Class Warfare

In deutschen Medien ist das Wort „Klassenkampf“ verboten (freiwillige Selbstkontrollezensur), aber die, die ihn führen, wissen sehr wohl, was läuft:

„Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“. – „There’s class warfare, all right,…] but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.“ (Warren Buffet in der New York Times)

Focus online: Erziehung zur Dummheit und Radebrechen in Furzdeutsch

pirelli

Über diesen Screenshot von Focus online kann man stundenlang philosophieren – ob das Magazin bewusst oder unbewusst Männer Menschen zur Dummheit erziehe, und das gleich in vielfacher Hinsicht.

Ich habe nichts gegen nackte Frauen. Nackte Frauen sind wie Beton – es kommt drauf an, was man daraus macht. „Die schönsten Frauen der Welt zogen sich schon für ihn aus: den Pirelli-Kalender.“ Was sagt uns das jetzt? Das man schöne Frauen bestechen kann? Dass Schönheit zwingend verlangt, High Heels zu tragen? Dass Pirelli bestimmt, was „Schönheit“ ist? „Sexy Reifengöttinnen“? Sorry, Leute, aber wer solche Sätze verbricht, der ist dumm wie Brot und lebt intellektuell noch in den fünfziger Jahren (was heutzutage offenbar wieder verlangt wird, um Mainstream zu sein.)

„Deutsch des Grauens“ ist außerdem stark untertrieben: Was ist denn das für ein Satz? „Die dümmsten Journalisten schrieben schon für ihn: den Focus.“ Das nennt ihr Grammatik? Ich nenne das Radebrechen in Furzdeutsch.

Gut, bei Javascript habe ich jede Hoffnung fahren lassen, dass Argumente noch irgendetwas nützen könnten. Der Chefredakteur von Sueddeutsche.de hat mir sogar per elektronischer Postkarte bestätigt, dass der Einsatz von Javascript auf deren Website quasi unverzichtbar und Standard sei, auf den man nicht verzichten werde. (Unausgesprochen: Menschen mit Sehschwächen oder gar Blinde sind denen scheißegal – das ist eben keine werberelevante Zielgruppe.) Ich könnte mich jetzt auf das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik berufen, das vor den Risiken beim Einsatz von Javascript warnt. Aber seit wann interessieren sich deutsche „Online“-Journalisten für Sicherheit? Wo kämen wir denn da hin?

Damit nicht genug: Ein deutsches Magazin fordert die Rezipienten dazu auf, Malware zu installieren, um die „Inhalte“ anzeigen lassen zu können: „Wenn Sie den Internet Explorer nutzen, wird ‚Yahoo! Toolbar‘ automatisch mitinstalliert.“ Geht’s noch? Wie bescheuert muss man sein, um so etwas zu tun? „Wenn Sie dieses Möbelstück kaufen, erhalten unbekannte Einbrecher eine Kopie ihres Wohnungsschlüssels – wenn Sie das nicht wollen, müssen Sie ein neues Schloss installieren.“ Im normalen Leben würde man in einem solchen Fall nach einenm Arzt rufen oder nach einer Jacke mit ganz langen Ärmeln. In Deutschland wird man „Online“-Redakteur und darf bei Focus online zu genderpolitischen Themen („Pirelli“-Kalender) schreiben.

Gute und schlechte Nachrichten aus Venezuela und die Angst vor dem Hyperlink

Barinas

Das Foto (1998) zeigt eine Straßenszene in Barinas im Westen Venezuelas.

Welt online: „Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat drei US-Diplomaten des Landes verwiesen. Er warf ihnen Sabotage und einen Komplott mit der rechten Opposition vor, wie die Zeitung ‚El Nacional‚ in ihrer Internetausgabe berichtete. (…) Laut Maduro gibt es Beweise, dass die drei Diplomaten in Sabotageaktionen gegen Wirtschaftsbetriebe und die Energieversorgung verwickelt sind. (…) Zudem kündigte er den Aufbau einer neuen Geheimdienstabteilung an, die direkt dem Präsidenten unterstellt ist und Informationen über Destabilisierungen des Landes zusammentragen soll.“

Ein persönlicher Präsidentengeheimdienst. Das, was die Welt zuallerletzt braucht.

