Unter Praktikanten

Praktikanten

Vielleicht sollte Spiegel online die Praktikanten, die die Website machen, besser bezahlen… SCNR

Das Netz stöhnt [Update]

mainstream-medien

Man sollte sich fragen, wo die größeren Pappnasen sitzen: Im neuen Datenautobahnministerium des Alexander Dobrindt oder bei den Mainstream-Medien, die darüber berichten… Die Zahl der „Freunde“ oder „Fans“ bei Fratzenbuch sagt also jetzt irgendetwas aus? Wie merkbefreit muss man sein, um so einen Quatsch zu schreiben? Angeblich haben die das Vier-Augen-Prinzip bei Spiegel online, aber das macht es auch nicht besser. Und ist „das Netz“ jetzt so etwas wie „die Märkte“?

[Update] Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Spiegel online hat einen PGP-Schlüssel! Friert jetzt die Hölle zu? Vielleicht sollten die auch mal einen vernünftigen Webdesigner engagieren.

ZDF und Fratzenbuch

fratzenbuch

Ich frage mich, warum eine von unseren Gebührengeldern finanzierte „öffentlich-rechtliche“ Anstalt bei Fratzenbuch sein muss? Das ZDF ist dort kein Kunde, sondern das Produkt, was verkauft wird. Trauen die ihrer eigenen Website nicht zu, die „Kommunikation“ leisten zu können?

Geschieht dem ZDF recht. Aber Konsequenzen werden natürlich nicht gezogen werden.

Warum die NSA-Affäre niemanden wirklich stört

Leitmedium.de (Caspar Clemens Mierau) über die Heuchelei deutscher Medien, die über Überwachung schreiben und gleichzeitig die LeserInnen exzessiv tracken und ausspionieren: „Süddeutsche (24 Tracker), Spiegel Online (18 Tracker), ZEIT Online (14 Tracker), Welt (24 Tracker), BILD Online (24 Tracker) – es ist überall die gleiche Situation.“

Journalisten und „soziale“ Netzwerke

party

Die Mitgliederversammlung des DJV Berlin hat gestern folgenden Antrag von mir beschlossen:

Die Mitgliederversammlung des DJV Berlin möge beschließen:
Der DJV Berlin setzt sich im Bundesvorstand dafür ein, dass der Bundesverband, die Bundesfachausschüsse und die Landesverbände des DJV keine offiziellen Präsenzen in so genannten “sozialen” Netzwerken US-amerikanischer Firmen betreiben. Falls sich dafür keine Mehrheit im Bundesvorstand findet, bereitet der DJV Berlin einen entsprechenden Antrag für den nächsten Bundesverbandstag vor.

Begründung:
Die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten basiert auf vertraulichen Informationen. US.amerikanische Firmen sind verpflichtet oder freiwillig bereit, die Daten ihrer Nutzer direkt an US-amerikanische Geheimdienste weiterzuleiten. Das gilt sowohl für das Surf-Verhalten als auch für die Inhalte der unverschlüsselten E-Mails, die über diese Dienste versendet werden.
Der Bundesvorsitzende Michael Konken hat dazu aufgerufen, auf die Suchmaschine Google zu verzichten. Das ist zwar unsinnig, da man Google auch benutzen kann, ohne Daten preiszugeben; das gilt aber nicht für so genannte “soziale” Netzwerke wie etwa Facebook.
Zudem sind Nutzer US-amerikanischer “sozialer” Netze nicht Kunden, sondern die Ware, die verkauft wird. Es besteht kein Grund für Berufsorganisationen und Gewerkschaften von Journalistinnen und Journalisten, das freiwillig mitzumachen.
Auftritte in so genannten “sozialen” Netzwerken, die von einzelnen Mitgliedern privat betrieben werden, bleiben davon unberührt.

Alle anderen Anträge, die ich gestellt hatte, fanden auch eine Mehrheit. Anschließend gab es eine kleine Feier (siehe oben).

Es hätte schlimmer kommen können

Vier fiktive Interviews in der FAZ. Muahahaha.

Die Bundesmedienanstalt gibt bekannt: Klassenkampf ab sofort verboten

Revolution

Die Krawalle in Russland gehen weiter. Tausende Regierungsgegner versuchten am Morgen, die Regierungszentrale, die Kommandozentrale der Polizei und das Winterpalais einzunehmen. Die Oppositionsführer Lenin und Trotzki stellten Ministerpräsidentin Kerenski ein Ultimatum für den Rücktritt.

