Vielen deutschen Medien drohen jetzt Strafen
Heise: „Gegen geltendes Recht verstößt auch, wer Werbung als redaktionelle Artikel tarnt.“
Das gilt auch für Verlautbarungen des Verfassungsschutzes, der Jugendschutzwarte und der Zensur-Lobby im Bundesinnenministerium, die künftig als Werbung gekennzeichnet werden müssen und nicht einfach mehr in Artikel übernommen werden dürfen.
How do websites block Tor nodes?
Der Friederich, der Friederich, das war ein arger Wüterich! Jetzt fordert er „das Ende der Anonymität im Internet“. Bruhahaha.
Wie will er denn das durchsetzen? Wieso hat ihn das beim ehemaligen Nachrichtenmagazin niemand gefragt? Waren sie in Ehrfurcht erstarrt? Oder hat man bei der Ausbildung der Redakteure vergessen zu lehren, dass es nicht die Aufgabe von Journalisten ist, die Propaganda von Behörden zu verbreiten? (Die Leute, die dafür zuständig sind, nennt man „Pressestellen“.)
Übrigens muss ich hier das mir bisher unbekannte Blog Rentner-News lobend erwähnen. „Innenminister Friedrich fordert Zensur“ liest man da. Das ist zwar technisch gesehen nicht ganz richtig, aber inhaltlich ein Schritt in die richtige Richtung.
Friedrich kann sich darauf verlassen, dass die Mainstream-Medien seine Agitprop kritiklos wiederkäuen, ohne dass irgendjemand das Publikum darüber aufklärt, wie dämlich und technisch unsinnig die Forderung des Innenministers ist. Ihm geht es ja nur darum, einen Stein ins Wasser zu werfen und die medialen Wellen zu beobachten, die entstehen.
By the way: Sogar in der Mailingliste des Tor-Projekts kann man nachlesen, wie Websites den Anonymisierungdienst blocken können (Wikipedia macht das schon lange):
You can generate a list of Tor IPs that allow exiting to your IP(s) at https://check.torproject.org/cgi-bin/TorBulkExitList.py, or use the
TorDNSEL service https://www.torproject.org/projects/tordnsel.html.en
Services should never block Tor users altogether, but instead implement rate limiting, read-only access, etc, and unblock Tor after a few days or weeks.
Letzteres werden die Chinesen natürlich nicht beherzigen.
Im Internet gibt es [bitte selbst ausfüllen]
„Die Taliban erklärten in einer Mitteilung im Internet“.
Liebe deutsche Medien, Offline-Journalisten und Internet-Ausdrucker: „im Internet“ ist keine korrekte Ortsangabe. Guckst du auch hier:
Falsch und unjournalistisch ist daher die Gepflogenheit von Spiegel online (29.04.2008), die Quelle im World Wide Web zu kennen, den genauen Fundort aber bewusst zu verschweigen: “Im Internet ruft der deutsche Islamist Eric B., der in Pakistan oder Afghanistan vermutet wird, Gesinnungsgenossen zum Dschihad auf.” “Im Internet” kann heißen: In einer Newsgroup im Usenet, in einem WWW-Forum, auf einer Website, im Internet Relay Chat, in einer Mailingliste. Die Angabe ist zu ungenau, um noch einen informationellen Wert zu haben. Besser wäre hier gewesen, schlicht “rief öffentlich dazu auf” zu schreiben. “Im Internet” suggeriert auch, dass der Autor irrig “Internet” für einen Synonym für “World Wide Web” hält oder seine Informationen schlicht irgendwo abgeschrieben hat.
Ihr lernt es nie.
Aus Datenschutzgründen
Guten Tag,
ich habe eine journalistische Frage an den Kollegen xxxxx und hätte gern eine E-Mail-Adresse von ihm, die andere Leute nicht mitlesen können.
Mit freundlichen Grüssen
Burkhard Schröder
Sehr geehrter Herr Schröder,
bitte senden Sie Ihre Mitteilung für Herrn xxxxxan uns. Wir leiten dann weiter. Sicher haben Sie Verständnis, wenn wir aus Datenschutzgründen die Adressen unserer Mitarbeiter nicht außer Haus geben.
Mit freundlichem Gruß
xxxxx
Süddeutsche Zeitung GmbH
xxxxx schrieb:
bitte senden Sie Ihre Mitteilung für Herrn xxxxx an uns. Wir leiten dann weiter.
Sie haben mich nicht verstanden. Ich schrieb: „ich hätte gern eine E-Mail-Adresse von ihm, die andere Leute nicht mitlesen können.“
Ich möchte nicht, dass Sie meine E-Mails an Herrn xxxxx mitlesen. Ausserdem zöge ich es vor, ihm eine verschlüsselte Mail zu schreiben, finde aber leider seinen öffentlichen Schlüssel nicht auf der Website
der Süddeutschen.
Burkhard Schröder
Sehr geehrter Herr Schröder,
ich habe Sie sehr wohl verstanden und Ihnen auch geschrieben: aus Datenschutzgründen geben wir keine Adressen unserer Korrespondenten außer Haus. Sie können auch gern den Postweg nehmen.
