Die taz kippt einen Artikel

Die FAZ berichtet über einen Artikel, der aus der taz gekippt wurde. „Pädophilie war in der grünen Ideologie angelegt“, hatte der Autor geschrieben. Das halte ich für einen Schmarrn und für groben Unfug, aber dennoch würde ich den Artikel gern lesen, um mir selbst eine Meinung zu bilden.

Politik in 13 Wörtern

Kress: Bild-Vize Nikolaus Blome wird stellvertretender Spiegel-Chefredakteur.

Nein, ich verkneife mir dumme Gleichnisse. Boulevard kann guter Journalismus sein, und die Bild kann besser investigativ rechechieren als die meisten anderen deutschen Medien, wenn sie will. (Der Rest der Zeitung ist kein Journalismus und will es auch gar nicht sein.)

Außerdem beherzigt Bild die eiserne Regel der Wahrnehmungspsychologie: Sätze mit mehr als 13 Wörtern verstehen die meisten Leute nicht mehr. (Sorry, burks.de ist ausschließlich für die intellektuelle und politische Elite gedacht, deshalb muss ich diese Regel nicht beherzigen, sondern darf auch wie Thomas Mann schreiben.)

Blome war bei Bild aber für Politik zuständig. Das lässt tief blicken. Man hätte auch vermuten können, dass die sich eher jemanden holen, der die Onine-Version profitabler macht. Das können die Boulevard-Zeitungen. Aber offenbar soll Politik beim Spiegel jetzt volkstümlicher werden. Hony soit qui mal y pense.

Vertrauliche Quellen, digitale Spuren und böses Erwachen

Heise: „Rusbridger erklärt, die staatlich verlangte Verhinderung einer Veröffentlichung sei in den USA nahezu unmöglich. Trotzdem warnt er davor, dass es für Journalisten bald unmöglich sein wird, ihren Quellen Vertraulichkeit zuzusichern. Die meisten Recherchen, ja die meisten Leben, hinterließen einfach zu viele digitale Spuren. Die Kollegen, die Edward Snowden verunglimpfen oder sagen, Reporter sollten dem Staat trauen, könnte eines Tages ein brutales Erwachen bevorstehen. Die totale Überwachung sei eine grundsätzliche Gefahr für den Journalismus und derzeit sehe es so aus, als sei es nicht mehr eine Frage, ob diese kommt, sondern nur noch wann.“

Nein, Leute, Journalisten sind belehrungsresistent, mit wenigen Ausnahmen. Ich hatte in den letzten Monaten rund 60 Kolleginnen und Kollegen in meinen Seminaren. Drei (in Worten: drei) verschlüsseln jetzt ihre E-Mails, ale anderen verhalten sich genau so wie vorher, obwohl sie es besser wissen müssten.

Vorfabrizierte klinisch reine Phrasen und die Nicht-Existenz einer Opposition

blockparteien

Unter denen, die sich vom Leben noch irgendetwas Aufregendes erwarten, schreibt Timothy Garton Ash, möchte niemand ein Deutscher sein.

Ash beschäftigt sich mit der Rolle Deutschlands in Europa und stellt einige interessante Thesen auf, die man so in deutschen Medien noch nicht gelesen hat. Helmut Kohl, das steht in einigen Gesprächsprotokollen, hat sich damals für den Euro entschieden, weil er meinte, die fiskalische und politische Union würde sich quasi automatisch einstellen. „He had taken this decision [to commit to the monetary union] against German interests“. Nun hatte Kohl sicher genauso wo wenig Ahnung, wie Ökonomie funktioniert, wie 99 Prozent aller heutigen Bundestagsabgeordneten. Das Ergebnis der gemeinsamen Währung kann sich aber sehen lassen: Die gegenwärtige Krise des Kapitalismus (die eine ganz normale und fast vorhersagbare Vernichtung unproduktiven Kapitals ist) nützt nur der deutschen Wirtschaft und „subventioniert“ indirekt die deutschen Exporte. Die gute Nachricht für den Berufsrevolutionär ist jedoch, dass die Krise damit nicht beseitigt wird – sie wird nur auf andere abgewälzt. „This is a ‚European Germany‘ of which Thomas Mann could be proud.“

