Wer uns nicht versteht, ist dumm

Telepolis: „Beobachtungen zum schwierigen Verhältnis zwischen Linken und dem „gemeinen Volk“ am Beispiel der taz“. – „Soziale Probleme werden erst interessant, wenn sie Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund oder LSBTTIQ betreffen. (…) Wenn so manche Menschen, nicht nur aus der Unterschicht, mit den Grabenkämpfen zwischen linken Splittergruppen nichts anfangen können, kommen dafür zwei Gründe in Frage: Entweder sie sind zu dumm dafür oder sie haben einfach andere Probleme, etwa wo das Geld für die nächste Miete oder die Stromrechnung herkommt.“

Meine Rede. Und wer Wörter wie „Migrationshintergrund“ und „queer“ benutzt, die zum Beispiel ältere Menschen gar nicht verstehen, ist auch doof.

FYI: Piraten gegendargestellt

RA Thomas Stadler: „Der ehemalige Piratenpolitiker Christopher Lauer (bis 2016 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses), der mittlerweile der SPD beigetreten ist, hat gerichtlich einen Gegendarstellungsanspruch gegen seinen früheren Parteikollegen Simon Lange durchgesetzt, wegen angeblich unrichtiger Tatsachenbehauptungen Langes in dessen Blog. (…) Interessant an der Entscheidung des Kammergerichts ist der Umstand, dass es sich um ein privates Blog mit nur unregelmäßigen Beiträgen handelt, wobei teilweise über Zeiträume von sechs Monaten hinweg kein einziger Blogbeitrag eingestellt wurde.
Der Gegendarstellungsanspruch ergibt sich aus § 56 Rundfunkstaatsvertrag (RStV).“

Ich teile die Einschätzung Fefes nicht. Das Bundesverfassungsgericht hält bei „Journalisten“ bzw. „Medien“ den Unterschied zwischen „kommerziell“ und „Hobby“ für irrelevant. Wichtig ist nur, dass es der staatsbürgerlichen Aufklärung dient. Auch ein „nicht-kommerzieller“ Blogger darf sich Journalist nennen. Man muss aber dann auch mit den Risiken und Nebenwirkungen leben.

Experts say

Naked Capitalism legt sich mit der Washington Post an, deren Autor Craig Timberg suggeriert hatte, „Naked Capitalism“ sei Teil der Propagandamaschinerie Putins. Die Quelle der Washington Post waren “independent researchers who tracked the operation“.

Schon klar. Die „unabhängigen Experten“ waren PropOrNot – die sind so „unabhängig“ wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Ich würde da auch die Kavallerie große juristische Keule rausholen.

In der Blase und draussen oder: Wahrheit liegt immer im Auge des Betrachters [Update]

meme

Während des Frühstücks nach der Nachtschicht sah ich mich in der Medienblase um.

Warum Trump die Wahl gewonnen hat
Das Magazin (mit recht naiven Statements des Autors): „Der Psychologe Michal Kosinski hat eine Methode entwickelt, um Menschen anhand ihres Verhaltens auf Facebook minutiös zu analysieren. (…) Das Smartphone, stellt Kosinski fest, ist ein gewaltiger psychologischer Fragebogen, den wir konstant bewusst und unbewusst ausfüllen. (…) Ab Juli 2016 wird für Trump-Wahlhelfer eine App bereitgestellt, mit der sie erkennen können, welche politische Einstellung und welchen Persönlichkeitstyp die Bewohner eines Hauses haben. Wenn Trumps Leute an der Tür klingeln, dann nur bei jenen, die die App als empfänglich für seine Botschaften einstuft. Die Wahlhelfer haben auf den Persönlichkeitstyp des Bewohners angepasste Gesprächsleitfaden bereit. Die Reaktion wiederum geben die Wahlhelfer in die App ein – und die neuen Daten fliessen zurück in den Kontrollraum von Cambridge Analytica.“

Schon klar. Das ist nicht neu. Steht genau beschrieben (fast wörtlich) bei Stefan Schulz: Redaktionsschluss: Die Zeit nach der Zeitung.