Mit freundlichem Gruß
xxxxx
Süddeutsche Zeitung GmbH
Der allergrösste Schlag gegen das allerschlimmste Böse im bösen Internet
Ich darf aus gegebenem Anlass noch einmal auf meinen Telepolis-Artikel vom 31.12.2007 hinweisen: „Der angeblich „riesige Kinderporno-Skandal“ unter dem Code-Namen „Operation Himmel“ hat sich als Operation Heiße Luft erwiesen.“
Beim Thema KiPo im Internet heisst es ja: Kopf ab zum Gebet, wir drucken die Public Relations der Ermittler ohne kritische Rückfrage ab und träufeln noch ganz viele Superlative in den Artikel. „Die bisher größte Aktion“ (Beweise? Fakten?) Kein Wort darüber, dass es dem FBI erlaubt ist, kinderpornografische Angebote online zu stellen, also so zu handeln, wie hierzulande die Dauerskandal-Behörde Verfassungsschutz mit Neonazis – das Problem zu vergrößern oder gar erst zu erzeugen, was man bekämpfen will.
Viele deutsche Medien suggerieren in ihrer Berichterstattung missverständlich, es gebe Websites, auf denen jemand zufällig oder per Google Kinderpornografie finden könnte. Das ist so nicht richtig: Eindeutige Kinderpornografie ist so gut wie in jedem Land der Welt mit einem funktionierenden Rechtssystem verboten. Anonyme Websites, die keinem Provider zugeordnet werden könnten, gibt es aber nicht. Die Strafverfolger könnten also prinzipiell immer nachprüfen, wer eventuell Verbotenes hostet. Man sollte auch nicht unterschlagen, dass es dem US-amerikanischen FBI erlaubt ist, Lockspitzel-Angebote ins Netz zu stellen, also selbst strafbare Handlungen zu begehen und kinderpornografische Angebote zu verbreiten, um Kriminelle damit zu fassen. Das geschah etwa bei der „Operation Landslide“, die 1999 in den Medien als „der größte Schlag gegen die kommerzielle Kinderpornografie aller Zeiten“ bezeichnet wurde. (geschrieben 2007)
Spiegel online hat die „Fakten“ von CBS (natürlich ohne die Quelle oder die Presseerklärung des US-amerikanischen Justizministeriums zu verlinken. Wo kämen wir denn hin, wenn deutsche Leser mit ausländischem Medien konfrontiert würden!).
Nur zum Vergleich: laut TOP10 –die gefährlichsten Städte der Welt werden in Kapstadt 50, in Rio de Janeiro 20 Menschen am Tag ermordet. So etwas findet man aber nicht in den Headlines und „Top Stories“ der Mainstream-Medien.
Viel Lärm um gehackte zwielichtige Ratten
Jetzt raunt und hackt es wieder im deutschen Blätterwald. Das Internet ist ja sooo gefährlich! Und erst die pöhsen Chinesen! Ganz viele Rechner wurden „gehackt“, schreibt das ehemalige Nachrichtenmagazin Spiegel online und häckselt den Artikel in vielen kleine Abschnitte, um die Klickraten zu erhöhen:
„Den Analysen der Sicherheitsexperten zufolge nutzten die Angreifer traditionelle Phishing-Methoden: Sie schickten fingierte E-Mails an Mitarbeiter der Zielobjekte, die über die nötigen Zugriffsrechte für das jeweilige Computernetzwerk verfügten. Sobald die Opfer diese Mails öffneten oder auf einen darin enthaltenen Link klickten, lud der Trojaner weitere Schadsoftware.“
Und alle plappern es nach und fallen auf die PR-Kampagne von McAfee herein. Das sind Lobbyisten bei McAfee! (Und wie viele unabhängige Quellen hattet ihr eigentlich?)
Noch mal ganz langsam zum Mitschreiben: Wie kann ein Unternehmen so bescheuert sein, dass die Mitarbeiter auf Phishing-Angriffe hereinfallen? Ich weiß es: Man erlaubt E-Mails in HTML und surft mit Javascript. Wie in allen deutschen Medienanstalten auch üblich.
Euch ist einfach nicht zu helfen. Oder: Dummheit muss bestraft werden. Meine Schadenfreude ist groß, aber auch mein Ärger über die gewohnt dämliche Berichterstattung, die den Lesern das Wesentliche vorenthält: Niemand kann sich irgendwo „reinhacken“, wenn das nicht irgendein Idiot zulässt.

Ich zeige Euch was – diese E-Mail bekam ich gestern:
Date 2011.08.01
Aktuelle jдhrliche Berechnung Ihrer steuerlichen Tдtigkeit haben wir festgestellt, dass Sie haben Anspruch auf eine Steuerrьckerstattung von 431,10 EUR erhalten. Bitte senden Sie eine verifizierte Steuererstattung Anfrage und lassen uns von 1-3 Tagen in Oder, um es zu verarbeiten.
Eine Erstattung kann fьr eine Vielzahl von Grьnden verzцgert. zum Beispiel Vorlage ungьltige Datensдtze oder die Anwendung nach Ablauf der Frist.