Ash beschreibt auch sehr einleuchtend, dass die staatlichen Organe, die nach Hitler in Deutschland implementiert wurden, eigentlich Demokratie garantieren. Alle kontrollieren sich gegenseitig, etwa durch die – im Vergleich zu anderen Ländern – starke Stellung des Bundesverfassungsgerichts. Das mache aber „ecutive leadership very difficult“. Das ist auch gut so, möchte man hinzufügen, wenn „Ledership“ wirklich nötig wäre.

Das bedeutet aber auch: Politischer Streit findet nicht mehr statt. Ich habe selten die sinnfreien Textbausteine der deutschen Politik, wie sie unverdaut in Talkshows und anderen Politik-Simulationen dargeboten und von den Mainstream-Medien unkritisch übernommen werden, besser beschrieben bekommen: „The entire German political class uses a kind of sanitized Lego-language, snapping together prefabricated phrases made of hollow plastic.“

Das erklärt auch, warum sich kein Ökonom oder „Wirtschaftsexperte“, der mehr als einmal ins Fernsehen eingeladen werden will, jemals trauen würde, Marx‘ Thesen über Ökonomie positiv zu erwähnen. Das regelt schon die Schere im Kopf. Man darf den allergrößten Blödsinn in grottenschlechtem Deutsch daherfaseln, es darf nur nicht etwas sein, das die Glaubenslehren der „Volkswirtschaft“ in Frage stellt. Ich finde es immer wieder sehr spannend zu beobachten, wie sich diese Selbst-Zensur der Medien, die das Lego-Sprech der politischen Klasse zum Volk transportiert, durchsetzt: Niemand befiehlt, aber alle folgen.

Die Briten sind, im Gegensatz zu den Deutschen, in der Lage, eine Art heitere Gelassenheit und Selbstironie zu zeigen. Zusätzlich verhält sich die angelsächsische Presse zu deutschen Medien, was den Mut und die Recherche angeht, wie ein Bullterrier zum Mops. Dennoch gibt es dort kaum Widerstand gegen die Wahn der totalen Überwachung. Meine These war schon immer: Die Briten glauben nicht, dass ihre politischen Klasse wirklich schlimme Dinge macht; die Deutschen wären zwar die allerletzten, die aufbegehren würden, sie trauen aber ihren FührerInnen (sic) theoretisch alles Ekelhafte zu, weil wir das schon mal hatten. Die Deutschen beschreiben sich nicht zufällig als „schlafmützig„, bieder, gemütlich und nach dem Motto lebend: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.

Wenn die Deutschen aufbegehren, tun sie das nie, um das politische System zu stürzen, sondern weil etwas gegen ihre (protestantisch geprägte) Moral geht oder weil sie vor irgendetwas Angst haben. Enzensberger und Schirrmacher reden von „postdemokratischen Zuständen“. Dahinter steht wieder nur ein Gefühl, kein politisches Programm. Diejenigen, die jetzt vor den pöhsen Geheimdiensten Angst haben, waren genau dieselben, die es gut hießen, dass die Obrigkeit private Computer ausspähen will, die noch nie eine vertrauliche E-Mail geschrieben haben, die nicht wissen, was Truecrypt ist, und die den freien Markt Kapitalismus als das Ende der Geschichte ansehen, nach dem nichts mehr kommt. [Übrigens: Von Glenn Greenwald lernen, heißt verschlüsseln siegen lernen!]

