Virtuelle Affäre

Second Life

Die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser dieses onlindedurchsuchungsfeindlichen und Second-Life-freundlichen Blogs werden sich gelangweilt haben angesichts der Sau, die durchs mediale Dorf getrieben wird. FAZ.net: „Ein Paar aus Cornwall nämlich hat sich scheiden lassen, weil der Gatte fremdging – nicht realiter, sondern in Person seines Avatars, der angeblich einer Second-Life-Sexbombe verfallen war.“ Gulli: „Ein Ehepaar aus der britischen Grafschaft Cornwall hat sich scheiden lassen, weil der Ehemann Dave Pollard mit seinem Avatar im Online-Spiel Second Life einen Seitensprung hatte. Die Ehefrau Amy Taylor ertappte ihren Mann in einer äußerst folgenschweren Situation: Dave Pollard vergnügte sich mit einer Online-Prostituierten in der Welt von Second Life.“ Heise: „Im Februar 2007 habe die Ehefrau ihren Gatten dann aber das erste Mal mit dem Avatar einer Online-Prostituierten erwischt, heißt es, und daraufhin einen virtuellen Privatdetektiv engagiert. Damals sei es noch zu einer Versöhnung gekommen. Seit April dieses Jahres soll ihr Mann zudem eine weitere Damen-Bekanntschaft haben, mit der sie ihn auf dem virtuellen Sofa plauschend ertappt hatte.“

Man merkt schon, dass sich die Medien noch nicht einmal auf den Sachverhalt einigen können. Ich habe mir deshalb die britischen Quellen angeschaut, weil die deutschen bekantlich aus Angst des Redakteurs vor dem Link ihre Quellen nicht verlinken: The Times titelt lustig: „Oh Dave, sex with you in cyberland is unreal“ und schreibt: „I know it’s easy to make jokes about people who live out their fantasies online via geeky computer games that function as alternative worlds. David Pollard and Amy Taylor are, or rather were, one such couple. They are getting divorced because Taylor, 28, caught Pollard, 40, having an online “relationship” with a cartoon person, or avatar, and found the pain of cyber-infidelity too hard to bear.“ Und so weiter.

Der Plot ist nicht neu. Im August 2007 hat ihn das Wall Street Journal schon einmal abgefeiert: „Is This Man Cheating on His Wife?“ Die Story ist hübsch erklärt und bebildert und fast identisch. Ich hatte sie in meinem Telepolis-Artikel „Einsame Herzen 2.0“ verlinkt..

Second Life

Wie an den Screenshots unzweifelhaft zu erkennen ist, gvibt es in Second Life einen Markt für Privatdetektive, die „Scheidungssachen“ bearbeiten. Mein Avatar hat auch eine dieser wenigen Detekteien. Ungefähr ein oder zwei Mal im Monat bekomme ich einen Auftrag, einen männlichen Avatar zum Cybersex zu verführen und einen Beweis-Screenshot der Auftraggeberin vorzulegen. Da ich genug Kontakte zu bildschönen Cyberhuren habe, die das als Lockspitzel für meine virtuelle Agentur gern erledigen, verdiene ich im Durchschnitt zwei bis vier reale Euro pro Auftrag. Ich kann mich jedes Mal kaputtlachen und hätte auch einschlägige Screenshots beizutragen, wenn mein Rechner mit dem Archiv nicht zur Zeit beim Landeskriminalamt stünde.

Man fragt sich natürlich, warum die Geschichte ausgerechnet jetzt wieder auftaucht. Vermutlich ist das einfach Zufall. Man wird zum Zyniker, wenn man sieht, warum welche Meldungen durch die Mainstream-Medien gejagt werden. Von Aufklärung oder Hintergrund-Recherche keine Spur. Ohnehin wurde alles von den englischen Zeitungen abgeschrieben und nichts selbst recherchiert. Der einzige Lichtblick ist ein nachdenklicher Kommentar auf Welt Online: „Bald machen dreidimensionale Projektionen von Menschen die Anwesenheit in ‚Fleisch und Blut‘ entbehrlich: beim Flirten, Debattieren, Therapieren. Die Existenz im Netz bekommt etwas Fluides: Sehnsüchte können unmittelbar und zunehmend gefühlsecht gelebt werden. Dennoch: Wer seine Träume uneingeschränkt nachgeht, muss Treue bald altmodisch finden. Ähnlich wie bei der Flucht in Drogen, erscheinen die Verlockungen unmittelbaren Glücks gefährlich für Menschen, die im Hier und Jetzt ihre Träume stets unerfüllt sehen.“ Naja, Deutscher Kulturpessimismus, und der Vergleich mit „Drogen“ hinkt nicht nur, sondern hat gar keine Beine. Aber man ist ja schon froh, wenn ein deutscher Autor zum Thema Second Life überhaupt nachgedacht zu haben scheint.

Iraq War Ends

The New York Times: „Iraq War Ends – Troops to Return Immediately“. Vgl. aber taz.de: „Eine Aktivistengruppe hat am Mittwoch in mehreren US-Metropolen eine gefälschte Ausgabe der „New York Times“ in Umlauf gebracht.“

Die „Neger“ als ethnische Minderheit

Manfred Hart, Chefredakeur von bild.de, sagte: „Blogger haben für uns den Charme einer Politesse.“ Dann wollen wir mal. Spiegel Online formuliert über die Reaktionen in Frankreich über die Wahl Obamas: „Die Wahl Barack Obamas zum ersten schwarzen Präsidenten der USA wird als fortschrittlich gelobt: „(…) In Frankreich sind ethnische Minderheiten noch immer“. Was zum Teufel ist eine ethnische, d.h. „völkische“ Minderheit? Sind Schwarze – oder wie in den USA gesagt wird: people of colour“ – eine Ethnie oder ein Volk?

