Gut gemacht, Birte!
Kluge Frau, die Christine Prayon: „Christine Prayon alias Birte Schneider tritt nicht mehr in der „heute-show“ auf. Welke & Co. machten „Stimmung gegen Andersdenkende“, kritisiert die Kabarettistin. Und bezieht „Die Anstalt“ und Böhmermann mit ein. Mit Satire, die keinen Diskurs zulasse, könne sie nichts anfangen, sagt Prayon.“
Ich glaube zum Beispiel auch, wenn man das große Fass Kapitalismuskritik aufmacht und das wirklich ernst meint, ist man draußen. (…) Wie wenig bedarf es mittlerweile, um als rechts gebrandmarkt zu werden. Wann bin ich rechts, wann bin ich eine Verschwörungstheoretikerin, eine Schwurblerin? Ich habe Fragen, ich habe Kritik, ich möchte mich äußern dürfen, ich möchte auch zuhören dürfen, ich möchte auch den hören, der für das Letzte gehalten wird. Ich kann mit Satire, die das verunmöglicht, nichts mehr anfangen. Das ist ein Simulieren von Freiheit.
Unter Unterbrechern
Ganz schön fies, diese Russen. Oder waren es die chinesischen Hacker?
Tagesschau, voll empathisch
Arye Sharuz Shalicar twittert dazu: Stellt euch vor, Israels Öffentlich-rechtlicher Fernsehkanal hätte den blutigen Terroranschlag eines radikalen Islamisten am Breitscheidplatz 2016 wie folgt erklärt: „Deutschland meldet Tote und Verletzte am Breitscheidplatz in Berlin“. Würde euch das nicht wütend machen?
Man kann sich in deutschen Medien nicht mehr über Israel informieren. Ich empfehle die Jerusalem Post (Englisch).
Durch KI ersetzt werden

Unfortunately, we also have to part with colleagues who have tasks that are replaced by artificial intelligence and processes in the digital world or who do not find themselves in this new lineup with their current skills –chaos 100 –s 750 –s 750
„Wir müssen uns damit leider auch von Kollegen trennen, die Aufgaben haben, die in der digitalen Welt durch KI und/oder Prozesse ersetzt werden oder sich in dieser neuen Aufstellung mit ihren derzeitigen Fähigkeiten nicht wiederfinden“, zitiert die Berliner Zeitung eine E-Mail aus dem Axel-Springer-Verlag. „Der Axel-Springer-Verlag plant, die Zahl der Bild-Regionalausgaben zu verringern. Wie der Konzern am Montag in Berlin ankündigte, soll es künftig statt 18 nur noch 12 Regionalausgaben geben. Kleinere Standorte sollen komplett geschlossen werden.“
Es interessiert mich brennend, welche Arbeitsplätze bei Boulevard-Medien man durch künstliche Intelligenz ersetzen kann? Werden die Artikel dann besser oder schlechter, oder wird man keinen Unterschied merken?
Qualitätsmedien berichten noch schlechter als erwartet

Bislang sei keine Ortschaft der Ukraine vom Bolschewismus von [bitte selbst ausfüllen] „befreit“ worden. Oder vielleicht doch? Die Qualitätsmedien sind sich offenbar noch nicht einig. Das würde ich bald gleischschalten, sonst könnte das dumme Volk aufhören, die Nachrichten einfach so zu glauben.
Die gesamte deutsche Presse hat sich, mit wenigen Ausnahmen, komplett der Kriegshetze verschrieben und dabei gleich alle anderen journalistischen Standards ebenso über Bord geworfen. Es ist zum Fremdschämen. Vermutlich wäre jeder Text, von einer künstlichen Intelligenz erzeugt, wahrhaftiger oder zumindest neutraler.