Ich frage mich mittlerweile, ob es möglich ist, dass sich eine formale Demokratie in ihr Gegenteil verkehrt, ohne das es jemand merkt, also ohne Putsch, Ermächtigungsgesetz oder Faschismus. Unstrittig hat das Kapital zur Demokratie ein nur taktisches Verhältnis, Demokratie ist nur gut, wenn die Massen ruhiggestellt werden und/oder sich verdummen lassen. [Wenn das ägyptische Militär islamistischen Terror bekämpft, ist das irgendwie schlecht, aber man nimmt es hin; wenn der syrische Diktator Assad islamistischen Terror bekämpft, muss man den Terroristen noch Waffen schicken. Wenn „Muslimbrüder“ in Mail das Land übernehmen wollen, kommt die französische Fremdenlegion. Undsoweiter.]

Ich beurteile eine Gesellschaft weniger nach dem, was die herrschende Klasse und ihre Helfershelfer aka „PolitikerInnen“ machen, sondern nach dem Zustand der „Wählerinnen und Wähler draußen im Lande“. Wenn die breite Masse sich mit allem abfindet, was geschieht, brauchte das Kapital keine Militärdiktatur. Die Nazis mussten noch die kommunistische Opposition umbringen oder in Lager stecken. Was aber, wenn es keine Opposition gibt? Die Partei „Die Linke“ stellt ja auch nicht den Kapitalismus in Frage, und ihre „linken“ Protagonisten verehren Ludwig Erhard, den Säulenheiligen der so genannten „Freien sozialen Marktwirtschaft“.

Mal ganz im Ernst: Noch nie gabe es, seitdem Deutschland als Staat existiert, eine Epoche, in der die Opposition so schwach, unfähig und vor allem auch unwissend war. Da kaum jemand aus der Vergangenheit etwas lernst, müssen wir, so fürchte ich es, noch hundert Jahre warten, bis sich das ändert.

barrierefrei

„Reporter Ohne Grenzen“ will es offenbar den Pappnasen vom DJV-Bundesverband nachmachen: Die wissen aucht nicht, wie man eine E-Mail so schreibt, dass die von jedem Ausgabegerät korrekt angezeigt wird, was unter Fachleuten als „barrierefrei“ bezeichnet wird. Ich komme mir vor wie Don Quichotte: Ich predige vernünftiges Verhalten in meinen Seminaren und weise auf die Risiken und Nebenwirkungen hin, wenn man meine Ratschläge nicht befolgt, aber niemand hält sich daran. Manchmal wünsche ich mir, kurzzeitig das Mittelalter mit Folter und Peitschenhieben zurück; manche Leute verstehen offenbar keine andere Sprache.

Unverzeihlicher Leichtsinn und die Furcht, nicht patriotisch genug zu sein

Edward Snowden in einem Interview mit der New York Times (via Fefe) auf die Frage, warum er denn mit seinem Material nicht zu ihnen gekommen sei:

After 9/11, many of the most important news outlets in America abdicated their role as a check to power — the journalistic responsibility to challenge the excesses of government — for fear of being seen as unpatriotic and punished in the market during a period of heightened nationalism. From a business perspective, this was the obvious strategy, but what benefited the institutions ended up costing the public dearly. The major outlets are still only beginning to recover from this cold period.

Schön ist auch das hier:
I was surprised to realize that there were people in news organizations who didn’t recognize any unencrypted message sent over the Internet is being delivered to every intelligence service in the world. In the wake of this year’s disclosures, it should be clear that unencrypted journalist-source communication is unforgivably reckless.

Handzahme deutsche Blogger

Don Alphonso zieht über die deutsche Blogosphäre her – ein Genuss zu lesen. Er hätte ruhig alle Namen nennen können. „Wie handzahm, ist die Fragestellung, sind Blogger bereit, sich zu geben, wenn die Gegenwerte stimmen?“

Das Sterben der Printmedien, revisited

Mario Sixtus auf Spiegel Online über die Methode, Zeitungen auf Papier herzustellen oder über den Wettbewerb „Aufwendigste Methode um Informationen von A nach B zu befördern“ [es muss aufwändig heißen]:

„von Nobelpreisträgern per Handmeißel beschriftete und von eingespannten Eichhörnchenherden über Einhorntrampelpfade gezogene Marmorplatten“.

