Die Bank gewinnt immer – Kürzen statt Zensieren

hypnose

Das ZDF erlebt gerade einen Shitstorm: “Die WISO-Dokumentation ‘Die Bank gewinnt immer‘ ist weiterhin in der ZDFmediathek bzw. bei WISO.de abrufbar. Es fand keine Zensur statt, wie von einigen Usern getwittert wurde. Richtig ist, die aktuelle Fassung in der ZDFmediathek ist leicht gekürzt, da wir uns in einem laufenden Rechtstreit mit der Sparkasse Bremen befinden.”

So etwas können nur Deutsche sagen: “Wir haben nicht zentiert, sondern nur gekürzt.” Jemand kommentierte dort:

Ach herrje, jetzt habe ich mir die “verbotenen Minuten” doch glatt auf youtube angeguckt. Oops. Na, ich verspreche aber, dass ich alles gleich wieder vergesse, nur so viel auf die Schnelle: Die haben da wohl (einem?) Senioren tolle Anlagemodelle aufgeschwatzt, die aber blöderweise wohl bis 2018 und 2027 laufen. Und ein Verbraucherschützer meint dann noch, das sei wohl wegen der hohen Provisionen (12-14%) passiert, und die Bank sei ihrer Verantwortung für den alten Mann nicht gerecht geworden (50 Jahre lang Kunde da). Bank will kein Interview geben und sagt aber, der könne seine Anteile ja verkaufen, leider derzeit wohl nur noch zum halben Preis.

By the way: “Richtig ist, die aktuelle Fassung in der ZDFmediathek ist leicht gekürzt, da wir” – um welchen Satzbau in welcher Grammatik handelt es sich hier? Gar um einen denglischen appositionalen Konditionalsatz II im Gerundium mit Einspengseln in Suaheli? Ich empfehle: “Richtig ist, dass die aktuellen Fassung in der Mediathek des ZDF leicht gekürzt wurde, weil wir”. Das wäre Deutsch.

Das Ministerium für Wahrheit informiert

Die “Sicherungsverwahrung” heißt jetzt “Sicherungsunterbringung”.

Hey, was soll der Quatsch mit den jungen Männern?

Spiegel Online über die Wählerbasis der Piratenpartei:

“Hierzu zählen erstens jüngere, gut gebildete Männer mit hoher Affinität zu digitaler Technik und Kultur. Diese schätzen die Piraten vor allem aufgrund der politischen Perspektive der digitalen Revolution – sowie als Datenschutz- und netzpolitische Vorreiterpartei. Hinzu kommen zweitens die sogenannten Digital Natives. Diese sind jung, durch eine zeitintensive, aber eher oberflächliche Nutzung des Internets geprägt und vor allem mit der Kultur Sozialer Netzwerke sehr vertraut.”

Nein, falsch. Hierzu zählen auch ältere, gut gebildete Männer mit hoher Affinität zu digitaler Technik und Kultur. Diese schätzen die Piraten vor allem aufgrund der politischen Perspektive der digitalen Revolution – sowie als Datenschutz- und netzpolitische Vorreiterpartei. Hinzu kommen zweitens die sogenannten Digital Natives. Diese sind älter, mit den Anfängen des Netzes sozialisiert worden, durch eine zeitintensive und gründliche Nutzung des Internet geprägt, lehnen aber die Datenkrakerei so genannter “sozialer Netzwerke” im Gegensatz zu jüngeren Männern und DAUs eher ab.

By the way: Der Genitiv von Internet heisst “des Internet”.

Deutschfähigkeit

Focus online über die Piratenpartei: “Bei der letzten Bundestagswahl war die Piratenpartei noch gefeierter Newcomer. Einige sahen in ihr schon eine ‘digitale Volkspartei’ wachsen. Auf den Senkrechtstart folgten Zoff und Flaute. Nun wird die Berliner Abgeordnetenhauswahl zum Lackmustest für die Zukunftsfähigkeit der Piraten.”

“Zukunftsfähigkeit” ist auch so ein Wort, bei dem sich mir die Nackenhaare sträuben. Wer ist fähig, was zu tun? Das ist Bläh- und Furzdeutsch. Aber was will man von einem Wort erwarten, das auf -keit endet…

Versachlichung

Neusprech.org: “Daher lautet die Biermann-Haase-Erweiterung von Godwins Gesetz: Je länger eine politische Diskussion dauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand die V. derselben fordert. Beziehungsweise, in Anlehnung an Richard Sexton: Wenn jemand die V. einer politischen Debatte fordert, ist die Debatte beendet und der Forderer der argumentative Verlierer.”

Gut gesagt. Ein Wort mit -ung zeigt ohnehin, dass derjenige, der es benutzt, nicht wirklich weiß, was er sagen oder diese Tatsache hinter einer verbalen Nebelwand verbergen will.

Hüfthohe Schweine

Spiegel online rotzt eine Meldung lieblos daher, ohne Links, ohne Quelle, noch nicht einmal den Ort erklären sie uns. Hier ist das Original von der Polizeidirektion Flensburg:

Wanderup / Oeversee (ots) – Freitagnachmittag, gegen 13:30 Uhr, kam auf der Tarper Straße eine junge Frau mit ihrem Golf von der Fahrbahn ab, durchfuhr einen Knick und kam auf einer angrenzenden Koppel zum Stehen.
Die Mutter alarmierte die Polize : Zirka 20 relativ große hüfthohe Schweine hatten den VW plötzlich umringt und am Fahrzeug gerüttelt. Das Revierverhalten beeindruckte die Frau so stark, dass sie mit ihrem 2jährigen Kind nicht aussteigen konnte.
Beamte der Polizei-Zentralstation Tarp eilten zur Hilfe und befreiten die beiden unverletzten Fahrzeuginsassen.
Es entstand geringer Sachschaden am Fahrzeug und am Knick. Um die Bergung des VW wollte sich die Familie selber kümmern.
Das Kind beobachtete die Maßnahmen wohlwollend.
Der verantwortliche Landwirt hatte Kenntnis und erschien am Unfallort.

Die letzten beiden Sätze sind zum Kringeln. Die reden wohl immer so und können sich das Beamtensprech nicht mehr abgewöhnen. “Das Kind freute sich, und der Bauer wusste schon Bescheid.” Aber das wäre ja Deutsch.

