That’s Leif
Ostroplog: „Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche (NR) steckt in der Krise. Im zehnten Jahr ihres Bestehens ist der Vorstand gestern Abend am Rande der Jahrestagung in Hamburg weitgehend zurückgetreten. Hintergund: Mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Finanzierung des Vereins. Die taz schreibt von einem ‚Putsch‘, auch Meedia berichtet.“
Betreff: Mitteilung an die Mitglieder von netzwerk recherche e.V. (…) hat sich der Vorstand am 28. Mai 2011 ausführlich mit der Finanzlage des Vereins befasst. Dabei tauchten Hinweise auf, dass der Verein im Zusammenhang mit der Förderung der Jahreskonferenz 2010 gegenüber der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) möglicherweise fehlerhafte Angaben gemacht hat. Grundsätzlich fördert die BPB die Jahrestagung im Rahmen einer Defizitfinanzierung. Da möglicherweise aber nicht alle Einnahmen der Jahrestagung gegenüber der BPB angegeben wurden, könnte der Verein eine zu hohe Förderung von der BPB erhalten haben. (…) Der Vorstand hat dabei einstimmig beschlossen, nicht nur die möglicherweise unrechtmäßig erhaltenen Fördermittel, sondern sämtliche Fördermittel der BPB für die Jahrestagungen (2007-2010) – unter dem Vorbehalt der Sachprüfung – vorsorglich zurückzuzahlen. Dabei handelt es sich um einen Gesamtbetrag in Höhe von rund 75.000 Euro. (…) Auf der außerordentlichen Vorstandssitzung hat der 1. Vorsitzende des Vereins, Thomas Leif, erklärt, die Verantwortung für mögliche Abrechnungsfehler zu übernehmen.
Dazu habe ich mehrere Fragen. Warum schreibt jemand in der taz über den Fall, der selbst Mitglied in Netzwerk Recherche ist? Warum wird ein Journalistenverein, dessen Vereinszweck vor allem die Selbstbeweihräucherung der Vorsitzenden Leif und Leyendecker war, mit Staatsgeldern gefördert, obwohl er doch in Konkurrenz zu anderen Journalistenvereinen steht? Warum hat Thomas Leif angeblich erklärt, die Verantwortung zu übernehmen, trat aber dann nicht freiwillig zurück?
Wie Leif in der Vergangenheit arbeitete, ist hinreichend bekannt.
Konkret schrieb im März 2006: „Prinzipiell anders geht es beim Netzwerk Recherche zu: Dessen jährlich ausgelobter Recherchepreis ‚Leuchtturm‘ wird überhaupt nicht von Coca-Cola bezahlt (sondern ganz im Gegenteil von der „Kontext-Stiftung“ des Energiekonzerns Eon). Und Thomas Leif, der die PR-Fuzzis schmäht, führt in seiner dienstfreien Zeit gern und ‚in gewohnt souveräner Form durch Veranstaltungen beispielsweise der Landesbausparkasse (LBS) Rheinland-Pfalz oder der Sparkassen Service Gesellschaft (SSG). Daß Leif sich am Ende selbst aus seinem Verein ausschließen läßt, ist nicht zu befürchten. Hauptberuflich ist er ja immer noch ‚Chefreporter des SWR in Mainz‘, und die Tätigkeit für die LBS war gewiß ‚überwiegend durch Recherche geprägt‘. Oder bleibt einfach alles in der Familie? Der Vorsitzende der SSG heißt auch Leif, Vorname: Jürgen.“
Ich hatte am 18. Mai 2006 („Einer beschmutze des anderen Nest“) hier geschrieben:
Das berüchtigte Internet-Portal spiggel.de hat bekanntlich die gesellschaftlich nützliche Aufgabe, überall dort, wo ein Feuerchen brennt, Öl hineinzugießen, damit die Dunkelheit der Welt vom Licht der Erkenntnis vertrieben und für das Gute, Schöne und Wahre Platz geschaffen werde. So auch hier.
