Es gilt das genehmigte Wort

Ein Artikel von mir (5,5 Mb, pdf) in der Zeitschrift Nitro: „Es gilt das genehmigte Wort“

Im Journalismus gilt das Interview als zentrales Genre, es ist ein Mittel, um Informationen zu beschaffen. In Deutschland haben kritische Interviews allerdings keine Tradition. (…) Um so wichtiger ist es für Politik und Wirtschaft, diese Landschaft auch zu pflegen, also darauf zu achten, dass nichts publiziert wird, was nicht in den Kram passt. Bekanntes Mittel ist die so genannte „Autorisierung“, die nicht zufällig von der Autorität abstammt, die im Mutterland des Obrigkeitsstaates immer noch die Gehirne prägt. Die Autorisierung von Interviews ist so typisch deutsch wie andere Dinge, die unübersetzt in andere Sprachen übernommen wurden – wie „Blitzkrieg“, „Kindergarten“, „Berufsverbot“ und „German Internet Angst“.

Was machen eigentlich die Syrer?

Syrien als Thema ist für deutsche Medien uninteressant geworden. Informiert wird man auch nicht. Ich habe es aufgegeben, deutsche Zeitungen über internationale Themen zu lesen, außer natürlich die konkret und Telepolis.

Al Jazeera berichtet heute: „Syrian forces, backed by Lebanese Hezbollah fighters, are in full control of Yabroud after clearing out rebels holed up in the strategic Syrian town for months, Syrian state media and opposition activists have reported. Capturing Yabroud, the last major rebel bastion near the Lebanese border north of Damascus, will help President Bashar al-Assad secure the land route linking his Mediterranean coastal stronghold with the capital Damascus, and choke off a cross-border rebel supply line from Lebanon.

Interessant auch die Wortwahl in libanesischen Medien: „Syrian Army Advances in Yabroud As Terrorist Gangs Collapse at Its Borders.“

Die Strategie, einen weiteren Staat im Nahen Osten zu zerschlagen, um in den Wirren danach ein andere Regime inthronisieren zu können (wie etwa in Libyen), um „die Märkte“ für das westliche Kapital zu öffnen, scheint in Syrien nicht zu funktionieren.

Der Alpöhi der deutschen Philosophie

Sehr Interessantes Interview in der taz mit Lutz Hachmeister über das Gespräch zwischen Spiegel-Redakteuren und Heidegger (1976), das der aktuelle Print-Spiegel als „legendär“ abfeiert.

Man muss die Biografie der Beteiligten und die historischen Hintergründe kennen, um zu verstehen, was nicht gefragt und was nur abgehakt wird. (…) Georg Wolff, zum damaligen Zeitpunkt Leiter des Ressorts Geisteswissenschaften und vormals SS-Hauptsturmführer sowie Offizier des NS-Geheimdienstes SD. Er hat das Interview konzipiert. Seine Biografie bedingt eine eigene Fragestrategie und auch das Lavieren bei heiklen Punkten.

Ukraine oder: Massenmedienverblödung, revisited

Rationalgalerie (via Fefe): „Auch die Bitte des ‚Rechten Sektors‘ (jener auf dem Maidan dominierenden, bewaffneten Nazi-Formation) der tschetschenische Terrorist Doku Umarow möge doch den ukrainischen Kampf gegen Russland unterstützen, ist in den deutschen Norm-Medien nicht zu finden. Bilder aus der West-Ukraine – dem Hort der ukrainischen Europa-Bestrebungen – auf denen die vielen Denkmäler für den Nazikollaborateur Stepan Bandera gezeigt würden, sind in Deutschland nicht zu haben. Und dass Bandera von der ‚orangenen Timoschenko-Revolution‘ zum „Helden der Ukraine“ ernannt worden war, will die Redaktion lieber nicht wissen.“

Wir leben in einer Zeit der Massenverblödung

Telepolis interviewt Peter Scholl-Latour zum 90. Geburtstag.

Nun, ich hatte nie die Absicht, auf meinem Status als Opfer der Nazis im Nachkriegsdeutschland zu pochen. Da gab und gibt es ja auch viele Wichtigtuer, die sich nachträglich gerne als irgendeine Art von Widerstandskämpfern darstellten. Es gab und gibt ja auch viel zu viele Menschen, die sich etwas auf ihre Religionszugehörigkeit einbilden. Dieses Phänomen ist unter allen Religionen zu beobachten, auch gerade heute. (…)

Wenn Sie sich einmal anschauen, wie einseitig die hiesigen Medien, von TAZ bis Welt, über die Ereignisse in der Ukraine berichten, dann kann man wirklich von einer Desinformation im großen Stil berichten, flankiert von den technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters, dann kann man nur feststellen, die Globalisierung hat in der Medienwelt zu einer betrüblichen Provinzialisierung geführt. Ähnliches fand und findet ja bezüglich Syrien und anderen Krisenherden statt.

