The Expanse, revisited

the Expanse

Heise über The Expanse, Staffel 4: „Nicht so gut wie das Buch, trotzdem beste Sci-Fi im TV“. Das gilt auch für alle anderen Staffeln – ich bin gerade beim Ende der Staffel 3. Dem Artikel bei Heise kann ich kaum noch etwas hinzufügen – außer einigen kulturpessimistischen Meckereien (siehe unten).

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Meine Favoriten der Staffel 3 sind Klaes Ashford (David Strathairn – ein erfahrender alter Kerl bringt die Truppe auf Vordermann und zeigt den jungen Leuten, wo Gott wohnt – eine Rolle, die ich gern spielen würde, aber alles zugunsten einer jungen Frau, die er gefördert hat:) und Drummer (Cara Gee), die nicht nur umwerfend aussieht, sondern auch gnadenlos überzeugend spielt und eine Stimme hat, die einen Mann wie mich dumm wirkende Sachen tun lassen würde, dürfte ich sie aus der Nähe anhimmeln. Wer sich die synchronisiert anhört, sollte in den nächsten See mit einem Gewicht an den Füßen.

In vielen Hollywood-Filmen halten irgendwelche „Führer“ mit und ohne Ausstrahlung irgendwelche Reden, um die Zuhörer zu Heldentaten aufzustacheln. Auf mich wirkt das fast immer lächerlich – Billy Graham lässt grüßen. Nicht wegen der ohnehin blöden Inhalte, sondern der unprofessionellen Rhetorik. Rudi Dutschke, den ich einmal live erlebt habe, redete oft dummes Zeug und niemand verstand, was er wollte, aber er war hinreißend charismatisch.

Auch Drummer hält eine Rede, aber das macht sie aus der Sicht eines Sektenpredigersohns richtig gut – gebraucht einfache dynamische Wörter wie Trump, appelliert an das Wesentliche und die Gruppendynamik (die Zuhörer sind toll) und definiert den Feind außen. Mehr braucht eine gute Rede nicht.

Cara Gee stammt von den Ojibwa (Chippewa) aka Anishinabe ab. (Wieder was gelernt – hat Karl May die erwähnt?). Kein Wunder, dass deutsche Schauspielerinnen dagegen oft langweilig wirken (kann aber auch an meinem kosmopolitischen Geschmack liegen.)

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Und nun zu uns, Religioten! Dr. Annushka „Anna“ Volovodov (Elizabeth Mitchell, eine Methodisten-Pfäffin – was hat so jemand in einem Science-Fiction-Film zu suchen? Ihr sanfter Tonfall und dass sie immer nur helfen will, geht mir total auf den Keks. Das ist so absurd wie die Tatsache, dass in Stanislaw Lems Rauschschiffen keine Frauen, aber manchmal Pfaffen mitfliegen. Polen und die USA – zwei Länder, in denen die Religion komplett die Hirne vernebelt, dass sogar die ferne Zukunft nicht ohne die Verehrung höherer Wesen denkbar ist. Da war die Sowjetunion 1917 schon weiter (und weiter als die heutige deutsche Linke). Immerhin bringt sich ein weiterer Methodist in „The Expanse“ um – nur konsequent angesichts des großartigen Weltraumspektakels und der unendlichen Weiten.

Von deinem getreuen

anna seghers schilfrohr

Nein, der Charakter eines Schriftstellers zählt nicht, nur seine Werke. Wenn sie gut sind, erzählen Bücher mehr als der Autor geplant hat: „Zeitlos“ heisst, dass man sie auch dann noch mit Gewinn lesen kann, wenn der Verfasser schon längst tot ist oder wenn er die Gesellschaft, in der seine Bücher verkauft werden, nicht hat vorhersehen können.

So beurteile ich auch Anna Seghers – eine großartige Schriftstellerin, deren Bücher man kennen sollte. Das waren andere Zeiten, mit denen man sich befassen muss, um manche merkwürdigen Verirrungen in linken Biografien erahnen zu können. (Wer alles in einem Buch haben und auch noch gut unterhalten werden will, lese Stefan Heyms Nachruf.)

