Bücher, die Strom brauchen
Nun, gut, da ich meistens politisch völlig inkorrekt per Amazon meine Bücher kaufe, habe ich mich vorerst auf das Kindle festgelegt.
Ich war doch sehr überrascht, dass mir Dieter Nolls Abenteuer des Werner Holt angeboten wurden, ein in der DDR in den frühen 60-er Jahren erschienenes Buch. Als ich für mein Buch „Im Griff der rechten Szene“ recherchierte, erzählen mir viele junge DDR-Nazis, dass dieses Buch ihre Lieblingslektüre gewesen sei. Offenbar ist das ein Longseller.
Wikipedia: „Die Abenteuer des Werner Holt ist ein zweibändiger, in den Jahren 1960 und 1963 erschienener Entwicklungsroman des DDR-Schriftstellers Dieter Noll. Die Popularität des ersten Bandes ‚Roman einer Jugend‘ zog eine Fortsetzung mit dem Titel „Roman einer Heimkehr“ nach sich. Basierend auf dem ersten Teil entstand 1965 der 165-minütige Schwarzweiß-Film Die Abenteuer des Werner Holt mit Klaus-Peter Thiele in der Hauptrolle. In der Polytechnischen Oberschule in der DDR gehörte der erste Band dieses Buches zum Lehrplan.“
Vielleicht sollt eich auch ein Buch über Flakhelfer schreiben. Wir ziehen ja jetzt wieder in die Ukraine in den Krieg, ungefähr an derselben Stelle, wo die Wehrmacht schon mal war. Ich hoffe, sie kommen bis nach Stalingrad – mit demgleichen Ergebnis wie damals.
Agieren außerhalb des bestehenden völkerrechtlichen Rahmens
Das Ministerium für Wahrheit informiert: „Krieg“ heißt jetzt: „Agieren außerhalb des bestehenden völkerrechtlichen Rahmens“.
Langfassung: „Die deutsche Politik muss akzeptieren, dass das bestehende internationale System, allen voran die Vereinten Nationen nicht den Herausforderungen der Weltunordnung des 21. Jahrhunderts entsprechen. Das bedeutet praktisch zu akzeptieren, dass ein Agieren außerhalb des bestehenden völkerrechtlichen Rahmens vonnöten sein kann, wenn die Stabilität der internationalen Ordnung gefährdet ist,..“
Wer hat das geschrieben? Man könnte raten: Obama? Henry Kissinger? Die Atlantik-Brücke? Zbigniew Brzezinski?
Nein, es war Bodo Weber von der grünen Heinrich-Böll-Stiftung: „Deutschlands außen- und sicherheitspolitische Verweigerung“ (via Mathias Broeckers und Paul Schreyer)
Man könnte auch formulieren: Freie Handelswege am Hindukusch für freie Bürger Am deutschen Wesen soll die Welt genesen, legal, illegal, scheißegal.
Presseverbindungsführer oder: Wir sind die Guten
Ich habe das Buch gekauft, aber noch nicht ausgelesen. Dennoch kann ich es jetzt schon uneingeschränkt empfehlen: „Wir sind die Guten.: Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren“ von Mathias Broeckers und Paul Schreyer.
Der Co-Autor Paul Schreyer hatte in Telepolis im Februar schon einen gleichlautenden Artikel veröffentlicht: „Wir sind die Guten – Zur Debatte um die deutsche Verantwortung in der Welt“. Mathias Broeckers und Schreyer stellten ihr Buch im August ebendort vor.
Das heißt nun nicht, dass der Nicht-Hitler Wladimir Putin ein Waisenknabe, sein Regierungsstil der eines „lupenreinen Demokraten“, wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder ihn einmal nannte, und Russland ein freiheitlicher Rechtsstaat ohne Fehl und Tadel sei. Das ist nicht der Fall, und Kritik an der Amtsführung des russischen Präsidenten ist in mancher Hinsicht berechtigt. Dass jedoch der Versuch, die Motive Russlands in der Ukraine-Krise zu verstehen und Einsicht in die Beweggründe und Ursachen von Putins Handeln zu gewinnen, diskreditiert und „Putinversteher“ (oder „Russlandversteher“) als Schimpfwort gebraucht wird, kommt einer Diffamierung jeder Art von Analyse gleich. Wo jedoch nicht mehr analysiert werden darf, da herrscht Ideologie, wo Verstehen verboten wird, regieren Glaubensbekenntnisse.