Frage: Warum machen die Linken nicht so einen Wahlkampf? Wenn sie sich dem verweigern, werden sie gnadenlos untergehen. Just saying.

[Update] Lars Fischer nimmt das auf Scilogs mal auseinander.

Obligatorisch: Katzenbilder

And now for something completely different Katzenbilder.

Divida et impera

And now for something completely different. The Intercept: „Hillary Clinton’s “Corrupt Establishment” Is Now Advising Donald Trump“. Wer hätte das jetzt gedacht? In den deutschen Medien jammern immer noch die Clinton-Groupies herum, (vor allem in der taz und anderen neokonservativen Blättchen). Die kapieren es nicht. Trump oder Clinton – das sind nur verschiedene Fraktionen der herrschenden Klasse der USA. Und nichts anderes ist interessant.

Unter Schnappatmenden

Was ist eigentlich Schnappatmung? Henryk M. Broder zitiert die Aachener Zeitung: „Zunahme von Krätzefällen in der Region“. Die Zeitung frage: „Gibt es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg von Krätzefällen und der Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr? Es ist kein Geheimnis, dass Immigranten während ihrer Flucht und danach teilweise monatelang unter beengten Bedingungen gelebt haben. Bedingungen, unter denen sich Krätze gerne ausbreitet.“

Ja, warum sollte man sich darüber aufregen? Damit hätte man rechnen müssen und sich vorbereiten können. Broder ist natürlich ein begnadeter Polemiker, der genau weiß, auf welche Knöpfe man drücken muss, um bei seinen „Freunden“ Schnappatmung auszulösen wie bei einem Pawlowschen Hund. Seine Überschrift lautete: „Wir bekommen die Krätze geschenkt.“ Man kann Broder gar nicht verteidigen, weil gleich der irrationale Beißreflex folgt(e): Broder suggeriere den bekannten rechtspopulistischen Textbaustein „man wird doch doch noch sagen dürfen.“ Mitnichten. Wahrheit liegt immer im Auge des Betrachters.

In Wahrheit macht Broder sich über die lustig, die Einwanderer und Flüchtlinge pauschal als Geschenk bezeichnen, womöglich als eines der Vorsehung oder eines höheren Wesens. Das ist so grober Unfug. Flüchtlinge sind einfach da, und unsere herrschenden Klasse und ihre ökonomischen Helfershelfer haben kräftig dazu beigetragen, dass sie ihre Heimat verlassen mussten und immer noch müssen.

Was noch beim Frühstück? Irgendwas mit Medien

focus

Ja. Focus eben. Warum sollte ich mich echauffieren? Ich erwarte nichts anderes. Es ist Kapitalismus, Honey. Gesetzmäßige Charaktermasken, Honey. Nothing personal. Der Journalismus ist tot, mausetot. Die Idee, dass die Bevölkerung „aufgeklärt“ werden könne und womöglich sogar „objektiv“, war von Anfang an eine Lebenslüge. Journalisten vertreten ideologisch die Klasse, aus der sie stammen, also mehrheitlich die Kleinbourgeoisie, und neigen dazu, die Interessen der herrschenden Klasse als die Interessen aller zu verkaufen. Das sagt die Wissenschaft, und das will natürlich niemand hören. Die Devise ist einfach: Weiter so, es wird schon niemand merken. Das stimmt auch innerhalb der Blase (inklusive Fratzenbuch).

Im Kapitalismus gibt es keine Objektivität, auch nicht, wenn man audiatur et altera pars ernst nimmt. Und die Rezipienten schert es eh nicht.

Was macht eigentlich die Arbeiterklasse?

Und nun verlassen wir die Blase und wenden uns der Realität zu. Gestern Nacht habe ich lange einem Kollegen zugehört, der, wenn man ihm die richtigen Fragen stellt, sich gern unfreiwillig als dumm und rechts outet, ohne das zu merken. Das macht aber nichts. Man muss den Leuten zuhören (nein, ich habe nicht gesagt, man müsse mit ihnen diskutieren). Man lernt viel. Kleinbürgerliche Arroganz – die typische Attitude von Journalisten gegenüber dem Proletariat – ist fehl am Platz.

