I told you so

Karikatur von Hermann Dyke aus den „Fliegenden Blättern“ gegen Zollschranken und Kleinstaaterei, 1847. (Credits: Universität Heidelberg)
„Das Schutzzollsystem ist nichts anderes als ein Mittel, die industrielle Entwicklung eines Landes auf Kosten der industriellen Entwicklung anderer Länder zu beschleunigen.“ (Rede des Herrn Dr. Marx über Schutzzoll, Freihandel und die Arbeiterklasse, MEW 4)
In der bürgerlichen Presse lese ich: „Der Westen habe seine Industrie auf dem Altar des Freihandels geopfert und lange ignoriert, dass andere Staaten unsere Wirtschaft mit unfairen Handelspraktiken unterminierten. Zusätzlich habe er seine Wettbewerbsfähigkeit riskiert mit hohen Energiepreisen, „um den Klima-Kult zu befrieden“.
Die Ideologie offener Grenzen bringe durch Massenimmigration zudem die kulturelle Identität des Westens in Gefahr, sagte der amerikanische Außenminister. „Die Kräfte zivilisatorischer Auslöschung bedrohen sowohl die USA als auch Europa“, so Rubio.“
Da hat der Rubio natürlich ein bisschen recht. Wer sagt es aber jetzt den deutschen Medien?
It’s the economy. Der Rest ist Feuilleton. Was will uns ein Mitglied des Ausschusses, der in den USA die gemeinschaftlichen Geschäfte der Bourgeoisie organisiert, damit mitteilen?
„Die Herren von der Bourgeoisie, welche das Schutzsystem befürworten, verfehlen nie, das Wohl der arbeitenden Klasse in den Vordergrund zu schieben. Ihren Worten nach zu urteilen, beginne zugleich mit der Beschützung der Industrie ein wahrhaft paradiesisches Leben für die Arbeiter…“ (Friedrich Engels: Schutzzoll oder Freihandels-System, Deutsche-Brüsseler-Zeitung Nr. 46, 10.06.1847 (MEW 4)
Das interessante Stichwort ist natürlich Freihandel. Jetzt ist die Bourgeoisie also plötzlich gegen „freien“ Handel? O tempora! O mores! Man hört Friedrich List im Grabe rotieren!
Der Begriff „Schutzzoll“ ist ohnehin affirmativ, weil er verschweigt, dass nur die Profite einer bestimmten nationalen Bourgeoisie „geschützt“ werden. Gemeint ist ein Mittel, bestimmte importierte Produkte künstlich zu verteuern, weil sie sonst mehr gekauft würden als Güter der einheimischen Industrie. Man kann das Ergebnis natürlich auch bekommen, indem ein Staat Exporte subventioniert – wie das China macht. Beide Methoden sind zwei Seiten einer Medaille. Die letztere funktioniert in den USA nicht, weil die Beteiligung des Staates an Unternehmen im Vergleich weitaus geringer ist. Daher kann auch viel weniger auf lange Sicht geplant werden.
„Altar des Freihandels“ klingt verzweifelt – und ist es auch. Zölle im jetzigen Stadium des Kapitalismus sind der Volkssturm im Kampf gegen den tendenziellen Fall der Profitrate. Das wird nicht funktionieren, es sei denn, die nationalen Kapitalisten in Europa unterwürfen sich freiwillig den Konzernen der USA und ließen sich die deshalb entgangenen Gewinne von den Steuerzahlern erstatten. Auch das würde nicht lange gutgehen.
Die kulturelle Identität des Westens? Was soll das sein? Die Shoa? Das Christentum? US-Interventionen in Lateinamerika? Der Antikommunismus?
Man lehnt sich zurück und beobachtet die Weltläufte mit Interesse und Vergnügen und mit den Worten: Marx told you so.

Ein Freund und ich auf der Jubelparade vor der Gedächniskirche am 27.1.1989
Kommentare
10 Kommentare zu “I told you so”
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…und was leiten wir daraus ab?
Welche kritischen Kommentare sollten darauf formuliert werden?
Welche Handlungen sollten nun folgen?
Seit wann gebe ich den Kapitalisten Ratschläge?
Freier Handel ist nur so lange gut, so lange die eigenen Raffkes profitieren. Wenn man den genzen Seremon ausgelagert hat und erstmal alles mit Regeln dichtgenagelt ist. Ist es halt etwas schwierig da noch Weltmarktfoehrer zu sein.
Kurz gesagt: Freihandel ist super, wenn man der fitteste Sportler im Stadion ist. Nur halt wenn der Rollator nicht mehr so schnell ist…
Ach ja, der Islam scheint auch so ein oder zwei Probleme zu haben. https://youtu.be/bL5FT4Fr1sA
Immer diese Fehl-Interpretation…
Den alternativen Kräften sollst du sie geben…
> Seit wann gebe ich den Kapitalisten Ratschläge?
Weil Sie kein Glück beim Denken haben?