Der DJV wirft Netzwerk Recherche vor, mit falschen Zahlen zu operieren. „In einer Pressemitteilung von Netzwerk Recherche vom heutigen Donnerstag wird behauptet, 30 Prozent der DJV-Mitglieder seien nach Angaben des stellvertretenden DJV-Bundesvorsitzenden Volker Hummel PR-Mitarbeiter und Pressesprecher. Dazu erklärt Hummel: ‚Wenn Dr. Thomas Leif falsche Zahlen verbreitet, kann er sich nicht auf mich berufen. Ich habe nie und nirgends behauptet, 30 Prozent aller DJV-Mitglieder seien PR-Mitarbeiter und Pressesprecher. Eine entsprechende Suggestivfrage Leifs am Rande der Mainzer Tage der Fernsehkritik habe ich mit der Bemerkung beantwortet: „Ich habe die Zahl nicht im Kopf.“‚ Nach Angaben des DJV sind acht bis zehn Prozent der 40.000 Mitglieder im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig.“
Jetzt lesen wir gemeinsam noch eine PR-Meldung von Netzwerk Recherche: „Nach Einschätzung des Vorsitzenden des Netzwerk Recherche, Dr. Thomas Leif, hat sich die nr-Jahreskonferenz in fünf Jahren zu einem der wichtigsten Journalisten-Treffpunkte in Deutschland entwickelt: ‚In Hamburg geht es um die kritische und selbstkritische Analyse des journalistischen Alltags, um die Verbesserung des Handwerks und um die Suche nach effektiven Recherche-Strategien. Auf keiner Konferenz in Deutschland wird intensiver und kontroverser über journalistische Tabus und Fehlentwicklungen gestritten‘, sagte Leif.“
Das ist natürlich alles frei erfunden und Eigenwerbung vom Feinsten. Über „Fehlentwicklungen“ (ein grauenhaftes Wort) wurde zum Beispiel im DJV Berlin viel heftiger gestritten als bei Netzwerk Recherches zu Hause. (…)
Nun zu uns, Netzwerk Recherche. Der ganze Laden ist bekanntlich – so der hämische Spott der Branche – mehr oder minder ein Ventilator, der dazu dient, die Großjournalisten Hans Leyendecker und Dr. Thomas Leif von einem Vortrag über ihre Großtaten zum anderen zu blasen. Als Giovanni di Lorenzo eintrat, wollte ich schon austreten trat ich aus, weil ich erwartete, es würden alsbald auch Lea Rosh, Kai Dieckmann und Günther Bohnsack aufgenommen werden. Lästig ist zudem, dass der Verein offenbar den Ehrgeiz entwickelt, zu einem der größten Papierproduzenten der Branche zu werden. Man muss auch mal sein Wasser halten können. Und bitte nicht vergessen, den Artikel „That’s Leif“ in Konkret zu lesen!
Was lesen wir auf der Website? „Die juristische Bekämpfung und publizistische Untersuchung der Korruption in Deutschland weist erhebliche Defizite auf.“ Wer so grottenschlecht schreibt, sollte stille Einkehr halten und eine Weile in Demut verharren. Welch ein Satz! Das Auto weist vier Räder auf. Und „Bekämpfung“ und „Untersuchung“: Man bekämpfe den Nominalstil und untersuche, wer von gutem Deutsch noch nie etwas gehört hat.
Jaja. Der Autor ist Mitglied im DJV Berlin und war mit Mitglied in Netzwerk Recherche. Bei Ver.di war ich auch mal irgendwann.
Leitwolf im Schafspelz
„Denn Netzjournalismus, sofern er aus wirtschaftlichen Gründen und mit Blick auf Breitestwirkung betrieben wird, ist nicht irgendein Abfallprodukt für die Generation Smartphone, für das ihn der soignierte Qualitätszeitungsleser immer noch halten mag: Er ist, ganz im Gegenteil, Destillat, die Essenz von Journalismus als Geschäft, dessen Prinzip Hermann L. Gremliza vor dreißig Jahren so beschrieben hat: ‚Der Wettbewerb um die Gunst der Konsumenten zwingt die privatwirtschaftlichen Medien, alles zu unterlassen, was die Instinkte und Vorurteile der Leser, Hörer und Seher stören könnte. Ja, um gar kein Risiko zu laufen, müssen sie immer noch ein Stück tiefer ansetzen. Axel Springer sieht das schon ganz richtig: Wer in diesem Busineß Erfolg haben will, darf nicht belehren, aufklären, fragen – er muß unterhalten, bestätigen, verdummen.'“ (Stefan Gärtner in der Titanic)
Medientrojaner
Der dümmste anzunehmende Historiker nennt das Pferd, mit dem sich laut Homer die Griechen in die Stadt Troja schmuggelten, „Trojaner“ bzw. er nennt die Griechen Trojaner, obwohl die Trojaner draussen waren und die Griechen drinnen. Man kann ja auch die Deutschen Franzosen nennen oder die Russen Amerikaner, ist irgendwie sowieso egal.
So falsch, schräg und unpassend die Metapher „Trojaner“ für eine Software ist, die – so stellt sich das Klein Fritzchen vor – irgendwie auf einen fremden Rechner geschmuggelt wird, etwa mit Hilfe von Zauberformeln, die ein Beamter in Wiesbaden beim BKA vor sich hin murmelt, während er eine ausführbare Datei an einen verdächtigen Menschen schickt, in der Hoffnung, der benutze das Betriebssystem Windows und würde alles per Mausklick und per Admin-Account installieren, was nicht bei drei auf dem nächsten Baum ist – es hindert die Holzmedien dennoch nicht, diesen Quatsch wieder und wieder zu verbreiten.
Aktueller Fall, Zitat Spiegel online: Das Münchener Justizministerium habe eingeräumt, „dass die [welche? B.S.] umstrittene [!] Spionage-Software zwischen 2009 und 2010 insgesamt fünfmal [sic] in Augsburg, Nürnberg, München und Landshut zur Anwendung kam.“
Man merkt schon bei diesem Deutsch des Grauens, dass hier irgendjemand irgendwelche Behörden-Agitprop abgekupfert hat – so redet kein Mensch: „zur Anwendung kam“? Das Gehirn des Schreibers kam offenbar nicht zur Anwendung. Wer wendete was an – und vor allem wie?
Und nur ganz nebenbei: „banden- und gewerbsmäßiger Betrug“ und „Handel mit Betäubungs-und Arzneimittel“ sind keine Straftatsbestände, bei denen das Bundesverfassungsgericht den Einsatz von Spionage-Software auf Computern erlaubt hätte. Den Bayern scheint das legal, illegal, scheissegal zu sein. Wundert mich nicht.