Der Kollege erzählte mir, wo er schon überall gearbeitet hat, quer durch Deutschland, immer auf der untersten Stufe der Lohnskala und fast immer als Leiharbeiter. Spannend, das geschildert zu bekommen. Das nur, weil irgendwelche Pappnasen hie und da behaupten, die Arbeiterklasse existiere nicht mehr. Ach ja? Wisst ihr, wie und wo die Plastikverschlüsse von Shampooflaschen hergestellt werden? In welchen Fabriken? Wie arbeitet man da? Wo und wie werden Rasierklingen gemacht? Wo und wie Herzkatheter? (Nur ein paar Beispiele.)

Die Arbeiterklasse ist überall, aber sie existiert weder in der Medienblase noch in den Medien. Wenn das Proletariat vorkommt, zum Beispiel im „Tatort“, dann nur im pseudoromantischen Bergarbeitermilieu (das es kaum noch gibt). Oder habt ihr schon mal einen Stahlarbeiter oder Bauarbeiter im Film oder als Filmheld gesehen?

Ich habe einiges gelernt. Was wäre aber, wenn es zum Beispiel einen Streik im Sicherheitsgewerbe gäbe? Dann muss man die Leute überzeugen, die oft und unstrittig nicht besonders clever sind (um es vorsichtig auszurücken). Mit Gendersprech, Ökologie, Veganismus-Asketismus und anderen Lifestyle-Themen kommt man nicht weit. Klassenbewusstsein fällt auch nicht immer vom Himmel. Man muss seinen Weg gehen.

Elitefeindlich

Die FAZ (Don Alphonso) schreibt über das „alternativ konservative Portal Breitbart“ (das, ist so gefährlich, dass man es nicht verlinken darf).

Die FAZ kategorisiert: „typisch für den elitenfeindlichen Ansatz von Breitbart“. Was soll denn das sein? Ist die „Elite“ die herrschende Klasse? Oder nur die gefühlte Elite wie die FAZ-Redakteure? Oder das pöhse Finanzkapital? Und wieso fällt mir jetzt Uwe Krüger ein: „Wie eng verbunden sind deutsche Spitzenjournalisten mit anderen Eliten unserer Gesellschaft? Und spiegelt sich die Verbundenheit zwischen Top-Journalisten und anderen Eliten auch in der Berichterstattung wider?“

Ich bin übrigens als Linksextremradikaler auch „elitefeindlich“. Und was machen wir jetzt damit?

Und raus bist du oder: Presseausweis nicht mehr ganz kaputt

Meedia.de: „Deutscher Presserat und IMK beschließen Wiedereinführung des bundeseinheitlichen Presseausweises“.

Zu den wahren Hintergründen (die meedia.de verschweigt) vgl. Burkhard Schröder in Telepolis (2007): „Die Innenministerkonferenz will den „amtlich anerkannten“ Presseausweis abschaffen. Das Gezerre um den begehrten Ausweis entlarvt aber auch die Lebenslüge des organisierten Journalismus in Deutschland“.

Es geht natürlich nur um das liebe Geld und um Pfründe. Recherche kann man von Meedia.de nicht erwarten. Also muss ich hier ein paar harmlose Fragen stellen: Wer sitzt im Trägerverein (Verein!) des Deutschen Presserats? Wer entsendet wie Leute dahin? Ich weiß es, sage es aber nicht.

Guckst du auch bei Wikipedia:
Der Deutsche Presserat, eingetragen als Trägerverein des Deutschen Presserats e.V., ist eine Organisation der großen deutschen Verleger- und Journalistenverbände Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Verband Deutscher Zeitschriftenverleger e. V. (VDZ), Deutscher Journalisten-Verband (DJV) sowie Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di.

Das Wort „großer“ ist natürlich nichtssagend und Lobbyisten-konform. Ist zum Beispiel Freelens im Presserat, die eingeklagt haben, dass sie auch den damals noch „bundeseinheitlichen“ Presseausweis ausstellen durften? Na? Ach, nein? Oder der Deutsche Fachjournalisten-Verband? Nein? Dann wartet mal ab, was jetzt passiert.