Das Eigene, die Identität ist dem paranoiden Hirn stets bedroht. Es wird zur Natur verklärt statt als Resultat einer Entwicklung =Erziehung gelesen.
Joseph Henrich, Norbert Elias
Beginnend mit dem Verbot der Neffenheirat von nem
katholischen Konzil, weshalb die jungen Leut sich im Nachbardorf umtun mußten und man den Fremden vertrauen (freilich gabs Kontrollen & Sanktionen).
Jetzt soll der korrupteste Staat Europas in die EU aufgenommen werden (die Landwirte werden Danken).
Dem nationalen Kapital ist das Eigene der Profit.
Dem Pöbel wirds als Kultur verkauft.
Die Ideologie des Freihandels kommt von Adam Smith und David Ricardo. Heutige Neoliberale betens immer noch vor und nach.
Marx hat im Vormärz gelebt als Döland noch aus umra 35 Fürstentümern bestand. Damals waren Burschenschaften revolutionär.
Trier wurde von Franzosen besetzt, daher Code Napoleon. Heinrich hat sich als Gerichtsübersetzer zu sehr mit den Franzosen eingelassen so daß er lutherisch konvertierte.
Nach 1871 mußte Frankreich Reparationen zahlen was Döland ein Wirtschaftswunder bescherte. Dort wohnst du jetzt.
Kapitalismus verstehen braucht Marx. Allerdings ist K. ein chaotisches System weshalb ma nix ausrechnen kann.
Staatsplan und Wirtschaftsweise sind beide verpeilt.
Wenn man Marx zitiert sollte man sagen was das für ne WELT war und worums ging.
Ein Abschnitt geht um Getreidepreise. Industrielle wollten billige Arbeiter, Agrarier hohe Mehlpreise.
Konflikt zwischen Faktionen des nationalen Kapitals.
@bentux
Das british Raj hatte Textilindustrie.
Sie mußte vernichtet werden.
Freihändler lieferten Gründe.
Nicht nur Islam hat Problemski.
Auch amerikanische Evangelen.
Faschismus wird als Politreligion beschrieben.
Man siehts in Ukraine und Israel.
Der westliche Kapitalismus ist erschöpft.
Gläubige des Wollens werden nicht schlau draus.
https://www.youtube.com/watch?v=MXxY2qsBYoU
Schönes Foto, Burks, schöner Mantel.
Ja, Burks, hätte 1970 alles geklappt, dann würdest Du jetzt mit Notizblock und behängt mit Orden nebenher von einem wie Fetty laufen und Kuhställe kontrollieren. Oder Dich hätte vorher ein Tschekist erledigt oder einer wie Fetty höchstpersönlich. Natürlich hättest Du auch im Kampf gegen den Klassenfeind fallen können und die hätten Dir eine Büste gewidmet oder eine Panzerbrigade würde jetzt Deinen Namen tragen oder wenn Dir das besser gefällt, eine Schule. Das hat alles nicht funktioniert und Du bist zum Burks geworden.
Dein Problem ist das Du damit Teil dieser „Weltläufte“ geworden bist und Du abhängig geworden bist von Typen wie Merz, Habeck, Macron oder Putin. Wenn Dir das Vergnügen bereitet – ok! Das was Du beschreibst ist allerdings Irrsinn und funktioniert nur in ’schland. So lange Du wie die Opportunisten und Millionäre Bütikofer, Kretschmer oder Trittin Deinen weg nicht verlässt, so lange ist das für mich allerdings in Ordnung. Trotzdem ist es in der heutigen Zeit eine Mischung aus Luxus und Irrsinn, den sich nicht viele leisten können.
Die kulturelle Identität des Westens existiert nicht, aber eine islamische Identität wird in Europa für ein neues goldenes Zeitalter sorgen wie schon zuvor in El Andalus, Baghdad und Istanbul.
Auch der Kapitalismus wird fallen. Ulrike Herrmann von den Grünen hat mit dem Kriegskapitalismus nach britischen Vorbild auch eine gute Alternative ausgearbeitet um das Land durch die Klimakatastrophe zu führen.
Dinge wie staatliche Rationierung von Wohnraum und Tempolimits von 100 km/h für den ICE sind alternativlos wenn wir offene Grenzen und niedrige CO2 Ausstöße beibehalten wollen.
Freihandel ist Fortsetzung des Merkantilismus.
„Reichtum der Nationen“ ist Anspielung.
„Das Kapital“ würde anders sein wenn Engels statt
eine Textilfabrik im Manchester ein Messerwerk in Sheffield gemananged hätte.
„Made in Germany“ meint kauft englisch.
Döland war lange Exportweltmeister.
Die Kirchhoffschen Gesetze besagen daß Quelle
nicht für alle funktionieren kann;
ein Knoten muß Senke sein.
Jetzt funktioniert Exportweltmeister nicht mehr.
https://www.youtube.com/watch?v=Y3HHlElkGw4 Surplus
Sind deutsche Arbeita faul
oder deutsche Manager blöd?
Nationale Kapitalien konkurrieren.