Bastard-Politik: followd mir, ihr Mashups!

mashup

Meedia.de: “Steffen Seiberts Google+-Account ist ein Fake (…) Der Betreiber des Fake-Profils remixt Ausschnitte aus Seiberts digitalem Leben zu einem Google+-Mashup.”

Mashup? Mein frisch erworbenes Taschenwörterbuch Englisch (1584 Seiten, Langenscheidt 2011) kennt das Wort nicht. Zugeben: das Wort ähnelt der im Deutschen wohl bekannten “Matsche”, und “zusammengematscht” ist irgendwie zu lang, unrhythmisch und auch ein heller Schimmel (“auseinandergematscht” geht gar nicht).

Wikipedia hilft: “Mashup (von englisch to mash für vermischen) bezeichnet die Erstellung neuer Medieninhalte durch die nahtlose (Re-)Kombination bereits bestehender Inhalte. Der Begriff stammt aus der Welt der Musik und bedeutet dort im Englischen so viel wie Remix (vgl. Bastard Pop). In den deutschen Sprachraum wurde der Begriff rund um das Schlagwort Web 2.0 importiert, da Mashups als ein wesentliches Beispiel für das Neue an Web 2.0 angeführt werden.”

Was ist verwerflich an der nahtlosen “(Re-)Kombination bereits bestehender Inhalte”? Ob nun Seibert höchstpersönlich sinnfreie Textbausteine produziert (“Kanzlerin verurteilt Anschläge scharf”, “Kanzlerin verurteilt Anschläge nicht” [aber hallo?]) oder jemand anderes – spielt das irgendeine Rolle?

Bastard Pop – der Begriff gefällt mir. Ich schöpfe hiermit einen neuen: Bastard-Politik bedeutet, dass jemand bereits bestehende politische Sprechblasen neu zusammenmatscht, dass sie neu aussehen, es aber nicht wirklich sind. Natürlich wusste ich schon im voraus, dass ich nur von Fakes umgeben bin. Das Leben ist eine Blase!

Nein, falsch: Das Leben ist in Wahrheit Second Life, und der das hier schreibt, ist im realen Leben der oben abgebildete Avatar (links)!

Vielleicht ist auch Steffen Seibert gar nicht echt, sondern nur der wahre Heino ein Avatar. Zu den Inhalten würde das ja passen.

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Der Hack des Tages: Falsches MG richtig auf Brücke montiert

Falsches Maschinengewehr richtig auf Brücke montiert – der Berliner Kurier ist eine Boulevardzeitung und berichtet detailliert: “Das Gewehr (Typ M 16) mit Zielfernrohr, 50 Patronen, war Richtung Ostbahnhof aufgestellt und auf einem Stativ befestigt. Daneben Banner in englischer Schrift mit den Sprüchen ‘Erschießt die Irren’ und ‘Gewinn einen Leopard 2 Panzer’.”

Und nun zu uns, Kurier: “Die Beamten in Friedrichshain nahmen die Kunststoff-Attrappe mit, schrieben eine Anzeige wegen Verstoß gegen das Waffengesetz.” Neiiiiin. Wegen Hut sieht Vater doof aus. “Wegen” bedarf (ja, bedarf auch!) des Genitivs!

That’s Leif

Ostroplog: “Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche (NR) steckt in der Krise. Im zehnten Jahr ihres Bestehens ist der Vorstand gestern Abend am Rande der Jahrestagung in Hamburg weitgehend zurückgetreten. Hintergund: Mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Finanzierung des Vereins. Die taz schreibt von einem ‘Putsch’, auch Meedia berichtet.”

Betreff: Mitteilung an die Mitglieder von netzwerk recherche e.V. (…) hat sich der Vorstand am 28. Mai 2011 ausführlich mit der Finanzlage des Vereins befasst. Dabei tauchten Hinweise auf, dass der Verein im Zusammenhang mit der Förderung der Jahreskonferenz 2010 gegenüber der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) möglicherweise fehlerhafte Angaben gemacht hat. Grundsätzlich fördert die BPB die Jahrestagung im Rahmen einer Defizitfinanzierung. Da möglicherweise aber nicht alle Einnahmen der Jahrestagung gegenüber der BPB angegeben wurden, könnte der Verein eine zu hohe Förderung von der BPB erhalten haben. (…) Der Vorstand hat dabei einstimmig beschlossen, nicht nur die möglicherweise unrechtmäßig erhaltenen Fördermittel, sondern sämtliche Fördermittel der BPB für die Jahrestagungen (2007-2010) – unter dem Vorbehalt der Sachprüfung – vorsorglich zurückzuzahlen. Dabei handelt es sich um einen Gesamtbetrag in Höhe von rund 75.000 Euro. (…) Auf der außerordentlichen Vorstandssitzung hat der 1. Vorsitzende des Vereins, Thomas Leif, erklärt, die Verantwortung für mögliche Abrechnungsfehler zu übernehmen.

Dazu habe ich mehrere Fragen. Warum schreibt jemand in der taz über den Fall, der selbst Mitglied in Netzwerk Recherche ist? Warum wird ein Journalistenverein, dessen Vereinszweck vor allem die Selbstbeweihräucherung der Vorsitzenden Leif und Leyendecker war, mit Staatsgeldern gefördert, obwohl er doch in Konkurrenz zu anderen Journalistenvereinen steht? Warum hat Thomas Leif angeblich erklärt, die Verantwortung zu übernehmen, trat aber dann nicht freiwillig zurück?

Wie Leif in der Vergangenheit arbeitete, ist hinreichend bekannt.

