens in China und nicht in der Eifel. Kann man nichts machen. Nur kaufen.

„Laut Analysen des US Geological Survey schlummern im chinesischen Erdboden rund 44 Millionen REO-Tonnen (REO = Rare-Earth-Oxides). Der zweitgrößte Vorrat befindet sich in Vietnam, ist aber nach Schätzungen der Geologen mit 22 Millionen REO-Tonnen nur halb so groß wie der Chinas. Ebenfalls mehr als 20 Millionen Tonnen sollen unter der russischen und brasilianischen Erde verborgen liegen.“ Wir können nur eine stärkere Zusammenarbeite der deutschen Regierung mit Brasilien vorhersagen. Der Rest ist heiße Luft.

katze
Eine Katze, über einen antisemitischen Antisemitismus-Beauftragten nachdenkend…

– Ich halte für Musk. Die Qualitätsmedien sind natürlich für Zensur, vor allem die taz und der Tagesspiegel, die schon in ihrer Berichterstattung klar suggerieren, dass Twitter mehr Beiträge, die irgendwem nicht passen, löschen müsste. Auch die Pseudolinken unterstützen Zensur. Deutsch bleibt eben Deutsch, da helfen keine Pillen.

learning languages

– And now for something completely different. Ich merke, wie das Lernen der Zukunft (auch) aussehen könnte. Man muss Kurzvideo können. Ich lerne selbst auch so. Nicht nur, aber immer öfter. Man behält einfach besser, was man sowohl schriftlich, per Video und per Ton rezipiert. Nur Text ist anstrengend, und ich habe sowieso nie Zeit. Eine Stunde pro Woche lerne ich Ivrit per Videokonferenz mit meinem Lehrer, mit dem ich sehr zufrieden bin und den ich empfehlen kann. Aber manchmal komme ich zu den Hausaufgaben nur kurz vor dem Unterreicht, weil ich nicht immer vor einem Rechner sitze und ein pdf von mehr als 500 Seiten studieren möchte. Dazu braucht man Konzentration.

Ich habe mir die App Duolingo besorgt, weil jemand, der Deutsch lernt, mir sagte, das wäre die beste Methode. Jeden Tag 15 Minuten, und die Sache ist recht spielerisch und lustig. (Nur die Buchstaben sind recht klein, und man sieht die Vokalzeichen nicht.) Das klassische Vokabel lernen ist vermutlich out und auch pädagogisch nicht mehr üblich.

Ich muss mich auch intrinsisch motivieren, da ich gerade über keine israelische Geisha verfüge. Es macht Spaß zu entziffern, was spärlich bekleidete Models so in ihre Social-Media-Profile texten. Der Inhalt ist wurscht, aber wenn der Zeichensalat, der mir zu Beginn wie Sumerisch-Sanskrit vorkam, sich allmählich in Lesbares verwandelt, kriegt man (oder ich) gute Laune.

israel model
Ich erkenne noch nicht alle Buchstaben, aber einige Wörter kann ich schon lesen.

Manchmal überfliege ich auch, weil ich unterhalten werden will und da das Colosseum nicht mehr in Betrieb ist, ausgewählte „Alternativmedien“ auch um zu wissen, was dort abgeht. Ich hatte die Nachdenkseiten hier einige Male zitiert und auch bemängelt, dass deren Sichtweise der Ökonomie doch eher die Uraltklamotte vom raffenden und schaffenden Kapital wiederkäut. Aber in jüngster Zeit publizieren die offen antisemitische Positionen, die sich hinter „Israelkritik“ verstecken. Man beruft sich auf das Pack von Amnestie International, das von einem „Apartheidregime“ faselt und scheint Gefallen an der Idee zu finden, dass Israel seine Atomwaffen abrüsten müsse. Natürlich fehlt auch nicht der Begriff Besetzung. Warum nicht gleich um Geldspenden an die Hamas bitten? Das sollte man auch Oskar Lafontaine fragen, die für die „Nachdenkseiten“ schreibt.

Noch ekelhafter ist aber ein Artikel aus der Feder von Norman Paech („seit 2007 Mitglied Partei Die LINKE. Als MdB von 2005 bis 2009 war er Außenpolitischer Sprecher der LINKEN“). „An Berichten über die Situation der Menschenrechte in den von Israel besetzten Gebieten Palästinas“ – dann lese ich normalerweise gar nicht weiter. Natürlich darf man Menschenrechtsverletzungen kritisieren, aber man sollte sich nicht auf einen vermeintlichen Konsens berufen, es gäbe ein „palästinensisches Volk“ oder Israel habe etwas „besetzt“. Wer so etwas sagt, kriegte von mir im Geschichtsunterricht etwas hinter die Löffel eine Sechs.

