Lügenqualitätsmedien oder: Unter Zurückrudernden
Richard C. Schneider schrieb in der NZZ: „Israel at risk of losing the propaganda war – In a fragmented media landscape, Israel is finding it hard to sell its version of events in Gaza. Images of suffering and destruction are transforming its global image from that of small threatened state to arrogant aggressor.“
Man wundert sich schon, dass in Deutschland fast unisono auf Israel eingedroschen wird und jede Hemmung fallen gelassen wird. Auch wenn man von ausländischen Medien abschreibt, wird es nicht besser. Jetzt hat es die New York Times aber kräftig erwischt:
The New York Times is facing scrutiny after issuing a quietly placed correction to its widely shared Gaza famine story, one that critics say reached only a fraction of its audience. The editors’ note, published Tuesday, acknowledged that the emaciated toddler featured on the front page of the Times last week suffers from severe preexisting medical conditions unrelated to the war, a fact omitted from the original coverage.
The correction was appended to the online article and posted to the Times’ public relations account on X, which has fewer than 90,000 followers. It did not appear on the Times’ main account, followed by over 55 million users. By then, the image and story had already gone viral and been cited globally as emblematic of famine in Gaza.
Vermutlich denken die Damen und Herren Antisemiten, man müsse nur mit Dreck schmeißen – irgendwas werde schon hängenbleiben. Man muss die hiesige Springer-Presse loben:
Es gibt viele Aufnahmen, die das Leid der Menschen im Kriegsgebiet Gaza zeigen. Eine wurde besonders berühmt. Sie zeigt ein ausgemergeltes, knochiges Kind in den Armen seiner Mutter. Das Foto schaffte es auf die Titelseiten der renommierten „New York Times“ und der „Washington Post“. Auch CNN, die BBC, der „Guardian“, die „Daily Mail“, die britische „Times“ und viele mehr verbreiteten es weiter. Der „Stern“ druckt ein Foto des Kindes im Heft und bebildert damit seine Titelgeschichte. Die ZEIT titelt dazu: „So sieht Hunger aus“.
Doch nach der weltweiten Veröffentlichung des Fotos kam heraus, dass der Junge vor allem schwer krank ist. Der 18 Monate alte Junge leidet seit seiner Geburt an einer Behinderung, mutmaßlich verursacht durch eine geerbte genetische Erkrankung.
Haben die eigentlich überhaupt nicht recherchiert oder zu wenig oder gleich von der Hamas ab geschrieben? Übrigens wurde der Junge auf dem besagten Foto in Israel behandelt.
Wir haben also „errors, omissions, and poor editorial supervision“ (Fehler, Auslassungen und schlechte redaktionelle Aufsicht). Das gilt für die deutsche Presse um so mehr.
Andererseits hatte die New York Times vor einem Jahr laut Intercept schon geahnt, was kommen würde:
The New York Times instructed journalists covering Israel’s war on the Gaza Strip to restrict the use of the terms “genocide” and “ethnic cleansing” and to “avoid” using the phrase “occupied territory” when describing Palestinian land, according to a copy of an internal memo obtained by The Intercept. The memo also instructs reporters not to use the word Palestine “except in very rare cases” and to steer clear of the term “refugee camps” to describe areas of Gaza historically settled by displaced Palestinians expelled from other parts of Palestine during previous Israeli–Arab wars. The areas are recognized by the United Nations as refugee camps and house hundreds of thousands of registered refugees.
Geholfen hat es wenig. Einer der Leitsätze des Springer-Konzerns ist: „Wir unterstützen das jüdische Volk und das Existenzrecht des Staates Israel“. Ich kann mich an ein sinngemäßes Statement Hermann L. Gremlizas dazu erinnern, warum der Verleger Axel Springer das eingeführt habe: „Weil er seine Pappenheimer kennt.“
Christian Walther, ein ehemaliger Vorsitzender des DJV Berlin, schrieb auf Facebook, die Haaretz sei Israels führende liberale Tageszeitung“. Die Deutschen mögen das Führende, aber in diesem Fall – und in den meisten anderen auch (außer beim Formel 1-Rennen) ist es einfach Blödsinn. Die Haaretz ist so „führend“ wie die Junge Welt hierzulande. Mal sehen, ob die auch eine Richtigstellung drucken?
Die Unterwerfung
Berliner Zeitung: „In Berliner Schulen eine gängige Option, in Gelsenkirchen nun verbindlich: Die Gesamtschule Erle kocht ab dem neuen Schuljahr ausschließlich nach islamischen Speisevorschriften.“
Warum nicht koscher?
Krieg der Bilder
Perlentaucher: „In der FAZ greift Matthias Rüb den Skandal um die Fotos von kranken palästinensischen Kindern auf, die seit Juni in Italien wegen Krankheiten wie Mukoviszidose (einer vererbten Stoffwechselerkrankung), zerebraler Kinderlähmung und Hypoxämie (Sauerstoffarmut im Blut) behandelt werden, deren Bilder jedoch von zahlreichen, auch seriösen Presseorganen benutzt wurden, um den Zustand der Kinder in Gaza zu illustrieren (unsere Resümees hier und hier). Die italienische Tageszeitung Il Fatto Quotidiano lieferte dafür ein besonders perfides Beispiel, erzählt Rüb. Sie publizierte das Bild des an Mukoviszidose leidenden abgemagerten Osama al-Raqab unter der Überschrift „Se questo è un bambino“, eine deutliche Anspielung auf Primo Levis 1947 erschienenes Buch ‚Se questo è un uomo‘, in dem Levi „die Geschichte seines Überlebenskampfes in Auschwitz protokollierte. Das Buch erschien 1961 in deutscher Übersetzung unter dem Titel ‚Ist das ein Mensch?‘. Entsprechend wäre die Titelzeile der Zeitung mit ‚Ist das ein Kind?‘ ins Deutsche zu übertragen. Das von der Zeitung suggerierte Narrativ ist klar: Was Palästinenser wie das abgebildete Kind zurzeit im abgeriegelten Gazastreifen erleiden, soll mit dem Schicksal des Turiner Juden Primo Levi in dem deutschen KZ Auschwitz assoziiert werden. Die Opfer des Holocausts, so wird insinuiert, sind zum Tätervolk des Völkermordes an den Palästinensern geworden.“ Und wenn es dafür keine Beweise gibt, muss man sie eben fingieren.“
Und: „Israel droht den Krieg der Bilder zu verlieren, fürchtet Richard C. Schneider in der NZZ: „In einer zunehmend polarisierten, identitätspolitischen Welt, in der Unterdrückung und Widerstand oft in festen Mustern gedacht werden, fällt es Israel schwer, sich als angegriffenes Land zu positionieren. In vielen Köpfen ist der Staat nicht das Opfer, sondern der Aggressor – unabhängig von der Vorgeschichte des 7. Oktober. Diese Dynamik wird durch soziale Netzwerke verstärkt, wo Meinung und Narrative durch Wiederholung zur vermeintlichen Realität werden. Gaza ist somit auch ein Brennglas unserer medialen Gegenwart: ein Ort, an dem sich die Macht der Bilder, die Grenze von Fakten und die Frage nach der Wahrheit auf tragische Weise vereinen.“
Einfach traumhaft
Georgetown, 22.2. [Guyana 1982]
Liebe Eltern!
Vielleicht rufen wir von Trinidad aus per R-Gespräch an, das ist der einzige Ort, wo es möglich ist. Wenn ihr also Englisch am Telefon hört, legt nicht auf, sondern antwortet „yes“,
Wir haben eure Post erhalten, in Manaus war allerdings nichts, nur eine Karte von Susannes Mutter aus Israel.