By the way: Ich frage mich, warum 24 Jahre nach der Erfindung des World Wide Web ein deutsches Medium – hier Welt „online“ – noch immer nicht in der Lage ist, Quellen (hier: El Nacional) zu verlinken. Bei Wikipedia lesen wir: „Hyperlinks sind ein charakteristisches Merkmal des Internet.“ Die deutschen Cheferedakteure haben das eben mehrheitlich noch nicht verstanden, sondern lassen weiter zu, dass Printartikel eins zu eins „online“ erscheinen. Geht sterben! Ich habe kein Mitleid.

Be an Outsider

„The fundamental job of journalists which, he says, is to be an outsider.“ (Seymour Hersh im The Guardian)

Cookies

cookies

In der taz steht ein ärgerlicher Artikel über Tracking per Cookies, der zwar inhaltlich richtig ist, aber das Wesentliche weglässt: Welcher Trottel erlaubt denn noch beim Surfen Cookies? Kommentieren konnte ich auch nicht, vielleicht, weil ich keine Cookies erlaube….

Merkel: Die Löhne kürzen!

BBC: Der französische Wirtschaftsminister Minister Benoit Hamon bezichtigt die Deutschen des unfairen Wettbewerbs, weil diese die Löhne künstlich niedrig hielten („by keeping pay artificially low“). „Mrs Merkel has called on France to cut wages to become more competitive.“

„I want Germany to have a social policy where competitiveness doesn’t rely on jobs paying 400 euros [£336; $534] a month,“ he went on.

„I want Germany not to base its agricultural economy on salaries of seven euros an hour. That’s what I want from the next German government.

„I want it to play fair with an economic model that isn’t based on a competition of who can pay workers the least.

„We are pitting workers at seven euros against those who earn 10, 11 or 14 an hour. That can’t work within the same territory. It’s not possible. It can’t work.“

Der Kerl hat aber nicht verstanden, wie der Kapitalismus in Deutschland funktioniert. Erstens sind die Gewerkschaften hierzulande freiwillig völlig machtlos, sie stellen nicht die Systemfrage, sondern faseln von „Tarifpartnern“. Zweitens finden die Deutschen es völlig normal, dass Arbeiter weniger Geld bekommen, wenn die Kapitalisten wieder mal den Laden an die Wand gefahren haben. Schuld ist immer ydas höhere Wesen der Markt, der mal schlecht, mal gutgelaunt ist.

Drittens berichten deutsche Medien nicht wirklich über das, was in der Ökonomie geschieht. Dazu müsste man wissen, was das ist – ein so genanntes „Volkswirtschafts“studium reicht da nicht aus. Wolfgang Storz formuliert das zutreffend: „Wirtschaftsjournalismus in der Krise: Ahnungslos, orientierungslos, überfordert“.

Die deutschen Medien plappern durchweg und unkritisch die Agitprop-Textbausteine der Angehörigen der Glaubensgemeinschaft Freier Markt(TM) nach. Ich bin mal gespannt, wie die Thesen des französischen Wirtschaftsministers hier in Deutschland zitiert werden.

Wunder gibt es nicht

Gaby Weber: „In dem Dokumentarfilm stelle ich dar, wie während der Militärdiktatur Gewerkschafter von Mercedes Benz Argentina nachts aus ihren Wohnungen entführt, in Folterzentren verschleppt und ermordet wurden und wie ich die Überlebenden gefunden habe.“

„Die spanische Version des Films wurde zur besten Sendezeit in mehreren südamerikanischen Kanälen gezeigt. Er ist Beweismittel im US-Verfahren gegen die Daimler AG. Er wurde im argentinischen Parlament vorgeführt und soll zum „nationalen Interesse“ erklärt werden.“

Und jetzt kommts:

„Das deutsche Fernsehen hat diesen Dokumentarfilm nicht ausgestrahlt. Ein anderes Filmteam hat die Zeugen, die ich in langer Recherche gefunden habe, nachgedreht und mit einem eigenen Kommentar versehen. (…) Ich habe für meinen 90-minütigen Dokumentarfilm insgesamt ein Honorar von 60 Euro von einem Bildungswerk der IG Metall erhalten.“

Welche Gründe könnte es geben, den Film in deutschen Medien totzuschweigen?