„Die täglichen Meldungen aus den besetzten Gebieten könnten eine Vielzahl weiterer Beispiele rechtswidriger Gewalt und Aggression hinzufügen, die alle nur den Befund des Berichts unterstreichen, dass es sich um ein „vorsätzlich habgieriges, die Rassentrennung förderndes, repressives Regime“ („intentionally acquisitive, segregationist and repressive regime“, VI, S. 21) handelt, mit dem einzigen Ziel, dem palästinensischen Volk den Gebrauch seines Rechts auf Selbstbestimmung zu verhindern.“

Wer sich so etwas zu eigen macht, den nenne ich einen offenen Antisemiten und völkischen Spinner gleich dazu. Dahinter steht die Idee, die Juden ins Meer zu treiben, was keine neue Forderung ist. Und kein Wort über den Terror der Araber gegen Israel! Keine Wort über das korrupte Regime der Terroristen in Gaza! Der Führer hatte seine Freude daran.

model
Ich muss kurz auf das Foto gucken, um mich wieder abzuregen.

Regenbogenfahne

cusco
Cusco, Peru. Die Regenbogenfahne war die Fahne der Inka – deswegen hängt die da.

Martin Dornis schreibt auf Fratzenbuch: „Die sogenannte „Regenbogenfahne“ ist schon längst nicht mehr die von Schwulen und Lesben im Kampf gegen ihre Ausgrenzung, sondern sie steht heute für die heute allgegenwärtige Ideologie der „Vielfalt“. Diese propagiert einen kulturellen Relativismus im Namen von „Toleranz‘ und „Respekt, derzufolge jede Kritik an anderen Religionen und Kulturen als Anmassung und Zumutung gilt, jedenfalls wenn sie von westlicher Seite vorgetragen wird. In diesem Sinne ist sie die Fahne der Kapitulation der Aufklärung vor dem Islam. Daher ist es bezeichnend, dass gerade dieses Symbol aktuell dazu dient, bekenntnishaft seine korrekte Gesinnung vorzuzeigen. Um nichts anderes nämlich handelt es sich bei all diesen one love binden, von denen gerade im Kontext der WM im Katar die Rede ist.“

Die einzig fortschrittliche Regenbogenfahne ist die des Bauernkriegs.

Alles Abschalten!

burks
Meine Spybell macht auch Fotos, wenn sie auf meinem Schreibtisch liegt und aufgeladen wird – natürlich nur auf meinen ausdrücklichen Befehl hin.

Was haben wir?

– Katrin Vernau, die Interimsintendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), bekommt für ihre Berliner Zweitwohnung (!) vom Sender einen monatlichen Mietzuschuss von tausend Euro bezahlt. Das Jahresgehalt von Vernau liegt bei 297.000 Euro. Kann man sich gar nicht ausdenken, sowas.

– „Wer Trumps Meinung auf Twitter nicht ertragen kann, sollte sich vielleicht eher fragen, was in seiner Diversityschulung so falsch gelaufen ist.“ (Anna Schneider)

– Werden Sie Wahlbeobachter in Berlin! Die Scheinreferenden in Berlin haben Konsequenzen: Beim nächsten Mal werden Wahlbeobachter der OSZE dabei sein. (Nur eine Frau – das reicht auch für ganz Berlin.)

– Kriegt hier jemand Staatsknete vom Sozialamt Neukölln? Da müsst ihr jetzt aber ganz tapfer sein. By the way: Warum gibt es Personalmangel? Wir haben doch in Berlin fast neun Prozent Arbeitslosigkeit? Oder sprechen die nur Arabisch oder Russisch Ukrainisch? Man könnte doch auch temporär die hochqualifizierten Genderforscher und -beauftragten zur Arbeit heranziehen! Oder die, die trotz des Studiums des internationalen Rechts keinen Arbeitsplatz gefunden haben!

– Erdogan möchte in den Irak und in Syrien auch mit Bodentruppen einmarschieren Was beziehen wir aus der Türkei, was dann zu boykottieren wäre?

– „We are heading either into nuclear war or a global depression while having fun on Twitter. We are the musicians on the Titanic“. (Kim Dotcom)


instagram
Was soll ich auf Instagram bevorzugen? Arbeit oder Vergnügen?

Tuntenklos, Mamas Grizzly und andere Unwahrscheinlichkeiten

burks' blog

Das ist natürlich blöd. Jetzt habe ich einen Ruf zu verlieren. Das ist schlimmer, als hätte man gar keinen. Bei Fratzenbuch wird jetzt nicht mehr angezeigt, welche politische Einstellung man selbst der Öffentlichkeit preiszugeben wünscht (bei mir war es „linksradikal“). Vermutlich müssten die aus Wokistan sich übergeben, wenn sie erführen, dass „linksradikal“ nichts mit „Klima“, Gendern oder anderen Lifestyle-Themen zu tun hat. Die sind so easily offended („could have cried over the most trivial things„), dass sie sich vermutlich „unwohl“ fühlten, falls ihnen jemand glaubwürdig mitteilte, dass sie einen an der Waffel haben (nicht hätten!).

Apropos Großbourgeoisie: Wäre ich reich, verklagte ich Lindenlab, weil die mir vier (unwichtige) Avatare gelöscht haben und sich weigern, darüber zu diskutieren, obwohl ich laut Vertrag und Account-Status ein Recht darauf haben. Aber man muss nicht alle irrelevanten Kriege führen, die auf der To-Do Liste stehen. Man kennt das von der Großbourgeoisie.