Unfreiwillige Selbstkontrolle

Zur Zeit wird die „Sau“ Presserat wieder durchs Dorf getrieben. Nun hört sich der pieselige Verein feierlich an, ähnlich wie Zentralrat der Muslime oder Zentralrat der Sinti und Roma. Der „Presserat kontrolliert künftig auch Online-Journalismus“, heißt es bei Heise. Soso. Macht er das? Und was soll uns das sagen? „Unter die Lupe nehmen“, wie die Frankfurter Rundschau und die Tagesschau die Tätigkeit des zahlosen Tigers Presserat sybillinisch nennen, weil ihnen kein anderer Textbaustein einfiel für das genauer Hinsehen als genau, hört sich an wie das ebenso sinnfreie „das Verfassungsschutz beobachtet“.

Das dazu passende Verbum, das einen Gefühlszustand des Vereins suggeriert, bringt Deutschlandradio: „Der Deutsche Presserat zeigt sich besorgt.“ Ja, das Böse nimmt zu, allüberall und schon seit dem Neolithikum. Der Tagesspiegel erwähnt noch etwas Urdeutsches, ohne dass ein Journalist hierzulande noch nicht einmal aus Klo geht: „Gremium wird auch fürs Internet zuständig“. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen, wenn die Zuständigkeit eines deutschen Vereins für das digitale Universum definiert worden ist. Am deutschen Presseratswesen soll das Internet genesen.

Jetzt aber im Ernst. Der Presserat ist ein „Tarnfirma“ von vier Verbänden, wie in seiner Selbstdarstellung klar zu sehen ist: Dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ, dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverlager (BDZV, dem DJV und „ver.di Fachbeerich Medien (dju)“. Der Presserat ist eine Lobby-Organisation von denjenigen Verbänden, die bis noch vor kurzem das Monopol eines real gar nicht existierenden Presseausweises für sich beanspruchten, bis sie von deutschen Gerichten eines Besseren belehrt wurden. Er sei ein Organ der „freiwilligen Selbstkontrolle“, als gäbe es auch eine „unfreiwillige Selbstkontrolle“. Wessen? Derer, die das mitmachen. Für die, die sich nicht freiwillig kontrollieren wollen, sind die Verlautbarungen des Presserats etwas, womit man den Hobbyraum im Keller tapeziert.

Wenn andere Journalistenverbände auch einen Presserat gründen wären, könnte sie niemand daran hintern. Ich würde den neuen Verein aber Pressezentralrat nennen. Das hörte sich noch toller an. Tun könnte der außer dem obligatorischen Mahnen und Warnen gar nichts. Konventionalstrafen für die Missetäter hätte er auch nicht. Lichterkettenträger aller Medien, vereinigt Euch!

Die Cyber-Legenden von SPIEGEL Online

China-Hacker

Die hiesigen wohlwollenden Stammleserinnen und geneigten Stammleser sind daran gewöhnt, dass ich über mangelnde Recherche in deutschen Medien herumnöle. Eines der so genannten „Leitmedien“ – Spiegel Online – ärgert mich besonders oft mit offenkundiger Schlamperei. Heute lesen wir einen „Bericht“ über angebliche das etwa angestaubte Thema „Chinesische Hacker dringen ins Netz des Weißen Hauses ein“. Diese Sau wurde schon öfter durchs digitale Dorf getrieben – und meistens war die Financial Times die Urheberin – mit immer den gleichen Textbausteinen.

Am 03.09.2007 hieß es dort: „The Chinese military hacked into a Pentagon computer network in June in the most successful cyber attack on the US defence department, say American ­officials.“ Die damalige Meldung wurde gewohnt unkritisch von deutschen Medien übernommen, ohne die Fakten auch nur ein Mal nachgeprüft zu haben. [Ich habe mich auf spiggel.de am 04.09 und am 26.08.2007 darüber lustig gemacht.] Derartige „Berichte“ scheinen immer nach demselben Muster gestrickt: Irgendein Informant aus irgendeinem Geheimdienst steckt irgendeinem Journalisten irgendeine Info, und der publiziert das alles, ohne die Fakten zu recherchieren. Das kommt einem beim dritten Mal dann bekannt vor. Aber irgendetwas von der „China-Hacker-Gefahr“ bleibt hängen.

Im aktuellen Fall hat Spigel Online gewohnt das journalistische Handwerkszeug zuhause gelassen. Erstens ist alles aus der Financial Times übernommen, ohne die Quelle zu verlinken. Dämlicher geht’s nimmer. „Die Zeitung zitiert einen ungenannten hohen US-Beamten“. Ach ja? Und wie viele unanhängige Quellen haben wir zweitens nun für diese These? Noch nicht einmal eine halbe. Dass es „chinesische Hacker“ seien, wird von den üblichen Verdächtigen mit klaren Motiven nur vermutet: „US government cyber experts suspect the attacks were sponsored by the Chinese government, although they cannot say for definite.“ Man weiß also gar nichts. „Auch im US-Wahlkampf soll es Hacker-Angriffe auf die Computersysteme der Wahlkämpfer gegeben haben.“ Soll. Sind wir hier in einer Gerüchteküche oder soll das Journalismus sein? Oder ist Spiegel Online eine PR-Agentur der US-Geheimdienste? Burks suspects that’s bullshit.

„Im Jahr 2007 waren auch in Deutschland Angriffe auf Regierungsrechner verzeichnet worden“. Und das ist ebenso eine Legende aka Lügenmärchen, obwohl es im Indikativ publiziert wird. Dieser „Bericht“ ist so ähnlich „seriös“ wie der groben Unfug, den Spiegel Online zu dem vorgeblichen „Riesige Kinderporno-Skandal“ veröffentlicht hat, obwohl die „Operation Himmel“ sich damals als „Operation Heiße Luft“ entpuppt hat.

Im Herbst nächsten Jahres werden wir den nächsten Artikel von Spiegel Online zum Thema erwarten können: „Chinesische Hacker dringen ins Netz des Weißen Hauses ein. Im November 2008 waren in den USA schon einmal Angriffe auf Regierungsrechner verzeichnet worden.“

Schnell, schnell – die Nachricht muss raus!

Christiane Schulzki-Haddouti schreibt an einem aktuellen Beispiel über die Risiken und Nebenwirkungen des „hyperschnellen“, dafür aber um so oberflächlicheren Online-Journalismus.