Ich frage mich, was die Herrschaften wie zum Beispiel der oben krakeelende Russenhasser denken, wie das Publikum reagierte? Es macht doch nicht jeder die Welt, wie es ihm gefällt?! Man kann das nicht mehr irgendwie mit den Kategorien „links“ oder „rechts“ verstehen. Es kommt auch niemand auf die Idee, ein Streitgespräch zum Thema Krieg mit Leuten zu organisieren, die unterschiedlicher Meinung sind. Die gibt es gar nicht mehr, oder sie trauen sich nicht aus der Deckung. Ich kenne kein Land, in dem Pressefreiheit herrscht, in dem der öffentliche Diskurs so stromlinienförmig ist.

Vielleicht muss man bis 1848 zurück. Die deutsche Bourgeoisie hat – im Gegensatz zu Frankreich – noch nicht einmal eine bürgerliche Revolution hingekriegt. Woher soll ein demokratisches Selbstbewusstsein der Untertanen gegenüber der Obrigkeit oder dem Gruppendruck der gefühlten Mehrheit kommen? Die Deutschen waren immer brav, während die Franzosen, Italiener und die Polen als aufsässig gelten. Die polnische Regierung hat keine Corona-Zwangsmaßnahmen ergriffen, weil sie genau wusste, dass sie ausgelacht worden wäre. Die deutschen Gewerkschaften sind die zahmsten in ganz Europa. Generalstreik ist sogar per Gesetz verboten. In Frankreich wird immer irgendwo gestreikt. Und den Italienern ist ihre Regierung herzlich egal. Woher sollen Kritik oder der Zweifel am Mainstream hierzulande kommen?
Und die alte und neue Kleinbourgeoisie ist, schon wegen ihrer ökonomischen Position, per se feige, ängstlich und opportunistisch. Was will man da von deutschen Journalisten, die fast alle aus derselben Klasse stammen – eben dieser! – verlangen! Sie schauen zuerst, wohin der Wind weht, und drehen dann ihre Winkelemente dorthin.

Sich unbeliebt machen

Sich unbeliebt machen (Symbolbild) /imagine –ar 16:9 slim german Hendrik Broder and german politician Claudia Roth yelling at each other ultrarealistic, photographic press photo
Ich arbeite seit vielen Jahren, eigentlich schon Jahrzehnten, daran, mich unbeliebt zu machen. Was vor 42 Jahren mit einem lustigen Text in der ZEIT begann, macht sich inzwischen reichlich bezahlt. Claudia Roth, die charmante und charismatische Staatssekretärin für Kultur und Medien, hat diesen Prozess in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen klug zusammengefasst. Broders „Geschäftsmodell beruht auf Hetze und Falschbehauptungen“. Das war die Retourkutsche dafür, dass ich sie einmal als einen „Doppelzentner fleischgewordene Dummheit, nah am Wasser gebaut und voller Mitgefühl mit sich selbst“ bezeichnet habe. (Hendrik M. Broder)
Wg. Arbeiterklasse
Deutschlands Arbeiterklasse verarmt. Und ich bin offenbar der einzige Scheiberling in ganz Deutschland, der das so formuliert.
Geisterfahrer und Rechtsruckende

Deutsche Journalisten und die Wähler in Europa (Symbolbild)
Man muss sich Sorgen machen um die deutsche Journaille. Vielleicht sollte man Telefonnummern von Seelsorgern und Psychotherapeuten bereit halten Allüberall wählen die Wähler nicht so, wie sie sollen wie es die Journalisten hierzulande gern hätten. Woran kann das nur liegen? Geht die Welt bald unter? Naht Armageddon? Ist der altböse Feind übermächtig?
Israel: Rechtsradikale an der Regierung. Ungarn: Rechtsruck. Italien: Faschisten in höchsten Staatsämtern. Polen: Rechte und Nationalisten. Dänemark: rechtsliberale Einwanderungspolitik. Schweden: Rechtspopulisten. Frankreich: Rechtsextreme auf dem Vormarsch. Türkei: Rechtsruck und niederschmetternde Wahlergebnisse. Finnland: Rechtsruck. USA: Das Ende ist nahe, wenn Trump wieder Präsident wird.