– Aus der Rubrik „nützliches Wissen“: Menschen mit Uterus und Menstruationshintergrund sind „Frauen“.

tuntenklo
Credits: Julia@MissAfroMinga, Café in München – Tunten dürfen dort aufs Frauenklo.

Was haben wir sonst noch?

– Die Scheinreferenden in Berlin müssen wiederholt werden.

– Diejenigen, die sich jetzt schon auf den 3. Weltkrieg gefreut hatten, werden enttäuscht sein.

– „Zweifellos ist der russische Rückzug aus Cherson sowohl optisch als auch politisch eine demütigende Niederlage, über die westliche Politiker und Medien verzückt berichten und sich gegenseitig beglückwünschen. Aber zugleich entspringt Surowikins „schwierige Entscheidung“ einer rationalen und umsichtigen militärischen Analyse, die sich nicht auf Kosten von Leben und Gesundheit unzähliger Soldaten und Zivilisten von politischem Wunschdenken beeinflussen lassen hat. Seine Entscheidung zum Abzug aus dem Brückenkopf bei Cherson stärkt die Kampfkraft der russischen Streitkräfte in der Ukraine und bringt den Frieden einen Schritt näher.“ (Russische Propaganda und daher automatisch voll gelogen.)

– Die Wahrscheinlichkeit eines ukrainischen militärischen Sieges – definiert als der Rauswurf der Russen aus der gesamten Ukraine, einschließlich der von ihnen beanspruchten Krim – ist militärisch gesehen nicht sehr hoch. (Zitiert nach den Qualitätsmedien.)

– Die Republikaner haben die Mehrheit im Repräsentantenhaus der USA. Sie hatten damit gedroht, die Finanzhilfen für die Ukraine zu blockieren. „Nach dem ersten Artikel der Verfassung sind die Sitze im Repräsentantenhaus an die Bundesstaaten im Verhältnis zu ihrer Bevölkerung zu verteilen.“ Diese Institution spiegelt die politische Meinung der US-Amerikaner realistischer wieder als der Senat.

Apropos: Ich gehe davon aus, dass Ron DeSantis der nächste Präsident der USA wird, falls er antritt (was ich auch annehme). Man sollte Trump aber nicht unterschätzen – der weiß, wie Wahlkampf geht. Und Trumps Trumpf (har har) war immer, sich eine Attitude „gegen die Eliten“ zuzulegen. Das kann DeSantis weniger. Allerdings wird der keine Mühe haben, die Spanglish-Sprechenden und andere „Latinos“ auf seine Seite zu ziehen, und natürlich die Nachfahren der eingewanderten Italiener. Das aber ist auch sein Problem: DeSantis ist Katholik, was wiederum die Evangelikalen, die zu den treuesten Unterstützern Trumps gehören, abschrecken könnte.

Vermutlich werden die Republikaner zunächst beobachten, welche demokratischen Kandidaten sich warm laufen, und dann den ihrer Meinung nachgeeigneten Gegenkandidaten aufstellen. Die Demokraten werden niemanden aufbieten könnten, der für die Arbeiterklasse da unten spricht. Falls Biden anträte, würde Trump durchmarschieren. Wenn aber plötzlich jemand aufträte bei den Demokraten, der mehrheitsfähig wäre oder gar eine Frau, hätte auch Nikky Haley eine Chance. Sie wird mit der Kandidatur liebäugeln, wenn ich nicht irre, aber dann dem Team DeSantis beitreten. Haley wäre dann – als Methodistin und Mama Grizzly – für die protestantischen Wähler zuständig.

Habe ich etwas Wichtiges vergessen, die Weltläufte betreffend?

Laila und Ulla

puppen

Die Puppen meiner Schwester sind schon mehr als 60 Jahre alt und immer noch nicht kaputt.

Unter Ausschließenden und Abbrechenden

Wie hier schon vom Publikum erwähnt, berichtet eine der Anstalten: „Der Wagenknecht-Vertraute Diether Dehm soll aus der Linkspartei geworfen werden.“

Herr Dr. Dehm-Desoi hat vielfach vorsätzlich, öffentlich und mit Außenwirkung gegen die Satzung sowie die Grundsätze und Ordnung der Partei verstoßen. Damit hat er der Partei schweren Schaden mit Blick auf ihre Glaubwürdigkeit und ihr Ansehen in der Öffentlichkeit zugefügt. (Antrag auf Dehm-Ausschluss)

Ich empfehle wie immer, zunächst das Kleingedruckte zu lesen. Warum wollen die ihn loswerden?

Bei einer Rede hatte Dehm die den Holocaust relativierende Aussage getroffen: „Die größte Verbrecherorganisation nach der SS war die Nato. Und das ist die Nato auch heute noch.“
In einer von ihm geteilten Bild-Montage werden Politikerinnen mit einem Hund verglichen. Angesichts der Metoo-Vorwürfe in seiner Partei ist das umso problematischer.
In einem Tweet nannte er die Parteiführung zudem „karrierebeseelten Apparat von BND-gestutzten Egomanen“.

