Operation Neptune

operation neptune
Credits: Chief Photographer’s Mate (CPHoM) Robert F. Sargent „Into the Jaws of Death“/Wikipedia

Ein besonderer Tag für die deutsche Geschichte: Man sollte immer dran erinnern, dass die deutsche Volksgemeinschaft sich nicht aus eigener Kraft vom Nationalsozialistischen Wahn hat befreien können, sondern dass es einer zweiten Front in der Normandie bedurfte, um Europa von Deutschland und der Nationalsozialistischen Volksgemeinschaft zu befreien. Bis zur letzten Patrone kämpften die Deutschen für ihren Führer, und nur wenige fühlten sich „befreit“. #DDay75thAnniversary

By the way: Wird der D-Day auch in der Ukraine gefeiert, oder gilt er dort als Trauertag?

Mit Nachsicht

Ulbrichts haus

Wann werden Walter Ulbricht und Erich Honecker für die Nachgeborenen so unbekannt sein wie heute schon (leider) Paul Levi oder Hugo Haase? Diese waren nicht wichtiger als jene, oder nur als schlechtes Beispiel nützlich.

Dazu passt eines der großartigsten, wenn nicht sogar das wichtigste Gedicht in deutscher Sprache:
…Dabei wissen wir ja:
Auch der Haß gegen die Niedrigkeit
Verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.

Ihr aber, wenn es soweit sein wird
Daß der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
Gedenkt unsrer
Mit Nachsicht.

honeckers haus

Ungenießbare Wahrheit

teich
Hier gibt es nichts zu fotografieren ausser Wald, daher ein Teich mit Spinnennetz als Symbol für alles.

– Ich darf das Publikum auf einen Artikel in The Hill aufmerksam machen (für die, die noch rational denken können): „The unpalatable truth in Ukraine“.
„And that leaves only one other conceivable outcome: a fragmented and partly dismembered Ukraine, neither fully part of the West nor entirely within the Russian sphere of influence. A Ukraine fragmented in that the whole of the Donbas and perhaps other territories will be left beyond Kyiv’s control; partly dismembered in that Crimea will remain part of Russia (at least in Russian eyes); and not fully part of the West in that it will not be free to join NATO or even to have a meaningful partnership with the EU. Simply put, this outcome is not only not impossible, it’s not even improbable.“

Well said, dude.

– Das schweizer (ja, das schreibt man klein!) Blog „Infosperber“ ist jetzt in der Blogroll, unter Vorbehalt. Gleich ein interessanter Artikel, der die politische Situation in Lateinamerika zusammenfasst: „Süd- und Mittelamerika: Was in vielen unserer Medien unterging“. Den werde ich mir noch mal in Ruhe zu Gemüte führen.

– By the way: Die Front in der Ukraine Ist jetzt rund 1000 Kilometer lang. Falls sich jemand wundert, warum alles so langsam geht: Das ist unter anderem der Grund.

Merciless und nicht vergessen

kunst

Surprise! Ab und zu kommen vereinzelte Stimmen der Vernunft zum Vorschein (nein, nicht in deutschen Medien), wie zum Beispiel im Guardian. Simon Jenkins: „The EU should forget about sanctions – they’re doing more harm than good – Far from compelling Russia to exit Ukraine, they are causing great suffering worldwide as food and energy prices soar“. Hätte uns doch jemand gewarnt!

Doch halt: Wir haben noch die Tagesschau: „Im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine steigen die Energiepreise. Russland rechnet deshalb in diesem Jahr mit fast 14 Milliarden Euro Mehreinnahmen. Ein Teil des Geldes soll für den Krieg ausgegeben werden.“ Ach?!

Ich habe noch ein Stimmungsbild von der BBC: „I watched from afar Russia’s latest merciless assault on Severodonetsk“. Na sowas. Die Stadt ist schon zur Hälfte in russischer Hand. Das ging ja schnell. Im Ruhrpott fragt man dann: Un gezz?

Ganz ruhig: Wer fragt, verunsichert die Bevölkerung. Und den Abgeordneten des Bundestags erzählt man einfach nichts mehr. Demokratie wird eh überschätzt.

Ich darf übrigens zum heutigen 31. Mai auf mein Posting vom 01.06.20 hinweisen: „Nicht vergeben, nicht vergessen“.

Für diejenigen, die das Thema Krieg und auch den Rest satt haben: Man kann sich auch mit künstlichen Krabbeltieren, die durch Nadelöhre kriechen, beschäftigen. Oder was machen eigentlich die Chinesen? Sie weisen dezent darauf hin, dass man sie wohl kaum boykottieren kann, weil sie Rohstoffe besitzen, die sonst kaum jemand hat. Die deutsche Bahn übertrumpfen sie auch. Vieleicht sollte ich täglich die chinesische Propaganda hier posten, um irgendwann mitfliegen zu können.

kuchen
Ich arbeite noch immer daran, mein Idealgewicht zu erreichen.