Jetzt aber die Pointe:
„Die Fahnder fanden trickreiche Wege, zum Aufspielen der Trojaner: einmal half der Zoll am Münchener Flughafen, einmal wurde der Spion per Remote-Installation aufgespielt, dreimal nutzen die Ermittler das Durcheinander einer Hausdurchsuchung.“
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Zum ersten, liebe Spiegel-Redakteure, gibt es hier sowieso nicht mindestens zwei unabhängige Quellen, sondern nur das, was die Behörde von sich zu geben beliebt. Ihr hättet das überprüfen oder anmerken müssen: „Die Behörde behauptet das.“
Zum zweiten und mal ganz langsam von vorn: Hier handelt es sich um Software zum Mithören von Skype. Das ist etwas ganz anderes als die real nicht existierende Online-Durchsuchung. Und mehr als Internet-Telefonie zu belauschen kann die Software nicht. Wann kapiert ihr das endlich?
Lauschen wir Gulli.com: „Die Installation des so genannten Bayerntrojaners soll wahlweise durch einen Einsatz der Polizei vor Ort oder remote per E-Mail geschehen. (…) Die Schadsoftware kann Daten an und über einen Rechner außerhalb des deutschen Hoheitsgebietes versenden. Dabei kann Zugriff auf interne Merkmale des Skypeclients und auf SSL-verschlüsselte Websites genommen werden.“
O ja. Per Mail? Wie soll das gehen? Wenn der Verdächtige so bescheuert ist wie die Leute, die diesen Unfug wiederholen, ohne auch nur ein Milligramm Gehirnschmalz zu aktivieren, dann wird er auch zu dämlich sein, um ein Programm zu installieren (und das müsste er).
Bei der so genannten Online-Durchsuchung geht es mitnichten um das Belauschen von Internet-Telefonie, und Skype ist sowieso nicht sicher! Wie ich schon am 04.01.2008 in der Netzeitung schrieb:
Skype hat aber nicht nur ein Problem. In vielen Unternehmen ist es verboten, weil das Sicherheitsrisiko zu groß erscheint. Die Software verhält sich zu Firewalls und Routern wie ein Nashorn, wenn es in Wut gerät: Sie bohrt Löcher hinein, damit auch der dümmste anzunehmende Nutzer bequem plaudern kann und nicht erst in den digitalen Eingeweiden fummeln muss.
Wer sich um die Konfiguration der Privatsphäre nicht kümmert, könnte sich versehentlich von fremden Menschen abhören lassen. Eine Firma, die Skype einsetzte, verlöre auch die Kontrolle über den Datenverkehr. Deshalb raten Wirtschaftsverbände davon ab.
Der größte Nachteil von Skype ist prinzipieller Natur: Das Programm ist proprietär – also nicht kompatibel mit freier Software -, und der Gesprächspartner darf keine andere VoIP-Software nutzen. Die Innereien von Skype – der Quellcode – sind ohnehin ein Betriebsgeheimnis. «Security by obscurity» nennt man das System im Hacker-Milieu. Im Internet kursieren detaillierte Analysen wie «Silver Needle in the Skype», die die Schwachstellen der Software aufzeigen.
Für politisch denkende Zeitgenossen ist Skype ähnlich igitt wie Googles E-Mail-Dienst: Nutzer von Skype aus China bekommen einen Textfilter vorgesetzt, der bestimmte Worte nicht durchlässt. «Falun Gong» und «Dalai Lama» sind als verboten gesetzt. Diese Zensur kann nur funktionieren, weil die Betreiberfirma die Möglichkeit ab Werk eingebaut hat, die Gespräche mitzuprotokollieren und zu belauschen.
Das alles wird den normalen Nutzer nicht abschrecken. Der installiert manchmal sogar eine Webcam im Schlafzimmer, weil er nichts zu verbergen hat und nutzt das bekannte Betriebssystem eines rothaarigen Multimilliardärs, bei dem alle relevanten Sicherheitsfeatures ab Werk ausgestellt sind.
Welche „trickreichen Wege“ nutzten also die Beamten ganz legal, illegal, scheissegal? „Per Remote-Installation aufgespielt“ – könntet ihr hier mal ins Detail gehen? Welche IP-Adresse attackieren sie denn, oder wurde dem Verdächtigen eine per Einschreiben mit Rückschein vorher aufgezwungen?
„Nutzen die Ermittler das Durcheinander einer Hausdurchsuchung“ – ach ja? So geht das also in Bayern zu, das überrascht mich nicht. Da kann ich ja froh sein, dass die Beamten, die meine Wohnung durchsuchten, nicht alle Buchregale umgeworfen, das Geschirr auf den Boden und die Monitore mal eben so umgestoßen haben? Wie kann man so etwas als Journalist einfach kritiklos „vermelden“, wie es in grauenhaften Journalisten-Neusprech heutzutage heißt? Wenn das in China passierte – „die Ermittler nutzen das Durcheinander einer Hausdurchsuchung“ -, dann würdet ihr alle heuchlerisch jammern und klagen.