Konkret schrieb im März 2006: “Prinzipiell anders geht es beim Netzwerk Recherche zu: Dessen jährlich ausgelobter Recherchepreis ‘Leuchtturm’ wird überhaupt nicht von Coca-Cola bezahlt (sondern ganz im Gegenteil von der “Kontext-Stiftung” des Energiekonzerns Eon). Und Thomas Leif, der die PR-Fuzzis schmäht, führt in seiner dienstfreien Zeit gern und ‘in gewohnt souveräner Form durch Veranstaltungen beispielsweise der Landesbausparkasse (LBS) Rheinland-Pfalz oder der Sparkassen Service Gesellschaft (SSG). Daß Leif sich am Ende selbst aus seinem Verein ausschließen läßt, ist nicht zu befürchten. Hauptberuflich ist er ja immer noch ‘Chefreporter des SWR in Mainz’, und die Tätigkeit für die LBS war gewiß ‘überwiegend durch Recherche geprägt’. Oder bleibt einfach alles in der Familie? Der Vorsitzende der SSG heißt auch Leif, Vorname: Jürgen.”

Ich hatte am 18. Mai 2006 (“Einer beschmutze des anderen Nest”) hier geschrieben:

Das berüchtigte Internet-Portal spiggel.de hat bekanntlich die gesellschaftlich nützliche Aufgabe, überall dort, wo ein Feuerchen brennt, Öl hineinzugießen, damit die Dunkelheit der Welt vom Licht der Erkenntnis vertrieben und für das Gute, Schöne und Wahre Platz geschaffen werde. So auch hier.

Der DJV wirft Netzwerk Recherche vor, mit falschen Zahlen zu operieren. “In einer Pressemitteilung von Netzwerk Recherche vom heutigen Donnerstag wird behauptet, 30 Prozent der DJV-Mitglieder seien nach Angaben des stellvertretenden DJV-Bundesvorsitzenden Volker Hummel PR-Mitarbeiter und Pressesprecher. Dazu erklärt Hummel: ‘Wenn Dr. Thomas Leif falsche Zahlen verbreitet, kann er sich nicht auf mich berufen. Ich habe nie und nirgends behauptet, 30 Prozent aller DJV-Mitglieder seien PR-Mitarbeiter und Pressesprecher. Eine entsprechende Suggestivfrage Leifs am Rande der Mainzer Tage der Fernsehkritik habe ich mit der Bemerkung beantwortet: “Ich habe die Zahl nicht im Kopf.”‘ Nach Angaben des DJV sind acht bis zehn Prozent der 40.000 Mitglieder im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig.”

Jetzt lesen wir gemeinsam noch eine PR-Meldung von Netzwerk Recherche: “Nach Einschätzung des Vorsitzenden des Netzwerk Recherche, Dr. Thomas Leif, hat sich die nr-Jahreskonferenz in fünf Jahren zu einem der wichtigsten Journalisten-Treffpunkte in Deutschland entwickelt: ‘In Hamburg geht es um die kritische und selbstkritische Analyse des journalistischen Alltags, um die Verbesserung des Handwerks und um die Suche nach effektiven Recherche-Strategien. Auf keiner Konferenz in Deutschland wird intensiver und kontroverser über journalistische Tabus und Fehlentwicklungen gestritten’, sagte Leif.”

Das ist natürlich alles frei erfunden und Eigenwerbung vom Feinsten. Über “Fehlentwicklungen” (ein grauenhaftes Wort) wurde zum Beispiel im DJV Berlin viel heftiger gestritten als bei Netzwerk Recherches zu Hause. (…)

Nun zu uns, Netzwerk Recherche. Der ganze Laden ist bekanntlich – so der hämische Spott der Branche – mehr oder minder ein Ventilator, der dazu dient, die Großjournalisten Hans Leyendecker und Dr. Thomas Leif von einem Vortrag über ihre Großtaten zum anderen zu blasen. Als Giovanni di Lorenzo eintrat, wollte ich schon austreten trat ich aus, weil ich erwartete, es würden alsbald auch Lea Rosh, Kai Dieckmann und Günther Bohnsack aufgenommen werden. Lästig ist zudem, dass der Verein offenbar den Ehrgeiz entwickelt, zu einem der größten Papierproduzenten der Branche zu werden. Man muss auch mal sein Wasser halten können. Und bitte nicht vergessen, den Artikel “That’s Leif” in Konkret zu lesen!

Was lesen wir auf der Website? “Die juristische Bekämpfung und publizistische Untersuchung der Korruption in Deutschland weist erhebliche Defizite auf.” Wer so grottenschlecht schreibt, sollte stille Einkehr halten und eine Weile in Demut verharren. Welch ein Satz! Das Auto weist vier Räder auf. Und “Bekämpfung” und “Untersuchung”: Man bekämpfe den Nominalstil und untersuche, wer von gutem Deutsch noch nie etwas gehört hat.

Jaja. Der Autor ist Mitglied im DJV Berlin und war mit Mitglied in Netzwerk Recherche. Bei Ver.di war ich auch mal irgendwann.

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Schreiben und Anziehen

“Wenn manche Autoren sich sich so nachlässig anzögen wie sie schreiben, würden sie wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet.” (Mary Douglas: “Ritual, Tabu und Körpersymbolik. Sozialanthropologische Studien in Industriegesellschaft und Stammeskultur”. Frankfurt am Main 1974, S. 108)

Medientrojaner

Der dümmste anzunehmende Historiker nennt das Pferd, mit dem sich laut Homer die Griechen in die Stadt Troja schmuggelten, “Trojaner” bzw. er nennt die Griechen Trojaner, obwohl die Trojaner draussen waren und die Griechen drinnen. Man kann ja auch die Deutschen Franzosen nennen oder die Russen Amerikaner, ist irgendwie sowieso egal.

So falsch, schräg und unpassend die Metapher “Trojaner” für eine Software ist, die – so stellt sich das Klein Fritzchen vor – irgendwie auf einen fremden Rechner geschmuggelt wird, etwa mit Hilfe von Zauberformeln, die ein Beamter in Wiesbaden beim BKA vor sich hin murmelt, während er eine ausführbare Datei an einen verdächtigen Menschen schickt, in der Hoffnung, der benutze das Betriebssystem Windows und würde alles per Mausklick und per Admin-Account installieren, was nicht bei drei auf dem nächsten Baum ist – es hindert die Holzmedien dennoch nicht, diesen Quatsch wieder und wieder zu verbreiten.

Aktueller Fall, Zitat Spiegel online: Das Münchener Justizministerium habe eingeräumt, “dass die [welche? B.S.] umstrittene [!] Spionage-Software zwischen 2009 und 2010 insgesamt fünfmal [sic] in Augsburg, Nürnberg, München und Landshut zur Anwendung kam.”