Unter doppelten Moralisten

china

Ich darf Christian Y.Schmidt auf Fratzenbuch zitieren: „Links der neue „Der Spiegel“-Titel (mit den schlimmsten Fotos aus den sog. „Xinjiang Police Files“). Rechts eins von vielen Folter -Fotos aus dem irakischen Abu Ghraib-Gefängnis, in denen die Gefangenen von der CIA und der US-Armee gefoltert wurden, wobei auch mindestens ein Gefangener zu Tode kam. Abu Ghraib ist nur ein Beispiel, das für eine unbekannte Anzahl von Foltergefängnissen steht, die von den USA rund um den Erdball betrieben wurden, wobei es wahrscheinlich auch heute noch welche gibt. Enthüllungen erfolgen ja immer erst Jahre später.
Hat man aber je einen Spiegel-Titel gesehen, auf dem der amerikanische Präsident abgebildet war, mit Titel „Folterstaat USA: Deutschlands furchtbarer Partner und Verbündeter“? Diese doppelte Moral ist widerlich.“

Anatomie einer Affäre [Update]

Anatomy of a Scandal

Nein, der Film heißt Anatomy of a Scandal („Anatomie eines Skandals“ auf Netflix). Ich empfehle ihn hiermit wärmstens, obwohl ich alles, was auch nur von weitem nach MeToo riecht, weiträumig umfahre.

Sophies privilegiertes Leben als Ehefrau des Politikers James wird durch skandalöse Geheimnisse ruiniert, als diesem ein schockierendes Verbrechen vorgeworfen wird.

Na ja, das hört sich nicht spannend an. „Skandal“ und „schockierend“ lassen mich nur gähnen. Aber jetzt die guten Nachricht: Der (Gerichts-)Film ist britisch, das heißt: Allein schon das sophisticated elitäre Englisch ist ein wahrhafter akustischer Genuss. Es geht auch nicht so radau- und showmäßig zu wie in ähnlichen Hollywood-Produktionen. Jeder akzeptiert peinlich genau die gewohnten rules, inklusive der lustigen Perücken. „I love the Pomp“ sagt eine der Anwältinnen.

Anatomy of a Scandal

Die heimliche Heldin ist Sophie Whitehouse (Sienna Miller), die auch im realen Leben mit einem Silberlöffel im Mund geboren wurde. Model, Modelabel, Schauspiel, elitäre Sportart, nur Gesang fehlt. Sie ist mir bisher nicht aufgefallen, obwohl ich bestimmt schon enen Film angesehen habe, in dem sie mitspielt. Sie spielte die Ehefrau des American Sniper. Auf jeden Fall ist sie großartig – britische Filme stehen ihr besser. Sie schafft es auch, die Tränendrüsigkeit zu vermeiden, die das Thema – hat mein Ehemann eine Frau vergewaltigt? – mit sich bringt. Mit einem Gesichtsausdruck sagt sie mehr als mit Rumgeheule. Man ist in jeder Lage beherrscht, also British und upper class. Die Miller würde mich noch nicht mal mit ihrer linken Arschbacke angucken.

Anatomy of a Scandal

Die Affäre ist Olivia Lytton, gespielt von Naomi Scott. Mit der habe ich ähnliche Probleme wie mit Andy Allo: Sie sieht so scharf umwerfend aus, dass man von den Dialogen abgelenkt wird. Ich könnte als Boss mit einer solchen Angestellten nicht arbeiten, weil ich immer nur an das Eine dächte, vorausgesetzt, meine Ehefrau würde den Charme und das Lächeln nicht toppen. Vermutlich haben die Scott genommen, um beim Publikum genau den Eindruck zu erwecken, dass kein Mann, auch nicht der Held, ihr auf Dauer widerstehen könnte, wenn sie es darauf anlegte (was hier der Fall ist). Aber auch die kann richtig schauspielern: Wenn sie aussagt, denkt man als alter Mann nicht „was ist die süß“, sondern achtet auf das, was sie sagt und welche Miene sie zieht. Sie macht erheblich mehr mit ihrem Gesicht als Clint Eastwood.

Anatomy of a Scandal

Überzeugend auch James Whitehouse (Rupert Friend) sowie die Staatsanwältin (Kronanwältin) Kate Woodcroft (Michelle Dockery,) die den klassischen Blaustrumpf gibt (kennt jemand das Wort?). Friend verkörpert den klassischen britischen Schnösel („Arroganz ist sexy“), auch seine Eskapaden zur Studentenzeit entsprechen genau dem Klischee, das man von der britischen Oberschicht kennt. Die Dockery hingegen ist unglaublich wandlungsfähig: Sitzt sie in „Zivil“ mit einem Kerl in einer Bar, erkennt man auf den ersten Blick gar nicht die gestrenge und intellektuell brillante Anwältin.

Anatomy of a Scandal

Angela Regan (Josette Simon – „Royal Shakespeare Company, and Royal National Theatre“!) entspricht zwar nicht dem vorherrschenden Schönheitsideal (IMHO – kurze Haare stehen nur Andy Allo und der jungen Wynona Ryder), die Anwältin des Angeklagten, ist zum Glück auch eine überzeugende Schauspielerin, die mit der Dockery mithalten kann. Sie ist nicht nur Quotennegerin da, weil man sonst „zu weiß“ wäre. Ich glaube auch nicht, dass es soviel crown prosecutors und andere attorneys mit afrikanischen Vorfahren gibt, aber in „Anatomie eines Skandals“ spielt die Hautfarbe nicht wirklich eine Rolle – wie es sein sollte!

Ich muss zugeben, dass ich erst einige Folgen gesehen habe, aber garantiert fällt der Plot nicht ab. Man kann sich, wenn man eine Recherche vermieden hat, gar nicht vorstellen, dass eine der Parteien „gewinnt“ -alles ist eine Frage der Perspektive. Das macht die Sache spannend und kompliziert. Redet und vernimmt die Kronanwältin, hält man den Angeklagten für ein Arschloch schuldig; plädiert die Anwältin, glaubt man der Klägerin kein Wort mehr. Wenn ich einer der Geschworenen wäre, wüsste ich nicht mehr, was ich denken sollte.