Revolution

Die Krawalle in Thailand gehen weiter. Tausende Regierungsgegner versuchten am Morgen, die Regierungszentrale, die Kommandozentrale der Polizei und das Parlament einzunehmen. Oppositionsführer Suthep stellte Ministerpräsidentin Yingluck ein Ultimatum für den Rücktritt.

Die kürzlich gegründete Bundesmedienanstalt, die für die Kontrolle der Printmedien, der Radio- und Fernsehsender sowie die öffentlich-rechtlichen Internets zuständig ist, gab gestern folgende Sprachregelung bekannt: „Der Begriff Klassenkampf ist ab sofort in der Berichterstattung untersagt. Er stört den öffentlichen Frieden, stammt aus dem kommunistischen Sprachgebauch und widerspricht der Tatsache, dass es keine andere Wirtschaftsordnung als die freiheitlich-demokratische Marktwirtschaft geben darf. Ab sofort werden gewalttätige Kämpfe um die Macht weltweit ausschließlich als „Krawalle“ bezeichnet. Angehörige revolutionärer linksextremistischer Gruppen müssen ausnahmlos als „Chaoten“ benannt werden. (Ausnahmen: Zur Zeit heißen Terroristen in Syrien, die von Mitgliedern der EU mit Waffen beliefert werden, „Rebellen“. „Rebellen“ in afrikanischen Ländern, in denen die europäischen Staaten militärisch intervenieren müssen, um die Freiheit der Handelswege zu sichern, heißen hingegen „Islamisten“.) Zuwiderhandlungen werden nach § 17 Absatz c des Bundesmedienaufsichtgesetzes bestraft.“

Unter uns Völkerkundlern

Spiegel online schreibt: Dem deutschen Publikum ist der harte Schlagabtausch zwischen Politikern und Journalisten eher wenig vertraut. (…) Im britischen Fernsehen wäre es nur eines von vielen.“

Nun fragen wir, so ganz unter uns Völkerkundlerinnen: Woran liegt das? Kann man das und sollte man das ändern und wie? Darüber sollte mal jemand eine Dissertation verfassen.

Lohnfindungsstrukturen

lohnfindungsstruktur

Lohnfindungsstrukturen in Minnesota/USA 1934 – gern auch mal ohne korrupte Gewerkschaftsfunktionäre

Eine Vertreterin des Finanzkapitals – hier: die Deutsche Bank – meint laut Handelsblatt: „Die gesetzliche Vorgabe einer allgemeinen Lohnuntergrenze stellt einen beträchtlichen Eingriff in die seit Jahrzehnten bestehenden Lohnfindungsstrukturen dar.“

Was zum Teufel ist eine Lohnfindungsstruktur? Lesen wir die Propaganda-Sprechblasen weiter: „Bei einer generellen Anhebung dieser Niedrigentgelte entstünde ein beträchtlicher Lohnkostendruck, der sich zum Teil in höheren Verbraucherpreisen niederschlagen wird.“

Wieso sollte ein höherer Mindestlohn (nicht „Niedrigentgelt“) höhere Preise nach sich ziehen? Vielleicht senken höhere Löhne – bei gleichbleibenden Preisen – ja nur die Profite? Was wäre daran so schlimm?

Der Gedanke, auf Profite zu verzichten, ist den Lautsprechern des Kapitals und ihren unkritischen Helfershelfern in den Medien aber so ungeheuer fremd und unvorstellbar wie für den Papst die Idee, dass es keine Götter gibt.

Postscriptum: Es ist schon sehr interessant, dass kein deutsches Medium diese verschwurbelte Agitprop auseinandernimmt und kritisiert; stattdessen wird das suggestive Neusprech einfach und ohne ein Wort der Kritik übernommen. Noch nicht einmal das Prizip audiatur et altera pars gilt – aber wen wollte man schon fragen…

Neue Mehrheiten und das Wilde am Kapitalismus

Camila Valejo

Spiegel online Die Mainstream-Medien erklären uns Politik und den Kapitalismus, hier in Chile:
Vieles, was in anderen Ländern selbstverständlich ist, gilt in dem südamerikanischen Land noch immer als linksradikal und verdächtig. Ein regulierender Staat zum Beispiel, die Begrenzung des wilden Kapitalismus, Arbeitnehmerrechte, würdige Löhne und Gehälter oder eben ein Bildungs- und Gesundheitssystem, das bezahlbar ist.