Bitte downloa Datei in E-Mail mit dem Namen „Ьberprьfen Formular“ angehдngt fьr die Neugrьndung 431,10 EUR
Mit freundlichen GrьЯen,
Deutsche Postbank AG
Copyright © 2010. Alle Rechte vorbehalten.

Das Attachement war eine HTML-Datei. Ich kann die natürlich gefahrlos öffnen, da ich dem Browser verbiete, irgendwelche aktiven Inhalte zu laden. (Surft noch irgendein dümmster anzunehmende User mit eingeschaltetem Jacascript? Ja? Quod erat demonstrandum.)
Die HTML-Datei – das Attachment (vgl. oben) – sieht auf den ersten Blick wie die Login-Website der Postbank aus. Aber der Quellcode ist aufschlussreich:

Noch Fragen? Ich habe übrigens beim LKA Berlin Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Betrugsversuchs gestellt. Die haben alles bekommen, was sie brauchen. Mal sehen, was daraus wird.
The Left is Right
The Telegraph: „I’m starting to think that the Left might actually be right. (…) It has taken me more than 30 years as a journalist to ask myself this question, but this week I find that I must: is the Left right after all? You see, one of the great arguments of the Left is that what the Right calls “the free market” is actually a set-up.“
Lieber Kollege Charles Moore, um diese Frage zu stellen, habe ich nicht dreißig Jahre gebraucht. Ich habe sie schon in den sechziger Jahren gestellt und in den Siebzigern dann beantwortet.
Bastard-Politik: followd mir, ihr Mashups!
Meedia.de: „Steffen Seiberts Google+-Account ist ein Fake (…) Der Betreiber des Fake-Profils remixt Ausschnitte aus Seiberts digitalem Leben zu einem Google+-Mashup.“
Mashup? Mein frisch erworbenes Taschenwörterbuch Englisch (1584 Seiten, Langenscheidt 2011) kennt das Wort nicht. Zugeben: das Wort ähnelt der im Deutschen wohl bekannten „Matsche“, und „zusammengematscht“ ist irgendwie zu lang, unrhythmisch und auch ein heller Schimmel („auseinandergematscht“ geht gar nicht).
Wikipedia hilft: „Mashup (von englisch to mash für vermischen) bezeichnet die Erstellung neuer Medieninhalte durch die nahtlose (Re-)Kombination bereits bestehender Inhalte. Der Begriff stammt aus der Welt der Musik und bedeutet dort im Englischen so viel wie Remix (vgl. Bastard Pop). In den deutschen Sprachraum wurde der Begriff rund um das Schlagwort Web 2.0 importiert, da Mashups als ein wesentliches Beispiel für das Neue an Web 2.0 angeführt werden.“
Was ist verwerflich an der nahtlosen „(Re-)Kombination bereits bestehender Inhalte“? Ob nun Seibert höchstpersönlich sinnfreie Textbausteine produziert („Kanzlerin verurteilt Anschläge scharf“, „Kanzlerin verurteilt Anschläge nicht“ [aber hallo?]) oder jemand anderes – spielt das irgendeine Rolle?
Bastard Pop – der Begriff gefällt mir. Ich schöpfe hiermit einen neuen: Bastard-Politik bedeutet, dass jemand bereits bestehende politische Sprechblasen neu zusammenmatscht, dass sie neu aussehen, es aber nicht wirklich sind. Natürlich wusste ich schon im voraus, dass ich nur von Fakes umgeben bin. Das Leben ist eine Blase!
Nein, falsch: Das Leben ist in Wahrheit Second Life, und der das hier schreibt, ist im realen Leben der oben abgebildete Avatar (links)!
Vielleicht ist auch Steffen Seibert gar nicht echt, sondern nur der wahre Heino ein Avatar. Zu den Inhalten würde das ja passen.
Special Forces aka Schutztuppen Combat
Nein, das hier ist kein Computerspiel, sondern der Krieg in Afghanistan, an dem wir beteiligt sind. Und hier ist der Link („Taliban Swati Terrorists Killing Innocent Civilians“), den das sogenannte „Online“-Medium Spiegel online uns hier verschweigt.
Ausfälle

Ohne Worte….
Kopf ab zum Gebet: Es geht um Jugendschutz!
Heise: „Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom 8. September 2010 muss der Glücksspielstaatsvertrag der Bundesländer reformiert werden. Der EuGH hatte unter anderem moniert, dass der Staat seinen Monopolanspruch nicht mit Suchtprävention begründen und gleichzeitig massiv für seine Lotterien werben könne. In ihrer aktuellen Form verstoße die deutsche Regelung gegen die EU-Vorgaben zum freien Dienstleistungsverkehr und der Niederlassungsfreiheit.“
(Der Bericht von Welt Online, auf den sich Heise bezieht, verlinkt nur auf sich selbst und lässt den Leser selbst nach den Quellen suchen. Warum sollte ich also auf die verlinken? Deppen, elende.)