Irgendwie ist das doch komisch? Sind unsere Anstalten ihrem weltweiten Erziehungsauftrag nicht nachgekommen? Das Mäkeln und Jammern deutscher Journalisten erscheint mir wie die Beschwerde eines Geisterfahrers, dass ihm so viele entgegenkämen. Oder wie die „Linke“, die ihre diversen Wahldesaster damit erklärt, dass die dummen Wähl die Weisheiten der Partei noch nicht begriffen hätten, statt einzusehen, dass man dummes Zeug verbreitet hat, das niemand hören will. Oder, wie ein sich links fühlender Türke meiner Schwester das Wahlverhalten der Deutschtürken erklärte: Es sei nicht die intellektuelle Elite nach Deutschland ausgewandert.
Schon klar. Die Wähler sind dumm, wenn sie die zentralen Themen aus Wokistan ablehnen oder diese uninteressant finden, weil sie mit ihrem Leben nichts zu tun haben: Diversity, was auch immer das sei, offenen Grenze für alle, [irgendeine Abkürzung mit vielen Buchstaben, die ich mir nicht merken kann], Tunten sind Frauen, Man darf nicht mit den Russen saufen, man muss Bandera Krieg gut finden, und Klima und Kapitalismusreparierei.
So einfach ist es natürlich nicht. Aber man könnte sich natürlich ein bisschen mehr anstrengen und nachdenken und analysieren, ob man nicht selbst das Falsche meint. Oder das Richtige nicht richtig gendert formuliert.
Einstweilig oder: Schützende Schriften

Keine Einstweilige Verfügung (Symbolbild). Nein, das sind auch nicht Heidi Klum und ihre Tochter.
Fefe wies darauf hin, dass das Bundesverfassungsgericht die Pressekammer des Berliner Landgerichts gerüffelt hat – und das zum achten Mal, wie die üblichen Verdächtigen herumposaunen. Es gab vergleichbare Fälle. (Ich finde übrigens den Beschluss/das Urteil des BVerfG nicht, und die Qualitätsmedien verlinken bekanntlich selten zur Quelle. Vermutlich ist es noch gar nicht online.)
Ich sehe das anders. Es ist kompliziert.
Becker forderte die Zeitung daraufhin auf, eine Gegendarstellung zu veröffentlichen, was diese aber ablehnte. Daraufhin wandte er sich an das LG Berlin und beantragte den Erlass einer einstweiligen Verfügung. Mit Erfolg. Ohne den Verlag anzuhören und „wegen Dringlichkeit ohne mündliche Verhandlung“ erließ die Kammer zwei Tage später die begehrte Verfügung.
Ein Gericht ist bei einem Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz keineswegs verpflichtet, beide Parteien anzuhören. Das ist ja der Sinn einer „einstweiligen Verfügung“: Sie ist nicht ein Urteil in der Sache.
In den zitierten Fällen ging es offenbar nur um die Eile (im Juristenjargon: Eilbedürftigkeit). Wenn es nicht eilig ist, gilt das Prinzip der Waffengleichheit vor Gericht oder audiatur et altera pars. Ich habe selbst genug einstweilige Verfügungen erhalten und auch erlassen (lassen); ich maße mir an, jeden Fallstrick bei dem Thema zu kennen.
Der Verlag wirft dem Gericht vor, diese Verfahrenshandhabung hätte bei der Berliner Pressekammer System. Das ist Bullshit. Das Berliner Landgericht hat eben öfter mit Pressesachen zu tun als etwa das Amtsgericht Monschau. Wenn ein Pressebericht online ist, sollte es eigentlich immer eilig sein.
Wem das nicht gefällt und wer ein Risiko sieht, der sollte eine Schutzschrift hinterlegen. Aber dazu war der Springer-Verlag zu arrogant, oder sie haben es vergessen.