Ihre Bücher bekommt man sehr preiswert, vermutlich, weil sie nicht mehr im offiziellen Bildungskanon auftauchen darf. Ich habe mich jetzt mit den Werken, die ich von ihr noch nicht hatte, eingedeckt.

Bei der Kurzgeschichte Das Schilfrohr (Erzählungen 1957-1965) stutzte ich: Irgendjemand, ich glaube, es war Stefan Heym, hatte kritisiert, dass der Plot technisch nicht möglich sei – man könne, wenn man unter Wasser sei, durch ein Schilfrohr nicht atmen, weil das Rohr eben Knoten besäße. Die Stelle lautet bei Seghers:
…hatte sie jemand gerettet, sie wußte nicht mehr vor wem und warum, indem er unter das Wasser getaucht war und durch ein Schilfrohr geatmet hatte, solange sie nach ihm suchten. Kurt Steiner sagte, das sei erfundenes Zeug, das sei in Wirklichkeit nicht möglich. (…) Und sie zwang ihn, ins Wasser zu kriechen, und sie schnitt ein geeignetes Schilfrohr ab.

Die Frage, ob es möglich sei, stellten sich schon andere, ohne die Geschichte zu kennen. Fazit: „Bei Karl May oder James Bond geht das ganz gut – ein Schilfrohr abschneiden, abtauchen und atmen. Das ist bis zu einem gewissen Grad auch realistisch, schließlich nutzen auch Gerätetaucher in bestimmten Fällen Schnorchel. Das klappt aber nur bis zu einer geringen Tiefe.“

Deswegen ist das Wort geeignet genau richtig.

widmung

In einem der gebrauchten Bücher der Anna Seghers fand ich die obige Widmung. Es wäre spannend zu erfahren, wer sich dahinter verbarg und wie es diesem Menschen ergangen ist. 1923 geboren – zwei Jahre älter als meine Mutter, die noch als Kind die Weimarer Republik erlebt hat und sich an Ereignisse, zumal sie durch – leider sehr wenige – Fotos gestützt werden, erinnern kann. Und wer mag der „Getreue“ aus Zwickau gewesen sein, der Bücher von Seghers verschenkte?

Terminator: Dark Fate

terminator dark fateterminator dark fate

Gestern habe ich mir Terminator: Dark Fate angesehen. Mist – lohnt sich nicht. Außer Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton kann man auch die Schauspieler vergessen. Natalya Reyes („Dani Romos“) passt überhaupt nicht für die Rolle, die ihr zugedacht ist, und Mackenzie Davis als die Beschützerin der Heldin ist wohl nur ein Tribut an die geforderte political correctness: Jetzt sollen auch Lesben und Androgyne eine Identifikationsfigur haben. Fraser James macht den „Quotenneger“ – als hätte man kurz vor Schluss noch gemerkt, dass immer ein Farbiger mitspielen muss und ihn dann ohne Grund Hals über Kopf irgendwo eingebaut.

Und dann erst die deutschen Stimmen! Der pseudospanische Akzent der Latinos klingt grässlich. Ich bin Synchronisation fremdsprachiger Filme gar nicht mehr gewöhnt, weil ich alles im Original mit Untertiteln anschaue.

EJ Moreno: „The only positive of this film is it confirmed for me that I don’t think there will ever be a good Terminator film after 1991. A complete miss.“

Full ack.

I Fucking Love Frauen und Disketten und Wissenschaft

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Meinen ersten Roman hatte ich nur auf Diskette gespeichert. Als ich den Text vor ein paar Jahren im Original haben wollte, musste ich erst einen Freund bemühen, der irgendwo ein Diskettenlaufwerk organisierte.

