Unter Putschisten

der putsch kellerhoff

Ich lese gerade zwischendurch von Sven Felix Kellerhoff: „Der Putsch: Hitlers erster Griff nach der Macht“ – „Es ist die bis dahin größte Bedrohung für die Weimarer Republik: Mit roher Gewalt wagt Hitler von München aus den Umsturz – und scheitert. Die Demokratie hält stand. Sven Felix Kellerhoff richtet den Fokus auf bislang übersehene Zeugnisse und schildert die tatsächlichen Hintergründe des 8. und 9. November 1923.“

Zitat: „Einem dänischen Journalisten gelang es, in diesen Novembertagen 1922 ein Gespräch mit Hitler zu führen; zunächst am Rande einer Veranstaltung im Bürgerbräukeller, danach am folgenden Vormittag im Parteibüro der NSDAP. »Schon überall wird Hitler der bayrische Mussolini genannt«, begann der Reporter der Regionalzeitung Århus Stiftstidende seinen Artikel, dann schilderte er sein Gespräch mit dem NSDAP-Chef: »Das erste Wort Hitlers an uns ist sehr taktlos: ›Sind Sie Jude?‹ Wir bemerken ihm gegenüber, dass wir nicht gekommen sind, um ein Glaubensbekenntnis abzulegen, sondern um ein Interview zu bekommen. ›Skandinavische Juden sind mir ebenso unsympathisch wie deutsche Juden‹, murrt Hitler.« Dann begann das eigentliche Gespräch: »Wir versuchen, die Frage zu stellen, was die Nationalsozialisten wirklich wollen? ›Wir wollen den Bolschewismus niederschlagen!‹, erklärt Hitler mit einer unangenehm knurrenden Stimme, die wahrscheinlich Entschlossenheit und Energie ausdrücken soll. Er fährt fort: ›Das ist kurz und gut unser Programm.‹ Wir sagen: ›Sind mit diesem lobenswerten Zweck nicht auch bestimmte Absichten für die Wiederherstellung der Monarchie verbunden?‹ ›Die Staatsform ist uns ganz und gar gleichgültig‹, antwortet Hitler: ›Monarchie oder Republik, darauf kommt es nicht an. Wir werden das Gesindel beseitigen, das Deutschland in den Ruin getrieben und das Deutschland zum Sklaven der ganzen Welt gemacht hat.‹ ›Und wie wollen Sie das machen?‹ Hitler antwortet mit einem Zitat: »Und willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag’ ich Dir den Schädel ein.« Um Missverständnisse zu vermeiden, fügt er hinzu: »Und willst Du nicht ein Deutscher sein, dann schlag’ ich Dir den Schädel ein.« Wir sagen: »Glauben Sie denn, dass das Ansehen Deutschlands im Ausland durch solche Gewalttaten verbessert wird?« »Vorläufig sind unsere Bemühungen nicht auf das Ausland gerichtet.««“

Ich kenne den Kellerhof schon sehr lange; wir waren gemeinsam Mitglied in allerlei Vereinen von und für Journalisten. Im Kugelhagel würde ihn nicht an meiner Seite haben wollen, er wäre eh schon vorher geflohen. Das zu charakterlichen Fragen. Alle Bücher Kellerhofs sind angenehm zu lesen und fundiert. Er ist aber ein typisch bürgerlicher Historiker mit den dazu passenden ideologischen Scheuklappen.

„Der Putsch“ ist interessant, wenn man die Situation in der Weimarer Republik mit der heute vergleicht, insbesondere wenn es um die AfD geht. Kann jemand wie Hitler, dem Zeitgenossen vermutlich zu Recht bescheinigten, er sei keine intellektuelle Leuchte und sogar dümmer als Mussolini, plötzlich an die Macht kommen?

Das Buch bestätigt, was schon das Standardwerk zum Thema – Karsten Heinz Schönbachs „Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926–1943“ – mit ausführlich zitierten Quellen belegt: Hitler wäre nie an die Macht gekommen, wenn relevante Fraktionen der deutschen Großbourgeoisie ihn und seine Partei nicht finanziell massiv unterstützt hätten.

Man muss also das Wirtschaftsprogramm der AfD lesen und ob es den Interessen des deutschen Kapitals dient oder nicht. (Fast alles, was aber die Anstalten und andere staatsnahen Medien verbreiten, ist suggestive Propaganda und überzeugt nicht.) Alle anderen Themen wie Einwanderung, Sprachesoterik oder völkisches Gefasel usw. sind irrelevant.

Unter Nachdenkenden

krisenregion

Oh yeah. Nimm dies, Kollege Fleischhauer:

el al

Gesichert Bullshitrelevantes

verfassungsschutz
Verfassungsschützer überprüfen Gedrucktes auf gesichert Extremistisches (Symbolbild). A satirical political illustration depicting the „Totalitarianism Doctrine“ a, ironic tone, detailed, high-resolution, political cartoon style, dramatic lighting. –ar 3:2 –s 750

„Deutscher Buchhandlungspreis: Kulturstaatsminister streicht linke Buchläden von der Liste“ des Deutschen Buchhandlungspreises, zum Beispiel den von der Jury schon nominierten Laden Zur schwankenden Weltkugel im Prenzlauer Berg.

Der Preis wird von der Bundesregierung finanziert, ist also Staatsknete, Das muss man leider erst recherchieren, da die berichtenden Medien uns nicht geruhen mitzuteilen, wieso Weimer das kann und darf.

Der Tip Berlin schreibt (natürlich ohne Links – wo kämen wir denn dahin, wenn wir die Leser informierten!): „Als Begründung nennt das Ministerium „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“. Laut Berichten der „Süddeutschen Zeitung“ lieferte die Grundlage dafür das wenig bekannte sogenannte „Haber-Verfahren“. Es geht auf einen Erlass aus dem Jahr 2017 zurück, der Bundesministerien empfiehlt, vor der Vergabe staatlicher Fördermittel den Verfassungsschutz einzuschalten, um zu verhindern, dass öffentliche Gelder an extremistische Akteure gelangen. Die Prüfung erfolgt dabei im Hintergrund: Der Verfassungsschutz teilt lediglich mit, ob Erkenntnisse vorliegen oder nicht – ohne Details offenzulegen. Die Betroffenen erfahren also weder, welche Vorwürfe existieren, noch nach welchen Maßstäben entschieden wurde.“

Die bürgerliche Presse textbausteint etwas von einem „Extremismusverdacht“.

Wie ich schon öfter anmerkte, gibt es eine Art freiwillige Gleichschaltung der deutschen Medien, die zum Teil auf Opportunismus beruht, zu einem Teil auf dem Klassenstandpunkt der so genannten „Medienschaffenden“, zum Teil auf ideologischer Überzeugung: Was politisch opportun ist, lässt man in Deutschland von einem Inlandsgeheimdienst definieren. Das darf nicht angezweifelt werden. (Oder kennt jemand Beispiele, dass ein Journalist das wagt und dann publiziert wird?)