Shit and kursiv happen

Spiegel Online war für kurze Zeit ganz kursiv. Tja, wenn das CMS nicht so will wie man selbst will. Sie haben es schnell gemerkt, aber ich war beim Dokumentieren schneller. Vielleicht sollte ich den Screenshot bei ebay versteigern. Mindestgebot: 7000 Lindendollar.

Weltweites Flirt- und Erotikverhalten

Avatar

Stellenanzeige bei newsroom.de: „Es ist der absolute Traumjob….für den Playboy auf Weltreise gehen…um schöne Frauen kennenzulernen. Wir suchen einen freien Journalisten, der für eine große Playboy-Serie weltweit über das Flirt- und Erotikverhalten berichtet.“

Dazu hätte ich einige Fragen: 1. Wie hoch ist das Spesenkonto? Viele Frauen würden bei unmoralischen Angeboten sicher nicht nein sagen, wenn sie nur hoch genug sind. Das verfälschte die „embedded Recherche“ ganz gewaltig. 2. Was ist „Erotikverhalten“? Muss ich mir das Ergebnis so vorstellen: Thailänderinnen sind kuschelig im Bett, poppen gut, neigen aber zur Dominanz im Haushalt, bei Isländerinnen ist es umgekehrt? (Getestet mit 500 Probandinnen in fünf Tagen) 3. Gilt „Weltreise“ auch für virtuelle Welten? Ab 300000 Lindendollar lasse ich mit mir reden. 4. Ihr habt also niemanden, der „erfahrener Reporter“ ist, der über eine „ausgezeichnete Magazinschreibe“ verfügt, der „gern flirtet und reist“ und mehrere Sprachen spricht? Das dachte ich mir. ? 5. Seid Ihr jetzt total verblödet beim Playboy? [Via Shrip’s Inn]

Dr. Roger Kusch Sterbehilfe e. V

„Auf den Fotos, die Roger Kusch auf seine Internet-Seite geladen hat, lächeln die weißhaarigen Frauen.“ schreibt Spiegel online. Wer jetzt irrig vermutet, der URL der „Internet-Seite“ würde verraten, irrt. Das ist ein Geheimnis, das die Kollegin Annett Meiritz für sich behalten möchte, weil die dortigen medieninkompetenten Leserinnen eventuell sittlich gefährdet werden könnten. Deutscher „Journalismus“, wie er leibt und lebt. Hier ist der fehlende Link zum „Dr. Roger Kusch Sterbehilfe e. V.“

Fernsehverbot

Telepolis

Die aktuelle Umfrage in Telepolis zum Fernsehverbot sollte man auf jeden Fall mitmachen, nicht jedoch auf den Link des Verzeichnisses klicken, wie dort vorgeschlagen wird.

Schlechter Online

Stefan Niggemeier (Manuskript eines schlecht vorgelesenen Vortrags auf der DJV-Konferenz Besser Online, Hamburg, 18. Oktober 2008): „Die Verlage und Sender probieren im Internet gerade aus, ob es nicht auch mit weniger Journalismus geht. (…) Der Blogger und Medienvisionär Jeff Jarvis spricht bei dem, was regionale Zeitungsverlegern im Internet machen bzw. nicht machen, von einem ‚fast schon kriminellen Mangel an Innovation‘. (…) Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind die deutschen Online-Medien journalistisch schlechter als ihre klassischen Eltern. (…) Meine Befürchtung ist, wie ich am Anfang gesagt habe, dass das Internet für viele Medienunternehmen – geplant oder ungeplant – eine Art Labor ist, um einmal, halb geschützt von der eigentlichen Marke, auszuprobieren, was geht. Wie weit sich die Kosten und Ansprüche senken lassen. Ob die Leser nicht auch mit unredigierten Texten und bloßen Agenturmeldungen zufrieden geben. Ob sie kenntnisreiche Texte von Fachredakteuren wirklich unterscheiden können von ahnungslos aus verschiedenen Quellen zusammengestrickte Stücke von schlecht bezahlten Online-Praktikanten. (…) Vor kurzem hat Bild.de sogar entdeckt, dass es im Internet die Möglichkeit gibt, auf andere Texte zu verlinken. (…) Das ist mehr als man von den meisten anderen Medien sagen kann, bei denen immer noch der Glaube zu herrschen scheint, dass jeder Link auf eine Quelle die Gefahr bedeutet, einen Leser zu verlieren, obwohl es längst keine Frage mehr ist, dass das Gegenteil der Fall ist. (…) Gerade im Internetzeitalter muss sich der Journalismus professionalisieren. Ich fürchte nur, dass gerade das Gegenteil passiert.“

Ich stimmte Niggemeier zu, würde aber einige Passagen noch schärfer formulieren. Diejenigen, die im bei dem Vortrag zugehört haben, sind auch angesprochen: Bestünde die Journaille geschlossen auf Qualität im Online-Journalismus (ein Königreich für einen Link!), würde sich auch etwas ändern. Mein polemischer Artikel über Online-Journalismus, wie er leider ist und wie er sein könnte, ist ohnehin, wie zu erwarten war, wirkungslos verpufft. Fazit: Es ist noch viel schlimmer, als Niggemeier beschreibt, denn alle machen mit. Und die Leserinnen und Leser sind die Leidtragenden.

Terroristen nutzen Kinderporno-Netzwerke?

secret messagesecret message

Heise.de berichtet: „Wieder einmal heißt es, dass islamistische Terrorverdächtige kinderpornografische Bilder benutzen, um so über steganografisch verschlüsselte Botschaften heimlich zu kommunizieren und Anschlagspläne auszuhecken. Die britische Times berichtet in aufgeregtem Ton, dass britische Geheimdienste und Scotland Yard bei Razzien in Großbritannien auf eine „Verbindung zwischen Terrorplänen und Hardcore-Kinderpornografie“ gestoßen seien.“

Mir gefallen der Artikel und auch der zum Thema in Telepolis sehr, benennen sie doch unmissverständlich den unsäglichen Quatsch, den hyperventilierende deutsche Medien wie Welt online ganz ohne Recherche und völlig kritiklos abschreiben und publizieren. Schande über Welt online: Mit Verlaub, was Ihr Euch erdreistet da auszubreiten, ist ekelhaft und hat mit Journalismus rein gar nichts zu tun. Dabei handelt es sich bei der Meldung in der Times eindeutig im Geheimdienst-Propaganda der übelsten Machart, wie sie hierzulande über die „Online-Durchsuchung“ bekannt ist.