Man merkt schon bei diesem Deutsch des Grauens, dass hier irgendjemand irgendwelche Behörden-Agitprop abgekupfert hat – so redet kein Mensch: “zur Anwendung kam”? Das Gehirn des Schreibers kam offenbar nicht zur Anwendung. Wer wendete was an – und vor allem wie?

Und nur ganz nebenbei: “banden- und gewerbsmäßiger Betrug” und “Handel mit Betäubungs-und Arzneimittel” sind keine Straftatsbestände, bei denen das Bundesverfassungsgericht den Einsatz von Spionage-Software auf Computern erlaubt hätte. Den Bayern scheint das legal, illegal, scheissegal zu sein. Wundert mich nicht.

Jetzt aber die Pointe:
“Die Fahnder fanden trickreiche Wege, zum Aufspielen der Trojaner: einmal half der Zoll am Münchener Flughafen, einmal wurde der Spion per Remote-Installation aufgespielt, dreimal nutzen die Ermittler das Durcheinander einer Hausdurchsuchung.”

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Zum ersten, liebe Spiegel-Redakteure, gibt es hier sowieso nicht mindestens zwei unabhängige Quellen, sondern nur das, was die Behörde von sich zu geben beliebt. Ihr hättet das überprüfen oder anmerken müssen: “Die Behörde behauptet das.”

Zum zweiten und mal ganz langsam von vorn: Hier handelt es sich um Software zum Mithören von Skype. Das ist etwas ganz anderes als die real nicht existierende Online-Durchsuchung. Und mehr als Internet-Telefonie zu belauschen kann die Software nicht. Wann kapiert ihr das endlich?

Lauschen wir Gulli.com: “Die Installation des so genannten Bayerntrojaners soll wahlweise durch einen Einsatz der Polizei vor Ort oder remote per E-Mail geschehen. (…) Die Schadsoftware kann Daten an und über einen Rechner außerhalb des deutschen Hoheitsgebietes versenden. Dabei kann Zugriff auf interne Merkmale des Skypeclients und auf SSL-verschlüsselte Websites genommen werden.”

O ja. Per Mail? Wie soll das gehen? Wenn der Verdächtige so bescheuert ist wie die Leute, die diesen Unfug wiederholen, ohne auch nur ein Milligramm Gehirnschmalz zu aktivieren, dann wird er auch zu dämlich sein, um ein Programm zu installieren (und das müsste er).

Bei der so genannten Online-Durchsuchung geht es mitnichten um das Belauschen von Internet-Telefonie, und Skype ist sowieso nicht sicher! Wie ich schon am 04.01.2008 in der Netzeitung schrieb:

Skype hat aber nicht nur ein Problem. In vielen Unternehmen ist es verboten, weil das Sicherheitsrisiko zu groß erscheint. Die Software verhält sich zu Firewalls und Routern wie ein Nashorn, wenn es in Wut gerät: Sie bohrt Löcher hinein, damit auch der dümmste anzunehmende Nutzer bequem plaudern kann und nicht erst in den digitalen Eingeweiden fummeln muss.

Wer sich um die Konfiguration der Privatsphäre nicht kümmert, könnte sich versehentlich von fremden Menschen abhören lassen. Eine Firma, die Skype einsetzte, verlöre auch die Kontrolle über den Datenverkehr. Deshalb raten Wirtschaftsverbände davon ab.

Der größte Nachteil von Skype ist prinzipieller Natur: Das Programm ist proprietär – also nicht kompatibel mit freier Software -, und der Gesprächspartner darf keine andere VoIP-Software nutzen. Die Innereien von Skype – der Quellcode – sind ohnehin ein Betriebsgeheimnis. «Security by obscurity» nennt man das System im Hacker-Milieu. Im Internet kursieren detaillierte Analysen wie «Silver Needle in the Skype», die die Schwachstellen der Software aufzeigen.

Für politisch denkende Zeitgenossen ist Skype ähnlich igitt wie Googles E-Mail-Dienst: Nutzer von Skype aus China bekommen einen Textfilter vorgesetzt, der bestimmte Worte nicht durchlässt. «Falun Gong» und «Dalai Lama» sind als verboten gesetzt. Diese Zensur kann nur funktionieren, weil die Betreiberfirma die Möglichkeit ab Werk eingebaut hat, die Gespräche mitzuprotokollieren und zu belauschen.

Das alles wird den normalen Nutzer nicht abschrecken. Der installiert manchmal sogar eine Webcam im Schlafzimmer, weil er nichts zu verbergen hat und nutzt das bekannte Betriebssystem eines rothaarigen Multimilliardärs, bei dem alle relevanten Sicherheitsfeatures ab Werk ausgestellt sind.

Welche “trickreichen Wege” nutzten also die Beamten ganz legal, illegal, scheissegal? “Per Remote-Installation aufgespielt” – könntet ihr hier mal ins Detail gehen? Welche IP-Adresse attackieren sie denn, oder wurde dem Verdächtigen eine per Einschreiben mit Rückschein vorher aufgezwungen?

“Nutzen die Ermittler das Durcheinander einer Hausdurchsuchung” – ach ja? So geht das also in Bayern zu, das überrascht mich nicht. Da kann ich ja froh sein, dass die Beamten, die meine Wohnung durchsuchten, nicht alle Buchregale umgeworfen, das Geschirr auf den Boden und die Monitore mal eben so umgestoßen haben? Wie kann man so etwas als Journalist einfach kritiklos “vermelden”, wie es in grauenhaften Journalisten-Neusprech heutzutage heißt? Wenn das in China passierte – “die Ermittler nutzen das Durcheinander einer Hausdurchsuchung” -, dann würdet ihr alle heuchlerisch jammern und klagen.

Verlogenes unkritisches obrigkeitshöriges Pack! Das kotzt mich wirklich an. Und ihr habt keinen Schimmer von dem, wovon ihr schreibt.

Nur ganz nebenbei: Wie hätte denn bei mir jemand während der Hausdurchsuchung etwas auf meine Rechner “spielen” können? Die waren ausgeschaltet, und ich hätte notfalls einfach die Stecker rausgezogen, wenn dem nicht so gewesen wäre.