Ein Interview mit ihm kann man bei Phoenix sehen, auch über die aktuelle Situation in der Ukraine.

Kampf um Schwarzerde oder: freiwillige Selbstkontrolle

Telepolis: „Ukraine am Abgrund“ (Danke für den Hinweis).

Der Kreml will die Ukraine in das Projekt einer Eurasischen Wirtschaftsunion integrieren, um so ein Gegengewicht zur EU zu schaffen. Die Verhinderung dieser östlichen transnationalen Konkurrenzstruktur dürfte auch die Intervention des Westens in dem osteuropäischen Land teilweise erklären. Zudem sei das Assoziierungsabkommen Teil des „von Deutschland geführten Bemühens, die Ukraine für westliche Unternehmen zu öffnen“, wie es der Guardian in dankenswerter Offenheit formulierte. (…)

Denn selbstverständlich spiegelt sich in der nun anbahnenden ukrainischen Tragödie die objektive Systemkrise des kapitalistischen Weltsystems, das aufgrund permanent voranschreitender Produktivitätssprünge an eine innere Schranke seiner Reproduktionsfähigkeit stößt und eine „überflüssige Menschheit“ auf globaler Ebene produziert.

Der beste Artikel zum Thema, den ich bisher gefunden habe. Mehr muss man eigentlich nicht dazu sagen.

Ich frage mich nur, warum man in anderen Medien so einem Mumpitz lesen muss. Vermutlich deshalb, weil niemand sich traut, die Fakten („objektive Systemkrise des kapitalistischen Weltsystems“) auszusprechen – Zensur im Kopf aka freiwillige Selbstkontrolle wirkt allemal besser als ein Zensor.

Standing out from the crowd is hard

Margarita Simonyan, die Chefredakteurin von RT, kommentiert die aktuelle Lage (via Fefe)

Yesterday I spent quite some time explaining to the New York Times correspondent why I consider Russia’s position to be right. I’m Russian. I support my country and I will fight for the truth for as long as it takes. (…) And now we’ve got a genuine war going on – no, thank God, it’s not in the Crimea. It’s a media war. Every single day, every single hour the guys who work for us are told, „You are liars, you are no journalists, you are the Kremlin propaganda mouthpiece, you’ve sold yourselves to the Russians, it’s time you quit your job, and everybody is laughing at you, so change your mind before it’s too late.“ (…)

This is all typical of a media war. We’re not the first and we will not be the last to go through this. During the Arab Spring, Al Jazeera staff in Lebanon made headlines by resigning en masse. Their Egyptian colleagues followed suit. More than twenty former employees said they disagreed with the channel’s editorial line. That happened without any pressure from the world mass media, as throughout the Arab Spring Al Jazeera was completely in tune with the global mainstream. So everyone commended the channel’s actions instead of trying to attack it. (…)

I can see very clearly why I continue to work for a channel that stands alone (!) face to face with thousands and tens of thousands of Western news outlets, showing everybody the other side of the story, under daily attacks from the media that it is hardly managing to fight back. It’s my country. There is no other choice for me. But the foreign journalists who work for RT across the globe do have a choice. (…)

Standing out from the crowd is hard, sometimes to the point of unbearable.

Übrigens schreibt Spiegel online: „Betrachtet man den Präsidentschaftswechsel in der Ukraine ‚rein juristisch‘, hat Putin recht.“

Titel des Guardian: „In Ukraine, fascists, oligarchs and western expansion are at the heart of the crisis“.

Who the #$&% is Klitschko?

Marina Weisband: „Klitschkos Rolle wird in Deutschland sehr überschätzt“.

Man muss sich hingegen mal die deutschen Medien zum Thema ansehen.

Explodierende Mailboxen oder: Bcc, ccc oder icc, das ist hier die Frage

Ein wunderbarer Artikel im Tagesspiegel über die Medienkompetenz von Journalisten: „Stellen Sie das doch endlich ab!“

Ich habe mich kaputtgelacht. Aber so ist es wirklich, und noch schlimmer. Es wird auch nicht besser werden.