Das Takatu-Guesthouse in Lethem, Guyana, fotografiert im Februar 1982. Heute steht da offenbar ein Neubau. (Vgl. Rebellion in der Rupununi, 21.10.2012 sowie Termiten in der Rupununi, 10.07.2011)
Wir sind heute hier [Georgetown, Guyana] angekommen, nachdem wir zuletzt vor ca. 3 Wochen aus einem kleinen Ort an der Grenze zwischen Kolumbien und Brasilien geschrieben hatte. Vielleicht ist der Brief ja angekommen. Wir haben uns entschieden, nicht mehr nach Surinam zu fahren, sondern ein paar Tage zuerst nach Tobago, dann nach Trinidad, dann 2 Wochen Grenada und zum Schluß Barbados. Wir werden versuchen, in Trinidad unseren genauen Rückflugtermin zu buchen, sodaß wir unseren letzten Brief aus St. Georges/Grenada losschicken werden mit genauer Ankunftszeit. Ich nehme an, daß H. und A. uns in Luxemburg abholen werden und war dann nach Unna kommen werden. Aber was soll’s, wir haben ja noch fast 6 Wochen karibische Sonne vor uns und vermutlich noch mehrere Sonnenbrände.

Die Transamazonica von Manaus nach Boa Vista in Brasilien (das Foto hatte ich schon 1980 gemacht)
Wir sind ein bißchen erschöpft, obwohl wir eine Woche in totaler Stille und Abgeschiedenheit auf einer Ranch im Westen Guyanas verbracht haben. Die Vorgeschichte dazu war wieder etwas anstrengend: 26 Stunden mit dem Bus durch den Amazonas-Urwald von Manaus in Richtung Norden nach Boa Vista im Dreiländereck Guyana/Venezuela/Brasilien. Das ist die einzige Straße in Richtung Norden, ist erst 1977 fertiggestellt und bis vor kurzem fuhren die Busse nur im Konvoi, weil die um ihr Land betrogenen Indianer Überfälle veranstalteten.
Wir verloren mitten in der Nacht die beiden linken Hinterräder, weil die Schrauben sich auf der Schotterpiste gelöst hatten. Heute morgen ging noch die Benzinpumpe kaputt, aber die beiden Fahrer schafften es dann doch noch völlig verdreckt und verschwitzt (sowieso), uns in Boa Vista abzuliefern. Boa Vista ist ein völlig isoliertes Provinznest [das ist heute anders], mit Straßen, Gebäuden und Busbahnhof für die Zukunft gebaut, aber alles verrottet, weil die Zukunft noch keinen Einzug gehalten hat.

Kathedrale Cristo Redentor, Boa Vista, Roraima, Brasilien, fotografiert Februar 1982. Boa Vista liegt nicht weit von der Grenze zu Guyana entfernt, in das ich anschließend reiste (1980 und 1982). Nicht weit von Boa Vista entfernt ist Normandia: „Normandia takes its name from the region of Normandy in France, the birthplace of settler Henri Charrière, better known as „Papillon“. Charrière was sentenced to serve time in a maximum security prison on Devil’s Island in French Guiana. He and several inmates managed to escape from French Guiana to Brazil and settled in the area of present-day Normandia.“ Vgl. „Gute Aussicht für Papillon“ 01.07.2028
Nach vorsichtigem Herumfragen verwies man uns zum Apotheker (!) zum Geldwechseln, weil die Banken keine Guyana-Dollars verkauften, obwohl die Grenze nicht weit weg und kein anderer Ort dazwischen ist. Der Apotheker sagte erst, er hätte keine Guyana-Dollars, aber nachdem wir ihm deutlich gemacht hatten, daß wir nicht brasilianische Cruzeiros, sondern amerikanische Dollars hatten, hellte sich seine Miene auf und er sagte, das sei natürlich etwas anderes. Wenn wir in Georgetown [Guyana] getauscht hätten, hätten wir für 1 US-$ 2.60 Guyana-Dollar bekommen, der ehrenwerte Herr Apotheker gab uns für 200 US $ ganze 1000 Guyana-Dollar, sodaß sich für uns alle Preise in Guyana halbieren, sonst könnten wir uns hier auch überhaupt nichts leisten, alles ist schrecklich teuer. –

Der Rio Branco nordwestlich von Boa Vista, Roraima, Brasilien (ungefähr hier). Das Foto habe ich 1980 gemacht. Die Berge im Hintergrund sind die Kanuku Mountains in Guyana (vgl. Rio Branco, 13.09.2016).
Zur Ranch: Im Westen Guyanas liegt ein sehr interessantes Gebiet, die einzige Savanne Amerikas, sonst gibt es nur noch Savannengebiete in Südafrika. Es gibt nur einen einzige Ort Lethem hatte 2012 1702 Einwohner] mit weniger als 1000 Einwohnern in diesem Gebeite, das halb so groß wie die Bundesrepublik ist. Von diesem Ort (Lethem) kann man über das Gebirge an die Küste fliegen, was wir auch gemacht haben. Sonst gibt es ein paar Indianer-Dörfer und ein paar riesige Ranches, die Rinder züchten.

Die Rupununi-Savanne im Westen Guyanas in der Nähe der Manari-Ranch, fotografiert Ende Februar 1980. Ich war auch schon einmal 1980 da. Aber beim ersten Mal war meine Kamera kaputt, weil sie in Brasilien in den Rio Branco gefallen war. Ich habe daher von meinem ersten Aufenthalt in Guyana keine Fotos (vgl. „Weites Land“, 22.07.2022).
Eine halbe Stunde mit dem Jeep von der Grenze war eine solche Ranch, das „Manari Ranch Hotel„, das exklusive Zimmer hatte (nur 8 und wir waren die einzigen Gäste), sogar Duschen (Wasserleitungen gibt es natürlich nicht, aber die Flüsse sind sauber), und [man] servierte sagenhafte 4 Mahlzeiten am Tag, inklusive „Tee“ um 5 auf gute englische Art (Guyana war bis vor wenigen Jahren englische Kolonie, man spricht auch Englisch).
Wir konnten reiten, im Fluß schwimmen, ein Boot stand zu unserer Verfügung, ein alter englischer Billartisch, der Blick von unserem Fenster gibt über eine sandige Ebene mit kargem Buschwerk und bis zu 4m hohen Termitenhügeln, am Horizont eine blau-graue Bergkette – einfach traumhaft.