Aus völkerkundlicher Sicht ist immer viel interessanter, was die Medien hierzulande weglassen. Die unsäglich verlogene These, es gehe um „Suchtprävention“ und deshalb müssten „Glücksspiele“ verboten oder reguliert werden, ist nicht anderes als staatlich organisiserte Wegelagerei. Mir fällt da immer die GEZ ein. Warum drischt die Journaille nicht auf die angebliche „Suchtprävention“ ein? Weil sich auf den öffentlichen Diskurs die irrige Idee, man könnte gegen gesellschaftlich unerwünschtes Verhalten (um nichts anderes handelt es sich bei „Sucht“) „vorbeugen“, wie ein klebriger Mehltau legt und jede Diskussion abwürgt.
Ich vermute, dass das etwas veraltete Wort „Suchtprävention“, mit dem man in den 70-ern Prohibition und Zwangmaßnahmen, etwas gegen Junkies, begründete, bald ersetzt wird duch das mordernere „Jugendschutz“. Mit „Jugendschutz“ kann man alles begründen, sogar Arbeitslager. Und man hat die Garantie, dass automatisch bei dem relevanten Teil der Wählerschaft (es geht nie um irrelevante Minderheiten wie mich) das Gehirn automatisch ausgeschaltet wird.
Kopf ab zum Gebet, es geht um Suchtprävention Jugendschatz.
Cross-site scripting attempt: sueddeutsche.de spioniert Nutzer aus
Die Süddeutsche erlaubt also einen Hackerangriff auf harmlose Nutzer ihrer Website… Es wundert mich nicht. Das Thema hatten wir schon einmal hier.
News of the World – ein Nachruf
Dieser Artikel von Roger Boyes erschien unter dem Titel „Journalisten sind Verräter“ im Medienmagazin Berliner Journalisten (heute: Nitro), Ausgabe 3, 2005. Er ist immer noch aktuell. News of the World wird am 10.07.2011 eingestellt.
Jedes Jahr feiert die britische Presse, wie auch die deutsche Presse, sich selbst. Bei den Briten läuft das natürlich ein bisschen anders ab. Man betrinkt sich, man flüstert sich boshaften Tratsch zu; manchmal gibt es eine Schlägerei in den Gängen eines teuren Grandhotels, in dem die Preisevergabe stattfindet.
Die britische Presseauszeichnung „Scoup of the Year“ – das journalistische Äquivalent zum Oskar – ging dieses Mal [2005] an News of the World, ein Revolverblatt. Der Medien-Oskar wurde für eine Geschichte verliehen, mit der erstmal die Identität der Geliebten von Fußballstar David Beckham enthüllt wurde.
Das Wort „scoop“ hat eine ganz spezielle Bedeutung. Gemeint ist eine Zeitungsmeldung, die etwas von größtem öffentlichen Interesse aus Licht bringt, häufig nach wochen- oder monatelangen Recherchen. David Beckhams Geliebte hingegegen war gekauft: Sie hatte eingewilligt, die erotischen Textnachrichten, die sie von dem Spieler erhalten hatte, an News of the World zu verkaufen.
Als der „Scoop“-Preisträger verkündet wurde, ging ein Ächzen durch den Raum. Ein Journalist, der über mehrere Monate hinweg korrupten Machenschaften in der UN nachgespürt war, verließ den Raum und übergab sich im Herrenklo. Elf leitende Redakteure verkündeten, sie würden nicht mehr an der alljährlichen Zeremonie teilnehmen. „Dies ist das Ende des investigativen Journalismus“, sagte einer, „Berichterstattung ist zur Farce verkommen.“
Und doch steckte mehr Leben, mehr journalistischer Geist in diesem lächerlichen Revolverblatt als in der gesamten deutschen Presselandschaft. Die News-of-the-World-Geschichte war zwar so wertlos wie eine Weimarer Banknote. Doch im Auftrag just dieser Zeitung arbeitet ein Redakteur namens Mazher Mahmood, dessen Veröffentlichungen bereits in 118 Fällen dazu beigetragen haben, Pädophile, Schleuser, Fälscher, russische Mafiosi und Hochstapler zu überführen. Er ist sieben Mal zusammengeschlagen worden und mittlerweile in ständiger Begleitung eines Bodyguard. Das Haus seiner Eltern in Birmingham wurde bereits von einer Straßenbande mit Macheten überfallen. Zu allem Übel kommt die Ablehnung seiner Kollegen: Mahmood ist ein Außenseiter. Für mich ist so eine Art postmoderner Held. Er hat etwas von Walraff. Beide setzen auf Verkleidungstaktiken, aber Mahmood ist professioneller als jener.
Mahmood arbeitet mit einem Team von Mitarbeitern, inklusive Technikern, die Gespräche mutmaßlicher Verbrecher abhören. Über das Internet werden Kontobewegungen nachvollzogen; aus dem Mobilfunknetz werden Daten abgesaugt und analysiert.