Erstens: Der Film wird auch von labournet.tv angeboten. Und das sind Gottseibeiuns Kommunisten.

Zweitens: Wie die vollständige Dokumentation zeigt, geht es auch um „die Verschwundenen von Mercedes-Benz: Strafanzeige wegen Mordes und Beihilfe zum Mord gegen Werksleiter von Mercedes Benz Argentinien.“

Schon klar. Wenn deutsche Medien wie das „Handelsblatt“ direkt mit Banken kooperieren, ohne dass ihnen das Attribut „Journalismus“ öffentlich aberkannt wird, wundert einen gar nichts mehr.

Anleger treffen Experten – Ist die Rallye vorbei?

Deutschlands Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Jetzt stützt eine internationale Analyse den düsteren Verdacht, dass die Krise die Zahl der Selbsttötungen nach oben treiben könnte. Zentrale Aufgabe in den kommenden Jahren sei es, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands weiter zu stärken, um Arbeitsplätze und Wohlstand zu sichern. Deutschland hat mehr Niedriglöhner als Zypern und Bulgarien. Ist die Rallye vorbei oder lohnt sich der Einstieg? (Quellen: Spiegel online, Wirtschaftswoche, Handelsblatt)

Nein, das mache ich nicht

javascript

Wieso schreiben die das jetzt auch noch in den Text? Und die Pappnasen-„Webdesigner“ sagen mir noch nicht einmal, warum ich die Sicherheitseinstellungen meines Browsers herunterfahren sollte. Dummes Pack.

Unter Klein- und Großintellektuellen

„Denn selbst Deutschlands Intellektuellen scheint die Totalüberwachung allen Internetverkehrs weitgehend gleichgültig zu sein“, schreibt Spiegel online zu der „Gelegenheit, einen der letzten Großintellektuellen Deutschlands im Studio zu haben“.

Wie wäre es, statt „Großintellektueller“ auch mal Kleinintellektuelle wie Burks zu fragen, die sich beim Thema auskennen?

(Was rauchen die da eigentlich bei Spiegel online?)

Nie wieder in die USA

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Wired: „The agents confiscated his laptop computer, a thumb drive and a digital camera. ICE held onto the equipment for 49 days — longer than the 30 days allowed in regulations — finally returning it only when the ACLU of Massachusetts intervened on his behalf with a letter.

Under the ‚border search exception‚ of United States criminal law, international travelers can be searched without a warrant as they enter the U.S..“

Ich frage mich, wie das die deutschen Korrespondenten machen, die in die USA reisen? Wiseo hört man nichts davon? Und wieso haben die deutschen Medien über das Thema nicht berichtet? Werden die alle durchgelassen, weil deutsche Medien Interviews autorisieren lassen und deshalb pe default harmlos sind? Oder zeigen die alle bereitwillig Ihre Rechner vor mit den Worten „jawoll, geliebte Obrigkeit“ auf den Lippen?

Die American Civil Liberties Union (ACLU) von Massachusetts, von der Wired die Story wohl hat, berichtet über diese Fälle noch detaillierter:
The government searched House’s electronics for 183 keywords, turning up more than 26,000 potentially responsive „files/objects.“ But even the government’s own invasive analysis of House’s information concluded that „no data was found that constituted evidence of a crime (and would justify ICE’s seizure of the materials).“

Das Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten (United States Department of Homeland Security) arbeitet also mit dem Justizministerium zusammen, beschlagnahmt Rechner politischer Aktivisten und sucht darauf. Nein, sie löschen sogar die Daten: „the government has agreed to destroy all data it obtained from his laptop and other electronics when he entered the U.S. after a vacation“.

Man kann also davon ausgehen, dass man bei der Einreise in die USA alle sichtbaren Truecrypt-Container auf seinen Rechnern löschen muss. Ich habe ja schon 1979 nur ein begrenztes Visum in die USA erhalten im Gegensatz zu allen anderen, die ich kannte, die schon mal dort waren. Die haben mich also schon seit den siebziger Jahre in der Kartei.

Das wird hier auch noch so kommen – die Klassenkämpfe sozialen Spannungen werden hier auch zunehmen. Ich werde das wohl noch erleben. Mein Rechner wurde illegal über zwei jahre lang konfisziert, und es hat auch kaum jemanden interessiert (außer Heise), obwohl das Gericht, das mich endlich freigesprochen hatte, sogar ausdrücklich „rechtsstaatswidrige Weise“ ins Urteil schrieb. Hier gibt es eben keine ACLU, auf die man in einem solchen Fall bauen könnte.