Muahahaha. Sehr wahr.

Deswegen verzichten sie konsequent auf Links nach außen und sind sich selbst genug.

Eben. Auch Spiegel=online praktiziert das immer noch – und alle anderen Mainstream-Zeitungen auch. Wenn sich das nicht ändert, haben sie den Tod mehr als verdient.

Terror allüberall auf den Tannenspitzen

Ich konnte mich nicht zurückhalten und habe mich doch dazu hinreissen lassen, bei Spiegel online („Qaida-Personalie könnte erhöhtes Terrorrisiko bedeuten“) etwas zu kommentieren:

Wie viele unabhängige Quellen gibt es für die vielen Vermutungen („soll“) im Text? Mindestens zwei sollte ein Journalist haben. Ich sehe hier nur eine „abhängige“ – CNN und dessen Briefing durch die US-Geheimdienste. „Rand“ ist ein Think Tank, um die Streitkräfte der USA zu beraten. die zweite „Quelle“ sind „amerikanische Sicherheitsbeamte“.

Es sollte nicht die Aufgabe der Medien sein, Geheimdienstpropaganda ungefiltert wiederzukäuen. Das wäre so, als schriebe man einen Artikel über einen Verfassungsschutzskandal und benutzte ausschließlich Quellen des Verfassungsschutzes oder von Organisationen, die dem zuarbeiten.

Und was will uns das alles sagen? Wir brauchen mehr Überwachung! Har Har. Hony soit qui mal y pense.

Und nun zu uns, Printmedien: Es ist vorbei!

Brillianter Artiel von Jeff Jarvis auf Spiegel online über die Zukunft der (Print-)Medien:
Journalisten hatten die Funktion von Wächtern, die darüber entschieden, welche Nachricht das Tor zur Öffentlichkeit passieren durfte, die aus diesen Informationen Geschichten bastelten, über die sie die Kontrolle behielten. Ihre Arbeit wurde finanziert, indem diese Nachrichten zusammen mit Nicht-Nachrichten – Unterhaltung, Sport, Lifestyle – ausgeliefert wurden, die Leser und Anzeigenkunden lockten. Journalisten besaßen auf diese Weise ein herrliches Oligopol. Doch damit ist es nun vorbei.

Die Verantwortlichen in den Chef-Etagen haben es aber nicht kapiert, sondern bauen stattdessen Paywalls und erfinden Totgeburten wie das Leistungsschutz“recht“. Und wo sieht man auf den immer noch link- und quellenfreien Medien-Websites den Mehrwert, warum man ausgerechnet dort hinsurfen sollte?

Geht doch sterben. Ziehen wir also weiter. Was zählt, sind nicht Zeitungen. Was zählt, sind Nachrichten und der Journalismus.

Leserbrief c’t Security s. 38ff

Guten Tag,

Sätze wie „einen Virenschutz braucht jeder Windows-Anwender“ (S. 38) regen mich maßlos auf. Wie kann die c’t so etwas drucken? Ich habe noch nie ein Anti-Virenprogramm besessen und plane auch nicht, so etwas auf meinen Rechnern zu erlauben, zumal die Anbieter derartigen „Schlangenöls“ die Frechheit besitzen, mir penetrant bei der Installation zusätzlich Software unterjubeln wollen, z.B. die Datenkrake Google Chrome. Ist das seriöses Geschäftsgebaren?

Software schafft keine Sicherheit, sondern nur vernünftiges Verhalten. Das Problem sitzt immer vor dem Monitor und hat zwei Ohren.