Sehenswert! (Aber bitte OmU, sonst ist das Quatsch!)

[Update] Das Publikum sehe sich die Infos auf über Sienna Miller gala.de an (jaja). „Monogramie wird überschätzt.“ Offenbar spielt sie sowohl in American Sniper als auch in „Anatomy of a Scandal“ ein bisschen sich selbst: Eine Frau, die den Richtigen einfach nicht findet oder sich über den Mann definiert und das später als falsch erkennt. Auf jeden Fall ist der obige Film das Klügste, was ich bisher zum Thema #MeToo gesehen habe.

Hostilities could have been avoided

Gamingdepurity.com: „Former Japanese Prime Minister Shinzo Abe in conversation with Economist stated that he sees the guilt of Ukrainian President Volodymyr Zelensky at the beginning of the Russian special operation. In his opinion, the position of the Ukrainian leader on the country’s membership in NATO and the refusal to resolve the conflict in Donbass led to it.

The ex-premier expressed the opinion that hostilities could have been avoided by forcing Zelensky to promise that Ukraine would not join NATO or to force him to grant “a high degree of autonomy to two enclaves in the east.”

At the same time, Abe admitted that it would be very difficult to get Zelensky to change his mind, but he could be influenced by US President Joe Biden. “But, Zelensky, of course, would have refused,” the former Japanese prime minister said.“

New Order

Thomas Fischer gewohnt meinungsstark über die „neue Weltordnung“:

„Die Bundesaußenministerin »zeigte sich«, wie man erfuhr, (…) »tief entsetzt«, einmal mehr fassungslos und zudem empört; sie hat deshalb, wie man las, »von Peking transparente Aufklärung gefordert«. Da wird sich Peking sehr gefürchtet haben. Es hat derzeit etwa 22 Millionen Einwohner, also so viel wie NRW, Berlin und Hamburg zusammen. Es funktionierte schon als Hauptstadt, als der Westen noch 200 Jahre auf die Geburt Homers warten musste. (…)

Wenn die Berufung von Staaten auf das Recht tatsächlich nicht trägt, ist das keine Frage persönlicher »Heuchelei« oder individueller Selbstüberschätzung. Es bedarf dann vielmehr einer anderen, tragfähigen Begründung.

Dies ist, was die Bürger des »Westens«, falls dies etwas Inhaltliches bedeuten soll, von ihren Staaten erwarten können und fordern müssen. »Glotze und Bild« und »zeigt sich schockiert« sind erstens inhaltlich, zweitens schön und gut bei Hempels hinterm Sofa, taugen drittens aber nicht ansatzweise für die neue Weltordnung – die, wenn wir die Performance richtig deuten, einfach nur die alte sein soll.“

Cheblis Weisheiten

chebli

Ist das jetzt „kulturelle Aneignung“ oder hat da jemand nicht alle Latten am Zaun?

Offenbar oder: Gute und schlechte Nachrichten

map ukraine
Luhansk battle map (ISW)

Zuerst die [bitte selbst ausfüllen] Nachrichten:

– Putin ist schon fast tot.

– Die russischen Truppen haben nur noch für drei Tage Vorräte.

– Stockt die Invasion? Die russischen Invation stockt! Die Russen können die Ukrainer nicht schlagen.

– High-Tech-Guerilla schwächt die Russen.

– Der Teufel Putin nutzt seine Höllenwaffe und lässt Feuer vom Himmel regnen.

– Russland hat zu wenig Soldaten.

– Die Ukraine gewinnt den Krieg!

map ukraine
Staatsbürgerliche Aufklärung: Tattoos der „Verteidiger“ von Azovstal oder: Gibt es eigentlich Nazis in der Ukraine oder sind das nur Tausende von Einzelfällen?

Jetzt die [bitte selbst ausfüllen] Nachrichten:

– Kissinger rät den Ukrainern, territoriale Zugeständnisse zu machen.

– Russland ist in der Region Luhansk offenbar überlegen.

– Die Russen Russian stoßen östlich und westlich von Popasna vor, um die ukrainische Nachschublinien südwestlich von Severodonetsk zu unterbrechen und die ukrainischen Truppen im Oblast Luhansk vollständig einzukesseln.

– Die Russen erstürmen die nördlichste Stadt in der Oblast Donezk.

– Der Angriff auf die Großstadt Sewerodonezk (100.000 Einwohner) wird bald starten, sobald die Region abgeriegelt ist.

– Russland ist deutlich überlegen.

– Selenskij: Ukrainer sind unterlegen.

– Russland gewinnt im Osten.

Miscellaneous

genderwahnsinn

Gibt es eigentlich wirklich etwas Neues, die Weltläufte betreffend?

– Vor Zoom hatte ich schon gewarnt.

– Computerspiele machen süchtig und gleichzeitig intelligenter.

– Es gibt noch Länder mit Telefonzellen, die scheinen aber eine Ausnahme zu sein.

– Russland erhöht Pensionen und den Mindestlohn.

burks

– Die Uiguren hatten wir schon. Die Platte Propaganda-Textbausteine werden bei Bedarf auch in Zukunft immer wieder hervorgeholt werden.

– Softwareprobleme? Softwareprobleme!

– Ich warte auf den Herbst. Vielleicht ist die Linke dann nicht mehr im Bundestag und Merz Kanzler.