Unstrittig ist, dass, wenn man den physischen Zugriff auf einen Rechner hat und wenn der eingeschaltet ist und/oder von Fremdmedien bootet, recht viel möglich ist. Aber das geht bei Leuten nicht, die einen Rechner von einem Videorecorder unterscheiden können. Aber vielleicht irre ich mich ja, und meine Mitmenschen sind noch dämlicher als ich eh schon annehme.

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Exakte Zielansprache für gefühlt erlesene Ichs

“Das erlesene ich” heißt ein Artikel im Tagesspiegel vom Peter-André Alt, der nicht nur als Feuilletonist dilettiert, sondern auch in der FU Berlin präsidiert. Da kann ich natürlich nicht widerstehen, zumal mich schon der Untertitel stutzen lies: “Identitäten”? Aber Herr Professor, “Identität” kennt so wenig einen Plural wie “Aktivität”, wenn man die deutsche Sprache ernst nimmt – und wer war hier noch mal identisch mit wem oder was?

Helm ab zum deutschen Feuilleton für den Oberstudienrat, nein, lesen wir einfach gemeinsam und gedenken derer, die wussten, dass sogar die deutsche Sprache Melodie und Rhythmus besitzt, wüsste man denn, wie dieselben anzuwenden wären:

Das moderne Ich, dessen Geburtstunde in der Aufklärung schlug, stützt sich auf unterschiedliche Rollen- und Identitätsentwürfe. Es ist so angelegt, dass es sich in Prozessen der Reflexion, der Einbildung, der Selbststilisierung, der Maskerade und Täuschung vervielfältigen kann. Lesen initiiert solche Formen der Anreicherung, indem es dazu beiträgt, das Ich mit seinen unentdeckten Möglichkeiten zu konfrontieren.

Ung, ung, ung, ung, tönet das Echo im Sprachwalde in der Hoffnung auf Erlösung vom Nominalstil. Diese gespreizte Bläh- und Furzdeutsch wollen wir jetzt übersetzen, liebe Kinder.

Der moderne Ich – wieso eigentlich “modern”? Meint der Kerl den Bürger und wie er sich im Kapitalismus formte, angefangen bei Norbert Elias und dem “Prozess der Zivilisation” bis zu Max Weber, der, weil ein ehrlicher Wissenschaftler, sich noch traute, das böse Wort “Kapitalismus” auszusprechen: “Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“?

Es gab mal einen Präsidenten der FU Berlin, der schützte seine Studenten persönlich vor der Polizei (ich war damals Augenzeuge). Es versteht sich nicht von selbst für einen Wissenschaftler, die Theorie zu vertreten, es gebe eine soziale Rolle. Damals, als man noch nachdachte und kritisch war, sah man das anders – guckst du hier:

Wo “Theorien der Gesellschaft” von “soziologischen Theorien” unterschieden werden, etwa im Marxismus oder in der Systemtheorie, da wird “Rolle” entweder als gefährlicher Konkurrenzbegriff vehement zurückgewiesen, oder er wird einfach übergangen: Frigga Haug beanstandete als Marxistin, dass sowohl die Geschichte der Gesellschaft und ihre ökonomischen Bedingungen als auch das dialektische Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft mit dem Begriff “Rolle” in das Individuum verlegt werden; die Theatermetapher “Rolle” erleichtere zudem die Selbsttäuschung. Rollenforderungen stellen demnach eine äußere Übermacht dar, bei der die Gefahr besteht, dass das Individuum sich in die “innere Emigration” zurückzieht …. Gesellschaftliche Verhältnisse erscheinen dementsprechend fälschlich als unveränderbar.[24] Eine systemtheoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der “Rolle” steht noch aus.

Quod erat demonstrandum (sagt derjenige, der auch Bücher interessant findet, deren Titel moderne Glotzentalkshowseher selbst dann nicht verstünden, wenn man ihnen das Werk um die Ohren haute.) Wer “Rolle” sagt, outet sich damit als jemand, der den Lesern eine Ideologie subtil unterjubeln will – die des modernen Ichs Kapitalismus, also known als die Gesellschaftsform, die wie alle lieben, die uns alle reich und glücklich macht und die das Ende der Geschichte bedeutet.

Verdammt, wir sind immer noch beim ersten Satz. Unterschiedliche Rollen- und Identitätsentwürfe” – also Synonyme oder was? Das Ich ist nicht eingelegt, etwa in Sprachaspik, sondern angelegt dergestalt, das es gleich mehrere ist. Wie meinen? Wir sind viele? Noch einmal ganz langsam zu Mitschreiben – und jetzt benutzen wir Verben also known as Tuwörter:

Das Ich denkt, bildet sich etwas ein, stilisiert sich, maskiert sich und täuscht sich, und währenddessen das Ich all dieses tut, wird es viele.

“Lesen initiiert solche Formen der Anreicherung”. Ach wirklich. Lesen reichert an – was aber genau? Das Tun des Denkens, sich Einbildens, sich Stilisierens, sich Maskierens und sich Täuschens? Ich schlage vor:

Alt: Lesen initiiert solche Formen der Anreicherung, indem es dazu beiträgt, das Ich mit seinen unentdeckten Möglichkeiten zu konfrontieren.
Neu: Lesen bildet: Man merkt, wenn man liest, dass man mehr kann als man dachte.

Wer hätte das gedacht. Aber wenn man so schriebe wie Bertold Brecht, dann kriegte man das deutsche Feuilleton eben nicht voll. Da aber der Tagesspiegel das Zentralorgan des berliner Bildungsbürgertums ist, soweit vorhanden, werden die Leser zusätzlich mit dem Privaten, das bekanntlich immer politisch ist, des Feuilletonisten angesprochen; die LeserIinen sollen sich wiedererkennen:

Bitte beschreiben Sie Ihre Identität in einem Satz: Ich plane gern und freue mich dennoch über Zufälle, weil sie das Leben unberechenbar, schön und gefährlich machen.
Ich würde antworten: Cogito, ergo sum.

Drei Bücher, die Sie zuletzt mit Begeisterung gelesen haben
Niklas Luhmann, Universität als Milieu; Franz Werfel, Verdi. Roman der Oper; David Lodge, Author, Author.