Die Gegner sicherheitsbewussten Verhaltens sind ignorante Webdesigner, die Surfer um jeden Preis zwingen wollen, aktive Inhalte (etwa Javascript) zuzulassen. Sicheres Surfen unterbinden die Geschäftsmodelle fast aller Medien – und „sozialer“ Netzwerke sowieso -, die vom Verkauf der Nutzerdaten leben und nicht nur Myriaden von Cookies implementieren wollen. Mit das größte Problem ist die Unsitte, elektronische Postkarten (E-Mails) unverschlüsselt und ausschließlich in HTML verschicken zu wollen, weil es so chic aussieht und weil es alle machen. Phishing lässt grüßen.

Mit virenfreien Grüßen
Burkhard Schröder

Netzgemeinde oder: In der Meinungsblase

Neu in der Blogroll: deliberation daily.

Dort lesen wir in „über uns“:
Aber viele deutsche Politikblogs nutzen diese Möglichkeiten zu wenig. Mit wenigen Ausnahmen begnügen sie sich damit, selbsternannte Gegenöffentlichkeiten gegen einen vermeintlichen Mainstream sein zu wollen. Aus vielen dieser Netz-Communities sind Meinungsblasen geworden, die sich nur noch selber bestätigen. Andere Meinungen werden reflexhaft abgewertet, eine Auseinandersetzung mit ihnen wird oft gar nicht mehr in Betracht gezogen. Dieses Blog soll sich nicht nur an Leser richten, die mit uns von vornherein einer Meinung sind.

Schön gesagt. Die haben das schon gut erkannt: „selbst ernannte“ Gegenöffentlichkeit und Meinungsblase.

Politikblog. Das heisst, man darf sich nur einem Thema widmen, damit das Publikum, das Politik erwartet, nicht plötzlich mit nackten Brüsten konfrontiert oder gar mit unbekleideten Avatarinnen? Warum soll Politik immer so deutschprotestantisch dröge sein? Aber so isse, die deutsche „Netzgemeinde“ – eine Gemeinde eben, die fromme Lieder singt Lichterketten trägt, Abweichler mit Gemeinschaftsentzug ächtet und nackte Haut igitt findet. Die „Netzgemeinde“ ist dem Mainstream, den sie kritisiert, ähnlicher, als sie selbst zugeben würde.

der alptraum der netzgemeinde

NO sex please, we are the Netzgemeinde!

Die Mentalität der Insassen der Meinungsblase entspricht oft derjenigen, die in den Medien-Anstalten anzutreffen ist. Wenn zum Beispiel ein Redakteur dieses Blog aufrufen würde und zuerst nackte Brüste sähe, würde im Bruchteil einer Sekunde entschieden (vermutlich im Limbischen System), dass der Betreiber „unseriös“ sein muss. Und wenn burks.de in jedem Jugend“schutz“filter auf dem Index steht, werden die Journalisten, die die das Internet immer noch Neuland ist (davon gibt es mehr als genug), moralpädagogisch verängstigt. Man stelle sich nur vor, jemand erteilte mir einen Auftrag, und dem zuständigen Chefredakteur würde dieses Posting ausgedruckt und vorgelegt: „Das geht ja nun gar nicht. Nackte Brüste und zwar mehr und irgendwie aufreizender, als der mediale Mainstream erlauben würde? Was sollen denn die Leserinnen und Leser von uns denken? Der schreibt nicht bei uns.“ So ungefähr läuft das.

Ich will Redakteurinnen nicht unterschieben, dass diese zusätzlich „sexistisch“ dächten – das trifft nur auf die zu, deren intellektuelle Entwicklung seit den 70-er Jahren nicht vorangekommen ist. Seit „Pussy Riot“ sind Brüse wieder zeigbar, aber nur, wenn es dem Politischen dient. In den USA würden Brüste natürlich verpixelt – ein Traum für jeden hiesigen Jugendschatzwart, weil der Anblick der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale bekanntlich die psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hemmt.