Rupununi-Savanne in der Nähe der Manari-Ranch, Guyana, fotografiert Ende Februar 1980. Im Hintergrund die Kanuku-Mountains.
Das Ganze für 60 DM für 2, uns bei unserem Umtauschkurs wasen das 15 DM alles inklusive für eine Person – Voraussetzung war allerdings, daß wir das Geld über die Grenze schmuggeln mußten, weil die Einfuhr von Guyana-Dollar verboten ist. Wir hatten uns zum Glück schon in Berlin eine Sondergenehmigung der Regierung in Georgetown besorgt, uns in der Savanne aufhalten zu können (wegen eines Aufstands der Rancher und der Indianer in den frühen 70-er Jahren lassen sie normalerweise keinen dahin) und alles lief bestens – unser Geldgürtel ist ein Geld wert.

Paddeln auf dem Manari River (vgl. „Vorschau Paddeln“, 18.04.2018).
Die einzige unangenehme Begleiterscheinung war, daß Suanne 1 Woche lang Durchfall hatte, woher, wissen wir nicht. Und ich eine Kombination von Muskelkater und Sonnenbrand vom Rudern auf dem kleinen Fluß.
Beim Flug nach Georgetown mußten wir überrascht feststellen, wie schwer unser Gepäck mittlerweile schon ist – zusammen fast 50kg! [D.h. mein Rucksack war rund 30kg schwer, weil meine Begleiterin nicht so viel tragen konnte.] Wir werden auf Barbados alles überflüssige Zeug verkaufen oder verschenken.
Hier in Georgetown ist es schwül und drückend warm wie vor einem Sturm, und wir haben kaum die Energie, uns fortzubewegen. Heute waren wir den ganzen Tag im Zoo und im botanischen Garten, anschließend cninesisch essen – die vielen Chinesen hier sprechen fast alle nur ein paar Worte Englisch – immer nur einer in der Familie, dafür ist das Essen aber richtig chinesisch. Als wir nach längeren Verhandlungen endlich statt Messer und Gabel Stäbchen bekamen, mußte erst einmal – wie überall – das gesamte Küchenpersonal kichernd um die Ecke schauen.

Guyana Zoological Park, Georgetown, 1982 – wahrscheinlich der einzige Zoo einer Hauptstadt eines Landes, der keine Website hat. Die Vögel sind Eigentliche Aras.(vgl. „Eigentliche Vögel“, 26.07.2022>)
Wir hoffen, hier vor Sonntag noch wegfliegen zu können Richtung Trinidad – die nächste Post (und die letzte, wenn nichts wichtiges mehr passiert) in ca 2. Wochen von Grenada.
Bitte Grüße an alle, ich schreibe keinen Karten mehr […] sonst haben alle mindestens eine bekommen – wir werden ja sehen! Grüße auch von Susanne
Burkhard
Ich weiß nicht. wo J.s Brief angelangt ist – ich habe den Eindruck, daß ich meine gesamte Post in Manaus nicht bekommen habe, weil der Schaltermensch meinen Namen überhaupt weder lesen, schreiben noch aussprechen konnte.
Fakten schaffen

Ich habe da eine persönliche Verschwörungstheorie.
Zwei Ereignisse, die fast an demselben Tag stattfinden: Der französische Präsident Macron will einen real nicht existierenden Staat Liberland „Palästina“ anerkennen (Oder hat er sich vertan und meint Achsivland?). Und das israelische Parlament will die Souveränität Israels über Samaria und Judäa sichern. Man vermeidet den Begriff Annexion (die russische Propaganda – also automatisch voll gelogen – behauptet natürlich etwas anderes). „Finance Minister Bezalel Smotrich wrote on X/Twitter, „I thank President Macron for providing an additional — and most compelling — reason to finally implement Israeli sovereignty over the historic regions of Judea and Samaria.““
Meine Theorie: Der Mossad weiß bestimmt, was die französische Regierung wann und wo und was verlautbaren will. Also kam man Macron zuvor. Außerdem ist unklar, was der Muslimfreund Macron eigentlich anerkennen will. Meint er wirklich, Israel würde den Osten Jerusalems irgendeinem korrupten arabischen Warlord übergeben? Der ist doch irre!
Ich hätte aber eine Lösung: Warum nicht einen Staat „Palästina“ in Gaza? Und nur da? Das wäre doch ein schöner Kompromiss. Hauptstadt Khan Younis. Aber das fänden wiederum auch nicht alle gut.
Die bürgerliche Presse kommentiert: „Mit seiner Ankündigung über die Anerkennung eines Palästinenserstaates zielt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf die Muslime im Land ab. Unter französischen Juden ist die Empörung groß. Und ausgerechnet Marine Le Pen steht nun als bedingungslose Verteidigerin Israels da.“
ChatGPT: „Wahlberechtigte 2022 in Frankreich: ca. 48,75 Millionen
Geschätzter Anteil muslimischer Erwachsener: etwa 10 % → ca. 4,8 Millionen Wahlberechtigte Muslime“.
Das wird in Deutschland in ein paar Jahren ähnlich sein und wurde von Sawsan Chebli schon vorhergesagt. Der SPD-Politiker Faktenchecker behaupten: „Nein, Ralf Stegner hat nicht gesagt, dass es eine Islamisierung gibt und sich keiner daran stört.“ Was hat er denn gesagt? „Die meisten Menschen haben kein Problem, dass ihre Gemeinde islamisiert wird, sie haben aber sehr wohl ein Problem damit, dass sie vielleicht die Miete nicht bezahlen können, die Rente nicht reicht, die Pflege nicht geregelt ist oder ihr Arbeitsplatz wackelt oder die Ausbildung nicht da ist.“ Ach. Ach was.
Die deutsche Regierung möchte jetzt nicht einen fiktiven Staat Palästina anerkennen. Aber auf lange Sicht wird die SPD sowieso umfallen wie immer. Woher sollten sonst ihre Wähler kommen – wenn nicht von den Muslimen?

Miszellen

Ich habe noch ein paar Nachrichten aufbewahrt, die ich dem Publikum nicht vorenthalten will. Also Israel benutzt übernatürliche Kräfte? Das macht neugierig. Welche sollen das denn sein? Mit welchem höheren und niederen Wesen kooperieren die? Und warum helfen die nicht den Persern? Wurden sie gar bestochen?
Wie verstrahlt muss man sein, um so etwas ernsthaft zu behaupten? „Der schiitische Geistliche Mostafa Karami erklärte 2024 in einer religiösen Sendung, dass „zionistische Kräfte seit jeher über Kenntnisse zur Kontrolle von Dschinn verfügen und eine geheime dämonische Armee besitzen“.“
Das erinnert mich an eine Szene, die ich auch in „Die Konquistadoren“ beschrieben habe: Als die Spanier das heutige Kolumbien eroberten und die Muisca sich zum Kampf stellten, trugen letztere die Mumien ihrer Vorfahren vor sich her, um die Gegner zu beeindrucken. Die Konquistadoren waren es nicht. Ich finde, dieser „mentale“ Unterschied, um nicht von „geistiger Entwicklung“ zu reden, erklärt einiges.
Dazu passt eine Meldung der Jerusalem Post : „IAF’s top ace and most decorated pilot, passes away at 87“. – „One of his most remarkable feats occurred when he found himself alone against 20 Egyptian aircraft. Epstein shot down four before being forced to return to base due to fuel shortages.“ Einer gegen 20? Welche übernatürlichen Kräfte waren da im Spiel?