Falls jemand noch kein Weihnachtsgeschenk für eine Dame hat – hier mein Vorschlag: Jurek Beckers Amanda herzlos – das beste Buch über Frauen und Männer, das ich kenne, ironisch, elegant geschrieben, einfach schön zu lesen.

Rezensionen gab es schon 1992, im Jahr des Erscheinens. Vielleicht verstehen Frauen das Buch gar nicht: Warum Iris Radisch ihn verreißt, kann ich nicht begreifen: „Drei nette Herren erzählen drei launige Geschichten über eine schöne Frau im Sozialismus.“ Nett sind sie ganz und gar nicht, jedenfalls nicht immer, und „launig“ ist das falsche Wort. Vielleicht hatten die Rezensenten nur keine Lust auf ein DDR-Sujet. Der „Sozialismus“ ist aber nur Staffage, man hätte sich alles – mit wenigen Änderungen – auch im Kapitalismus vorstellen können.

Oder eine Frau missbilligt, sich selbst uneingestanden, dass dieser Roman eine Frau aus der Sicht der Männer schildert, die Frau aber nur indirekt, in Form von Zitaten in indirekter Rede, vorkommt? Das ist die Pointe – jeder sieht jede(n) anders, es ist aber immer dieselbe Person. Becker hat eine unglaublich scharfe Beobachtungsgabe – selbst winzige Details im Verhalten lässt er nicht aus.

Bories vom Berg trifft es schon eher: „Wie immer beim Autor des berühmten Romans «Jakob der Lügner» ist auch hier seine ureigene literarische Methode deutlich zu erkennen, nämlich selbst außerordentlich ernste Sujets «komödienähnlich» zu bearbeiten, wie er selbst es formuliert hat. Ironie und Komik wären der von ihm präferierte Ton, das habe möglicherweise auch was mit Unterhaltsamkeit zu tun. Dieser Roman ist thematisch eindeutig mehr ein Liebesroman als ein DDR-Roman… (…) Herzlos ist Amanda, weil sie ihre Männer nicht nur physisch bespöttelt, sondern vor allem psychisch demaskiert, – und den Unrechtsstaat, den sie verachtet, gleich mit dazu!“

Ich habe das Buch schon mindestens zehn Mal gelesen und amüsiere mich immer noch köstlich.

Ein Detail ist aber eher unfreiwillig komisch: Einer der Männer will einen Roman über die Heldin schreiben, aber irgendjemand hat die Diskette, auf dem der Entwurf war, zerstört oder gelöscht. Welches Zeitfenster war das, in dem das technisch einen Sinn macht? Ab wann hatten „Heimcomputer“ Festplatten? Oder ist die fiktive Person nur einfach total zu blöd, kein Backup auf einer zweiten Diskette gemacht zu haben? Oder wusste Becker das nicht?

abbruch
Symbolbild für die deutschen Medien

Was sonst noch geschah: Die Wissenschaft empfiehlt, immer in die Dusche zu pinkeln. Gut zu wissen. (Man lernt auch viel über deutschen Humor, wenn man sich vorstellt, warum I Fucking Love Science niemals von Deutschen betrieben werden könnte.

National Geographic: „Secret Room Holds ‚Lost‘ Michelangelo Artwork
These rarely seen drawings on the chamber walls may have been created when the famed artist took refuge from the Medici family in 1530.“ Sehr hübsch.

The Guardian: „Amazon indigenous leaders killed in Brazil drive-by shooting. Gunmen opened fire on a group from the Guajajara tribe on a highway in Maranhão state, killing two and wounding others.“ Davon schreiben die deutschen Medien ab, wenn sie überhaupt etwas zum Thema bringen. Wenn man vorwiegend ausländische Medien konsumiert wie ich, wird einem klar, wie beschränkt und provinziell es hierzulande zugeht. Ausser der SPD und dem Klima (ich kann das Wort nicht mehr hören) scheint es nichts zu geben, was zur Zeit „interessant“ ist.

