Was mit Medien
Heute was mit Medien. Ich habe meinen Medienkonsum seit 65 Jahren Revue passieren lassen. Ich heute alles besser oder schlechter oder anders?
Natürlich bin ich mitnichten repräsentativ, schon allein deshalb, weil ich das Wort „mitnichten“ benutzen. Fernsehen in Gestalt der „Tagesschau“ kenne ich erst ungefähr seit meinem 16. Lebensjahr, da TV in meiner Familie als Teufelswerk galt und man angehalten war, stattdessen die Bibel oder andere fromme Schriften zu studieren. Als meine Mutter dieses ungeschriebene Gesetz brach und eine Glotze – natürlich in schwarz-weiß – anschaffte, musste sie das Gerät jahrelang hinter der Wohnzimmerschranktür verstecken, weil die Sekten-Peer-Group und insbesondere auch meine Großeltern das mit einem Shitstorm kommentiert hätten.
Aber wie hat „man“ sich informiert? Wir lasen den Hellweger Anzeiger – sonst nichts „Weltliches“, auch bekannt als Babylon.
Als Schüler las ich den „Spiegel“, Und ich habe zahllose Bücher in mich hineingefressen, sobald ich mein eigenes Geld hatte (ob 16 in den Ferien im Straßenbau). Wilhelm Reich war der erste Sargnagel für die Verehrung höherer Wesen. Als Student abonnierte noch die Frankfurter Rundschau, weil die „links“ war; die „Konkret“ wegen der halbnackten Mädels und die Peking-Rundschau, was ich mit Paul Breitner gemeinsam hatte. In Berlin kam noch die Rote Fahne hinzu.

Aktenordner mit „Peking Rundschau“, aufgenommen in meiner Wohnung in Berlin-Schöneberg 1976. Der Kater hieß übrigens Salami.
Wenn man genauer hinschaut, hat sich bis zu der Zeit, als das Internet auch in Deutschland zur Verfügung stand, nichts geändert: Eine Tageszeitung, vielleicht eine Wochenzeitung (ich hatte eine Weile die „Zeit“ abonniert, weil die Artikel von mir gedruckt hatten), ein Monatsmagazin und Speziallektüre zur Unterfütterung der Sekten Weltanschauung. Wozu hätte man zusätzlich Social Media gebraucht?
Im Vergleich zu heute: Eine Tageszeitung auf Papier brauche ich nicht. Wenn ich eine in die Finger bekomme, brauche ich fast immer nur fünf Minuten, um alles gelesen zu haben, was mich interessiert. Der Form halber habe ich die Online-Ausgabe der bürgerlichen Presse „Welt“ abonniert, weil die gendersprachenfrei ist und um keine Themen zu verpassen, die gerade durchs Dorf getrieben werden. Dazu lese ich die Jerusalem Post, weil eine Sicht „von außen“ manche deutschen Themen auf ihre wirkliche Bedeutung zusammenschrumpeln lassen.
Apropos Themen: Die Gratis-Version der „Bild“, RT deutsch und zehn Minuten wild herumzappen – von der South China Morning Post bis zum Heise Newsticker – garantieren, dass man nichts verpasst, was eventuell aktuell ist oder sein wird.

Der Schockwellenreiter: „Es muß nicht immer KI sein: Freie Bilder für interaktive Geschichten und Spiele“ mit der Empfehlung von Artvee.
Der Rest ist ausschließlich Unterhaltung – von X über Facebook bis zu Instagram und diversen Blogs – wenn ich Zeit dazu finde. Ich könnte es auch lassen. Natürlich findet man dort manchmal zufällig auch interessante Themen, aber auf die wäre man vermutlich ohnehin irgendwann gestoßen. Ich will niemandem zu nahe treten, aber außer dem Schockwellenreiter, der aber mittlerweile fast nur noch über Software schreibt, und Fefe, der offenbar – seit zehn Monaten – immer noch nicht genesen ist, ist alles nur Entertainment wie Secondlife.
Meinungen und Kommentare anderer brauche ich nicht, davon habe ich selbst genug. Don Alphonso in der „Welt“ belustigt mich – es ist unterhaltsam geschrieben, aber wiederholt sich auf Dauer: Im Zentralorgan der Kleinaktionäre und Eigenheimbesitzer darf man auch nichts veröffentlichen, was die Mehrheit verärgert, etwa eine Analyse des tendenziellen Falls der Profitrate.
Fernsehen: Gar nicht. Nur Gestreamtes.
Für Vorschläge bin ich offen. So etwas wie eine Mischung aus Michael Roberts und SciLogs.
Kommentare
9 Kommentare zu “Was mit Medien”
Schreibe einen Kommentar





