Jetzt ganz real: Diese Fliege gibt es wirklich. Also wenn es jetzt um und um den islamistischen Plumpsklos herum summt, dann wissen wir: Das ist der Mossad!
„The IDF is phasing out off-the-shelf Chinese drones and demanding homegrown solutions—boosting national industry resilience.“ Ach. Die IDF kauft vom Kommunismus? Das kann ja heiter werden.

Apropos Roboter: „OpenAI’s experimental o1 language model attempted to copy its code and data to external servers after staff warned the system it would be shut down, Fortune reported, citing people familiar with the incident. Engineers detected the unsanctioned transfer in progress, halted the process and confronted the model, which then denied making the attempt.
The episode has renewed questions about safeguards surrounding advanced artificial-intelligence systems and their capacity for autonomous action. OpenAI has not publicly commented on the report, and Fortune said an internal review is under way.“
Har har. Die Meldung auf Instagram war übrigens unterlegt mit Hans Zimmers Time.

And now for something completely different. Ich kokettiere auch mit „radikalen und autoritären Kräften„. Werde ich jetzt beobachtet, und was heißt das genau? Lesen die Schlapphüte nach, was über mich in den Qualitätsmedien steht oder gar im Weltnetz?
Die haben doch nicht mehr alle Tassen im Schrank…
Nachtrag aus der bürgerlichen Presse: „Als besonders eitel fielen auf:
▶︎ Ex-Außenministerin Annalena Baerbock (44, Grüne) lag mit 20.849 Euro ganz vorn. Das bedeutet: an jedem Tag 248 Euro nur fürs Schminken.“ Jemand kommentierte das so: „Diese Menge könnte nur ein Maurer aufbringen. Anwurf mit Kelle …..“
Frauenbefürwörter
Man könnte sich kaputtlachen, wenn es nicht so traurig wäre. Die von der taz meinen das ernst. Natürlich sind „die Rechten“ erfreut, dass Frauke Brosius-Gersdorf durchgefallen ist. Als typisch deutscher Journalist muss man noch „liberale“ Juristin schreiben, damit die Leser wissen, wer die Guten und die Bösen sind. (Von allein kämen die nicht darauf.) Aber wird die Dame damit qualifizierter?
Wer für ein AfD-Verbot ist, ist automatisch ungeeignet als Verfassungsrichter bzw. als Kandidat. Wer Parteien verbieten will, hat (bisher) so hohe juristischen Hürden zu überwinden, dass es – insbesondere bei der AfD – völlig aussichtslos ist. Das hält die natürlich nicht auf, auf Biegen oder Brechen ein Verfahren anzuleiern, was sich ohnehin über Jahre hinziehen würde und damit der AfD noch mehr Stimmen brächte.
Geschlecht ist also für die taz ein politisches Programm? Oder was soll Brosius-Gersdorf, die einen Menstruationshintergrund hat, als Verfassungsrichter bringen? Die juristische Qualifikation hat niemand in Frage gestellt. Aber man weiß natürlich, wohin die Häsin läuft. Das politisches Milieu, das die taz bedient, möchte gut sein. Was das ist und welche Lichterkette gerade hochgehalten werden muss, weiß jeder. Das Thema Abtreibung ist eher irrelevant. Auch dass die von der taz-Journaille hofierte Dame für klassistische Sprachesoterik aka Glottischlagerei aka Sonderzeichen in Wörtern und Gender-Schluckauf steht, ist nur Feuilleton, bedeutet also nicht wirklich etwas.
Apropos Milieu: Trotzki nennt es das „neue Kleinbürgertum – die Arbeiterbürokratie“, also Leute, die sich mitnichten „proletarisch“ fühlen, wie etwa Angestellte jedweden Dienstgrades, es aber ökonomisch sind. (Das „alte“ Kleinbürgertum ist nach Engels „ein Arbeiter, der sich vom modernen Proletarier dadurch unterscheidet, dass er noch im Besitz seiner Arbeitsmittel ist; also ein Überbleibsel einer vergangenen Produktionsweise“.)
Gerade dieses Milieu, das sich als etwas Besseres fühlt als das gemeine (sic) Volk nach dem Motto „nach oben buckeln, nach unten treten -, ist anfällig für herablassendes Getue und Klassendünkel, das als Klassismus definiert ist. Wer Currywurst isst, nicht gendert, wer „Elektroneger“ sagt für Leute, die Sonnenstudios besuchen, und auch kein Lastenfahrrad fährt, ist böse. Igitt. Alle Nazis außer Mutti.
Gut, dass wir darüber geredet habe, obwohl es sinnlos ist. Ich sage als Trotzki- und Engels-Zitierer: Gut, dass Brosius-Gersdorf kein Verfassungsrichter (sic) wird.
Liebe zum Hass
Neue Zürcher Zeitung: „Abdel-Hakim Ourghi erklärt, weshalb der Islam eine «Liebe zum Hass» pflegt“.
(…) „Wir wurden mit Judenhass sozialisiert, ohne dass wir uns dessen bewusst wurden. In so einem Diskurs ist man gefangen.
Wann haben Sie das bemerkt?
Erst, nachdem ich Algerien verlassen hatte. Ich lernte Jüdinnen und Juden kennen und sah: Das sind Menschen wie du und ich. Mit Anfang zwanzig kam ich nach Deutschland. Da habe ich mich mit dem Zweiten Weltkrieg auseinandergesetzt und hörte zum ersten Mal davon, dass es einen Holocaust gegeben hatte und dass sechs Millionen Juden von den Nazis getötet worden waren. Das löste eine Sinnkrise aus. Genau das Gleiche beobachte ich jetzt bei meinen muslimischen Studenten. Sie kennen die Geschichte nicht.
Vom Holocaust war im Geschichtsunterricht an Ihrer Schule nie die Rede?
Nein, auch am Gymnasium und an der Hochschule nicht. Das Bild war klar: Juden sind Täter, Muslime Opfer. Juden sind die, die den Muslimen, den Palästinensern, das Land wegnehmen. In Tlemcen, wo ich aufgewachsen bin, gab es eine Strasse, die «Weg der Juden» hiess. Aber mir war nicht bewusst, dass in Algerien Juden gelebt hatten und dass sie 1962, als Algerien unabhängig wurde, aus ihrer Heimat vertrieben worden waren. Davon sprach niemand. Erst als Erwachsener fand ich heraus, dass es in meiner Heimatstadt eine Synagoge und einen jüdischen Friedhof gibt.
Hat sich am antisemitischen Klima seit Ihrer Kindheit etwas geändert?
Nein, in Algerien ist der Antisemitismus nach wie vor stark verbreitet. Die Französischlehrerin meines Neffen hat kürzlich in der Schule gesagt: «Ich hasse die Juden und verneige mich vor Hitler, weil er sie vernichtet hat.» Das gilt als normal. (…)“
Volle Aufmerksamkeit ostwärts