Wenn man auf Fratzenbuch über die schreckliche Lage der Flüchtlinge in Bosnien berichtet, kritisiert niemand ein Zitat der Bild kurz danach: „Fünf Messer-Attacken in deutschen Städten“. Man kann sich die Kommentare selbst dazudenken. [Update von gestern][Update von heute]

Die Beißreflexe bei den grünguten Menschen sind ähnlich vorhersehbar und genauso dämlich. Ich hatte einen älteren Artikel gepostet: „Der Verband Ditib kontrolliert auch in Deutschland zahlreiche islamische Prediger. Einige seiner Mitglieder wettern gegen Weihnachten“. Jemand kommentierte: „Gibt es nichts Aktuelleres zum Hetzen als fast drei Jahre alten Käse?“ Jeder blamiert sich so gut, wie er kann. Wer Religion verabscheut und noch mehr weltanschauliche U-Boote Erdogans, „hetzt“. Darauf muss man erst einmal kommen. Vielleicht kommt so etwas von den Gendersternchen.

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Ich weiß nicht, wofür das Teil ist, das über der Autobahn bei Halensee hängt – zum Füttern von irgendwetwas? Oder ein Wasserspender?

Auch schön von Russia Beyond: „It’s official: Native Americans and Siberians are cousins“. Ist nicht so ganz überraschend. Noch mehr Wissenschaft: Zebrafinken müssen Singen und Pfeifen erst lernen. Auch die IT-Ableitung der Uni Gießen muss noch viel lernen. „Die Hacker“ waren es vermutlich nicht.

Zum Schluss: Genau meine Postleitzahl war betroffen; ich habe aber alles bekommen. Nur funktioniert der neue Scanner auch nicht richtig… Mal sehen, ob ich das hinkriege.

The Irishman

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The Irishman kann man sich ansehen, großartige Schauspieler, aber zwiespältiger Plot. Ich habe einiges zu meckern.

Auf Rotten Tomatoes jubeln fast alle. Ich finde mich aber bei Rachel Wagner wieder: „In the end, the pacing is too ponderous and self-indulgent, the characters are too stagnant, and the story lacks an emotional punch.“

Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci von Martin Scorseses in Szene gesetzt- da kann eigentlich nichts schief gehen. Der Film, obzwar obwohl ein Mafia-Plot, ist im Vergleich langsam und aus der Perspektive alter Männer erzählt, insbesondere des Auftragskillers Frank Sheeran (de Niro), die kühl auf Schreckliches zurückblicken. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Man weiß aber nicht, um welche Art Film es sich handelt – eine romanhaft erzählte Dokumentation? Bei vielen Personen wird das Datum ihrer Ermordung eingeblendet. Ein Sittengemälde wie „Der Pate“? Dazu ist der Film zu kurz, und das Thema hatten wir schon 100 Mal im Kino. Action? Sehr wenig, und wenn man de Niro mit einer Pistole flüchtig und selten herumballern sieht, fragt man sich, wie man überhaupt treffen kann, wenn man so herumzappelt. Die Geschichte eines eiskalten Killers? Hatten wir schon vor 50 Jahren mit Alain Delon, wäre also ein Remake des Plots.

Die zweite Hälfte von „The Irishman“ handelt aber vorwiegend von Jimmy Hoffa, als dessen Leibwächter Sheeran arbeitete. Das ist aber schon in F.I.S.T. mit Sylvester Stallone das Thema – für mich immer noch der ultimative Gewerkschaftsfilm. In F.I.S.T. ist die Verbindung zum organisierten Verbrechen eher zwangsläufig und konsequent: Ohne die Mafia und deren „militärisches“ Eingreifen wären die Streiks gescheitert. Warum überhaupt eine Gewerkschaft sich mit der Mafia einlässt, wird in „The Irishman“ nicht erklärt, sondern schlicht vorausgesetzt.