Der Artikel von Heise erinnerte mich an meinen Text auf spiggel.de vom 10.02.2007: „Geheimes Schreiben gegen Schäuble„, in dem ich Steganografie unter Linux vorstellte. Mit ein paar Befehlen kann man Texte so in Bildern verstecken, dass sie kaum gefunden werden. Was Osama bin Laden und andere Terroristen angeblich können, kriegen ich und die wohlwollenden LeserInnen auch hin.

Hier ein Beispiel, die Fotos oben sind das Ergebnis: Das linke Bild ist das Original, im rechten Foto ist ein längeres Zitat aus dem Koran verborgen. Ich habe vorher nachgesehen, in welchen Passagen es um den Jihad geht.

burks@master:~/burksfiles/temp5$ touch osama.txt
burks@master:~/burksfiles/temp5$ echo "Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf. Wenn sie aber bereuen und das Gebet verrichten und die Zakah entrichten, dann gebt ihnen den Weg frei. Wahrlich, Allah ist Allvergebend, Barmherzig;"> osama.txt
burks@master:~/burksfiles/temp5$ zip secretmessage.zip osama.txtupdating: osama.txt (deflated 36%)
burks@master:~/burksfiles/temp5$ cat 181008_2.jpg secretmessage.zip > 181008_3.jpg

Noch Fragen? Jetzt muss Osama bin Laden nur noch hier die Botschaft abrufen. (Was heißt „rechte Maustaste – Grafik speichern“ auf arabisch?)

Immer wieder Köche, nichts als Köche

„Es war alles so unglaublich langweilig.“ (Marcel Reich-Ranicki laut faz.net über den Grund für seinen Frustausbruch bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. (Gelesen auf Welt.de.) Noch mehr Zitate: „Wütend gemacht hat mich, dass fast alle preisgekrönten Darbietungen auf einem erbärmlichen Niveau waren. (…) …zwischendurch immer wieder Köche, nichts als Köche. Es war schrecklich. (…) Kultur kommt im deutschen Fernsehen so gut wie gar nicht mehr vor.“

Bascha Mika: Hurra, wir prozessieren!

„Hurra, wir prozessieren!“ schreibt die taz heute und meint das juristishe Gerangel zwischen Henryk M. Broder und Evelyn Hecht-Galinski. Über ihre eigenen Prozesse findet man leider nichts.

Darüber berichtet gewohnt linkfrei Focus online: „Mit einer einstweiligen Verfügung hat die Chefredakteurin der linken [sic!] ‚Tageszeitung‘ (taz), Bascha Mika, das Interviewbuch ‚Die Vierte Gewalt‘ (Kulturverlag Kadmos) stoppen lassen.“

Auch Hal Faber kommentiert süffisant: „Da gibt es in Berlin eine tageszeitung die von anarchischen Anfängen nach 30 Jahren in einer konservativen Idylle angelangt ist und nur noch gelegentlich auffällt, wenn sie etwa eine Kampagne gegen die blöden Journalisten startet, die ihre Interviews autorisieren lassen. Dabei leistet sich das Blatt eine Chefredakteurin, die kurzerhand mit einer einstweiligen Verfügung, wegen „besonderer Dringlichkeit“ ohne Anhörung der Gegenpartei, die Auslieferung eines Buches über die vierte Gewalt verbieten lässt, weil angeblich eine Autorisierungsabrede nicht eingehalten wurde.“

Leider werden beide Aetikel nicht konkret genug. Focus online suggeriert irgendwie und irgendwo, es gehe um die Frage der sexuellen Orientierung („Outing ist out“), als wenn das etwas bedeutete. Und wenn es eine schriftliche Vereinbarung gegeben hätte, das Interview Mikas autorisisieren zu lassen, hätte es keinen Rechtsstreit gegeben. Bascha Mika „wollte ihr Gespräch am Ende dann doch lieber nicht gedruckt sehen und verweigerte die Autorisierung“, schreibt Focus Online. Bei Heise hört sich das ganz anders an: „In den Hausmitteilungen des Verlegers heißt es dazu: ‚Bascha Mika hatte ihre Bereitschaft zu dem Interview gegeben, dieses auch geführt und später die Transkription des Interviews für gut befunden. Dann jedoch hat sie nach Verstreichen einiger Monate ihre Einwilligung überraschend zurückgenommen.'“ Bei spiegel online wird die Sache noch einmal anders geschildert: „Das Gespräch sei zwar ‚gut transkribiert‘, aber einige Aussagen hätten nichts ‚mit dem Thema zu tun‘, teilte Mika den Autoren mit. Nach einem teils heftigen Mail-Wechsel untersagte sie jede Veröffentlichung und drohte mit dem Gericht, sollten einzelne Aussagen trotzdem bekanntwerden. Als das Buch – inklusive Mika-Interview – jetzt doch erschien, beschwerte sich die Chefredakteurin prompt beim Verleger; schon zuvor übergab sie den Fall ihrem Anwalt. Mika wehrt sich gegen Vorwürfe, das Interview unterdrückt haben zu wollen. Sie empfand einen Interviewer ‚als unseriös‘ und habe kein Vertrauen mehr gehabt.“

Es nervt, wenn man die doch gar nicht so komplizierten Zusammenhänge so wirr geschildert bekommt, dass man selbst recherchieren muss. Zu einem professionell geführten Interview gehört keine Autorisierung. Dennoch kann zusätzlich ein Hintergrundgespräch stattfinden, aus dem dann in gegenseitigem Einvernehmen eventuell nicht zitiert wird. Von einer Chefredakteurin kann man verlangen, dass sie druckreif redet, dass man also die Transkription des Interviews abdrucken kann, ohne das Gesagte noch einmal „autorisieren“ zu lassen. Mir scheint es, als ob beide Seiten sich unprofessionell verhalten haben. Der Verleger hätte nach der Vorgeschichte doch ahnen können, was auf ihn zukommt. Aber wegen dieser Petitessen zu prozessieren, ist einfach nur peinlich.