Deshalb bekennen die Autoren sich neuerdings und ausdrücklich als „Putinversteher“. Denn je boshafter, hitlerartiger Putin in den Medien porträtiert wird, desto wichtiger wird ein nüchternes und realistisches Verstehen – nicht durch psychologisierende Spekulation über eine Person, sondern durch politische Analyse, nicht durch einseitige Ideologie, sondern durch ein möglichst objektives Erkennen der Lage.
Von einem solchen möglichst neutralen Erkenntnisgewinn haben sich die westlichen Medien während der gesamten Krise in der Ukraine weitgehend – und seit der Zuspitzung der Lage im November 2013 nahezu vollständig – verabschiedet.
Und genau das erschreckt mich – diese freiwillige Gleichschaltung der deutschen Medien. Wie kommt das? Es wäre doch gar nicht nötig – die Leserinnen und Leser würden doch durchaus eine „durchwachsende“ Berichterstattung honorieren, und das deutsche Kapital und dessen Lohnschreiber und Lautsprecher stehen nicht unbedingt einhellig hinter der Politik des Neo-Imperialismus und der NATO, die am liebsten Raketen so in der Ukraine installieren würden, dass man Stalingrad damit erreichen könnte.
Immerhin hat Garbor Steingart ausgerechnet im Handelsblatt geschrieben, die Politik „des Westens“ in der Ukraine sei ein Irrweg und das Meinungsspektrum „wurde auf Schießschartengröße verengt.“ Dem Handelsblatt Kapitalismus-Kritik zu bescheinigen, wäre so, als testierte man Stalin, er habe christliche Nächstenliebe praktiziert.
Nehmen wir einmal folgendes Szenario an: In Deutschland findet ein von einer äußeren Macht geförderter Putsch statt, bei dem die demokratisch gewählte Regierung mit Waffengewalt abgesetzt und durch ein Regime ersetzt wird, in dem die NPD und ihre bewaffneten Kameradschaften einen bedeutenden Einfluss haben. Daraufhin besetzen in Nordrhein- Westfalen aufgebrachte Bürger Rathäuser und Verwaltungsgebäude und errichten Straßensperren, weil sie die Junta in Berlin nicht als legitime Regierung ansehen. Sie fordern Autonomie für ihre Region, wollen dazu ein Referendum abhalten, doch Berlin schickt Panzer und Soldaten, um diese „Separatisten“ und „Terroristen“ zu eliminieren.
Ich verstehe es nicht. Vielleicht hilft eine Verschwörungstheorie weiter. Die Zeit schrieb am 20.09.2013: „Aus Sicht mancher Mitarbeiter in den Sicherheitsbehörden ist die Verbindung von journalistischer Arbeit und einer Tätigkeit für einen Geheimdienst nichts Ehrenrühriges. Ein früherer BND-Präsident hat solche Kumpanei einmal als ‚patriotische Verhaltensweise‘ gerühmt.“
Oder Horst Ehmke müsst ein Update seiner Liste derjenigen Journalisten machen, die auf der Payroll der Geheimdienste stehen.
Horst Ehmke, Kanzleramtsminister der sozialliberalen Regierung, bekam im März 1970 eine Liste zu sehen, „mit Namen und Summen, die mein Erstaunen hervorriefen.“ Erstellt hatte sie die BND-Dienststelle 923, die pro Jahr circa 250.000 Mark für Honorare, Prämien und Spesen für die journalistischen Quellen aufwandte (…) 230 Journalisten waren mit Deckname und „Presseverbindungsführern“ auf der BND-Liste registriert.
Das war 1970. Ich kann mir vorstellen, dass es heute nicht anders ist. Warum auch…
Gangsterläufer
Empfehlenswerter Film: Gangsterläufer von Christian Stahl über Yehya El-Ahmad, den Sohn palästinensischer Flüchtlinge aus dem Libanon und „Intensivtäter“ aus Berlin-Neukölln. (Leider, wie üblich, mit nerviger Zwangswerbung.)
Gott will es! Deus vult!

Merkwürdig, dass jetzt darüber gerätselt wird, warum Männer und Frauen aus Europa sich der Terrorgruppe IS anschließen. Eine Wallfahrt mit Waffen hat doch das Christentum erfunden.