Ich kenne kein anderes Land auf der Welt, in dem sich die Presse so weit in den weltanschaulichen Schlamm sinken lässt. Das liegt natürlich auch an der unausgesprochenen Staatsdoktrin des Totalitarismus, die dann den sinnfreien Begriff „Extremismus“ gebiert. Damit kann man alles und nichts diskreditieren. Oder elegant umgehen, wenn man gar nichts entscheiden möchte – wie am Beispiel „Islam“, der hierzulande nur dann böse ist, wenn man ein Ismus anhängt.

Wenn man erst am Tropf der Staatsknete hängt wie unsere kleinbürgerlichen marginalisierten (Zeitvertrags-Akademiker), Künstler und verwandte Milieus, darf man nicht jammern, wenn die Kohle plötzlich ausbleibt. Unseren Internet-Blockwarten, die sich als pseudo-„fortschrittliche „NGO“ gerieren und denunzieren, wenn sie „Hass und Hetze“ meinen aufgespürt zu haben, wird so etwas natürlich nicht passieren, auch nicht unter einen CDU-Regierung.

„Diogenes der Weise aber kroch ins Fass Und sprach: Ja, ja, das kommt von das!“ (Wilhelm Busch)

Hoch gestapelt

Die Taz (ausnahmsweise gendersprachenfrei) über den Schulleiter Hudhaifa Al-Mashhadani aus Berlin-Neukölln: Der wurde durch einen angeblichen Mordversuch auf ihn bekannt. „An seiner Darstellung kommen nun Zweifel auf.“

Auf der Webseite des Bezirksamts Neukölln, das ihm erst im Dezember die lokale „Ehrennadel“ verlieh, wird er als „Prof. Dr. phil. Hudhaifa Al-Mashhadani“ geführt. Auf Nachfrage zu den Titeln verweist das Bezirksamt auf ein Dokument der irakischen Botschaft, das ihm vorliegen soll. Daraus gehe hervor, dass ihm die beiden Titel ab 2015 von einer „Universität für Verteidigungsstudien“ verliehen worden seien. Das Bezirksamt Neukölln weigert sich bislang, der taz eine Kopie des Dokuments auszuhändigen.

Zudem tritt er wiederholt als Sprecher eines ominösen „Deutsch-Arabischen Rats“ auf. Aus wem dieser Rat besteht – außer aus Vereinen, die er selbst führt -, ist unklar.

Den angeblichen Angriff auf sich im November 2025 nutzt er ebenfalls zur Selbstdarstellung. Die Süddeutsche Zeitung widmet seinem Fall im Dezember sogar ihre prominente Reportage-Seite 3. Darin kolportiert sie ein angebliches Telefonat zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und Al-Mashhadani. Demnach soll Söder den Schulleiter angerufen, ihm einen Umzug nach Bayern empfohlen und der Berliner Polizei unterstellt haben, sie schütze ihn nicht genug. Das Büro des Ministerpräsidenten erklärt gegenüber der taz, es habe „keinerlei Gespräch oder Kontakt“ seitens Söders mit Al-Mashhadani gegeben.

Doch nicht nur der Autor könnte einem Hochstapler aufgesessen sein. Am Ende waren die vielen Übertreibungen Al-Mashhadanis wohl vor allem eines: zu nützlich für jene, die ihn brauchten.

Kill Chains

iran
Link geht zu Fratzenbuch

Hier nützliche Informationen von Daniel Leon (auf Facebook, alle Links sind von mir):

„Die IDF warf innerhalb von 30 Stunden über 2.000 Bomben ab und erlangte am ersten Tag die Luftüberlegenheit über den iranischen Luftraum. Lesen Sie das noch einmal. Die Luftüberlegenheit über einem Land mit 88 Millionen Einwohnern und dem größten Arsenal an ballistischen Raketen im Nahen Osten wurde noch vor dem zweiten Sonnenaufgang erreicht. (…)

Der HQ-9B-Luftabwehrring, der Teheran schützt, wurde deaktiviert. Die S-300PMU-2-Batterien, die Russland 2016 geliefert hatte und die das Kronjuwel der integrierten iranischen Luftabwehr sind, wurden in den ersten Angriffswellen zusammen mit den dazugehörigen Radarsystemen zerstört. Die IDF führte 700 Einsätze durch. CENTCOM traf über 1.000 Ziele. Die New York Times bestätigte, dass die Hälfte der iranischen ballistischen Raketenwerfer nun im Rahmen der Kampagnen von Juni 2025 und Februar 2026 zerstört worden sind. Die Hälfte.

Der Iran ging mit schätzungsweise 3.000 ballistischen Raketen und rund 400 mobilen Abschussvorrichtungen in das Jahr 2025, die über drei Jahrzehnte hinweg auf gehärteten Standorten, Tunnelnetzen und verstreuten Positionen verteilt worden waren. Die IRGC Aerospace Force baute die modernste straßenmobile Raketenarchitektur außerhalb Chinas und Russlands. Ghadr-1-Varianten mit einer Reichweite von 1.950 Kilometern. Präzisionsgelenkte Emad-Wiederkehreinsätze. Kheibar-Shekan-Feststoffraketen, die speziell zur Umgehung der israelischen Frühwarnung entwickelt wurden. (…)

Die IDF veröffentlichte Aufnahmen von F-35I Adirs, die TEL-Fahrzeuge (Transporter-Erector-Launcher) auf offenen Straßen zerstörten. CENTCOM veröffentlichte ein Video von Tomahawks, die gehärtete Raketenlagerstätten trafen. B-2-Stealth-Bomber trafen mit 2.000-Pfund-Durchschlagsmunition Standorte, die die Juni-Kampagne überstanden hatten. Die Schlachtfeldanalyse von Israel-Alma verzeichnete 62 separate Wellen iranischer Raketenstarts, wobei jede Welle kleiner war als die vorherige, was die fortschreitende Verschlechterung der Startkapazität in Echtzeit bestätigte.

Damit ist das Problem der Scud-Jagd aus dem Jahr 1991 gelöst.

iran

Die Koalitionsstreitkräfte verbrachten den gesamten Golfkrieg damit, die mobilen Scud-Raketenwerfer des Irak in der westlichen Wüste zu bekämpfen, ohne Erfolg. Trotz Tausender Einsätze lag die Trefferquote bei nahezu null. Der Unterschied heute: kontinuierliche ISR-Daten von weltraumgestützten Sensoren, KI-gestützte Zielerfassung und F-35-Sensorfusion schaffen Kill Chains, die die Zeit zwischen Erkennung und Zerstörung von Stunden auf Minuten verkürzen. Der mobile Raketenwerfer, der früher durch den Standortwechsel zwischen den Abschüssen überlebte, wird nun bereits während des Aufbaus getroffen.
(…)

Das iranische Luftabwehrnetzwerk ist das Einzige, was zwischen den verbleibenden Anreicherungen von Uran und einem zukünftigen Angriff steht, der diese dauerhaft beseitigen würde. Die 408 Kilogramm zu 60 % angereichertes Material, die die IAEO vor Juni 2025 gemeldet hatte, wurden nie vollständig nachgewiesen. Verteidigungsminister Katz gab zu, dass Israel nicht weiß, wo das gesamte Material geblieben ist. Wenn dieses Material in irgendeiner wiederverwertbaren Form existiert, brennt die Luftabwehrarchitektur, die es während eines Ausbruchsversuchs geschützt hätte, nun in 24 Provinzen.