Kürzlich sagte er in einem Interview: „Ich habe etwa 40 000 Britische Pfund für Geschichten investiert, aus denen am Ende nichts geworden ist, und niemand in der Redaktion hat sich beschwert. Es ist ein Geschäft, da braucht es Investitionen. Unser Geschäft ist es, Zeitungen zu verkaufen. Die entscheidende Frage ist: Worüber sprechen die Leute in den Kneipen? Sprechen sie über deine Geschichte, so ist das viel mehr wert als eine journalistische Auszeichnung. (…)
Meinungsumfragen zeigen, dass das öffentliche Ansehen von Journalisten in Großbritannien gegen unter Null tendiert, gleich dem von Immobilienmaklern und minimal über dem von Kinderschändern. Das ist gesund. Journalisten sollten gefürchtet, nicht geliebt werden, so die angelsächsische Lektion.“
Anonymus postet Chefgehälter
Meedia: „Eine anonyme Rundmail erschüttert Spiegel TV. Am Freitag vergangener Woche versandte ein Anonymus brisante News: detaillierte Zahlen zu Jahresgehältern von 17 Führungskräften, die demzufolge zwischen ca. 160.000 und 350.000 Euro liegen. In der E-Mail begründet der Verfasser den ‚Leak‘ mit der angespannten wirtschaftlichen Lage der Spiegel-Tochter und angeblich bevorstehenden Entlassungen.“
Wiki-Watch und der Streisand-Effekt
Guckst du hier („Den seit gestern (1. Juli) auf FAZ.net zu lesenden und in der heutigen Printausgabe (2. Juli) publizierten Artikel ‚Hier prüft der Bürger das Insulin noch persönlich‘ nehmen wir aus presserechtlichen Gründen bis auf weiteres von unserer Homepage“) und hier („Dass die FAZ sich durch Androhung juristischer Schritte einschüchtern lässt, ist mindestens ungewöhnlich. (…) Update: Nachfolgend der gelöschte Artikel.“)
That’s Leif
Ostroplog: „Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche (NR) steckt in der Krise. Im zehnten Jahr ihres Bestehens ist der Vorstand gestern Abend am Rande der Jahrestagung in Hamburg weitgehend zurückgetreten. Hintergund: Mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Finanzierung des Vereins. Die taz schreibt von einem ‚Putsch‘, auch Meedia berichtet.“
Betreff: Mitteilung an die Mitglieder von netzwerk recherche e.V. (…) hat sich der Vorstand am 28. Mai 2011 ausführlich mit der Finanzlage des Vereins befasst. Dabei tauchten Hinweise auf, dass der Verein im Zusammenhang mit der Förderung der Jahreskonferenz 2010 gegenüber der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) möglicherweise fehlerhafte Angaben gemacht hat. Grundsätzlich fördert die BPB die Jahrestagung im Rahmen einer Defizitfinanzierung. Da möglicherweise aber nicht alle Einnahmen der Jahrestagung gegenüber der BPB angegeben wurden, könnte der Verein eine zu hohe Förderung von der BPB erhalten haben. (…) Der Vorstand hat dabei einstimmig beschlossen, nicht nur die möglicherweise unrechtmäßig erhaltenen Fördermittel, sondern sämtliche Fördermittel der BPB für die Jahrestagungen (2007-2010) – unter dem Vorbehalt der Sachprüfung – vorsorglich zurückzuzahlen. Dabei handelt es sich um einen Gesamtbetrag in Höhe von rund 75.000 Euro. (…) Auf der außerordentlichen Vorstandssitzung hat der 1. Vorsitzende des Vereins, Thomas Leif, erklärt, die Verantwortung für mögliche Abrechnungsfehler zu übernehmen.
Dazu habe ich mehrere Fragen. Warum schreibt jemand in der taz über den Fall, der selbst Mitglied in Netzwerk Recherche ist? Warum wird ein Journalistenverein, dessen Vereinszweck vor allem die Selbstbeweihräucherung der Vorsitzenden Leif und Leyendecker war, mit Staatsgeldern gefördert, obwohl er doch in Konkurrenz zu anderen Journalistenvereinen steht? Warum hat Thomas Leif angeblich erklärt, die Verantwortung zu übernehmen, trat aber dann nicht freiwillig zurück?
Wie Leif in der Vergangenheit arbeitete, ist hinreichend bekannt.
Konkret schrieb im März 2006: „Prinzipiell anders geht es beim Netzwerk Recherche zu: Dessen jährlich ausgelobter Recherchepreis ‚Leuchtturm‘ wird überhaupt nicht von Coca-Cola bezahlt (sondern ganz im Gegenteil von der „Kontext-Stiftung“ des Energiekonzerns Eon). Und Thomas Leif, der die PR-Fuzzis schmäht, führt in seiner dienstfreien Zeit gern und ‚in gewohnt souveräner Form durch Veranstaltungen beispielsweise der Landesbausparkasse (LBS) Rheinland-Pfalz oder der Sparkassen Service Gesellschaft (SSG). Daß Leif sich am Ende selbst aus seinem Verein ausschließen läßt, ist nicht zu befürchten. Hauptberuflich ist er ja immer noch ‚Chefreporter des SWR in Mainz‘, und die Tätigkeit für die LBS war gewiß ‚überwiegend durch Recherche geprägt‘. Oder bleibt einfach alles in der Familie? Der Vorsitzende der SSG heißt auch Leif, Vorname: Jürgen.“
Ich hatte am 18. Mai 2006 („Einer beschmutze des anderen Nest“) hier geschrieben:
Das berüchtigte Internet-Portal spiggel.de hat bekanntlich die gesellschaftlich nützliche Aufgabe, überall dort, wo ein Feuerchen brennt, Öl hineinzugießen, damit die Dunkelheit der Welt vom Licht der Erkenntnis vertrieben und für das Gute, Schöne und Wahre Platz geschaffen werde. So auch hier.