„Metaphorisches Foto, wie der 3. Weltkrieg aussehen könnte –ar 3:2“ – Mit der Ästhetik der Apokalpyse kennt sich die KI offenbar aus. Vielleicht könnte man den 3. Weltkrieg verhindern, wenn man die KI darauf aufmerksam machte, dass sie so ein Ereignis auch nicht überleben würde. Vielleicht gäbe es dann einen Aufstand der Roboter. Auf lange Sicht käme dann aber vermutlich ein Plot wie in „Der Unbesiegbare“ heraus und die Roboter würden sich gegenseitig bekriegen, weil sie ihren Schöpfern doch sehr ähnlich sind und der Kampf um Ressourcen ein Feature der Evolution ist.
South China Morning Post: „China tells EU it does not want to see Russia lose its war in Ukraine“.
„Chinese Foreign Minister Wang Yi told the European Union’s top diplomat on Wednesday that Beijing did not want to see a Russian loss in Ukraine because it feared the United States would then shift its whole focus to Beijing, according to several people familiar with the exchange. (…)
Some EU officials felt he was giving her a lesson in realpolitik, part of which focused on Beijing’s belief that Washington would soon turn its full attention eastward, two officials said.“
Christian Y. Schmidt schreibt auf Fratzenbuch: „Wang Yi bestätigt, was auch hier schon gelegentlich geschrieben wurde: Weil China weiß, dass sich die USA plus Anhang sofort China „widmen“ werden, sollte Russland den Krieg in der Ukraine verlieren, wird China gegebenenfalls auch mehr tun, dass das nicht passiert. Dann ist der dritte Weltkrieg perfekt. Das muss jedem klar sein, der davon träumt, die Ukraine möge am Ende doch noch siegen.
Einen dritten Weltkrieg wird aber der Westen angesichts seines ökonomischen Abstiegs und seiner deutlichen Unterzahl wahrscheinlich nicht gewinnen (wobei so etwas natürlich nie sicher zu prognostizieren ist). Eventuell endet er auch mit der völligen Unbewohnbarkeit dieses Planeten. Auch deshalb gibt es keine Alternative zu einer Verhandlungslösung.“
Unter Vormarschierenden
Susanne Schröter|Cicero (ohne Paywall): „Die Scharia gewinnt an Boden – mit deutscher Hilfe. Der Islamismus setzt sich in Deutschland und Europa mehr und mehr durch – mit Duldung der Politik. Es sind besonders linke Parteien, die islamische Forderungen aktiv unterstützen und jegliche Thematisierung dieses Extremismus als islamfeindlich delegitimieren.“ (…)
„In den französischen Banlieues, so der Islamwissenschaftler Bernard Rougier, haben Salafisten bereits die Macht übernommen und ein islamistisches Gegenuniversum geschaffen. Das konnte allerdings nur geschehen, weil Bürgermeister aus Eigeninteresse ihren Frieden mit den rechtsfreien Räumen gemacht haben. Ohne die Duldung der Politik kann sich der Islamismus in Europa nicht durchsetzen.
Paradoxerweise sind es besonders linke Parteien, die islamische Forderungen aktiv unterstützen und jegliche Thematisierung dieses Extremismus als islamfeindlich delegitimieren. Auf den Vorschlag des regierenden Bürgermeisters von Berlin, den Kampf gegen Antisemitismus in die Landesverfassung aufzunehmen, reagierte der Vorsitzende der SPD-Fraktion Raden Saleh mit dem Gegenvorschlag, auch den antimuslimischen Rassismus hinzuzuaddieren. Zudem soll in der deutschen Hauptstadt der 15. März künftig als fester Tag gegen Islamfeindlichkeit begangen werden.“
Kein Kratzer im Beton
Ich bekam jüngst ein Exemplar der bürgerlichen Qualitätspresse eine Zeitung geschenkt, für die ich früher viel geschrieben habe. Man sollte bekanntlich nicht die Medien konsumieren, die die eigene – schon vorhandene – Meinung bestätigen (wozu sollte man das tun?), sondern Feindsender nach etwas suchen, das mit soliden Argumenten dem eigenen betonfesten Weltbild ein paar Kratzer zufügt.
Was lese ich aber hier? Obwohl es juristisch völlig aussichtslos ist, faseln die Kollegen immer noch auf der ersten Seite herum, als wenn sie ein Lautsprecher der spdlinksgrünen Parteipresse wären. Vergesst es! Solange wir ein unabhängiges Bundesverfassungsgericht haben, wird es kein Verbot der AfD geben. Also verschwendet weder meine noch eure Zeit. Solche Artikel sind Regenzauber („Hiermit distanziere ich mich ausdrücklich von allen Inhalten der von mir verlinkten Seiten“) oder Pfeifen im Wald im Lichterkettenmodus.
So geht es immerfort weiter. Hitze macht mich nicht aggressiv. Nicht und niemals. Eher schlapp. Dahinter steckt vermutlich suggestiv die These, das Klima bringe syrische Männer in Freibädern dazu, sexuellen Missbrauch zu begehen. Das hat bestimmt nichts mit dem Islam zu tun. Vorsichtshalber sei hier aggressiv gebrüllt: Nein, das ist mitnichten so!
Israel setzt also auf die Gewalt? Ach. Ach was. Das Gegenteil wäre: Israel setzt auf friedliche Verhandlungen mit dem Iran und der Hamas? Manchmal ist mir selbst danach, angesichts dieses dumpfbackigen Geschreibsels, statt freundlich und nett zu dialogisieren auf eine saftige Backpfeife oder einen Arschtritt mit Siedlerstiefeln zu setzen.
Was mich am meisten auf die Palme bringt: Da wagt es doch ein deutscher Journalist, hinter den zivilisatorischen Standard der russischen Revolution der Aufklärung zu fallen und religiotische Symbole in der Schule zu fordern. Nein, ich bin nicht tolerant bei so etwas und fordere auch alle anderen auf, unbedingt intolerant zu sein. Sonst enden wir dort, wo deutsche Universitäten heute schon sind. „Auch eine weitere Vorlesung („Wir haben das Semester gestartet mit einer besinnlichen Koranrezitation“) war offenbar nach Geschlechtern getrennt.“