Bund Heimattreuer Vereinsverbieter oder: Tai chi gegen Rechts

BHJ

Ich bitte die wohlwollenden Stammleserinnen und geneigten Stammleser dieses kleinen libertären und anarchodyndikalistischfreundlichen Blogs, einen neuen Aktenordner für die sofortige ungelesene Ablage anzulegen. Alle Meldungen deutscher Medien, die den Begriff „Verbot“ in politischem Zusammenhang enthalten, sind ab sofort nicht mehr zu beachten und in die Tonne zu treten, weil eine rationale Diskussion nicht möglich ist. Ich hatte mich hier schon über den ärgerlichen Telepolis-Artikel „Schonfrist für den Nazi-Nachwuchs“ echauffiert, der – wie viele andere zum Thema auch – suggeriert, der Staat müsse doch gegen das Böse gefälligst härter durchgreifen, auch bekannt als melden, durchführen und verbieten, wobei die wesentlichen Tuwörter der deutschen Leitkultur umfassend beschrieben wären.

Aktuell geht es wieder um den politisch kackbraunen Verein „“Bund Heimattreuer Jugend“, dessen Verbot laut tagesschau offenbar bevorstehen soll. Derartige Anlässe sind immer eine willkommende Gelegenheit für Hardliner jeglicher politischer Couleur, die urdeutsche Tugend des Verbietens herauszukehren und sich damit als potenzieller Innenminister anzubieten, wie hier der sattsam auch als „Innenexperte“ bekannte Sebastian Edathy, der schon mal in prophetischer Attitude für die nächste große Koalition den Schäuble-Imitator und -nachfolger gibt. „Ein HDJ-Verbot sei überfällig, betonte Edathy.“ Aber klar. Ob das politisch sinnig und effektiv ist, interessiert niemanden. Es wird noch nicht einmal mehr darüber gestritten, was ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass wir es nicht mit Politik, sondern mit bloßer Moraltheologie der ideologisch stromlinienförmigen Mainstream-Medien zu tun haben.

Es findet sich auch unter den zahlreichen Pseudoliberalen im Bundestag niemand (in Worten: niemanden), der den Mut aufbringt, den Sinn des hektischen Aktivismus des staatlichen Antifaschismus zu bezweifeln (sorry für die Genitiv-Girlande). Als hätte es den achtjährigen lichterkettentragenden und daher völlig erfolglosen amtlichen „Kampf gegen Rechts“ nicht gegeben, wird weitergemacht wie bisher. Böse Nazi-Vereine werden durch die Dauerskandal-Truppe Verfassungsschutz den Medien gemeldet, die ein Verbot fordern, welchselbiges dann durchgeführt wird. Ich finde nicht nur Nazis zum Kotzen, sondern auch diese verlogenen „Anti-Nazis“.

„Die Durchsuchungen ’sollen uns Klarheit darüber verschaffen, ob sich die HDJ in aggressiv-kämpferischer Weise gegen die verfassungsmäßige Ordnung richtet oder ihre Tätigkeit den Strafgesetzen zuwiderläuft‘, sagte Innenstaatssekretär August Hanning.“ Die üblichen Verdächtigen. Blabla. Weich gefallen, Herr Hanning? „Am 1. Dezember 2005 wurde Hanning zum Staatssekretär im Bundesministerium des Innern ernannt. Er ist dort für Polizeiangelegenheiten, Angelegenheiten der Bundespolizei, Innere Sicherheit, Migration, Integration, Flüchtlinge, Europäische Harmonisierung sowie die Stabsstellen Krisenmanagement und BOS-Digitalfunk zuständig. Im Zusammenhang mit der Affäre um die Bespitzelung von Journalisten in den Jahren 1993 bis 1998 ist noch ungeklärt, ob auch Hanning von der vor seiner Amtszeit liegenden teilweise rechtswidrigen Observation von Journalisten durch den BND zum Zwecke der Eigensicherung erfahren hat.“ Der rechte Mann am rechten Ort. Der Tagesschau wäre zu empfehlen, zumindest den Wikipedia-Eintrag zu Hanning zu verlinken, um die Leser in die Lage zu versetzen, mit welchen „Experten“ sie es zu tun haben. Aber die Tagesschau verweigert sich bekanntlich dem Online-Journalismus und setzt keine Links in berüchtigte Internet.

By the way: Hannig ist derjenige, über den die preisgekrönte Kollegin Annette Ramelsberger im Oktober 2004 ein bejubelndes Halleluja in der Süddeutschen verfasst hat („Sie loben ihn alle“). Nur wenige Monate danach erschien ihre mittlerweile berühmt-berüchtigte Falschmeldung, für die die „Sicherheitskreise“ sie offenbar ausführlich gebrieft und instrumentalisiert hatten, dass die Polizei und die Verfassungsschützer schon längt „drin“ in unseren Computern seien. Hony soit qui mal y pense.

Aber ich schweife ab. Auch Hannig tut, was man vom ihm erwartet, und sondert die bekannten Testbausteine ab: Der BHJ wende sich „in aggressiv-kämpferischer Weise gegen die verfassungsmäßige Ordnung“. Diese Formulierung hat das Bundesverfassungsgericht vorgeben als Voraussetzung für ein Verbot einer politischen Partei in Deutschland. Nur handelt es sich bei den kackbraunen „Freibund“ aka BHJ gar nicht um eine Partei, sondern um einen Verein, der viel leichter zu verbieten ist. Hanning hätte die schwere juristische Artillerei ruhig in der Garage lassen können.

Auch die Linke („Prüfung eines vereinsrechtlichen Ermittlungsverfahrens“) ist selbstredend nicht besser als die rechten Hardliner: „Die Linksfraktion betont, Ziel der HDJ sei die ideologische Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche im Sinne der Verbreitung völkischer, rassistischer, nationalistischer und NS-verherrlichender Ansichten. Der Verein unterhalte zudem enge Kontakte zur NPD.“ Wie sagte schon Kaiser Wilhelm Zwo sinngemäß und völlig richtig über die damalige Linke: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch deutsche Partei- und Vereinsverbieter“.