Wikipedia: „Durch die Kreuzzugspredigt des Papstes veranlasst, brach im Frühjahr 1096 eine unorganisierte Volksmasse in Richtung Palästina auf. Dieses Kreuzfahrerheer bestand in erster Linie aus einfachen Menschen, Bauern und ihren Familien, weshalb man auch vom Volkskreuzzug spricht. Allerdings waren auch niedriger Adel und einzelne Ritter unter den Kreuzfahrern. Geführt wurde der Zug von Predigern wie Peter von Amiens. Seine ersten Opfer fand dieser voreilige Kreuzzug bereits in Ostfrankreich und im Rheinland (Köln, Mainz, Worms), wo es zu Massenmorden an der jüdischen Bevölkerung kam.“
Man sollte auch erwähnen, dass Papst Urban II, der zu den Kreuzzügen aufrief, seliggesprochen wurde:
Aufhören soll unter euch der Hass, schweigen soll der Zank, ruhen soll der Krieg, einschlafen soll aller Meinungs- und Rechtsstreit. Tretet den Weg zum heiligen Grab an, nehmt das Land dem gottlosen Volk, macht es euch untertan! Gott gab dieses Land in den Besitz der Söhne Israels; die Bibel sagt, dass dort Milch und Honig fließen. Jerusalem ist der Mittelpunkt der Erde, das fruchtbarste Land aller Länder… Bestreitet also diesen Weg, zur Vergebung eurer Sünden.
Wie verhielten sich christliche Terrorgruppen? Die Quellen sind verfügbar, zum Beispiel die „Gesta Francorum“ oder Wilhelm von Tyrus: „Historia rerum in partibus transmarinis gestarum“:
Schauerlich war es anzusehen, wie überall Erschlagene umherlagen und Teile von menschlichen Gliedern, und wie der Boden mit dem vergossenen Blut ganz überdeckt war. Und nicht nur die verstümmelten Leichname und die abgeschnittenen Köpfe waren ein furchtbarer Anblick, den größten Schauder mußte das erregen, daß die Sieger selbst von Kopf bis Fuß mit Blut bedeckt waren. Im Umfang des Tempels sollen an die zehntausend Feinde umgekommen sein, wobei also die, welche da und dort in der Stadt niedergemacht wurden und deren Leichen in den Straßen und auf den Plätzen umherlagen, noch nicht mitgerechnet sind, denn die Zahl dieser soll nicht geringer gewesen sein. Der übrige Teil des Heeres zerstreute sich in der Stadt und zog die, welche sich in engen und verborgenen Gassen, um dem Tode zu entkommen, verborgen hatten, wie das Vieh hervor und stieß sie nieder. Andere taten sich in Scharen zusammen und gingen in die Häuser, wo sie die Familienväter mit Weibern und Kindern und dem ganzen Gesinde herausrissen und entweder mit den Schwertern durchbohrten oder von den Dächern hinabstürzten, daß sie sich den Hals brachen.
Soalng es Menschen gibt, die an höhere Wesen glauben, wird es auch religiös motivierten Terror geben.
PS National Geographic hat zum Beispiel die Toten auf dem Gemälde, das auch die Opfer des Massakers zeigt, das die christlichen Kreuzfahrer Terrorgruppen in Jerusalen anrichteten, wegretouchiertgelassen.
Bericht aus Brüssel
Martin Sonneborns zweiter Bericht aus Brüssel (September) ist jetzt online.
Was macht eigentlich der NSA-Ausschuss?
Kai Biermann (sowieso ein guter Mann) in Zeit online: „Die Bundesregierung hält Hunderte Akten ganz zurück. Bevor der Ausschuss sie sehen dürfe, müssten erst die USA gefragt werden.“
Vgl. auch Biermanns Artikel ebendort: „In Bad Aibling spionieren BND und NSA gemeinsam, ohne rechtliche Grundlage. Denn Verträge dazu haben allein die Dienste ausgehandelt und wollen sie nun niemandem zeigen.“
Ich bedauere immer die armen Kabarettisten. Was sollen die überhaupt noch sagen?
Unser Problem ist ziviler Gehorsam!
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Ich mag Matt Damon eh schon, jetzt aber noch mehr. Könnte man sich von einem deutschen Schauspieler eine solche Rede vorstellen?
Die Anstalt
Ansehen! (Javascript aktivieren.) Ersetzt die Lektüre aller Tageszeitungen und das Fernsehen. „Rote Socken in reaktionären Stinkstiefeln“. Sehr schön. Tiefschwarzer sarkastischer Humor. (Mittlerweile auch bei Youtube)
Operative Nutzbarkeit Schrodt
Ich habe mir heute zum zweiten Mal meine Stasi-Akten beim BStU angesehen. Seit den frühen 90-er Jahren sind noch einige Unterlagen hinzugekommen. Jetzt weiß ich, dass das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mich anwerben wollte („Schrodt“ hätte mein Deckname sein sollen), dabei aber gescheitert ist.