Da haben wir doch alle Textbausteine und Sprechblasen für die Lautsprecher des Kapitals zusammen. Vieles, was in anderen westeuropäischen Ländern selbstverständlich ist, gilt in Deutschland noch immer als linksradikal und verdächtig, zum Beipiel, eine Alternative zum Kapitalismus zu suchen, das K-Wort in den Mund zu nehmen oder Antifaschismus.

Camila Vallejo „tritt für die Kommunistische Partei an, die erstmals bei einer Wahl unter den Mantel der großen Mitte-links-Koalition ‚Nueva Mayoria‚ um Präsidentschaftskandidatin Michelle Bachelet geschlüpft ist.“

Wie meinen? Eine Präsidentschaftskandidatin erlaubt (vade retro, Satanas!) Kommunisten, mit ihr zusammenarbeiten? Wo bleibt der Exorzismus? In Deutschland gehen die „Sozialdemokraten“ sogar lieber mit der bürgerlichen Rechten und den Handlangern des Kapitals zusammen als dass sie mit der harmlosen „Linken“ koalieren würden, die mit kommunistischer Politik so viel zu tun hat wie Alice Schwarzer mit einem Puff.

Sogar als es zeitweilige rechnerische Mehrheit im Bundestag für einen Mindestlohn von zehn Euro gab, hat die SPD gekniffen – und nur, weil der Vorschlag von der „Linken“ kam. Ekelhafte heuchlerische und moralisch verkommene Bande! Lasalle würde euch zum Duell fordern. Ihr seid sogar zu dumm, um euch zu schämen.

Lassen wir uns jetzt auf der Zunge zergehen, was deutsche Journalisten als Gesellschaftsmodell nicht schlecht finden: „ein regulierender Staat“? Ach was? Was soll denn das heißen? Rückkauf der Energiekonzerne? Ist in Berlin, wo auch die „Linke“ mitregiert, gerade gescheitert. Soll die heilige Kuh angetastet werden und der Staat in den „freien Markt“ eingreifen? Die Bahn nicht mehr an die Börse gehen?

Am Schönsten ist ohne Zweifel „die Begrenzung des wilden Kapitalismus“. Das ist nicht nur Deutsch des Grauens, sondern auch grober nichtssagender Unfug, also ein Paradebeispiel für deutsche Medienberichte über ökonomische Fragen. Das wundert mich nicht, denn Klaus Ehrenfeld, der Autor des Artikels bei Spiegel online, schreibt auch für das Handelsblatt. Und in dem Lobbyisten-Blatt für die so genannte freie Marktwirtschaft das Kapital darf die Systemfrage noch nicht einmal gedacht werden.

Was ist denn „wild“ am Kapitalismus und welcher Teil soll von wem wie gezähmt werden? Und wann sind Löhne „würdig“ – würdig wessen? Und darf Hartz IV auch würdig sein?

Hinter derartigen hohlen Phrasen verbirgt sich nichts anderes als suggestives Volkswirtschaftssprech und die quasi-religiöse Idee der „sozialen Marktwirtschaft“ – als gäbe es auch eine „asoziale“ Marktwirtschaft. „Sozialer“ Kapitalismus oder „asozialer“ Kapitalismus – das ist hier nicht die Frage. Der „gezähmte“ Kapitalismus macht und auch nicht alle reich und glücklich. Was wolltest Du uns denn eigentlich über die Ökonomie mitteilen, Kollege Ehrenfeld?

Das ist – mit Verlaub – kein Journalismus, sondern ziemlich dämliche Propaganda. Y viva commandante Camila.

KonkenPlag [Update]

Michael Konken, der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV), hat beim diesjährigen Verbandstag am 04.11.2013 eine Rede gehalten, die im Volltext von der Verbandszeitung „Journalist“ dokumentiert worden ist.

Verschwiegen wurde aber, dass Konken oder sein Redenschreiber die Rede zu einem großen Teil wörtlich aus einem Artikel bei Spiegel online (Karriere Spiegel) übernommen hat, ohne dass in der dokumentierten Rede die Quelle genannt wird.

Zum Glück für den Sprechblasenfacharbeiter Konken interessiert sich niemand für das, was dort verlautbart wird. Beispiele gefällig?