Tai chi

Übrigens: „Die Berliner Behörde teilte im Dezember 2007 auf Anfrage des Freibunds mit, dass die Verfassungsschutzberichte der Jahre 2006 und früher ‚keine Aussage (enthalten), dass der Freibund als rechtsextremistische Gruppierung angesehen wird.‘ Eine Aufnahme in den Berliner Verfassungsschutzbericht 2007 sei nicht beabsichtigt.“ Es handelt sich bei der gegenwärtigen Aktion gegen den kackbraunen Verein also wieder um populistische Umtriebe, die so sinnfrei sind wie Tai chi für Avatare (siehe Screenshot unten).

Karl Marx, übernehmen Sie!

Saurier

Man muss als gelernter Linksextremist heutzutage öfter schmunzeln, weil so gut wie alle Thesen von Karl Marx über das kapitalistische Finanzsystem permanent und live verifiziert werden. „Island übernimmt totale Banken-Kontrolle“, schreibt Spiegel Online. Als wenn das etwas hülfe! Es lebe der freie Markt – aber nur solange, wie man satte Profite machen kann. Wenn dann wieder eine hausgemachte Krise kommt, schreit das Finanzkapital nach dem Staat und will sich mit den Steuergeldern der arbeitenden Bevölkerung sanieren. Mir fällt aber auf, dass sich die Journaille jetzt nicht darauf beschränkt, die Situation zu beschreiben und zu erklären, sondern affirmative Kapitalismus-Moraltheologie betreibt. Wenn Journalisten zu viel Politik machen wollen.

Abschreckendes Beispiel: Peter Hahne, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, schreibt in der Mitteldeutschen Zeitung, als ginge es wie im Kalten Krieg darum, denn Bolschewismus im Inneren zu bekämpfen: „Wer die Gunst der Stunde aber zu einer Generalabrechnung mit dem Kapitalismus und der Behauptung nutzen will, der Staat könne alles richten, leugnet die Grundlagen unseres Wohlstands. Das Bankenbeben war nicht die erste, und es wird auch nicht die letzte Krise des Kapitalismus gewesen sein. Wer aber dauerhaften Wohlstand will, braucht freie Märkte.“

Nichtssagende Sätze: „Freie Finanzmärkte“ meint er, weil niemand, auch nicht die Linke, die anderen Märkte abschaffen will. Hahne suggeriert: Kapitalimus bedeute Wohlstand für alle. Die klitzekleine Frage, wo denn jetzt die Krise herkomme, beantwortet er nicht, weil nach Hahnes Ansicht der Kapitalismus eine Art Naturereignis und eine anthrolopogische Konstante ist und ein Bankencrash so unvermeidbar wie Regen oder ein Hagelschauer. „Die Krise gehört zum System“. Ja, ganz richtig, aber die Krise ist kein Bug, sondern ein Feature für das Kapital.

Die Trotzkisten, die ich ungern zitiere, weil Sektierer meistens unrecht haben, schreiben ausnahmsweise völlig korrekt: „Ganz im Gegensatz zu den Behauptungen der Anhänger des ‚freien Marktes‘, dass Deregulierung zu mehr Transparenz führe, ist das Finanzsystem mehr denn je von Täuschung und Verschleierung geprägt. In den letzten zehn Jahren hat das Volumen von Finanzprodukten, die an keiner großen Börse gehandelt werden und völlig unreguliert sind, enorm zugenommen, wobei der Handel mit Derivaten von Aktien und Obligationen zwischen Finanzinstituten stattfindet. Und wenn ‚Wert‘, wie am Beispiel der Bilanz von Bear Stearns zu sehen, durch intern entwickelte Computerprogramme definiert wird, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zum bewussten Betrug. Tatsächlich ist einer der Gründe für die Kreditverknappung das fehlende Vertrauen der Banken und Finanzhäuser in die Angaben ihrer Geschäftspartner, mit der Folge, dass sie sich gegenseitig keinen Kredit mehr gewähren.“

Lassen wir den Altmeister persönlich zu Wort kommen (ich hatte den Satz schon Ende der siebziger Jahre bei der Lektüre angestrichen, als ich noch Tutor in den berühmten Kapital-Kursen Wolfgang Fritz Haugs am Philosophischen Institut der FU Berlin war):“Der Produktionsprozess erscheint nur als unvermeidliches Mittelglied, als notwendiges Übel zum Zweck des Geldmachens. (Alle Nationen kapitalistischer Produktionsweise werden daher periodisch von einem Schwindel ergriffen, worin sie ohne Vermittlung des Produktionsprozesses das Geldmachen vollziehen wollen.)“ (Karl Marx: Das Kapital, Bd.2, 1. Kapitel: Der Kreislauf des Geldkapitals, S. 62)

Das heißt: Das Finanzsystem basisert auf dem Produktionsprozess, nur in dem werden Werte geschaffen. Wer zugibt, wie der deutsche Finanzminister, „dass gewisse Teile der marxistischen Theorie doch nicht so verkehrt sind“, muss auch die Marxsche (Mehr-)Werttheorie akzeptieren. Ein bisschen Marx geht genausowenig wie ein bisschen Schwangerschaft, wenn es sich um die ökonomische Theorie handelt. Wer das Finanzsystem angreift und sich dabei auf Marx beruft, muss auch akzeptieren, dass der Kapitalismus auf der Ausbeutung (im rein ökonomischen Sinn) der Ware Arbeitskraft beruht. Das System des Kapitalismus zerlegt sich nicht selbst, aber zeigt in der jetzigen Krise sein Skelett, das alles zusammenhält – die Ausbeutung eben – mit allen politischen Konsequenzen.

Der Screenshot zeigt Burks‘ Avatar in Second Life – auf einem Symbol des kapitalistischen Finanzsystems sitzend.

Kein Respekt vor Religionen!

„Respect for religion now makes censorship the norm“ schreibt der englische Guardian korrekt. „When publishers are too intimidated to print even novels that may offend, it shows how far we’ve lost our way on free speech“ In Deutschland hat die Aufklärung ohnehin schon verloren. (Übrigens: 3000 Euro zu gewinnen!)