Bedauerliches, auf Linie gebracht

Durch ein bedauerliches Missgeschick wurde für dieses Blog-Posting ein unpassendes Foto gewählt.
Was haben wir?
– Mann. Messer. Psychisch gestört. Schwer verletzte Kinder. Berlin. Michael?
– Der MDR hat ein „millionenfach gesehenes“ Video manipuliert: um es dramatischer wirken zu lassen! An einer Stelle wurden die Schreie des Aktivsten einfach zweimal hintereinander geschnitten – um sein Leid unter der Schmerz-Maßnahme der Polizei länger und schlimmer erscheinen zu lassen. Der Sender bewarb seine Doku also mit einer dreisten Fälschung – und diese ging viral.
Der MDR: Nach Durchsicht aller MDR-Veröffentlichungen zu dem Thema ist uns bei dem Short auf Youtube beim Abmischen der Tonspur ein unerklärbares bedauerliches Missgeschick passiert.
So ganz zufällig? Polizei pöhse. Klimakleber gut – in den Herzen der Redakteur*_&%Innen.
– Der DJV-JVBB (ich bin Mitglied) instragramt unglaublich hip, hipster und so was von cool seinen zahllosen Followern, dass künstliche Intelligenz gut schlecht sei, nur dürfte niemand seinen Job verlieren. Gut, dass wir darüber geredet haben.
– Der Verein Säkularer Islam fordert Bundesinnenministerin Nancy Faeser auf, die Kooperation mit dem Zentralrat der Muslime sofort einzustellen. In einem Brief an die Ministerin (…) fordert der Verein Säkularer Islam, umgehend das Verbot des IZH und die Schließung der Imam-Ali-Moschee in Hamburg. In dem zweiseitigen Schreiben des Vereins um die Soziologin Necla Kelek heißt es: Wir fordern Sie auf, die Zusammenarbeit, Kooperationen und Gesprächsformate mit dem Zentralrat der Muslime (ZMD) einzustellen. Zumindest so lange das IZH und seine Umfeldorganisationen dort Mitglied sind.“
Das halte ich für den falschen Ansatz. China will Muslime auf Linie bringen. Moscheen zu Turnhallen!
– And now for something completely different. Nutzt hier jemand Windows und Edge? (via Fefe)
– Muss hier jemand akkadische Texte übersetzen?
Must not be shared
Washington Post (die können noch recherchieren): „Leaker of U.S. secret documents worked on military base, friend says“. (Jerusalem Post, Guardian)
OG claimed he spent at least some of his day inside a secure facility that prohibited cellphones and other electronic devices, which could be used to document the secret information housed on government computer networks or spooling out from printers. He annotated some of the hand-typed documents, the member said, translating arcane intel-speak for the uninitiated, such as explaining that “NOFORN” meant the information in the document was so sensitive it must not be shared with foreign nationals.
Hihi. Also war das doch keine false flag-Operation der Russen, wie uns die Experten gesagt haben?
Ich irrte mich also, als ich schrieb: „Karten auf Papier, die da so herumliegen? (Wer druckt die eigentlich?) Und vielleicht noch kleine hölzerne Panzerchen, die man hin- und herschiebt?“ Aber nein, ich lag richtig: „Vielleicht sind die dümmer, als man denkt.“
Geheime Revoltierer
Es ist alles wie in House of Cards. Die Washington Post behauptet: Israeli spy chiefs led secret revolt against Netanyahu overhaul plans, leaked documents say.
By contrast, the Mossad, whose chief David Barnea was installed by Netanyahu, has been publicly silent on the overhaul. Israeli news media [Haaretz] reported in late February that he had given permission for low-ranking Mossad personnel to participate in the demonstrations, on the condition that they did not make their professional affiliations public.