Was anstößig ist, bestimmen also das gesunde Volksempfunden und die Netzgemeinde. Da bleibe ich doch lieber das enfant terrible, das netzpolitik.org die Netzgemeinde fürchtet ignoriert.

Es ist erst kurz nach neun Uhr. Ich bin in einer merkwürdig aufsässigen Stimmung und sollte noch mehr Kaffee trinken und von der Palme runterklettern, bevor ich auch noch die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser dieses Blogs anfange zu verprellen. Ich erwäge also, heute noch etwas Politisches oder Wissenschaftliches zu bloggen (etwa über die Arbeitswertlehre), um dieses unpolitische Posting hier zu konterkarieren.

Journalist gekündigt, weil er nicht fälschen wollte

Partal america21.de: „Paraguay: Journalist will Castro-Rede nicht fälschen und wird gekündigt“.

„Der Leiter der Zeitung, Aldo Zuccolillo, habe ihn aufgefordert, Castro Worte in den Mund zu legen, die er anhand der recherchierbaren Aufzeichnung von dessen Rede nicht verifizieren konnte, sagte López (…) Dennoch sei der Text am vergangenen Montag mit dem Titel ‚Castro gesteht Fehler und Defekte des Kommunismus ein‘ erschienen. (…) Nach dem Zwischenfall wird in verschiedenen Medien Paraguays die Freiheit der Presse diskutiert. Nach Ansicht von López wird diese Freiheit durch die weitgehende Macht privater Medienunternehmer massiv eingeschränkt.“

Klar, wenn man dem „Kommunismus“ eins auswischen kann, das fälschen die Angehörigen der Glaubensgemeinschaft Freier Markt(TM) auch mal gern.

Eine Eins mit 290 Nullen

Man könnte es eine Falschmeldung nennen oder behaupten, der Autor sei sogar zu faul oder zu dumm, bei Wikipedia zu suchen: „Nach allem, was bekannt ist, brauchen auch die Mathematiker der NSA mit ihren Großrechnern für das Knacken asymmetrischer Verschlüsselung viele Jahre“, schreibt Spiegel online.

Falsch. Guckst du hier: „Für den 2048 Bit Schlüssel bräuchte man also ca. (ganz grob) 10^290 (Das ist eine Eins mit 290 Nullen) ‚mal so lange, wie das Universum existiert…“

Das sind natürlich viele Jahre. Sehr viele. Insofern ist es auch keine Falschmeldung. Mein Schlüssel hat übrigens 4096 Bit.

Pressefreiheit in Ecuador?

Das Portal america21.de hat einen erhellenden Hintergrundbericht über die angebliche Pressezensur in Ecuador.
Reporter ohne Grenzen (ROG) übernimmt auf ihrer Homepage fast wörtlich die Kritik der interamerikanischen Menschenrechtskommission der US-dominierten Organisation Amerikanischer Staaten, der CIDH.

Die Süddeutsche ist das einzige deutsche Medium mit einer kritischen Sicht der Dinge:
…mit den Presse-Organen der alteingesessenen Elite Ecuadors liegt der Präsident über Kreuz. Er hat sich nichts Geringeres vorgenommen, als die gesamte Medienlandschaft des Landes neu zu ordnen. Sie soll „demokratisiert“ werden, das heißt, die monopolartigen Kartelle privater Unternehmen sollen aufgebrochen werden durch mehr Konkurrenz, also durch staatliche Sender oder Bürgerradios. (…) Die Friedrich-Ebert-Stiftung in Quito analysierte, aus der Sicht der Regierung sei „Kommunikation ein öffentliches Gut, das nicht dem Privatsektor überlassen werden dürfe“.

Man fragt sich, warum die Lobby-Organisation „Reporter ohne Grenzen“ kritiklos eine Position wiederkäut, die offenbar den – und nur den – US-amerikanischen Interessen dient und verschweigt, dass es um einen Machtkonflikt zwischen dem linken Präsidenten und den alten Eliten des Landes geht?