Ich würde antworten: Mary Douglas: Ritual, Tabu und Körpersymbolik. Sozialanthropologische Studien in Industriegesellschaft und Stammeskultur. Hertha von Dechend: Die Mühle des Hamlet. Ein Essay über Mythos und das Gerüst der Zeit. Burkhard Schröder: Die Konquistadoren (har har).

Drei kulturelle Höhepunkte in diesem Jahr: Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker mit Mahlers erster Sinfonie, Hector Berlioz’ “Die Trojaner” in der Deutschen Oper und Darren Aronofskys “Black Swan”.
Habt Ihr euch beim Tagesspiegel eigentlich mal gefragt, ob das jemand arrogant nennen würde? Diese Art kultureller Orgasmen muss man sich auch leisten können. Ich würde schon aus Trotz antworten: Deutschland sucht den Superstar. Eurovision Song Contest‎. Der Kachelmann-Prozess.

Die letzten drei Urlaubsorte: Kalifornien, Sylt, Türkei.
Venezuela. Mallorca, Gor in Second Life – das können Sie nicht mithalten, Herr Professor! Aber das wollen sie auch gar nicht, denn sonst würde sich der Oberstudienrat, der gefühlt nur Erlesenes konsumiert, im Feuilleton des Tagesspiegel gar nicht mehr wohl fühlen. Habe die Ehre!

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Ich bin ein Nicht-Neger

Wenn es nach den Grünen in Sachsen geht, werden Schwule und Lesben umbenannt. Sie heißen jetzt “Nicht-Heterosexuelle”.

Was demnächst kommt: Juden sind Nicht-Christen, Krieg ist Nicht-Frieden und Petting ist Nicht-Sex.

Neue Market-Apps receivt

Was lese ich in der aktuellen c’t? “Da auf den neuen Receivern von AZBox nur Apps vernünftig laufen, die die Steuerung per Fernbedienung ermöglichen, wird es einen speziellen Market geben.”

Sehr hübsch und sprachpädagogisch wertvoll: Das ist mindestens grottenschlechtes, wenn nicht gar grottenolmschlechtes Deutsch. Schlechtes Deutsch verhält sich zu gutem Deutsch wie der Inhalt zur Form oder die TKÜV zur VDS. (Bescheuerter Vergleich).

Schlecht ist Deutsch dann, wenn man es nicht versteht. “Man” meint nicht den des Denglischen mächtigen Geek und Nerd, sondern alle. Der oben zitierte Satz bedarf einer Korrektur (ich drücke mich nur so geschraubt aus, weil ich möglichst viele Verben verbrauchen will, die des Genitivs bedürfen.)

Weil Opa nur ein Bein hat, kann er nicht schnell laufen. Ein Kausalsatz am Anfang führt die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser meistens in die logische Irre: Weil irgendetwas so ist – jetzt schwärmt der in Jahrmillionen der Evolution spezialisierte Intellekt des Homo Sapiens wie ein Ameisenhaufen assoziativ aus -, kann alles mögliche passieren: Weil Opa nur ein Bein hat, kann vielleicht auch ein Säbelzahntiger um die Ecke biegen, was dieses oder jenes höhere Wesen verhüten möge. Besser ist es, zunächst das, was geschieht, dem Publikum mitzuteilen, und danach mit der dialektischen Logik, welche Folgen das Seiende nach sich zöge, fortzufahren.

Wer tut was? Auf den neuen Receivern – o je, was ist das denn? Rehßiever? Empänger? Der Begünstigte eines Seefrachtvertrages scheidet aus; also nehmen wir an, es handelt sich um ein “ein Gerät oder eine spezifische Baugruppe, die ein Antennensignal entstört, verstärkt und demoduliert”. Grandios erklärt, versteht nur immer noch keiner.

“Apps” ist – das weiß nur ein des Englischen kundiger Mensch – eine Kurzform für “Anwendungssoftware (kurz ‘Anwendung’, engl. ‘application software’, auch kurz ‘App’ oder Anwendungsprogramm)”.

Jetzt geraten wir sprachlich immer mehr in die Bredouille (Ja! Das ist eingedeutschtes Französisch! Hugenotten! Napoleon! Chaiselongue! Friseur! Trottoir!)

Worte, die auf -ung, -ät und -keit enden, sind ohnehin verboten, weil sie hässlich sind und sich so anhören, als hätte sie der Arsch der Sprache ausgeschieden (wie das Wort “hinterfragen”). Das Wort “Schwierigkeit” fällt daher weg; in Frage käme eventuell “in Bedrängnis geraten”. In der Hoffnung auf Erlösung vom Nominalstil…

“Programme” verhalten sich zu “Anwendungsprogrammen” wie die Schule zum “schulischen Bereich”; ersteres ist Deutsch, letzteres Bläh- oder Furzdeutsch.

Auf den Geräten, die man braucht, um digitales Fernsehen zu empfangen, laufen Programme. So weit klar? Puls und Atmung noch normal?

Auch dieser Satz, obwohl korrekt, gefällt mir nicht, weil er etwas suggeriert, was gar nicht wahr ist. Die Content-Mafia: Das sind die Leute, die Unterhaltung und Informationen nur erlauben wollen, wenn sie damit Profit machen können (vergleichbar mit der Katholischen Kirche, bevor der Buchdruck erfunden wurde – nur dass der Profit damals aus Macht bestand und daraus, die Menschen in nicht selbst verschuldeter Unmündigkeit zu belassen – Nominalstil ist übrigens, falls es sich um ein Zitat handelt, erlaubt). Diese Mafia will dem Volk einreden, es brauchte gesonderte Volksempfänger (“Receiver” genannt, damit man die historische Kontinuität nicht bemerkt), die jeder zwangsweise auf eigene Kosten kaufen muss, um die gequirlte Scheiße, die täglich aus der Glotze quillt Comedyalexanderholdtalkshowsbigbrotherdsdsmusikantenstadlfussball, auch gestochen scharf sehen zu können.