Das darf er alles sagen und schreiben. Wie das Berliner Landgericht vor Jahren schon dem DJV Berlin mahnend vorhielt, der mich wieder einmal ausschließen wollte, weil ich mich angeblich „verbandsschädigend“ verhalten hätte: „Kritik ist erlaubt“.

Bonus: Die Ausschließenden müssen den „Schaden“, den Dehm angeblich dem „Ansehen in der Öffentlichkeit“ zugefügt hätte, konkret beweisen. Viel Spaß dabei. Geschieht das nicht substantiiert, wovon man ausgehen kann, treten die Richter, wenn die parteiinternen Gremien den Fall durchgehechelt haben und Dehm sich juristisch gegen einen Ausschluss wehrt, alles in die Tonne. (Am letzten Satz kann man noch feilen, aber das könnten die geschulten Leser selbst machen.)

Kreuzberger Schnellfraß [Update]

kreuzberg

Heute vergaß ich, zur Arbeit etwas zum Essen mitzunehmen. Eine Banane und ein Avocado für 12 Stunden ist, obzwar gut für den schlanken Körper, ein bisschen wenig für den ganzen Tag. Und wenn ich nach 22 Uhr nach Hause komme, will ich nicht den Kühlschrank ausräumen, sondern nur noch ein paar Schlückchen des frisch erworbenen Highland Park-Whiskys zu mir nehmen (nicht nur die Herkunft des edlen Getränks ist exotisch, sondern auch der Geschmack: Bestnote!).

Ich musste also sündigen in der Not einen dieser Lieferdienste ausprobieren. Man sollte bekanntlich auf dem Laufenden bleiben, was Neues im Kapitalismus betreffend, da man nie weiß, ob der Kommunismus schon um die Ecke gebogen ist und man es gar nicht mitgekriegt hat.

Für die Kleinbourgeoisie ist so etwas praktisch, weil sie eben diese Kundschaft erreicht, die keine Lust hat, vor die Tür zu gehen, aber gleichzeitig zu doof ist, um zu kochen – und hungrig. Oder solche wie mich. Die Lieferdienste – ich musste mir das erst neugierig ansehen, derweilen es eine Premiere für mich war – bieten online die Speisekarten aller Lokale an, die mit ihnen eine Vertrag geschlossen haben. (Sorry, ich bestelle nicht online Pizza, weil einer meiner Ex-Frauen in einer Pizzafabrik im Norden Berlins gearbeitet hat, um unsere gemeinsame Südamerika-Reise mitzufinanzieren. Ich weiß, wie Fertigpizzen gemacht werden und wie es dort zugeht. Nur unter Folter würde ich Fertigpizza essen.)

texmex

Man bestellt online, gibt an, wie man zahlen will, bekommt eine E-Mail, die die Transaktion bestätigt, und kann, falls man das datenschutzmäßig erlaubt, im Browser verfolgen, wie lange es noch dauert. Es kommt dann fast immer ein Ausländer der südamerikanischen oder asiatischen, seltener der nordamerikanischen Art, weil nur die sich so ausbeuten lassen, und weil Araber offenbar nicht so gut Fahrradfahren können oder keine Zeit haben, weil sie unbedingt Shisha mit ihren Cousins rauchen oder die Sonnenallee in der zweiten Reihe mit Leihwagen zuparken müssen und zudem oft andere Einkünfte haben.

Ich nahm also Tex-Mex, wohl wissend, dass das gelieferte Essen mit mexikanischer Küche so viel zu tun haben würde wie ein Hamburger mit Fleisch, dessen Lieferant persönlich auf vier Beinen gelaufen ist. Das Ergebnis war, aus soziologischer und anthropologischer Sicht betrachtet, rätselhaft: Wer tut sich so etwas an? Ich weiß jetzt schon nicht mehr, was es war. Es hatte keinen Eigengeschmack, den ich hätte definieren können. Muss man dafür einen veganischen Hipster-Magen haben oder von Geburt an keine Geschmacksnerven besitzen? Lauwarm war es auch, aber der arme Fahrer, der Hindi und Pidgin sprach, sah immerhin abgehetzt aus, hatte also nicht getrödelt.

Mir fielen nach dem Verzehr allerlei kulturpessimistischen Floskeln ein. Die Leute werden immer anspruchsloser, was Mahlzeiten im Spätkapitalismus angeht. Dann kann ich auch gleich Nahrungspillen für Kosmonauten fressen. O tempora, o mores!

[Update] Ich habe das Essen ins Büro bestellt – während der Arbeitszeit. Aufmerksame Leser hätten das merken müssen. Ich arbeite in einem meiner Berufe in Kreuzberg und wohne in Neukölln. Ist das schwierig zu verstehen?

texmex

9./10. November und die sensiblen Inhalte

reichsprogromnacht

Ich frage mich, wie man das Grauen lehren könnte, wenn man die passenden Bilder dazu nicht zeigt? Erwartet jemand, bei den Themen „Reichspogromnacht“ oder der Shoah Katzenbilder zu sehen? Früher, bevor Wokistan erfunden wurde, gab es „sensible Bilder“ nicht. Man sah etwas oder guckte nicht hin.