Der Iran verliert nicht nur einen Krieg. Der Iran verliert die physische Fähigkeit, das einzige Gut zu schützen, das das Überleben des Regimes garantiert hat: die latente nukleare Option.

Ohne Luftabwehr, ohne Abschussrampen, ohne Kommandostruktur ist die nukleare Absicherung ungeschützt. Die Islamische Republik ist gerade der erste Staat an der Schwelle zur Atommacht geworden, dem unter den Augen der Weltöffentlichkeit in Echtzeit seine Abschreckungsmittel genommen wurden.

Das Video (oben) zeigt die Bombardierung Teherans heute, wobei alle Luftschläge äußerst präzise sind, und Bombardierung von Zivilisten sich als der typische HamaSS-Fake erwiesen haben. Heute gab die IDF zudem bekannt, dass die Abschussrate von iranischen Raketen um 70% Prozent zurückgegangen sei. Woran das nur liegt?“

Khamenei Compound

khamenei

„The fact that Israel had a photo of Ali Khamenei’s body is beyond comprehension.“

Ach. Ach was. Steckte gar der Mossad dahinter?

Unsere Anstalten verbreiten übrigens Fake News am laufenden Band. Das muss man sich nicht antun. Wahr ist ein toter Mahmoud Ahmadinejad. Rest in pieces. Many many pieces. Auch China is not amused.

Ich frage mich jedoch, wie das funktionieren soll. Einen Regimewechsel per Luftangriff hat es noch nie gegeben. Das persischen Regime handelt genau so irrational wie die Nationalsozialisten. Jeder einigermaßen normale Mensch hätte damals die weiße Fahne gehisst, als die Russen schon in Ostpreußen standen, um die größtmögliche Zerstörung des Landes zu vermeiden. Aber nein: Sie hoffen auf den Endsieg wie die Islamischen „Revolutions“garden heute.

Israel hat in zwei Tagen die Lufthoheit gewonnen. Das muss man erst einmal hinkriegen. Der Kopf der Hydra ist weg, aber es sind vermutlich noch genug Köpfe übrig:

Israeli army officials announced that some 40 top military commanders, including the chief of staff of the Iranian armed forces, were killed in the opening strike. They also said that US and Israeli military jets hit hundreds of ballistic missile sites, launchers, and multiple weapons manufacturing plants, preventing the embittered regime from producing additional rockets, UAVs, cruise missiles, and more.

Irrational ist auch, sich mit allen anzulegen und die islamischen Nachbarstaaten ebenfalls zu bombardieren. Optimal wäre es natürlich, wenn auch ein paar Geschosse des Iran in der Türkei einschlagen würden. Aber Erdogan würde vermutlich Israel dafür verantwortlich machen.

Wie könnte das enden? Ich glaube, dass es nicht unbedingt gut endet, auch nicht für Trump. Natürlich wird er vor den nächsten Midterms behaupten, dass er Erfolg hatte, und da die US-Amerikaner sowieso nur selten wissen, wo der Iran liegt, könnten sie es – trotz toter Soldaten – glauben. Was letztlich zählt, ist bekanntlich aber die Ökonomie.

Wer jetzt im Iran auf die Knöpfe drückt, hat nichts mehr zu verlieren. Vielleicht implodieren die Machtstrukturen. Aber bisher haben die massenhaften Proteste das Regime kaum angekratzt, trotz der jubilierenden Medienberichte. Es gibt, wie in jeder Diktatur, ziemlich viele Jubelperser, die davon profitieren. Erst kommt das Fressen, dann die Moral, wie überall.

khamenei

Das Oberkommando der dunklen Seite der Macht gibt bekannt

luftangriff

Ich schreib morgen früh etwas. Man muss sehr wahrscheinlich warten, dass sich ein paar Rauchwolken verziehen.

Miscellaneous

– Die Bundesregierung rät dringend von Reisen nach Israel ab. Aber das macht sie ja oft. Ich habe schon gebucht. By the way: „Von Reisen nach Israel sowie nach Ostjerusalem“? What the fuck? „Ostjerusalem“ gehört auch zu Israel.

– Wir haben einen neuen Krieg. Jetzt Muslims untereinander. Man könnte sich entspannt zurücklehnen. Aber ich habe dazu eine beunruhigende Verschwörungstheorie: Die Grünen und „Linken“ haben die Taliban bestochen, einen Krieg anzufangen, damit Afghanistan wieder als „unsicheres Land“ gilt und Afghanen aus Deutschland dann nicht mehr abgeschoben werden können.

– Das AFD-Verbotsverfahren ist mausetot. Das Verwaltungsgericht Köln lehnt Eilantrag der AfD zur befürchteten Einstufung als „gesichert extremistische Bestrebung“ ab. “ Aus den jüngsten Aussagen des Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz zur AfD ergäben sich keine Anhaltspunkte für eine solche „Hochstufung“ vom Verdachtsfall zur „gesichert extremistischen Bestrebung“.“

Kein Problem. Man „prüft“ einfach so lange weiter, bis das Ergebnis stimmt.

Ich kann diese Textbausteine nicht mehr hören. Der Verfassungsschutz ist bei mir ein permanenter gesicherter Verdachtsfall für Bullshit und heiße Luft.

– Ceterum censeo: Die Türkei sollte als Reiseland boykottiert werden.