– Die Motivation der ukrainischen Truppen ist wie immer sehr hoch.

– Die Chinesen üben in der Nähe von Taiwan.

– „Homecoming soldiers“ gibt es jetzt auch auf Russisch.

– Viele Deutschen haben einen Knall.

Telefonzelle

Marsch auf [bitte selbst ausfüllen]

roman soldiers

Die Geschichte wiederholt sich usw.. Man muss nur manche Kriegsberichte, die zwei Jahrtausende alt sind, mit anderem Personal heute wiederholen. Ich habe Thomas Fischers Gladius – Roms Legionen in Germanien fast durch und vergebe die maximale Anzahl von Sternchen. 500 Jahre Römer gegen Germanen und umgekehrt – von Caesar bis Chlodwig. Der Titel ist ein bisschen irreführend, weil man auch alles, was es zu sagen und zu wissen gibt, über die Germanen erfährt.

gladius Die Faktenfülle ist schier unermesslich, aber nie langweilig, wenn man sich für das Thema interessiert. Sogar ich, der meint, eine ganze Menge zum Thema zu wissen, konnte vieles lernen und musste auch manches korrigieren. Die unzähligen Sandalenfilme wiederholen immer nur ein Klischee, was Bewaffnung und Outfit angeht: Die Römer übernahmen in Lauf der Jahrhunderte von ihren Feinden aber alles, was praktisch war, bis hin zu runden Schilden, Steigbügeln und Langschwertern. Großartig sind auch die archäologischen Einschübe, was man wo gefunden hat, zum Beispiel im Kammerngrab von Gommern.

Und umgekehrt: Die Germanen imitierten Roms überlegenen militärischen Mittel, die herrschende Klasse stattete ihre Gefolgschaft mit römischen Beutewaffen aus, so dass dieser Vorteil der Römer irgendwann verschwunden war. Schon im Krieg gegen den Markomannen Marbod agierten die Germanen nicht mehr als ein undisziplinierter Haufen. Nur in der Logistik, bei der Artillerie und beim Straßen- und Städtebau blieben die Römer unschlagbar.

Fischers Buch ist für mich besonders dann spannend, wenn man die Passagen über die Spätantike liest, die in der Popkultur so gut wie nie vorkommt oder nur als Bullshit-Hollywood-Bingo. Kennt jemand das germanische Königreich der Sueben – im heutigen Portugal? Wer weiß, dass die ostgermanischen Vandalen ein Reich in Afrika gründeten? Oder die Brukterer, die in der Varus-Schlacht den Adler der 19. Leguon erbeuteten und in der Spätantike den Kern der späteren Franken bildeten, und die bei einem ihrer Beutezüge die heutige spanische Stadt Tarragona plünderten: Die Germanen haben sich endlich als herrschende Klasse über die Struktur des römischen Reiches gestülpt, ähnlich wie es die spanischen Konquistadoren mit den indianischen Reichen in Südamerika taten.

Man könnte auch über die aktuelle Völkerwanderung in Gegenrichtung sinnieren. Damals hätte niemand die Idee gehabt, die Germanen als „Klimaflüchtlinge“ zu bezeichnen, obwohl sie das auch waren. Sie „flohen“ auch vor Krieg, weil die Stämme im Osten, zum Beispiel die Goten, die anderen Gruppen vor sich her trieben. Ich sehe da starke Parallelen, würde aber Shitstorms ernten, äußerte ich diese Meinung außerhalb dieses Blogs das bekanntlich niemand rezipiert.

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Römische Russische Soldaten auf dem Marsch

Protokollstrecken und coordinated inauthentic behavior

waldsiedlung

Ich rekonvaleszenziere hier vor mich hin in Sichtweite der Waldsiedlung. Die, die hier wohnten, werden bis auf wenige Ausnahmen, irgendwann fast vergessen sein. Vielleicht ist das nicht richtig. Zum Beispiel:
Da Axens Tätigkeiten im Politbüro der SED nicht mit den Grundsätzen der Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit zu vereinbaren seien, wurde der Witwe, Sonja Axen, die Entschädigungsrente von monatlich 800 DM, die sie nach ihrem verstorbenen Mann erhielt, 1992 aberkannt. Sie war die Tochter des antifaschistischen Widerstandskämpfers Harry Kuhn.

Nein, so etwas muss man den Nachgeborenen ab und zu unter die Nase reiben. By the way: Das Kunstwerk oben, das ich online nicht finden konnte, gefällt mir – es erinnert mich irgendwie an meine neue Hüfte.

waldsiedlungwaldsiedlung

Die Zeitläufte sind hier weit weg. Ich empfehle aber dringend, sich das Video von The New Atlas anzusehen: „Russian Ops in Ukraine – Ukraine Losing M777 Howitzers, Continues Losing Ground in Donbas“ (in Englisch, ca 23 Minuten). Danach lacht man sich über die Berichte in deutschen Medien nur kaputt. („Formally known as „Land Destroyer,“ The New Atlas provides geopolitical analysis by Brian Berletic (aka Tony Cartalucci) with a focus on Eurasia, based in Bangkok, Thailand.“) Nein, das ist kein russischer Propagandakanal. Das Publikum mag sich selbst ein Bild machen.

Oder auch Time lesen:
„While 141 countries in the UN voted to condemn Russia’s aggression, the number of African, Middle Eastern and South American countries who have imposed sanctions on Russia is 0. (…) …two-thirds of the world doesn’t see the war that we see.“

waldsiedlung

Leadership failures

azovstal

For the mayor of Odessa, the Azovstal fighters are real heroes. “In my opinion, Mariupol saves not only Odessa, but the whole of Ukraine,” said Hennady Trukhanov, according to the Unian agency. “Because this selflessness shown by our military in Mariupol is a true example of heroism.”