Um dem Wegsehen ein Ende zu bereiten, konfrontierten US-Befehlshaber die Einheimischen mit denselben Schreckensbildern, vor denen auch jene bei der Befreiung standen. Bürger aus Dachau, aus Flossenbürg, aus den Orten der Außenlager wurden in die ehemaligen KZs geschickt: der unfassbare Anblick der Opfer sollte dem Volk der Täter nicht erspart bleiben.

Heute stünde da jemand mit einem großen Schild: „Vorsicht! Sensible Inhalte!“ Wenn es nach mir ginge, würde so etwas nach der Revolution glatt verboten, und wer vor „sensiblen Inhalten“ warnte, käme sofort in einen Steinbruch, wo er mit einer Spitzhacke Felsbrocken sensibel auseinanderhacken könnte.

Verdammt lang her

tungurahua

Hier noch ein Bick vom ecuadorianischen Vulkan Tungurahua (5,023 m), den ich zwischen dem 12.und 14.12.1979 bestiegen habe. Es muss ganz am Anfang des Aufstiegs sein, wenn man das Panorama mit den anderen Fotos vergleicht.

Ich muss mal zu Potte kommen mit den alten Dias Fotos von meinen Reisen 1979/80, 1981/82, 1984 und 1998: Es ist immer noch eine dreistellige Zahl, die ich noch nie veröffentlicht habe.

Und was mache ich, wenn ich alle online habe? Die Nachgeborenen auf Instagram darauf hinweisen? Books on demand mit 2500 Fotos? Wer soll das bezahlen? Wie sehen denn Fotos in E-Books aus? Und wie groß wird das, unter einem Terabyte?

Dieses Jahr steht unter dem Motto „Verdammt lang her“. Inspiriert durch die Fotos nahm ich bekanntlich Kontakt zu einer meiner Exxen auf, die ich seit 34 Jahren nicht mehr gesehen hatte und fütterte sie mit Kuchen und mit Schweinefleisch süß-sauer ab. Dann wird mich in Kürze eine andere Ex für ein paar Tage besuchen, und wir werden etwas Schönes und/oder Kultiviertes zusammen machen.

Apropos verdammt lang her und „etwas Schönes“: Auf einem anderen Foto erkannte ich ein Mädel eine Frau (ganz links), die wir damals mehrfach in Südamerika wieder getroffen haben, in Kolumbien, Ecuador und Peru oder Bolivien (oder war es sogar Barbados?). Ich fand sie recht schnuckelig, aber sie war mit einem nervtötenden Macker zusammen, sie prügelten sich und brüllten sich an, dass man es überall hörte. Es war unmöglich, mit ihnen zusammen zu reisen.

Jahre später bekam ich einen Anruf von ihr in Berlin. Sie hatte sich von ihrem Kerl getrennt und war unterwegs nach Brasilien als Entwicklungshelferin. Sie hätte noch eine Nacht in Deutschland, ob ich sie nicht besuchen kommen wolle in Gatow in der DED-Zentrale? Das tat ich. Mir wird immer noch warm ums Herz, wenn ich daran denke. Was wohl aus ihr geworden ist? G., wenn du das hier liest, in Brasilien oder wo auch immer auf der Welt: melde dich mal! Mir ist gerade danach (nein, nicht noch mal zusammen auf den Tungurahua).

Unter Wiegenden und Bombenden

abendessen

Ich schrob schrieb vor zehn (!) Jahren: „Da meine Personenwaage heute morgen 86 Kilo anzeigte, werden die hungrigen Leserinnen und die gefräßigen Leser mir die gestrige Sünde mit dem Kasseler mit Senf und Rotkohl verzeihen.

Ich habe überlegt, was ich eigentlich anders mache als vor einem Vierteljahr: Kleinere Portionen, weniger Nudeln, nichts mehr essen nach 18 Uhr oder was ich dafür halte, Schokolade und anderes Süßes sind tabu, Bier trinke ich ohnehin kaum. Wenig Fleisch und Fett, aber das war zu meinen Hundert-Kilo-Zeiten auch schon so.“

Zwischenzeitlich war ich sogar bei meinem Idealgewicht von 84 Kilo (Größe 1,84 cm), das war 2016, als ich zwei Mal in der Woche Krav Maga machte. Jetzt sind es 90. Meine schnuckelige Physiotherapeutin sagte neulich beruhigend, Muskeln, die ich zur Zeit aufbaue, wögen auch etwas. Jedenfalls ist meine Silhouette im Spiegel schlanker als damals. Vielleicht ist auch nur alles anders verteilt. (Ist Titan in der Hüfte schwerer als Knochen?)

Ich müsste heute eigentlich etwas über Georg Elser bloggen, will aber das Publikum, welchselbiges schon informiert sein wird, nicht annoyieren (nur um euren Wortschatz zu erweitern).

