Unter Putschisten
Ich lese gerade zwischendurch von Sven Felix Kellerhoff: „Der Putsch: Hitlers erster Griff nach der Macht“ – „Es ist die bis dahin größte Bedrohung für die Weimarer Republik: Mit roher Gewalt wagt Hitler von München aus den Umsturz – und scheitert. Die Demokratie hält stand. Sven Felix Kellerhoff richtet den Fokus auf bislang übersehene Zeugnisse und schildert die tatsächlichen Hintergründe des 8. und 9. November 1923.“
Zitat: „Einem dänischen Journalisten gelang es, in diesen Novembertagen 1922 ein Gespräch mit Hitler zu führen; zunächst am Rande einer Veranstaltung im Bürgerbräukeller, danach am folgenden Vormittag im Parteibüro der NSDAP. »Schon überall wird Hitler der bayrische Mussolini genannt«, begann der Reporter der Regionalzeitung Århus Stiftstidende seinen Artikel, dann schilderte er sein Gespräch mit dem NSDAP-Chef: »Das erste Wort Hitlers an uns ist sehr taktlos: ›Sind Sie Jude?‹ Wir bemerken ihm gegenüber, dass wir nicht gekommen sind, um ein Glaubensbekenntnis abzulegen, sondern um ein Interview zu bekommen. ›Skandinavische Juden sind mir ebenso unsympathisch wie deutsche Juden‹, murrt Hitler.« Dann begann das eigentliche Gespräch: »Wir versuchen, die Frage zu stellen, was die Nationalsozialisten wirklich wollen? ›Wir wollen den Bolschewismus niederschlagen!‹, erklärt Hitler mit einer unangenehm knurrenden Stimme, die wahrscheinlich Entschlossenheit und Energie ausdrücken soll. Er fährt fort: ›Das ist kurz und gut unser Programm.‹ Wir sagen: ›Sind mit diesem lobenswerten Zweck nicht auch bestimmte Absichten für die Wiederherstellung der Monarchie verbunden?‹ ›Die Staatsform ist uns ganz und gar gleichgültig‹, antwortet Hitler: ›Monarchie oder Republik, darauf kommt es nicht an. Wir werden das Gesindel beseitigen, das Deutschland in den Ruin getrieben und das Deutschland zum Sklaven der ganzen Welt gemacht hat.‹ ›Und wie wollen Sie das machen?‹ Hitler antwortet mit einem Zitat: »Und willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag’ ich Dir den Schädel ein.« Um Missverständnisse zu vermeiden, fügt er hinzu: »Und willst Du nicht ein Deutscher sein, dann schlag’ ich Dir den Schädel ein.« Wir sagen: »Glauben Sie denn, dass das Ansehen Deutschlands im Ausland durch solche Gewalttaten verbessert wird?« »Vorläufig sind unsere Bemühungen nicht auf das Ausland gerichtet.««“
Ich kenne den Kellerhof schon sehr lange; wir waren gemeinsam Mitglied in allerlei Vereinen von und für Journalisten. Im Kugelhagel würde ihn nicht an meiner Seite haben wollen, er wäre eh schon vorher geflohen. Das zu charakterlichen Fragen. Alle Bücher Kellerhofs sind angenehm zu lesen und fundiert. Er ist aber ein typisch bürgerlicher Historiker mit den dazu passenden ideologischen Scheuklappen.
„Der Putsch“ ist interessant, wenn man die Situation in der Weimarer Republik mit der heute vergleicht, insbesondere wenn es um die AfD geht. Kann jemand wie Hitler, dem Zeitgenossen vermutlich zu Recht bescheinigten, er sei keine intellektuelle Leuchte und sogar dümmer als Mussolini, plötzlich an die Macht kommen?
Das Buch bestätigt, was schon das Standardwerk zum Thema – Karsten Heinz Schönbachs „Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926–1943“ – mit ausführlich zitierten Quellen belegt: Hitler wäre nie an die Macht gekommen, wenn relevante Fraktionen der deutschen Großbourgeoisie ihn und seine Partei nicht finanziell massiv unterstützt hätten.
Man muss also das Wirtschaftsprogramm der AfD lesen und ob es den Interessen des deutschen Kapitals dient oder nicht. (Fast alles, was aber die Anstalten und andere staatsnahen Medien verbreiten, ist suggestive Propaganda und überzeugt nicht.) Alle anderen Themen wie Einwanderung, Sprachesoterik oder völkisches Gefasel usw. sind irrelevant.