In der Komfortzone

Telepolis legt sich mit der „Tagesschau“ an: „ARD-aktuell verschweigt al-Qaida in Aleppo. Für Chefredakteur Gniffke ist Telepolis zunächst „keine seriöse Quelle“, er korrigiert dies aber später.“

Muahahaha.

Begleitende Vorwürfe, geraucht

Spiegel online über Jeff Sessions, den designierten Justizminister Trumps:
Er war mit Abstand der erste Senator, der dem Außenseiterkandidaten Trump seine Unterstützung zusicherte. Der 69-Jährige, der seit 1996 den US-Staat Alabama im Senat vertritt, gilt als einer der konservativsten Senatoren. Er fiel immer wieder durch seine harte Linie beim Thema illegale Einwanderer auf. Rassismusvorwürfe begleiten seine Karriere und sorgten dafür, dass der Senat in den Achtzigerjahren seine Ernennung zum Bundesrichter blockierte. Über den Ku-Klux-Klan soll er gesagt haben: „Ich fand sie ganz okay, bis ich erfuhr, dass sie Marihuana rauchen.“

Ich nenne das gelogen. Es gibt auch andere Quellen:
Sessions’s actual track record certainly doesn’t suggest he’s a racist. Quite the opposite, in fact. As a U.S. Attorney he filed several cases to desegregate schools in Alabama. And he also prosecuted Klansman Henry Francis Hays, son of Alabama Klan leader Bennie Hays, for abducting and killing Michael Donald, a black teenager selected at random. Sessions insisted on the death penalty for Hays. When he was later elected the state Attorney General, Sessions followed through and made sure Hays was executed. The successful prosecution of Hays also led to a $7 million civil judgment against the Klan, effectively breaking the back of the KKK in Alabama.

Ich fand Spiegel online ganz okay, bis ich erfuhr, dass sie dort komisches Zeugs rauchen.

Conquer or die und die freie Presse

Newsweek zitiert Putin: „‚Everyone knows that there is a big difference between election rhetoric and real policy, practically in every country,‘ he said, according to state news agency RIA Novosti. ‚When it comes to the statements of Mr Trump that he would like to bring companies to the U.S. and ensure jobs in his own country, what is wrong with that?'“

Echt jetzt? Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was ein Politiker im Wahlkampf sagt und dem, was er danach wirklich tut?

'Hail Trump!': Richard Spencer Speech Excerpts

Das Video wird von YouTube eingebettet und erst beim Klick auf den Play-Button geladen. Es gelten die Datenschutzerklärungen von Google.

Und nun zu uns, Nazis, die ihr gekleidet seid wie Professoren der Volkswirtschaftslehre, FDP-Funktionäre, AfD-Pappkameraden und eben Nazis! Wenn ihr schon so ausseht wie Burschenschaftler oder typische Studenten in der Weimarer Republik, die ja bekanntlich auch mehrheitlich für die Faschisten stimmten (was hierzulande auch bald wieder so sein wird), dann tragt doch bitte auch zum Hitlergruss die passende Frisur und mitnichten einen Pferdeschwanz! Der ist nur für Erzlinksradikale wie mich erlaubt! Und ganz unter uns: Es ist erlaubt, deutsche Journalisten zu verhauen, wenn diese wieder mal „Skinheads“ sagen, aber „Nazis“ meinen.

Vielleicht muss man, um die Deutschen zu verstehen, wirklich immer wieder Tuvia Tenenbom lesen:
Ich bin zurzeit in Deutschland, wo – einigen Umfragen nach – nur vier Prozent der Menschen für Trump sind. Vier Prozent! (…) …fragte ich mich, ob diese Menschen, die sich selbst als Hüter der freien Presse in Deutschland bezeichnen, das Konzept der freien Presse überhaupt begriffen haben. Sie wollen, dass ich zuhöre und aufschreibe, was sie sagen, aber sie wollen nicht durch Nachfragen herausgefordert werden. Ist da überhaupt ein Unterschied zwischen ihnen und Erdoğan? (…) Sowohl in Deutschland als auch in den USA bin ich von Menschen umgeben, die ich nicht mehr verstehe. Sie schwören mir, lupenreine Demokraten zu sein, aber agieren wie die letzten Diktatoren. Sie erklären sich zu den Vorkämpfern der freien Presse, haben aber größte Schwierigkeiten, ihren eigenen Ansprüchen zu genügen.