Der DJV wirft Netzwerk Recherche vor, mit falschen Zahlen zu operieren. „In einer Pressemitteilung von Netzwerk Recherche vom heutigen Donnerstag wird behauptet, 30 Prozent der DJV-Mitglieder seien nach Angaben des stellvertretenden DJV-Bundesvorsitzenden Volker Hummel PR-Mitarbeiter und Pressesprecher. Dazu erklärt Hummel: ‚Wenn Dr. Thomas Leif falsche Zahlen verbreitet, kann er sich nicht auf mich berufen. Ich habe nie und nirgends behauptet, 30 Prozent aller DJV-Mitglieder seien PR-Mitarbeiter und Pressesprecher. Eine entsprechende Suggestivfrage Leifs am Rande der Mainzer Tage der Fernsehkritik habe ich mit der Bemerkung beantwortet: „Ich habe die Zahl nicht im Kopf.“‚ Nach Angaben des DJV sind acht bis zehn Prozent der 40.000 Mitglieder im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig.“
Jetzt lesen wir gemeinsam noch eine PR-Meldung von Netzwerk Recherche: „Nach Einschätzung des Vorsitzenden des Netzwerk Recherche, Dr. Thomas Leif, hat sich die nr-Jahreskonferenz in fünf Jahren zu einem der wichtigsten Journalisten-Treffpunkte in Deutschland entwickelt: ‚In Hamburg geht es um die kritische und selbstkritische Analyse des journalistischen Alltags, um die Verbesserung des Handwerks und um die Suche nach effektiven Recherche-Strategien. Auf keiner Konferenz in Deutschland wird intensiver und kontroverser über journalistische Tabus und Fehlentwicklungen gestritten‘, sagte Leif.“
Das ist natürlich alles frei erfunden und Eigenwerbung vom Feinsten. Über „Fehlentwicklungen“ (ein grauenhaftes Wort) wurde zum Beispiel im DJV Berlin viel heftiger gestritten als bei Netzwerk Recherches zu Hause. (…)
Nun zu uns, Netzwerk Recherche. Der ganze Laden ist bekanntlich – so der hämische Spott der Branche – mehr oder minder ein Ventilator, der dazu dient, die Großjournalisten Hans Leyendecker und Dr. Thomas Leif von einem Vortrag über ihre Großtaten zum anderen zu blasen. Als Giovanni di Lorenzo eintrat, wollte ich schon austreten trat ich aus, weil ich erwartete, es würden alsbald auch Lea Rosh, Kai Dieckmann und Günther Bohnsack aufgenommen werden. Lästig ist zudem, dass der Verein offenbar den Ehrgeiz entwickelt, zu einem der größten Papierproduzenten der Branche zu werden. Man muss auch mal sein Wasser halten können. Und bitte nicht vergessen, den Artikel „That’s Leif“ in Konkret zu lesen!
Was lesen wir auf der Website? „Die juristische Bekämpfung und publizistische Untersuchung der Korruption in Deutschland weist erhebliche Defizite auf.“ Wer so grottenschlecht schreibt, sollte stille Einkehr halten und eine Weile in Demut verharren. Welch ein Satz! Das Auto weist vier Räder auf. Und „Bekämpfung“ und „Untersuchung“: Man bekämpfe den Nominalstil und untersuche, wer von gutem Deutsch noch nie etwas gehört hat.
Jaja. Der Autor ist Mitglied im DJV Berlin und war mit Mitglied in Netzwerk Recherche. Bei Ver.di war ich auch mal irgendwann.
Leitwolf im Schafspelz
„Denn Netzjournalismus, sofern er aus wirtschaftlichen Gründen und mit Blick auf Breitestwirkung betrieben wird, ist nicht irgendein Abfallprodukt für die Generation Smartphone, für das ihn der soignierte Qualitätszeitungsleser immer noch halten mag: Er ist, ganz im Gegenteil, Destillat, die Essenz von Journalismus als Geschäft, dessen Prinzip Hermann L. Gremliza vor dreißig Jahren so beschrieben hat: ‚Der Wettbewerb um die Gunst der Konsumenten zwingt die privatwirtschaftlichen Medien, alles zu unterlassen, was die Instinkte und Vorurteile der Leser, Hörer und Seher stören könnte. Ja, um gar kein Risiko zu laufen, müssen sie immer noch ein Stück tiefer ansetzen. Axel Springer sieht das schon ganz richtig: Wer in diesem Busineß Erfolg haben will, darf nicht belehren, aufklären, fragen – er muß unterhalten, bestätigen, verdummen.'“ (Stefan Gärtner in der Titanic)
Medientrojaner
Der dümmste anzunehmende Historiker nennt das Pferd, mit dem sich laut Homer die Griechen in die Stadt Troja schmuggelten, „Trojaner“ bzw. er nennt die Griechen Trojaner, obwohl die Trojaner draussen waren und die Griechen drinnen. Man kann ja auch die Deutschen Franzosen nennen oder die Russen Amerikaner, ist irgendwie sowieso egal.