Ach. Damit ist es jetzt wohl vorbei. Ich erwarte bald die ersten Filmcrews in den Ruinen, um Postakopalyptisches abzulichten.

azovstal
Source: russische Propaganda und deshalb natürlich voll gelogen

Die Lage? Ich muss zugeben, dass ich mich nicht mehr aus deutschen Quellen informiere. Ein kurzer Überblick über die Themen reicht mir schon, damit ich mich voll Grausen abwende. Komplett Propaganda, nur nicht so offen wie die russische Version, sondern subtil und oft auf die Tränendrüsen drückend. Muss ich nicht haben: Nach dem ersten Satz kennt man den Rest schon.

Wir wollen alle Rüstungsexporte aus Deutschland verbieten. (…) Umbau der Rüstungsindustrie mit guter Arbeit für die Beschäftigten. (Die Linke)

Keine Analyse, nirgends. Keine verlässlichen Quellen, nirgends. Nehmt dies, Linke: Eure Forderungen nützen gar nichts, null. Man verhindert keine Kriege, indem man keine Waffen exportiert. Viel mehr sollten die Linken fordern: Waffen für die Guten! Ich habe nichts gegen eine vergesellschaftete Rüstungsindustrie. Ich fordere das aber erst, wenn die Linke unter fünf Prozent stürzt, was bekanntlich bei der nächsten Wahl geschehen wird.

azovstal
Mariupol, Bahnhof Азовсталь, 1988

Die Lage, revisited? Die Russen sagen: …the Russian army has changed the tactics of military operations in the Donbass. Instead of trying to create one big cauldron for the entire 40,000-strong group of the Armed Forces of Ukraine, now the enemy forces are dismembered, deprived of supplies and beaten in parts.

So, the largest boiler is being created in Lisichansk – there the catch can significantly beat the record of Azovstal. Nearly 10,000 Ukrainian soldiers will be surrounded. If the cauldron takes place, it will be not only a major military, but also a moral victory.

donbass

Ist das realistisch? Ich lese kaum etwas in den Mainstream-Medien über die Motivation der zwangsrekrutierten ukrainischen Soldaten, sehe aber viele Videos von welchen, die sich weigern zu kämpfen oder sich ergeben. Das kann ich nicht verifizieren, es ist aber logisch. Für was sollen die den Kopf hinhalten? Für die Kleptokratie der Ukraine und deren Marionette Selenskij? Die wollen doch nur überleben, und das ist ihr gutes Recht. Ich behaupte immer noch, dass Putin die gesetzen Ziele weitgehend erreichen wird.

russian soldiers
Russische Soldaten bei Sjewjerodonezk

Die Motivationsfrage stellt sich natürlich auch den Russen. Sie fangen an, ihr bestes Gerät aufzufahren, was meine These bestärkt, dass sie sich verschätzt haben, weil sie dachten, das werde ein Durchmarsch. Aber auch der „Terminator“ (unten) wird keine Schlachten entscheiden, wenn die Offiziere Pappnasen sind, korrupt und keine Initiative zulassen, und wenn der Nachschub bröckelt, je weiter die russische Armee vorrückt. Das tut sie:

Russian Airborne (VDV) forces reportedly took control of Volodymirivka and Lypove, and broke through Ukrainian defenses in Komyshuvakha, all north of Popasna. Troops of the Russian ”Wagner” Private Military Company reportedly took control of Trypillya and Vyskrivka to the west of Popasna. (ISW)

russian soldiers
BMPT (auch BMP-T, russisch Боевая машина поддержки танков, Bojewaja maschina podderschki tankow, zu deutsch: „Panzerunterstützungsfahrzeug“

Jetzt die guten Nachrichten. Ich habe zum ersten Mal von Volodymyr Ishchenko gehört, der in in Berlin lehrt. Roman Grabowski, der gerade bei den „Linken“ ausgetreten ist, zitierte mehrere seiner Artikel, u.a.
– Courthouse News: „This is a war of leadership failures at many levels“.

Grabowski fasst das zusammen: Den Angriff auf die Ukraine rekonstruiert er hier als Folge einer dreifachen Krise der Hegemonie im Sinne der „capacity of the ruling class to lead the whole society, not simply to dominate it but to actually present themselves as actual leaders in the development of society“.
Auf globaler Ebene sei es eine Krise der Hegemonie der USA.

Zweitens sei es im Hinblick auf den postsowjetischen Raum eine Krise der Hegemonie nach außen, wo sich Russland durch den Mangel eines „attractive soft power project“, wie sie die USA oder die EU ausüben, auszeichne. Deshalb setze Russland nun für die Machtausübung auf Zwang und Gewalt (“So we should see this invasion as the failure of soft power, the failure of anything like an attractive development project,” he said. “Russia resorts to hard power.“).