Verlogenes unkritisches obrigkeitshöriges Pack! Das kotzt mich wirklich an. Und ihr habt keinen Schimmer von dem, wovon ihr schreibt.
Nur ganz nebenbei: Wie hätte denn bei mir jemand während der Hausdurchsuchung etwas auf meine Rechner „spielen“ können? Die waren ausgeschaltet, und ich hätte notfalls einfach die Stecker rausgezogen, wenn dem nicht so gewesen wäre.
Unstrittig ist, dass, wenn man den physischen Zugriff auf einen Rechner hat und wenn der eingeschaltet ist und/oder von Fremdmedien bootet, recht viel möglich ist. Aber das geht bei Leuten nicht, die einen Rechner von einem Videorecorder unterscheiden können. Aber vielleicht irre ich mich ja, und meine Mitmenschen sind noch dämlicher als ich eh schon annehme.
Sternstunden des Journalismus
Spiegel online gilt als Leitmedium. Burks.de gilt als Nörgel-Internet-Webpräsenz-Portal. Die „Online-Durchsuchung“ gilt als einflussreichster Hoax des Jahrzehnts. Deutsche Journalisten gelten als verschnarcht und obrigkeits-treu. Sex gilt als verkaufsfördernd. Wolfsburg gilt als Stadt.
Wie die mediale Massenhysterie Kipo im Internet zustande kam (update)
Gestern war danisch.de für mich nicht erreichbar; heute erlasse ich einen Lesebefehl für den Artikel „Wie die deutsche Internet-Kinderpornosperre zustande kam – und zugrunde ging“.
Im Rahmen dieser Diskussion schälten sich dann vor allem zwei Grundirrtümer auf Seiten von der Leyens, ihres Ministeriums und der beteiligten Leute vom BKA heraus:
Sie hatten überhaupt nicht verstanden und wußten nicht, wie das Internet funktioniert. Nämlich daß es die Daten in kleine Pakete zerschneidet und anhand von IP-Adressen vom Absender zum Empfänger transportiert.
Sie wußten auch nicht, was das Internet eigentlich ist, sondern hatten nur die Sicht eines typischen Web-Browser-Benutzers. Und sie unterlagen dem häufig anzutreffenden Irrtum, daß das World-Wide-Web das Internet sei.
Das gilt für Journalisten in der Regel genau so.
Man muss jedoch dazusagen, dass ein rationaler Diskurs zu dem Thema auch in den Mainstream-Medien nicht möglich ist, zumal das Thema auch von den Lautsprechern der Zensur-Lobby instrumentalisiert wird. Danisch wird also nur diejenigen überzeugen können, die ohnehin seiner Meinung sind. So ist das leider mit der Medien-Rezeption.
Update: Diese Sätze muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – ich befürchte, an der geballten technischen Inkompetenz hat sich nicht viel geändert:
Mein Hinweis, daß das Internet keineswegs auf URLs basiert und völlig ohne URLs funktioniert, und es da ganz viele Dinge gibt, die nichts mit URLs zu tun haben, wurde auf Seiten des Ministeriums nicht verstanden. Als ich dazu erläuterte, daß man URLs erst in den Neunziger Jahren erfunden hat und es da das Internet schon rund 20 Jahre gab, es also schon 20 Jahre prächtig ohne URLs funktioniert hat, also offensichtlich nicht darauf beruhen könne, war man irritiert. Zustimmung erhielt ich nur von den anderen Providern. Das Ministerium hingegen interpretierte meinen Einwand als politischen und unqualifizierten Störversuch.
Neusprech
Herzlichen Glückwunsch an neusprech.org – das Blog hat verdient den Grimme-Preis erhalten. Der Glückwunsch geht auch and Udo Vetter und sein lawblog.
Mao hat dich eingeladen, sein Freund zu sein
„Mao hat dich eingeladen, sein Freund zu sein“ – ein Artikel von mir im neuen Medienmagazin Nitro über das chinesische Netzwerk Renren.
Chinesen greifen das Pentagon an, revisited
Diesen Artikel schrieb ich hier am 04.09.2007. Untertitel: „Offenbarung statt Recherche.“ Das Niveau der Berichterstattung hat sich nicht geändert: Einer schreibt vom Anderen ab, ohne die Fakten zu überprüfen. Irgendwann ist die Zahnpasta aus der Tube und keiner will es gewesen sein. Die pöhsen Chinesen waren es so lange nicht, bis mir jemand Beweise zeigt, die nicht von Geheimdiensten oder anderen Pressure Groups mit einschlägigen Motiven stammen.
Die Financial Times hat es behauptet und alle plappern es natürlich nach: „Chinese military hacked into Pentagon“. Jetzt stelle mer uns ganz dumm. Ist das wahr? Gibt es Beweise? Ist das möglich? Kann man das überprüfen?