So falsch, schräg und unpassend die Metapher „Trojaner“ für eine Software ist, die – so stellt sich das Klein Fritzchen vor – irgendwie auf einen fremden Rechner geschmuggelt wird, etwa mit Hilfe von Zauberformeln, die ein Beamter in Wiesbaden beim BKA vor sich hin murmelt, während er eine ausführbare Datei an einen verdächtigen Menschen schickt, in der Hoffnung, der benutze das Betriebssystem Windows und würde alles per Mausklick und per Admin-Account installieren, was nicht bei drei auf dem nächsten Baum ist – es hindert die Holzmedien dennoch nicht, diesen Quatsch wieder und wieder zu verbreiten.
Aktueller Fall, Zitat Spiegel online: Das Münchener Justizministerium habe eingeräumt, „dass die [welche? B.S.] umstrittene [!] Spionage-Software zwischen 2009 und 2010 insgesamt fünfmal [sic] in Augsburg, Nürnberg, München und Landshut zur Anwendung kam.“
Man merkt schon bei diesem Deutsch des Grauens, dass hier irgendjemand irgendwelche Behörden-Agitprop abgekupfert hat – so redet kein Mensch: „zur Anwendung kam“? Das Gehirn des Schreibers kam offenbar nicht zur Anwendung. Wer wendete was an – und vor allem wie?
Und nur ganz nebenbei: „banden- und gewerbsmäßiger Betrug“ und „Handel mit Betäubungs-und Arzneimittel“ sind keine Straftatsbestände, bei denen das Bundesverfassungsgericht den Einsatz von Spionage-Software auf Computern erlaubt hätte. Den Bayern scheint das legal, illegal, scheissegal zu sein. Wundert mich nicht.
Jetzt aber die Pointe:
„Die Fahnder fanden trickreiche Wege, zum Aufspielen der Trojaner: einmal half der Zoll am Münchener Flughafen, einmal wurde der Spion per Remote-Installation aufgespielt, dreimal nutzen die Ermittler das Durcheinander einer Hausdurchsuchung.“
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Zum ersten, liebe Spiegel-Redakteure, gibt es hier sowieso nicht mindestens zwei unabhängige Quellen, sondern nur das, was die Behörde von sich zu geben beliebt. Ihr hättet das überprüfen oder anmerken müssen: „Die Behörde behauptet das.“
Zum zweiten und mal ganz langsam von vorn: Hier handelt es sich um Software zum Mithören von Skype. Das ist etwas ganz anderes als die real nicht existierende Online-Durchsuchung. Und mehr als Internet-Telefonie zu belauschen kann die Software nicht. Wann kapiert ihr das endlich?
Lauschen wir Gulli.com: „Die Installation des so genannten Bayerntrojaners soll wahlweise durch einen Einsatz der Polizei vor Ort oder remote per E-Mail geschehen. (…) Die Schadsoftware kann Daten an und über einen Rechner außerhalb des deutschen Hoheitsgebietes versenden. Dabei kann Zugriff auf interne Merkmale des Skypeclients und auf SSL-verschlüsselte Websites genommen werden.“
O ja. Per Mail? Wie soll das gehen? Wenn der Verdächtige so bescheuert ist wie die Leute, die diesen Unfug wiederholen, ohne auch nur ein Milligramm Gehirnschmalz zu aktivieren, dann wird er auch zu dämlich sein, um ein Programm zu installieren (und das müsste er).
Bei der so genannten Online-Durchsuchung geht es mitnichten um das Belauschen von Internet-Telefonie, und Skype ist sowieso nicht sicher! Wie ich schon am 04.01.2008 in der Netzeitung schrieb:
Skype hat aber nicht nur ein Problem. In vielen Unternehmen ist es verboten, weil das Sicherheitsrisiko zu groß erscheint. Die Software verhält sich zu Firewalls und Routern wie ein Nashorn, wenn es in Wut gerät: Sie bohrt Löcher hinein, damit auch der dümmste anzunehmende Nutzer bequem plaudern kann und nicht erst in den digitalen Eingeweiden fummeln muss.
Wer sich um die Konfiguration der Privatsphäre nicht kümmert, könnte sich versehentlich von fremden Menschen abhören lassen. Eine Firma, die Skype einsetzte, verlöre auch die Kontrolle über den Datenverkehr. Deshalb raten Wirtschaftsverbände davon ab.
Der größte Nachteil von Skype ist prinzipieller Natur: Das Programm ist proprietär – also nicht kompatibel mit freier Software -, und der Gesprächspartner darf keine andere VoIP-Software nutzen. Die Innereien von Skype – der Quellcode – sind ohnehin ein Betriebsgeheimnis. «Security by obscurity» nennt man das System im Hacker-Milieu. Im Internet kursieren detaillierte Analysen wie «Silver Needle in the Skype», die die Schwachstellen der Software aufzeigen.
Für politisch denkende Zeitgenossen ist Skype ähnlich igitt wie Googles E-Mail-Dienst: Nutzer von Skype aus China bekommen einen Textfilter vorgesetzt, der bestimmte Worte nicht durchlässt. «Falun Gong» und «Dalai Lama» sind als verboten gesetzt. Diese Zensur kann nur funktionieren, weil die Betreiberfirma die Möglichkeit ab Werk eingebaut hat, die Gespräche mitzuprotokollieren und zu belauschen.