Was sagen unsere Verschwörungstheoretiker von der „Online“-Durchsuchung eigentlich dazu? Warum machen die das in den USA so umständlich?

Annette Ramelsberger (Süddeutsche 2006): „Den meisten Computernutzern ist es nicht klar: Aber wenn sie im Internet surfen, können Verfassungsschützer oder Polizei online bei ihnen zu Hause auf die Festplatte zugreifen und nachschauen, ob sie strafbare Inhalte dort lagern – zum Beispiel Kinderpornographie oder auch Anleitungen zum Bombenbau.“

Warum also Rechner beschlagnahmen, wenn das (angeblich) auch so geht?

Lieber Spiegel,

Du lässt jemand formulieren, die „Autorisierung“ eines Interview sei „ein im deutschen Journalismus üblicher Vorgang“. Das ist falsch.

Dafür gibt es weder eine rechtliche Grundlage noch würde das ein seriöser Journalist zulassen. Als ich Chefredakteur war, habe ich das „Autorisieren“ schlicht verboten.

Auch hier sollten Spiegel-Redakteure mal den Guardian lesen: „In Germany, approval for access is commonplace – but it means journalists play by politicians‘ rules.“

Kein Wunder, dass sich Snowden nicht an deutsche Medien gewandt hat.

Verschlüsselte E-Mails auslesen?

Tagesschau: „Die neuen Erkenntnisse zu den Anstrengungen von NSA und GCHQ bedeuten nicht zwangsläufig, dass die Geheimdienste alle verschlüsselten Mails auslesen. Sie haben nach Ansicht von Experten dadurch in Verdachtsfällen die Möglichkeit jede E-Mail zu knacken – sollten die Angaben Snowdens der Wahrheit entsprechen.“ (Danke, Ruben: „Was berichten die Medien als Nächstes? Das Gerät NSA kann jetzt alles, auch Kaffee kochen?“)

Was ist denn das für ein Unsinn? Und welche „Experten“ wurden da gefragt?

Gestern zitierte ich Edward Snowden. u.a. laut Wired:
Properly implemented strong crypto systems are one of the few things that you can rely on,” he said, though cautioning that the N.S.A. often bypasses the encryption altogether by targeting the computers at one end or the other and grabbing text before it is encrypted or after it is decrypted.

Heise übersetzt das so: „Verschlüsselung funktioniert. Sauber implementierte, starke Verschlüsselung ist eines der wenigen Dinge, auf die man sich noch verlassen kann.“ Die Betonung liegt auf „sauber implementiert“.

Wie ich immer in meinem Seminaren sage: Man kann sich das Niveau der Berichterstattung deutscher Medien über Sicherheitsthemen nicht unterirdisch genaug vorstellen.

Deutsche Medien im Kriegsrausch

Telepolis: „Deutsche Medien im Kriegsrausch (…) entdecken deutsche Medien den moralischen Imperativ von Massenvernichtungswaffen – ein Beispiel für die kuriosen Begründungen für einen sinnlosen Rachefeldzug.“

Interessant ist auch, was die Graswurzelrevolution vor drei Jahren über den Kriegshetzer Bernd Ulrich schrieb, der in der ZEIT die Front der Bellizisten anführt: „Von 1984 bis 1988 war Bernd Ulrich, heute stellvertretender Chefredakteur der Zeit und Leiter ihres „Politik-Ressorts“, Journalist bei der Graswurzelrevolution.“

Grossangriff auf Verschlüsselung

Well, when the president does it, that means it is not illegal. (Richard Nixon)

Heise: „Laut Guardian verlangten Vertreter der Geheimdienste von der britischen Zeitung und ihren Partnern New York Times und ProPublica, die Enthüllungs-Artikel über die Angriffe von NSA und GCHQ auf Verschlüsslung im Internet zu unterlassen. Begründung: Zielpersonen im Ausland könnten durch die Veröffentlichung veranlasst werden, zu neuen Formen der Verschlüsselung oder der Kommunikation im Allgemeinen zu wechseln, die schwerer zu sammeln und zu entschlüsseln wären. Guardian, New York Times und ProPublica lehnten das Ansinnen zwar ab. Sie entschieden sich aber, bestimmte detaillierte Informationen aus den Artikeln zu entfernen.“