Halbierte Frauen zahlen weniger mehr

Überschrift bei Spiegel online: „Steuersystem halbiert Lohnnachteile von Frauen“.

Das hatten wir doch schon mal ähnlich: Wir sind dagegen, die Erhöhung des Falls der Profitrate zu bejahen. Oder: Wir machen weniger mehr Schulden.

Nachteile werden halbiert. Da muss ich erst einmal eine halbe Stunde überlegen, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Vermutlich gut, denn die Nachteile, die etwas Schlechtes sind, werden weniger. Zwischenfrage: Vermehren sich gleichzeitig die Vorteile, in diesem Fall: Kriegen Frauen mehr Geld, weil sie weniger Steuern zahlen? Das wäre ein deutscher Satz, den jedermann verstünde, deshalb darf er auch nicht in Gutachten über Steuern stehen.

„Frauen verdienen weniger als Männer – dafür zahlen Männer höhere Steuern“, heißt es in dem Artikel über ein Gutachten des „Deutschen Instituts für Wirtschaft“ (- nur eine Lobbyisten-Gruppe der Glaubensgemeinschaft Freier Markt(TM) halbe abhängige Quelle, darf also nicht einfach so zitiert werden, wenn man Journalismus ernst nähme. Aber man darf sie wenigstens verlinken und sollte nicht den Rezipienten überlassen, sich die Quelle selbst zu suchen, ihr schlamperten Faulpelze bei SpOn!)

Wer hat denn nun mehr? Und was will mir der Künstler Bericht damit sagen?

Noch ein Versuch: „Das deutsche Steuersystem mit seinen ansteigenden Steuersätzen dämpft die Einkommensnachteile von Frauen am deutschen Arbeitsmarkt“. Das Steigen wird also gedämpft, nein, es dämpft die Nachteile. Aber ist Steigen nicht sowieso etwas Tolles und „dämpfen“ etwas Schlechtes? Das Gute tut etwas Schlechtes, damit alles besser wird? Fragen über Fragen.

Ich versuche es mal höchstderoselbst. Frauen verdienen weniger als Männer – für die gleiche Arbeit. Sie müssen aber weniger Steuern dafür zahlen. Oder: Für das weniger Verdienen müssen sie auch weniger an den Staat abgeben. Echt jetzt?

Na bravo. Jetzt weiß ich immer noch nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Was haben die da eigentlich geraucht bei der Deutschen Presseagentur, von der dieses Deutsch des Grauens stammt?

Inkompetenter Haufen

Neues Deutschland: „Deutsche halten Medien für korrupter als Verwaltung“.

Und was machen die Journalistenverbände? Verschwenden hohe sechsstellige Summen, um sich intern mit Prozessen zu überziehen – wie der DJV. Und wählen Dummköpfe und Pappnasen zu Funktionären.

Ja, von mir kann jeder erfahren, was ich von ihm denke. Wenn ich jemanden für unfähig und inkompetent halte, dann sage ich es laut und deutlich.

Selbstkritik bei deutschen Journalisten unbekannt

MediaACT: „Criticism – unknown to German journalists“.

„More than one-third of the questioned German journalists never or hardly ever criticize their peers; two-thirds are never or hardly ever criticized even by their supervisors. Conclusion: Although German journalists regularly attack politicians and managers, they lack the experience of turning a critical view on themselves. This is a key result of an international study“.

„The project ‚Media Accountability and Transparency in Europe‘ is a comparative research effort on media accountability systems (MAS) in EU member states as indicators for media pluralism in Europe.“

Was macht eigentlich der DJV?

Ein kleiner Beitrag von mir auf meinem Recherchegruppe-Blog über die Konsequenzen, die Journalistenverbände aus den aktuellen Abhör-Skandalen (nicht) ziehen.