Das alles wird den normalen Nutzer nicht abschrecken. Der installiert manchmal sogar eine Webcam im Schlafzimmer, weil er nichts zu verbergen hat und nutzt das bekannte Betriebssystem eines rothaarigen Multimilliardärs, bei dem alle relevanten Sicherheitsfeatures ab Werk ausgestellt sind.
Welche „trickreichen Wege“ nutzten also die Beamten ganz legal, illegal, scheissegal? „Per Remote-Installation aufgespielt“ – könntet ihr hier mal ins Detail gehen? Welche IP-Adresse attackieren sie denn, oder wurde dem Verdächtigen eine per Einschreiben mit Rückschein vorher aufgezwungen?
„Nutzen die Ermittler das Durcheinander einer Hausdurchsuchung“ – ach ja? So geht das also in Bayern zu, das überrascht mich nicht. Da kann ich ja froh sein, dass die Beamten, die meine Wohnung durchsuchten, nicht alle Buchregale umgeworfen, das Geschirr auf den Boden und die Monitore mal eben so umgestoßen haben? Wie kann man so etwas als Journalist einfach kritiklos „vermelden“, wie es in grauenhaften Journalisten-Neusprech heutzutage heißt? Wenn das in China passierte – „die Ermittler nutzen das Durcheinander einer Hausdurchsuchung“ -, dann würdet ihr alle heuchlerisch jammern und klagen.
Verlogenes unkritisches obrigkeitshöriges Pack! Das kotzt mich wirklich an. Und ihr habt keinen Schimmer von dem, wovon ihr schreibt.
Nur ganz nebenbei: Wie hätte denn bei mir jemand während der Hausdurchsuchung etwas auf meine Rechner „spielen“ können? Die waren ausgeschaltet, und ich hätte notfalls einfach die Stecker rausgezogen, wenn dem nicht so gewesen wäre.
Unstrittig ist, dass, wenn man den physischen Zugriff auf einen Rechner hat und wenn der eingeschaltet ist und/oder von Fremdmedien bootet, recht viel möglich ist. Aber das geht bei Leuten nicht, die einen Rechner von einem Videorecorder unterscheiden können. Aber vielleicht irre ich mich ja, und meine Mitmenschen sind noch dämlicher als ich eh schon annehme.
Sternstunden des Journalismus
Spiegel online gilt als Leitmedium. Burks.de gilt als Nörgel-Internet-Webpräsenz-Portal. Die „Online-Durchsuchung“ gilt als einflussreichster Hoax des Jahrzehnts. Deutsche Journalisten gelten als verschnarcht und obrigkeits-treu. Sex gilt als verkaufsfördernd. Wolfsburg gilt als Stadt.
Wie die mediale Massenhysterie Kipo im Internet zustande kam (update)
Gestern war danisch.de für mich nicht erreichbar; heute erlasse ich einen Lesebefehl für den Artikel „Wie die deutsche Internet-Kinderpornosperre zustande kam – und zugrunde ging“.
Im Rahmen dieser Diskussion schälten sich dann vor allem zwei Grundirrtümer auf Seiten von der Leyens, ihres Ministeriums und der beteiligten Leute vom BKA heraus:
Sie hatten überhaupt nicht verstanden und wußten nicht, wie das Internet funktioniert. Nämlich daß es die Daten in kleine Pakete zerschneidet und anhand von IP-Adressen vom Absender zum Empfänger transportiert.
Sie wußten auch nicht, was das Internet eigentlich ist, sondern hatten nur die Sicht eines typischen Web-Browser-Benutzers. Und sie unterlagen dem häufig anzutreffenden Irrtum, daß das World-Wide-Web das Internet sei.
Das gilt für Journalisten in der Regel genau so.
Man muss jedoch dazusagen, dass ein rationaler Diskurs zu dem Thema auch in den Mainstream-Medien nicht möglich ist, zumal das Thema auch von den Lautsprechern der Zensur-Lobby instrumentalisiert wird. Danisch wird also nur diejenigen überzeugen können, die ohnehin seiner Meinung sind. So ist das leider mit der Medien-Rezeption.
Update: Diese Sätze muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – ich befürchte, an der geballten technischen Inkompetenz hat sich nicht viel geändert:
Mein Hinweis, daß das Internet keineswegs auf URLs basiert und völlig ohne URLs funktioniert, und es da ganz viele Dinge gibt, die nichts mit URLs zu tun haben, wurde auf Seiten des Ministeriums nicht verstanden. Als ich dazu erläuterte, daß man URLs erst in den Neunziger Jahren erfunden hat und es da das Internet schon rund 20 Jahre gab, es also schon 20 Jahre prächtig ohne URLs funktioniert hat, also offensichtlich nicht darauf beruhen könne, war man irritiert. Zustimmung erhielt ich nur von den anderen Providern. Das Ministerium hingegen interpretierte meinen Einwand als politischen und unqualifizierten Störversuch.






