Was für Weicheier! Ich bin mal gespannt, ob deutsche Medien, die eventuell mit dem Guardian in der causa Snowden kooperiert haben, sich ähnlich feige verhalten. Aber vermutlich werden sie auf Grund ihrer obrigkeitshörigen Attitude (Interviews werden autorisiert, E-Mail-Verschlüsselung ist weitgehend unbekannt) erst gar nicht berücksichtigt.

Man muss bei dem Begriff „Verschlüsselung“ auch genauer hinschauen. Ist SSL gemeint? [Wikipedia über SSL] Oder geht es um public-key-Verfahren, also zum Beispiel um OpenPGP? Letzteres hat Snowden selbst benutzt und empfohlen, man kann also eine Hintertür ausschließen (nicht aber im Betriebssystem, mit dem man das nutzt).

Der Guardian schreibt:
A 10-year NSA program against encryption technologies made a breakthrough in 2010 which made „vast amounts“ of data collected through internet cable taps newly „exploitable“.
Leider werden wir im Unklaren darüber gelassen, was genau damit gemeint ist. Die New York Times ist ähnlich vage:
Beginning in 2000, as encryption tools were gradually blanketing the Web, the N.S.A. invested billions of dollars in a clandestine campaign to preserve its ability to eavesdrop. Having lost a public battle in the 1990s to insert its own „back door“ in all encryption, it set out to accomplish the same goal by stealth.

Immerhin. Wenn man den Artikel in der New York Times aufmerksam liest, erkennt man auch viel Wünschen und Wollen wie das Agitprop hiesiger interessierter „Kreise“: „The N.S.A. hacked into target computers to snare messages before they were encrypted.“ Da haben wir fast wortwörtlich, was auch hier zum Thema „Online-Durchsuchung“ herausposaunt wurde. Ich würde schon gern mehr und Genaueres wissen, wie sie das angestellt haben wollen. Die Wired hat darüber vor sieben Jahren geschrieben: „FBI Spyware: How Does the CIPAV Work?“ Man sollte auch noch einen zehn Jahre alten Artikel über den so genannten „Clipper Chip“ erwähnen.

Some of the agency’s most intensive efforts have focused on the encryption in universal use in the United States, including Secure Sockets Layer, or SSL; virtual private networks, or VPNs; and the protection used on fourth-generation, or 4G, smartphones.

Damit kommen wir der Sache schon näher.

For at least three years, one document says, GCHQ, almost certainly in collaboration with the N.S.A., has been looking for ways into protected traffic of popular Internet companies: Google, Yahoo, Facebook and Microsoft’s Hotmail.

Ich denke, dass die Metadaten, die Google et al erheben, viel mehr aussagen als wenn man die angeblichen „Sicherheits“-Features dieser Firmen knackt. Wer seine E-Mails verschlüsselt, kann auch weiter über Google-Mail vertrauliche kommunzieren, aber nur was die Inhalte angeht. Wer mit wem kommuniziert, wird and die Geheimdienste weitergereicht.

Bevor alle in Panik ausbrechen, bringt die New York Times noch ein Original-Zitat Snowdens:
„Properly implemented strong crypto systems are one of the few things that you can rely on,“ he said, though cautioning that the N.S.A. often bypasses the encryption altogether by targeting the computers at one end or the other and grabbing text before it is encrypted or after it is decrypted.
Heise übersetzt das so: „Verschlüsselung funktioniert. Sauber implementierte, starke Verschlüsselung ist eines der wenigen Dinge, auf die man sich noch verlassen kann.“ Die Betonung liegt auf „sauber implementiert“.

Quod erat demonstrandum. Sichere Verschlüsselung auf einem unsicheren System bedeutet, das Schloss vor die Tür zu nageln.
At Microsoft, as The Guardian has reported, the N.S.A. worked with company officials to get pre-encryption access to Microsoft’s most popular services, including Outlook e-mail, Skype Internet phone calls and chats, and SkyDrive, the company’s cloud storage service.