Im Westen nichts neues

„Wer sich aktiv informiert, entfernt sich mit noch höherer Geschwindigkeit von denen, die es bestenfalls beim Lesen der Tageszeitung oder dem Anschauen der Tagesschau belassen. (…) Der Mainstream hasst die reale Veränderung der Zustände, an die er sich klammert, so sehr, dass der Bote der realen Bedrohung pathologisiert wird. In dieser Hinsicht hat sich erschreckend wenig geändert.“ (Feynsinn)

Rassismus und Antisemitismus als ein wesentlicher Bestandteil der deutschen Sozialisation

„Bei einem Test mit einem Lügendetektor war ein Mann befragt worden, der offenbar zur Minderheit der Roma gehörte. In den Unterlagen heißt es der Rechtsanwältin zufolge, dass der Befragte ein „typischer Vertreter seiner Ethnie“ sei. Dies bedeute, dass die ‚Lüge ein wesentlicher Bestandteil seiner Sozialisation‘ sei, heißt es in den Aufzeichnungen weiter. Der frühere LKA-Beamte, der damals an den Ermittlungen beteiligt war, sagte daraufhin, er habe diese Formulierungen ‚eins zu eins‘ von dem damals beteiligten Psychologen übernommen.“ (Spiegel online über den NSU-Prozess)

„Falsche Nationalität – und falsche Rasse! (…) Ein etwaiges Kind des gemischtrassigen Paares…“ (Spiegel online über Sohn des israelischen Premiers, der sich in eine Norwegerin verliebt hat und die Reaktionen in Israel.)

Für den Spiegel-Autor Erich Follath sind die Juden also offenbar eine „Rasse“, da in Israel niemand so argumentiert hat. Vielleicht sollte man ihn wegen Volksverhetzung anzeigen; die Reaktionen wären sicher lustig. Ich habe mal eine E-Mail geschrieben:

Zentralrat der Juden in Deutschland
info@zentralratdjuden.de
(…)
Guten Tag,
ich beziehe mich auf Formulierungen auf Spiegel online vom 31.01.2014 im Artikel „Politik und Privatleben: Verbotene Liebe“ vom Erich Follath.
Dort heisst es unter anderem: „Falsche Nationalität – und falsche Rasse!“ sowie „Ein etwaiges Kind des gemischtrassigen Paares“.
In Isreal hat sicher niemand diese Begriffe so benutzt (ich kann kein Hebräisch und kann das nicht nachprüfen).
Sind Sie nicht auch mit mir der Meinung, dass Spiegel online hier rassistische und antisemitische Begriffe benutzt und suggeriert, Juden seien eine „Rasse“?
Mit freundlichen Grüßen
Burkhard Schröder

Das Ministerium für Wahrheit informiert

Das Ministerium für Wahrheit, auch bekannt als Thomas Hellmann, Berliner Justizsenator („Volljurist“), informiert: „Vorratsdatenspeicherung“ heißt jetzt „Datenschutz“.

Das Ministerium für Wahrheit hat jetzt auch eine Außenstelle, die sich als „Nachrichtenmagazin“ tarnt (Klarname: „Focus“). Das Recht der Bundestagsabgeordneten, sich zu informieren, heißt jetzt „Späh-Angriff„.

Übrigens: Wie viele unabhängige Quellen, von denen ein Journalist mindestens zwei haben sollte, bevor er oder sie etwas publiziert, werden hier erwähnt: „berichtet FOCUS unter Berufung auf Polizei und Verfassungsschutz in Berlin“?

Das Ulfberht-Schwert

Ulfberht-Schwert

Foto: Torana (Wikipedia)

Aus dem Arte-Programm von heute: „Die Wikinger zählten zu den gefürchtetsten Kriegern aller Zeiten. Einige ihrer Elitekämpfer trugen die ultimative Waffe, das Ulfberht-Schwert. Das Material, aus dem diese legendenumwobenen Schwerter geschmiedet wurden, war den europäischen Feinden der Wikinger jahrhundertelang unbekannt. Ulfberht-Schwerter waren Kunstwerke und Hightech-Waffen zugleich. Über tausend Jahre nach ihrer Erschaffung zählen diese Schwerter immer noch zu den besten, die jemals hergestellt wurden. Dabei ist vieles im Zusammenhang mit der Konzeption, der Fertigung und dem Gebrauch dieser Waffe bis heute ungeklärt. Die Dokumentation lüftet die Geheimnisse um das Ulfberht-Schwert.“

Bei KPBS Public Broadcasting, San Diego, USA, lesen wir am 25.09.2013: „The Vikings were among the fiercest warriors of all time, and a select few carried the ultimate weap- on: a sword nearly 1,000 years ahead of its time. But the secrets behind this super sword’s design, creation and use have remained hidden for centuries. Now, through a mix of science, archeology, metallurgy and history, a new NOVA/National Geographic co-production unravels the mystery and re- creates this Viking uber-weapon—the Ulfberht sword—to kick off the new fall season of NOVA.“

Gut, dass es ausländische Medien gibt, von der deutsche Medien ohne Quellen-Angabe übernehmen können.