Der Trojaner-Hoax, die Wasweissichwievielte

Online-DurchsuchungIn Telepolis lese ich in einem Interview mit Rechtsanwalt Dr. Fredrik Roggan: „Dass Online-Durchsuchungen in der Vergangenheit aber anderweitig ohne Rechtsgrundlage durchgeführt wurden, steht zweifelsfrei fest.“

Ach ja? Ich wäre doch sehr gespannt, welche Fakten dafür vorgebracht werden können. Dass es keine Rechtsgrundlage gab, in Bayern schon gar nicht, mag unstrittig sein. Aber es gab bisher auch keine real existierenden „Online-Durchsuchungen“.

Mit dem Thema ist es ähnlich wie mit dem Gottesbeweis. Nicht die Atheisten müssen beweisen, dass es keinen Gott gibt, sondern die Verehrer höherer Wesen, dass es einen gibt. Erfreulicherweise kann man an der Chronologie der Medienberichte zweifelsfrei nachweisen, dass alle voneinander abgeschrieben haben und die These, es habe „Online-Durchsuchungen“ im Sinne Schäubles und Zierckes gegeben, schlicht frei zusammengefaselt wurde. Ich darf eine kurze Passage unsere Buches Die Online-Durchsuchung als Appetizer zitieren? (Erscheint am 29. diesen Monats)

Online-Durchsuchung zum Aussuchen
– Sueddeutsche.de (07.12.2006): „‚Es gab bereits Einzelfälle in Strafverfahren, bei denen richterlich angeordnet solche Durchsuchungen stattgefunden haben’‘, sagt Dietmar Müller, Pressesprecher des BKA in Wiesbaden. Das Verfahren sei relativ neu und erfolge ausschließlich in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft und mit richterlichem Beschluss. Aus “ermittlungstechnischen Gründen‘‘ könne Müller nicht sagen, wie die digitale Spionage technisch funktioniert.“
– Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Korte, Petra Pau, Kersten Naumann und der Fraktion Die Linke (22.12.2006, Drucksache 16/3787):
„Seit wann wenden deutsche Sicherheitsbehörden das Instrumentarium des ‚heimlichen Abziehens von Daten auf fremden Computern mittels spezieller Software“ (Online-Durchsuchung) an?“ – „Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse über in Ermittlungsverfahren durchgeführte Online-Durchsuchungen vor.“
– Heise Newsticker (25.04.2007): Bundesregierung gibt zu: Online-Durchsuchungen laufen schon.
„Zur Anzahl der bisher durchgeführten verdeckten Netzermittlungen gab die Bundesregierung keine Auskunft. Dem Vernehmen nach gibt es aber noch Probleme bei der praktischen Durchführung der Online-Durchsuchungen. So soll von Regierungsseite beklagt worden sein, dass so viele Daten gesammelt worden seien, dass man ihrer nicht Herr habe werden können.“
– Tagesschau.de (27.04.2007): „Seit 2005 haben deutsche Geheimdienste nach Angaben des Bundesinnenministeriums knapp ein Dutzend Privatcomputer heimlich via Internet durchsucht.“
– Tagesschau.de (28.04.2007, Wolfgang Wieland im Interview): „Wir gehen auch davon aus, dass das noch nie richtig geklappt hat. Es gab technische Schwierigkeiten. Das Einschleusen hat nicht geklappt..“
– Spiegel Online (09.07.2007, Wolfgang Schäuble im Interview): SPIEGEL: „…wie etwa die heimlichen Online-Durchsuchungen zeigen. Die haben die Sicherheitsbehörden ohne gesetzliche Grundlage jahrelang angewandt. Schäuble: Moment. Es gab einen Anwendungsfall im Inland.“
– Focus Online (05.01.2008): „Reda Seyam klickte laut FOCUS die getarnte E-mail der Verfassungsschützer an und aktivierte so die erste und bislang einzige Online-Durchsuchung in Deutschland.“
– Bundesverfassungsgericht (27.02.2008): „Vereinzelt wurden derartige Maßnahmen durch Bundesbehörden bereits ohne besondere gesetzliche Ermächtigung durchgeführt. Über die Art der praktischen Durchführung der bisherigen ‚Online-Durchsuchungen‘ und deren Erfolge ist wenig bekannt. Die von dem Senat im Rahmen der mündlichen Verhandlung angehörten Präsidenten des Bundeskriminalamts und des Bundesamts für Verfassungsschutz haben mangels einer entsprechenden Aussagegenehmigung keine Ausführungen dazu gemacht.“
– Spiegel Online (01.03.2008): „Die beiden bekannten Fälle von Online-Durchsuchungen wurden gegen den Berliner Islamisten Reda S., der gute internationale Kontakte in die Dschiahd-Szene [sic] unterhält, und einen Iraner geführt, der der Proliferation verdächtigt wurde.“

Aber weil Juristen den Journalisten irrig über den Weg trauen, ist der Hoax aus der Mediensphäre in die juristische Fachliteratur eingesickert. By the way: Ich habe beim Verlag das Buch Roggans „Online-Durchsuchungen“ angefordert bzw. ein Rezensionsexemplar. Es ergab sich folgende hübsche Korrespondenz:

xxxxx@bwv-verlag.de schrieb:
> Haben Sie bitte Verständnis, dass wir Rezensionsexemplare nur abgeben
> können, wenn uns eine feste Besprechung mit genauer Angabe der
> Zeitschrift, in der die Besprechung aufgenommen wird, genannt wird.

Ich weiß nicht, ob Ihnen bekannt ist, dass es auch freie Journalisten gibt, die vorab nicht sagen bzw. bestimmen können, wo eine Rezension erscheint. Aber dann rezensiere ich das Buch „Online-Durchsuchungen“ eben nicht. Sie werden sicher zahllose festangestellte Redakteure kennen, deren Redaktionen das Buch anfordern und sachkundig besprechen
werden.