Man sieht aber auch, dass es neben der Totalüberwachung der Bevölkerung um Industriespionage geht:
By this year, the Sigint Enabling Project had found ways inside some of the encryption chips that scramble information for businesses and governments…

Bruce Schneier gibt folgenden Rat:
– Be suspicious of commercial encryption software, especially from large vendors.
– Try to use public-domain encryption that has to be compatible with other implementations.

Das Duell, die Kette, der Medienzirkus

tvduell

Ein Kommentar von mir in Telepolis über das gestrige TV-Duell zwischen Merkel und Steinbrück: „Politik sollte im Parlament stattfinden, im Colloseum ging es interessanter und unausgewogener zu“.

Man sieht und hört nur das, was man auch sehen und hören will. Duelle kann man sich also schenken, außer sie würden mit Pistolen ausgetragen. Um Argumente geht es ohnehin nicht – das hieße ja, dass die Wählerinnen und Wähler draußen im Lande rational entscheiden würden, wer sie regiert. Tun sie aber nicht. Sie fühlen. (…) Frauen mögen Merkel mehr, Männer mehr Steinbrück. Aber wer braucht eigentlich die Moderatoren? Wäre es nicht viel interessanter gewesen, Amtsinhaberin und Herausforderer allein in einen Raum zu sperren und zu warten, was dabei herauskommt? Ganz ohne Regeln?

Nicht nur tendenzieller Fall der Profitrate

media

Journalism.org hat einen ausführlichen Artikel über die ökonomische Krise der US-amerikanischen Printmedien und deren Ursachen: „What’s Behind The Washington Post Sale“. Da wir diese Situation – etwas verzögert – auch in Europa haben werden, kann „man“ sich rechtzeitig darauf einstellen.

Man darf das ruhig mal laut sagen: Außer dem Springer-Verlag und natürlich Heise hat niemand aus der Medienbranche in Deutschland eine Idee, wie man Print durch Online ersetzen kann. Augen zu und durch wird nicht helfen. Ich gehe davon aus, dass ich noch erleben werde, wie die klassischen Print-Tageszeitungen zu einem Nischenprodukt degenerieren werden.

Verrat unter Freunden

Ein wohlwollender Leser wies mich darauf hin, dass die ZEIT einen Artikel (1999, Nr. 40) aus ihrem Online-Archiv und von ihrer Website entfernt hat. Er heißt „Verrat unter Freunden – Wie die NSA, Amerikas größter und verschwiegenster Geheimdienst, deutsche Firmen ausspioniert und dabei einen Milliardenschaden anrichtet“.

Der Artikel ist noch im Usenet (cl.nordamerika.allgemein) einsehbar.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Über den Hirntod deutscher Redakteure

Rationalgalerie (U. Gellermann, wurde hier schon von einem Leser empfohlen) über die Kriegshetzer in deutschen Redaktionen:

Die türkische Polizei hatte bei Razzien gegen Anhänger der Al-Nusra Front – dem syrischen Zweig der Al-Quaida – zwei Kilo Sarin gefunden. Das ist genau jene Sorte von Giftgas, das in den letzten Tagen in den deutschen Medien eine Riesenrolle spielt. Auch die Erkenntnis, dass dieses Gift aus den Beständen des „befreiten“ Libyen stammen und dort eigentlich unter der Kontrolle der US-Armee lagern sollte, war den deutschen Medien keine Meldung wert. Wie viel libysch-amerikanisches Giftgas verschwunden ist und wo es jetzt lagert, dazu wollen sich auch die britischen und französischen Geheimdienste nicht äußern.

Anti-Antifa mit Presseausweis

Neues Deutschland: „Berliner Neonazis tarnen sich als Journalisten um Gegner auszuspähen“.

In der Praxis differenziere die Polizei nicht zwischen dem bundeseinheitlichen Presseausweis und »Kaugummiautomaten«- Presseausweisen, bemängelt ein Fotojournalist, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will

Es gibt keinen „bundeseinheitlichen“ Presseausweis. Vgl. meinen Artikel in Telepolis (06.12.2007): „Presseausweis kaputt . Die Innenministerkonferenz will den „amtlich anerkannten“ Presseausweis abschaffen. Das Gezerre um den begehrten Ausweis entlarvt aber auch die Lebenslüge des organisierten Journalismus in Deutschland“.

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