Am 28.07.1983 heißt es über den „Sachstand HP ‚Schrodt‘ Burkhard Schröder:
… Student an der FU, Fachrichtung Geschichte, wurde im Zusammenhang mit Aktivitäten maoistischer Gruppierungen der BRD und WB [Westberlin] bekannt. Entsprechend Ministerbefehl 22/74 wurde er erfaßt und bei der HA VI in Sonderfahndung gestellt. [Es folgt eine Liste, wann ich die DDR im Transit durchquert hatte und wann ich bis dahin Tagesbesuche in Ost-Berlin gemacht hatte.] Laut Inf. der HA VI äußerte sich Sch. 1981 bei der Abfertigung an der Güst [Grenzübergangsstelle] Invalidenstraße abfällig über das Fach Geschichte an der FU, insbesondere über die Lehrtätigkeit eines russischen Emigranten. In diesem Zusammenhang bekundete Sch. die Absicht, das Museum für deutsche Geschichte aufsuchen zu wollen.

Danach – das geht aus den Akten hervor – hat die Stasi versucht, mehr über mich zu erfahren. Ein IM berichtet zum Beispiel über meinen Besuch einer Veranstaltung Thomas Gandows in West-Berlin und legt eine Kopie meiner Visitenkarte bei (die muss ich dem wohl gegeben haben, ich kann mich aber nicht mehr erinnern, wer das war). Dazu auch noch Kopien von Adressbüchern (!), in denen Firmen und Vereine angekreuzt sind, die ebenfalls in dem Haus in Kreuzberg residieren, in dem ich damals wohnte.
Den Informanten (es taucht meistens der „IM Holger“ auf) fiel auch auf, dass ich mich an der FU kritisch gegenüber der „bürgerlichen Geschichtswissenschaft“ ausgesprochen hatte. Es gefiel der Stasi aber offenbar gar nicht, dass ich mit Oppositionellen der damaligen ČSSR verkehrte, die „Hetzschriften“ versuchten „in die sozialistischen Staaten“ zu schmuggeln, und dass ich mit einem Mitglied der Charta 77 sogar nach Prag gefahren war, um mich unter konspirativen Umstäden mit Petr Uhl zu treffen. (Wikipedia: „Petr Uhl war in den 1970er Jahren eine der Identifikationsfiguren des marxistisch orientierten Widerstandes gegen die sowjetische Hegemonie in der Tschechoslowakei.“) Immerhin kenne ich jetzt wieder meine Autokennzeichen von damals.
Aus dieser Zeit stammt auch der Satz in den Akten: „Das Objekt [B.S.] ist Bartträger, sauber, aber nicht modern gekleidet und macht den Eindruck, nicht besonders gesprächig zu sein.“

Als die Stasi aber merkte, dass ich der DDR gegenüber kritisch eingestellt war – und zwar von einer linken Position aus -, und da es auch keine Kontaktpersonen in der DDR gab, entschloss man sich, einen eventuellen Anwerbungsversuch nicht mehr zu unternehmen. Ab Ende 1981 hatte ich dann Einreiseverbot. Darüber habe ich aber noch immer keine Details gefunden. Ich wüsste auch gern mehr über den ominösen „Ministerbefehl 22/74“ (mit Minister dürfte Erich Mielke gemeint sein). Dazu konnte man mir nichts sagen.
Nachdem mein westdeutscher Reisepass voller Stempel vieler Länder Lateinamerikas war, kam noch der bloße Vermerk „internationaler Terrorismus“ hinzu, ohne weiteren Kommentar. Eine Sachbearbeitern erklärte mir, das habe die Stasi „vorsorglich“ gemacht.
Braune Sauen, reloaded, die Erhaltung des Rechtsstaates und die seltsame Rolle der Medien
Als die NSU-Terrorgruppe in den Medien zum ersten Mal auftauchte, hatte ich geschrieben:
„Sorry, wenn ihr erwartet, dass ich jetzt die bekannte braune Sau “Braune Armee Fraktion” durch’s mediale Dorf treibe, dann täuscht ihr euch. Ich warte erst ab, bis das Thema ein Verfassungsschutz-Skandal wird.“
Durch einen Artikel auf Spiegel online wurde ich jetzt auf das Fatalist-Blog aufmerksam, das überraschend viele Fakten zum NSU-Untersuchungsausschuss bietet (Spiegel online verschweigt den Link, es ist nicht zu fassen).
