Investigative Satire oder: Lachen bis zum bitteren Ende

Neue Zürcher Zeitung: „Kabarettsendungen wie «Die Anstalt» oder die «Heute-Show» ernten in jüngerer Zeit zunehmend Lob dafür, dass sie ernste Themen verhandeln. Sie profitieren davon, dass Fernsehnachrichten immer seichter werden. Während die investigative Satire in Amerika abflaut, erlebt sie derzeit in Deutschland einen Aufschwung.“

Wir haben gelernt, dass 89 Prozent der Griechenland-Hilfe im privaten Sektor, bei Banken, Fonds und Versicherungen landeten. (…) Erfährt man das aus den Nachrichtensendungen des Fernsehens? Eher nicht. Oder vor allem: eher nicht so.

Jeder Journalist, der das Wort „Hilfe“ beim Thema Griechenland in den Mund nimmt, sollte ausgepeitscht werden, Aber dann hätte man so viel zu tun, dass man Auspeitscher vom Stabilitätsanker Saudi-Arabien ausleihen müsste.

Politik 2.0

Der ehemalige Pirat Christopher Lauer wird jetzt „Lobbyist“ für den Axel-Springer-Verlag im Berliner Abgeordnetenhaus.
„Tatsächlich ist Lauer bereits seit Jahresbeginn für den Konzern tätig, was aber erst später bekannt wurde. (…) …war laut „Horizont“ bei Projekten und projektübergreifenden Fragestellungen eingebunden“. Dafür wurde er mit Summen zwischen 3000 und 7000 Euro bezahlt.“

Aha. Das finanzielle Sein bestimmt wie gewohnt das Bewusstsein. Übrigens: internationale technologische Trends beobachten und auswerten sowie Impulse für neue Entwicklungen geben“ mache ich hier auch. Ich drücke es nur weniger verschwurbelt aus.

Isn’t Working

capitalism

Lachen ist gesund, aber mehr nicht

mauertote

Natürlich lache ich auch, wenn ich gute politische Satire sehe, wie teilweise in der letzten Heute Show. Aber was kommt dann? Lachen ist gesund, mündet aber nicht in eine revolutionäre Attitude ohne etwas vergleichbar Positives. Satire ist ein Ventil, wie die Charaktermaske des Clowns, das den täglichen Wahnsinn erträglicher macht. In Wahrheit müsste man das Lachen verbieten, dann würden die Leute wütend, was eine adäquatere Attitude im und für den Kapitalismus wäre.

Medien bestärken das, was die Leute eh schon meinen. Daher habe ich die unerträglich kitschige Geschichte auf Zeit online: „Vom Rechtsradikalen zum Flüchtlingshelfer“ kommentiert mit:
Nach „macht Mut“ kommen zuverlässig keine journalistischen Inhalte mehr, sondern Moraltheologie. Man soll sich auch nicht mit der guten Sache gemein machen. Alter Lehrsatz, selten befolgt.

Die sind jetzt natürlich angepisst. Wenn man in Deutschland die Kerzen einer Lichterkette auspustet, wird man gleich öffentlich ausgepeitscht und mit Gemeinschaftsentzug bestraft. (Ganz nebenbei: Das Ministerium für Wahrheit, auch bekannt als „Jehovas Zeugen“, gibt bekannt: „Soziale Ächtung“ heißt jetzt „ein Ausdruck von Liebe“.)

Der Lehrsatz über Medien gilt für jedwede Diskussion über Einwanderer, die teilweise auch Flüchtlinge sind. (Quod erat demonstrandum: So würde es kein Medium in Deutschland formulieren, obwohl es wahr und sachlich richtig ist. Der Diskurs ist eben moraltheologisch und je nach politscher Couleur einbetoniert und vorhersagbar.) Von mir kommt nichts über das aktuelle – und ebenso abzusehende – Drama, was sich zwischen Afrika und Europa abspielt.