Великая Октябрьская социалистическая революция Welikaja Oktjabrskaja sozialistitscheskaja rewoljuzija

oktoberrevoltution

Heute vor 105 Jahren begann die Oktoberrevolution (eigentlich am 6. November 1917).

Ein Stock auf dem Tungurahua, Patella partita und drei Prozent

tungurahua

Während die Weltläufte wie gewohnt vor sich hinblubbern, Kriege kriegen, Intrigen gesponnen werden, heiße Luft aus den Mäulern der Politiker entweicht, propere Mädels busenschüttelnd instagramen, aber eigentlich nichts passiert, muss ich noch kurz etwas zum ecuadorianischen Vulkan Tungurahua ergänzen, (5,023 m), den ich 1979 erklettert habe – und das im Gegensatz zu Alexander von Humboldt auch schaffte. Heute wird dringend davon abgeraten, da hochzusteigen, da der Tungurahua seit 1999 wieder aktiv und äußerst gefährlich ist.

Mir wird heute noch schummrig, wenn ich eines der Videos der diversen Eruptionen ansehe. Uns hatte niemand erzählt, dass es durchaus ein gewissen Risiko eines Ausbruchs gab. Wir haben auch niemanden gefragt. Aber Warnungen hätten mich, jung und naiv wie ich war, vermutlich nicht abgehalten.

Wir brauchten drei Tage: einen für den Aufstieg zur Hütte, die auf knapp 4000 Höhenmetern lag (natürlich ist sie weg). Am nächsten Tag bin ich allein zum Gipfel, weil die anderen drei zu erschöpft waren und lieber an der Hütte blieben. Aus mir heute unverständlichen Gründen hatte ich auch meine Kamera in der Hütte gelassen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es sich anfühlt, mit Halbschuhen (!) Lavafelder hinaufzusteigen, immer zwei Schritte vor zu klettern und mindestens einen wieder zurückzurutschen. Als der Boden wieder fester wurde, kamen dann der Gletscher und Schneefelder, was das Klettern auch nicht bequemer machte. Zwischendurch wurde es auch richtig steil und mir mulmig. Ich hatte weder Kletterausrüstung noch passende Kleidung dabei – aber der Himmel blieb strahlend blau. Gegen Mittag kam ich im Krater an, genoss die großartige Aussicht auf die anderen Vulkane, rastete ein wenig, nahm Gestein als Andenken mit und kletterte dann wieder die rund rund 1000 Höhenmeter hinunter. Das haut dann richtig in die Knie.

Ich weiß nicht mehr genau, wie lange ich gebraucht habe – ich bin am frühen Morgen los und kam am späten Nachmittag wieder an der Hütte an, wo die anderen schon sorgenvoll warteten. Da ist auch das Foto entstanden. Ich war fix und fertig. Ich habe da einen Stock in der Hand, den ich mir bei Erreichen der Baumgrenze zurechtgeschnitzt hatte. Mein rechtes Knie tat höllisch weh, und ich konnte kaum auftreten.

Warum? Ich habe von Geburt an eine Partella partita (hallo Harald!). Das ist keine Missbildung, sondern kommt eben mal vor. Eine Teilung der Kniescheibe (Patella) in mehrere Knochenelemente ist eine angeborene Fehlbildung der Kniescheibe, die bei einem bis drei Prozent aller Menschen vorkommt. Von einer geteilten Kniescheibe sind neunmal mehr Männer als Frauen betroffen. Ich bin also eine winzige Minderheit.

Es macht auch keinen Unterschied zu nicht gespaltenen Kniescheiben, aber bei langen und extremen Belastungen kann es in seltenen Fällen schmerzen. Ich hatte das nur auf dem Tungurahua und einmal beim Skifahren, aber nie beim Kampfsport. Man müsste dann einen Tag pausieren. Was macht man aber, wenn man auf einem Fünftausender ist und nicht einfach runterrutschen kann? Deshalb der Stock… Ich bin humpelnd hinab – Augen auf und durch.

Unter Rechtsruckenden

trump netanjahu
So wie ich es verstehe, zeiht der „Tagesspiegel“ Trump und Netanjahu des Antisemitismus.

„Um die politische Stimmung der [bitte selbst Ausfüllen] Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten in einem Wort zusammenzufassen, reicht der einfache Begriff „Rechtsruck“ aus.“

Das ist ja mal eine profunde Analyse, Hauptstadt-Qualitätsmedien! Auch wenn uns hier Journalisten-Wokistan entgegenquillt: Ich muss das Geheule zum Anlass nehmen, eine meiner Arbeitshypothesen über die Weltläufte zu revidieren.