Schwere, christlich bedingte Gewalt

Spiegel online erklärt den Imperialismus die Welt, hier: die Zentralafrikanische Republik: „In dem überwiegend christlich geprägten Land gibt es seit einem Putsch muslimischer Rebellen im März 2013 schwere, religiös bedingte Gewalt.“

Burks erklärt den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Lesern den 30-jährigen Krieg in Deutschland: „In dem überwiegend christlich geprägten Land gibt es seit dem Prager Fenstersturz im Mai 1618 schwere, religiös bedingte Gewalt.“

Manga, Manga, oder: Sex und Ismus

hentai

Liebe Jugendliche unter 18 Jahren! Bitte klickt um einen höheren Wesens willen nicht auf dieses höchst gefährliche Bild! Wenn ihr das dennoch gegen meinen Rat tut, gefährdet das Eure seelische Entwicklung, ihr beibt retardiert, Euch fallen die Haare aus und Ihr werdet als Erwachsene negativ-dekadente Persönlichkeiten. Zu weiteren Details fragt bitte jugendschutz.net oder die Bundesprüfstelle für jugendgefährende Medien.

Mal sehen, wann wir das letzte Mal den Begriff „Sexismus“ in den Medien hatten, um die Verkaufszahlen Klickraten zu erhöhen. Welt online (05.01.2014): „Milch, Sexismus und slawisches Blut“. Frankfurter Rundschau (09.01.2014): „Italien: Ein bisschen weniger Sexismus“. Spiegel online (heute): „Sexismusvorwurf“.

Die Methode kann dieses kleine familienfreundliche Blog auch: Man schreibt darüber, dass jemand anderes das jeweils gefühlt Böse getan habe, dass sich die höheren Töchter, die gerade keine Heime für „gefallene Mädchen“ errichten, aufregen künstlich erregen, so dass ein Anlass vorliegt, den Voyeurismus der lechzenden LeserInnen bebildernd zu befriedigen. Die Alice-Schwarzer-Variante: Man findet ein paar PappnasInnen, die sich moralisch entrüsten, um dann das eigene Buch zu promoten, das „zufällig“ gerade zum Thema erschienen ist.

Aktuell geht es um ein wissenschaftliches Magazin aus Japan, das ein Manga-Comic auf dem Titelblatt zeigt. Darüber hat sich eine Frau in den USA aufgeregt (die auch „zufällig“ gerade ihr Werk promoten will). Ansonsten ist gerade kein Sack Reis umgefallen, den man mit nackten Titten bebildern könnte.

„Man“ darf also keine Frauen abbilden, die im Haushalt arbeiten und gleichzeitig ein Buch lesen? Sozialanthropologen könnten sicher über das Thema „Magie der Bilder“ einiges sagen. Das erinnert ein wenig and die spanischen Konquistadoren, die den Indianern Heiligenbilder zeigten und hofften, damit bewirkten sie irgendetwas. Verwandte Themen sind auch die nichtssagenden Textbausteine „Flagge zeigen“, „Gesicht zeigen gegen Rechts“ und das Tragen von Fackeln bei Nacht Lichterketten.

Wenn ich ein wissenschaftiches Magazin herausgäbe, dann würde ich mich damit befassen, warum das Essen von Kakerlaken in so genannten gefakten „Dschungelcamps“ angeblich nicht die Jugend sittlich gefährdet, nackte Comic-Figuren, die den Akt der von der Evolution vorgesehenen geschlechtlichen Vermehrung in dümmlicher Form thematisieren, aber schon.

Ihr seid doch allesamt ein verlogenes und heuchlerisches Pack. Ich will „Sexismus-Vorwurf“ in den Medien weder lesen, hören noch sehen. Meine Klicks kriegt ihr nicht.

Donate to Support Encryption Tools for Journalists

Encryption Tools for Journalists

Ich bin erst einmmal skeptisch, wenn ich das lese:
Protecting the digital communications of journalists is now one of the biggest press freedom challenges in the 21st Century.(…) To that end, we’re providing you with an easy way to donate to support open-source encryption tools that can better protect the communications of journalists and sources.

Wer steckt dahinter? Es kann ja jeder so eine Website aufziehen. Empfohlen wurde sie in der Tor-Mailingliste.