Betrachtet man die Diskussion der sogenannten „Ausländerfrage“ in längerer Perspektive, so fällt auf, daß sie seit den 70er Jahren alle vier, fünf Jahre in immer neuen Verwandlungen aufs neue enbrennt und jedesmal so tut, als seien plötzlich ganz neue Probleme aufgetaucht. Tatsächlich aber wird die Debatte um den Zuzug von Ausländern in Deutschland seit etwas 120 Jahren unter den im wesentlichen gleichen Fragestellungen und mit den gleichen Frotnlinien geführt. (Ulrich Herbert: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland: Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, 2001)

Wer sich moralisch empört, was jetzt überall geschieht, handelt unpolitisch. Der Guardian (für mich die beste Zeitung der Welt) schreibt aktuell: „Britain’s criminally stupid attitudes to race and immigration are beyond parody (…) I sometimes wonder if satire has reached a nadir in Britain because British society has itself become a parody of itself.“

Schon klar, auch in Großbritannien wie auch anderswo herrscht hohe politische Pappnasendichte. Aber wer das beklagt, wendet sich an die, die das schon wissen. Pappnasen rezipieren wiederum Medien, die sie bestätigen.

Ein Grund, mit dem Journalismus kürzer zu treten und mich stattdessen in die Belletristik zu begeben, war eben, dass man mit guten Informationen kaum etwas bewegen kann. Im Kostüm der Unterhaltung, so hoffe ich, kann ein Autor vielleicht die Gesetze der Medienrezeption aushebeln und Botschaften unterjubeln, die die Leser, wären diese „korrekt“ verpackt, gar nicht erst konsumieren würden. Das erinnert mich auch schmerzlich daran, dass ich irgendwie die Zeit finden muss, um an meinem zweiten Roman weiterzuschreiben.

Methoden eines hochkomplexen Geheimdienststaates

„Die Methoden eines hochkomplexen Geheimdienststaates, der sich auf flächendeckende Ausspionierung, Überwachung und Morde gründet“. Das ist jetzt ein Rätsel. Wen meinen die? Ich muss die geneigten Leserinnen und wohlwollenden Leser fragen – auf welchen Staat trifft das zu?
[ ] die Ukraine?
[ ] der IS?
[ ] die USA?
[ ] Nordkorea?

Kreisel

kreisel

Wissen die Nachgeborenen, was es mit dem Steglitzer Kreisel auf sich hat(te)? Nur ein paar Satzfetzen von Wikipedia: „Da nach Fertigstellung des Hochhauses kein Mieter für die Büros gefunden werden konnte, zog schließlich das Bezirksamt Steglitz dort ein.“ (…) „bereits über eine Sprengung der Bauruine nachgedacht worden war“ (…) „steigende Baukosten“ (…) „Insolvenz anmelden“ (…) „Bauarbeiten eingestellt“ (…) „Aufgrund einer Bürgschaft in Höhe von 42 Millionen Mark (in heutiger Kaufkraft 60 Millionen Euro) musste der Senat für die Schulden der Architektin aufkommen.“ (…) „hatten dem Bauprojekt leichtfertig vertraut“ (…) „ohne Ergebnis musste der parlamentarische Untersuchungsausschuss seine Arbeit einstellen“. (…) „Asbestfunde“ (…) „Der Leerstand des Steglitzer Kreisels seit 2007 kostet den Berliner Senat jährlich mehr als 700.000 Euro.“

By the way: In (!) der Autobahnbrücke – hoch über dem Verkehr – wohnen Obachlose. Die habe ich aber nicht fotografiert.

Whitewashing the Saudi connection to 9/11

New York Post und The Independent (UK):
The FBI has been accused of covered up alleged ‚Saudi Arabian links‘ to the 9/11 attacks. US newspaper the New York Post reports that the crime agency investigated claims that a prominent Saudi Arabian family had abruptly left the country weeks before 9/11. Details of the investigation were kept from the Congressional committee that looked at the attacks, the newspaper says.