Wie recht er hat. Er kann ja von Glück reden, dass ihn niemand aufgefordert hat, die Statements während der Party von der Obrigkeit absegnen autorisieren zu lassen.

Tatsache ist, dass die Wähler weder Clinton noch Trump persönlich kennen, und wenn sie ihre Stimme für jemanden abgeben, dann tun sie das auf Basis des Abbildes, das die beiden von sich erzeugt haben, und sie wählen das Bild, das sie selbst am besten widerspiegelt. In den meisten US-Staaten haben sie sich für das Trump-Bild entschieden.

Wieso lese ich so etwas Wahres und Kluges nicht in deutschen Medien? Weil die sich viel zu ernst und wichtig nehmen und gar nicht merken, dass sie nicht die Realität abbilden, sondern nur einen Bruchteil davon, gefiltert durch den eigenen Klassenstandpunkt (den es, fragte man eben diese Medien, gar nicht gebe).

Gilt als Lumpenjournalismus oder: Operieren am journalistischen Rand

Henryk M. Broder über „investigativen Journalismus“ und Verdachtsberichterstattung. Lest selbst. Er hat Recht. „Gilt als“ gilt in Deutschland als „Recherche“ – der Bezug auf die eigene Meinungsblase reicht offenbar, um gleich aus einer vagen Vermutung ein Faktum zu konstruieren.

Sehr geehrter Herr Broder, wie Sie ja selbst schreiben, heißt es im Text nicht, er IST Antisemit, sondern „er GILT als Antisemit“ bzw. „operiert am antisemitischen Rand“.

Broder: „Immerhin gibt Rösing zu, dass er aus US-Medien abschreibt. Er hat kein wörtliches Zitat zur Hand, seine Kronzeugin ist Bannons Ex-Frau, die vor zehn Jahren etwas ‚zu Protokoll‘ gab, das Bannon bestreitet. Nach meiner Auffassung rechtfertigt so eine Arbeitsweise die Bezeichnung ‚Lumpenjournalismus‘. Rösing mag das anders sehen. Dann steht es eben Aussage gegen Aussage.“

Habe ich schon gesagt, dass ich die gegenwärtige Situation in den USA äußerst spannend finde? Recht unterhaltsam ist auch die Attitude vieler Journalisten hierzulande, verschiedenen Politikern im Umfeld Trumps so schnell wie möglich Etikette wie „Rassist“, „Antisemit“ usw. ankleben zu wollen. So einfach ist das nicht.

Trump selbst ist kein Antisemit, auch wenn zum Beispiel der Spiegel offenbar garn das Gegenteil sähe und die Washington Post beim Thema zurückrudert und von „Untertönen“ spricht. Jedenfalls nützt er Israel vermutlich weit mehr als es eine Präsidentin Clinton getan hätte.

Trumps Tochter ist bekanntlich zum Judentum konvertiert, was aber natürlich noch nichts heißt.

Jedenfalls haben sich die Koordinaten, mit Hilfe derer deutsche Medien Personen eintüten, so verheddert, dass man sich köstlich amüsieren kann.

Programmatic Advertising

Testbericht.de: „‚Programmatic Advertising‘ – das Hintertürchen für die Fakes – 100 deutsche Nachrichtenportale im Test“.

Bruhahaha. Die weisen 100 Mainstream-Medien („tablierte, seriöse Nachrichtenportale“) nach, dass diese Fake-Nachrichten verbreiten – via Werbung (Vgl. auch Meedia).

Wer hätte das jetzt gedacht?!

Sich geschickt platzieren

Das Ministerium für Wahrheit informiert: „Opportunismus“ heißt jetzt „sich geschickt platzieren.“

Ich weiß. Ich platziere mich immer sehr ungeschickt.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

clickbaiting

Screenshot: Symbolbild für den Zustand der Branche. Für diesen Clickbaiting-Müll auf einer Medien-Website soll ich noch Geld bezahlen? Geht sterben!