Die Begründung für den Titel finde ich ein bisschen dünn. Wenn rangniedrigen Mitarbeitern eines Geheimdienstes erlaubt wird, gegen die Regierung zu demonstrieren, ist das kein „led secret revolt“. Die Washington Post hat offenbar alles von der Haaretz abgeschrieben.
Ich hätte das an Netanjahus Stelle in eigener Regie so inszeniert, um meine Gegner zu diskreditieren.
Unter Gleichen

Katzenbilder gehen immer.
Nur mal kurz zwischendurch:
Die Linke, als sie noch links war, benutzte den Begriff „bürgerliche Presse„. D.h.: Die Presse war und ist immer das Sprachrohr der Herrschenden, mit nur wenigen Ausnahmen. Ist das nicht so?
Daher ist das, was Elon Musk macht als sein privates Hobby – bestimmte Presseorgane als „von der Regierung finanziert“ zu bezeichnen -, inhaltlich völlig korrekt, auch wenn die Finanzierung nicht immer direkt funktioniert. Es gibt ja auch – besonders in Deutschland – die „freiwillige Selbstkontrolle, die sehr gut funktioniert, um den Schießschartenmodus der „genehmen“ Meinungen zu erzwingen. Benutzt in Deutschland ein Journalist zum Beispiel den Begriff „Klassenkampf“ (englisch „class struggle“)? Nein. Oder „herrschende Klasse„? Nein. Oder: „Tendenzieller Fall der Profitrate„? Nein.
Der Kapitalismus ist für 99 Prozent aller deutschen Journalisten das Ende der Geschichte. Danach kommt nichts mehr. Muss ja auch nicht, weil der Kapitalismus alle glücklich macht. Noch nicht einmal das Wort „Kapitalismus“ ist erwünscht.
Oder: Gibt es in Deutschland auch nur eine Zeitung, die die These erlaubt, dass es kein „Volk der Palästinenser“ gebe, genau so wenig wie ein „Volk der Sudetendeutschen„? Nein. Gibt es auch nur ein deutsches Medium, dass nicht von „besetzten“ Gebieten im Zusammenhang mit Israel spricht? Nein.
Sagte da jemand im Hintergrund: „freiwillige Gleichschaltung“?
Angekratzte Weltbilder

Der irrationale Hass, der einem von den Kleingeistern aus Wokistan in sozialen Medien anlasslos entgegenquillt, wenn man ihr schlichtes Weltbild auch nur ein bisschen ankratzt, bestätigt mich immer wieder in der Auffassung, dass es sich bei dem Phänomen um eine schichtspezifische Pseudo-Religion handelt, also um eine Art Klassismus, den mit Argumenten zu widerlegen man gar nicht erst versuchen sollte.
Unter ejakulierenden Personen

Eine nicht-ejakulierende Person in Secondlife (Symbolbild)
Man kann sich das gar nicht ausdenken. Ich dachte an einen Aprilscherz, dass die „Tagesschau“ nicht mehr „Mutter“ verwenden will. Aber die meinen es ernst! Nach dem Shitstorm, der zu erwarten war, steht da jetzt:
Anmerkung der Redaktion: In dem Text wurden die Formulierungen ‚entbindende Person‘ und ‚gebärende Personen‘ durch ‚Mutter‘ ersetzt, da sie zu Missverständnissen geführt haben. Zudem wurde die Formulierung ‚Arbeitgebende‘ durch ‚Arbeitgeber‘ ersetzt.
Mein Vorschlag: Der Begriff „Mann“ wird ab sofort verboten. Es heisst jetzt „ejakulierende Person“.
Die Wasserkocher, revisited
Habe gerade erfahren, dass mein alter Freund Albrecht Ude nicht mehr den Newsletter Netzwerk Recherche verantwortet – das hatte er seit 2003 gemacht.