Auf den Geräten, ohne die man in naher Zukunft gar kein Fernsehen mehr empfangen können wird (wenn es nach den Wünschen der Content-Mafia geht), laufen Programme. Fernbedienung ung ung und (Echo off) – wie kann man diese hässliche Wortungetüm nur umschiffen? “Als Fernbedienung bezeichnet man üblicherweise ein elektronisches Handgerät, mit dem sich über kurze bis mittlere Entfernungen (etwa 6 bis 20 m) Geräte oder Maschinen bedienen lassen.”

Ein Gerät ist ein elektronisches Gerät. Aha. Mit diesem Gerät bedient man die Glotze von fern, ohne auf deren Knöpfe drücken zu müssen. Nein, das geht nicht.

Mir fällt erst jetzt auf, dass ich den obigen Satz, mit dem wir uns schon seit Stunden beschäftigen, gar nicht verstanden habe. “Apps, die die Steuerung per Fernbedienung ermöglichen” – was heißt das? Wer steuert wen? um mit Lenin zu fragen. Die Steuerung ung ung und (Echo off) wessen? Die Programme auf dem Volksempfänger kann man nur mit der Fernbedienung steuern? Alle – oder nur einige? Und nur die laufen ohne zu Ruckeln und zu Zuckeln? Welche denn jetzt? Steuern die Apps die Fernbedienung oder umgekehrt? Oder steuert die Fernbedienung die Glotze und braucht dazu Apps?

Ich gebe es auf. Warum soll ich mich ärgern… Wird es einen speziellen Market geben. Wird es einen special Markt geben. Wird es einen besonderen Markt geben? Es ist hoffnungslos.

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Der grösste grösste anzunehmende Unfall

Der Reaktor 1 in Fukushima ist schon geschmolzen. Spiegel “Online” und andere Medien melden ohne korrekte Quellenangabe auch eine Kernschmelze in Reaktor 2 und 3. Focus “Online” suggeriert, dass sei nur eine “Befürchtung” der Betreiberfirma. Die FTD Ftd.de titelt ganz richtig: “Super-GAU” (obwohl der GAU schon der größte anzunehmende Unfall ist, etwas Größeres als den Superlativ gibt es nicht.)

Südosteuropäische Herkunft

NDR: “Bei einer Massenschlägerei zwischen Mitgliedern des rechten Spektrums und Südeuropäern sind in der Nacht zum Sonntag in Lübeck fünf Personen zum Teil schwer verletzt worden. (…) Offenbar hatte eine Gruppe von Rechtsradikalen in einer Gaststätte gefeiert und dabei auch rechtsradikale Lieder gesungen. Das hatte einige Männer südosteuropäischer Herkunft auf den Plan gerufen”.

Lübecker Nachrichten: “Mehrere Südosteuropäer waren in eine Kneipe gestürmt, in der eine Gruppe von Neo-Nazis gefeiert hatte. Die Polizei musste mit zehn Streifenwagen anrücken. Fünf Personen wurden teils schwer verletzt und mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. ‘Die Hintergründe der Auseinandersetzung sind noch völlig unklar’, sagt Frank Doblinski von der Polizeidirektion Lübeck.”

“‘Es ist alarmierend, dass so etwas im Jahr 2011 noch passieren kann’, sagt der innenpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Rüdiger Hinrichs.” Innenpolitischer Sprecher der CDU – da schlägt mein Pappnasen-Indikator stark an. Was kann nicht passieren? Dass Männer “südosteuropäischer” Herkunft Neonazis nordwestdeutscher Herkunft verhauen? Oder umgekehrt?

Und was zum Teufel ist eine “südosteuropäische Herkunft”? Serben? Albaner? Rumänen? Vermutlich verhunzen die politisch korrekten Lichterkettenträger in deutschen Redaktionen den Sachverhalt, weil sie befürchten, dass die Realität den Leser beunruhigen könnte. Rumänische Zigeuner verprügeln einheimische Neonazis! Serben machen einen Hufeisenplan und schlagen deutsche Neonazis zusammen! Die albanische Mafia hilft den Deutschen beim Kampf gegen Rechts!

Bei burks.de (wolhyniendeutsche-westpreußische Herkunft) würde “Einwanderer vom Balkan” zu lesen sein. Aber warum ist das in diesem Zusammenhang überhaupt erwähnenswert, liebe Journaillle?

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Migrationshintergrund

Deutsch des Grauens bei der Süddeutschen und auch anderswo : Migrationshintergrund.

Wenn ich demnächst innerhalb von Berlin umziehen sollte, dann habe ich einen Umzugshintergrund. Gespräch zwischen Urlaubern: Haben Sie auch einen Reisehintergrund? Gespräch zwischen Pfaffen: Es ist schade, dass so wenige Menschen einen Religionshintergrund haben. Zwei Kinder im Kindergarten: Hast du auch einen Erziehungshintergrund?

Die Vorfahren sind nach Deutschland eingewandert. Das will man sagen. Warum sagt man es dann nicht so?

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Ich habe einen Vogel

tarn

…müsste ich zu mir selbst sagen, da ich bei wunderschönem Osterwetter vom Joggen heimkehre und jetzt hungrig bin, aber auch eine Dusche brauche, dennoch vor dem Rechner sitze, obzwar mir nichts einfällt zur Weltlage und zu den Weltläuften (kennt jemand das Wort oder weiß gar, was es bedeutet? Bitte melden!), und versuche zu bloggen, was mir inhaltlich ohnehin misslingt, da ein Tarn (liebe Kinder – den gibt es nicht wirklich, obwohl ich bzw. mein Avatar – der Kerl rechts – darauf sitzen und herumfliegen kann!) in Gor (nein, Gor gibt es auch nicht, obwohl einige Idioten das missverstanden haben!) nicht wirklich für einen literarisch und bloggerisch anspruchsvollen Inhalt steht, sonder das Missfallen der wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser auf sich ziehen wird, da diese zu Recht annehmen, der Autor dieses kleinen familienfreundlichen und zensurfeindlichen Blogs sollte sich lieber diesem und jenem anspruchsvollem journalistischen Sujet (bedaure, auch dieses Wort gehört zu meinem francophilem – nein, nicht der Diktator, sondern die Sprache – aber heißt das so? – Wortschatz), wenn nicht gar einem literarischen Projekt widmen, das, wie das Publikum zu Recht vermutet, schon seit langem in meinem Kopf schlummert, wenn nicht gar davon mehrere, aber partout (zum drei Mal geschwänzten sarrazinischem Hugenotten: gleich sage ich auch noch Chaiselonge!) nicht hinauswill, was zwar bedauerlich, aber durch Gewalt jedweder Form nicht zu ändern ist (Herrschaftszeiten, will denn dieser vermaledeite Satz nie aufhören!?) dergestalt, dass ich mich selbst nicht in den Allerwertesten treten, sondern nur auf eine Muse hoffen kann, wobei mir einfällt, dass ich noch jemanden anrufen wollte.