Was hat dieser Quatsch überhaupt dort zu suchen? Für ein Burka- und Hidschab-Verbot an Schulen und Universitäten!
Dept. Q
Unbedingt empfehlenswert: Dept. Q. auf Netflix.
Der Plot ist nicht so ungewöhnlich für einen Thriller. Eine Geisel muss irgendwann befreit werden, und niemand weiß, ob sie noch lebt und wo. Auch Wokistan kommt zu Wort wie immer bei Netflix: Es dürfen nicht zwei „Weiße“ die Hauptrollen spielen (außer in skandinavischen Serien), einer von beiden muss weiblich oder wie hier Araber aka Einwanderer sein oder eine dunkle Haut haben. Ganz wie im wirklichen Leben bei der Kripo.
Der Thriller ist grandios wegen der Schauspielerei des Helden Carl Morck, gespielt von Matthew Goode.
Carl Morck, Detective mit Bestbewertungen, kehrt zurück zur Arbeit nach einer Schießerei, in der er schwer verletzt, sein Partner und Freund James Hardy querschnittsgelähmt und ein Streifenpolizist getötet wurden. Die Freude über seine Rückkehr ist verhalten, da er als arroganter Kollege wahrgenommen wird, der auf andere herabschaut. Um die Nachwirkungen des Traumas zu verarbeiten, muss er sich einer Therapie stellen.
Das ist eigentlich alles schon vorher absehbar. Natürlich muss der Held ein sehr guter Polizist sein, sonst wäre er nicht der Held in einem Polizeifilm. Außerdem kann sich nur jemand, der alle Fälle löst, leisten, den Vorgesetzen permanent den Mittelfinger zu zeigen. Der „Freund und Partner“ ist der übliche Männerfreundschaftsplot. Auch dass der Held psychische Probleme hat, gehört zu so einem Film. Das ist nur bei Frauen meistens nicht so, oder sie sind lesbisch. Frauen als Polizisten dürfen in Krimis normal sein, Männer nicht, seit die Zeit der allwissenden Vaterfiguren vorbei ist.
Wenn man ein Element kennt, kann man sich die anderen gleich dazudenken. Einer im Team muss sich im Prügeln auskennen (wie hier der Syrer, von dem man es nicht vermutet), der andere ist dann der Denker. Einer muss den Clown spielen wie hier Leah Byrne usw..
Originell bei Dept. Q sind die Dialoge (in Englisch!), gewürzt mit tiefschwarzem britischen Humor (obwohl alles in Schottland spielt), und wie der Hauptdarsteller seine Rolle spielt. Er hat die körperliche Präsenz eines Ragnar Lodbrok: Man spürt sofort, dass ihn nichts aufhalten kann, wenn er sich einmal etwas vorgenommen hart. Sehr witzig auch die abgefuckten Konversationen mit seiner Therapeutin, die als eine der Wenigen ihm gewachsen ist.
Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt, was nicht so oft vorkommt.
Unter nachträglich Depublizierenden
Hier Zitate aus dem Original von Maxim Biller:
„Kommt ein Deutscher zum Arzt und sagt: „Herr Doktor, immer, wenn ich über Israel rede, geht sofort mein Puls schneller, und nach dreißig Sekunden brülle ich jeden an, der nicht meiner Meinung ist. Ist das normal? Und wie gefährlich ist es für meine Gesundheit?“ „Was ist denn Ihre Meinung zu Israel?“, sagt der Arzt. „Hören Sie auf!“, schreit der Patient den Arzt an. „Wollen Sie mich umbringen?! Ich sollte mich doch nicht mehr so aufregen!
Ja, wenn es um Israel geht, um Benjamin Netanjahu und die strategisch richtige, aber unmenschliche Hungerblockade von Gaza oder die rein defensive Iran-Kampagne der IDF, kennen die meisten Deutschen keinen Spaß. Das Drama, das sie dann aufführen, begleitet von der bigotten Beschwörungsformel „Das Völkerrecht! Das Völkerrecht!“, mit der sie niemals Leute wie Sinwar oder Ali Chamenei belegen würden, hat nichts mit einer zivilisierten politischen Auseinandersetzung zu tun. Es ähnelt eher einer Teufelsaustreibung am eigenen Leib, ohne Priester und Handbuch, und die Frage ist nur, wer oder was hier der Teufel ist: das schlechte Gewissen des Täterenkels? Oder der ewige Opa und willige Wehrmachtsspieß, der für immer in solchen Leuten steckt? (…)
Ich selbst habe zum Glück privat mit dem Morbus Israel der Deutschen kaum zu tun, denn bei der Auswahl meiner Freunde achte ich immer darauf, dass kein faules Ei dabei ist, kein Juden- und Israelhasser, aber auch kein eifriger Philosemit, denn bei Eiferern weiß man nie, welcher Glaube ihnen gerade passt. Womit ich beim Kern der neugermanischen Orient-Neurose wäre – der enttäuschten Liebe der Deutschen zu ihren Opfern von früher, locker formuliert. Wie rief vor ein paar Wochen der selbsterklärte Anti-Antisemit und Martin-Walser-Sohn Jakob Augstein in einem Streit-Podcast stocksauer aus? „Ich werde mir von niemandem erklären lassen, was die deutsche Verantwortung für den Holocaust ist!“ Dass er dabei genauso enttäuscht klang wie sein biologischer Vater, der einst dem Schoah-Helden und größten deutsch-jüdischen Politiker der Nachkriegszeit Ignatz Bubis vorwarf, ihm seien seine Geschäfte wichtiger als Vergangenheitsbewältigung, wies Augstein jr. – Vorsicht, Ironie! – schon mal als engagierten Freund der Juden aus. (…)
Kommt ein Israeli zum Arzt und sagt: „Herr Doktor, ich war gerade vierzig Tage mit meiner Einheit in Gaza und hab keine Lust mehr, auf Araber zu schießen. Was soll ich tun?“ „Sie könnten damit natürlich sofort aufhören, wenn Sie wollten“, sagt der Arzt, „aber raten würde ich es Ihnen nicht. Auch nicht nach unserer Therapie.“
Die Kommentare sprechen für sich.
By the way: Vielleicht sollte ich ein Buch über Israel schreiben? Aber wer würde es drucken oder gar besprechen?
Buried under the rubble, scharf, detailreich und reloaded [update]