Bei diesem Journalisten-Verein hat sich die Klickibunti-Fraktion durchgesetzt, die zwar wenig Ahnung von Sicherheit im Internet hat, aber dafür Seminare zum Thema anbietet. Der Newsletter war jahrelang im Ten-Standard, den Albrecht auch ins Deutsche Übersetzt hat.
Dieser Standard ist zwar ein bisschen old school und für Kaltduscher und Spartiaten, garantiert aber, dass der Text und die Links von jedem Ausgabegerät korrekt angezeigt wird. Deutsche Sonderzeichen sind auch für jemand lesbar, die Suaheli spricht und ein E-Mail-Programm in Keilschrift benutzt. Ausserdem ist der Standard ein probates Mittel gegen Phishing, weil das, worauf ein Link verweist, sich nicht hinter einer HTML-Fassade verstecken kann.
Bei mir sieht das dann (Android, K-9 Mail) so wie oben aus. Da ist man doch gleich ganz begeistert und liest freudig weiter. Gut, die können mich seit meinem Artikel über sie sowieso nicht mehr leiden.
Ich verweise auf mein Posting vom November 2012: Lehrreicher Thread im Heise-Forum zum Thema „Mail hackt Router“:
HTML-E-Mails sind kein Standard, sondern höchstens etwas, was von Microsoft aufgezwungen wurde. Nur weil es aufgezwungen wird (mit den üblichen MS-Methoden der Manipulation, Erpressung, Bestechung), ist es nicht automatisch Standard.(…)
Und HTML in Webseiten ist etwas ganz anderes, als in E-Mail: Für Webseiten ist die Hypertext Markup Language ursprünglich entwickelt worden (klar, Gopher war auch cool), während es in E-Mails nie was zu suchen hatte, bis MS ankam und meint, alles „besser“ machen zu müssen, es aber in Wirklichkeit verschlimmert hat (man nennt das „Verschlimmbesserung“, aber das ist man von MS ja gewohnt).
Aber das erkläre mal jemand einer Journaille, die mit von Stolz geschwellter Brust sich gegenseitig Preise verleiht und sich wer was was darauf einbildet, man recherchiere besser als alle anderen! Netzwerk Recherche unterscheidet sich auch hier nicht mehr vom DJV.
Ich werde den jetzt abbestellen, auch wegen der Gendersternchen.
Threesome, PsyOps und mehr
Michael Shellenberger hinter der Paywall der Welt): „Ich betrachte diese Zensoren als die gefährlichsten Menschen in Amerika“.
„Diese Institutionen wenden nun Techniken an, die früher als „PsyOps“, „psychologische Operationen“, bezeichnet wurden und heute als „Einflussoperationen“ bezeichnet werden. Es handelt sich dabei um dieselben Personen, die Alarm wegen russischer Desinformation geschlagen haben und nun ein inländisches Zensurnetzwerk überwachen, das Elemente mit Gewinnabsicht aufweist und daher als Zensur-Industrie-Komplex betrachtet werden kann. (…)
Dies bedeutet, dass es sich um ein Netzwerk handelt, das von US-Behörden, Geheimdiensten, akademischen Institutionen und Think-Tanks finanziert und gesteuert wird. Die erstellen im Wesentlichen geheime schwarze Listen und versuchen, Menschen von den wichtigsten sozialen Medienplattformen, insbesondere Twitter und Facebook, fernzuhalten. Diese Personen haben sehr starke, nicht offengelegte Verbindungen zu nationalen Regierungsüberwachungsbehörden, einschließlich der CIA. Die Verbindungen reichen von den im Kalten Krieg gegründeten Cybersecurity-Institutionen, die seit dem Zweiten Weltkrieg in der Informatik- und Technikgemeinschaft existieren, bis hin zu neuen Institutionen, die mit Steuergeldern finanziert werden und geschaffen wurden, um Regierungszensur zu rechtfertigen. (…)
Als ich ein Junge war, waren die Linken die Verteidiger der Freiheit, und es waren die Progressiven und Demokraten, die sogar das Verbrennen der Flagge verteidigt haben. (…)
Regierungsorganisationen nutzen oft Begriffe wie „Fehlinformationen“, „Desinformationen“ oder „Missinformationen“, um bestimmte Maßnahmen durchzusetzen. Es ist immer, in fast jeder Situation, ein Vorwand und eine Rechtfertigung, um jemanden zu zensieren, dessen Ansichten man nicht zulassen möchte. Jeder sollte sich von diesen Begriffen abgeschreckt und alarmiert fühlen. Es war fast immer als Mittel zur Rechtfertigung von Zensur gedacht.“
Ach?! Das kann hierzulande natürlich nicht passieren. Wir haben den Qualitätsjournalismus und die öffentlich-rechtlichen Anstalten.