Bekanntlich buckeln die Mittelklassen im Kapitalismus nach oben und treten nach unten. Zu ihren vermeintlichen Überlebenstaktiken im Klassenkampf gehört, denen da unten Vorschriften über das Verhalten („Erziehung“, Sprache, „Benehmen“) zu machen. Man hofft irrig, das würde denen da oben gefallen (das klassische Motiv beim religiösen Opfer: Man gibt etwas ab und hofft, das würden die höheren Wesen goutieren besänftigen). So eine Attitude wirkt auch „nach Innen“ reglemenetierend. Dahinter steht ebenfalls ein Hoffen: Ich halte mich an Regeln, und das werden die da oben, die das gar nicht nötig haben, auch tun (vgl. Die Bösen sind die anderen.)

Bisher dachte ich, dass Wokistan, also sich primär um „Klima“, Rassismus und Gendersterchen zu bemühen, das Kapitalismus und die Systemfrage aber tunlichst nicht zu erwähnen, ein Produkt des mitteleuropäischen Protestantismus sei, zumal die Mittelklassen der USA, von denen die trübe weltanschauliche Brühe herüberschwappt, noch protestantischer sind als in Europa. Jetzt musste ich lernen, dass es in Israel genau so ist. Und dort ist Protestantismus weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart zu finden.

Will man in deutschen Qualitätsmedien auf Israel eindreschen, zitiert man entweder die Haaretz, die in Israel so populär ist wie hierzulande die Jungle World, oder sucht sich Juden, von denen man weiß, dass sie genau das von sich geben, was erwartet wird. Von Zimmermann und Stein weiß man, dass sie schon immer gegen Netanjahu waren – die Autoren liefern also zuverlässig, was man in Deutschland hören will, auch abseits der Qualitätsmedien. Moshe Zuckermann behauptet eine „massive Faschisierung und Klerikalisierung eines Großteils der israelischen Gesellschaft.“ Faschismus! In Israel!

Im „Tagesspiegel“ lesen wir: Rechts bedeutet in Israel nicht unbedingt eine konservative oder neo-liberale Wirtschafts- und Sozialpolitik; auch geht es nicht nur darum, ein betont nationalistisches Programm zu fördern, sondern meist bedeutet es ein ethnozentrisches Verständnis von Staatsbürgerschaft. (Moshe Zimmermann und Shimon Stein.)

„Rechts“ wäre vermutlich, folgte man dieser These, wenn jemand forderte, Israel solle ein Staat der Juden sein, nicht aber für Araber oder Sudanesen.

Was bei jüdischen Autoren, die in deutschen Mainstream-Medien veröffentlichen, immer zuverlässig wie ein Echo folgt, ist der Textbaustein: „beanspruchen für Israel die besetzten Palästinensergebiete“.

Welche Gebiete sind noch mal „besetzt“? Zum Erinnern: der Staat „Palästina“ wurde am 15. November 1988 in Algier von der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) als Staat der Palästinenser ausgerufen. Dann ist ja alles gut. Und dieser „Staat“ beansprucht laut Wikipedia „das von Israel seit 1967 besetzte Westjordanland und den Gazastreifen, mit Ostjerusalem als Hauptstadt des Staatsgebiets.“

Was war 1967? Der Sechstagekrieg. Warum nur sechs Tage? „Nach nur sechs Tagen hatten die Israelis die feindlichen Linien durchbrochen und waren kurz davor, in Kairo, Amman und Damaskus einzumarschieren.“ Ach? Man möchte also das Ergebnis diese Krieges – Israel gegen alle Nachbarn – rückgängig machen? Die Israelis wären schon blöd, wenn sie sich darauf einließen.

Bereits am 11. Juni 1967 wurde der letzte Waffenstillstand unterzeichnet. Daraufhin fand im August 1967 in der sudanesischen Hauptstadt Khartum eine Gipfelkonferenz aller arabischen Staaten statt, die mit der Khartum-Resolution ihre weitere Politik auf drei klare „Nein“ festlegten:
„Kein Frieden mit Israel, keine Verhandlungen mit Israel, keine Anerkennung Israels.“

Tja Araber, wenn man ein großen Maul hat, aber nichts dahinter, dann muss man mit den Folgen leben. Man kann nicht jemandem etwas „zurückgeben“, was dieser nur nach eigener Ansicht besessen hat.

Jetzt, liebes Publikum, fragt mal eure Peer Group, was 1967 im Nahen Osten geschah und welche Folgen das hatte. Die Befragten dürfen aber nicht googeln, sondern müssen spontan antworten.

Nein, der Artikel ist noch nicht zu seinem wohlverdienten Ende gekommen. Ich habe die israelische „Linke“ im Verdacht, dass sie, wie auch die deutsche „Linke“, völkisch denkt, also rechts, weil sie die so genannten „Palästinenser“ für ein „Volk“ hält (Echo: Kurden, Basken, Schotten, Ukrainer, Waliser – und nie an den Klassenkampf denken oder daran, dass der Proletarier kein „Vaterland“ hat). Das ist zumindest strittig.

Ich bin mir sicher, dass die Israelis sich für die Ökonomie interessieren, für die Preise, für Sicherheit vor den Terrorangriffen der Hamas und auf den Straßen. (Wenn israelische Frauen von illegalen Einwanderern vergewaltigt werden, dann reden deutsche Zeitungen lieber über den „Rassismus“ in Israel.) Die israelische „Linke“ hat dazu genau so wenig zu sagen wie die deutsche „Linke“. Und Sympathie für einen „Palästinenserstaat“ hat die Mehrheit zum Glück nicht. Daher das Wahldesaster für die Linke.