Unter Ultrareichen

Sehr schöne Statements von Evan Osnos hinter der Paywall der bürgerlichen Presse:

„Einer dieser Ultrareichen sagte mir in einem Recherchegespräch: „Wenn die Welt herausfindet, wie schön es auf diesen Schiffen ist, wird man die Guillotine wieder einführen.“ Ein anderer meinte: „Wenn Sie als Ultrareicher kein schlechtes Gewissen haben, sind Sie eine Ratte.“ Diese Menschen wissen, dass die Empörung über die Vermögen der Ultrareichen immer größer wird.“

„Nehmen Sie Donald Trump. Das ist die zentrale Ironie unserer Zeit: Er verkörpert den Ultrareichtum, kam aber an die Macht, indem er sich als Stimme der Benachteiligten inszenierte. Das war die Illusion, die er verkaufte. Die Wut, die er mobilisierte, ist jedoch real. Der Sturm auf das Kapitol am 6. Januar war der gewaltsame Ausdruck von Menschen, die sich aus den Räumen der Macht und des Geldes ausgeschlossen fühlen. Sie hämmern an die Tür. Die Tragödie ist nur: Belogen werden sie von genau jenen, die den Schlüssel in der Tasche tragen.“

Klassismus

In der bürgerlichen Presse lese ich von Frédéric Schwilden über „Vorurteile, Rassismus, Sexismus und Klassismus – und zwar von links“:

„Auf der anderen Seite schreibt die antifaschistische Amadeu-Antonio-Stiftung über den „Prozess gegen Deutschland“: „Das ist keine Kunst.“ Die ebenfalls linke, und sich als Mobilitätsexpertin inszenierende Meinungsunternehmerin Katja Diehl schrieb auf der Social-Media-Plattform Bluesky: „Ins Thalia werde ich nicht mehr gehen können. Theater sollten safe spaces sein.“

Alles davon ist falsch. Es war kein Schauprozess, sondern eine Theater-Inszenierung. Bei Schauprozessen im Nationalsozialismus wurden Tausende Menschen rechtswidrig zum Tode verurteilt. Dazu ist es höchst totalitär, Menschen abzusprechen, Kunst zu machen. Vielleicht war es keine tolle Kunst. Aber es war Kunst, was dort passiert ist.“

Natürlich hat er recht. Aber was hat das mit „links“ zu tun?

Endspiel in Venezuela

Orinoco
Der Autor in San Fernando de Atabapo

Michael Roberts schreibt auf seinem Blog über „Venezuela: the end game“. Er rezensiert Venezuela in Crisis – Socialist Perspectives, herausgegeben von Anderson M. Bean. Ich habe mir das Posting übersetzen lassen, es umformuliert und Links hinzugefügt.

Der Artikel bestätigt, was ich bisher hier über Venezuela geschrieben habe. Venezuela war nie ein „sozialistischer“ Staat. Maduro verhielt sich zu Chavez wie Stalin zu Lenin. Noch mehr: Die Machtübernahme Maduros nach dem Tod Chavez war ein reaktionärer Putsch in „linkem“ Kostüm. Die Frage, die das Buch nicht beantwortet: Wie konnte das passieren?

Die Entführung von Venezuelas Präsident Maduro und seiner Ehefrau durch US-Militärkräfte, die anschließende Machtübernahme durch Vizepräsidentin Rodríguez und ihre Zustimmung, den USA die Kontrolle über Venezuelas Ölexporteinnahmen zu überlassen und US-Energie-Multis ins Land zu holen – all dies signalisiert das Endspiel der chavistischen Revolution, die vor über 25 Jahren begann. Daher ist es sehr passend, dass nun ein neues Buch darüber erschienen ist, was in Venezuela geschehen ist, um an diesen Punkt zu gelangen.

Unter dem Titel Venezuela in Crisis und veröffentlicht bei Haymarket Books versammelt das Buch „einige der wichtigsten marxistischen, sozialistischen und antikapitalistischen Denker Venezuelas, die verschiedene linke politische Traditionen und Organisationen repräsentieren“. Diese spanischsprachigen Autoren wurden übersetzt, sodass englischsprachige Leser die Argumente und Erfahrungen der venezolanischen Linken nachvollziehen können. Einige Mitwirkende dienten im Kabinett von Chávez und sind inzwischen zu Kritikern der Maduro-Regierung geworden. „Diese Stimmen einem englischsprachigen Publikum zugänglich zu machen, ermöglicht es den Lesern, sich mit den aktuellen Debatten und Perspektiven der venezolanischen Linken auseinanderzusetzen.“

Herausgegeben wurde das Buch von Anderson Bean von der North Carolina Agricultural and Technical State University, der bereits zuvor über Venezuela geschrieben hat. Sein einleitendes Kapitel vermittelt dem Leser die Essenz der Beiträge des Buches. Bean beginnt mit dem Hinweis, dass die chavistisch-bolivarische Revolution in Venezuela in den 2000er-Jahren für viele im sogenannten Globalen Süden eine Inspiration war – vielleicht sogar mehr noch als die kubanische Revolution der 1960er-Jahre. Die Wahl von Hugo Chávez im Jahr 1998, nach Jahrzehnten korrupter, pro-kapitalistischer und pro-US-amerikanischer Regierungen, war ein frischer Wind. In den darauffolgenden Jahren „verbesserte die Chávez-Präsidentschaft das materielle Wohlergehen der Venezolaner, sorgte für größere soziale Gleichheit und stärkte gesellschaftliche Gruppen, die traditionell vom politischen Prozess ausgeschlossen waren.“

berlin
Caracas, Venezuela, Anfang März 1998

Bean argumentiert, dass es drei zentrale Komponenten der Chávez-Präsidentschaft gab: Erstens die Neufassung der Verfassung zur Förderung breiter Bürgerbeteiligung und umfassender Menschenrechtsschutzbestimmungen; zweitens die Umverteilung der Ölgewinne über verschiedene Sozialprogramme, wodurch die offizielle Armutsquote um 37,6 % und die „extreme Armut“ um 57,8 % gesenkt wurde.Bis 2008 hatte Venezuela zudem den höchsten Mindestlohn in ganz Lateinamerika, und die Ungleichheit im Land sank auf einen der niedrigsten Werte in Amerika. Bis 2011 war Venezuela das zweitgleichste Land der westlichen Hemisphäre – nur Kanada wies eine geringere Ungleichheit auf. Und drittens – was Bean als „am transformativsten“ bezeichnet – die Machtübertragung an die Volkssektoren durch neue Formen von Volksversammlungen sowie Experimente mit Arbeiterkontrolle und Gemeinderäten.

Doch ab 2013 geriet alles massiv aus dem Ruder. Zwischen 2013 und 2021 schrumpfte Venezuelas BIP um 75 %, die Inflation erreichte 2018 mit 130.000 % den höchsten Wert weltweit. Der Anteil der als arm eingestuften Haushalte stieg von 48,4 % im Jahr 2014 auf 81,5 % im Jahr 2022. Der monatliche Mindestlohn von 2,23 US-Dollar war damals der niedrigste in ganz Lateinamerika. Tatsächlich entsprach der monatliche Mindestlohn nur 0,15 US-Dollar pro Tag – achtmal weniger als die damalige Weltbank-Grenze für absolute Armut von 1,25 US-Dollar pro Tag. Zum Vergleich: Unter Chávez lag der monatliche Mindestlohn bei 300 US-Dollar – über 60-mal höher.