„Fatalist“ schreibt (und zitiert Spiegel online):
Das hier finde ich nett:
‚Der Blogger ist Diplom-Ingenieur, er soll eine Firma in Sachsen betreiben und sich beruflich häufig in Asien betätigen. Im Internet tritt er unter dem Namen „Fatalist“ auf. Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden bestätigen die Recherchen. „Fatalist“ soll bereits in der Vergangenheit unter diesem Namen auf rechtsextremen Plattformen unterwegs gewesen sein.‘
Ja, stimmt, bei politikforen.net, wo einer der Verantwortlichen ein Spiegel-Redakteur namens Richard Meusers ist.
Zerbröselt
Anke Domscheit Berg ist aus der Piratenpartei ausgetreten.
Im Nachhinein muss ich gestehen, dass es ein Fehler von mir war, eingetreten zu sein. Die Idee war gut, aber es hätte mir klar sein müssen, dass es ohne Ökonomie nicht geht – also nicht ohne die Systemfrage zu stellen. Im Gegensatz zu den FDP-2.0-Pappnasen und AfD-Salonfaschisten waren mir die „Piraten“ nicht links genug, wobei ich unter „links“ vermutlich etwas ganz anderes verstehe als die Mehrheit der Parteimitglieder.
Bulgaren, Rumänen und die CSU
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Wollt ihr das totale Urheberrecht?
Sueddeutsche.de: Wer Zitate von Joseph Goebbels benutzt, muss an die Nachlassverwalterin – Cordula Schacht, die Tochter von Hitlers Wirtschaftsminister -, Geld bezahlen.
Patriotischen Arabesken und das deutsche Sündenregister
Die Völker aneinander zu hetzen, das eine zur Unterdrückung des andern zu benutzen und so für die Fortdauer der Herrschermacht zu sorgen – das war die Kunst und das Werk der bisherigen Gewalthaber und ihrer Diplomaten. Deutschland hat sich in dieser Hinsicht ausgezeichnet. Es hat, um nur das 18. und frühe 19. Jahrhundert ins Auge zu fassen, seine Landsknechte für englisches Gold den Briten gegen die für ihre Unabhängigkeit kämpfenden Nordamerikaner überliefert; als die erste französische Revolution losbrach, waren es abermals die Deutschen, die sich wie eine tolle Meute gegen die Franzosen hetzen ließen, die mit einem brutalen Manifeste des Herzogs von Braunschweig ganz Paris bis auf den letzten Stein zu schleifen drohten, die sich mit den ausgewanderten Adligen gegen die neue Ordnung in Frankreich verschworen und sich dafür von England unter dem Titel von Subsidien bezahlen ließen.
Als die Holländer während der letzten drei Jahrhunderte einen einzigen vernünftigen Gedanken faßten, der tollen Wirtschaft des Hauses Oranien ein Ende und ihr Land zur Republik zu machen, waren es wiederum Deutsche, die als die Scharfrichter der Freiheit auftraten. Ja, bis nach Griechenland hin entsandte man deutsche Söldnerscharen, die dem lieben Otto sein Thrönchen stützen mußten, und bis nach Portugal deutsche Polizisten. Und die Kongresse nach 1815, Östreichs Züge nach Neapel, Turin, Frankreichs Unterdrückungskrieg gegen Spanien von Deutschland erzwungen, – die Reaktion in England mit hannoverschen Truppen bewaffnet, Belgien durch deutschen Einfluß zerstückelt …
Mit Hülfe deutscher Soldateska Polen beraubt, zerstückelt, Krakau gemeuchelt. Mit Hülfe deutschen Geldes und Blutes die Lombardei und Venedig geknechtet und ausgesogen, mittel- oder unmittelbar in ganz Italien jede Freiheitsbewegung durch Bajonett, Galgen, Kerker und Galeeren erstickt. Das Sündenregister ist viel länger; schlagen wir es zu.
Die Schuld der mit Deutschlands Hülfe in andern Ländern verübten Niederträchtigkeiten fällt nicht allein den Regierungen, sondern zu einem großen Teil dem deutschen Volke selbst zur Last. Ohne seine Verblendungen, seinen Sklavensinn, seine Anstelligkeit als Landsknechte und als „gemütliche“ Büttel und Werkzeuge der Herren „von Gottes Gnaden“ wäre der deutsche Name weniger gehaßt, verflucht, verachtet im Auslande, wären die von Deutschland aus unterdrückten Völker längst zu einem normalen Zustand freier Entwickelung gelangt.