Die Zeit ersetzt die Recherche durch Offenbarung: „Hacker des chinesischen Militärs sind offenbar ins EDV-Netzwerk des Pentagon vorgedrungen.“ Anschließend beruft man sich auf die FTD. „Wie die britische Zeitung am Dienstag unter Berufung auf amerikanische Regierungsstellen berichtete, wurden bei dem Hacker-Angriff auch Teile des EDV-Systems im Büro von US-Verteidigungsminister Robert Gates zum Absturz gebracht. Falls das so stimmt, bedeutet es, dass die Computerexperten Chinas inzwischen in der Lage sind, zentrale Systeme andere Länder stillzulegen.“
„Falls das so stimmt“ – ein journalistisches Armutszeugnis. Wenn man etwas nicht weiß, muss man es eben nachprüfen und nicht irgendwelche Gerüchte in die Welt hinausposaunen, nur weil es andere auch tun. Und was ist, wenn es nicht stimmt? Nimmt die Zeit dann alles zurück und behauptet, es sei in Wahrheit Osama bin Laden gewesen? Und der Heise-Newsticker? „Chinesische Angreifer stecken offenbar hinter Cyber-Attacke auf das Pentagon“ Offenbar. Oder auch nicht.
Nach der Attacke Mitte Juni hatte das Pentagon 1500 Rechner für mehr als eine Woche offline genommen. Nun heißt es, auf dem erfolgreich angegriffenen Mail-Server hätten „größtenteils“ keine vertraulichen Daten gelegen. Momentan laufen noch Untersuchungen darüber, wie viele Daten entwendet wurden. Vor Kurzem gab es auch Berichte…“ Es gab Berichte.
Und was sagt uns das jetzt? Es gab auch Berichte, dass Hänsel und Gretel in den Wald gegangen seien. Man muss zugunsten des Heise-Newtickers anmerken, dass der nicht vorgaukelt, eigene Quellen zu besitzen oder selbst recherchiert zu haben. Nein, alles ist abgeschrieben. Was sagt also das Original?
„The Chinese military hacked into a Pentagon computer network in June in the most successful cyber attack on the US defence department, say American officials.
The Pentagon acknowledged shutting down part of a computer system serving the office of Robert Gates, defence secretary, but declined to say who it believed was behind the attack.
Current and former officials have told the Financial Times an internal investigation has revealed that the incursion came from the People’s Liberation Army.
One senior US official said the Pentagon had pinpointed the exact origins of the attack. Another person familiar with the event said there was a ‚very high level of confidence…trending towards total certainty‘ that the PLA was responsible.“
Es ist also alles supergeheim, so supergeheim, dass eine Person, die mit dem Ereignis vertraut ist, es gleich ausplaudert. Der Rest nicht nur diesen Artikels, sondern auch aller, die von ihm abschreiben, ist gefüllt mit Textbausteinen über Merkels Besuch in China undsofort. hat also nichts damit zu tun. Der Kern ist ein Gerücht aus „gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen.“ Um die Pointe gleich vorwegzunehmen: Die China-Hacker kommen nicht. Vielleicht bin ich ein notorischer Zweifler, Nörgler, Querulant, Besserwisser – aber ich glaube kein Wort. Das klingt so nach der Sprechblase: „Verfassungsschutz: Immer mehr Nazis nutzen das Internet.“
Ganz einfach. Oder offenbar auch nicht: Wer einen Server angreift, sollte und könnte vielleicht vorher auf die Idee kommen, seine Spuren zu verbergen – etwa mit schlichten Mitteln wie mit einem Tor-Server. Sollte die Volksbefreiungsarmee Rechner des Pentagon angreifen, ohne dafür zu sorgen,
dass ihre IP-Adressen vorher geschreddert werden? Wikipedia wäre nicht auf dem neuesten Stand, dort ist von „veralteter Kommunikationstechnik“ in Chinas Streitkräften die Rede. Aber: „Allerdings wurden in der Miliz Einheiten geschaffen, die sich auf moderne Kommunikationstechnik spezialisieren und aus Bewohnern der urbanen Zentren des Landes rekrutieren. Diese Fachleute sollen ihr zivil erworbenes Wissen um die Computertechnik in die VBA einbringen.“ Da haben wir’s: Die Miliz war es. Und die hat „zehn Millionen Angehörige“. Dann kann Schäuble bald damit rechnen, selbst ständig online durchsucht zu werden.
Bilder: Hacker der Zhōnggúo Rénmín Jiěfàng Jūn bei einer Parade (oben). Der chinesische Hacker-Minister 中国人民解放军/中國人民解放軍 (Mitte). Hacker der Volksbefreiungsarmee bereiten sich auf der Online-Durchsuchung von Second Life vor.
Nicht ich bin’s gewesen, die Hacker sind es gewesen
Spiegel online im Interview mit Kasperksy („ein russisches Softwareunternehmen (…) hat sich auf die Entwicklung von Sicherheitssoftware spezialisiert“):
„So hält auch der Russe es für die wahrscheinlichste Erklärung, dass der Computerwurm Stuxnet, der im vergangenen Jahr viel Aufmerksamkeit auf sich zog, eine amerikanisch-israelische Erfindung sein könnte“. Könnte? Hätte? Würde? Fakten? Fehlanzeige.
„Mutmaßlich über verseuchte USB-Sticks gelangte er in iranische Atomanlagen.“ Mutmaßlich? Seit wann verbeiten Journalisten Mutmaßungen und verschweigen sogar die Quelle der Gerüchte? Stand es in der Bild-Zeitung?
„Aber selbst für den großen Stromausfall, der Teile Nordamerikas im August 2003 lahmlegte, macht Kasperski mittlerweile PC-Schädlinge verantwortlich“. Wer hätte das gedacht. Die Firma verkauft Software gegen „PC-Schädlinge“.