Der Zusammenbruch der Realeinkommen und der starke Anstieg der Armut in den 2010er-Jahren führten zu einer Migrationskrise. Seit 2016 sind Millionen Venezolaner aus dem Land geflohen, um im Ausland Arbeit zu suchen und Geld in die Heimat zu schicken. Heute wird die Zahl der venezolanischen Flüchtlinge und Migranten weltweit auf rund 7,7 Millionen geschätzt – etwa 20 % aller Venezolaner. Venezuela weist nun die höchste Zahl Vertriebener in Lateinamerika und die zweithöchste weltweit auf, nur hinter Syrien.

Was erklärt diesen Absturz von Inspiration zu Albtraum? Bean nennt zwei Ursachen. Die erste waren die von den USA verhängten Sanktionen gegen Venezuela sowie mehrere Versuche des US-Staates in Zusammenarbeit mit der venezolanischen rechten Opposition, die venezolanische Wirtschaft zu untergraben, um einen Regimewechsel herbeizuführen. Der US-Imperialismus betrachtete Venezuela als Bedrohung – insbesondere wegen Chávez’ Renationalisierung der Ölindustrie und seines Versuchs, Handelsbeziehungen mit anderen lateinamerikanischen Ländern außerhalb des von den USA geführten Handelsrahmens aufzubauen und Unterstützung bei Handel und Investitionen etwa aus China zu suchen. Der frühe Erfolg der chavistischen Präsidentschaft war ein Dorn im Auge.

Bereits 2002 versuchten die USA in Zusammenarbeit mit der venezolanischen Wirtschaftselite einen Staatsstreich gegen Chávez. Er wurde für 47 Stunden aus dem Amt entfernt, bevor er durch massive Mobilisierungen der Bevölkerung wieder eingesetzt wurde. Von Ende 2002 bis Anfang 2003 unterstützten die USA einen Öl-Lockout, um die Produktion zum Stillstand zu bringen und Chávez zum Rücktritt zu zwingen. 2014 unterstützten die USA erneut die venezolanische Rechte bei gewaltsamen Straßenprotesten („guarimbas“), die den „Abgang“ Maduros forderten. Im Januar 2019 unternahmen die USA in Zusammenarbeit mit Teilen der venezolanischen Rechten einen weiteren Putschversuch, als Juan Guaidó sich verfassungswidrig selbst zum Präsidenten erklärte. Nachdem dieser Versuch scheiterte, folgte im April 2019 ein weiterer – ebenfalls erfolglos.

Zwar scheiterten diese Putschversuche, doch es folgte eine Vielzahl wirtschaftlicher Sanktionen. Unter Trumps Sanktionen wurde US-Institutionen und -Bürgern der Handel mit venezolanischen Staatsschulden untersagt. Alle Staatsvermögen wurden eingefroren. Das Land wurde daran gehindert, seine Auslandsschulden umzustrukturieren oder Zahlungspläne zu ändern. Zahlungen aus Programmen mit Vorzugskonditionen für Öl wurden blockiert. Der Verkauf von Milliarden an Handelskrediten wurde untersagt. Sanktionen versperrten Venezuela zudem den Zugang zu seinem wichtigsten Ölmarkt, den USA, und beschlagnahmten im Ausland gehaltene Vermögenswerte wie das US-Unternehmen Citgo, auf dessen Einnahmen der Staat angewiesen war. Allein 2018 führten diese Maßnahmen zu einem Verlust von 6 Milliarden US-Dollar an Öleinnahmen. Sanktionen froren 17 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten ein und verursachten 2019 Exporteinbußen von rund 11 Milliarden US-Dollar – etwa 30 Millionen pro Tag.

Das in Washington, D.C. ansässige Center for Economic and Policy Research veröffentlichte 2019 einen Bericht über die Auswirkungen der US-Sanktionen auf Venezuela. Zwischen 2017 und 2018 sollen die Sanktionen schätzungsweise 40.000 Venezolaner das Leben gekostet und viele weitere in extreme Unsicherheit gestürzt haben. Über 300.000 Menschen gerieten durch Medikamenten- und Gesundheitsmangel in Gefahr, darunter 80.000 HIV-Positive ohne Zugang zu antiretroviralen Medikamenten. Auch für 16.000 Dialysepatienten, 4 Millionen Menschen mit Diabetes oder Bluthochdruck sowie 16.000 Krebspatienten wurde die Versorgung mit notwendigen Medikamenten extrem schwierig.

Doch die Autoren des Buches betonen, dass der Zusammenbruch Venezuelas nicht allein dem US-Imperialismus und seinen Sanktionen angelastet werden könne. Neben den Schäden durch Sanktionen sei ein weiterer Hauptfaktor das wirtschaftliche Missmanagement und das neoliberale Programm der zunehmend autoritären Maduro-Regierung gewesen. Mainstream-Ökonomen behaupten, der Zusammenbruch sei Folge des Sozialismus; während viele Linke das Maduro-Regime als sozialistisches Beispiel verteidigen. Beide Seiten liegen falsch. Bean und die anderen Autoren akzeptieren nicht, dass Chávez (und später Maduro) eine sozialistische Wirtschaft etabliert hätten oder dass Venezuela sich auf einem „Weg zum Sozialismus“ befunden habe.

Wie ich in meinen eigenen Beiträgen zu Venezuela argumentiert habe, beruhte Chávez’ relativer Erfolg bei der Verbesserung der Lebensbedingungen auf dem Rohstoffboom der 2000er-Jahre. Hohe Öl- und Gaspreise führten schon bei moderaten Steuer- und Abgabenerhöhungen zu enormen Staatseinnahmen. Diese ermöglichten höhere Sozialausgaben und eine Verbesserung des Lebensstandards.

Doch wie Bean hervorhebt, geschah dies ohne grundlegende Veränderung der venezolanischen Eigentumsverhältnisse. „Es gab keine echte Transformation der gesellschaftlichen Eigentumsverhältnisse, keine Veränderung der internationalen Arbeitsteilung und keine Herausforderung der Vorrechte des transnationalen Kapitals.“ Der Privatsektor dominierte weiterhin die Wirtschaft. Zwischen 1999 und 2011 stieg sein Anteil an der Wirtschaftsleistung sogar von 65 % auf 71 %. Auch zentrale Branchen wie Nahrungsmittelimporte, Pharma oder Autoteile blieben privat kontrolliert.

Selbst dort, wo der Staat Produktionsmittel besaß – etwa beim staatlichen Öl- und Gasunternehmen PDVSA – lag die Kontrolle bei der Staatsbürokratie, nicht bei den Arbeitern. Chávez selbst sagte: „Wer würde behaupten, Venezuela sei ein sozialistisches Land? Nein, das wäre Selbsttäuschung. Wir leben noch im Kapitalismus; wir haben nur einen Weg begonnen…“ Entscheidend war zudem, dass es keinen Bruch mit der Abhängigkeit vom Export von Rohstoffen und Kohlenwasserstoffen gab. Im Gegenteil, die Ölabhängigkeit nahm sogar zu.