Hinreichende Staatsferne
Die russische Propaganda (also automatisch voll gelogen) schrieb vor einigen Tagen: „Für Tageshonorare von bis zu 6.000 Euro (zuweilen wohl noch mehr) hatte die Regierung rund 200 Journalisten von ARD, ZDF und einigen großen Privatsendern in ihre Propaganda eingespannt. Diese „Qualitätsjournalisten“ hatten für Ministerien diverse Werbespots gedreht, Talkrunden moderiert, Interviews geführt oder Vorträge gehalten.“ (Der Link funktioniert nicht! Was kann ich tun?)
Ich habe mir das Original der Anfrage und die Antwort angesehen. (Wieso macht so etwas die AfD und nicht die Linke?)
Würde die Bundesregierung die Informationen freigeben, so wäre zudem zu befürchten, dass Kooperationspartner ihrerseits die Vertraulichkeit nicht oder nur noch eingeschränkt wahren würden. In der Konsequenz könnte es künftig zu einem Rückgang oder zum Wegfall zukünftiger Vertragspartner und in der Folge zu einem Wegfall der Erkenntnisgewinnung der deutschen Nachrichtendienste kommen. Zudem würde das Offenlegen von Vertragspartnern in Bezug auf vergütete Aufträge, Honorare oder sonstige Zahlungen (etwa für Moderation, Präsentation, Beratung, Expertisen, Interviews, Rhetorik- oder Sprachtraining usw.) durch den Bundesnachrichtendienst staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren eine belastbare Grundlage und einen erheblichen Mehrwert mit Blick auf deren Bestreben zur Informationsgewinnung bieten.
Dies alles würde dem deutschen Staatswohl zuwiderlaufen. Dies hätte signifikante Informationslücken und negative Folgewirkungen für die Abbildung der Sicherheitslage in der Bundesrepublik Deutschland sowie im Hinblick auf den Schutz deutscher Interessen im Ausland zur Folge. Insofern muss ausnahmsweise das Fragerecht der Abgeordneten gegenüber dem Geheimhaltungsinteresse der Bundesregierung zurückstehen. Dabei ist der Umstand, dass die Antwort nicht gegeben werden kann, weder als Bestätigung noch als Verneinung des angefragten Sachverhalts zu werten.
Das ist ja niedlich. Sie vergaßen noch zu erwähnen, dass die Bevölkerung verunsichert würde.
Reichelt mit seinem „Pleiteticker“ war offenbar derjenige, der das recherchiert hat. Das ist aber kein großes Geheimnis. Opportunismus ist eine Charaktereigenschaft, die in der Branche ab Werk eingebaut ist, vor allem in Deutschland. Die Anzahl der Journalistenpreise verhält sich zur Qualität der Berichterstattung reziprok proportional.
Man hört auch eine grandiose Erklärung der voll in die Branche integrierten Dame:: „Bei den von Ihnen benannten weiteren Veranstaltungen ist Linda Zervakis als Moderatorin, nicht als Journalistin, tätig geworden“. Schon klar. Ich blogge hier auch nicht als Journalist, sondern als Blogger.