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Polizeiliche “Ingewahrsamnahme”

Pressemeldung des Bundesverfassungsgerichts: “Zur polizeilichen Ingewahrsamnahme eines Beschuldigten zwecks Feststellung seiner Identität und Durchführung erkennungsdienstlicher Maßnahmen”

In deutscher Sprache hieße die Überschrift: Wie lange darf die Polizei jemanden vorläufig festnehmen, um herauszufinden, wer diese Person ist?

“Die Beschwerdeführer betraten zusammen mit einer Gruppe von etwa 100 Personen aus dem Umfeld der sogenannten Bauwagenszene ohne Erlaubnis ein Grundstück, um das Gelände als neuen Wohnsitz und Abstellort für mehrere mitgeführte Bauwagen zu nutzen. Nachdem gegen sie seitens der Grundstückseigentümerin Strafantrag gestellt worden war, stellte die Polizei vor Ort die Identität der noch anwesenden Personen fest, umstellte die Gruppe und teilte ihnen mit, dass sie wegen Verdachts des Hausfriedensbruchs vorläufig festgenommen seien. Sowohl vor als auch während der anschließenden polizeilichen Räumung des Platzes wiesen die Beschwerdeführer sich unter Vorlage von gültigen Ausweispapieren aus. Sie wurden sodann zunächst auf die Polizeiwache und später auf das Polizeipräsidium gebracht, wo sie jeweils in einer Zelle eingeschlossen waren. Zur erkennungsdienstlichen Behandlung, die in der Anfertigung von zwei bzw. drei Lichtbildern bestand, befanden sie sich mehr als fünf bzw. mehr als acht Stunden im Polizeigewahrsam.

Die Anträge der Beschwerdeführer auf gerichtliche Feststellung, dass Grund, Dauer und Durchführung der Freiheitsentziehung rechtswidrig waren, hatten im Berufungsverfahren vor dem Landgericht bzw. bereits vor dem Amtsgericht keinen Erfolg. (…)Für eine eindeutige Beweisführung sei es erforderlich gewesen, das tatsächliche damalige Aussehen der Beschwerdeführer zu dokumentieren. Die Dauer der Ingewahrsamnahme sei der Vielzahl der zu erfassenden Personen geschuldet. Eine Freiheitsentziehung sei darin nicht zu sehen.

Die 1. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts hat entschieden, dass die fachgerichtlichen Beschlüsse, soweit sie die Maßnahmen der Polizeibehörden auch nach Vorlage und Überprüfung der Ausweispapiere für rechtmäßig erklären, die Beschwerdeführer insbesondere in ihrem Grundrecht auf Freiheit der Person aus Art. 2 Abs. 2 Satz 2 GG verletzen. Insoweit hat das Bundesverfassungsgericht die angegriffenen Beschlüsse aufgehoben und die Sachen zur erneuten Entscheidung an das Landgericht bzw. Amtsgericht zurückverwiesen.”

“Ingewahrsamnahme” kommt ins Horrorkabinett direkt neben “friedenserzwingende Maßnahme”, “Durchführungsverordnung”, “Abmahnung”, “andenken”, “Präzisionsluftschlag”, “Nichtanwendungserlass für das Zugangserschwerungsgesetz”, “Sicherungsverwahrung” und “Ausländerfeindlichkeit”.

Die wegen Strahlung Todgeweihten grüssen dich

Frankfurter Rundschau: “Doch die wegen Strahlung dem Tode geweihten Techniker vor Ort erzielen kleine Fortschritte.”

Es ist immer schwierig, wenn man alles, was man sagen will, in einen Satz packt, vor allem dann, wenn es sowohl eine gute als auch eine schlechte Nachricht ist. (Außerdem steht nach “wegen” der Genitiv.)

Die Techniker sind dem Tod geweiht – dem “Geweihten” ist eine pathetische-religiöse Schwere zu eigen, um es philosophisch zu sagen; man müsste diesen Stil beibehalten, sonst wäre es ein Stilbruch. Der Leser soll, nachdem ihm mitgeteilt wurde, etwas sei geweiht worden, sozusagen in den moraltheologischen Zeitlupen-Modus umschalten. Ab jetzt wird’s feierlich. Während der Verehrung höherer Wesen darf man auch nicht herumrennen. Der Laufstil -das gemessene Schreiten – trennt symbolisch das Religiöse vom Profanen.

Jetzt haben wir die Leser soweit, dass sie die Nachricht, die Techniker müssten bald sterben, verarbeitet haben. Sie trauern und fühlen mit den Angehörigen.

Und jetzt zu etwas ganz Anderem: Die Todgeweihten haben Fortschritte gemacht! Hurra! Lasset uns jauchzen und frohlocken! Wie beim Focus: Die Lage an der Ostfront scheint stabilisiert! Radioaktives Material muss nun aber nicht abgelassen werden! Wir atmen alle gemeinsam erleichtert auf.

Nun lesen wir weiter: “Die Strahlung hat derweil weitere Nahrungsmittel erreicht.” Äh – ist das jetzt gut oder schlecht? Was soll ich jetzt fühlen – etwas kognitiv Dissonantes?

Schnell noch drei unabhängige journalistische Quellen nachgelegt, um nach guter deutscher journalistischer Tradition, der sich der Focus bekanntlich verpflichtet fühlt, die Leserschaft hin- und ausreichend zu informieren: “Regierungsvertreter beteuerten aber, dass die Belastung unbedenklich sei.”

By the way: Wer hat euch eigentlich ins Hirn geschissen, mit Verlaub?

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