Spiegel Karriere:
Anfang August sorgt eine junge Studentin aus Nordrhein-Westfalen für Furore. Sie ist 22 Jahre alt, den Bachelor mit Einser-Abschluss hat sie fast in der Tasche. Seit sechs Jahren jobbt sie bei einer Tageszeitung, hat mehrere gute Praktika sowie eine Weiterbildung beim Springer-Verlag und bei der Grimme-Akademie gemacht, gute Adressen im Journalismus. Nun will sie ein Zeitungsvolontariat machen.
Doch was sie in den Bewerbungsverfahren erlebt, „ist so unglaublich, frech und unverfroren, dass ich mir unbedingt Luft machen muss“…

Konken:
Anfang August sorgte eine junge Studentin aus Nordrhein-Westfalen für Furore. Sie ist 22 Jahre alt, den Bachelor mit Einser-Abschluss fast in der Tasche. Seit sechs Jahren jobbt sie bei einer Tageszeitung, hat mehrere gute Praktika sowie eine Weiterbildung beim Springer-Verlag und bei der Grimme-Akademie gemacht, gute Adressen im Journalismus. Nun will sie ein Zeitungsvolontariat machen. Doch was sie in den Bewerbungsverfahren erlebt, „ist so unglaublich, frech und unverfroren, dass ich mir unbedingt Luft machen muss“…

Spiegel Karriere:
Dreimal wurde Rüggeberg zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Ein Verlag behauptete, ungefähr nach Tarif zu zahlen, am Ende waren es jedoch nur noch 1500 Euro brutto – statt 1781 Euro, die Tageszeitungsvolontären im ersten Jahr tariflich zustehen. Zusätzlich stand schon vorher fest, dass sie pro Monat noch bis zu 25 Überstunden machen müsste, unbezahlt.

Konken:
Dreimal wurde Rüggeberg zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Ein Verlag behauptete, ungefähr nach Tarif zu zahlen, am Ende waren es jedoch nur noch 1500 Euro brutto – statt 1781 Euro, die Tageszeitungsvolontären im ersten Jahr tariflich zustehen. Zusätzlich stand schon vorher fest, dass sie pro Monat noch bis zu 25 Überstunden machen müsste, unbezahlt.

Spiegel Karriere:
Bei einer großen Tageszeitung wiederum sollte sie vor dem Volontariat ein ganzes Jahr als Praktikantin arbeiten. Und selbst dann wäre die Anstellung nicht sicher gewesen. Die letzte Redaktion bot ihr schließlich gerade einmal 1000 Euro brutto an. „Das ist Ausbeutung. Niemand, der einen Universitätsabschluss hat, sollte es nötig haben, für 1000 Euro brutto arbeiten zu müssen, selbst als Berufseinsteiger.“

Konken:
Bei einer großen Tageszeitung wiederum sollte sie vor dem Volontariat ein ganzes Jahr als Praktikantin arbeiten. Und selbst dann wäre die Anstellung nicht sicher gewesen. Die letzte Redaktion bot ihr schließlich gerade einmal 1000 Euro brutto an. „Das ist Ausbeutung. Niemand, der einen Universitätsabschluss hat, sollte es nötig haben, für 1000 Euro brutto arbeiten zu müssen, selbst als Berufseinsteiger.“

Undsoweiter…

Ich habe die jeweiligen Websites kopiert und dokumentiert, damit nicht jemand im nachhinein noch was hineinschreibt. (Vgl. auch „Recherchegruppe„)

[Update] Meedia.de berichtet: „Der DJV-Chef und ein Abschreibevorwurf“.

Haben deutsche Geheimdienste Jounalisten bei der „Welt“ bestochen?

Schaufensterpuppen

Haben deutsche Geheimdienste Jounalisten bei Welt Online bestochen? Burks sieht Anzeichen.

„Das spielt den Geheimdiensten in die Hände“, sagte Burkhard Schröder, der das Stöbele-Bashing seitens der Journalisten Dirk Banse und Günther Lachmann von der „Welt“ kritisch bewertete. Es sei „grenzwertig“, wenn sich Journalisten so für die Interessen der Geheimdienste einspannen ließen.

Das Beste im Leben für deutsche Journalisten ist eben doch, Pressesprecher zu sein von Geheimdiensten und der Obrigkeit verwöhnt zu werden.