Drittens handle es sich aber auch um eine Hegemoniekrise Russlands im Inneren, denn die russländischen Eliten würden von den Bürgern nicht als legitim betrachtet, das Putin-Regime sei grundlegend instabil und paternalistisch-klientelistisch sowie ideologielos („fundamentally unstable system based on paternalism and not on ideology“, „very non-ideological, […] relied on patronage networks, patron-clientelistic relations and […] discussed in concepts like clans, financial industrial groups“).
(…)
„No, the war is in the rational interests of the Russian ruling class. A stronger ideological regime might be an outcome of the war, not the other way round.“ He said Russian elites want to „assert their status globally, to empower themselves regionally and to consolidate their power on the domestic level.“

donbass
„Donbass“ painting by Alexander Deineka, USSR, 1947

Dem kann man vorbehaltlos zustimmen. Ich glaube auch nicht wie die alarmistische Fraktion der Linken, dass in Russland ein faschistischen Regime droht. Dazu sitzt die herrschende Klasse viel zu fest im Sattel, und außer dem städtischen Kleinbürgertum, das politisch irrelevant ist, aber um so mehr in den westlichen Medien abgefeiert wird, empört sich niemand.

Ich mach jetzt wieder Reha.

Wg. Mariugrad

soldier

Im Rahmen der Spezialoperation „Barbarossa“ wurden Soldaten der Wehrmacht aus Stalingrad evakuiert. #wording #propadanda

Wait a minute. Habe ich etwa ein falsches Foto zum falschen Thema genommen?

FYI: Tag 5 nach Operation, et al

mirror
Eine Krankenschwester bei der Morgentoilette (Symbolbild)

Komisch, das Gehen wieder neu lernen zu müssen. Eine meiner Physiotherapeutinnen hat mich vor den Badspiegel hier gestellt und gezeigt, wie ich ein paar Male die Beinchen heben kann, ohne die Schultern schräg zu halten. Ich hatte vergessen, wie das geht. Ich kann sogar das Becken bewegen, obwohl es zum Salsa nie mehr reichen wird. Alles ist jetzt schon besser als vorher, und ich bin guten Mutes.

Gibt es irgendwo eine Website, auf der ich dieses Krankenhaus bewerten könnte? Gerade hat eine Krankenschwester zwei heiße Tassen Kaffee neben den Laptop gestellt, ohne dass ich den gesondert hätte bestellen müssen. Und gestern bekam ich eine Fußwaschung mit anschließender Ölung händisch aufgetragener Creme – auch das hätte das Personal nicht machen müssen.

Einer meiner Operateure sagte mir, er habe mich an dem Röntgenbild meiner Hüfte „wiedererkannt“. Decken die das Gesicht während des Eingriffs ab? Machte Sinn, dass sie sich bei einem hässlichen Mann nicht weniger Mühe geben als bei einem nackichten Model, obwohl die selten neue Hüften brauchen.

urlaub

Zum Glück hatte ich schon im letzten Jahr einen Teil meines Urlaubs eingereicht, ohne zu wissen, dass der Termin für die Operation ausgerechnet im Mai sein würde. Dank Corona könnte man eh nicht genau planen. Ab heute habe ich Urlaub, aber doch nicht, sondern später. Mal sehen, ob das Kapital das auch weiß, oder ob jemand meint herumzicken zu müssen zuungunsten der arbeitenden Klasse.

physiotherapeutin
Eine Physiotherapeutin zeigt mir eine Körperhaltung, die dem muskulären Aufbau dient (Symbolbild)

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Meine temporäre beschränkte Weltsicht, ohne Krankenschwester (Symbolbild)

Wahlergebnisse? Sagte hier jemand Wahlergebnisse? Wer in NRW regiert, wird in 1000 Jahren so wichtig sein wie für uns heute die Schlacht bei Mursa. Oder wie Söldner in der Ukraine kämpfen. Oder wie die Schlacht um Severodonezk.

strümpfe
Hat schon mal jemand versucht, zum Anziehen einfacher Socken Werkzeug zu benutzen?

By the way: Möchte jemand den Russen gutes Essen verkaufen? Oder einen Moskwitch erwerben?

mittagessen krankenhaus
Mittagessen, vermutlich ca. 134 Kalorien, aber mehr brauche ich auch nicht, wenn ich auf meinen Schrittzähler schaue.

And now for something completely different: Deniz Yücel im Interview: „[Bitte selbst ausfüllen] wird dominiert von einem Haufen Spießern und Knallchargen“.
Wer ist gemeint?
[ x ] die Linke?
[ x ] der Deutsche Journalisten-Verband?
[ x ] der PEN?
[ x ] alles?

Freut mich, dass der Kollege wieder Klartext spricht. Wenn er in den DJV einträte, insbesondere in Berlin, könnte er die Textbausteine wiederverwenden. Hier ist gerade ein Mitglied des Vorstands zurückgetreten. Er hat Streikbrecher gespielt hat und wurde von seinen Kollegen (nicht Verbandskollegen) anschließend gegrillt. Auch eine freie Mitarbeiterin beim RBB war einschlägig „tätig“ – um die kümmere ich mich noch, wenn ich wieder fit bin. Der Streikordnung des DJV bestimmt in § 13: Alle DJV-Mitglieder sind verpflichtet, den Streikaufruf zu befolgen. Arbeit in bestreikten Betrieben bzw. Rundfunkanstalten während des Arbeitskampfes ist Streikbruch. Die zentrale Streikleitung kann beim jeweiligen Landesverband beantragen, Streikbrecher aus dem Verband auszuschließen.

Leider war ich nicht in dieser Streikleitung. Ich muss gerade an meinen Gewährsmann Caligula denken. Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen wurde mir zugetragen, dass schon wieder ein paar abgehalfterte Funktionärinnen dort planen, mich irgendwie auszuschließen, weil ich immer so pöhse bin und auf die Satzung poche und Mauscheleien aufdecken möchte Viel Spaß dabei!

ausblick
Vermutlich wird mein Zimmer in der Reha so aussehen, mit Physiotherapeutin (Symbolbild von Van Morrison).