„Ich bin mir heute ziemlich sicher, dass diese Katastrophe von einem Virus ausgelöst wurde.“ Ich bin mir ziemlich sicher, dass Kaspersky das Interview benutzen will, um seine eigenen Produkte loszuwerden. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Kasperky wusste, dass deutsche Journalisten keinen kritischen Fragen stellen, wenn es um Computer und Internet geht, und auch an Fakten nicht besonders interessiert sind, nur an vagen Bedrohungsszenarien.
„Er will überdies nicht ausschließen, dass hinter vielen der aktuellen Hackerattacken heute Regierungen stecken.“ Ich will nicht ausschließen, dass ich mich bewerbe, Vorsitzender der Piratenpartei zu werden. Ich will auch nicht ausschließen, dass der Kaiser nackt ist und er gar keine neuen Kleider trägt.
„In Zukunft allerdings müssen wir mit Cyber-Attacken auf Fabriken, Flugzeuge und Kraftwerke rechnen.“ Nicht nur das: Auch mit Attacken auf harmlose kleine Privatrechner, die mit gaaaaanz vielen „Bundestrojanern“ nur so gespickt werden. Wie die Kollegin Annette Ramelsberger schon vor vielen Jahren schrieb: „Den meisten Computernutzern ist es nicht klar: Aber wenn sie im Internet surfen, können Verfassungsschützer oder Polizei online bei ihnen zu Hause auf die Festplatte zugreifen und nachschauen, ob sie strafbare Inhalte dort lagern – zum Beispiel Kinderpornographie oder auch Anleitungen zum Bombenbau.“
„Kasperski zum SPIEGEL: ‚Alles, was wir erreichen können ist, zu verhindern, dass da draußen alles außer Kontrolle gerät.'“ Ja, genau! Kauft mehr „Anti-Viren-Programme“ von Kapersky! Das Ende ist nahe!
Richtig und falsch reinhacken
Richtig bei Heise Security: „Bei dem Diebstahl von rund 200.000 Kundendaten der Citibank mussten die Kriminellen nicht tief in die Trickkiste greifen, wie ein Sicherheitsexperte gegenüber der New York Times bekannt gegeben hat. Demnach gelang der unberechtigte Zugriff, den die US-Bank bei einer Routinekontrolle Anfang März entdeckt hat, durch das simple Manipulieren eines URL-Parameters.“
The method is seemingly simple, but the fact that the thieves knew to focus on this particular vulnerability marks the Citigroup attack as especially ingenious, security experts said.
Falsch bei Spiegel online: „Den beiden Angeklagten wird vorgeworfen, zwischen März 2009 und März 2011 Computer von Musikfirmen manipuliert zu haben. Mit Spionageprogrammen, sogenannten Trojanern, stahlen sie laut Anklage bis dahin unbekannte Songs…“
Wer schützt unsere Kinder eigentlich vor den Verschwörungstheorien der Holzmedien, zu denen auch gedrucktes linkfreies Papier à la Spiegel online gehört? Lugt da wieder die real gar nicht existierende „Online-Durchsuchung“ hervor? Guckst du hier:
Spiegel Online (ein Link zur Quelle, o Wunder!) fantasiert wieder wahllos herum: „Denn Bronk hackte sich in deren E-Mail-Konten…“ Das hätte die Taz auch nicht schlechter formulieren können. Wie zum Teufel, „hackt“ man sich in E-Mail-Konten? Etwa mit einer real gar nicht existierenden „Online-Durchsuchung“?
Nein, der Kerl war kein echter „Hacker“, sonder jemand, der sich des guten alten Social Engineering bediente: „Ausgestattet mit dem derart zusammengetragenen Hintergrundwissen ging er daran, die E-Mail-Passwörter seiner Opfer zu ändern. Dazu machte er sich nicht etwa die Mühe, zuerst deren Passwort herauszufinden. Stattdessen gab er sich deren E-Mail-Providern gegenüber als Inhaber des jeweiligen Accounts aus und beantragte, mit der Begründung, er habe sein Passwort vergessen, online ein neues. Weil viele Provider immer noch Standardabfragen, beispielsweise nach dem Mädchennamen der Mutter, verwenden, um in solchen Fällen die Identität des Antragstellers zu überprüfen, fiel es Bronk nicht schwer, die E-Mail-Konten zu übernehmen.“
„Social Engineering nennt man zwischenmenschliche Beeinflussungen mit dem Ziel, unberechtigt an Daten oder Dinge zu gelangen. Social Engineers spionieren das persönliche Umfeld ihres Opfers aus, täuschen falsche Identitäten vor oder nutzen Verhaltensweisen wie Autoritätshörigkeit aus, um Dinge wie geheime Informationen oder unbezahlte Dienstleistungen zu erlangen. Meist dient Social Engineering dem Eindringen in ein fremdes Computersystem, um vertrauliche Daten einzusehen; man spricht dann auch von Social Hacking.“
Also bitte keine Computermythologie, Technik-Schamanismus oder anderen Regenzauber: Man kann sich nicht einfach so irgendwo „reinhacken“.