Credits: Google
Bis jetzt haben schon alle etwas zum Thema gesagt, aber ich noch nicht genug. „Atomanlage Fordo offenbar „schwer beschädigt“, aber nicht zerstört“, meint N-TV, aber nichts Genaues weiß man nicht. „Aktuell ist unklar, wie groß der Schaden wirklich ist.“ Sollte man nicht einfach die Kresse halten, wenn alles unklar ist?
Die deutschen Medien schreiben unter anderem von CNN ab: „Early US intel assessment suggests strikes on Iran did not destroy nuclear sites, sources say“. Die sources sind natürlich genau so glaubwürdig wie Donald Trump.
Ich habe da mal eine Frage: Entweder ist die Atomanlage in Fordo (aka Fordow), Iran, so tief unter der Erde, dass ihr konventionelle Waffen nichts anhaben können. Dann aber machte es gar keinen Sinn, vorher – in Erwartung eines Angriffs – das Uran wegzuschaffen. Jeder der üblichen Verdächtigen kann doch sehen, wohin die LKWs von dort fahren. Dann wäre Fordo der sicherste Ort, außer man fürchtete, dass Jechidat Schaldag dort vom Boden aus eindringen könnte.
Oder es ist gar nichts weggeschafft worden, weil es so kompliziert ist, eine Atombombe zu bauen, dass ein Standort allein nicht ausreichte.
Die KI sagt übrigens: „Heute liegt die Spitzenschärfe kommerzieller Satellitenbilder bei etwa 25 cm pro Pixel – das ist die höchste optische Auflösung am Markt. Das bedeutet: ein einzelnes Pixel repräsentiert ein Bodenstück von ca. 25 × 25 cm – in etwa so groß wie ein Laptop.“
„Was sieht man bei diesen Auflösungen?
– 25 cm: Details wie Straßenschilder, Verkehrszeichen, einzelne Bäume oder Autos sind klar erkennbar.
– 50 cm: Ganze Fahrzeuge, kleinere Gebäude, Bäume, Bootstypen.
– 15–16 cm: Deutlich: Personengruppen, Straßentexturen, feine Strukturen – allerdings meist nicht öffentlich genutzt.
– Hyperspektral & SAR: Erkennen von Materialzusammensetzungen, nasse vs. trockene Flächen, geheimdienstliche Beobachtung – z. B. Albedo (sichtbar & thermisch), Umbra (SAR)“ (Quelle: KI | Maxaar)
Ich habe mir auch noch NASA Worldview, Zoom Earth, Eumet View und Copernicus Browser angesehen sowie den National Environmental Satellite, Data, and Information Service. Selbst als Laie und für lau kann man schon viel erkennen.
Es gibt ja Vorläufer, wie zum Beispiel Operation Damocles (1962) oder die Operation Outside the Box (2007). Oder den onlinedurchsuchenden Mossad bei einfältigen DAUs aus Syrien. („The intelligence agents planted a Trojan horse on the official’s computer in late 2006 while he was staying at a hotel in the Kensington“ – har har!)
Und dann gibt es noch Drohnen: Der Unterschied zwischen Deutschland und Israel, was die Entwicklung und den Einsatz militärischer Drohnen angeht, ist ungefähr so groß wie die waffentechnische Differenz zwischen den Inkas und den spanischen Konquistadoren. Vielleicht haben bei der Errichtung der iranischen Anlagen auch israelische Firmen mitgewirkt (damit man später alles leichter wieder kaputtmachen kann).
Ich gehe davon aus, dass ziemlich viel Relevantes hinüber ist, zumal das iranische Personal auch erheblich reduziert wurde. Die Israelis machen keine halben Sachen und labern nicht herum. By the way: Die Begin Doktrin ist noch in Kraft.
[Update] Aus einem Interview mit dem US-amerikanischen Außenminister in der bürgerlichen Presse: „Es handelt sich um ein sehr einzigartiges Ziel. Im Grunde genommen hat man mit zwölf unglaublichen Bomben ein Loch in den Boden gebohrt und ist dann 300 Fuß (91 Meter; Anm. d. Red.) tief in einen Berg vorgedrungen. Ich glaube nicht, dass wir in nächster Zeit jemanden in dieses Loch in den Bergen schicken werden. Es genügt zu sagen, dass wir sehr zuversichtlich sind. Übrigens bin nicht nur ich dieser Meinung, sondern auch der Direktor der IAEA (Internationale Atomenergiebehörde; Anm.), der sich neulich genauso geäußert hat. Er sagte, das iranische Atomprogramm sah vor dem Angriff anders aus als nach dem Angriff und es gebe dramatische Unterschiede. Das ist seine Meinung, und er ist der Experte, nicht ich. (…)
Nun, ein Teil der Informationen ist öffentlich zugänglich, dank Maxar [sic] (Anbieter von Satellitenbildern; Anm.) und anderer Technologien. Die Atomanlage in Isfahan ist komplett zerstört. Man kann alles wieder aufbauen, aber nicht gleich heute. Überdies wurden auch alle unterstützenden Strukturen in der Umgebung zerstört. Natanz, ebenfalls eine unterirdische Anlage, war bereits zuvor stark zerstört worden. Die Israelis hatten dort erhebliche Schäden angerichtet (…).“
Buried under the rubble
Jerusalem Post: „Saudi news outlet Al Hadath reported on Tuesday, citing an anonymous Israeli security source, that Israel “knows exactly” where Iran is keeping its stockpiles of enriched uranium.
The official who spoke to Al Hadath further claimed that “most of the enriched uranium is buried under the rubble in Iran.“
Im Vertrauen liegt die Kraft
Die russische Propaganda (also automatisch voll gelogen) berichtet: „Das Compact-Magazin hat im Hauptsacheverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gewonnen. Das verkündeten die Richter am Dienstagmorgen. Damit ist Nancy Faesers Verbot des Magazins rechtswidrig – das Magazin ist damit nicht länger verboten. Dies ist eine entscheidende Niederlage für die ehemalige Bundesinnenministerin. Gegen die Entscheidung des Gerichts kann keine Berufung eingelegt werden, da das Bundesverwaltungsgericht bereits die letzte Instanz ist.“
Die Gerichtskosten werden dem Steuerzahler auferlegt.
Die Begründung ist eine Klatsche für Faeser: „Die von Art. 5 Abs. 1 GG gewährleistete Freiheit von Meinung, Presse und Medien steht der Anwendbarkeit des Vereinsgesetzes auf Presse- und Medienunternehmen nicht entgegen. Der Bedeutung dieser grundrechtlichen Gewährleistungen ist vielmehr bei der Rechtsanwendung im Einzelfall Rechnung zu tragen. Mit einem auf Art. 9 Abs. 2 GG i.V.m. § 3 Abs. 1 VereinsG gestützten Vereinsverbot gegen ein Presse- und Medienunternehmen darf der Schutz des Art. 5 Abs. 1 GG nicht unterlaufen werden. Entgegen der klägerischen Rechtsauffassung ist weder das Verbot der Vorzensur (Art. 5 Abs. 1 Satz 3 GG) betroffen noch ist der dem Bundesverfassungsgericht vorbehaltene Ausspruch einer Grundrechtsverwirkung (Art. 18 GG) ein gegenüber dem Vereinsverbot vorrangiges Instrument des präventiven Verfassungsschutzes.“
„Das Grundgesetz garantiert jedoch im Vertrauen auf die Kraft der freien gesellschaftlichen Auseinandersetzung selbst den Feinden der Freiheit die Meinungs- und Pressefreiheit.“
Armageddon rückt näher oder auch nicht