Mit dem Ende des Rohstoffbooms 2013 endete auch der „Kompromiss“ mit dem venezolanischen Kapital. Bis 2015 waren die Preise auf ein Zwölfjahrestief gefallen. Gleichzeitig starb Chávez, und Maduro übernahm. Die Frage war nun: Wer würde die Krise bezahlen?

bolivares venezuela
Das Geld sieht jetzt anders aus.

Die Antwort zeigte sich bald. Laut dem Ökonomen Luis Salas gebe es „nicht viel Unterschied zwischen dem Wirtschaftsprogramm der Opposition und dem der Regierung“. Der Unterschied liege lediglich in den Partnern – Russen, Chinesen oder Türken statt Amerikanern oder Europäern. Auch Roberto López argumentiert, dass mit Maduros Amtsantritt 2013 das anti-neoliberale Programm fast vollständig aufgegeben worden sei. Trotz radikaler Rhetorik habe Maduro neoliberale Maßnahmen eingeführt – im Rahmen wachsender Autorität.

2016 öffnete die Regierung den Orinoco-Bergbau-Gürtel für Ausbeutung. 2021 wurden Sonderwirtschaftszonen für kapitalistische Unternehmen geschaffen, steuer- und regulierungsfrei. 2018 wurde das Streikrecht abgeschafft. Mit dem sogenannten Anti-Blockade-Gesetz 2020 setzte Maduro faktisch die Verfassung außer Kraft. Große Industriezweige – Öl, Eisen, Aluminium, Gold, Diamanten – wurden privatisiert, teils rückgängig gemacht, was zuvor verstaatlicht worden war.

Schlimm sei vor allem die Vetternwirtschaft. Der venezolanische Staat sei zu einer Piñata geworden, in der eine politisch-militärische Kaste Ressourcen und Privilegien verteile, um Loyalität zu sichern. Selbst Fedecámaras – der Unternehmerverband, der 2002 eine Schlüsselrolle beim Putsch gespielt hatte – wurde wieder eingebunden.

Die Schlussfolgerung der Autoren lautet, dass viele Beobachter im Globalen Norden ungewollt einem Regime Glaubwürdigkeit verliehen hätten, das sozialistische Sprache nutze, um autoritäre und arbeiterfeindliche Praktiken zu verschleiern. Gescheitert sei nicht der Sozialismus, sondern das Versäumnis, tatsächlich sozialistische Politik umzusetzen und die Arbeiterbewegung im Kampf gegen US-Imperialismus zu vereinen.

Im Februar 2026 liegt die Rodríguez-Administration nun vor dem US-Imperialismus am Boden. Die Trump-Regierung agiert vorsichtig und hat Maduro bislang nicht durch die rechte, marktliberale und (ironisch gemeint) „Friedensnobelpreisträgerin“ María Machado ersetzt, um Unruhen oder gar Bürgerkrieg zu vermeiden. Stattdessen zwingt sie Rodríguez schrittweise zur Zustimmung zu ihren Forderungen, um spätere Wahlen vorzubereiten, die ein klar pro-US-Regime an die Macht bringen könnten. Bei einem gemeinsamen Auftritt im Präsidentenpalast Miraflores erklärte US-Energieminister Chris Wright: „Wir wollen das venezolanische Volk und die Wirtschaft befreien.“ Eine Umfrage von Gold Glove Consulting ergab, dass Machado bei Neuwahlen mit 67 % deutlich vor Rodríguez (25 %) liegen würde. 72 % der Befragten meinten, Venezuela bewege sich nach Maduros Festnahme „in eine positive Richtung“.

elorza
Mädchen aus Elorza, Venezuela 1998

Volksmudschahedin in Persien

Volksmudschahedin
Demonstration des Nationalen Widerstandsrats Iran und der Volkschmudschahedin im September 2024 in Berlin

Ich empfehle der Leserschaft, sich über die Volksmudschahedin (MEK) im Iran zu informieren. Die kommen in deutschen Medien so gut wie nie vor und wenn, dann diffamierend, sind aber die größte Gruppe der Opposition in Persien. Die Berichterstattung ist oft Mumpitz und wird nicht selten vom iranischen Geheimdienst manipuliert.

„Nach dem Beginn einer neuen Phase der gegenseitigen Dämonisierung zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten machten einige US-amerikanische und israelische Politiker deutlich, dass die Mudschahedin bei dem Szenario einer militärischen Konfrontation mit Teheran sehr nützlich sein könnten.“ 2016)

„Donald Trumps Berater John R. Bolton, der ebenfalls anwesend war, brachte die Solidarität der US-Regierung mit der MEK zum Ausdruck…“

Ich sehe das mit den Augen des Mossad Pragmatikers: Man muss mit allen zusammenarbeiten, die den eigenen Zielen nützlich sind, auch wenn diese bekloppt sind.

Wenn das Regime gestürzt werden sollte, würden die Volksmudschahedin die neuen Machthaber oder an der Macht beteiligt sein. I told you so.

I told you so

Zölle
Karikatur von Hermann Dyke aus den „Fliegenden Blättern“ gegen Zollschranken und Kleinstaaterei, 1847. (Credits: Universität Heidelberg)

„Das Schutzzollsystem ist nichts anderes als ein Mittel, die industrielle Entwicklung eines Landes auf Kosten der industriellen Entwicklung anderer Länder zu beschleunigen.“ (Rede des Herrn Dr. Marx über Schutzzoll, Freihandel und die Arbeiterklasse, MEW 4)

In der bürgerlichen Presse lese ich: „Der Westen habe seine Industrie auf dem Altar des Freihandels geopfert und lange ignoriert, dass andere Staaten unsere Wirtschaft mit unfairen Handelspraktiken unterminierten. Zusätzlich habe er seine Wettbewerbsfähigkeit riskiert mit hohen Energiepreisen, „um den Klima-Kult zu befrieden“.

Die Ideologie offener Grenzen bringe durch Massenimmigration zudem die kulturelle Identität des Westens in Gefahr, sagte der amerikanische Außenminister. „Die Kräfte zivilisatorischer Auslöschung bedrohen sowohl die USA als auch Europa“, so Rubio.“

Da hat der Rubio natürlich ein bisschen recht. Wer sagt es aber jetzt den deutschen Medien?

It’s the economy. Der Rest ist Feuilleton. Was will uns ein Mitglied des Ausschusses, der in den USA die gemeinschaftlichen Geschäfte der Bourgeoisie organisiert, damit mitteilen?

„Die Herren von der Bourgeoisie, welche das Schutzsystem befürworten, verfehlen nie, das Wohl der arbeitenden Klasse in den Vordergrund zu schieben. Ihren Worten nach zu urteilen, beginne zugleich mit der Beschützung der Industrie ein wahrhaft paradiesisches Leben für die Arbeiter…“ (Friedrich Engels: Schutzzoll oder Freihandels-System, Deutsche-Brüsseler-Zeitung Nr. 46, 10.06.1847 (MEW 4)

Das interessante Stichwort ist natürlich Freihandel. Jetzt ist die Bourgeoisie also plötzlich gegen „freien“ Handel? O tempora! O mores! Man hört Friedrich List im Grabe rotieren!