Mittlerweile sind as olle Kamellen, und jeder geht zur Tagesordnung über. Und wenn ausgerechnet die Russen sich über die zu große Staatsnähe ihrer deutschen Kollegen mokieren, muss ich herzlich lachen.
Unabhängige westliche Medien, revisited
„The government has awarded a one-off payment of £20 million to the BBC World Service as part of the refresh of the Integrated Review. (…) The BBC World Service is vital in the fight against the spread of disinformation around the world.“
Unter Medienkonsumenten
Neulich regte ein guter Freund an, ich solle mir einen Überblick über meine Ausgaben verschaffen (nein, mir droht kein finanzielles Ungemach, aber er wollte mir zeigen, wie gut er mit Excel umgehen kann). Wenn man den Kleinscheiß berücksichtigt, kommt ganz schon was zusammen, obwohl ich mit permanenten Ausgaben wie Abonnements extrem sparsam bin.
Zeitschrift Z ist Luxus. Ich brauche das nicht wirklich, aber manchmal findet man doch etwas Interessantes. Ist natürlich weitgehend tl;dr und nur für Leute mit solider westlicher marxistischer Ausbildung. Die Z hat immer noch die sozialrevisionistische DKP-Sicht; über China findet man nur selten Vernünftiges. Ich haben ihnen gedroht zu kündigen, falls die Gendersternchen überhandnähmen. Die Zeitschrift kostet 35 Euro im Jahr.
Den Guardian habe ich abonniert, weil das eine, wenn nicht die beste Zeitung der Welt ist. Das digitale Abo per App kostet rund 14 Pfund im Monat, also ca. 16 Euro. Die App ist sehr gut, da fehlt nichts, und alles ist übersichtlich, und die Perspektive ist viel kosmopolitischer und weniger engstirniger als hierzulande.
Man muss Feindsender hören. Was nützt es mir, wenn ich nur meine eigene Sicht der Dinge bestätigt bekomme? Welt online habe ich wegen der Kolumnen von Don Alphonso, Henryk M. Broder und Deniz Yücel abonniert. Der Rest ist zum Teil haarsträubend, insbesondere die Artikel über historische Themen oder Ökonomie. Andere deutsche Medien sind nicht besser, und beim Tagesspiegel zum Beispiel werde ich noch zusätzlich mit Gendersprache gequält. Man lernt aber viel darüber, wie Eigenheimbesitzer, die Kleinbourgeoisie und die Hofschranzen des Kapitals ticken. Das digitale Abo kostet knapp 80 Euro im Jahr. Die App ist gut, aber der „Ticker“ lächerlich: Da werden Fußballergebnisse, kleinstädtischen Irrelevanzen, Lifestyle und der Ukraine-Krieg durcheinandergewürfelt. Wozu soll das gut sein?
Die Jerusalem Post (seit 1932!) auf Englisch und digital ist immer wieder interessant, weil man diese Sicht der Dinge, auch Internationales, nirgendwo sonst lesen kann. (Den Guardian über Israel kann man getrost vergessen.) Die App ist nicht besonders, vor allem kann man den eigenen Account nicht wirklich managen. Ich habe auf die Schnelle auch nicht wiedergefunden, wieviel ich monatlich zahle. Es war aber nicht viel.
Zum Ausgleich und wegen der sachlichen Berichte über Asien lese ich manchmal die South China Morning Post. Aber wer weiß, wie lange es die noch kostenlos oder überhaupt gibt.
Und Heise. Aber das muss ich vermutlich der Leserschaft nicht begründen.
Netflix auf zwei Geräten 13 Euro monatlich. Amazon Prime rund 90 Euro jährlich.
Wenn es mir finanziell schlecht gehen würde, könnte ich bis auf die beiden letzten „Medien“ auf alles verzichten. Wie machen das aber Leute, die nicht arbeiten können und nur knapp über die Runden kommen?