The Freedom of the Press Foundation is dedicated to helping support and defend public-interest journalism focused on exposing mismanagement, corruption, and law-breaking in government. (…) You can go here to see a description of the organizations we are currently crowd-funding donations for.

Auch das hier klingt gut: „How to Protect Your Privacy in the Age of NSA Surveillance„.

Das deutsche Wikipedia hat gar keinen Eintrag über die Freedom of the Press Foundation. Wenn aber die EFF unterstützt, kann man der Sache vertrauen.

In Deutschland müsste man so etwas vereinsmeierisch aufziehen. Unser Verein German Privacy Fund ist ja so gedacht, da die alte German Privacy Foundation sich aufgelöst hat.

Die Neger da unten vor unserer Haustür

So erklärt uns das ehemalige Nachrichtenmagazin die Lage im Südsudan:
Hintergrund der am vergangenen Wochenende ausgebrochenen Unruhen ist ein Machtkampf von Präsident Salva Kiir mit seinem im Juli entlassenen Stellvertreter Riek Machar. Im Südsudan leben mehrere verfeindete Volksgruppen. Kiir gehört den Dinka an, die die Regierungspartei und frühere Rebellentruppe SPLM (Sudanesische Volksbefreiungsbewegung) dominieren. Sein Rivale Machar ist ein Lou Nuer. Es wird befürchtet, dass sich die Kämpfe zu einem Bürgerkrieg ethnischer Gruppen ausweiten.

Super. Dagegen ist die traditionell suggestive bürgerliche „Geschichtswissenschaft“ („große Männer machen Geschichte, weil sie gut oder schlecht drauf sind“) schon fast aufklärerisch. Verfeindete Volksgruppen. Machtkampf. Mit dem Modell kann man auch den dreißigjährigen Krieg beschreiben:
Hintergrund der am vergangenen Wochenende ausgebrochenen Unruhen ist ein Machtkampf des Kaisers und Wallensteins mit der Protestantischen Liga. Im Mitteleuropa leben mehrere verfeindete Volksgruppen. Der katholische Wallenstein gehört den Böhmen an, die die Katholischen Liga dominieren. Sein Rivale Gustav Adolf ist ein Schwede. Es wird befürchtet, dass sich die Kämpfe zu einem Krieg ethnischer und religiöser Gruppen ausweiten.

Ernsthafter Journalismus wäre: Mir zu erklären, wer welche Interessen hat. „Macht“ als Motiv gilt nicht, das ist psychologisierende Klippschule, also Unfug. Und die Völker sind warum „verfeindet“? Ich bin als Preuße auch mit den Bayern verfeindet.

Die taz ist auch nicht besser. Da schwadroniert ein deutscher Militär über „kulturelle Fertigkeiten“, die Soldaten haben müssten, und gibt unwidersprochen Sätze von sich wie: „Wir müssen als Europa schon darauf achten, was vor unserer Haustür passiert.“ Ganz schon große Haustür – mehr als 5000 Kilometer breit. Man kann bei Lobbyisten des deutschen Neo-Imperialismus auch mal kritische Fragen stellen, taz? Oder war das „embedded journalism“, also ein autorisiertes Interview und wurde vom Kriegsministerium und den hessischen Grünen gesponsort?

Pofalla ist auf jeden Fall dabei

Stefan Niggemeier hat zusammengestellt, was deutsche Medien von „gut unterrichteten Kreisen“ über die neue Regierung gesteckt bekamen. (via Hal)

Die neuen Medien fördern asoziales Verhalten

asozial

(Via Donnie Clapp)

Zensur heisst jetzt: Freiwillige Selbstkontrolle im Pressevertrieb

Zensur

Die Zeitschrift Dummy wurde zensiert. (taz und Spiegel online berichten.) Dummy bietet die zensierten Grafiken zum Download an (Beispiel oben).
Ende letzter Woche erreichte uns die Nachricht, dass die neue Ausgabe von DUMMY indiziert wurde. Nicht etwa von der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“, sondern von der sogenannten „Freiwilligen Selbstkontrolle im Pressevertrieb„, wohinter sich eine Münchener Anwaltskanzlei verbirgt, die den Presse-Grossisten Empfehlungen gibt, was man den Lesern zumuten darf und was nicht.

Es ist also definitiv falsch, wenn z.B. Spiegel online behauptet, dass Dummy zensiere. Der Zensor bzw. die Zensurbehörde ist die so genannte „Freiwillige Selbstkontrolle im Pressevertrieb“. Das Ministerium für Wahrheit hätte es nicht besser formulieren können. Zensur wird jetzt outgesourct, damit man sie verschleiern kann.

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