Agitprop oder: Was ist Wahrheit?

pontius pilatus
Mihály von Munkácsy (1844-1900): Jesus vor Pontius Pilatus

Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit? Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. (Johannes 18,38)

Bis zum Jahresende werde die Ukraine wieder die Kontrolle über alle ihre Gebiete zurückerlangen, auch über die Halbinsel Krim, sagt der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes. Und vorher steckt Selenskij noch Moskau in Brand.

Seriously, folks: Wenn man beide Seiten – die russische und die ukrainische Propaganda (die vorwiegend und unkritisch in den „westlichen“ Medien wiedergekäut wird), fühlt man sich wie Pontius Pilatus: Wahrheit? Nirgends. Ich lese nebenher Gladius – Roms Legionen in Germanen und wurde an den aktuellen Krieg erinnert. Brücken – hier und dort, allüberall. Die Römer kannten das: Die „Germanen“ feixend auf der anderen Seite des Rheins. Dann bringen wir den Barbaren die Zivilisation, heiße Bäder, Steinbauten und Steuern und bauen mal kurz so ein Ding über da Flüsschen hier – weil wir es können. Könnt ihr gern kaputtmachen, falls ihr das könnt, was wir bezweifeln, aber dann müsst ihr wieder schwimmen oder paddeln. Ich schweife ab…

pontius pilatus
Jan Lievens (1607-1674): Pilatus wäscht sich die Hände

Ich weise auf total gelogene russische Propaganda Scott Ritter hin, der Anfang Mai auf RT deutsch schriebt: „Die Ukraine gewinnt den Kampf auf Twitter – nicht aber in der Realität des Krieges“. Interessant, weil die Russen – was so gut wie nie vorkommt – selbstkritisch sind und auflisten, was alles schief gelaufen ist. Nur wenige Analysten – einschließlich der Autor dieser Zeilen – haben erwartet, dass ein ernsthafter ukrainischer Widerstand länger als einen Monat andauern wird. Tatsächlich hatte General Milley den Kongress Anfang Februar während einer Anhörung hinter verschlossenen Türen darüber informiert, dass eine umfassende russische Invasion in der Ukraine innerhalb von 72 Stunden zum Fall von Kiew führen könnte.

Das hat bekanntlich nicht funktioniert. Alles deute darauf hin, dass Russland ein Geheimdienstversagen erlitten hat, wie es seit dem israelischen Versagen während des Jom-Kippur-Krieges im Oktober 1973, die Überquerung des Suezkanals durch ägyptische Truppen vorherzusagen, nicht mehr gesehen wurde. Und weiter: Es besteht kein Zweifel, dass die Anwesenheit von Ukrainern in der Asowstal-Fabrik einen Propagandasieg für die Ukraine darstellt. Aber die Realität ist, dass die Stadt Mariupol an Russland gefallen ist.

Natürlich besteht die russische Welt auch aus Wünschen und Wollen: Russland hat die Eisenbahnlinien, die als Versorgungslinien dienen entweder im Auge oder bereits zerstört. Die Wahrscheinlichkeit, dass die ukrainische Streitkräfte die vom Westen bereitgestellten schweren Waffen erhalten und die Front in erkennbarer Stärke erreichen werden, ist praktisch null. Ich halte es aber eher für wahrscheinlich, dass die Motivation der ukrainischen Armee am Boden liegt, zumal viele Männer zum Kämpfen gezwungen wurden.

Realistisch ist die politische Komponente, die gar nicht soviel damit zu tun hat, wer was und wo erobert oder nicht. Der heutigen Analyse des ISW kann ich nur beipflichten: The Kremlin likely plans to annex much of the Ukrainian territory currently occupied by Russian forces—portions of Kherson and Zaporizhia oblasts in the south and the areas of Donetsk and Luhansk oblasts in the east that Russian forces and their proxies control. Moscow may also annex other Kremlin proxy statelets like South Ossetia (in Georgia) and Transnistria (in Moldova).

Wenn die bis dahin eroberten Gebiete dann „zu Russland“ gehören, kann Putin ein neues Fass aufmachen und mit Atombomben drohen, falls jemand versucht, die Krim, Mariupol oder Luhansk und Donezk zurückzuerobern. Dazu ist die Ukraine allein gar nicht in der Lage. Genauso und mit ähnlichen Folgen könnte die NATO versuchen, Königberg einzunehmen. Das wird noch ein paar Monate dauern – der Knackpunkt wird Odessa werden. Ich denke nicht, dass die Russen auf die Landbrücke nach Tiraspol verzichten werden, zumal sie die Luftüberlegenheit haben.

pontius pilatus
George Hinke (1883-1953): Pilatus wäscht seine Hände

By the way: Die beiderseitige Propaganda ist erbärmlich und auf einem Niveau für Teenager. Das gilt auch für Thomas Röper. Ich überfliege das Geschreibsel manchmal, um zu bestimmten Themen selbst zu recherchieren. Wie geht man mit Propaganda um? Doch nicht so, dass man die Konten Alina Lipps und ihrer Familie sperrt? Wie armselig ist das denn?