Gepriesen sei
„Wer sich bei dieser Jury noch einmal bewirbt, macht sich lächerlich. Der einzig positive Effekt ist, dass der Preis irrelevant wird. Journalisten vergeben Preise an Journalisten. Wie blöd ist das denn?“ (Claudius Seidel in Journalist, Juni 2011)
Ich musste bei der Lektüre über den nestbeschmutzenden Zynismus Seidls sehr schmunzeln. Er hat natürlich recht.
Frauenführerin
Aus der aktuellen Konkret:
„1980 war Günter Amendt der erste Mann, der in der Zeitschrift ‚emma‘ auftreten durfte, als Sexualwissenschaftler im Gespräch mit Alice Schwarzer zum Thema Pädophilie. Als Amendt acht Jahre später sich Schwarzers Kampagne gegen Pornographie nicht anschließen wollte und sie in einem Streit im Fernsehen schlecht aussehen ließ, schlug die Frauenführerin zurück. Zitat:
Nun muß man wissen, daß die Begriffe ‚Therapeut‘ und ‚Sexualforscher‘ nicht geschützt sind. Der Journalist und Soziologe Günter Amendt zum Beispiel präsentiert sich, nur weil er vor Jahren zwei Bücher über Jugendsex veröffentlicht hat, im Fernsehen auch gern als ‚Sexualwissenschaftler‘.
So macht man sich beliebt im Land.“
Tja, konkret, mit Links zu den Quellen wird das gleich viel besser, gelle?
Burks warnt: V-Männer bald gewalttätiger
Neue Agitprop-Nachricht der Dauerskandalbehörde Verfassungschutz, die von den Medien kritiklos wiedergekäut (es gibt noch nicht einmal eine unabhängige Quelle für die Behauptungen der Schlapphüte) und als Journalismus getarnt wird: „Die Verfassungsschutzbehörden haben die Überwachung der Szene, etwa durch V-Leute, in den vergangenen Monaten erheblich ausgeweitet“.
Dann werden wir wohl bald ein paar Brandanschläge mehr haben; die vom Staat bezahlten Spitzel müssen ja etwas tun für ihr Geld.
By the way: Spiegel online entblödet sich nicht, sogar die Sprechregelung der Totalitarismus-Theoretiker zu übernehmen: „Geheimbericht zu Extremismus„. Deppen.
Klimakiller Internet revisited
German Internet AngstTM reloaded: Das Internet ist nicht nur pöhse und voller PrOn Pornografie, sondern verbraucht auch noch viel zu viel Energie!
Die Berliner Mottenpost Morgenpost schreibt: „Auch der Stromverbrauch eines Second-Life-Avatars ist nicht zu unterschätzen. Wenn man den Verbrauch der Spielecomputer sowie der 4000 Second-Life-Server berücksichtigt, ergibt dies einen Jahresverbrauch von 1752 Kilowattstunden.“
Zu dumm, dass es man jetzt im Internet auch noch nachschauen kann, wo ihr das abgeschrieben habt. Zum Beispiel steht das auch hier (24.09.2007) oder bei Welt Online (25. Mai 2011): „Demnach soll das Web um 2030 bereits so viel Strom verbrauchen, wie heute die gesamte Weltbevölkerung.“ Das Web? Wisst ihr überhaupt, was das „Web“ ist? Zumindest ist es kein Synonym für „Internet“, ihr Holzmedien-Dödel. Mit dem Strom, den das Usenet verbraucht, könnte man vermutlich eure Offliner-Birnen erleuchten.
„Allein das Internet verursacht durch seinen Stromverbrauch weltweit inzwischen ebenso viel CO2-Ausstoß wie der Flugverkehr, errechnete das Freiburger Öko-Institut. (…) Wenn man den Verbrauch der Spielecomputer sowie der 4000 Second-Life-Server berücksichtigt, ergibt dies einen Jahresverbrauch von 1752 Kilowattstunden (hatte ich das nicht schon irgendwo gelesen? War das nicht die Doktorarbeit von Guttenberg?) für jede der virtuellen Gestalten in dieser virtuellen Welt. Umgerechnet bedeutet dies einen CO2-Ausstoß von 1,17 Tonnen pro Jahr, wie der US-Autor Nicholas Carr berechnet hat. Wie das weitergeht, hat Greenpeace mit einer international angelegten Studie untersucht. ‚Wie schmutzig sind Deine Daten‘ ist der Titel einer Untersuchung…“ (O Wunder! Der Link kam von der taz!)
Ich vermute zugunsten der Mottenpost Morgenpost, dass denen nur der Artikel aus dem Jahr 2007 (der auf einem Blog-Posting aus dem Jahr 2006 fußt) versehentlich auf den Boden des Archivs gefallen ist, jemand den aufgehoben und entsetzt aufgeschrien hat: „Second Life? Kinderpornografie!„, und dabei ist der Artikel dann falsch in „Aktuelles“ eingeordnet und heute noch mal publiziert worden.
Stimmt nicht? Mein E-Mail-Programm von heute kann nicht irren! „Diese Nachricht wurde als Junk eingestuft.“ Sag ich doch. Qoud erat demonstrandum.
Offliner über den Tornado in Joplin
Spiegel offline: „Nach einem Online-Bericht der örtlichen Zeitung ‚News Leader‘ kamen in Joplin 24 Einwohner ums Leben. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von 30 Toten. Laut der Zeitung „Kansas City Star“ ist ein sieben Stockwerke hohes Krankenhaus von dem Tornado schwer getroffen worden“.