TV-Formate der Zukunft

Die Titanic über „TV-Formate der Zukunft“: Ein Politiker, ein Wissenschaftler, ein Medientycoon und ein Pornostar müssen sich zwei Stunden unentwegt gegenseitig anstarren, ohne zu blinzeln. Verloren hat, wer zuerst blinzelt; doppelt verloren hat, wer blinzelt und dabei lacht. Danach werden alle erschossen (auch die Zuschauer).“

Das würde schon mal ein Problem lösen.

Chip nicht mehr krypto? [Update]

Spiegel online (18.11.2009): „Neuer Krypto-Chip fürs Kanzler-Handy: Merkel wird abhörsicher.“

Spiegel online (24.10.2013: „Mögliche Überwachung von Kanzler-Handy (…) Nach einer Überprüfung durch den Bundesnachrichtendienst und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hielt die Regierung den Verdacht offenbar für ausreichend plausibel, um die US-Regierung damit zu konfrontieren.“

Ach? Wie wäre es, die Fakten ein bisschen zu recherchieren, liebe Medien? Was genau und wie wird von wem abgehört? Ist der „Krypto-Chip“ in Merkels Handy nicht mehr „krypto“? Es kann doch nicht sein, dass sich niemand, niemand, niemand für die wesentliche Frage zum Thema interessiert (außer mir)?

Update: Es war nicht das Krypto-Handy, sonder das Partei-Handy, schreibt die FAZ.

Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen

Der US-amerikanische VPN-Anbieter Cryptoseal schließt, jedenfalls für Privatleute. Dazu ein schon etwas älteres Zitat Jürgen Schmidts (Heise Security):

Die wichtigste Lehre aus den Vorgängen beim E-Mail-Provider Lavabit ist, dass man der Verschlüsselung amerikanischer Dienst-Anbieter nicht mehr vertrauen kann. Das ist nun keine Vermutung übereifriger Verschwörungstheoretiker mehr, sondern ein von einem Gericht dokumentierter Fakt.

Der Titel bei Heise „Todesurteil für Verschlüsselung in den USA“ ist ein wenig irreführend: Phil Zimmermanns Firma sitzt ja auch in den USA.

Es wird Zeit, langsam Bilanz zu ziehen, was hierzulande als Konsequenz aus den Enthüllungen Snowdens geschehen ist: Nichts. Das Thema ist auch aus den Medien verschwunden.

Opium fürs Volk

Kosten des Afghanistan-Krieges (nein, es ist nicht ein Einsatz von „Schutz“truppen) für Deutschland bisher: 3590,6 Mio. Euro. Die vorhersehbare Pleite des Nürburgrings kostet den Steuerzahler 254 Mio. Euro. Kosten des Berliner Flughafen-Debakels vorausssichtlich fünf Milliarden Euro.

Kosten der katholischen Verschwendungssucht in Limburg: 40 Mio. Euro. Warum schreiben die Medien bloß über die klitzekleinen Fälle, die niemanden interessieren?

The Good Guardian Empire strikes back

The Guardian: „Editors on the NSA files: ‚What the Guardian is doing is important for democracy'“.

Viel interessanter ist es zu verfolgen, welche Medien bzw. Chefredakteure den Guardian nicht unterstützen…

Die Zukunft der Printmedien

Printmedien

Zu treuen kapitalistischen Händen oder: Wohlstand für alle!

wohlstand für alle

Programminformation der ARD: „Im Frühsommer 1990 wurde die Treuhandanstalt gegründet, um die ‚volkseigenen‘ Betriebe der DDR zu privatisieren. In den folgenden vier Jahren werden rund 4.000 dieser Betriebe geschlossen, etwa zweieinhalb Millionen Arbeitsplätze gehen verloren. Die Treuhandanstalt macht bis zu ihrer Schließung Ende 1994 Schulden in Höhe von insgesamt 256 Milliarden Mark – umgerechnet rund 150 Millionen Mark jeden Tag. Zudem lässt sich die Treuhand um viele Milliarden Mark betrügen. Dieser Skandal wurde nie vollständig aufgeklärt. Die meisten Täter gingen straffrei aus oder wurden nicht einmal angeklagt. Über 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist es Zeit, Fragen zu stellen.“

Ach.

Nach 20 Jahren? Und gibt es keine Medien mehr in Deutschland, die versuchen, Skandale aufzuklären? Das geht natürlich nicht, wenn man zum Beispiel Interviews „autorisieren“ lässt…

Wie sagte Anton Hofreiter von den „Grünen“ heute: „Wohlstand für alle!“

Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte.