Das erinnert mich an die Diskussion über meine Nazi-Linksammlung. Man darf auf Solidarität der Journaille nicht hoffen, wenn man nur einen Millimeter vom Mainstream abweicht, und wenn es nur der Tonfall ist, mit Ausnahme derjenigen, mit denen man befreundet ist. Das galt auch für meine Hausdurchsuchung. Im Zweifel ist die Leserschaft dieses Blogs solidarischer als Journalisten. Ich schweife schon wieder ab…

FYI: Tag 1

burks

Tag 1 nach der Operation: Ich kann ohne Krücken stehen und mit Krücken laufen. Schmerzfrei! Meine sonstigen Werte sind alle hervorragend. Die Ärzte nicken, lächeln und sind erstaunt. Sie haben auch schon andere Fälle gesehen.

Am 19. komme ich in die Reha. Wie lange genau – zwei oder drei Wochen – entscheidet sind erst dort. Drei Monate das rechte Knie nicht mehr als 90 Grad beugen und nicht übermäßig drehen.

Was sonst noch geschah: Meine Lieblingsschwester hier, die am häufigsten kommt, sieht so aus, als sei sie einem Titelblatt von Fitness & Beauty entsprungen (den Vergleich mit unanständigeren Magazinen, bei denen es auch um die Form der weiblichen Körper geht, erspare ich mir). Die schlechte Nachricht: Sie könnte meine Enkelin sein, also bleibt das Lechzen der Fantasie vorbehalten und rein platonisch.

Noch eine gute Nachricht, überbracht von einer ebenso liebreizenden, jungen, aber offenbar sehr professionellen Physiotherapeutin: Meine Fehlhaltung sei muskulär und knochenmäßig nicht nötig, könne also, wenn auch mühsam und langwierig, wieder abtrainiert werden. Das hatte eine andere Physiotherapeutin gestern nicht (so) gesehen. Leider wird sie mir nur eine Woche erhalten bleiben.

Verstand zuschalten! Oder: Bösartigkeit muss organisiert werden

sceptic cat

„De omnibus dubitandum“. (Karl Marx)

Nimm dies, [wer sitzt eigentlich der „Linken“ vor?] „Eine Linke, die sich über Zoff nicht freut, sondern ihm ausweicht, ist reif fürs Pflegeheim.“ (Wolfgang Pohrt, zitiert nach Klaus Bittermann: Der Intellektuelle als Unruhestifter: Wolfgang Pohrt)

Ich bin von Pohrts Biografie restlos begeistert, fühle mich aber außerstande, sie zu rezensieren, weil man dazu so viel zitieren müsste, dass es den Gebräuchen krass widerspräche. „Sich zuverlässig in die linken Nesseln setzen“, wie eine Zeitung aus dem Gendersterchen-Milieu schrieb, ist eine höchst erquickliche und notwendige Attitude – ein großer Querulant eben.

Diese Deutschnationalen und Antiimpis sind doch einfach nur verwahrlost. Wo die sind, bin ich nicht.

Pohrt hätte sich sicher auch gegen das Verdikt undogmatischer Linker gewehrt. Ich stimme mit ihm nicht immer überein, aber er ist eben nicht so langweilig wie fast alle, die sich für „links“ halten. Um so alt zu werden, wie heute die 20jährigen sind, hätte ein Mensch früher dreihundert Jahre gebraucht.

In Bittermanns Buch passieren alle Irrungen und Wirrungen der deutschen Linken seit den 68-ern Revue. Vieles kannte ich, aber ich war zu unwissend und zu jung, um damals zu begreifen, um was es ging. Pohrt ist eine halbe Generation älter als ich; das machte in den 70-ern viel aus.

Ein Lesebefehl gilt für die Passagen, die sich mit dem Antisemitismus in der deutschen Linken beschäftigen – und dessen Ursachen. Leider ist es heute noch schlimmer, weil es einen intellektuellen Echoraum gar nicht mehr gibt – die „Diskutanten“ der Jetztzeit sind meistens brunzdumm, tragen Wursthaare, essen vegan, brüllen irgendwas von „Palestine“ und hielten Jesus vermutlich für einen Araber. Mit so einer dämlichen Mischpoke argumentiert man nicht. Wie Pohrt richtig vermutete: Die Zivilgesellschaft, aus der angeblich die Boykott-Bewegung gegen Israel entstand (was eine Lüge ist und Pallywood) ist ein Synonym für brothers in crime. Ich sage nur: Einfach mal den Merkava an der richtigen Stelle parken.

Wenn ich weiß, dass die Natur mir eine übergroße Neigung zu Jähzorn oder Trübsinn ins Erbgut packte, kann ich Präventivmaßnahmen ergreifen, zum Beispiel keine geladene Pistole herumliegen lassen. Oder ich kann meinen Verstand zuschalten, wenn es mich wieder überkommt. Ich sollte meine Marotten, egal ob angeboren oder erworben, als solche erkennen, um die Welt und mich selbst vor ihnen schützen zu können. Zu diesen Marotten gehört wohl auch der Drang, ein Paradies auf Erden zu errichten.

Ich weiß nicht, ob das Werk den Nachgeborenen nützlich sein könnte. Wie es es denn mit Kapitalismus forever? Hat das jemand gelesen, und lohnt es sich?

March of Immortals

unsterbliches regiment

Die Idee finde ich gar nicht schlecht. Beim diesjährigen „Unsterblichen Regiment“ liefen allein in Moskau angeblich eine Million Menschen mit. Auch im Weltraum wurde gefeiert, man trank Stalin-Wein und feierte auch bei Mistwetter.

Man müsste jetzt natürlich über die Funktion der unsichtbaren Masse bei Elias Canetti reden.

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