Burks.de: „Nach einem Online-Bericht der örtlichen Zeitung ‚News Leader‚ kamen in Joplin 24 Einwohner ums Leben. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von 30 Toten. [Nein, von 31, ihr Pappnasen – noch nicht einmal abschreiben könnt ihr?] Laut der Zeitung ‚Kansas City Star‚ ist ein sieben Stockwerke hohes Krankenhaus von dem Tornado schwer getroffen worden“.
Unterschichtenfernsehen für alle
CDU NRW: „Die medienpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Andrea Verpoorten, hat den WDR aufgefordert klarzustellen, dass es insbesondere auf seiner Jugend-Hörfunkwelle ‚Einslive‚ keinen Boykott von Sieger-Titeln aus der RTL-Serie ‚Deutschland sucht den Superstar‘ (DSDS) gebe. (…) Mit dem Programm- und Informationsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders sei ein ‚Boykott‘ bestimmter Musikformen jedenfalls nicht vereinbar, betonte die Kölner Abgeordnete Andrea Verpoorten“.
Ei ei ei, Verporten, es ist nicht Aufgabe der durch Steuergelder finanzierten Medien, jeden Scheiss zu senden. Dafür gibt es Privatfernsehen. Aber wir haben verstanden: Geistig Minderbemittelte wählen CDU. Für die muss man Lobbyarbeit machen.
Intellektuell anspruchsvolles Rotlichtmilieu
Tagesspiegel: „Tatsächlich aktiv im Rotlichtmilieu ist in Berlin jeder 27. Studierende (3,7 Prozent). (…)
Charakterlich scheinen sich die Sexarbeiter kaum von ihren anderen Kommilitonen zu unterscheiden. Ein Persönlichkeitstest ergab bei Eigenschaften wie Offenheit, Verträglichkeit oder Gewissenhaftigkeit nur graduelle Unterschiede. Die Gründe für die Sexarbeit sind vielfältig. Die betroffenen Studenten sind zu mehr als 30 Prozent verschuldet. In einer nicht in der Prostitution engagierten Vergleichsgruppe ist der Anteil der verschuldeten Studenten mit rund 18 Prozent deutlich geringer. Gleichzeitig erhalten nur etwa 50 Prozent der nebenberuflichen Sexarbeiter finanzielle Unterstützung aus ihrer Familie (Vergleichsgruppe: rund 65 Prozent).“
Natürlich haben alle deutschen Medien den Rechtschreibfehler der Originalmeldung übernommen (man hätte ja recherchieren müssen, um den festzustellen). Es heisst nicht „Das geht aus einer Studie des Studienkolleggs zu Berlin mit dem Titel: ‚Nebenjob: Prostitution‘ hervor“, sondern: Studienkolleg zu Berlin. (Man kann eine Website auch verlinken, ihr Offline-Dödel, dann wäre es euch aufgefallen.)
Wie kann man das Thema jetzt angemessen bebildern? SCNR
Die Software lädt sich beim Surfen automatisch herunter
Eine Falschmeldung bei Focus Online: „Die Software lädt sich beim Surfen automatisch herunter und installiert sich selbstständig auf dem infizierten Computer.“
Das ist mitnichten so. Nichts passiert „automatisch“, nur wenn sich ein Internet-Nutzer absolut bescheuert verhält – offenbar wie ein Focus-Redakteur, der, wie hier, keine Ahnung hat, wovon er redet. Schon mal etwas von Noscript gehört oder vom Browsercheck? Oder von Betriebssystem Linux? Nein? Quod erat demonstrandum.
Kein Wunder, dass Focus Online das Märchen, der BND vollzöge „Online-Durchsuchungen“, mit großer Penetranz wiederholt.
Das Landgericht Hamburg hat entschieden
Neue Rheinische Zeitung: „Die Älteren unter uns erinnern sich an eine Zeit, in der es hierzulande so etwas wie Meinungsäußerungsfreiheit gab. Diese Zeiten sind seit dem 25.10.2005 vorbei. An diesem Tag nämlich urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass eine Äußerung, die mehrdeutig ausgelegt werden könne, bei einer denkbaren Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts verboten werden kann. (…) Konnte man früher nur für das belangt werden, was man tatsächlich gesagt hatte und musste sich nicht darum scheren, dass die Zuhörer oder Leser weiterdenken, so kann heute bereits eine Assoziation des Richters ausreichen, um ein Verbot einer unklaren Äußerung durchzusetzen.“
Udo Vetter („Sie sind Scheiße”): „Einer der unbequemsten Gerichtsreporter Deutschlands, Rolf Schälike, war im Knast. Fünf Tage saß er ‚freiwillig‘ im Hamburger Gefängnis, weil er sich weigerte, ein Ordnungsgeld in einem seiner vielen Prozesse zu bezahlen. Ich habe Rolf Schälike um einen Erfahrungsbericht gebeten.“
Echtzeit
„Uniformes Gossen-TV-Nacherzählen ist das, was Medien unter Echtzeit verstehen.“ (Don Alphonso)






