Montage: Burks

Ross William Ulbricht stolpert auf der Seidenstrasse

silk road

Wenn ich etwas in deutschen Medien lese, in dem „Tor“ vorkommt, weiß ich, dass ich eine Stunde eigener Recherche vor mir habe: Das Thema interessiert, aber mich infomiert niemand so, dass das den journalistischen Standards entspräche, die ich an mich selbst anlege. Da ich Freiberufler bin, kann ich natürlich die Klappe halten, wenn ich etwas nicht weiß; andere müssen etwa schreiben, weil eine Kuh den Schwanz gehoben hat und alle anderen Kühe sich dann auch so verhalten.

Der Betreiber von „Silk Road“ ist also geschnappt worden. Da schauen wir jetzt genauer hin als Heise.

Dem FBI ist ein großer Coup im Kampf gegen den Drogenhandel gelungen. Nein. Falsch. Das ist erstens Propaganda-Sprech im schon verlorenen Krieg gegen Drogen, und zweitens müsste die These auch noch verifiziert werden. Was wäre, wenn das FBI dem mutmaßlichen Täter nichts nachweisen könnte? Dann wäre es eine Aktion Heiße Luft nach dem Muster, was wir schon kennen: Die Polizei nimmt erst mal zahllose Leute fest, die sich dann – wie sich erst dann herausstellt, wenn sich niemand mehr für das Thema interssiert – als unschuldig herausstellen. Der Berliner Polizei ist ein großer Coup im Kampf gegen Bombenbauanleitungen im Internet gelungen, weil man bei Burks eine Wohnungsdurchsuchung gemacht hat? Nein. Zwei Jahre später (eben!): nix gewesen.

silk road

Die Ermittler konnten anscheinend den Betreiber der Silk Road – einem berüchtigten Marktplatz für Illegales – verhaften und die Seite vom Netz nehmen. Berüchtigt. Ach?! Bei wem denn? US-Medien enthalten sich gewöhnlich solcher suggestiver Begriffe. In Deutschland machen sich Journalisten viel zu oft die doch sehr befangene Sicht der Ermittlungsbehörden zu eigen. Das ist nicht seriös, sondern unterschwellige Moraltheologie.

Vernünftige Leute fordern hingegen, den berüchtigten (!) Krieg gegen den Gebauch eher harmloser psychotropher Substanzen wie Haschisch und Marihuana einzustellen. In Deutschland dürfte man übrigens die Anklageschrift nicht veröffentlichen – mir hat man schon wegen einiger Zitate aus meiner eigenen (!) ein Verfahren angehängt. (§ 353d StPO – „Verbotene Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen“)

silk road

Was ist also im Fall Ross Ulbricht aka Dread Pirate Roberts geschehen? Trevor Creech fasst das sehr schön zusammen:

– Advertised Silk Road days after it’s launch on drug forums and bitcointalk.org with the username „altoid“. 8 months later he used this username looking for developers and included his personal email (rossulbricht@gmail.com) in the message.
– Using records from a seized webserver, the FBI agent subpoena’d his way back through a private VPN server to an IP address at a coffee shop on Laguna street in San Francisco. This happened to be 500 feet away from the house of one of Ross Ulbricht’s friends.
– US Customs intercepted a package containing 9 pieces of counterfeit id. All 9 had photos of Ross Ulbricht with different names.
– Ulbricht posted on Stack Overflow using his real name, asking “How can I connect to a Tor hidden service using curl in php?”. One minute later he changed his username to “frosty”, but a subpoena shows the original name.

O je. User im Silk-Road-Forum echauffieren sich über so viel Dummheit: „What a noob.“ Creech: „this guy was an amateur for someone running the largest drug dealing website in the world.“

Slate schreibt:

Oh, and the encryption key on the Silk Road server ended with the substring „frosty@frosty.“ Whoops.

Frosty’s account lives on at Stack Overflow, where you can inspect his code and pass judgment on his chops if you’re so inclined.

silk road

Fazit: Der mutmaßliche Betreiber einer Internet-Plattform für den Handel mit psychotrophen Substanzen hat so viele dumme Fehler gemacht, dass die US-amerikanischen Fahnder nicht viel Mühe hatten, ihn aufzuspüren – übrigens ganz ohne Vorratsdatenspeicherung. Und Tor wurde auch nicht kompromittiert.

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