War bestimmt reiner Zufall…

Women’s rights

+972

Meine These war: Wer das Existenzrecht Israels verteidigt, muss nicht automatisch ein Netanyahu-Versteher sein. Ich höre lieber auf die (wie hierzulande: zerstrittene) isrealische Linke. (Credits für die Montage: Lisa Alony)

Media: Watchdog of ratings

+972

Offenbar haben sie in Israel ein ähnliches Problem wie hier mit dem „Klassenstandpunkt“ der Medien. Ich kann übrigens nur immer wieder +972 zur Lektüre empfehlen (in der Blogroll), wenn man sich über Israel realistisch informieren will. Auch in der einzigen Demokratie des Nahen Ostens gibt es eine herrschende Klasse. Man kann also nicht mit „Israel“ solidarisch sein, weil man mit Staaten genausowenig solidarisch sein kann wie mit einem Börsenkrach. „Die“ Isrealis meint zudem auch diejenigen Staatsbürger Israels, die keine Juden sind.

Den Kapitalismus ausbremsen?

Armen Avanessian in der schweizer „Wochenzeitung“:
„Man begegnet heute einer Entradikalisierung bis zum totalen Mangel an Vorstellungskraft. (…) Die Nostalgie prägt auch die Vorstellung davon, wie man politisch aktiv ist: Man geht auf die Strasse, man verbindet sich, der Volkskörper stellt sich her, übt Widerstand und hat revolutionäre Kraft. Nur: Das hat immer weniger Wirkung. (…) Wir müssen lernen, wie Widerstand heute zu leisten ist und wie ein idealer Revolutionär aussieht: Das ist heute kaum mehr Che Guevara mit der Kalaschnikow im Dschungel, sondern ein technologisch informierter Edward Snowden. Die Frage ist doch: Nehmen wir neue Technologien an, und wie können wir sie steuern? Aber sich von Facebook abzumelden, wird nicht helfen. Ich begrüsse es, dass es immer mehr Leute gibt, die keine Lust aufs Flugblätterverteilen haben, es aber durchaus als politisch empfinden, programmieren zu lernen.“

Das scheint ein kluger Mann zu sein. Ich kannte ihn noch gar nicht. Und er lehrt sogar Berlin.

Kauft nicht bei Springer?

antisemitismus von links

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch. Beim Thema Antisemitismus kann man in Deutschland immer lechts und rinks velwechsern:
„Der Zionismus herrscht in Prag.“ (Neues Deutschland, 1968) – „Die Juden herrschen in Prag.“ (Völkischen Beobachter“)

Ceterum censeo: Man sollte auch bei Schweinemedien nicht dazu aufrufen, diese zu boykottieren. Das nützt gar nichts, weil sich niemand davon beeindrucken lässt, der die „Bild“ kauft. Boykottaufrufe sind wie Lichterketten: Sie dienen ausschließlich dem moraltheologischen Binnendiskurs der eigenen Zielgruppe.

Religiöse und andere Dienste

„Seit einiger Zeit untersuchen Soziologen das Phänomen der Entstehung und Entwicklung von Religionen. Der Amerikaner Rodney Stark zum Beispiel betrachtet Religionen nicht – wie manche Atheisten (und wie die meisten religiösen Menschen, wenn sie über konkurrierende Religionen urteilen) – als eine Art Wahn, sondern als Organisationen, die für ihre Mitglieder gewisse Dienstleistungen psychologischer und sozialer Art erbringen und die bestimmte Selbsterhaltungsmechanismen entwickeln, damit sie im evolutionären Kampf bestehen können. Stark hat festgestellt, dass die meisten Religionen bei aller Differenz der Lehre einander in den wichtigsten Zügen gleichen.“

(Aus Alan Posener: Die empörte Republik. Rowohlt E-Book Only: Ein Plädoyer gegen den täglichen Alarmismus)

Lese ich gerade. Ich teile Poseners Thesen nicht wirklich. Das, was er kritisiert, kritisiere ich aber auch, jedoch von links. Ich war schon immer der Meinung, dass Journalisten einen Klassenstandpunkt vertreten, ob sie wollen oder nicht, und dass die gefühlten Leithammel führenden Journalisten das verbreiten, was der herrschenden Klasse nützt. Das sagt übrigens auch die Wissenschaft.