Hoffa (der von Al Pacino brilliant gespielt wird) bleibt in „The Irishman“, was seine Motive angeht, aber seltsam blass, obwohl seine Ermordung am Ende den Film weitgehend dominiert.

Den Schluss im „Seniorenheim“ habe ich mir nicht mehr angesehen, es war langweilig. Vermutlich soll es auch um Loyalität gehen und um deren bittere Konsequenzen, wenn man zwischen zwei Menschen wählen muss, die man beide mag. Aber dazu ist diese Figur eines Killers auch ungeeignet, weil ihr die psychologische Tiefe fehlt.

Das authentische Ambiente und die Kunst der Schauspieler entschädigen für den Plot. Kann man ansehen – aber man sollte nicht mehr erwarten als man schon von Mafia-Filmen aus Hollywood kennt.

Ad Vitam!

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Unbedingt empfehlenswert: Ad Vitam auf Netflix. Die FAZ schreibt: „Die Alten lassen den Jungen keine Chance: In der französischen Serie „Ad Vitam“ geht es um den Fluch ewigen Lebens. Das klingt nach Science-Fiction, ist aber ein packender, gegenwärtiger Gesellschaftsthriller.“ Französische Filme sind eben meistens intelligenter als alles, was aus Hollywood kommt.

Und mit Hanna Schygulla!

Redakteure [sic] vom Tagesspiegel!

gendersprache

Jetzt reicht es aber endgültig mit dem sprachesoterischen Quatsch. Wie soll ich meinen Eltern, die beide über 90 Jahre alt sind und den „Tagesspiegel“ abonniert habe, diese Sprache erklären? Ist trans jetzt ein Adjektiv? Und Sternchen in Wörtern? Da drehen sich doch alle deutschen Schriftsteller von Rang und Namen im Grabe um (ich kenne keine lebenden deutschen Schriftsteller, die mir etwas sagen können, was mich interessierte).

Es gibt noch andere Zeitungen in Berlin. Das muss ich mir nicht antun.

Verirrtes

Nur mal kurz zwischendurch: Mario Vargas Llosa: El lenguaje inclusivo es una aberración. (Gendersprache ist eine Verirrung). Bien dicho, amigo!

Alter!

dürers mutter
Albrecht Dürer: Bildnis der Barbara Dürer

Die Lebenserwartung in Russland steigt dramatisch – von nur 57 Jahren bei Männern noch 1994 auf jetzt 68 Jahre und bei Frauen auf 78 Jahre.“ (Lebenserwartung Sowjetunion – USA 1970-1988)

Die Lebenserwartung in den USA sinkt weiter: „2015 wurde eine Lebenserwartung bei Geburt bei Frauen und Männern von 78,8 Jahren ermittelt, 0,1 Jahre weniger als 2014. Bei den Männern war der Rückgang mit 0,2 auf 76,3 Jahre höher als bei den Frauen, wo die Lebenserwartung um 0,1 auf 81,2 Jahre fiel. Dabei gibt es die bekannte Kluft nicht nur zwischen Frauen und Männern, sondern vor allem zwischen besser Gebildeten und den Reicheren gegenüber schlechter Gebildeten und Ärmeren. Wer reicher ist, kann statistisch mit einer um bis zu einem Jahrzehnt höheren Lebenserwartung rechnen.“

Die Lebenserwartung in der VR China ist höher als die der USA. (Länder weltweit im Vergleich)

An einem Dienstag geboren

An einem Dienstag geboren

Ich empfehle uneingeschränkt mit mit höchstem Lob Elnathan Johns An einem Dienstag geboren (AfrikAWunderhorn).

Irgendwann hatte ich vorher zufällig irgendeine der Rezensionen gelesen und dachte, man müsste so etwas einmal konsumiert haben. Der Name des Autors kam mir bekannt vor.