Das wird der Markt schon regeln

„Eine Welt der empörend erbärmlichen Bezahlung durch systematisches Unterlaufen des Mindestlohns per verbotenem Akkord, der willkürlichen Lohnkürzungen, eines Klimas des Drucks und der Angst und der gezielten Entwürdigung durch einen Pranger für „Minderleister“, formuliert Spiegel online über die Undercover-Recherche der Kollegin Pia Osterhaus als Putzfrau aka „Reinigungskraft“ in Luxushotels. Günter Wallraff war der „Pate“ für die Recherche.

Das überrascht doch nicht?! Man muss nur die Anhänger der Glaubensgemeinschaft Freie Marktwirtschaft(TM) fragen: Löhne und Arbeitsbedingungen regelt der Markt. Was gibt es da zu „empören“?

Wer jetzt „gerechte“ Löhne fordert, hat bekanntlich laut Marx nichts begriffen: „Nach gleicher oder gar gerechter Entlohnung auf Basis des Lohnsystems rufen, ist dasselbe, wie auf Basis des Systems der Sklaverei nach Freiheit zu rufen“.

Zugriff auf Internet-Festplatten, revisited

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Bundesinnenminister [bitte selbst ausfüllen] und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) drängen auf eine verstärkte Inspektion der Kommunikationsströme im Internet, um online vorangetriebene Terrorplanungen und Hetzpropaganda zu verhindern. „Wir müssen die Kontrolle des Internets verstärken. Dafür brauchen wir mehr Experten mit entsprechenden Sprachkenntnissen“, sagte [bitte selbst ausfüllen] „Das Internet bekommt eine immer zentralere Bedeutung für die Kommunikation“, pflichtete der GdP-Vorsitzende [bitte selbst ausfüllen] dem Politiker bei. Wie die verschärfte Internet-Überwachung konkret aussehen soll, ließen die Vertreter der Bundesregierung und der Polizei offen.

In [irgendein Bundesland] soll [irgendein Inlands-Geheimdienst] mit der Kontrolle von Internet-Festplatten auch inländische Terrorzellen aufspüren dürfen. Das sagte Innenminister [bitte selbst ausfüllen] der „[bitte selbst ausfüllen]“. „Zu dieser offensiven Internetbeobachtung gehört neben der Beobachtung von Homepages auch das Lesen von e-mails auf Festplatten.“

Dabei soll [irgendein Inlands-Geheimdienst] aber auch auf Rechner von mutmaßlichen Terroristen über das Internet zugreifen können, die Rede ist vom Zugriff auf ‘Internet-Festplatten’ (…) Konkret heißt es in der Gesetzesvorlage, dass [irgendein Inlands-Geheimdienst] folgende Maßnahmen anwenden darf: ‘heimliches Beobachten und sonstiges Aufklären des Internets, wie insbesondere die verdeckte Teilnahme an seinen Kommunikationseinrichtungen beziehungsweise die Suche nach ihnen sowie der heimliche Zugriff auf informationstechnische Systeme auch mit Einsatz technischer Mittel.’

Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat [bitte selbst ausfüllen] am [bitte selbst ausfüllen] grünes Licht für das umstrittene Programm zur Stärkung der Inneren Sicherheit gegeben. Ausgerüstet mit insgesamt 132 Millionen Euro will [bitte selbst ausfüllen] nun etwa terroristische Bestrebungen durch eine schärfere Überwachung von Online-Foren besser bekämpfen.

Mit dem ‚Technikaufwuchsprogramm‘ will der [irgendein Inlands-Geheimdienst] nach Informationen des SPIEGEL deutlich stärker als bislang das Internet überwachen. 100 Millionen Euro kostet das Programm.

Der Computerbenutzer merkt nichts von der Ausspähung. Trojaner nutzen Sicherheitslücken, die nur mit großer Sachkenntnis gestopft werden können. „Der Privatnutzer kann sich dagegen kaum schützen“, sagt Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs, einer Lobby-Organisation, die für möglichst wenig staatliche Überwachung im Internet eintritt.

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