Fatal Police Shooting

Die New York Times zeigt ein Video, wie ein weißer Polizist einen Afroamerikaner ermordet. (Bericht auf Spiegel online)

Krieg im Bett und keinen Sex mit Anwältinnen

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Fefe über den Plan, das Sexualstrafrecht zu verschärfen: „Ich befürchte, dass man in Zukunft auch keinen entspannten Sex mehr haben können wird. Denn wie sehr sich rückblickend die Einstellung zu einer anderen Person ändern kann, dass kann sich jeder tagtäglich beim Scheidungsrichter live anschauen. Die durchschnittliche Ehedauer beträgt 14 Jahre. Vergewaltigung verjährt nach 20 Jahren.“

Ich kann angesichts dieses Gesetzes nur raten, bei jedem Anzeichen von Streit auf Sex ganz zu verzichten – und auf keinen Fall Sex mit Anwältinnen zu haben.

Ganzheitliche Bekämpfung der deutschen Sprache und des Phänomenbereichs Islamismus

Stellenausschreibung des Verfassungsschutzes:
Darüber hinaus erwarten wir:
• die Bereitschaft und Fähigkeit zur Umsetzung eines ganzheitlichen Bekämpfungsansatzes im Bereich Islamismus und islamistischer Terrorismus
• sehr gute Ausdrucksfähigkeit der deutschen Sprache in Wort und Schrift

Ihr solltet erst einmal selbst Deutsch schreiben, bevor ihr das von anderen verlangt.

There’s a Massive, Illicit Bust of Edward Snowden Stuck to a War Monument in Brooklyn

There's a Massive, Illicit Bust of Edward Snowden Stuck to a War Monument in Brooklyn

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Gefällt mir. So muss Kunst sein.

Noch mal Griechenland

Die AK schreibt ganz richtig: „Beim Thema Griechenland lohnt es sich, auf deutschsprachige Medien weitgehend zu verzichten. Zumindest wenn man nicht verblöden möchte“, und verweist auf einen Artikel in The New Yorker: „What Austerity Looks Like Inside Greece“.
For Syriza to stick to its campaign promises, it would have to contravene the rules of its bailout, which could catalyze a series of reactions that would ultimately force Greece out of the euro. Despite growing dissent in the party’s hard-left wing and its activist base, most Syriza leaders, as well as most of the public, oppose an exit because of the economic troubles it would provoke, at least in the short term.

Miszellen zur Armut

„Noch nie war die Armut in Deutschland so hoch und noch nie war die regionale Zerrissenheit in Deutschland so tief wie heute.“ (Ulrich Schneider, Paritätischer Wohlfahrtsverband, laut Welt online, via Ossiblock).
12,5 Millionen Menschen, 400.000 mehr als noch 2012, leben unter der Armutsschwelle von 60 Prozent des mittleren Einkommens.

And now for something completely different, aber wieder Welt online:
Für Präsident Wladimir Putin ist das eine Zäsur. Denn in den bisherigen 15 Jahren seiner Amtszeit (als Präsident und Ministerpräsident) ist der Lebensstandard der Russen fast stetig gestiegen. Zwischen 2000 und 2013 fiel die Armutsquote von 30 auf 10 Prozent. Zugleich wurde die immer besser verdienende Mittelschicht größer.

Staatsbürgerliche Aufklärung at it’s best


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Bitte auch die letzten sieben Minuten ansehen… Dann lacht man nicht mehr.

Was ist da los?

Dem NSU-Untersuchungsaussschuss sterben die Zeugen weg.

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