Ich stimme den Rezensenten zwar zu, muss das aber noch steigern: Nein, es geht nicht primär um Boko Haram, obwohl der Roman im Norden Nigerias spielt und zahlreiche Wörter in Hausa vorkommen. Das ist ein exemplarischer Roman über eine Afrikaner, der in den Wirren des frühen 21. Jahrhunderts lebt – und, falls er das könnte und es einen zweiten Teil gäbe – vielleicht auch nach Europa auswandern würde.

Ich empfehle selten Romane, weil mir selbst selten welche gefallen. Dieser aber hat mich gefesselt. Ich habe zwei Tage in jeder freien Minute das Buch in der Hand gehabt und war enttäuscht, dass es irgendwann zu einem Ende kam. Wenn ich mich recht erinnere, ist mir so etwas nur bei Umberto Eco oder Rian Malan und noch wenigen anderen passiert. Man muss anmerken, dass die Übersetzung hervorragend ist, die lakonische Sprache kommt auch im Deutschen gut rüber. Man brauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge. Aber so was von.

Ich wundere mich nur, dass die Jugendschutzwarte es nicht auf den Index gesetzt haben. Das letzte Drittel sollte man Jugendlichen nicht unbedingt zum Lesen geben – davon kriegten die Alpträume. Erinnert mich an Savior – den einzigen Film, den ich mir nicht wirklich angucken kann, weil er mein Nervenkostüm zerrüttet.

„Proserbisch“ oder: Clowns auf Hetzjagd

Zu Peter Handke hat derselbe schon 2010 das Nötige gesagt. Kein Wunder, dass der nicht mehr mit Journalisten redet.

Die FAZ spricht zu Recht von einem „Schauprozess“ gegen Handke.

Force of Nature on the Hammond

Rick Wakeman and Jon Lord on Sunflower Jam 2011

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Lange nicht mehr so gute Musik gehört: Rick Wakeman and Jon Lord on Sunflower Jam 2011! Eine gute Gelegenheit, youtube-dl für Linux zu testen.

Vikings! Dezember!

VIKINGS | Returns December 4

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Yes…..

лучше нас

Jeschke

Gefühlt habe ich mir ein Hörspiel zum letzten Mal vor fünfzig Jahren angehört. Für Wolfgang Jeschkes Der Letzte Tag der Schöpfung (Hörspiel) habe ich eine Ausnahme gemacht, weil ich das gleichnamige Buch für einen der besten Science-Fiction-Romane halte, der jemals geschrieben wurde.

Hinweis: Auf meinem externen DVD-Laufwerk als auch auf dem Laufwerk meines nagelneues Rechners hat die DVD zahlreiche Aussetzer, daher musste ich die Dateien auf die Festplatte kopieren. Woran das liegt, weiß ich nicht.

Better than us

Noch eine Empfehlung: Better than us (guter Titel, FAZ: Frau Terminator rettet die Familie). Ich schau die in Russisch und mit deutschen Untertiteln – ganz hervorragend.

Davon gibt es vermutlich bald eine zweite Staffel.

Von The Expanse musste ich mich kurz erholen, auch hier bin ich noch nicht am Schluss angelangt.

Bewaffnete Kämpfe, reloaded [Update]

bewaffnete kämpfe

Neu in meiner Bibliothek: Bewaffnete Kämpfe in Deutschland 1918-1923, hg. von Dieter Dreetz, Klaus Gessner und Heinz Sperling, Militärverlag der DDR, 1988 (Schriften des Militärgeschichtlichen Instituts der DDR).

Mein Großvater väterlicherseits hat die Rote Ruhrarmee zum Beispiel noch live gesehen.

[Update] Das Buch ist teilweise enttäuschend, nur Sprechblasen, keine Analyse. Interessant aber eine Übersicht über alle Gedenkstätten, die es zum Thema in der DDR gab.

Permanent Record

antisemiten

Neu in meiner Bibliothek: Edward Snowdens Permanent Record. Das lese ich im Original und werde berichten.