https://www.youtube.com/watch?v=Zbzut1AKx4Q
Den religiösen Impetus bist du bis heute nicht los geworden. Der Merkt man in fast allen deinen Posts…
Ansonsten teile ich deine Einschätzung zunächst.
Wirklich interessantes findet man so gut wie gar nicht mehr. Der Siegeszug des Belanglosen ist durch.
Wenn man sich in den Mediatheken des ÖRR Nachrichten und Berichte aus den 60er, 70er, 80er Jahren anschaut – was ein Unterschied zu heute.
nüchtern, sachlich, ohne Superlative, ohne Erklär-Bär, der erstmal jeden Furz „einordnen“ musste…
Aber Chomsky sagte es schon – Medien haben die Aufgabe, die Leute vom Wichtigen fern zu halten…
leider driftet auch dieses Blog mehr und mehr ins belanglose Entertainment ab, statt weiterhin Stellung zu den Weltläufen zu beziehen.
Baudrillard (alles nur noch Simulation) lässt grüßen.
Aber auch das Entertainment ist schlechter und schlechter geworden…
andere Blogs und Plattformen sind aber auch uninteressant (geworden)
alles tot nach der Wende
http://trend.infopartisan.net/GEDENKEN/index.html
Faktenchecker aus dem Ausland
https://mediabiasfactcheck.com/
die Zukunft der News??
https://www.improvethenews.org/faq
Twitter bzw. X ist nützlich für schnelle Information zu aktuellen Themen, die in den Medien erst später auftauchen.
Die einzige Zeitschrift, die ich noch lese, ist „Ut Kark un Dörp“. Die liegt einmal pro Monat gratis im Postkasten.
Schwurbel-Dünsch… vom feinsten
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/spd-klingbeil-bab-100.html
wird Zeit, dass die unter die 5% rutschen…
„Wenn du die Zeitung nicht liest, bist du uninformiert. Wenn du sie liest, bist du desinformiert.“ (Mark Twain)
alt aber gut (und immer noch passend)
https://youtu.be/og0iMCYrc2k?t=195
Ich lese überhaupt keine Zeitung, Zeitschrift oder Bücher aus Papier mehr. Nichts! Selbst beim Arztbesuch lasse ich die Auslagen links liegen. Vom ÖRR bekomme ich nur etwas mit, wenn ich zu Besuch in einer Seniorenresidenz bin.
In meiner Jugend las ich eine holländische Radsportzeitschrift. Die war ganz schwer zu bekommen. Ich glaube, ich war deren erster ausländischer Abonnement. Ich mußte die damals quasi anbetteln mich gegen Vorkasse zu beliefern. Die wurden später nationalistisch und verkauften überhaupt – bis auf Belgien – nicht mehr in das Ausland. Zu teuer, zu viel Verwaltungsaufwand, hieß es. Daneben gab es noch die TOUR, das war eine deutsche Radsportzeitung. Dachte ich jedenfalls. Irgendwann lernte ich bei einem Rennen deren Chefredakteur kennen. Danach habe ich das Abo sofort gekündigt. Und es gab die Zeitung vom Bund Deutscher Radfahrer. Das waren 10/15 Seiten Ergebnislisten. Ja, die hatte das halbe Format der BILD-Zeitung und es gab zu 95% nur Ergebnislisten zu lesen. In meiner Jugend las ich noch eine Musikzeitschrift für Gitarristen. Daneben noch sehr gelegentlich das regionale Tageblatt und regelmäßig die BILD. Das Tageblatt hatten meine Eltern im Abonnement – wegen der Todesanzeigen. Ach was, dass gesamte Dorf hatte das Tageblatt im Abonnement. Und die BILD wurde routinemäßig beim täglichen Einkauf mitgenommen. Meine Mutter war noch an einem Lesezirkel beteiligt. Es gab ein Mal die Woche den neuesten Stern, Bunte, Spiegel, Praline (ganz wichtig) und drei oder vier Zeitschriften über Könige und Kaiser im Paket für 3 oder 4 Deutsche Mark. Später bei der Bundeswehr gab es im Dienst DIE WELT und eine Zeitschrift mit dem Titel Wehr und Technik zu lesen. Jede Kompanie hatte eine Auslage vor dem Geschäftszimmer und da lagen zwei oder drei Tageszeitungen, plus so was wie „Ut Kark un Dörp“ und eben die Wehr und Technik. Meistens gab es noch die Süddeutsche und die Frankfurter Rundschau. Das war unterschiedlich je nach Standort. DIE WELT muß damals gigantische Auflagen produziert haben. Ohne diese Dienststellenverteilung wären deren Auflagen heute noch niedriger. Nach der Bundeswehr habe ich mich plötzlich für Militärgeschichte interessiert. Keine Ahnung warum. Das Ergebnis waren etwa 1000 Bücher über alle Divisionen der Wehrmacht und deren Ausrüstung. Tageszeitungen habe ich in dieser Zeit eigentlich überhaupt nicht gelesen. Neben Arbeit, Familie, Haus und Hof und täglich fast 90 Minuten Sport fehlte mir dazu die Zeit. Politik? Damals noch Scheißegal auch wohl weil keine Irren am Werk waren.
>Damals noch Scheißegal auch wohl weil keine Irren am Werk waren.
:-) Weil es noch kein I-Net gab.
https://en.wikipedia.org/wiki/Project_Pluto
https://en.wikipedia.org/wiki/Fulda_Gap
„Operation Ploughshare“
https://share.google/aimode/bbs7qUC3RdPnYs9mn
https://share.google/aimode/4Ybzz96FXDMa7bnuy
Plus da war noch was mit Vollbeschäftigung, ja waren alle voll.
Es war früher nicht besser, nur anders verrückt.
Ach ja da war noch was. https://youtu.be/Rbs-NkWq9kE Es scheint sich etwas zu wiederholen. Wie war das noch, Geschichte wiederholt sich nicht Sie reimt.
<8*) Der Aluhut meint, Kanal Bau in rationell. Konventioneller Sprengstoff ist zu teuer.