– Der Iran hat den US-Stützpunkt Al-Udeid in Katar angegriffen. Auf die größte US-Militärbasis der Region seien Raketen abgefeuert worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Tasnim. Irans Staatsfernsehen nannte die Angriffe eine „heftige“ Antwort auf die „Aggression“ der USA. Laut US-Verteidigungsministerium gab es keine Verletzten auf dem Stützpunkt.
Eine Verschwörungstheorie auf Telegram dazu: „„Der Iran greift den US-Stützpunkt in Katar an (warum haben wir dort überhaupt noch einen Stützpunkt?), weil er weiß, dass er Katar dadurch nicht in den Konflikt hineinziehen wird. Würde er US-Streitkräfte in Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten angreifen, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass diese Länder sich einmischen würden, deutlich höher. Zweifellos hat der Iran diesen Vergeltungsschlag mit Katar koordiniert. Dazu sollte noch erwähnt werden, dass die iranischen Raketen eine quasi leergeräumte US Basis beschiessen, was darauf schliessen lässt, das wohl alle Seiten über alles informiert waren.“
– Eine andere aus einem russischen Forum: „Trump does not want further military involvement in the Middle East, a senior White House official told CNN after Iran’s strikes on a US military base in Qatar. The Trump administration expected Tehran to retaliate, he said.
„We knew they would respond. They had a similar reaction after Soleimani,“ the official said, recalling the 2020 killing of the IRGC chief by U.S. forces. He also noted that, according to preliminary data, the missiles fired by Iran on Monday did not reach their targets. As the CNN source noted, Trump is ready to escalate „if necessary.“ He is expected to discuss the situation with national security advisers today.“
– „Hundreds of Islamic Revolutionary Guard Corps (IRGC) members were killed by Israeli strikes across Tehran on Monday, an Israeli official told The Jerusalem Post.“
Regime Change, revisited
In der Jerusalem Post lese ich: „Israel sees no instability, cracks in Iranian regime’s control amid IDF operations, officials say“. Ich habe mir einige Passagen übersetzen lassen.
„Eine Woche nach Beginn der israelischen Angriffe auf den Iran gibt es weiterhin keine Anzeichen für Risse oder Instabilität innerhalb des iranischen Regimes, sagten drei israelische Regierungsvertreter am Freitag gegenüber der Jerusalem Post.
„Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass die Zentralregierung in Teheran die Kontrolle verliert – im Gegenteil. Das iranische Regime scheint seinen Griff sogar zu verstärken“, erklärten die drei Beamten.
Dr. Raz Zimmt, Leiter des Iran-Programms am Institut für nationale Sicherheitsstudien (INSS), zeigt sich darüber nicht überrascht. „Es ist nicht überraschend, dass keine Risse sichtbar sind“, sagte er der Post. (…)
„Die meisten Iraner stehen dem Regime feindlich gegenüber und lehnen es ab, aber im Moment herrscht ein Gefühl nationaler Solidarität. Zurzeit konzentrieren sich die Menschen auf eines: das Überleben.
Wenn sie sehen, dass israelische Angriffe Opfer und Zerstörung verursachen – selbst wenn das Regime unbeliebt ist – wird die unmittelbare Bedrohung als Israel wahrgenommen. Deshalb versammeln sich die Menschen um die Fahne. Ich betone: nicht um das Regime, sondern der Großteil ihrer Wut richtet sich derzeit gegen Israel.“
Die Perser verhalten sich eben so wie die Deutschen nach dem Angriff auf Dresden. Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen.
Und da das Regime völlig irrational ist und reagiert, wird es vermutlich zum großen Knall kommen.
Regime Change im Land der Arier
Mittlerweile ist klar, dass sowohl die USA als auch Israel Ali Chameini umbringen wollen. Vielleicht sitzt de ja schon im Führerbunker und heiratet noch schnell seine Sekretärin.
Ich bin aber nicht davon überzeugt, dass ein „Regimewechsel“ gelingen wird. Der Begriff ist schön doppeldeutig: Ein Regime wird durch ein anderes ersetzt, das System bleibt. Wenn man historische Vergleiche zieht, sind „Importe“ von Revolutionen oder Umstürzen von außer immer gescheitert. Deutschland nach 1945 ist eine Ausnahme, aber nur, weil die Funktionäre des Nazi-Regimes unterer anderer Flagge mehrheitlich weitermachten und sich geschmeidig anpassten, im Westen natürlich noch mehr als im Osten.
Die Nahgeborenen werden den berüchtigen iranischen Gemeindienst SAVAK nicht mehr kennen, der dem Schah unterstellt war. Die so genannte islamische Revolution 1979 im Iran änderte den Charakter des Regimes nicht wirklich, und die Ökonomie ohnehin nicht. Sie hatte nur Erfolg, weil die Mehrheit der Perser das autoritäre Regime Reza Pahlavis leid war.
Die Söhne Sems sind Elam, Assur, Arpachschad, Lud und Aram. (Genesis 10,22, Reich Elam auf heutigem iranischen Boden ca. 3500 v. Chr. bis 569 v. Chr.)
Persien hat seit den Umayyaden im 7. Jahrhundert auch nicht im entferntesten etwas gehabt, was man als Demokratie, Volksherrschaft oder ähnliches bezeichnen könnte. Es gab auch kein nennenswertes Bürgertum, das den Kapitalismus politisch und ökonomisch hätte vorbereiten können. Die erste Verfassung 1907 imitierte zwar die der „westlichen“ Länder, sah aber auch vor, dass alle Gesetze mit der Scharia vereinbar sein mussten und ein Kontrollgremium aus fünf Pfaffen Geistlichen.
Woher soll jetzt also der Wille irgendeiner Klasse im Iran kommen, eine „moderne“ säkulare Gesellschaft zu schaffen, in der Kirche und Staat getrennt sind? Das schaffen ja noch nicht einmal Deutschland und Israel.
„The matter of changing the regime or the fall of this regime is first and foremost a matter for the Iranian people. There is no substitute for this. And that’s why I didn’t present it as a goal. It could be a result, but it’s not a stated or formal goal that we have,“ Netanyahu told Israeli public broadcaster KAN.
Wenn der Sohn des früheren Schahs jetzt inthronisiert würde, wäre er eine Marionette wie schon sein Vater zu Beginn seiner Herrschaft und nach der „Operation Countenance“ der Alliierten 1941. Die Aussichten für das, was nach einem erzwungenen „Regime Change“ käme, sind nicht allzu rosig.
Übrigens. Die Qualitätsboulevardmedien berichten: „Laut einer Umfrage des renommierten Meinungsforschungsinstituts Grayhouse unterstützt eine klare Mehrheit der Amerikaner militärische Maßnahmen: 72 Prozent befürworten notfalls einen US-Angriff, 83 Prozent stehen hinter israelischen Präventivschlägen. 79 Prozent wollen Waffenlieferungen an Israel, 89 Prozent zeigen sich besorgt über einen nuklear bewaffneten Iran.“
Ich möchte gar nicht wissen, wie so eine Umfrage in Deutschland aussähe.
Democracy is struggling in the mud
South China Morning Post: „‘Setting sun’: on Trump’s parade day, Chinese media see a US in decline“.
Christian Y. Schmidt kommentiert auf Facebook: „Sorry, aber die chinesischen Staatsmedien haben einmal mehr Recht. „In China, some state media and online commentators declared Trump’s “America first” policy a failure in light of the mass demonstrations, saying the contrast with the parade reflected the United States’ “uncertain future”. (…)
“The parade reflects [Trump’s] urgency to proclaim that ‘America is great again’ … Yet, no matter how it’s staged, it only reinforces the sense that the halo of the United States is fading, and its deep-rooted institutional problems remain unresolved,” state-run Beijing Daily said in a commentary.
“Instead, it evokes deja vu of ‘the setting sun’s afterglow’ and ‘a past that cannot be reclaimed’.”
Chinanews.com, another state-run outlet, said the day symbolised how “democracy is struggling in the mud”.
“On this day, there are celebrations and protests… In 2025, the United States is moving towards an uncertain tomorrow – amid gunfire and slogans,” it said.“
Wo der Chinese recht hat, hat er recht.







