Jetzt, wo die Deutschen das eigene Joch abschütteln, muß sich auch ihre ganze Politik dem Auslande gegenüber ändern, oder in den Fesseln, womit wir fremde Völker umketten, nehmen wir unsere eigene junge, fast nur erst geahnte Freiheit gefangen. Deutschland macht sich in demselben Maß frei, worin es die Nachbarvölker freiläßt.
Nur wo das materielle Interesse sich verbirgt unter diese patriotischen Arabesken, nur bei einem Teil der großen Bourgeoisie, die mit diesem offiziellen Patriotismus Geschäfte macht, macht der offizielle Patriotismus noch Geschäfte. Das weiß und benutzt die reaktionäre Partei. Soll Deutschlands Blut und Geld nicht länger gegen seinen eigenen Vorteil zur Unterdrückung anderer Nationalitäten vergeudet werden, so müssen wir eine wirkliche Volksregierung erringen, das alte Gebäude muß bis auf seine Grundmauern weggeräumt werden. Wie wollt ihr demokratisch auftreten nach außen, solange die Demokratie im Inland geknebelt ist?
(Karl Marx, „Neue Rheinische Zeitung“ Nr. 33 vom 3. Juli 1848)
Katalonien und Schottland
Eigentlich geht es mich nichts an. Aber der Verdacht drängt sich auf, dass es sich – zumindest in Schottland – wieder einmal um einen Klassenkampf handelt, der in einem merkwürdigen Kostüm einherkommt. Da weder die schottischen noch die katalonischen Separatisten am System etwas ändern wollen, bin ich also gegen neue Staaten.
Ein Linker darf und kann niemals Nationalist sein. (Sorry, liebe Lateinamerikaner und Innen!)
You have been tasked, key employee!
Spiegel online (Video mit gewohnt nerviger Zwangswerbung vorab): „German firm Stellar brings internet access to remote locations via satellite. Documents provided by Edward Snowden show, that the companys systems were hacked by the british GCHQ. Stellar-representatives and engineers are shocked.“
Hübsch finde ich die Stelle, an der der Name eines der Angestellten in den Geheimdienst-Dokumenten auftaucht und der Betroffene sichtbar schlucken muss. Das Passwort kann man aber schon beinahe raten…
Ich frage mich, warum sich die Leute aufregen. Wir haben doch schon seit langem das Telekommunikationsgesetz (TKG) §112, das die automatisierte Abfrage für unsere Geheimdienste regelt, die die Daten dann unter Freunden in die USA verschieben.
Wir sind die Guten
Die Junge Welt im Gespräch mit Paul Schreyer über den Bestseller „Wir sind die Guten„:
Können Sie erklären, warum die deutsche Bevölkerung dem Propagandagetöse nicht beistimmt – und wäre dies für die Medien nicht Anlaß, besonnener zu berichten?
Viele Mediennutzer bewerten die gängige Berichterstattung zu Putin und zur Ukraine inzwischen tatsächlich als Propaganda, wie man an zahllosen kritischen Leserkommentaren erkennen kann. Zahlreiche Journalisten der Leitmedien haben sich aber früh festgelegt in ihrer Bewertung der »Guten« und der »Bösen« im Ukraine-Konflikt. Und aus dieser Positionierung kommen sie jetzt nicht mehr ohne Gesichtsverlust heraus. Das erklärt zum Teil die derbe Leserbeschimpfung einiger Kollegen, die jede Kritik an ihrer Arbeit inzwischen als ungerechtfertigt oder sogar als »von Moskau gesteuert« ansehen.
Nobody Stands to Win in This Tit-for-Tat Battle
RIA Novosti fasst (in Englisch) die Presseberichte „westlicher“ Medien zur Ukraine und zu den Sanktionen gegen Russland zusammen. „Nobody Stands to Win in This Tit-for-Tat Battle“.
Im Gegensatz zu den meisten deutschen Medien verlinkt Novosti die Quellen. Lesenswerter Überblick.
Know your volunteer battalions
44 paramilitärische Gruppen kämpfen in Ost-Ukraine gegen Separatisten. Kyivpost: „Know your volunteer battalions“.
Tagesspiegel: „Hakenkreuz und SS-Rune – Protest von Zuschauern“. „Darauf, dass Rechtsradikale in großer Zahl die Regierungstruppen unterstützen, geht der ZDF-Reporter nicht ein.“





