Lohn, Preis, Profit, Sonnenstrahlen

lohn, Preis, Profit

Bei den letzten Sonnenstrahlen des Sommers zu studieren: Thomas Kuczynski zu Marxens Lohn Preis Profit. Immer wieder schön zu lesen, der Alte im Original – scharf, prägnant und sarkastisch.

Ihr wärt sehr auf dem Holzweg, falls ihr glaubtet, daß der Wert der Arbeit oder jeder beliebigen andern Ware in letzter Instanz durch Angebot und Nachfrage festgestellt werde. Angebot und Nachfrage regeln nichts als die vorübergehenden Fluktuationen der Marktpreise. Sie werden euch erklären, warum der Marktpreis einer Ware über ihren Wert steigt oder unter ihn fällt, aber sie können nie über diesen Wert selbst Aufschluß geben. Unterstellt, daß Angebot und Nachfrage sich die Waage halten oder, wie die Ökonomen das nennen, einander decken. Nun, im selben Augenblick, wo diese entgegengesetzten Kräfte gleich werden, heben sie einander auf und wirken nicht mehr in der einen oder der andern Richtung. In dem Augenblick, wo Angebot und Nachfrage einander die Waage halten und daher zu wirken aufhören, fällt der Marktpreis einer Ware mit ihrem wirklichen Wert, mit dem Normalpreis zusammen, um den ihre Marktpreise oszillieren. Bei Untersuchung der Natur dieses Werts haben wir daher mit den vorübergehenden Einwirkungen von Angebot und Nachfrage auf die Marktpreise nichts mehr zu schaffen. Das gleiche gilt vom Arbeitslohn wie von den Preisen aller andern Waren.

Vgl. meine Leseempfehlung (20.05.2017, pdf): Marx popularisiert Marx von Thomas Kuczynski (mit Dank an den Schockwellenreiter).

Über Medien

„Ich suchte den Professor Tarantoga auf, der den vernünftigen Brauch pflegt, die Tageszeitungen vor der Lektüre erst einige Wochen ablagern zu lassen.“ (Stanislaw Lem: Lokaltermin, 1982) #wahlen #brandenburg #sachsen

Zeitreisen

afghanistan houseiraq house
Screenshots: Second Life Marketplace

Doktorarbeit, Anthropologische Fakultät, Volksuniversität Berlin (vormals: „Freie Universität Berlin“), im Jahr 2119: „Imperialistische Kriege im nahen Osten Anfang des 21. Jahrhunderts und deren ästhetische Widerspiegelung in virtuellen Welten, unter besonderer Berücksichtigung der ehemaligen Nationalstaaten Afghanistan und Irak“.

Das erinnert mich an einen der besten SciFi-Romane aller Zeiten: Wolfgang Jeschkes Der letzte Tag der Schöpfung. Dort sinnieren die Protagonisten über mögliche Versionen verschiedener Zukünfte; in einer ist Israel Mitglied der NATO und schickt schwer bewaffnete Soldaten in die Vergangenheit. In einer anderen Zukunft gibt es nur ein großarabisches Reich an derselben geografischen Stelle. Der Held begegnet in seiner „Gegenwart“ (in der fernen Vergangenheit) einem einsamen Krieger in einem Rauschschiff, der unter der Flagge des Vatikan mit den Bösen aufräumt. Einfach nur großartig zu lesen.

I am not your negro

The Guardian: „The Pulitzer-nominated poet Laurie Sheck, a professor at the New School in New York City, is being investigated by the university for using the N-word during a discussion about James Baldwin’s use of the racial slur.“.

„During the class, Sheck pointed to the 2016 documentary about Baldwin, I Am Not Your Negro, and asked her students to discuss why the title altered Baldwin’s original statement, in which he used the N-word instead of negro during an appearance on a talk show.

Sheck told Inside Higher Education that a white student had objected to her language.“

Schon klar. „White students“ beschweren sich über das Wort negro. Man muss auch wissen, wer Baldwin ist und woher das Zitat stammt.

By the way: Woran und wie erkennt man, ob jemand weiß ist?

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