Postscriptum. Wer wissen will, warum auch in Israel die Religioten auf dem Vormarsch sind, der lese das Buch Gilles Kepels „Die Rache Gottes – Radikale Moslems, Christen und Juden auf dem Vormarsch“. Das ist zwar schon vor 30 Jahren erschienen, erklärt aber immer noch die Gegenwart. Damals schrieb ein Rezensent: Die Rache Gottes, so hatte der französische Fundamentalismusforscher Gilles Kepel für die achtziger Jahre konstatiert, ist die Wiederkehr der verdrängten Religionen. Sie kamen aber nicht als bloße Frömmigkeit zurück, sondern als Griff nach der Macht, als Wille zur Herrschaft. Der politisch-religiöse Fundamentalismus sucht die Vorherrschaft zuerst über Kultur und Gesellschaft und dann über den ganzen Staat. Er ist heute eine Macht, nicht überall im Zentrum des Geschehens, aber fast überall auf dem Sprung.

Jetzt habe ich versehentlich ein Wort zum Sonntag geschrieben.

In der Wohlstandsblase

Es ist in Israel ähnlich wie hier mit den so genannten „Linken“:

„Mit Smotrich und Ben-Gvir habe er kein Problem, beteuert Halahmi gleichwohl, viel mehr störten ihn die Asylbewerber, die er wie Ben-Gvir nur „Eindringlinge“ nennt. „Ich wohne hier seit neun Jahren“, erzählt er, „es gibt viel Gewalt in dieser Gegend, und die meiste Gewalt geht von den Eindringlingen aus. Ich kann meinen Partner auf der Straße nicht küssen, wenn ein Eriträer oder Sudanese daneben steht, weil denen das nicht gefällt.“ Halahmi schaut zu den linken Demonstranten hinüber. „Die meisten der Leute da drüben sind nicht aus diesem Viertel. Sie kommen aus dem Norden der Stadt, um uns Moral zu predigen.“

Es ist ein Argument, das man häufig auch von Anhängern Netanjahus hört: Die Linken in ihrer Wohlstandsblase im gepflegten Norden Tel Avivs seien blind für die wahren Probleme des Landes und verachteten die vermeintlichen „kleinen Leute“.“ (Quelle: Tagesspiegel)

Hofberichterstattung und vorauseilende Aufgeregtheit

Thomas Fischer (via Fefe): „Dies sind, wie es in dieser Kolumne nicht ganz selten ist, Themen ohne sich jedermann spontan aufdrängenden Zusammenhang. Manchmal ist es (für Autor wie Leser) nützlich, nach einem solchen zu fragen; dies ist – einmal mehr mag es angedeutet sein – das Konzept. Es ist bekannt, dass Menschen unseres Kultur- und Wertekreises mit der Regel aufgewachsen sind, die Welt müsse in möglichst viele Schublädchen separiert sein, um einen »Sinn« zu ergeben, welcher sich sodann auf einer Meta-, einer Metameta- und unendlich vielen weiteren Ebenen ergebe, die allesamt »meta«, also systematisch übergeordnet sind, also überhaupt nur von Menschen erkannt werden können, die zu einer qualitativen Hierarchisierung der Erkenntnis in der Lage sind.“

Nach so einem Einstieg liest man gern weiter. „Erstens der Besuch des Bundespräsidenten in der Ukraine (Stil), zweitens die nächtlich abrupte Erweiterung der Strafvorschrift gegen Volksverhetzung um die Alternative des Leugnens oder Verharmlosens von Kriegsverbrechen (Sicherheit).“

Fefe ganz richtig: „Überraschende Wendung: Die neue Strafbarkeit des Leugnens von Kriegsverbrechen wird niemanden betreffen.“

Blow it up oder: Was macht eigentlich Kimble?

nord stream

Der Fall Hu Jintao, der Fall Ukraine, der Fall Baerbock

– Das Online-Magazin Overton (u.a. Florian Rötzer, Ex-Telepolis) analysiert die Fake News deutscher Medien über den „Zwischenfall“ beim Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas.

– Modern Diplomacy: „Poland wants to occupy Western Ukrainian land“. Offensichtlich haben sie den Artikell schnell wieder gelöscht – er taucht nur noch mit der Wayback Machine auf. Vielleicht war die freiwillige Selbstkontrolle der Zensor nur kurz pinkeln.

– Emma: „Während sich Menschen weltweit mit den mutigen IranerInnen solidarisieren, betont Annalena Baerbock, die Gewalt der islamischen Sittenwächter habe „nichts mit Religion zu tun“.“

Ungeklärtes

Das Publikum wies schon darauf hin: Die NSU Akten sind geleakt und online. Zum Einstimmen: „Der Verbleib von 541 Aktenstücken konnte nicht geklärt werden“. Ich muss das erst einmal genauer lesen.

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