Die Keylogger-Affäre bei der taz landet jetzt vor Gericht.

Rein zufällig stieß ich auf den Recherche-Artikel der taz (Juni), den ich damals überlesen hatte. Jetzt habe ich mich noch einmal die Details vertieft. Die Recherche ist sehr interessant, verschweigt nichts und zeigt viel über den Alltag in Redaktionen.

Er ist einer der wenigen Autoren, die Leserkommentare auf taz.de regelmäßig beantworten. Wo er auch auftritt, signalisiert seine selbstbewusste, manchen auch zu arrogante Haltung: Ich habe alle Argumente gewogen, und ich habe die besseren auf meiner Seite.

Das entspricht auch genau meiner Attitude. Just saying. Gefällt mir. Wer recht hat, gilt automatisch bei Kleingeistern als arrogant. Meine Schwester wollte mir ein T-Shirt schenken mit der Aufschrift: „Ich bin kein Klugscheißer – ich weiß es wirklich besser.“

Ich muss zugeben, dass mir das Motiv des namentlich genannten Täters relativ schleierhaft bleibt. Immer die erste Frage: wovon lebt er? Er hat geerbt und offenbar ausgesorgt. Am sein Ansehen musste er sich auch keine Sorgen machen – er war ein herausragender und guter Journalist.

2014 tritt er bei der Vorstandswahl der taz-Genossenschaft mit dem Versprechen an, Haushaltsentscheidungen des Vorstands künftig allen KollegInnen transparent zu machen und sie darüber abstimmen zu lassen. Er erhält nur 16 Stimmen.

Ach ja? Wer Transparenz verspricht, wird nicht gewählt? Das kenne ich aus dem DJV. Die Gruppendynamik bei der Vereinsmeierei ist wohl überall vergleichbar.

Die damalige taz-Chefredaktion entscheidet schließlich, den Text zu drucken. Ein Aspekt wird dabei gegen Sebastian Heisers Willen ausgeklammert. Es geht um Erlebnisse, die er zu Beginn seiner Karriere in der Beilagenredaktion der Süddeutschen Zeitung gehabt habe. Er will nun auch darüber berichten, dass damals Beiträge auf Wunsch der Anzeigenabteilung verändert worden seien. Diese Geschichte hat er zuvor schon anderen Redaktionen angeboten. Doch niemand will sie veröffentlichen.

Das hat mich immer am meisten geärgert in der Branche: Letztlich entscheiden Juristen darüber, was publiziert wird oder nicht. Und eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Sex? Für den Geschmack mancher Praktikantinnen sucht er zu viel Nähe, aber auch nicht in einem Maße, das als grenzüberschreitend empfunden wird. Voyeurismus also eher nicht.

Geheimdienste? Der Kollege wird nie wieder in der taz gesehen. In seinem Schreibtisch hinterlässt er Rechercheunterlagen, einen Beutel Traubenzucker und eine Verfassungsschutz-Broschüre mit dem Titel: „Spionage. Sind auch Sie gefährdet?“ Schöne Ironie, aber zu dünn.

Meine Arbeitshypothese: Macht korrumpiert. Macht kann auch bedeuten, dass man zu etwas in der Lage ist, was die anderen nicht können: Mit Keyloggern umzugehen. Die Moral von der Geschicht‘: Wer Macht hat, missbraucht sie, auch wenn er oder sie einer von den Guten ist und auch dann, wenn es nicht um einen unmittelbaren Vorteil geht. Daraus sollte man lernen.