Der Begriff „Schutzzoll“ ist ohnehin affirmativ, weil er verschweigt, dass nur die Profite einer bestimmten nationalen Bourgeoisie „geschützt“ werden. Gemeint ist ein Mittel, bestimmte importierte Produkte künstlich zu verteuern, weil sie sonst mehr gekauft würden als Güter der einheimischen Industrie. Man kann das Ergebnis natürlich auch bekommen, indem ein Staat Exporte subventioniert – wie das China macht. Beide Methoden sind zwei Seiten einer Medaille. Die letztere funktioniert in den USA nicht, weil die Beteiligung des Staates an Unternehmen im Vergleich weitaus geringer ist. Daher kann auch viel weniger auf lange Sicht geplant werden.

„Altar des Freihandels“ klingt verzweifelt – und ist es auch. Zölle im jetzigen Stadium des Kapitalismus sind der Volkssturm im Kampf gegen den tendenziellen Fall der Profitrate. Das wird nicht funktionieren, es sei denn, die nationalen Kapitalisten in Europa unterwürfen sich freiwillig den Konzernen der USA und ließen sich die deshalb entgangenen Gewinne von den Steuerzahlern erstatten. Auch das würde nicht lange gutgehen.

Die kulturelle Identität des Westens? Was soll das sein? Die Shoa? Das Christentum? US-Interventionen in Lateinamerika? Der Antikommunismus?

Man lehnt sich zurück und beobachtet die Weltläufte mit Interesse und Vergnügen und mit den Worten: Marx told you so.

helge klockmann
Ein Freund und ich auf der Jubelparade vor der Gedächniskirche am 27.1.1989

Unter Nichtannehmenden

„…hat die 2. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts eine Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen, die von einem im Gazastreifen lebenden Palästinenser erhoben wurde und die sich gegen die Erteilung von Genehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern nach Israel richtet.“

Wie kann ein Araber aus Gaza vor dem Bundesverfassungsgericht klagen? Und wer bezahlt das?

Sozialislamische Partei Deutschlands

SPD

Religioten, Islamisten und Antisemiten wählen SPD!

Was mit Medien

tagesschau

Heute was mit Medien. Ich habe meinen Medienkonsum seit 65 Jahren Revue passieren lassen. Ich heute alles besser oder schlechter oder anders?

Natürlich bin ich mitnichten repräsentativ, schon allein deshalb, weil ich das Wort „mitnichten“ benutzen. Fernsehen in Gestalt der „Tagesschau“ kenne ich erst ungefähr seit meinem 16. Lebensjahr, da TV in meiner Familie als Teufelswerk galt und man angehalten war, stattdessen die Bibel oder andere fromme Schriften zu studieren. Als meine Mutter dieses ungeschriebene Gesetz brach und eine Glotze – natürlich in schwarz-weiß – anschaffte, musste sie das Gerät jahrelang hinter der Wohnzimmerschranktür verstecken, weil die Sekten-Peer-Group und insbesondere auch meine Großeltern das mit einem Shitstorm kommentiert hätten.

Aber wie hat „man“ sich informiert? Wir lasen den Hellweger Anzeiger – sonst nichts „Weltliches“, auch bekannt als Babylon.

konkret

Als Schüler las ich den „Spiegel“, Und ich habe zahllose Bücher in mich hineingefressen, sobald ich mein eigenes Geld hatte (ob 16 in den Ferien im Straßenbau). Wilhelm Reich war der erste Sargnagel für die Verehrung höherer Wesen. Als Student abonnierte noch die Frankfurter Rundschau, weil die „links“ war; die „Konkret“ wegen der halbnackten Mädels und die Peking-Rundschau, was ich mit Paul Breitner gemeinsam hatte. In Berlin kam noch die Rote Fahne hinzu.

Katze
Aktenordner mit „Peking Rundschau“, aufgenommen in meiner Wohnung in Berlin-Schöneberg 1976. Der Kater hieß übrigens Salami.

Wenn man genauer hinschaut, hat sich bis zu der Zeit, als das Internet auch in Deutschland zur Verfügung stand, nichts geändert: Eine Tageszeitung, vielleicht eine Wochenzeitung (ich hatte eine Weile die „Zeit“ abonniert, weil die Artikel von mir gedruckt hatten), ein Monatsmagazin und Speziallektüre zur Unterfütterung der Sekten Weltanschauung. Wozu hätte man zusätzlich Social Media gebraucht?

Im Vergleich zu heute: Eine Tageszeitung auf Papier brauche ich nicht. Wenn ich eine in die Finger bekomme, brauche ich fast immer nur fünf Minuten, um alles gelesen zu haben, was mich interessiert. Der Form halber habe ich die Online-Ausgabe der bürgerlichen Presse „Welt“ abonniert, weil die gendersprachenfrei ist und um keine Themen zu verpassen, die gerade durchs Dorf getrieben werden. Dazu lese ich die Jerusalem Post, weil eine Sicht „von außen“ manche deutschen Themen auf ihre wirkliche Bedeutung zusammenschrumpeln lassen.

Apropos Themen: Die Gratis-Version der „Bild“, RT deutsch und zehn Minuten wild herumzappen – von der South China Morning Post bis zum Heise Newsticker – garantieren, dass man nichts verpasst, was eventuell aktuell ist oder sein wird.

Schockwellenreiter
Der Schockwellenreiter: „Es muß nicht immer KI sein: Freie Bilder für interaktive Geschichten und Spiele“ mit der Empfehlung von Artvee.

Der Rest ist ausschließlich Unterhaltung – von X über Facebook bis zu Instagram und diversen Blogs – wenn ich Zeit dazu finde. Ich könnte es auch lassen. Natürlich findet man dort manchmal zufällig auch interessante Themen, aber auf die wäre man vermutlich ohnehin irgendwann gestoßen. Ich will niemandem zu nahe treten, aber außer dem Schockwellenreiter, der aber mittlerweile fast nur noch über Software schreibt, und Fefe, der offenbar – seit zehn Monaten – immer noch nicht genesen ist, ist alles nur Entertainment wie Secondlife.

Meinungen und Kommentare anderer brauche ich nicht, davon habe ich selbst genug. Don Alphonso in der „Welt“ belustigt mich – es ist unterhaltsam geschrieben, aber wiederholt sich auf Dauer: Im Zentralorgan der Kleinaktionäre und Eigenheimbesitzer darf man auch nichts veröffentlichen, was die Mehrheit verärgert, etwa eine Analyse des tendenziellen Falls der Profitrate.