Kommentare
4 Kommentare zu “Unter Putschisten”
Schreibe einen Kommentar




















Aus der Geschichte hat noch keiner gelernt, aber aus Geschichten schon?
Ich lese auch Geschichten, aber lieber solche:
*************************
Prostitution nach Scharia-Gesetz: Chamenei-Sohn hatte Sex-Training mit „Kurzzeit-Frauen“ Wikileaks-Enthüllung zu Impotenz-Behandlung in Londoner Klinik.
Das wäre die nächste Stufe im Umgang mit der AfD „Weidel hatte Sex-Training mit „Kurzzeit-Frauen“ Wikileaks-Enthüllung zu Impotenz-Behandlung in Züricher Klinik“ oder doch besser der Chrupralla?
*************************
Dubai-Drama!: Maschmeyer-Sohn muss mit Baby durch die Wüste flüchten.
Dauerurlauber berichten.
Es waren etwa 2.000 Meter zu Fuß durch die Wüste. Ich bin so froh. Ohne das Geld der Anleger – damals – wäre diese Rettungsaktion wahrscheinlich nicht möglich gewesen.
Macht per Saldo zusammen 30.000 Euro.
Ja, das Traumpaar Maschmayer und Maischberger.
*************************
Endlich. Nach 6 Tagen mischt sich Söder mit einem Machtwort in den Iran Krieg ein und bietet sich als Denker an.
Soll die Bundeswehr unsere Urlauber retten?: Söder kritisiert Rückhol-Aktion als unzureichend CSU-Chef bei WELT TV: „Das ist mir noch alles ein bisschen zu wenig“.
P.S.: Danke für die Abtipperei Burks.
Man sollte solche Bücher im Auge behalten. Nicht das jemand die Aussagen eines Protagonisten abtippt und als geheime Chataussage von Frau Weidel oder Herrn Höcke zitiert. Bis zum 6. September wird noch einiges passieren. Hier das Angebot der letzten 18 Stunden:
********************
Aus Ministerpräsident wird Gauleiter.
Undemokratische Schwefelpartei erreicht 53% bei Wahl. Es drohen Massenverhaftungen, Erschießungen. Sachsen-Anhalts Landtag trifft Vorkehrungen bei Machtwechsel.
Sachsen-Anhalt: Angst vor AfD! Landtag will Verfassung ändern.
Mit Spitzenkandidat meinen die bestimmt Gauleiter. Wer kann eigentlich die Amtsbezeichnung ändern?
*************************
AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland.
Vorständin der AfD-Jugend äußert sich antisemitisch und rassistisch.
AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland? Was ist das? Nie gehört? Eine kleine rothaarige mit Zöpfen hat gepupst und wird zur Durchlüftung durchs Dorf getrieben.
Das ist tatsächlich bedauerlich. War das jetzt der negative AfD-Artikel des Tages?
*************************
NRW-Jugend der AfD wird rechtsextremistischer Verdachtsfall.
Achtung, es folgt ein Großzitat, also ich zitiere den ganzen FOCUS online Artikel:
Ich möchte nicht wissen, was der Gehilfe der Einheitspartei bis zum 6. September im Osten noch ausgräbt. Stromleitungen vielleicht? Ach ne, das waren ja die Linksextremen. Die Guten 😉. Ich für meinen Teil benötige definitiv keine Aussagen von irgendwelchen Ämtern, um mir eine eigene Meinung zu bilden.
„Alle anderen Themen wie Einwanderung, Sprachesoterik oder völkisches Gefasel usw. sind irrelevant.“
Wenn sie irrelevant wären, würde man nicht so viel Zeit und Energie darauf verschwenden.
Da man es aber tut, handelt es sich vielmehr um ein Investment. Folglich ist es ein wichtiger Bestandteil der Show. Man muss ja das eigentliche verschleiern…
Daraus resultiert wohlmöglich auch die Abneigung gegen den sog. Islam (oder bestimmte Ausprägungen dessen) – da wird ja quasi offiziell verschleiert.
Während man nun also ach so liberal die Entschleierung des (weiblichen) Körpers fordert und kriegerisch herbeibomben will, treibt man gleichzeitig die abstrakte Verschleierung von gesellschaftlichen Machtverhältnissen voran…