Süddeutsche.de sammelt AdBlocker-Nutzerdaten

sueddeutsche

Meedia.de: „Wer Inhalte von Süddeutsche konsumiert, Werbung aber mithilfe von AdBlockern unterdrückt, kann das zwar tun, muss ab sofort aber seine Daten hinterlassen und sich registrieren. Mit den Daten wollen die SZ-Macher Werbemuffel möglicherweise auf anderen Wegen ansprechen. Sie folgen damit internationalen Beispielen wie dem der Washington Post oder der New York Times. Ein Mittel, die AdBlocker-Technologie auszuschalten, gibt es noch immer nicht.“

Das ist natürlich Unfug. Wozu braucht man Adblocker, wenn man ohne Javascript surft? Es gibt übrigens eine gute und sehr wirkungsvolle Methode, mit diesem Thema umzugehen: Man liest das nicht mehr, was einen zwingen will, sich ausspionieren zu lassen. Die „Süddeutsche“ sollte ernsthaft überlegen, wer sie eigentlich online braucht. Ich jedenfalls nicht. Sie hätten sich vorher überlegen müssen, welche Einnahmequellen online es geben könnte. Auf die Dummheit der Nutzer zu hoffen oder darauf, dass die sich gern tracken lassen, ist selbst so dämlich, dass man es zusätzlich bestrafen sollte.

Terror auf allen Kanälen oder: Spontan-Rülpser des Volkskörpers

Thomas Fischer mal wieder grandios:
… erscheint es einem faszinierend, mit welcher Bedingungslosigkeit und auf welch bedrückend niedrigem Niveau sich Menschen in Schlachten um „Wahrheiten“ im Einzelfall stürzen, obwohl nichts auf der Welt sie dazu legitimiert und befähigt als ihre eigene Selbstgewissheit. Mit solchen Menschen über heilige Wahrheiten zu streiten, hat keinen Sinn: Man muss den Chefredakteur von auto motor und sport nicht fragen, ob er für Tempo 100 ist. Und man ahnt, wie die Beurteilung der Chancengleichheit in Deutschland ausfällt, wenn man wahlweise die Arbeitsloseninitiative Duisburg-Nord, den Verband der Jungen Unternehmer Baden-Württemberg, den Bezirksvorstand der GEW oder den Betriebsrat der RWE fragt. Geschenkt!

Das Märchen von der Objektivität (Update)

Freitag: „Die meisten Medien bilden nur ab, was den hegemonialen Diskurs nicht verlässt. Es braucht eine Gegenöffentlichkeit, die sich der Forderung nach Neutralität verweigert“. (Leider in Gendersprech geschrieben.)

Update: Link korrigiert.

No Pardon for The Washington Post

Die Washington Post macht sich gerade total lächerlich. Glenn Greenwald schreibt: „WashPost Makes History: First Paper to Call for Prosecution of Its Own Source (After Accepting Pulitzer). … the Post editorial page today not only argued in opposition to a pardon, but explicitly demanded that Snowden — the paper’s own source — stand trial on espionage charges or, as a ’second-best solution,‘ accept ‚a measure of criminal responsibility for his excesses and the U.S. government offers a measure of leniency.’”

Oh Mann. Wie bescheuert sind die denn?!

Chapeau, Lustig!

Ich las Henryk M. Broder über vom Himmel fallende jüdische Feiertage, schmunzelte, sah dann den Hinweis auf Victor Lustig und kringelte mich. Chapeau, Herr Lustig, YMMD! Wer den Eiffenturm verkauft und Al Capone betrügt, kann kein ganz schlechter Mensch sein.

Hier sind Lustigs Ratschläge für den ambitionierten Herrn (gelten auch für Journalisten, die Interviews planen):
1. Be a patient listener (it is this, not fast talking, that gets a con-man his coups).
2. Never look bored.
3. Wait for the other person to reveal any political opinions, then agree with them.
4. Let the other person reveal religious views, then have the same ones.
5. Hint at sex talk, but don’t follow it up unless the other fellow shows a strong interest.
6. Never discuss illness, unless some special concern is shown.
7. Never pry into a person’s personal circumstances (they’ll tell you all eventually).
8. Never boast. Just let your importance be quietly obvious.
9. Never be untidy.
10. Never get drunk.

Immer schön sauber bleiben

Don Alphonso im Faz-Blog über Hatespeech und Zensur. Ich teile seine Meinung weitgehend. Ich bin radikal links. Just saying.

Berichterstattung: Die „Wahrheit über Aleppo“

Telepolis stellt Fragen, die offenbar sonst niemand stellt. Vielleicht sollten die Mainstream-Medien, wenn es um Syrien geht, immer in Klammern „embedded journalism“ zufügen.

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