Fernsehen: Gar nicht. Nur Gestreamtes.

Für Vorschläge bin ich offen. So etwas wie eine Mischung aus Michael Roberts und SciLogs.

Sie werden gegendert. Widerstand ist zwecklos.

Eine Bundesbehörde hat einer Mitarbeiterin gekündigt, weil diese nicht gendern will. Ein Gericht gab der Frau recht, dass die Abmahnungen und die Kündigung unwirksam waren, doch die Behörde will sie unbedingt kündigen und hat Berufung eingelegt. Die Behörde untersteht übrigens CDU-Verkehrsminister Schnieder.

„Rechtlich ist die Lage bislang eindeutig: Eine gesetzliche Verpflichtung zur Verwendung geschlechtergerechter und inklusiver Sprache existiert in Deutschland nicht. Auch im Arbeitsverhältnis dürfen Sprachregelungen grundsätzlich nicht einseitig erzwungen werden, sondern gelten, sofern sie nicht ausdrücklich vereinbart sind, als freiwillig.“

Neapolitaner und andere Miszellen

toccata

– Aus der Rubrik „nützliches Wissen“: Der Neapolitanische Sextakkord oder kurz Neapolitaner ist ein alterierter Akkord. Der Quintton des Subdominantakkords wird durch den tiefalterierten Sextton ersetzt.

Ich hatte mir die berühmte Toccata und Fuge in D-Moll von Johann Sebastian Bach und fragte mich, warum das Motiv in der Popkultur beliebter ist als die „deutlich reifere C-Dur-Toccata„.

Ich verstehe nichts, obwohl ich nach Noten Klavierspielen kann. Ich bleibe besser bei der Onomatopoesie palim palim. (Wortschatzübung)

– „Schauspielerin verliert Hauptrolle wegen Pro-Israel-Video“, berichten die Qualitätsboulevardmedien in nicht ganz korrektem Deutsch. Gemeint ist die umwerfend gut aussehende Sarah Maria Sander.

Man sollte Ross und Reiter nennen, in diesem Fall vermutlich Reiter*&%_$§Innen. „Das Berliner Landgericht II für Zivilsachen untersagte der Produktionsfirma Soilfilms Media einstweilig, Teile einer Rolle weiter zu verfilmen oder zu veröffentlichen.“

Man könnte das jetzt genauer erforschen. „Einen Monat später habe ihr Co-Autor Rainer Begoihn ebenfalls Hauptdarsteller) in einem Telefongespräch erklärt, ihr Engagement schade dem Projekt. Festivals könnten den Film mit ihr nicht annehmen.“ Dieser Mann scheint ein ausgemachter Feigling zu sein – und ein Opportunist sin cojones dazu.

Die Sanders hat natürlich recht, wenn sie den sogenannten „Kulturschaffenden“ vorwirft: „Eure politische Haltung, euer Aktivismus ist nichts, es ist eine Show. Es ist Gratismut ohne Risiko, ohne Haltung.“

By the way und reprint: Nehmt dies, Kulturschaffende! „1933, als die Reichskulturkammer gegründet wurde, kam im Zusammenhang mit der Berichterstattung und mit öffentlichen Appellen plötzlich das Wort „Kulturschaffende“ auf. Es wurde von Leuten, die der Schaffung der Reichskulturkammer positiv gegenüberstanden, und von Künstlern und „Kulturschaffenden“, die ihre nationalsozialistische Gesinnung bekunden wollten, geprägt und benutzt – vorher ist es nicht nachweisbar.“

– Eine der vielen Folgen der Klima- und Erderwärmung: Es wird immer kälter. „Für die erste Februarwoche kündigt sich eine neue Störung des stratosphärischen Polarwirbels an, möglicherweise sogar ein starker Split oder gar eine viel zu frühe Auflösung. Dabei würde sich das Tiefdrucksystem in großer Höhe über dem Nordpol aufspalten und einem ungewöhnlich kräftigen Hoch über der Polarregion Platz machen. Eine Konstellation, die selten ist und die Chancen auf Wintereinbrüche am Boden auch in Europa deutlich erhöht.“ (Zitat aus der bürgerlichen Presse)

Jemand kommentierte auf Fratzenbuch: „Wetter ist eben nicht Klima“. Die Klimaerwärmung betrifft also nicht das Wetter, sondern nur die Temperaturen? Oder umgekehrt? Ich frage am besten die Genderbeauftragen beim DJV, die wissen das bestimmt.

27. Januar 1944

verteidiger Leningrads
Credits:

Heute vor 82 Jahren – am 27. Januar 1944 – befreite die Rote Armee Leningrad von der Belagerung durch die Nazis.

Unter Säubernden

verteidigungsministerium VR China

Nein, kein „Machtkampf“ in China, was die bürgerliche Presse beliebt zu behaupten, sondern: „Der ranghöchste General der chinesischen Volksbefreiungsarmee soll im Gegenzug für Infos und bestimmte Handlungen Schmiergelder aus den USA erhalten haben.

Das chinesische Regierung spricht von „Ermittlungen.“ „Zhang Youxia, Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPCh und stellvertretende Vorsitzende der Zentralen Militärkommission, sowie Liu Zhenli, Mitglied der Zentralen Militärkommission und Leiter des Gemeinsamen Stabs der Zentralen Militärkommission, stehen im Verdacht schwerer Disziplinar- und Rechtsverstöße. Nach Beratung im Zentralkomitee der KPCh wurde beschlossen, gegen Zhang Youxia und Liu Zhenli Ermittlungen einzuleiten.“

Die South China Morning Post berichtete, Zhang sei am 19. Januar verhaftet worden. Weiterhin wurde berichtet, dass hochrangige KPCh-Funktionäre am 23. Januar über Zhangs Fall informiert wurden und dass Zhang der Korruption verdächtigt werde. Ihm werde vorgeworfen, seine engen Mitarbeiter, Familienmitglieder und Verwandten nicht ausreichend kontrolliert und Probleme nicht umgehend der Parteiführung gemeldet zu haben. Die Zeitung der Volksbefreiungsarmee veröffentlichte einen Leitartikel, in dem es hieß, Zhang und Liu hätten „das Verantwortungssystem des Vorsitzenden der Zentralen Militärkommission schwerwiegend missachtet und untergraben“. Diese Charakterisierung fiel deutlich schärfer aus als die vorherige Charakterisierung der Vorwürfe gegen He Weidong, den ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der Zentralen Militärkommission.

Nehmt dies, Medien:
– Man wird glaubwürdiger, wenn man Links zu den Originalquellen setzt.
– Es ist möglich, die Leser umfassend zu informieren.
– Wenn jemand wegen des Verdachts auf Korruption aus dem Amt entfernt wird, ist das kein „Machtkampf“ und auch keine „Säuberung“. Die Chinesen sind beim Kampf gegen Korruption nur erfolgreicher als etwa die Europäische Union.

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