Mit freundlichen Grüßen
Burkhard Schröder

This way out | Die taz und Second Life

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Heute, liebe wohlwollende Leserin und lieber geneigter Leser, widmen wir uns dem Journalismus an sich, wie er nicht sein sollte und wie man ihn bei der taz studieren kann. Leider müssen wir, obwohl es für das Stammpublikum zum Erbrechen ist, wieder die berüchtigte 3D-Welt Second Life als pädagogisch wertvolles – in diesem Fall abschreckendes Beispiel nehmen. (Außerdem kann man das Thema so schön bebildern.) Anlass: Der Artikel vom 22.09.: „Pleitewelle in ‚Second Life'“. Der Autor ist Dietmar Kammerer, Kulturwissenschaftler und Filmkritiker, der auch ein kluges Buch geschrieben hat, dessen Klappentext sich interessant anhört.

Avatare

Vermutlich, und damit beginnt meine Nörgelei, besitzt er keinen Avatar und hat auch nicht in Second Life recherchiert. Der Screenshot, der seinen taz-Artikel bebildert, stammt von dpa, was uns lehrt, das niemand in der taz in der Lage war, selbst ein aussagekräftiges Bild beizusteuern. Was wiederum eine gewisse Aussagekraft hat. Und siehe da: Die taz gibt sogar zu, dass es sich beim dem Text um kein Produkt journalistischer Recherche handelt, sondern um bloßes Abschreiben aus der Wrtschaftswoche: „Philip Rosedale – Dem Second-Life-Gründer laufen die Kunden davon“, heißt es da. So kommen ohnehin die meisten Artikel zustande. Ich könnte jetzt versuchen, den taz-Text umzuschreiben und den der FAZ oder einer anderen Zeitung anzudrehen. Aber dazu bin ich zu blöd – ich bin kein Kulturwissenschaftler, sondern nur gelernter Altgermanist und blogge ein bisschen.

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„In ‚Second Life‘, dem Tummelplatz für Leute, die ihr erstes Leben lieber vor dem Rechner verbringen, hat die Pleitewelle nun Dimensionen angenommen“, schreibt Kammerer. Schön, dass man dämliche Vorurteile nicht nur am Stammtisch hört, sondern sie in einer vormals „alternativen“ Zeitung nachlesen kann. Die taz ist offenbar ein Tummelplatz für technikfeindliche Journalistik-Azubis, die ihre Texte lieber aus der Wirtschaftswoche übernehmen als die Fakten selbst zu überprüfen. Es geht munter so weiter: „Mark Kingdon, Vorsitzender des Second Life-Erfinders Linden Lab, sieht die Schuld für den massenhaften Exodus im Medienhype, der um die Web-Welt entstanden war. Für einen echten Belastungstest sei Second Life noch unausgereift. ‚Ich empfehle Geschäftsleuten, eher abzuwarten‘, vertraute er dem Focus an.“ Dem Focus. Das ist fast aktuell – der betreffende Artikel (die taz weiß nicht, was Links ins Internet sind) stammt vom 09. Juli. Auch Burks‘ Blog berichtete. Der aktuelle Anlass kann das Interview eigentlich nicht sein. Google hat die Recherche offenbar komplett ersetzt.

Second Life

„Von den weltweit 15 Millionen registrierten Nutzern besuchen nur ein Bruchteil regelmäßig die bunte Inselwelt. Die meisten User melden sich kostenlos an, sehen sich in der optisch eher reizarmen Umgebung um, kommen mit der komplizierten Steuerung nicht zurecht und verabschieden sich auf Nimmereinloggen.“ Ach ja. Haben wir das Fakten, gar eine empirische Basis? Mitnichten. Der Autor faselt einfach irgendwelchen Blödsinn, den er sich nach dem Motto „Die Welt als Wille und Vorstellung“ kulturpessimistisch zusammenerfunden hat. Ein Besuch der Website von Second Life reichte aus, um sich sachkundig zu machen, zum Beispiel in der Rubrik economic statistics: 500.000 aktive Nutzer pro Woche, insgesamt 15 Millionen Avatare (nicht Nutzer – man kann auch mehrere Avatare besitzen). Es ist auch falsch, dass nur 50 Avatare gleichzeitig an einem Ort sein können. Hätte der Autor Links zu seinen (nicht vorhandenen) Quellen gesetzt oder setzen müssen, wäre der Quatsch gleich ersichtlich. Das kommt davon, wenn man sich dem „Online-Journalismus“ störrisch und belehrungsresistent wie ein Lehrer verweigert.

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Ach ja, es gebe Konkurrenz. Die taz schafft es aber nicht, Twinity richtig zu schreiben und vergisst – nur was die Nutzerzahlen angeht – die einzigen ernst zu nehmenden Konkurrenten – Lively und HiPiHi. Was der Autor eigentlich mitteilen will und die Moral von der Geschicht‘ haben sich mir nicht erschlossen. Vielleicht musste man nur das Blatt vollkriegen. Ich empfehle: Schreibt doch beim nächsten Mal einfach aus Burks‘ Blog ab. Auch die hiesigen Screenshots dürfte die taz gratis verwenden – bei ordentlicher Quellenangabe. Dann wäre die taz beim Thema Second Life nicht mehr so optisch und faktisch reizarm.

Screenshots: „Orientation Island“ von Linden Lab in Second Life (1,2), die SIM Cymric (Burks‘ kleines Dampfboot vor der Küste, Mitte, und Burks‘ Strand beim Sonnenaufgang, unten), Hanja Welcome Area, Hangeul, in der Mitte Burks‘ Spinner (2. von unten).

Die Rückkehr des Staates

Zeit

Ich hätte gern das kommentiert, was Jens Jessen, Chef des Feuilletons der gedruckten Zeit, auf Zeit online über das Finanzkapital und über Stamokap reloaded (auch bekannt als: Karl Marx hatte wieder mal Recht) zu sagen hat. „Was man aus den Zusammenbrüchen an der Wall Street lernen muss“. Vor allem eins: Jetzt kennen sich auch Feuilletonisten schon bei Wirtschaftsthemen aus. Ich warte darauf, dass Sportreporter demnächst über die „Online-Durchsuchung“ berichten. Übrigens lausche ich zu Fragen der Ökonomie am liebsten Georg Schramm. Der recherchiert ordentlich und zieht die richtigen Schlussfolgerungen: Willkommen in der Anstalt!

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